Vergiftung durch Sauerampfer, Rumex.

=Botanisches.= Der Sauerampfer gibt in zwei Arten Veranlassung zu

Vergiftungen bei den Pflanzenfressern. 1. +Rumex acetosa+, der

gewöhnliche Sauerampfer (Polygonee) ist ein kahles, unbereiftes Kraut

mit grossen, grünen, pfeilförmigen, sauerschmeckenden Blättern und

rötlichen, zweihäusigen Blüten. 2. +Rumex acetosella+, der kleine

Sauerampfer, unterscheidet sich von dem vorigen durch zartere,

kleinere Blätter, welche spiess- oder hellebardenförmig sind. Beide

Ampferarten enthalten, wie auch +Oxalis acetosella+, der Sauerklee,

+saures oxalsaures Kalium+ von der Formel C_{2}O_{4}HK + H_{2}O,

welches auch unter dem Namen „Kleesalz“ oder „Sauerkleesalz“ (Sal

Acetosellae, Kalium bioxalicum) bekannt ist. Wegen der leichten

Löslichkeit dieses Oxalsäuresalzes wirken die genannten Pflanzen in

grösseren Mengen giftig. Die Sauerampfervergiftung ist demnach als

eine =Oxalsäurevergiftung= aufzufassen.

=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Sauerampfer gibt am

häufigsten bei +Schafen+, wenn ihn dieselben in grossen Mengen

aufnehmen, Veranlassung zu Vergiftungen. Das Vergiftungsbild

stimmt im wesentlichen mit dem der +Oxalsäurevergiftung+

(vgl. S. 139) überein. Die Tiere zeigen die Erscheinung einer

+Gastroenteritis+: +Appetitlosigkeit+, +Durchfall+, +Mattigkeit+ und

+Lähmungserscheinungen+. Bei der Sektion findet man Entzündung und

Hämorrhagien auf der Schleimhaut des Magens und Darmes. Die Behandlung

besteht in der Anwendung schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender

Mittel.

Die +Literatur+ enthält nachstehende Fälle von Rumexvergiftung.

Nach +Biermann+ (Holländ. Zeitschrift 1886) erkrankten 7 Schafe

nach dem Beweiden eines stark mit Sauerampfer (Rumex acetosella)

besetzten Haferstoppelfeldes. Sie zeigten unterdrückte Fresslust und

Rumination, grosse Mattigkeit, anfangs Verstopfung, später Durchfall,

angestrengte Atmung, kaum fühlbaren Puls und Herzschlag; bei 2,

welche krepierten, ergab die Sektion Hyperämie und Ekchymosierung

der Magendarmschleimhaut, sowie starke Hyperämie der Lungen. Nach

+Matthias+ (Preuss. Mitth. 1881) starben 40 Schafe nach kurzer

Krankheitsdauer unter den Erscheinungen eines heftigen Durchfalls; bei

der Sektion fand man eine Entzündung der Dünndarmschleimhaut. +Michels+

(Annal. de Bruxelles 1869) beobachtete bei einem Pferd 3 Stunden nach

der Aufnahme von Rumex acetosella tetanische Krämpfe, welche sich alle

5 Minuten wiederholten, dazwischen hinein Speicheln, unwillkürlichen

Harnabgang, Schwanken und Zittern; der Tod erfolgte nach einigen

Stunden. Bei der Sektion fand man eine Entzündung der Schleimhaut des

Magens und Zwölffingerdarms. +Dentler+ (Repertorium 1864) sah 25 Schafe

nach dem Genusse von Sauerklee, Oxalis acetosella, sterben.

Vergiftung durch Narzissus.

=Botanisches.= Vergiftungen durch Narzissus, die bekannte Zierpflanze

(Amaryllidee) der Gärten, kommen sowohl nach Aufnahme der Zwiebel

und des Krautes der gelbblühenden, als der weissblühenden Narzisse

vor. 1. +Narcissus Pseudonarcissus+, die gelbe oder gemeine

Narzisse (Sternblume), ist durch eine einzige, dottergelbe Blüte

(März, April), zweischneidigen Schaft und eirunde, braune Zwiebel

charakterisiert. 2. +Narcissus poëticus+, die weisse Narzisse,

besitzt weisse Blüten mit gelber Nebenkrone. Beide Narzissen

enthalten ein giftiges Alkaloid, das Narzitin, ätherisches Oel und

Harz.

=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Narzitin besitzt eine

lokal +entzündungserregende+ und späterhin +lähmende+ Wirkung. Die

Vergiftungserscheinungen setzen sich daher aus den Symptomen der

Magendarmentzündung (+Kolik+, +starker Durchfall+) und denjenigen

der +allgemeinen Körperschwäche+ und +Lähmung+ zusammen. Bei der

Sektion findet man die Erscheinungen einer hochgradigen Enteritis.

Die Behandlung besteht in der Anwendung schleimiger und exzitierender

Mittel, sowie in der Verabreichung von Tannin als Gegengift.

Vergiftungen durch Narzissen sind bei Rindern, Schweinen und Ziegen

beobachtet worden. Nach +Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde 1872) frass

eine Schweineherde die auf den Hof geworfenen Zwiebel von Narcissus

poëticus, worauf 16 Stück unter den Erscheinungen grosser Schwäche

und starken Purgierens krepierten; bei der Sektion fand man starke

Entzündung des Magens und Darms. Zwei Kühe starben nach dem Genusse von

Gras, welchem viel Narzissen beigemengt waren, am zweiten und dritten

Tage, nachdem sie grosse Mattigkeit, Stöhnen sowie Drängen auf den

Mastdarm gezeigt hatten. Aehnliche Fälle sind von +Dinter+ (Sächs.

Jahresbericht 1882), +Uhlig+ (ibidem 1878), +Johne+ und +Rosenkranz+

(ibidem 1865), sowie von +Harms+ (Magazin 1871) beschrieben.

Vergiftung durch Seidelbast, Daphne.

=Botanisches.= Die zu den Thymeläazeen gehörige Gattung Daphne kommt

in 2 Arten vor. 1. +Daphne Mezereum+, Seidelbast, Kellerhals, ist

ein in schattigen, feuchten Wäldern vereinzelt wild wachsender,

vielfach auch in Gärten als Zierpflanze kultivierter, über 1 m hoher

Strauch, welcher im Frühjahr blüht, bevor er noch Blätter getrieben

hat. Die Blüten sind rosenrot, wohlriechend, leicht abfallend und

sitzen zu dreien gebüschelt in den Achsen der vorjährigen Blätter.

Letztere sind krautartig, lanzettlich. Im August und September

entwickeln sich die scharlachroten Beeren. 2. +Daphne Laureola+, die

Lorbeerdaphne, wächst in Süddeutschland, auf den oberbayerischen und

österreichischen Alpen, sowie in Böhmen. Die Pflanze zeigt gelbgrüne,

krautartige Blüten, lederartige, wintergrüne Blätter, sowie schwarze

Beeren.

Hauptbestandteil beider Daphnearten ist das =Mezerein=, das +Anhydrid

der Mezereinsäure+ (Mezereumharz). Ausserdem findet sich in der Rinde

das ungiftige Glykosid Daphnin von der Formel C_{15}H_{16}O_{9} +

2 H_{2}O, welches mit dem Aeskulin isomer ist und zu Zucker und

Daphnetin zerfällt. In den Beeren ist ausserdem Kokkogninsäure

enthalten. Auch Daphne Gnidium enthält Mezerein. Ein ähnliches

scharfes Harz findet sich in Thapsia garganica (Südeuropa).

=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Anhydrid der Mezereinsäure,

welches sowohl in der Rinde, als auch in der Blüte, in den Blättern

und Beeren des Daphnestrauches vorkommt, ist ein gelbbraunes Harz von

stark +entzündungserregender+ Wirkung (Acre pustulans). Nicht bloss auf

Schleimhäuten, sondern auch auf der Haut entsteht unter der Einwirkung

des Mezereinsäureanhydrids und der genannten Pflanzenteile Schwellung,

Rötung, Entzündung, Blasen-, Pustel- und Geschwürsbildung. Nach der

innerlichen Aufnahme der Pflanze entsteht das Bild einer +schweren

Magendarmentzündung+ und +Stomatitis+, welche sich in +Speicheln+,

+Schlingbeschwerden+, +Erbrechen+, +Kolik+, +starkem Durchfall+,

+Strangurie+, sowie grosser +Mattigkeit+ und +Schwäche+ äussert. Bei

der Sektion findet man Schwellung, Entzündung und Geschwürsbildung auf

der Schleimhaut der Maulhöhle, des Magens und Darmes. Die Behandlung

besteht in der Verabreichung schleimiger, einhüllender Mittel in

Verbindung mit Opium.

Die tödliche Dosis der gepulverten Daphnerinde beträgt für Pferde 30 g

(+Wrigt+), Hunde starben bei unterbundenem Schlund auf 12 g der Rinde

nach 13 Stunden (+Orfila+). Vergiftungen mit den Blättern von Daphne

Laureola sind in England beobachtet worden, wo dieselben als Wurmmittel

angewandt wurden. Nach +Rose+ (The veterinary Record, Bd. 6) erkrankten

hiebei 5 Pferde unter den Erscheinungen von Stomatitis, Kolik, starkem

Durchfall, grossem Durst, grosser Schwäche, kleinem, beschleunigtem

Puls und beschleunigtem Atmen; 3 davon starben im Verlauf von 5 Tagen.

Vergiftung durch Rhododendron, Alpenrose.

=Botanisches.= Die zu den Erikazeen gehörige Gattung Rhododendron

wird in verschiedenen Arten teils in wildem, teils in kultiviertem

Zustande die Veranlassung zu Vergiftungen bei den Haustieren.

1. +Rhododendron hirsutum+, auf den Schweizer Alpen vorkommend,

ist ein kleiner immergrüner Strauch mit elliptischen oder

länglichlanzettlichen Blättern, sowie purpurroten oder rosenroten,

trichterförmigen, in einer Doldentraube stehenden Korollen. 2.

+Rhododendron ferrugineum+, ebenfalls eine Alpenpflanze, besitzt

purpurne, trichterförmige Korollen, die Blätter sind am Rande kahl

und unterseits dicht drüsig schuppig. 3. +Rhododendron maximum+, in

Nordamerika einheimisch, bei uns als Zierpflanze kultiviert, wird

bis 8 m hoch, hat länglich spitze Blätter, sowie purpurrote violette

Blütenkorollen, welche innen gelb punktiert sind. 5. +Rhododendron

ponticum+, aus Kleinasien stammend, in Gärten kultiviert. 5.

+Rhododendron chrysanthum+, die sibirische Schneerose, mit widerlich

riechenden und scharf schmeckenden Blättern.

Die Rhododendronarten enthalten das =Andromedotoxin= als Giftstoff.

Ausserdem findet sich in ihnen wie in allen Erikazeen Arbutin,

Erikolin, Urson, Tannin, Gallussäure, Harz und ätherisches Oel. --

Von Pflanzen, welche ebenfalls Andromedotoxin enthalten, sind zu

nennen die verschiedenen +Andromedaarten+ (A. polyfolia, japonica,

Moriana etc.), ferner Azalea indica, Kassandra-, Kalmia-, Monotropa-

und Pierisarten.

=Krankheitsbild.= Das Andromedotoxin ist ein scharfer,

+akonitinähnlich+ wirkender Stoff, welcher auf +Haut+ und

+Schleimhäuten+ +Entzündung+ hervorruft und auf das Zentralnervensystem

+betäubend+ und +lähmend+ einwirkt. Die Vergiftungserscheinungen

bestehen daher in +Speicheln+, +Würgen+, +Erbrechen+, +Kolik+,

+blutigem Durchfall+, +Erregungserscheinungen+, +Betäubung+ und

+Lähmung+. Bei der Sektion findet man die Erscheinungen der

Gastroenteritis. Die Behandlung besteht in der Verabreichung

schleimiger, einhüllender, sowie exzitierender Mittel.

Die tierärztliche +Literatur+ enthält einige Fälle von

Rhododendronvergiftung. +Piepenbrock+ (Preuss. Mitteil. 1877)

berichtet, dass von 2 Ziegen, welche in einem Blumengarten Zweige der

Alpenrose mit Begierde gefressen hatten, die eine nach Ablauf einer

Stunde heftiges Würgen und Erbrechen, starkes Geifern aus dem Maule,

Zähneknirschen, sowie Schweissausbruch über den ganzen Körper zeigte

und bei Berührung des Körpers schmerzhaftes Blöken äusserte; am Tage

darauf lag sie gelähmt, langausgestreckt im Stalle. Die zweite Ziege

stand betäubt, die Stirn gegen die Wand gestemmt; der Mist war hart,

der Kotabsatz verzögert und mit schmerzhaftem Blöken verbunden, im Kote

fanden sich blutige Striemen, der Puls war unfühlbar. Am 3. bezw. 5.

Tage trat bei beiden Tieren Besserung und am 8. Tag Genesung ein. Nach

+Gerlach+ (Gerichtl. Tierheilkunde) krepierten von 100 jungen Schafen,

welche einen Rhododendronstrauch abgefressen hatten, mehrere, ausserdem

mussten 27 wegen schwerer Erkrankung geschlachtet werden. +Claussen+

(Schleswig-Holst. Mitt. für Tierärzte 1896) sah bei 3 Ziegen

Erbrechen, Appetitlosigkeit und Erregungserscheinungen. +Marston+

(The Veterinarian) beobachtete bei 2 Rindern starken Speichelfluss,

öfteres Erbrechen sowie Erregung bei Annäherung von Personen. +Wilson+

(ibid. 1897) fand bei einer Ziege Traurigkeit, schwankenden Gang,

anhaltendes Speicheln, Verstopfung sowie krampfhafte Kontraktionen der

Bauchmuskeln mit Würg- und Brechbewegungen. Einen weiteren Fall von

Rhododendronvergiftung hat +Salembier+ (Bullet. Belg. 1886) beschrieben.

Vergiftung durch Oenanthe crocata, Rebendolde.

=Botanisches.= Die zu den Umbelliferen gehörige, mit dem Schierling

nahverwandte +gelbsaftige Rebendolde+, +Oenanthe crocata+, ist ein

in Südeuropa, Frankreich, England und Belgien auf Sumpfwiesen und

an Wassergräben wild wachsendes Unkraut mit knollenförmiger Wurzel,

welche einen gelben, sehr giftigen Milchsaft enthält. Der giftige

Körper dieses Milchsaftes ist das Oenanthin, ein bräunliches Harz,

welches auch in der bei uns einheimischen röhrenförmigen Rebendolde,

+Oenanthe fistulosa+, enthalten ist, einer auf sumpfigen Wiesen und

in Wassergräben wachsenden, bis ¼ m hohen, im Juni und Juli blühenden

Umbellifere mit rübenförmiger Wurzel (früher als volkstümliches

Diuretikum angewandt).

=Krankheitsbild.= Das Oenanthin ist ein Harz, welches örtlich +stark

reizende+, +entzündungserregende+ Wirkung hat. Ausserdem ist es ein

+Krampfgift+ nach Art des Zikutoxins. Kaninchen zeigen nach Dosen

von 0,02 g krampfhafte Streckbewegungen der Vorderbeine, Lauf- und

Schwimmbewegungen, allgemeine klonische Krämpfe und sterben nach

30 Minuten unter Stillstand der Atmung (+Pohl+, Arch. für exper.

Pathol. 1894). Die Krankheitserscheinungen bestehen daher vorwiegend

in +Stomatitis+, +Kolik+, +Durchfall+, +Krämpfen+ und +allgemeiner

Lähmung+. Bei der Sektion findet man entzündliche Veränderungen der

Magendarmschleimhaut. Die Behandlung besteht in der Verabreichung

schleimiger und exzitierender Mittel.

Vergiftungen ereignen sich bei den Haustieren nach dem Genusse der

ausgegrabenen Wurzeln. (Die grüne Pflanze soll nicht giftig sein.)

+Gaignard+ (Recueil 1895) sah bei Pferden und Rindern nach der

Aufnahme der Wurzeln Speicheln, Schwindel, Niederstürzen, Brüllen,

grosse Unruhe und Schweissausbruch, elektrische Muskelstösse,

epileptiforme Krämpfe, Verkrümmung des Halses und Rückens, tetanisehe

Härte der Muskeln und schliesslich Lähmung. Nach den Beobachtungen

von +Bellancy+ (Repertorium 1856) starb eine Kuh nach der Aufnahme

von 650 g der Wurzel von Oenanthe crocata schon nach Verfluss einer

Stunde. 400 g der Wurzel hatten Krämpfe, Atmungsnot, Anästhesie und

allgemeine Lähmung bei einer andern Kuh zur Folge. Ein Pferd starb

nach dem Genusse von 850 g der Wurzel schon innerhalb 25 Stunden unter

Krämpfen und Kolikerscheinungen. +Jouquan+ (Recueil 1885) beobachtete

bei einer Kuh ½ Stunde nach der Aufnahme der ausgegrabenen Wurzeln

heftige Kolik, starkes Brüllen, sowie unregelmässige Bewegungen der

Gliedmassen. +Hoare+ (The vet. journ. 1888) beschreibt eine Vergiftung

bei 8 Kühen, welche die Wurzeln und das Kraut der giftigen Rebendolde

gefressen hatten; 2 derselben starben. +Macadam+ (ibid. 1897) sah bei

Kühen wässerigen Durchfall, Gliederzittern und Lähmung; die Sektion

ergab entzündliche Schwellung der Magenschleimhaut. +Graham-Gillam+

beobachtete bei 4 Schafen eine Entzündung des Labmagens, Duodenums und

Kolons.

Vergiftung durch Schöllkraut, Chelidonium.

=Botanisches.= Das +Schöllkraut+, +Chelidonium majus+ (Maikraut,

Goldwurz, Gilbkraut, Augenkraut, Gottesgabe) ist eine überall in

Europa einheimische, perennierende, bis 1 m hohe Papaverazee, welche

in allen Teilen einen orangegelben Milchsaft enthält. Das starke,

rotbraune Rhizom sendet mehrere aufrechte, stumpfkantige, knotig

gegliederte, leicht zerbrechliche, weissliche, weich behaarte Stengel

aus. Die Blätter sind oben lichtgrün, unten blaugrün, zottig behaart,

leierförmig; die 4blätterigen Blüten sind gelb und in gestielten

Dolden angeordnet. Die schotenförmige Kapsel ist bis 5 cm lang,

4 cm breit und enthält braune, schief eiförmige Samen. Die ganze

Pflanze ist durch einen widerlich scharfen Geruch, sowie durch einen

scharfen, brennenden, bitteren Geschmack ausgezeichnet.

Der zu 25 Prozent im Schöllkraut enthaltene Milchsaft, welcher bei

heissem trockenem Wetter am giftigsten ist, enthält 2 Alkaloide.

1. Das =Chelerythrin=, ein ausserordentlich giftiges, besonders in

den Wurzeln und in den unreifen Früchten enthaltenes Alkaloid von

der Formel C_{19}H_{17}NO_{4}, welches warzenförmige Kristalle von

brennendem, scharfem, bitterem Geschmack bildet, sich mit Säuren

sofort rot färbt und mit Säuren Salze bildet. 2. Das viel weniger

giftige +Chelidonin+ von der Formel C_{20}H_{19}NO_{5}, ein rein

weisses, geruchloses, bitter und kratzend schmeckendes Pulver.

Ausserdem enthält der Milchsaft Chelidonsäure, Chelidoninsäure,

Chelidoxanthin (Farbstoff), Zitronensäure und Aepfelsäure.

=Wirkung.= Das Chelerythrin besitzt eine +entzündungserregende+

lokale Wirkung auf Haut und Schleimhäute und erzeugt daher bei

innerlicher Aufnahme +Erbrechen+, +Kolik+ und +starken Durchfall+.

Ausserdem besitzt es eine +harntreibende+, sowie eine teils erregende,

teils +lähmende+ Wirkung auf das Zentralnervensystem, welche sich

in Zuckungen, Sinken der Reflexerregbarkeit, Anästhesie, sowie in

Lähmung der Skelettmuskeln, des Herzens und des Atmungszentrums

äussert. Das Chelidonin besitzt eine morphinähnliche Wirkung.

Klinische Vergiftungen sind bei den Haustieren nur ganz vereinzelt zur

Beobachtung gelangt, da die Tiere die Pflanze wegen ihres scharfen,

brennenden Geschmackes meiden. +Schmidtke+ beobachtete bei einer

Ziege, die ausschliesslich Schöllkraut als Wildfutter einige Tage

hindurch erhalten hatte, Durchfall und Taumeln; die Sektion ergab das

Vorhandensein von Gastroenteritis. Experimentelle Untersuchungen haben

ergeben, dass Pferde und Rinder das Schöllkraut in Gaben bis zu ½ kg

gut ertragen, indem sie nur eine Vermehrung der Harnsekretion zeigen

(+Hertwig+). +Orfila+ sah bei einem Versuchshunde nach dem Eingeben

eines wässerigen Extraktes der Pflanze Erbrechen, Lähmung, Anästhesie,

Amaurose, Taubheit; in eine Wunde gebracht, hatte das Extrakt starke

entzündliche Schwellung, allgemeine Anästhesie, sowie den Tod zur

Folge. Das Schöllkraut wurde früher in der Tierheilkunde als Purgans,

Cholagogum und Diuretikum angewandt und wird neuerdings wieder in der

Menschenheilkunde benützt.

Vergiftung durch Aron, Arum maculatum.

=Botanisches.= Der +Aron+, +Arum maculatum+ (Aronstab, Zehrwurz,

Fieberwurz, Zahnwurz, Fresswurz), findet sich in feuchten Laubwäldern

Mittel- und Südeuropas. Das Rhizom ist rundlich oval, fleischig,

kartoffelgross, sehr stärkemehlreich. Der Schaft trägt einen von

einer grossen Spatha umschlossenen, terminalen Kolben. Die Blätter

(2-3) sind spiessförmig oder pfeilförmig, lang gestielt und braun

gefleckt. Die Beeren sind rot. Der Aron enthält das =Aronin=, ein

angeblich mit dem Saponin identisches Alkaloid (nach andern ein

Alkaloid +Aroin+ bezw. ein Glykosid +Arin+). Aehnliche Stoffe

finden sich auch in den übrigen Aroideen: +Calla palustris+,

+Dieffenbachia+, +Caladium+ u. a., namentlich auch in den als

Topfpflanzen gezogenen Kallaarten.

=Wirkung.= Das Aronin besitzt, wie das Saponin, eine stark

+entzündungserregende+ Wirkung auf +Wunden+, +Haut+ und +Schleimhäute+.

Ein Vergiftungsfall beim Pferd ist von +Mergel+ (Russ. Archiv für

Veterinärmedizin 1884) beschrieben. Eine 8jährige Stute, welche

vor 3 Tagen einen Hufschlag in die Hüfte erhalten hatte, bekam an

dieser Stelle Befeuchtungen mit einem Infus der frischen Blätter

von Arum maculatum. Durch die Bewegungen des Schweifes wurde die

Flüssigkeit auch auf das Mittelfleisch und den After übertragen.

Die Vergiftungserscheinungen bestanden in starker Anschwellung des

Afters, der Vulva, des Euters und der Wundränder. Daneben beobachtete

man Zittern über den ganzen Körper, Stehen mit gespreizten Beinen

und gestrecktem Hals, beschleunigte Atmung, pochenden Herzschlag,

sowie starke Injektion der sichtbaren Schleimhäute. Am dritten Tag

trat der Tod des Pferdes ein. Kontrollversuche an Ratten, Mäusen und

Fröschen ergaben bei diesen Versuchstieren nach dem Einbringen des

Arons in Wunden ebenfalls eine tödliche, unter den Erscheinungen einer

Depression des Nervensystems verlaufende Vergiftung.

Vergiftung durch Schwalbenwurzel, Asklepias vincetoxicum.

=Botanisches.= Die +Schwalbenwurzel+ (Hundswürger), +Asklepias

vincetoxicum+ (Cynanchum vincetoxicum), ist eine bis einen halben

Meter hohe Asklepiadee mit aufrechtem Stengel, herzförmigen

Blättern und weissen Doldenblüten. Sie enthält das giftige Glykosid

=Asklepiadin=, eine schwach gelbliche, amorphe, in Wasser leicht

lösliche Masse von grosser Zersetzlichkeit, welche in Zucker,

+Asklepin+ und Asklepion zerfällt.

=Wirkung.= Das Asklepiadin ist ein +Nierengift+, welches infolge

von Nierenreizung +Polyurie+ und +Nephritis+, sowie infolge von

Blasenreizung +Harndrang+ und +Cystitis+ erzeugt. In einem von +E.

Veith+ mitgeteilten Fall (Mitteilungen österr. Veterinäre 1844)

erkrankte eine Schafherde nach dem Genuss der Schwalbenwurzel unter

den Erscheinungen der Harnruhr. Mehrere Wochen und Monate hindurch

wurde beobachtet, dass Schafe hinter der Herde zurückblieben, hinten

breitbeinig gingen, sich häufig zum Harnen anstellten, öfters unter

Schmerzen einen klaren, wasserhellen Harn absetzten und bei Druck in

der Lendengegend grosse Schmerzhaftigkeit äusserten. Später träufelte

der Harn fortwährend unwillkürlich ab, die Tiere wurden sehr matt

und schwach, zeigten Schwindel und Taumeln und starben nach wochen-

und monatelanger Dauer der Krankheit. Bei der Sektion zeigten sich

die Nieren entzündlich verändert, die Schleimhaut der Blase wulstig

verdickt und von Hämorrhagien durchsetzt, die Harnleiter waren

ebenfalls verdickt. Fütterungsversuche, wobei täglich 30-90 g des

frischen Krautes gesunden Schafen verabreicht wurden, ergaben, dass

schon nach 3 Tagen häufiger Drang zum Harnabsatz und nach 8 Tagen das

obenbeschriebene Krankheitsbild zu konstatieren war.

Eine +Behandlung+ der Vergiftung würde in der Verabreichung

von Laxantien, sowie in einer symptomatischen Behandlung der

Nierenentzündung bestehen (Tannin, Kali chloricum).

Vergiftung durch Stephanskörner, Delphinium Staphisagria.

=Botanisches.= Das +Stephanskraut+, +Delphinium Staphisagria+

(Läusekraut, scharfer Rittersporn) ist eine südeuropäische

Ranunkulazee mit blauen, traubenförmigen Blüten und bauchigen,

zottigen Samenkapseln, welche erbsengrosse, kantige Samen,

die sogenannten +Stephanskörner+ oder +Läusekörner+, Semina

Staphisagriae, einschliessen. Diese Stephanskörner wurden früher in

der Tierheilkunde äusserlich gegen Ungeziefer, sowie innerlich gegen

verschiedene Krankheiten angewandt. Sie enthalten 4 Alkaloide: das

=Delphinin=, +Staphisagrin+, +Delphinoidin+ und +Delphisin+. Diese

Alkaloide sind wahrscheinlich auch in geringer Menge in Delphinium

consolida, dem Feldrittersporn, einem auf Aeckern häufigen Unkraut

mit dunkelvioletten, einfach gespornten Blüten und schwarzbraunen,

kantigen, scharf und bitter schmeckenden Samen enthalten. In Amerika

sollen ferner Vergiftungen durch Delphinium bicolor und glaucum

vorkommen.

=Wirkung.= Das Delphinin besitzt eine +akonitinähnliche+ Wirkung,

indem es +spinale Krämpfe+ mit späterer +Lähmung+, Unempfindlichkeit,

Herzstillstand, sowie Asphyxie erzeugt; lokal wirkt es stark

+reizend+ auf +Haut+ und +Schleimhäute+. Hunde und Katzen starben

auf 0,01-0,03 Delphinin, nachdem sie +Speicheln+, +Würgen+,

+Erbrechen+, +Kolikerscheinungen+, +Abnahme+ der +Reflexerregbarkeit

und Sensibilität+, +Streckkrämpfe+, +sowie Lähmung des Herzens und

der Atmung+ gezeigt hatten. Das Staphisagrin hat eine koniin- und

kurareartige Wirkung (Delphocurarin); es tötet Hunde in Dosen von

0,2-0,3. Die gepulverten Samen töten Hunde in Dosen von 30 g vom Magen,

in Dosen von 8 g von der Haut aus; bei der ersteren Applikation findet

man bei der Sektion eine Entzündung der Magenschleimhaut (+Orfila+).

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 36 / 50 段