eine reizende, +entzündungserregende+ Wirkung auf die Schleimhaut
des Digestionsapparates. In konzentrierter Form erzeugt er sogar in
Berührung mit der Haut Blasen. Das Krankheitsbild der Vergiftung durch
Ranunkeln äussert sich daher im wesentlichen durch die Erscheinungen
einer oft rasch tödlich verlaufenden +hämorrhagischen Gastroenteritis+,
welcher sich häufig noch die Erscheinungen der +Nephritis
haemorrhagica+ anschliessen, weil der Anemonenkampfer auch bei seiner
Ausscheidung durch die Nieren reizend wirkt. Die Allgemeinwirkungen
des Anemonols bestehen in Krämpfen und Betäubung. Die wichtigsten
Symptome der Vergiftung sind: +Brechbewegungen+, +Würgen+, +Speicheln+,
+Kolikerscheinungen+, +blutiger, ruhrartiger Durchfall+, +Hämaturie+,
+Albuminurie+, +Schreien+, +Brüllen+, +Taumeln+, +Krämpfe+, +Zittern+,
+Zusammenbrechen+, sowie zuweilen sehr rascher, +apoplektiformer Tod+.
Vergiftungen kommen bei allen Pflanzenfressern vor, namentlich aber bei
Rindern und Schafen, wenn auch nicht gerade sehr häufig. Man beobachtet
sie gewöhnlich dann, wenn die Tiere mit dem Grünfutter oder auf der
Weide Ranunkeln aufgenommen haben. Ranunkelhaltiges Heu hat dagegen
infolge der Verflüchtigung des Anemonenkampfers beim Trocknen seine
scharfe Wirkung fast ganz verloren.
Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens und Darmes
entzündlich geschwollen, von Hämorrhagien durchsetzt und den
Darminhalt blutig; die Nieren zeigen zuweilen die Erscheinungen einer
hämorrhagischen Nephritis.
Die +Behandlung+ ist eine symptomatische; sie besteht in der
Verabreichung einhüllender, schleimiger und adstringierender (Tannin)
Mittel. Der Nachweis geschieht auf botanischem Weg.
=Kasuistik.= Zwölf Kühe erkrankten nach der Aufnahme von Grünfutter,
das im wesentlichen aus Ranunculus acris bestanden hatte, an einem
blutigen, ruhrartigen Durchfall (+Schleg+, Sächs. Jahresber.
1884). -- 13 Rinder erkrankten im Frühjahr nach dem Weidegang auf
einer mit Ranunculus sceleratus bewachsenen Wiese, 6 davon starben
innerhalb 14 Tagen. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln, Unruhe,
Stöhnen, Brüllen, Kolikzufällen, Taumeln, Zittern, Bewusstlosigkeit,
Zusammenbrechen; der Verlauf war ein sehr akuter (½-1 Stunde). Bei
der Sektion fand man Entzündung der Schleimhaut des Wanstes und
der Haube (+Müller+, Magazin Bd. 24). -- 2 Rinder zeigten nach dem
Beweiden einer mit Ranunculus sceleratus bewachsenen Wiese heftiges
Brüllen, Umherspringen, Toben, Kolikerscheinungen, Aufblähen und
Speicheln; die Krankheitserscheinungen dauerten im ganzen 4 Tage
(+Meyer+, Schweizer Archiv Bd. 2). -- Eine Schafherde nahm auf der
Weide viel Ranunculus arvensis auf. Schon nach ½ Stunde zeigten
einige Tiere Zittern, Krämpfe, Taumeln, sowie klägliches Geschrei.
Binnen einer Stunde krepierten 21, ebensoviele waren scheintot,
erholten sich aber wieder nach kurzer Zeit. Bei der Sektion fand man
umschriebene Magenentzündung (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde
1872). -- Vier Pferde, welche Ranunculus Flammula aufgenommen
hatten, starben an Gastroenteritis (+Stock+, The vet. journ. 1886).
-- Eine Schafherde hatte auf einem Esparsettefeld geweidet, auf dem
enorme Mengen von Ranunculus repens und arvensis wuchsen. Die ganze
Herde erkrankte an Durchfall, Aufblähung und Krämpfen. 137 Schafe
starben; bei der Sektion fand man Entzündung des Magens und Darmes
(+Eggeling+, Berl. Arch. 1891, S. 370). -- 2 Kühe starben plötzlich
nach der Aufnahme von Ranunkeln an der Entzündung des Labmagens und
Dünndarms (+Brause+, ibid. 1900). -- 12 Kühe und 1 Ochse starben
nach der Aufnahme von Ranunculus acris, sceleratus und bulbosus; sie
zeigten blutigen Durchfall, schwere Benommenheit und bei der Sektion
die Erscheinungen der Gastroenteritis (+Trouette+, Revue vét. 1900).
-- Eine Stute erkrankte nach der Verfütterung von Heu, das zu ⅓ aus
Ranunculus acris bestand, unter Erscheinungen der Kolik, Diarrhöe
und Hämaturie; nach 5 Tagen erfolgte Genesung. In ähnlicher Weise
erkrankten Kühe nach der Aufnahme von Ranunculus Ficaria; sie zeigten
Kolik und Durchfall, sowie vereinzelt Abortus (+Mesnard+, Recueil
1894). -- 4 Rinder erkrankten nach der Verfütterung von Grünfutter
aus einem sumpfigen Graben, das viel Ranunculus sceleratus und
acris enthielt, unter Kolik, starkem Speicheln, Zittern, Taumeln
und Zusammenbrechen (+Wolf+, Sächs. Jahresber. 1900). -- Bei der
Futternot im Jahr 1904 kamen Futtermittel zur Verwendung, die in
anderen Jahren kaum Beachtung finden. Ein Landwirt liess das in einem
toten Neissearme gewonnene Schilfgras an sein Rindvieh verfüttern.
Noch beim Verzehren des Futters verfielen vier Kühe unter einem 25
Haupt starken Viehstapel plötzlich in Krämpfe und Zuckungen; bald
brachen sie vor der Krippe bewusstlos zusammen. Die Sektion ergab
eine leicht entzündliche Rötung der Pansen- und Haubenschleimhaut. In
dem Schilfgras waren die Blätter des Hahnenfusses in grosser Menge
vertreten. Sie wurden als zu Ranunculus sceleratus gehörig botanisch
festgestellt. Wie sich am Ort der Grasgewinnung erkennen liess, wuchs
der Ranunculus nicht in dem Schilf, sondern begleitete diesen in
etwa 1 m breitem Streifen. Hierdurch wird es erklärlich, weshalb nur
vier Haupt aus dem grossen Viehstapel der Giftwirkung anheimfielen.
Das Schilfgras war zurzeit der Verabreichung mit dem Ranunculus sehr
ungleichmässig gemischt. Das bei den ersten Schnitten gewonnene
Schilf war als Heu geerntet worden und bereits ohne Gefahr wie auch
in anderen Jahren verzehrt worden (+Hönscher+, Zeitschr. f. Vet.
1905).
+Vergiftungen durch Anemonenarten sind in der tierärztlichen
Literatur nicht enthalten.+ Fütterungsversuche von +Müller+ und
+Krause+ (Berl. Arch. 1897) mit Anemone nemorosa bei verschiedenen
Haustieren hatten ebenfalls ein negatives Resultat; der Pflanze kommt
danach eine eigentliche Giftwirkung nicht zu.
Vergiftung durch Bingelkraut.
=Botanisches.= Das Bingelkraut (Euphorbiazee) kommt in zwei giftigen
Arten vor. 1. +Mercurialis annua+ (einjähriges Bingelkraut,
Bengelkraut, Ruhrkraut, Rehkraut, Schlangenkraut), ein auf
Schutthaufen, an Aeckern und Zäunen wachsendes einjähriges Kraut
mit kahlem, aufrechtem, ¼-½ m hohem, vierkantigem Stengel, länglich
eiförmigen, kerbig gesägten Blättern, festsitzenden weiblichen Blüten
(Juni-Oktober) und spitzhöckerigen Fruchtkapseln. 2. +Mercurialis
perennis+ (ausdauerndes Bingelkraut, Kuhkraut, Hundskohl, Speckmelde)
ist ein in Buchenwäldern häufig vorkommendes, perennierendes, 15-30
cm hohes, kahles oder rauhhaariges Kraut mit einfachem, stielrundem
Stengel, glänzend dunkelgrünen, eiförmig länglichen Blättern und
langgestielten weiblichen Blüten (April-Mai).
Beide Pflanzen enthalten das =Merkurialin=, einen purgierenden Stoff,
ausserdem Methylamin, Trimethylamin, ein ätherisches Oel und Indigo.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das im Bingelkraut enthaltene
Merkurialin wirkt +reizend+ auf die +Magendarmschleimhaut+ und
auf die +Nieren+. Das Krankheitsbild der bei den Pflanzenfressern
und beim Schwein beobachteten Merkurialisvergiftung besteht daher
vorwiegend in den Erscheinungen einer Gastroenteritis und Nephritis.
Die Tiere zeigen +Appetitlosigkeit+, +unterdrückte Rumination+,
+leichte Kolikerscheinungen+, +Verstopfung oder Durchfall+,
+vermehrte Harnsekretion+, +blutig gefärbten Harn+, +Drängen auf den
Harn+, +Eiweisszylinder im Harn+, +Steifheit in der Nierengegend+,
+Empfindlichkeit bei Druck in derselben+, +erschwerten Gang+,
+beschleunigte Atmung+, +Zittern+, +Schwäche+, +beschleunigten,
schwachen Puls+. In einem Fall wurde auch eine Rotfärbung der Milch
beobachtet. Die +Prognose+ der Vergiftung ist in den meisten Fällen
günstig; die Dauer der Erkrankung kann 4-6 Tage und darüber betragen.
Bei der Sektion findet man die Erscheinungen der Gastroenteritis und
Nephritis. Die +Behandlung+ ist eine symptomatische (Verabreichung von
schleimigen, einhüllenden und von adstringierenden Mitteln, namentlich
von Tannin). Der +Nachweis+ geschieht auf botanischem Weg.
Von den in der Literatur enthaltenen Beobachtungen über
Merkurialisvergiftung sind zunächst die +experimentellen+
Untersuchungen von +Schulz+ (Arch. f. experiment. Pathol. 1886) zu
erwähnen. Die Versuchstiere (Schweine und Kaninchen) zeigten neben
vermehrter Harnsekretion, enormer Ausdehnung der Blase (Blasenlähmung),
Harnzwang und Verstopfung einen blutrot gefärbten Harn, in welchem
jedoch Blutfarbstoff nicht nachzuweisen war. Die Natur dieses +roten+
Farbstoffes ist nicht näher festgestellt worden. Vielleicht gehört
derselbe zu der Gruppe des Indigo, da das Bingelkraut tatsächlich
Indigo enthält. Auf Grund der Schulzschen Beobachtung muss ferner
die Frage aufgeworfen werden, ob die von den tierärztlichen
Beobachtern als Blutharnen und Blutmelken beschriebenen Erscheinungen
der Merkurialisvergiftung wirklich durch rote Blutkörperchen bezw.
Hämoglobin bedingt wurden, oder ob auch ihnen ein roter, indigoartiger
Farbstoff als Ursache zugrunde gelegen hat. +Von manchen wird die
Giftigkeit des Bingelkrauts überhaupt verneint+ (vgl. unten). Genauere
Untersuchungen auch hierüber sind hier sehr erwünscht.
=Kasuistik.= +Vernant+ (Recueil 1883) beobachtete bei zwei Pferden
nach dem Genuss von Mercurialis annua Appetitlosigkeit, starke Rötung
der Konjunktiva, pochenden Herzschlag, beschleunigten Puls, Steifheit
in der Nierengegend, erschwerten Gang, sehr starke Polyurie sowie
blutigen Urin; die Genesung erfolgte nach drei Wochen. Bei einer Kuh
wurden dieselben Erscheinungen, ausserdem aber hochgradige Schwäche
wahrgenommen; die Genesung erfolgte schon nach vier Tagen. +Harms+
(Magazin 1871) beobachtete als Hauptsymptom der Merkurialisvergiftung
Blutharnen; im Bodensatz des Harns fanden sich Eiweisszylinder,
Lymphzellen und braune Körnchen. +Jouguan+ (Recueil 1883) sah vier
Kühe unter den Erscheinungen einer Indigestion erkranken; ein Tier
starb. +Dammann+ (Gesundheitspflege 1886) hat häufig bei Schweinen
Vergiftungen beobachtet, wenn die ärmeren Leute im Frühjahr aus den
Buchenwäldern Bingelkraut holten. +Dubois+ (Annal. d. Bruxelles 1847)
beobachtete bei Rindern Appetitlosigkeit, Mattigkeit, Schmerz bei
Druck auf die Nierengegend, leichte Kolikerscheinungen, Verstopfung
und Durchfall, sowie Absatz eines dunkelschwarzen Harns. +Schaak+
(Journal de Lyon 1847) beobachtete bei einer Kuh Rotfärbung der
Milch, angestrengte Atmung, Harnbeschwerden, Abgang von schwarzem
Blut mit dem Harn, Genesung am 6. Tag. Von 2 anderen Kühen zeigte die
eine Verstopfung und Blutharnen, die andere Durchfall und Verkalben;
beide genasen. +Mesnard+ (Recueil 1894) sah bei einem Pferd nach
der Aufnahme von Mercurialis annua Kolik, roten Harn, kleinen Puls
und Zyanose der Schleimhäute. Bei der Sektion zeigten sich die
Nieren geschwollen und hyperämisch, ekchymosiert, im Nierenbecken
befand sich reines Blut (!), die Harnblase enthielt schwärzlichen,
stark eiweisshaltigen Harn. -- +Blackhurst+ (Vet. journ. 1896)
beschreibt eine Vergiftung durch Mercurialis perennis bei fünf Kühen;
drei derselben zeigten am folgenden Tag schleimigen Durchfall und
Speichelfluss, die beiden andern Entleerung dicker Blutkoagula aus
dem After, Kolik, Schwäche und Koma; alle 5 Kühe wurden geheilt.
-- +Oberwegner+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1899) sah bei einem
Schwein nach dem Fressen von Mercurialis annua die Erscheinungen der
Gastroenteritis, dunklen Harn, sowie Abortus. -- +Micucci+ (Giorn.
soc. vet. 1902) führt einen Fall von Hämoglobinurie beim Rind auf
das Bingelkraut zurück, das im Futter gefunden wurde (eine andere
Kuh, welche das Futter verweigert hatte, blieb gesund); der Harn
zeigte eine dunkelrote bis schwarzrote Farbe und enthielt so wenig
rote Blutkörperchen, dass die Farbe des Harns dadurch nicht erklärt
werden konnte. -- +Ganter+ (Bad. Mitteil. 1907) führt gleichfalls
schweres Blutharnen bei fünf Rindern darauf zurück, dass das Futter
ausschliesslich aus Bingelkraut bestand; im Nierenbecken fand sich
„blutiger“ Harn. -- +Perrussel+ (J. de Lyon 1899) beobachtete bei
2 Kühen nach der Aufnahme von je 4-6 kg der Mercurialis annua
tödliche Kolik und getrübten schmutziggrünen Harn; die Sektion
ergab akute Darmentzündung, Nierenentzündung und pralle Füllung
der Blase mit rötlichem Harn. +Mathis+ (ibid.) bezweifelt dagegen
auf Grund eines Fütterungsversuches die Giftigkeit der Mercurialis
annua; er machte bei einem Ochsen die Gastrotomie und führte 9 Tage
lang je 4 kg frischer Merkurialis durch die Operationswunde in den
Pansen ein, ohne hiernach Gesundheitsstörungen zu beobachten. Auch
+Faure+ (ibid.) bezweifelt auf Grund von Versuchen an Kaninchen die
Giftigkeit des Bingelkrauts.
Vergiftung durch Wolfsmilch (Euphorbia, Tithymalus).
=Botanisches.= Die Gattung +Euphorbia+ (+Tithymalus+), +Wolfsmilch+,
ist charakterisiert durch einen krautartig beblätterten Stengel,
gestielte gelbe, einhäusige Blüten mit glockenförmigem,
fünflappigem Kelch und einer derartigen Anordnung, dass eine
weibliche Blüte von 8-10 männlichen umgeben ist, endlich durch
eine 3fächerige, 3knöpfige, 3 Teilfrüchtchen bildende Kapsel. Von
giftigen Wolfsmilcharten kommen für die Haustiere in Betracht:
+Euphorbia Cyparissias+, die Zypressenwolfsmilch, +Euphorbia
Peplus+, die Gartenwolfsmilch, +Euphorbia helioskopia+, die
sonnenwendige Wolfsmilch, und +Euphorbia marginata+. Eine andere
giftige Wolfsmilchart ist +Euphorbia Lathyris+, das Maulwurfskraut
oder Springkraut, deren Samen als Springkörner oder +Semina
Cataputiae minoris+ bezeichnet werden. Der Milchsaft der genannten
Wolfsmilcharten enthält das giftige =Euphorbinsäureanhydrid= neben
dem indifferenten Euphorbon.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das im Milchsaft der Euphorbien
enthaltene Euphorbinsäureanhydrid hat eine +reizende+ Wirkung auf
+Haut+ und +Schleimhäute+. Die Erscheinungen der Euphorbiumvergiftung
sind daher wesentlich die einer +hämorrhagischen Gastroenteritis+:
Appetitlosigkeit, Speicheln, +Kolikzufälle+, Verstopfung, Tympanitis,
ruhrartiger, häufig +blutiger Durchfall+, pochender Herzschlag,
beschleunigter schwacher Puls, Betäubung, Schwindel, Konvulsionen.
Bei der Sektion findet man Rötung, Schwellung, Ekchymosierung und
Geschwürsbildung auf der Schleimhaut des Magens und Darms. Die
Behandlung besteht in der Verabreichung schleimiger und öliger Mittel
in Verbindung mit Opium oder Tannin; im übrigen ist die Therapie
symptomatisch. Der Nachweis wird auf botanischem Weg geführt.
Euphorbiumvergiftungen kommen bei den Haustieren ziemlich selten
vor. Die Giftigkeit der einzelnen Wolfsmilcharten scheint überhaupt
nicht sehr hochgradig zu sein. +Dammann+ (Gesundheitspflege)
fütterte einen Hammel mit 3 Pfd. der sonnenwendigen Wolfsmilch, ohne
Vergiftungserscheinungen zu konstatieren. Von den in der Literatur
verzeichneten Vergiftungsfällen sind die nachstehenden bemerkenswert.
+Prietsch+ (Sächs. Jahresber. 1859) beobachtete bei einer Ziege nach
der Aufnahme von Euphorbia Peplus Kolikerscheinungen, Tympanitis,
Speicheln und Verstopfung. +Dennhardt+ (ibid. 1907) sah bei 5 Kühen,
die auf einer Rübenstoppel weideten, auf der massenhaft Euphorbia
helioskopia wuchs, starken Durchfall und plötzliches Versiegen der
Milch. +Baudius+ (Preuss. Mitteil. 6. Bd.) beobachtete bei einer
Rinderherde nach dem Genuss der Wolfsmilch Kolikerscheinungen, sowie
Gelbfärbung der Haut bei zwei weissen Ochsen. +Vincenti+ (Woch. f.
Tierh. Bd. 12) sah bei einem Rind nach der Aufnahme von Euphorbia
helioskopia Appetitlosigkeit, Durchfall und pochenden Herzschlag.
+Mesnard+ (Recueil 1894) beobachtete bei einem Pferd Durchfall,
Tenesmus und grosse Schwäche. Aehnliche Fälle sind von +Marquardt+
(Repertor. 1876), +Schüpp+ (Schweizer Archiv Bd. 13) und +Röll+
(Oesterr. Veterinärber. 1883) beschrieben worden. Endlich sollen
Vergiftungen beim Menschen nach dem Genuss von Ziegenmilch beobachtet
worden sein (+Menzel+, Quellenstudien im Interesse der Milchviehzucht).
Vergiftung durch Fleckschierling (Conium maculatum).
=Botanisches.= Der +Fleckschierling+ oder +Landschierling+, +Conium
maculatum+ (Blutschierling, Mauerschierling, Wutschierling,
Schwindelkraut, Tollkraut, Ziegendill, Teufelspeterling), ist eine
auf Schutthaufen, unbebautem Land und an Wegen in ganz Europa wild
wachsende Umbellifere. Der Stengel hat eine Höhe von 1-2 m, ist
rund, aufrecht, ästig, bläulich bereift, am Grund rotbraun gefleckt
(„Fleckschierling“). Die ganze Pflanze ist kahl, die Blätter sind
dunkelgrün und glänzend. Die unteren Blätter werden über 20 cm lang,
sie sind dreifach gefiedert und haben einen gleichlangen, runden,
hohlen, röhrigen Stiel, der am Grund in eine den Stengel umfassende
häutige Scheide übergeht. Der Blütenstand bildet eine doppelt
zusammengesetzte Dolde, die Blüten sind weiss. Die Samenrippen sind
zusammengedrückt, anfangs gekerbt, später wellenförmig. Die Pflanze
besitzt einen widerlichen, an Mäuseurin erinnernden Geruch, welcher
auch am eingetrockneten Kraut nach dem Befeuchten mit Kalilauge
nachzuweisen ist. Der Fleckschierling enthält das sehr giftige,
ölartige, flüchtige Alkaloid =Koniin= von der Formel C_{8}H_{17}N,
ausserdem das Konhydrin und Methylkoniin.
=Krankheitsbild.= Das Koniin ist ein +lähmendes+ Gift für die
+Bewegungsnerven in den quergestreiften Muskeln+, desgleichen für
das +Gehirn+ und +Rückenmark+; der Tod erfolgt durch +Lähmung des
Zwerchfells+. Ausserdem besitzt das Koniin eine +reizende+ Wirkung
auf Schleimhäute. Die Vergiftungserscheinungen bestehen zunächst
in +Speicheln+, +Würgen+, +Brechbewegungen+ und +Aufblähung+; die
Allgemeinwirkung äussert sich in allgemeiner +Muskelschwäche+,
unsicherem Gang, zunehmender +motorischer+ und +sensibler Lähmung+,
+Taumeln+, +Schwindel+, +Betäubung+, Pupillenerweiterung und
+Atmungskrämpfen+. Bei der Sektion findet man ausser leichten
gastroenteritischen Erscheinungen nichts Besonderes. Die Behandlung
besteht in der Verabreichung von Tannin als chemisches Antidot, sowie
von exzitierenden Mitteln: Kampfer, Aether, Alkohol, Wein, Kaffee,
Salmiakgeist, Ammonium carbonicum, Liquor Ammonii anisatus, Atropin,
Koffein, Strychnin etc.
+Die Haustiere scheinen im allgemeinen gegenüber dem Koniin
weniger empfindlich zu sein als der Mensch.+ Ich habe dies
insbesondere bei Hunden konstatiert, bei welchen ich die Wirkung
des bromwasserstoffsauren Koniins experimentell prüfte. Die
subkutane +Todesdosis+ beträgt nämlich nach meinen Versuchen pro kg
Körpergewicht beim Hund 0,05 g (die Maximaldosis für den Menschen
wird pro Einzeldosis auf 2 mg angegeben!!). Zwei Hunde von 9 und 12
kg Körpergewicht ertrugen Dosen von 0,04, 0,1, 0,2 und 0,3 g Coniinum
hydrobromicum subkutan ohne irgend welche sichtbare Allgemeinwirkung
(also das 100fache der Maximaldosis des Menschen). Erst Dosen von
0,5 und 1,0 Coniinum hydrobromicum töteten die Versuchshunde in
einem Zeitraum von etwa einer halben Stunde. Die hiebei beobachteten
Erscheinungen waren folgende: Die Tiere zeigten etwa ¼ Stunde
nach der subkutanen Injektion des Coniinum hydrobromicum leichte
Mattigkeit, Nachlass der freiwilligen Bewegungen, kratteligen,
unbeholfenen Gang, Schwanken und Taumeln, Unvermögen, sich auf den
Hinterfüssen vorn in die Höhe zu erheben, Einknicken im Karpalgelenk
(Schwäche der Streckmuskel), gespreizte rückständige Stellung, sowie
leichtes Speicheln mit Kaubewegungen. Im weiteren Verlauf nahm die
Muskelschwäche rasch zu, die Tiere legten sich auf den Boden und
versuchten vergebens wieder aufzustehen. Zuletzt lagen sie anhaltend
schlaff am Boden; wenn man sie aufhob, hingen Kopf und Hals ebenfalls
ganz schlaff herab und die Zunge hing gelähmt aus der Maulspalte
heraus. Der Harn floss von selbst ab (Lähmung des Sphincter vesicae).
Die Atmung wurde allmählich tiefer. Sodann waren anfallsweise Streck-
und Schüttelkrämpfe (epileptiforme Krämpfe) zu beobachten, welche in
ein leises Zittern übergingen. Die Pupille war erweitert und die Kornea
unempfindlich. Zuletzt trat ganz ruhig Stillstand der Atmung ein,
während das Herz noch einige Zeitlang fortschlug (noch etwa 60 Pulse).
Die Herztätigkeit war dabei bis zuletzt immer normal.
=Nachweis.= Neben dem +botanischen+ Nachweis, der wohl in den meisten
Fällen genügen dürfte, kann auch der +chemische+ Nachweis des Koniins
geliefert werden. Die +Abscheidung+ des sehr leicht zersetzlichen und
flüchtigen Koniins erfolgt auf dieselbe Weise wie die des Nikotins
(vgl. S. 196). Beim Verdunsten des +Petroleumätherauszugs+ auf dem mit
ätherischer +Salzsäure+ benetzten Uhrschälchen bleibt im Gegensatz
zum Nikotin ein +kristallinischer+ Niederschlag von salzsaurem
Koniin zurück. Das reine, nach dem Verdunsten des Aetherauszugs
ohne Säurezusatz zurückbleibende Koniin hat einen scharfen,
eigentümlichen +Geruch+, welcher verdünnt an +Mäuseurin+ erinnert.
Der Nachweis des Koniins als solches wird durch die +Kristallform+
der beim Verdunsten des Petroleumäthers zurückbleibenden salzsauren
Koniinkristalle geliefert. Löst man den kristallinischen Rückstand
mit starker +wässeriger Salzsäure+ auf und trocknet diese Lösung
ein, so bilden sich +nadel-+ oder +säulenförmige Kristalle+, welche
angehaucht +koniinartig riechen+ und, bei 200maliger Vergrösserung
gesehen, entweder +sternförmig+ zu +Drusen+ zusammengelagert, oder
+balkengerüstähnlich+ ineinander gewachsen, oder +dendritisch+, +moos-+
oder +schilfartig+ sind. Charakteristische Farbenreaktionen für Koniin
existieren zum Unterschied von Nikotin nicht. Die mit Salzsäure
eintretende blaugrüne Färbung weist auf eine stattgefundene Zersetzung
des Koniins hin. Dagegen gibt das Koniin +Niederschläge+ mit den
bekannten Alkaloidreagenzien. So wird eine Lösung von Koniin in 1/10
ccm schwefelsäurehaltigen Wassers (1 : 10) durch +Kalium-Wismutjodid+
und +Phosphormolybdänsäure+ etc. ausgefällt.
+Kasuistik.+ Die +klinischen+ Fälle von Schierlingvergiftung sind
ziemlich selten. Nach +Schmidt+ (Oesterr. Vierteljahresschrift 1876)
starb ein Kalb nach der Aufnahme von 4 kg frischen Krautes. Nach
+Noll+ (Tierärztl. Zeitung 1846) starben 2 Ziegen 6 Stunden nach der
Aufnahme von Schierling, nachdem sie gespeichelt, die Augen verdreht,
sowie Bewusstlosigkeit und Krämpfe gezeigt hatten. Bei der Sektion
fand man leichte Rötung der Pansenschleimhaut, sowie Ekchymosen
auf der Schleimhaut des Psalters und Labmagens. Nach +Read+ (The
Veterinarian 1845) zeigten Lämmer Taumeln, allgemeine Lähmung,
Unempfindlichkeit und Zappeln. Bei der Sektion fand man scharlachrote
Flecken auf der Pansenschleimhaut. +Baranski+ (Berl. Arch. 1896)
sah bei Gänsen Lähmungserscheinungen und Durchfall. +Graffunder+
(ibid. 1898) beobachtete bei Kälbern Aufblähung, Schwindel,
Taumeln, Pupillenerweiterung, Durchfall und Tod unter allgemeiner
Lähmung. -- +Plotti+ (Clin. vet. 1899) sah bei 2 Kühen und 1 Kalb
Kolik, epileptiforme Krämpfe und Tod infolge allgemeiner Lähmung.
+Graham-Gillam+ (Journ. of comp. 1902) beobachtete bei einem Esel
nach der Aufnahme grosser Mengen von Schierling Krampfkolik, stieren
Blick, Pupillenerweiterung, gesenkte Kopfhaltung und Tod.