angewandten Koffeins kennen zu lernen, habe ich bei +Pferden+,
+Rindern+, +Hunden+, +Ziegen+ und +Schweinen+ Versuche angestellt
(Monatshefte für prakt. Tierhlkde. 1892). Das Resultat war folgendes:
+Das Koffein ist für die Haustiere ein verhältnismässig wenig
giftiges Arzneimittel.+ Für Pferd und Rind wirken erst 100 g, für
Ziege und Schwein 10 g, für Hunde 5 g tödlich. Die +tödliche Dosis+
pro kg Körpergewicht beträgt beim Pferd 0,2, beim Rind, bei der Ziege
und beim Schwein 0,3, beim Hund 0,5. Die +Vergiftungserscheinungen+
bestehen im wesentlichen in Reizung und später Lähmung des +Herzens+
und der +Atmung+, in Steigerung der +Körpertemperatur+ (im Maximum
um 2,2°), in Reizungserscheinungen im Gebiet des +Digestions-+ und
+Harnapparates+ (Speicheln, Erbrechen, Durchfall, Kolik, Harndrang),
sowie in +tetanischen+ Krämpfen. Danach ist das Koffein ein Herz- und
Atmungsgift, eine Akre für die Digestionsschleimhaut, ausserdem ein
Tetanikum. An der Injektionsstelle äussert das Koffein eine reizende,
entzündungserregende Wirkung. Subkutan wirkt das Koffein wesentlich
stärker als per os. Rinder ertragen wesentlich grössere Dosen als
Pferde. Der Tod tritt bei tödlichen Koffeindosen durchschnittlich
nach 3 Stunden ein. Das Fleisch von Tieren, welche mit Koffein
vergiftet worden sind, ist nicht gesundheitsschädlich. Es kann
also bei Rindern, welche nach vorausgegangener Koffeinbehandlung
notgeschlachtet werden, der Genuss des Fleisches, ohne Besorgnis
wegen des Koffeins, zugegeben werden, wenn der sonstige Zustand des
Tieres dies nicht verbietet.
Vergiftung durch senfölhaltige Kruziferen.
=Botanisches.= Eine Reihe von Pflanzen aus der Familie der Kruziferen
wirkt durch den Gehalt an +Senföl+ oder ähnlichen ätherisch-öligen
Stoffen giftig, wenn grössere Mengen davon aufgenommen werden.
Dieselben sind:
1. +Brassica nigra+ (Sinapis nigra), der +schwarze Senf+, die
Stammpflanze der offizinellen Senfsamen (Semen Sinapis). Die
namentlich in Russland, Südfrankreich und Griechenland angebaute
Pflanze unterscheidet sich von den übrigen Brassikaarten dadurch,
dass alle ihre Blätter gestielt und die Schoten samt den Stielen
an die Blütenspindel angedrückt sind. Die Senfsamen enthalten das
+Sinigrin+ oder myronsaure Kali, ein Glykosid, aus welchem durch die
Einwirkung des Myrosins, eines ebenfalls in den Samen enthaltenen
Fermentes, das Allyl-Senföl oder Sulfozyanallyl von der Formel
C_{3}H_{5}CNS abgespalten wird. Auch der Sareptasenf, +Brassica
juncea+, enthält Sinigrin, während der in Deutschland angebaute
weisse Senf, +Sinapis alba+ (Semen Erucae), das +Sinalbin+ enthält,
welches unter der Einwirkung des Myrosins als scharfen Stoff das
Paraoxybenzyl-Senföl von der Formel C_{7}H_{7}OCNS liefert. In
grösseren Gaben wirkt auch das enzymartige Myrosin giftig. -- Das
Allylaldehyd (Akrolein) von der Formel C_{3}H_{4}O wirkt ebenfalls
stark reizend auf die Schleimhäute.
2. +Brassica Rapa+, +Raps+ und +Brassica Napus+, +Rübsen+, enthalten
das Krotonyl-Senföl, das sich namentlich in den +Rapskuchen+ bei
genügender Durchfeuchtung bildet. Der Raps ist charakterisiert durch
grasgrüne, unbereifte, haarige Blätter und kleine goldgelbe Blüten.
3. +Sinapis arvensis+, der +Ackersenf+ (fälschlich Hederich benannt),
ist ein verbreitetes Unkraut auf Aeckern mit etwa ½ m hohen Stengel,
eiförmigen, buchtig gezähnten, unten leierförmigen Blättern, gelber,
vierblätteriger Blumenkrone und stielrunden, perlschnurförmigen
Schoten.
4. +Raphanus Rhaphanistrum+ (Lampsana), der +Hederich+ oder
+Ackerrettig+, besitzt einen ½ m hohen, rauhen, astigen Stengel,
grosse, blassgelbe oder weisse, violett geaderte Blüten, oben
lanzettliche, unten leierförmige Blätter, sowie rosenkranzartig
eingeschnürte Schoten, welche bei der Reife in 3- bis 12samige Stücke
zerfallen.
5. +Cochlearia Armoracia+, der +Meerrettig+ (Pfefferwurzel), kommt in
ganz Europa an feuchten Plätzen wild vor und wird in Gärten und auf
Feldern (Bamberg, Nürnberg) kultiviert. Er besitzt eine zylindrische,
bis 6 cm dicke, oft 1 m tief senkrecht in den Boden hinabsteigende
Wurzel, einen meterhohen, ästigen Stengel, grosse, oblonge,
langgestielte, am Rand gekerbte, grundständige Blätter, sowie
fiederspaltige Stengelblätter. Er enthält ein mit dem Allyl-Senföl
fast identisches ätherisches Oel.
6. +Erysimum vulgare+, der +Wegsenf+ (gelbes Eisenkraut), ist
eine einjährige, aufrechte, flaumige Pflanze mit gelben, kleinen
Blüten, schrotsägeartigen, fiederteiligen Blättern und runden,
pfriemenartigen, flaumigen Schoten, welche 5-6mal länger als der
gleich dicke Stiel sind.
7. +Erysimum cheiranthoides+, der +lackartige Schotendotter+
(fälschlich Hederich genannt), ist ein etwa ½ m hohes Unkraut auf
Aeckern mit dottergelber Blumenkrone, länglichen, lanzettförmigen
Blättern und linealen, scharfen, vierkantigen, fast kahlen Schoten.
8. +Erysimum crepidifolium+, die +Gänsesterbe+, eine gelbblühende,
in manchen Gegenden (Wettin, am salzigen See, auf Kalkboden etc.)
massenhaft vorkommende Kruzifere, soll ein namentlich für Gänse sehr
giftiges Alkaloid enthalten und Massensterben von Gänsen verursachen.
9. +Arabis tartarica+, die +Gänsekresse+, findet sich zuweilen im
Grünfutter. -- +Nasturtium officinale+, die +Brunnenkresse+, enthält
kein schwefelhaltiges Oel, sondern C_{9}H_{10}N.
=Allgemeine Wirkung des Senföls.= Das Senföl besitzt eine
+entzündungserregende+ Wirkung auf die Schleimhaut des Magens und
Darmes; die Krankheitserscheinungen, welche nach der Aufnahme
obengenannter Pflanzen auftreten, sind daher im wesentlichen die
einer +Magen-Darmentzündung+: Kolik, Tympanitis, Durchfall. In
einzelnen Fällen kommt es auch im Verlauf der Vergiftung zu einer
Reizung des Nierenparenchyms, welche sich durch Hämaturie und
sonstige Erscheinungen einer +Nierenentzündung+ äussert, sowie zu
+Lebernekrose+. Die Allgemeinerscheinungen seitens des Nervensystems
bestehen in Hinfälligkeit, Mattigkeit, +Lähmungserscheinungen+,
Dyspnoe, +Herz-+ und +Atmungslähmung+. In einzelnen Fällen beobachtet
man auch Zwangsbewegungen, Vorwärtsdrängen und Krämpfe.
Die +Behandlung+ der Senfölvergiftung besteht in der Verabreichung
schleimiger Mittel.
=Vergiftung durch Senfkuchen und Rapskuchen.= Vergiftungen durch reine
+Senfsamen+ sind bisher noch nicht beobachtet worden. Die Haustiere
ertragen ziemlich grosse Mengen derselben, Pferde 500 g, Rinder 700 g,
ohne zu erkranken (+Hertwig+). Auch nach der Verfütterung von reinem
+Raps+ tritt keine Senfölvergiftung ein, weil die Fermente des Pansens
und Dünndarms das dort gebildete Senföl zerstören (+Hagemann+, D.
landw. Tierzucht 1903). Dagegen sind nach Verfütterung von +Senfkuchen+
und +Senfträbern+ kolikähnliche Zustände beim Rind konstatiert
worden (+Prietsch+, Sächs. Jahresber. 1869). Besonders häufig sind
Vergiftungen durch die Verfütterung von +senfölhaltigen Rapskuchen+,
welche vielfach gar nicht aus Raps oder Rübsen, sondern aus fremden,
ausländischen (+indischen+, +russischen+, +französischen+), sehr
scharfen und giftigen Senfarten und anderen Samen mit unbekannten
Giften bestehen. Nach +Stein+ (Ueber die Giftigkeit indischer
Rübkuchen, Berlin 1907) ist das im Raps und in den Rübsen enthaltene
Krotonylsenföl 5mal weniger giftig als das im schwarzen Senf enthaltene
Allylsenföl; die indischen Samen enthalten aber wahrscheinlich noch
andere Giftsubstanzen (Sareptasenf? Ptomaine?). Die fremdländischen
Rapskuchen bedingen namentlich bei jüngeren Tieren die Erscheinungen
einer Magen- und Darmentzündung, welche sich in Verstopfung, Aufblähen,
Durchfall, blutigem Kot, zuweilen selbst im Auftreten von Abortus
äussert. Daneben beobachtet man Gehirnreizungserscheinungen: Drängen,
Schieben, Drehen. +Wittrock+ (Berl. Arch. 1893 und Preuss. Vet.
Ber. 1904) sah nach der Verabreichung von Rapskuchen, der grosse
Mengen von Senföl enthielt, sämtliche Rinder eines Dominiums unter
den Erscheinungen einer Magendarmentzündung erkranken und mehrere
sterben; in einem zweiten Fall erkrankten 80 Milchkühe an Hämaturie
und Harndrang. +Nielsen+ (Dän. Monatsschr. 1897) beobachtete
nach der Verfütterung von französischen, aus indischen Senfarten
herrührenden Rapskuchen mit einem Senfölgehalt von 0,5 Proz. bei
zahlreichen Rindern Mattigkeit, sehr schnellen, oft unfühlbaren Puls
und subnormale Temperaturen; Kolik war meist nicht vorhanden. Die
Sektion ergab gelatinöse Infiltration im Bindegewebe des Pansens,
sowie hämorrhagische Entzündung der Pansenschleimhaut. Einen ähnlichen
Fall bei Rindern hat +Knudsen+ (ibid. 1901) beschrieben; die
Tiere, welche je 1½ Pfd. französischen Rapskuchen erhalten hatten,
zeigten Kolik, Atemnot, Benommenheit, Sinken der Körpertemperatur,
Appetit- und Milchmangel. Die Sektion ergab partielle Entzündung der
Pansenschleimhaut sowie dicke, gelbe, ödematöse Anschwellung der
Pansenwand. +Albrecht+ (Woch. f. Tierh. 1902, S. 241) berichtet über
einen wahrscheinlichen Fall von Vergiftung bei Kühen durch Fütterung
grösserer Mengen von senfölhaltigem Rapskuchenmehl; die Erscheinungen
bestanden in Durchfall und Kolik; bei der Sektion wurde hochgradige
Entzündung der vier Mägen, besonders des Labmagens festgestellt.
+Emmerling+ berichtet über eine Erkrankung von 80-90 Kühen infolge
Fütterung von Rapskuchen, deren Hauptbestandteil der russische
Sareptasenf war. Die Tiere erkrankten an Kolik; die Sektion ergab
Entzündung der 4 Mägen, sowie des Dünndarms. Eigentümlicherweise war
eine Anzahl von Kühen, welche dasselbe Futter erhalten hatten, gesund
geblieben (Verschiedenheit der Rasse?). Aehnliche Vergiftungsfälle
sind ferner von +Haubner+ (Gesundheitspflege), +Anacker+ (Der Tierarzt
1870), +Stahl+ (Magazin 1873) und +Rathke+ (Preuss. Mitt. N. F. 1.
Bd.) beschrieben worden. Auch der Genuss der Rapspflanze selbst hat zu
Vergiftungen Veranlassung gegeben. Nach +Klein+ (Preuss. Mitt. 1881)
erkrankten 2 Kühe, welche blühenden Raps als Futter bekommen hatten,
unter den Erscheinungen der Aufblähung, Verstopfung, des Drängens
auf den Kot und Harn, sowie der Hämaturie. Bei der Sektion fand man
hämorrhagische Entzündung der Schleimhaut des Labmagens und Duodenums,
graugelbe brüchige Leber, sowie Ansammlung einer blutig serösen
Flüssigkeit in der Brust- und Bauchhöhle.
=Vergiftung durch Ackersenf.= In einem von +Poncet+ (Recueil 1855)
beschriebenen Fall zeigten sich bei einem Pferd, welches längere
Zeit mit Ackersenf gefüttert wurde, Darmentzündung, Speichelfluss,
Husten, sowie eine profuse Bronchitis. In einem andern Fall zeigten
Rinder und Schafe nach der Fütterung von Rapskuchen, welcher viel
Ackersenf enthielt, Durchfall und vermehrtes Urinieren; jüngere
Lämmer starben in grösserer Anzahl (+Leistikow+, Preuss. Mitt. 1882).
Nach +Breitenreiter+ (Zeitschr. f. Vet. 1909) zeigten Kühe nach
Verfütterung von weissem Senf als Grünfutter, der bereits Schoten
angesetzt hatte, krampfartigen Husten, Kolikerscheinungen und Drängen
auf den Harn; am Tag darauf waren sie wieder gesund.
=Vergiftung durch Zwiebel.= Im Zwiebel und Knoblauch sind
schwefelhaltige ätherische Oele enthalten, welche mit dem Senföl
verwandt sind. Eine Zwiebelvergiftung bei Rindern hat +Goldsmith+
beschrieben (Journ. of comp. Path. 1909). Die Tiere, welche grosse
Mengen gewöhnlicher Speisezwiebel aufgenommen hatten, zeigten die
Erscheinungen der Magendarmentzündung (Kolik, Durchfall, Verstopfung,
Erbrechen) und Nierenentzündung. Ein Rind starb. Der Harn, das
Fleisch und sämtliche Organe zeigten starken Zwiebelgeruch.
=Vergiftung durch Meerrettich.= Der Meerrettich wirkt wegen seines
Gehalts an einem mit dem Senföl nahe verwandten, wahrscheinlich
identischen Stoff in grösseren Mengen stark reizend auf die
Magendarmschleimhaut. Nach +Jarmer+ (Preuss. Mitt. Bd. 5) erkrankten
10 Kühe nach der Aufnahme einer grösseren Quantität Meerrettich
unter den Erscheinungen einer sehr heftigen Kolik; vier davon
starben im Verlauf von 24 Stunden. Bei der Sektion fand man eine
sehr ausgedehnte Entzündung der Magenschleimhäute, insbesondere
zeigte die Pansenschleimhaut eine mehrere Zoll dicke, sulzige
Infiltration. Nach +Fairbank+ erkrankten 9 Rinder auf der Weide
unter Kolikerscheinungen; 2 starben; die Sektion ergab akute
Darmentzündung. In einem ähnlichen Fall wurde bei 3 Rindern eine
schwere Entzündung der Pansenschleimhaut beobachtet (Preuss. Vet.
Ber. pro 1907).
=Vergiftung durch Erysimum.= +Heyne+ (Preuss. Mitt. 1882) sah
bei 20 Kühen eine schwere Erkrankung. Dieselbe äusserte sich in
Appetitlosigkeit, Stöhnen, Kolikerscheinungen, starker Rötung der
Konjunktiva, sowie Hinfälligkeit; sämtliche Tiere genasen jedoch.
Nach der Aufnahme von Erysimum crepidifolium hat man massenhaftes
Sterben von +jungen Gänsen+ beobachtet; die der Geflügelcholera
ähnlichen Krankheitserscheinungen bestanden in Erbrechen, Unruhe,
Taumeln und Krämpfen (+Zopf+, +Biedenkopf+, +Grimme+, B. T. W. 1894,
S. 308; D. T. W. 1898, S. 27).
=Vergiftung durch Arabis tartarica.= Nach der Aufnahme grösserer
Mengen von +Arabis tartarica+ erkrankten, wie +Hertwig+ (Preuss.
Mitt. 1877) berichtet, 25 Pferde eines Gutes plötzlich. Sie zeigten
zunächst Speicheln und nach einer Stunde leichte Kolikerscheinungen;
gleichzeitig waren die Schleimhäute dunkel gerötet, der Blick
stier. Nach einigen Stunden erschienen sämtliche Pferde am ganzen
Körper, am Hals und an den Gliedmassen steif. Einige zeigten ferner
Lähmungserscheinungen, so dass sie sich nicht wieder erheben konnten.
Ein Pferd starb nach 36 Stunden, die anderen waren nach Ablauf von 14
Tagen wieder gesund.
Vergiftung durch Pfeffer.
=Allgemeines.= Der gewöhnliche +schwarze Pfeffer+, welcher von
Laien vielfach als Heilmittel bei Tieren angewandt wird, ist die
unreife, getrocknete Frucht von Piper nigrum, einer ostindischen
strauchartigen Piperazee. Der weisse Pfeffer ist die reife, ihrer
äusseren Hülle beraubte Frucht derselben Pflanze. Beide Pfefferarten
enthalten als Hauptbestandteil das Alkaloid =Piperin= von der Formel
C_{17}H_{19}NO_{3}, welches als Zersetzungsprodukt das Piperidin und
die Piperinsäure liefert, ausserdem das ätherische Pfefferöl.
=Wirkung.= Der Pfeffer besitzt infolge seines Gehaltes an Piperin eine
stark +reizende+, in grossen Gaben +entzündungserregende+ Einwirkung
auf die Schleimhäute. Je nach dem Ort der Applikation erzeugt er
daher +Stomatitis+, +Gastroenteritis+, +Proktitis+, +Vaginitis+,
+Laryngitis+, +Bronchitis+ und +Bronchopneumonie+. Bei Versuchstieren
entstand ausserdem Fettdegeneration und Nekrose der Leber. Die giftige
Wirkung des Pfeffers ist indessen früher vielfach überschätzt worden.
Mehrere angebliche Vergiftungen bei Schweinen sind auf eine durch
das Eingeben bedingte Fremdkörperpneumonie zurückzuführen. Nach den
Versuchen von +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde) ertrugen junge
Schweine tägliche Dosen von ganzem oder feingestossenem Pfeffer
zu 1-4 g 8 Tage hintereinander, ohne Krankheitserscheinungen zu
zeigen. Jedenfalls können aber grössere Pfeffergaben eine tödliche
Magendarmentzündung zur Folge haben. So beobachtete +Ebersbach+ (Sächs.
Jahresb. 1867) bei 3 Schweinen im Alter von 7 bis 8 Monaten, welche je
einen Esslöffel gepulverten Pfeffer erhalten hatten, das Krankheitsbild
einer schweren Magendarmentzündung; bei zwei derselben, welche im
Verlauf der Vergiftung gestorben waren, wurde durch die Sektion das
Vorhandensein einer Gastroenteritis konstatiert.
Die +Behandlung+ der Pfeffervergiftung besteht in der Verabreichung
schleimiger, einhüllender, sowie schmerzlindernder Mittel (Opium). Der
+Nachweis+ geschieht auf botanischem Weg.
Aloevergiftung.
=Allgemeines.= Die Aloe, der eingekochte Milchsaft verschiedener
Aloearten (Aloe ferox, Africana usw.), enthält als wirksamen
Bestandteil das =Aloetin= (Aloebitter), sowie das =Emodin=
(Aloeharz). Aloevergiftungen kommen zuweilen bei Pferden nach der
Verabreichung zu grosser Aloedosen oder infolge der Missachtung
gewisser diätetischer Vorsichtsmassregeln nach der Einverleibung
gewöhnlicher therapeutischer Aloedosen vor.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Vergiftung mit Aloe verläuft
unter +Kolikerscheinungen+ mit +erschöpfendem Durchfall+ und führt
nach 2-5 Tagen unter zunehmender +Mattigkeit+ und +Schwäche+ zum
Tod. Im allgemeinen ist die tödliche Einzeldosis die doppelte bis
dreifache der purgierenden. Am häufigsten ereignen sich tödliche
Vergiftungen, wenn 2 gewöhnliche Aloedosen zu rasch hintereinander
gegeben werden, indem die Wirkung der ersteren nicht abgewartet wird.
Auf diese Weise können z. B. 40 g Aloe, wenn sie in den ersten 3 Tagen
nach der Verabreichung einer ebensolchen Dosis nachgegeben werden, bei
kräftigen Pferden unter Umständen den Tod herbeiführen. Sehr gefährlich
ist ferner die gleichzeitige Verabreichung von Aloe und Kalomel
(+Regenbogen+). Es kann indessen auch eine einfache Aloedose von 30
bis 40 g bei einem Pferd unter Umständen eine tödliche Purgierwirkung
zur Folge haben, wenn das Pferd nicht, wie es Vorschrift ist, während
der Dauer der Aloewirkung im Stall verbleibt, sondern zur Arbeit
verwendet und gleichzeitig Erkältungseinflüssen ausgesetzt wird. Auch
bei drusekranken Pferden kann die Aloe schon in normaler Laxierdosis
Vergiftungserscheinungen hervorrufen (+Albrecht+).
Bei der +Sektion+ findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis; bei
längerer Dauer der Vergiftung können indessen Entzündungserscheinungen
auf der Magen- und Darmschleimhaut fehlen, so dass nur die Leerheit und
allgemeine Blässe des Darmes als auffallende Veränderungen angetroffen
werden. Zuweilen besitzt der Darminhalt auch den charakteristischen
Aloegeruch. Die +Behandlung+ besteht in der Anwendung schleimiger
und stopfender Mittel (Opium, Tannin, Ferrum sulfuricum, Bleizucker,
Höllenstein).
=Kasuistik.= Aloevergiftungen bei Pferden sind von +Gerlach+
beschrieben worden. In einem Fall wurde einem mittelgrossen,
kräftigen Arbeitspferd eine Aloepille von 40 g Aloe gegeben; als
die gewünschte Wirkung nach 40 Stunden noch nicht eingetreten war,
gab der Eigentümer des Pferdes eine zweite, ebenso starke Aloepille
nach, worauf sich anhaltendes, heftiges Laxieren einstellte, an
welchem das Pferd krepierte (Gesamtdosis: 80 g). Bei einem andern
Pferd trat der Tod auf die Verabreichung von nur 30 g Aloe am 4. Tag
ein, nachdem das Pferd trotz der Aloepille zu anstrengender Arbeit
benützt worden war und sich ausserdem durch einen Gewitterregen eine
Erkältung zugezogen hatte. -- +Rasberger+ (Woch. f. Tierheilkunde
1891) beobachtete bei 2 Pferden, welche in einem strengen Winter
40-50 g Aloe erhalten hatten, starken Durchfall, Kolik und schweres
Allgemeinleiden. -- Nach +Kunze+ (Sächs. Jahresber. 1891) erhielt ein
Pferd innerhalb eines Tages 3 Aloepillen von je 30 g und starb in der
folgenden Nacht. -- +Paust+ (B. T. W. 1900) hat 3mal Rindern gegen
Tympanitis innerhalb 24 Stunden 110 g, bezw. innerhalb 48 Stunden
140 und 150 g Aloe ohne Nachteil eingegeben. Auch +Mayr+ (Woch. f.
Tierh. 1901) sah ein Pferd nach einer einmaligen Verabreichung von
80 g Aloe (und 6 g Arsenik) am Leben bleiben; die drastische Wirkung
dauerte im ganzen 24 Stunden an. +Regenbogen+ (B. T. W. 1903) weist
auf die grosse Giftigkeit einer Mischung von Aloe und Kalomel hin
(Inkompatibilität). 42 Pferde erhielten je ½-1 Pille, welche aus 20 g
Extraktum Aloes und 3 g Kalomel bestand; sie erkrankten an heftiger
Kolik, Durchfall und Schwäche; mehrere starben an hämorrhagischer
Gastroenteritis. +Bächstädt+ (Zeitschr. f. Vet. 1904) sah einen
mittelgrossen Wallach sterben, welcher in 2 Tagen 55 g Aloe (und 2
g Kalomel!) erhalten hatte. Nach +Albrecht+ (Woch. f. Tierh. 1907)
erkrankte ein drusekrankes Pferd (4jähriger Wallach) nach einer
gewöhnlichen Aloepille an 3tägigem, hochgradigem Durchfall und
grosser Schwäche; er hält es daher für sehr bedenklich, einem an
Druse kranken Pferd Aloe in Laxierdosis zu verabreichen.
In einzelnen Fällen hat man endlich beobachtet, dass die +Milch+
von Kühen, welche mit Aloe behandelt worden waren, beim Menschen
Durchfall erzeugte.
Vergiftung durch Rizinuskuchen.
=Allgemeines.= Die von Ricinus communis (Euphorbiazee) stammenden
+Rizinussamen+ sind in Afrika und Ostindien einheimisch, jedoch
durch Kultur in allen wärmeren Zonen verbreitet (baumartiges
Gewächs im Süden, krautartige Pflanze im Norden) und in sehr vielen
Varietäten im Handel (indische, türkische, italienische, ungarische,
brasilianische, Javasamen usw.). Die 1-2 cm langen eiförmigen,
gelbgrau und braun getigerten Samen enthalten in ihrem Kern das
durch Auspressen gewonnene Rizinusöl. Die Pressrückstände, welche
als „Rizinuskuchen“ bezeichnet und häufig zur Verfälschung anderer
Oelkuchen, namentlich der Erdnusskuchen und der Leinkuchen, benützt
werden, enthalten namentlich im Samenkern ein sehr giftiges Ferment,
das =Rizin=, ein weisses, amorphes, neutrales Pulver, welches sich
am besten in 10prozentiger Kochsalzlösung löst und beim Kochen seine
Wirksamkeit verliert (eiweissartiger Körper; zu den Phytalbumosen
gehörend). Ausführliche Untersuchungen über das Rizin sind von
+Kobert+ und +Stillmark+ (Arbeiten des pharmakol. Instituts zu
Dorpat, 1889, Heft III), +Cornevin+ (J. de Lyon 1897, S. 25),
+Ehrlich+ (Fortschritte d. Med. 1897) und +Miessner+ (Mitt. des
Kaiser Wilhelm-Instituts in Bromberg, 1909) angestellt worden.
Für den +botanischen+ Nachweis der Rizinussamen ist ausser ihrer oben
beschriebenen Beschaffenheit von Wichtigkeit der +mikroskopische+
Bau der Samenschale und der darunter befindlichen dünnen Samenhaut.
Die +marmorierte Samenschale+ zeigt 5-7eckige Epidermiszellen,
welche ein Zellulosenetz einschliessen, das teils ungefärbt, teils
rotbraun gefärbt ist und in dessen Hohlräumen sich oft Farbstoff
eingelagert findet. Unter der Epidermis folgt ein Schwammparenchym
aus 4-5 Zellenschichten. Hierauf folgt eine einzelne Schicht radial
gestreckter 4-8eckiger Zellen, in der kohlensaurer Kalk abgelagert
ist (für die Euphorbiazeen charakteristische Zellschicht!). Es folgt
eine aus sehr hohen und verholzten Zellen gebildete Palisadenschicht.
Die +Samenhaut+ ist durch Zellen gekennzeichnet, deren äusserst
eckige Begrenzung auffällt; sie enthält ferner massenhafte
Kristalldrusen von oxalsaurem Kalk.
Mitunter erweisen sich Erdnusskuchen dadurch giftig, dass bei
der Pressung zufällig giftige Rizinuspartikel in die Oelkuchen
hineingeraten. Dies geschieht namentlich dann, wenn abwechselnd zur
Verpressung der Oelsamen die gleichen Apparate und Maschinen benützt
werden, welche vorher zur Verarbeitung der Rizinussamen gedient haben.