=Krankheitsbild.= Ueber Vergiftung von Pferden durch die Rinde der

Pseudoakazie hat +Zapel+ (Zeitschr. f. Vetk. 1881, S. 456) berichtet.

Die Vergiftungserscheinungen waren: Darniederliegen der Darmperistaltik

bei geringer Auftreibung, ängstlicher stierer Blick, starke Erhöhung

der Puls- und Atemfrequenz, dunkelrote Färbung der sichtbaren

Schleimhäute, Schwäche im Hinterteil bis zur vollkommenen +Lähmung+

sich steigernd. Die Sektion ergab wässerigen Darminhalt, gerötete

Darmschleimhaut, starkes Lungenödem, dunkles, wenig geronnenes Blut.

Auch in Frankreich sind bei 6 Militärpferden tödliche Vergiftungen

beobachtet worden (Progr. milit. 1893). Als ferner im Notjahr 1893

die Akazie als Futterersatzmittel empfohlen wurde, starben einem

französischen Landwirt 3 Kühe (Figaro, 19. VIII. 1893). +Cornevin+

(Journal de Lyon 1893) kommt dagegen auf Grund seiner Versuche mit

Blättern, Zweigen, Blüten, Hülsen und Samen von Robinia pseudoacacia

und andern Robiniaarten zu dem Schluss, dass dieselben für Pferde,

Rinder, Schafe und Ziegen ungiftig sind (?).

Vergiftung durch Kreuzdornbeeren.

=Botanisches.= Die Beeren des Kreuzdorns, Rhamnus cathartica

(Rhamnee), welche als Fructus Rhamni catharticae (Baccae spinae

cervinae) offizinell sind, bilden kugelige, glänzend schwarze,

erbsengrosse, vierknöpfige Früchte, aus denen der violettrote

+Kreuzdornsaft+, Syrupus Rhamni catharticae, dargestellt wird.

Die Beeren wie der Saft enthalten als wirksamen Bestandteil das

=Rhamnokathartin=.

=Wirkung.= Das Rhamnokathartin, welches in den therapeutischen

Dosen des Kreuzdornsaftes die laxierende Wirkung bedingt, wirkt in

grösseren Gaben stark +entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des

+Magens+ und +Darmes+. Vergiftungen durch Kreuzdornsaft ereignen sich

zuweilen, wie ich dies in mehreren Fällen beobachten konnte, bei

Hunden, wenn denselben von ihren Eigentümern zu grosse Mengen des als

Hausmittel bekannten Saftes als Laxiermittel verabreicht werden. Sie

erkranken und sterben dann unter den Erscheinungen einer schweren

+hämorrhagischen Gastroenteritis+. Während die therapeutische Dosis

für Hunde durchschnittlich 1-2 Esslöffel beträgt, sterben nach meinen

Beobachtungen Hunde auf die Verabreichung von 5-10 Esslöffel des

Kreuzdornbeerensaftes im Verlauf von 24 Stunden. Die +Behandlung+

besteht in der Verabreichung von einhüllenden und styptischen Mitteln,

namentlich von Opium.

Vergiftung durch Podophyllin.

=Botanisches.= Das Podophyllin ist das gelbe, harzartige Extrakt

des Wurzelstocks von Podophyllum peltatum, einer nordamerikanischen

Berberidee. Es enthält als wirksame Harze das =Podophyllotoxin= und

=Pikropodophyllin=.

=Wirkung.= Das Podophyllotoxin und Pikropodophyllin sind sehr starke

Gifte, welche reizend und +entzündungserregend+ auf die Schleimhaut

des Digestionsapparates einwirken. Das in kleinen Dosen purgierend

wirkende Podophyllin erzeugt daher schon in relativ nicht grossen Gaben

eine +tödliche hämorrhagische Gastroenteritis+. So beobachtete ich bei

einem kleinen, 0,5 kg schweren Hund nach innerlicher Verabreichung

von 0,5 Podophyllin starkes Erbrechen, blutige Diarrhöe, Sinken der

Temperatur, Kollaps und nach 10 Stunden den Tod. Auch +Wirtz+ sah

einen Hund nach 0,6 g sterben. Ein kräftiges Versuchspferd, welchem

ich 25 g Podophyllin eingab, zeigte nach 18 Stunden Laxieren und

eine sehr heftige Kolik und starb nach 24 Stunden. Die Sektion ergab

diphtheritische Schleimhautentzündung im Kolon, Darmblutung, starken

Leberikterus, sowie parenchymatöse Entzündung der Nieren und Milz.

Vergiftung durch Eicheln.

=Allgemeines.= In den Eicheln, den Samen von Quercus Robur, ist eine

grössere Menge von =Gerbsäure= (7-9 Prozent) enthalten neben Spuren

eines ätherischen Oels. Besonders giftig scheinen nach den in England

gemachten Beobachtungen die unreifen Eicheln zu sein.

=Krankheitsbild.= Nach der Aufnahme grösserer Mengen von Eicheln,

namentlich nach dem Genuss der unreifen Eicheln, hat man bei allen

Haustieren, mit Ausnahme der Schweine, eine unter den Erscheinungen

einer +schweren Magendarmentzündung+ verlaufende Vergiftung beobachtet,

welche im wesentlichen wahrscheinlich durch den Tanningehalt der

Eicheln bedingt wird. Diese Vergiftungen sind am häufigsten in England

bei Pferden, Schafen und Rindern beobachtet worden. In den leichteren

Graden der Krankheit beobachtet man lediglich +Verdauungsstörungen+.

In höheren Graden entwickelt sich jedoch eine +Magendarmentzündung+

mit anhaltender +Verstopfung+ und späterem ruhrartigem Durchfall,

Tenesmus, Blutabgang durch den After, sowie grosse Mattigkeit. In den

höchsten Graden soll die Vergiftung zuweilen grosse Aehnlichkeit mit

+Rinderpest+ zeigen.

Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes

entzündlich verändert. In einzelnen Fällen hat man auch Exkoriationen

der Maulschleimhaut konstatiert. Die +Behandlung+ besteht in der

Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel; als chemisches

Gegengift kann die Anwendung von Leimwasser empfohlen werden. Der

+Nachweis+ kann botanisch oder chemisch (Blaufärbung von Eisenlösungen

durch das in den Eicheln enthaltene Tannin) geführt werden.

=Kasuistik.= +Pugh+ (The Vet. 1894) hat in England, wo schon früher

ähnliche Beobachtungen gemacht wurden (ibid. 1868, 1869, 1871),

Vergiftungen durch Eicheln besonders beim Hornvieh im Herbst 1893

beobachtet. Die ersten Zeichen waren leichte Abneigung gegen das

Futter, leichter Konjunktival- und Nasenkatarrh, allmähliches

Dunkelwerden der Fäzes und Hellwerden des Urins bei normaler

Temperatur und schwachem Puls. Später beobachtete er Widerwillen

gegen die Nahrung, rauhes Haar, gelbe schorfige Beschaffenheit

der Haut, aufgeschürzten Hinterleib, bisweilen Leibschmerzen mit

Stöhnen. Die Augen sanken in ihre Höhlen zurück, der Nasenkatarrh

wurde blutig, ebenso der Darmkatarrh. In den tödlichen Fällen wurde

die Temperatur subnormal. Kontinuierlichem Durchfall folgte Kollaps.

Die Mortalitätsziffer betrug 10%. Die anderen Tiere erholten sich

allmählich, wenn Eicheln nicht mehr gereicht wurden, dabei leicht

verdauliches Futter gegeben und symptomatische, besonders gegen den

Durchfall gerichtete Behandlung eintrat. Das Aufhören des Durchfalls

und sogar Verstopfung war prognostisch günstig. P. hebt hervor,

dass Eicheln, welche bekanntlich als Mastfutter gepriesen sind,

im frischen, wie im trockenen und gekeimten Zustand die von ihm

beobachteten Vergiftungen erzeugen können. -- +Thorburn+ (Vet. journ.

1902) hat ebenfalls in England Vergiftungen durch Eicheln bei Rindern

gesehen; die Symptome bestanden in Verstopfung, später in wässerigem

Durchfall, Stöhnen, starker Abmagerung und hohem Fieber (40,5-41,8°).

-- Verdauungsstörungen und Verstopfung nach Verfütterung von

Eichenlaub und unreifen Eicheln hat bei Rindern +Schulz+ (Woch. f.

Tierhlkde. 1895) beobachtet.

Vergiftung durch Filixextrakt.

=Allgemeines.= Das früher für ein ungiftiges Bandwurmmittel gehaltene

Filixextrakt hat sich nach neueren klinischen und experimentellen

Beobachtungen in grösseren Dosen als ein ziemlich starkes Gift

erwiesen. Die wichtigsten Bestandteile des aus dem Rhizom des

Wurmfarns durch Mazerieren mit Aether und durch Eindampfen gewonnenen

Extraktes sind die =Filixsäure= (+Filizin+), eine Säure von der

Formel C_{35}H_{40}O_{12}, welche zu 6-9 Proz. darin enthalten ist.

Nach andern Angaben soll das =Filmaron= oder +Aspidinolfilizin+

der giftige Bestandteil sein, der sich zu Filixsäure und Aspidinol

zersetzt. Genaueres über die menschenärztliche und tierärztliche

Literatur der Filixvergiftang vergl. in meiner Abhandlung „Ueber

die Toxikologie des Filixextraktes“ (Monatshefte für praktische

Tierheilkunde 1890, I. Bd.), sowie bei +Gmeiner+, „Untersuchungen

über das Filmaron“ (D. T. W. 1907).

=Krankheitsbild.= Das Filixextrakt wirkt bei den Haustieren wie beim

Menschen in grösseren Dosen zunächst +entzündungserregend+ auf die

+Magendarmschleimhaut+. Nach seiner Resorption wirkt es +lähmend+ auf

+Gehirn+ und +Rückenmark+ (psychische Benommenheit, Manegebewegungen,

Amaurosis, motorische Lähmung). Endlich erzeugt es bei der Ausscheidung

der Filixsäure durch die Nieren eine +parenchymatöse Nephritis+. Das

Krankheitsbild ist nach meinen eigenen experimentellen Beobachtungen

folgendes:

Die ersten Krankheitserscheinungen sind nach meinen Versuchen bei

Hunden und Schafen die einer +entzündlichen Reizung der Magen-

und Darmschleimhaut+: Erbrechen, Speichelfluss, Futteraufnahme

und Wiederkauen unterdrückt, vermehrter Kotabsatz, Durchfall,

Schmerzen bei der Palpation des Magens und Darmes. Nur bei perakutem

Krankheitsverlauf (Rind) fehlen gastroenteritische Symptome. Von

Allgemeinerscheinungen tritt zunächst eine +Affektion des Gehirns+ in

den Vordergrund. In der Hauptsache äussert sich dieselbe in Form einer

zunehmenden +Lähmung des Grosshirns+ unter dem Bild der +psychischen

Benommenheit+ und schwerer Depressionserscheinungen, welche

schliesslich in vollständige Apathie und Bewusstlosigkeit übergehen.

Diese zerebralen Lähmungserscheinungen kombinieren sich zeitweise

mit Erregungssymptomen, welche sich in +Zwangsbewegungen+ äussern:

Manegebewegungen, automatenhafte, pendelnde Bewegungen des Kopfes und

Halses. In einem Fall traten auch psychiche Erregungserscheinungen auf,

und zwar eröffneten dieselben das allgemeine Krankheitsbild (perakuter

Verlauf beim Rind). Im Zusammenhang mit den genannten zerebralen

Erscheinungen zeigen sich eigentümliche Vorgänge an den Augen, welche

im wesentlichen auf eine +Lähmung der Retina+ (Amaurosis) bezogen

werden müssen: Pupillenerweiterung, Blindheit, Anämie der Pupille. Aber

auch hier sind die Erscheinungen der Lähmung zuweilen mit derjenigen

der Erregung untermischt (Nystagmus, Pupillenverengerung). Die lähmende

Wirkung des Filixextraktes auf die Retina ist wenigstens in Form

einer Mydriasis meist sehr früh wahrnehmbar. Die +Herztätigkeit+ wird

durch das Filixextrakt in allen Fällen anfangs erregt, was sich in

verstärkter Herzaktion und vermehrter Pulsfrequenz äussert, später

gelähmt. Zu den augenfälligsten Symptomen des Vergiftungsbildes

gehört die +lähmende+ Wirkung auf den +Bewegungsapparat+; dieselbe

äussert sich in unsicherem, schwankendem, taumelndem Gang, allmählich

zunehmender Körperschwäche und schliesslicher allgemeiner Lähmung.

Vereinzelt war bei einem Versuchstier auch eine Monoplegie zu

beobachten. Erregungserscheinungen seitens der motorischen Sphäre

fehlten mit Ausnahme von Zähneknirschen in einem Fall gänzlich. Die

+Atmung+ endlich ist im ersten Stadium der Vergiftung +angestrengt+

(Erregung des Atmungszentrums), im letzten Stadium geht jedoch die

Erregung in eine +Lähmung+ über und die Tiere sterben alle unter den

Erscheinungen der +Erstickung+.

Die +Dauer+ und der +Verlauf+ der Vergiftung ist je nach der

verabreichten Dosis verschieden. Die ersten 15 g hatten bei einem

Versuchshund eine etwa 1tägige, die späteren 20 g eine 3tägige

Vergiftung zur Folge; die Wiederholung der letzteren Dosis noch während

des Andauerns der Giftwirkung tötete den Hund bereits nach 3 Stunden.

Zwei Schafe starben auf 25 resp. 50 g nach 6 resp. 36 Stunden, ein Rind

auf 100 g nach 4 Stunden. Danach scheint die kürzeste Krankheitsdauer

3-4 Stunden zu betragen. Die längste bei meinen Versuchen beobachtete

Dauer betrug 3 Tage; allem nach kann aber dieselbe auch eine wesentlich

längere sein. Endlich ist zu erwähnen, dass die ersten schweren

Vergiftungserscheinungen bei grossen Gaben schon nach Verlauf von ½-1

Stunde auftreten.

=Sektionsbefund.= Die wesentlichsten Ergebnisse der Sektion sind

folgende. Zunächst ist eine +hämorrhagische Entzündung+ leichteren

Grades auf der Schleimhaut des +Magens+ (Labmagens) und des

+Dünndarms+ in Form von Schwellung, Rötung und fleckenartigen

Hämorrhagien, besonders auf der Höhe der Falten zu konstatieren.

+Gehirn+ und +Rückenmark+ zeigen die Erscheinungen des +akuten

Oedems+, +Hydrocephalus internus+ und +externus+, sowie +Hydrorachis+;

daneben habe ich in einem Fall eine erhebliche +Blutung im oberen

Längsblutleiter+ vorgefunden. Eine kleine Blutung liess sich bei

einem anderen Versuchstier zwischen Retina und Chorioidea in der

Nähe der Papille nachweisen; die Retina zeigte sich hiebei getrübt.

Die +Nieren+ bieten das Bild der +parenchymatösen Nephritis+,

welche sich makroskopisch durch graurote Verfärbung und weichere

Konsistenz, mikroskopisch durch Trübung, Aufquellung und Abstossung

des Nierenepithels, Bildung von Harnzylindern, sowie endlich durch das

Auftreten von Eiweiss im Harn (2 Proz. in einem Fall) kennzeichnet.

Vereinzelt war auch die Ausbildung einer hämorrhagischen Zystitis zu

konstatieren. Von +Allgemeinerscheinungen+ endlich sind hervorzuheben

die venöse Stauung in den inneren Organen und das Lungenödem

(suffokatorische Symptome), sowie die Schwellung der Leber und Milz.

Das +Filmaron+ hat nach den Versuchen von +Gmeiner+ (vgl. unten) eine

ähnliche Giftwirkung wie das Filixextrakt.

=Behandlung.= Ist in einem Fall von Helminthiasis eine zu grosse Dosis

Filixextrakt zur Anwendung gelangt, so hat man zunächst die reizende

Wirkung desselben auf den Darm durch Eingeben +schleimiger+ Mittel

zu mildern. Im weiteren besteht die Behandlung in der Verabreichung

+exzitierender+ Mittel (subkutane Aether-, Kampfer-, Atropin-,

Koffein-, Veratrininjektionen). Zu vermeiden sind Fette und ölige

Stoffe, namentlich auch Rizinusöl, weil sie die Resorption der

Filixsäure bezw. des Filmarons erhöhen.

Der +Nachweis+ einer Filixextraktvergiftung wird ausser dem sehr

charakteristischen klinischen Befund durch den spezifischen, ganz

intensiven +Geruch+ des Extraktes geliefert.

=Kasuistik.= +Röder+ (Sächs. Jahresber. 1888) hat bei einem

kräftigen Mops, welchem innerhalb 3 Stunden 6 g Extractum Filicis

eingegeben wurden, Erscheinungen einer heftigen Gastroenteritis,

bedeutenden Kräfteverfall, periodische Krämpfe (Opisthotonus), starke

Pupillenerweiterung, sowie Tod nach etwa 14 Stunden; ferner bei einem

andern Mops, welcher 3 g erhalten hatte, eine ähnliche Erkrankung mit

anscheinender Blindheit, jedoch mit Ausgang in Genesung beobachtet.

Bei einem dritten Mops, welchem versuchsweise 3 g Extrakt gegeben

wurden, trat ebenfalls Gastroenteritis mit Krampfanfällen, jedoch

nach 2 Tagen wieder Genesung ein; 4 g hatten dieselben Erscheinungen,

sowie ausserdem einen 10 Stunden andauernden soporösen Zustand mit

4tägiger Krankheitsdauer zur Folge. Dagegen blieben ein Mopsbastard

auf 6 g, ein Dachshund auf 5 g, sowie ein Jagdhund auf 10 g

Filixextrakt gesund. -- +Schlampp+ (Münch. Jahresber. 1891/92)

sah bei einem grossen Leonberger Vergiftungserscheinungen auf 4 g

Extrakt (Kollaps, Mydriasis, Netzhautblutung). -- Bezüglich der

von mir angestellten Versuche bei Hunden, Schafen und Rindern vgl.

Monatshefte für prakt. Tierheilkunde I. Bd. 1890. -- +Zimmermann+ (Z.

f. Tierh. 1904) beobachtete bei einer 4jährigen Bernhardinerhündin

nach der Verabreichung von 4 g Filixextrakt (ohne nachfolgendes

Abführmittel) eine schwere Vergiftung, die sich in Kollaps,

Pupillenerweiterung und Dyspnoe äusserte. -- +Gmeiner+ (D. T. W.

1907) stellte bei seinen toxikologischen Versuchen mit Filmaron bei

Kaninchen, Hunden und Schafen im wesentlichen die Erscheinungen der

Filixextraktvergiftung fest: entzündliche Reizerscheinungen im Magen-

und Darmtraktus, Lähmung des Bewegungsapparates, Gehirndepression,

Erregung und Lähmung der Atmung, Amaurosis, Pupillenerweiterung,

sowie parenchymatöse Nephritis.

Vergiftung durch Santonin.

=Allgemeines.= Das in den Wurmsamen, Flores Cinae, zu 2 Prozent

enthaltene Santonin von der Formel C_{15}H_{18}O_{3} ist ein bei

Hunden vielfach angewandtes Wurmmittel. Eine bei einem jungen

Leonbergerhund nach der Verabreichung von 0,06 g Santonin beobachtete

Vergiftung (Monatsh. f. prakt. Tierhlkde. IV. Bd. 1893, S. 308)

veranlasste mich, die Toxikologie des Santonins bei Rindern,

Pferden, Schafen, Ziegen und Hunden experimentell zu prüfen (ibid.

S. 535). Die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchungen sind in

nachstehendem zusammengefasst. Vgl. im übrigen die Aehnlichkeit des

Bildes der Santoninvergiftung mit dem der Bornaschen Krankheit.

Santoninvergiftungen bei jungen Hunden sind neuerdings auch von

+Godfray+ beobachtet worden (The Vet. 1900).

=Wirkung des Santonins.= Die wichtigsten Erscheinungen der

Santoninvergiftung bei den Haustieren sind +epileptiforme Krämpfe+,

+Schlafsucht+, +psychische Benommenheit+, +Taumeln+, +Lähmung+,

+Sehstörungen+, +Myosis+, +gelbrote Verfärbung des Harns+, +Polyurie+,

+Strangurie+, +erhöhter Geschlechtstrieb+, Speicheln, Nasenausfluss,

leichte +Kolikerscheinungen+, +Durchfall+ und +Verstopfung+, sowie

Störungen des Appetits und der Futteraufnahme.

Die +Santoninkrämpfe+ haben den Charakter der eklamptischen

(epileptiformen) Krämpfe. Sie bestehen zunächst in blitzartigen

fibrillären Muskelzuckungen in der Umgebung des Maules, besonders an

den Maulwinkeln, an der Ober- und Unterlippe, in der Umgebung der

Nasenlöcher, im Gesicht, in der Backengegend, an den Augenlidern und

an den Ohren, sowie in rotierenden Bewegungen der Bulbi (Nervengebiet

des +Fazialis+, +Okulomotorius+, +Trochlearis+ und +Abduzens+). Hiezu

gesellen sich bei intensiverer Wirkung Kaukrämpfe (Nervengebiet des

+Trigeminus+), klonisch-tonische Krämpfe der Halsmuskeln (+Halsmark+),

der Rumpf- und Extremitätenmuskeln (+Rückenmark+), allgemeines

Muskelzittern, sowie gesteigerte Reflexerregbarkeit, welche sich in

hochgradiger Schreckhaftigkeit äussert. Das Santonin erweist sich

mithin zunächst als ein Krampfgift für die motorischen Gehirnnerven,

insbesondere für den VII., III., IV., VI. und V., sodann aber auch als

ein spinales Reizmittel.

Das +Sensorium+ zeigt sich bei den leichten Graden der Vergiftung

intakt. In den höheren Graden sind starke psychische Depression,

ein dummkollerartiges Benehmen, sowie ausgesprochene und anhaltende

+Schlafsucht+ zu konstatieren. Namentlich beim Rind, Kalb und Pferd

ist ein 12-24stündiger ununterbrochener Schlaf, ja selbst ein

tagelang andauernder schlafsüchtiger Zustand nachzuweisen. Diese

intensive hypnotische Wirkung ist sehr bemerkenswert. Nur vereinzelt

gehen ihr starke psychische Erregungserscheinungen voraus (Brüllen,

Vorwärtsstürzen, gegen die Wand rennen beim Kalb). Die höchsten

bezw. letalen Grade der Vergiftung äussern sich in einer allgemeinen

+Lähmung+. Der lähmungsartige Zustand erinnert an das Bild der Koniin-

oder Morphinlähmung, dauert bei der tödlichen Vergiftung mehrere Tage

an und führt durch Ausbildung eines Lungenödems zum Tod.

Sehr charakteristisch und von hervorragender diagnostischer Bedeutung

für die Santoninvergiftung ist die +Rotgelbfärbung+ des +Harns+. Der

Harn zeigt die Farbe des chromsauren Kalis bezw. einer konzentrierten

Müllerschen Flüssigkeit. Diese rotgelbe Farbe des Harns war bei allen

Versuchstieren: Pferd, Rind, Schaf, Ziege, Hund in gleich intensiver

Weise vorhanden. Von diagnostischer Bedeutung ist ferner die auf

Zusatz von Laugen eintretende schöne Farbenreaktion (Uebergang des

Chromgelb in Karminrot). Die Rotfärbung des Harns ist bereits eine

Stunde nach dem Eingeben des Santonins nachzuweisen. Aus diesem Umstand

ergibt sich, dass das an sich unlösliche, und daher ungiftige Santonin

im Magendarmkanal sehr rasch in eine leicht lösliche, giftige und

resorbierbare Verbindung umgewandelt wird.

Von den übrigen Symptomen sind noch erwähnenswert eine erhebliche

+Beeinträchtigung des Sehvermögens+, +Myosis+, die +Steigerung des

Geschlechtstriebs+ bei den männlichen sowohl, wie bei den weiblichen

Versuchstieren, geringgradige +Kolikerscheinungen+, +Verstopfung+ und

+Durchfall+, sowie als Ausdruck einer pilokarpinartigen Reizung der

Speichel- und Schleimdrüsen +Speicheln+ und +Nasenausfluss+. +Der

Sektionsbefund bei der Santoninvergiftung ist im allgemeinen negativ.+

Mit Ausnahme parenchymatöser Veränderungen in den Nieren, in der Leber,

sowie in der Muskulatur lassen sich anatomische Veränderungen nicht

nachweisen. Am stärksten scheint das Nierenparenchym durch das Santonin

beschädigt zu werden.

=Grad der Giftigkeit.= Bei der Wirkung des Santonins bildet einen

Hauptfaktor das Alter der Tiere in der Weise, dass Säuglinge pro

kg Körpergewicht etwa 100mal, halberwachsene Tiere etwa 2-4mal

empfindlicher gegen Santonin sind als erwachsene Tiere. Ein 10 Jahre

alter, 6 kg schwerer +Versuchshund+ zeigte nach der Verabreichung

von 10 g Santonin (= 1,7 g pro kg Körpergewicht) keine erheblichen

Störungen, während in dem von mir beobachteten Vergiftungsfall 0,06

g Santonin ausreichten, um einen 3 kg schweren, 6 Wochen alten

Hund schwer zu vergiften. Die giftige Dosis betrug mithin 0,02 g

Santonin pro kg Körpergewicht! Das erwachsene Tier verhält sich zum

jungen wie 1,7 : 0,02, d. h. wie 85 : 1. Bei einem halberwachsenen,

10 Monat alten +Bullenkalb+ im Gewicht von 147 kg traten nach 100

g Santonin (0,7 pro kg Körpergewicht), bei einer erwachsenen, 6

Jahre alten Kuh im Gewicht von 360 kg dagegen erst nach 500 bezw.

1000 g Santonin (1,5 bezw. 3,0 pro kg Körpergewicht) schwere

Vergiftungserscheinungen auf. Kalb und Kuh verhalten sich demnach

wie 1,5 bezw. 3,0 : 0,7, also wie 2-4 : 1. Die tödliche Santonindosis

beträgt für das erwachsene Schaf 2 g pro kg Körpergewicht. Nach

meinen Versuchen starb nämlich ein 2jähriges, 27 kg schweres Schaf

auf die Verabreichung von 50 g Santonin. Dagegen blieb ein anderes

erwachsenes, 37 kg schweres Schaf nach derselben Dosis am Leben.

Im Gegensatz zu den übrigen Tieren wurden bei den Versuchsschafen

Krämpfe nicht beobachtet.

Erwachsene Tiere in höherem Alter können sich sogar so an das

Santonin gewöhnen, dass es schwer ist, sie mit dem Mittel zu

vergiften. Die oben erwähnte Kuh erhielt zusammen 1935 g, also nahezu

2 kg Santonin. Ich suchte sie zuerst durch 100, dann durch 250, dann

durch 500 und zuletzt durch 1000 g (1 kg) Santonin zu töten. Als sich

auch die letztgenannte Dosis nicht als ausreichend erwies, stand ich

von weiteren Versuchen ab, da sich das Tier dem Santonin gegenüber

ähnlich indolent erwies, wie beispielsweise Kühe dem Kochsalz und

Glaubersalz gegenüber. Ganz dieselbe Wahrnehmung wurde bei dem

10jährigen kleinen Hund gemacht, bei welchem ich von der Tötung durch

Santonin ebenfalls Abstand nehmen musste, da er im ganzen 18,75

g ohne viel Schaden ertrug und selbst auf 10 g des Mittels wenig

reagierte, und ihm diese 10 g schon ziemlich schwer wegen der relativ

grossen Menge des Pulvers beizubringen waren. Diese Angewöhnung

älterer Tiere an Santonin bildet gewissermassen ein Analogon zu der

von +Ehrlich+ nachgewiesenen künstlichen Immunität der Tiere gegen

Rizin und Abrin; man könnte nach obigen Versuchen ebenfalls von

„santoninfesten“ Tieren sprechen.

Vergiftung durch Adlerfarnkraut, Pteris aquilina.

=Botanisches.= Der Adlerfarn oder Adlersaumfarn (Jesus Christuswurz),

Pteris aquilina (Polypodiazee), ist ein auf Heiden und in

lichten Wäldern vorkommendes Farnkraut mit einem unterirdischen,

federkieldicken, bis meterlangen, verzweigten Rhizom und zweizeilig

entfernt stehenden Blättern, welche mit dem Stiel bis 4 m hoch

werden. Ein schiefer Querdurchschnitt durch den Blattstiel zeigt die

Gefässbündel in Form eines JC oder Adlers (daher die Benennung).

Die Wurzel wurde früher als Anthelminthikum angewandt; das durch

Kochen entbitterte Rhizom wird auf den Kanarischen Inseln gemahlen

und zu Brot gebacken. Der Adlerfarn enthält als giftigen Bestandteil

die =Pteritannsäure=, einen mit der +Filixsäure+ wahrscheinlich

identischen Körper.

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 40 / 50 段