Formel C_{2}H_{2} wird gewöhnlich aus Kalziumkarbid und Wasser
dargestellt: CaC_{2} + 2 H_{2}O = Ca(OH)_{2} + C_{2}H_{2}. Nach den
Untersuchungen von +Panisset+ (Recueil méd. vét. 1903) ist das reine
Azetylen im Gegensatz zum Leuchtgas kaum giftig zu nennen. Ein Hund
blieb z. B. 3 Stunden in einem Luftgemenge, das 20 Proz. Azetylen
enthielt, ohne zu erkranken. Die gegenteilige Ansicht +Liebreichs+
beruht auf der Anwendung eines unreinen, Kohlenoxyd enthaltenden
Azetylens.
Vergiftung durch Schwefelwasserstoff.
=Allgemeines.= Der Schwefelwasserstoff, SH_{2}, ist ein sehr
giftiges Gas, welches im freien Zustande in grösseren Mengen
(5-10 Proz.) im sog. +Kloakengas+ (Latrinengas, Mistgrubengas)
vorkommt. Schwefelwasserstoff entwickelt sich ferner in grosser
Menge bei der Verwendung der +Schwefelleber+ (Kalium und Natrium
sulfuratum) zu Räudebädern oder zu innerem Gebrauch. Ausserdem
bildet sich Schwefelwasserstoff nach der innerlichen Verabreichung
von +Schwefel+ im Darmkanal. Von dem im Darmkanal gesunder Tiere aus
den Eiweisskörpern der Nahrung gebildeten Schwefelwasserstoff hat
man früher angenommen, dass derselbe in grösseren Mengen, z. B. bei
der Kolik der Pferde, eine Selbstvergiftung (Autointoxikation) des
Körpers herbeiführen könne; Beweise für diese Annahme fehlen indes.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Der Schwefelwasserstoff gehört
zu den giftigsten Gasen. Er ist ein +lähmendes+ Gift für +Gehirn+ und
+Rückenmark+. Ausserdem ist der Schwefelwasserstoff ein +Blutgift+,
welches das Oxyhämoglobin in der Leiche zu +Schwefel-Methämoglobin+
zersetzt. Nach den Untersuchungen von +Lehmann+ sterben Tiere in einer
Atmosphäre, welche nur 1-3 pro Mille Schwefelwasserstoff enthält, schon
binnen 10 Minuten +apoplektisch+ unter sehr heftigen Konvulsionen und
grosser Atemnot. Eine Luft, welche ½ pro Mille Schwefelwasserstoff
enthält, wirkt ebenfalls tödlich unter Krämpfen und unter den
Erscheinungen eines +entzündlichen Lungenödems+. Daneben wirkt der
Schwefelwasserstoff reizend auf die Kopf- und Respirationsschleimhäute
(+Rhinitis+, +Konjunktivitis+, +Laryngitis+).
Die Erscheinungen der Schwefelwasserstoffvergiftung bestehen in
+Mattigkeit+, +Schwäche+, +Betäubung+, +Krämpfen+, Verlangsamung
und schliesslicher +Lähmung der Atmung+. Nach +Chaussier+ starb ein
Pferd, welchem 10 l Schwefelwasserstoffgas in den Mastdarm eingeführt
wurden, im Verlauf einer Stunde. Bei der +Sektion+ findet man einige
Zeit nach dem Tode eine +grünlich-schwarze, tintenartige Verfärbung+
des +Blutes+, Zerfall der roten Blutkörperchen, Verschwinden der
Absorptionsstreifen des Oxyhämoglobins im Spektrum und Ersetzung durch
den Streifen des reduzierten Hämoglobins (Schwefel-Hämoglobins). Da
im übrigen die Bildung von Schwefel-Hämoglobin in jeder faulenden
Leiche stattfinden kann, ist sie für die Schwefelwasserstoffvergiftung
nicht charakteristisch. Ausserdem beobachtet man die Erscheinungen
der Suffokation (Blutüberfüllung der Lunge, des Herzens und der
grösseren Gefässe). Die +Behandlung+ ist dieselbe wie bei der
Kohlenoxydvergiftung; als chemisches Antidot wird ferner die Inhalation
von Chlorgas empfohlen. Der +Nachweis+ geschieht durch den Geruch,
sowie chemisch durch Schwarzfärbung von Papierstreifen, welche mit
Bleizuckerlösung getränkt sind (Bildung von Schwefelblei).
=Schwefel.= Die Giftigkeit des Schwefels beruht einerseits auf
der +reizenden Wirkung+ des Schwefels +auf die Darmschleimhaut+,
andererseits auf seiner +Umwandlung zu SH_{2}+. Die Erscheinungen der
Schwefelvergiftung sind: +Gastroenteritis+ mit +heftiger Kolik+ und
Entleerung dünnflüssiger, schwärzlicher, nach +Schwefelwasserstoff+
riechender Massen, +Koma+, Geruch der ausgeatmeten Luft nach
Schwefelwasserstoff. Aehnlich äussert sich die Vergiftung mit
+Schwefelleber+. Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von
Eisen, gebrannter Magnesia, Exzitantien, schleimiger Mittel. Eine
charakteristische Schwefelvergiftung bei Pferden ist von +Demblon+,
+Mosselmann+ und +Hébrant+ (Belg. Annal. 1898) beschrieben worden.
Danach erhielten 9 Pferde zusammen 4 kg Schwefel (3-400 g pro
Stück). 3 Pferde verendeten innerhalb 24 Stunden unter heftigen
Kolikerscheinungen und Durchfall; die Sektion ergab Gastroenteritis,
Lungenödem und starken SH_{2}-Geruch aller Organe. Dass im übrigen
der Schwefel nur wenig giftig ist, beweisen die Versuche von
+Hertwig+. Dieser gab einem mittelstarken, 9jährigen Pferd innerhalb
16 Tagen 2800 g (nahezu 3 kg) Schwefel in der Weise, dass am ersten
Tag 30 g, am zweiten 60, am dritten 90 g u. s. f. verabreicht
wurden. Am dritten Tag (180 g) roch die Hautausdünstung deutlich
nach Schwefel (Bleireaktion). Die Absonderung des Schleimes in der
Nase vermehrte sich täglich; am 7. Tag (840 g) trat Durchfall ein,
der bis zum 17. Tag (Tag der Tötung) fortdauerte. +Die Fresslust
wurde niemals getrübt+; trotzdem magerte das Pferd bei gutem Futter
sichtbar ab, wurde täglich kraftloser, so dass es am 16. Tag nicht
mehr allein von der Streu aufstehen konnte. Puls und Atem waren
bis zum letzten Tag normal; Kolikerscheinungen traten nicht auf.
Vom 10. Tag ab wurde das Blut immer dunkler und zuletzt selbst
in den Arterien fast schwarz; dabei war es sehr dünnflüssig und
langsam gerinnend. Am 17. Tag wurde das Pferd getötet. Die Sektion
ergab ausgebreiteten Schwefelwasserstoffgeruch aller Organe, sowie
leichte gastroenteritische Erscheinungen. Diesem +Hertwig+schen
Versuche gegenüber muss eine angebliche Beobachtung von +Fogliata+
(Giornale di Anat. Fisiol. e Pathol. 1866) als sehr unwahrscheinlich
erscheinen. +Fogliata+ hält nämlich 45 g für die Maximaldosis des
Schwefels bei Pferden (!). Er will bei einem 3jährigen Fohlen nach
Verabreichung von etwas über 30 g reinen Schwefels eine innerhalb
18 Stunden unter Diarrhöe verlaufende tödliche Gastroenteritis
beobachtet haben(?); eine Arsenikvergiftung soll dabei ausgeschlossen
gewesen sein. Nach +Mosselmann+ und +Hébrant+ haben bei Fohlen
250 g, bei erwachsenen Pferden 500 g Schwefel eine Vergiftung zur
Folge. -- Nach +Hébrant+ (Belg. Annal. 1900) sollen in Belgien
bei Hunden sehr oft Schwefelvergiftungen vorkommen (Eingeben von
Schwefel als Prophylaktikum gegen die Staupe im Frühjahr) und sich
in Kolik, Erbrechen, Durchfall, selbst blutigem Erbrechen und
Durchfall, Somnolenz, Anämie der Schleimhäute mit häufig tödlichem
Ausgang äussern. -- Ueber eine Vergiftung beim Rind und Schwein hat
+Fabretti+ berichtet (Giorn. vet. 1900). -- Aehnlich wie Schwefel
wirken Selen und Tellur. Letzteres findet sich zuweilen in unreinen
Wismutsalzen und bedingt durch seine Umwandlung zu Tellurwasserstoff
= TeH_{2} den aashaften knoblauchartigen Geruch der ausgeatmeten Luft
(sog. Wismutatem). Sehr giftig sind ferner das tellursaure Natrium,
sowie die selenige Säure und ihre Salze.
=Schwefelleber.= Die Schwefelleber (+Schwefelkalium+, Kalium
sulfuratum) von der Formel K_{2}S_{3} + K_{2}S_{2}O_{3} kann bei
äusserlicher Anwendung als Räudemittel, sowie bei innerlicher
Verabreichung (Verwechslung mit Kalium sulfuricum) schwere
Vergiftungserscheinungen veranlassen. Die Giftwirkung setzt sich
zusammen aus der +ätzenden Kaliwirkung+ (Dermatitis, korrosive
Gastroenteritis, Kolik) und der +Schwefelwasserstoffwirkung+
(Betäubung, Lähmung, Krämpfe). Bei Hunden wirken schon 2-4,0, bei
Pferden und Rindern 30-60,0 giftig. Eine Vergiftung mit Schwefelleber
bei 12 räudigen Pferden nach dem Waschen mit 10proz. Lösung ist im
Berliner Archiv (1898, S. 298) beschrieben. Die Tiere wurden 1 Stunde
nach der Waschung sehr unruhig, atmeten sehr schnell und zeigten
sich zuletzt sehr abgestumpft; an den kräftig geriebenen Hautstellen
trat starke Schwellung und später Ablösung der Haut in Fetzen
ein. Sämtliche Pferde erholten sich bis zum nächsten Tag wieder
vollständig.
=Schweflige Säure.= Die schweflige Säure, SO_{2}, entwickelt
sich beim Verbrennen des Schwefels. Sie kann gelegentlich der
Desinfektion von Stallungen, bei der Entleerung von Gefrierapparaten,
sowie beim Einatmen von Flugstaub (Rösten von Bleierzen)
Vergiftungserscheinungen bei Pferden, Rindern und anderen
Haustieren hervorrufen. Dieselben äussern sich in +Konjunktivitis+,
+Laryngitis+ (Husten), +schweren Atembeschwerden+, krampfhaftem
Stimmritzenverschluss, sowie in der Ausbildung einer +kruppösen
Bronchitis+ und +Pneumonie+ (reduzierende Wirkung, Umwandlung zu
Schwefelsäure). Nach +Ogata+ erkranken Tiere schon bei einem Gehalt
der Luft von ½ Vol. pro Mille SO_{2} und sterben bei einem solchen
von 3 pro Mille unter Dyspnoe und Krämpfen. Nach +Kionka+ erzeugen
schon ½proz. wässerige Lösungen im Magen intensive Gastritis, 5proz.
Lösungen haben nach 3-5 Minuten den Tod der Versuchstiere zur Folge.
In den Lungenkapillaren entstehen schon intra vitam Gerinnungen.
Wegen ihrer starken Giftigkeit in Gasform wird daher neuerdings
flüssig gemachte schweflige Säure unter dem Namen +Piktolin+ zur
Vertilgung von Ratten und Mäusen empfohlen (+Kosselt+). +Tempel+
(Berl. tierärztl. Wochenschr. 1893, Nr. 35) beobachtete bei 4
Pferden und 4 Schweinen eine Vergiftung mit SO_{2} (schweflige
Säure), welche aus einem Gefrierapparat in den Stall gelangt war.
Die Sektion ergab katarrhalische bezw. diphtheritische Entzündung
der Respirationsschleimhaut, Lungenemphysem, Bronchopneumonie,
Blutstauung und parenchymatöse Veränderungen. -- +Köbert+ (Sächs.
Jahresber. 1892, S. 110) beschreibt eine SO_{2}-Vergiftung bei 2
Pferden, welche nach dem Einatmen von Flugstaub beim Rösten von
Bleierzen auftrat, der zum grössten Teil aus schwefliger Säure
bestand. Die Tiere zeigten heftige Entzündungserscheinungen von
seiten der Kopf- und Respirationsschleimhäute, sowie der Lunge
(Husten, Dyspnoe, Nasenausfluss etc.). Ein Pferd starb nach 5, das
andere nach 10 Tagen unter Bildung eines Hautemphysems am Vorderteil
und nach Eintritt von Lungengangrän. Bei der Sektion fand man Gangrän
der Kehlkopf- und Luftröhrenschleimhaut, jauchige Bronchitis und
Pneumonie, flächenhafte Blutungen auf der Nasenschleimhaut, sowie
Stomatitis ulcerosa. -- Ein Hund war aus Versehen in einem Zimmer
zurückgelassen worden, das zur Vertreibung von Wanzen geschwefelt
worden war. Er zeigte grosse Mattigkeit, hochrote Farbe der
sichtbaren Schleimhäute, Salivation, Konjunktivitis und Keratitis,
Dyspnoe, inspiratorisches laryngeales Rasseln, Husten, Laryngitis,
Tracheitis, Bronchitis und Bronchiolitis, Fieber (40,3°) und
gesteigerte Pulsfrequenz (156 Pulse); nach 22 Tagen war er wieder
gesund (+Jakob+, Woch. f. Tierh. 1908).
=Sulfite.= Die +Salze+ der +schwefligen Säure+ (+Natrium+,
+Kalium+, +Calcium sulfurosum+ und +subsulfurosum+), welche
früher als ungiftige innerliche Antiseptika gegen verschiedene
Infektionskrankheiten empfohlen wurden, sind ebenfalls stark
giftig. Nach +Pfeiffer+ (Arch. f. exp. Path. Bd. 27) wirken sie
schon in Dosen von 0,6 pro Kilo tödlich durch +Gefässlähmung+
und +Herzlähmung+; bei innerlicher Verabreichung erzeugen sie
ferner infolge Abspaltung der ätzenden freien schwefligen Säure
+Gastroenteritis+ (+Kionka+, Zeitschr. f. Hyg. 1896). Nach neueren
Versuchen von +Kionka+ an Hunden erzeugte der fortgesetzte Genuss von
mässigen Mengen schwefligsauren Natrons Abortus, Absterben der Fötus,
entzündliche Schwellung und Rötung der Darmmukosa, sowie Blutungen in
inneren Organen (Deutsch. med. Woch. 1902 Nr. 6). Auch beim Menschen
wurden gastrische Störungen beobachtet (+Bernatzik+ und +Braun+).
Aus diesem Grunde wirken die Sulfite als konservierender Zusatz zu
Nahrungsmitteln (Fleisch) +gesundheitsschädlich+. Ein derartiger
Zusatz ist daher verboten worden (Bundesratsbeschluss vom 18.2.02).
=Untersalpetersäure und Salpetrigsäure-Anhydrid.= Die
Untersalpetersäure, NO_{2} (Stickstoffdioxyd), bildet sich aus
NO, Stickoxyd, sofort bei Zutritt von Luft. NO_{2} sowohl, wie
N_{2}O_{3} (Salpetrigsäureanhydrid) erzeugen beim Einatmen
Laryngitis, Tracheitis und Lungenödem, sowie als Allgemeinwirkung
Methämoglobinämie. Ebenso wirken die salpetrigsauren Salze
(+Nitrite+). N_{2}O, Stickstoffoxydul (Lustgas) wirkt narkotisierend
auf das Grosshirn. Aehnlich reizend wie die Dämpfe der salpetrigen
Säure wirken nach +Binz+ die Dämpfe des +Ozons+, O_{3}; die
Allgemeinwirkung des Ozons ist eine narkotisierende bezw.
hypnotisierende (+Schulz+); bei der Sektion findet man Verfettung der
Leber, der Nieren und des Herzens.
=Schwefelkohlenstoff.= Der Schwefelkohlenstoff, CS_{2}, ist
experimentell bei Tieren als +Blut-+ und +Nervengift+ festgestellt.
Er erzeugt Methämoglobinämie, Krämpfe und Lähmung. Beim Menschen
kommt in Kautschukfabriken eine chronische Vergiftung vor, welche
sich in Geisteskrankheit, epileptiformen Krämpfen, Tabes etc.
äussert. +Dierks+ (Preuss. Vet.-Ber. pro 1906) berichtet über eine
Vergiftung bei 2 Pferden, die gegen Gastruslarven 36 bezw. 100
g Schwefelkohlenstoff in Kapseln erhalten hatten; beide Pferde
„erkrankten schwer und gingen nach 9 Tagen ein“.
Alkoholvergiftung.
=Allgemeines.= Der Alkohol (Spiritus, Weingeist) entsteht aus
den Kohlenhydraten unter der Einwirkung des Hefepilzes. Man
unterscheidet einen 100prozentigen (wasserfreien), 99prozentigen
(absoluten), 91prozentigen (höchst rektifizierten) und einen
68prozentigen (rektifizierten oder verdünnten Alkohol). Die
verschiedenen Branntweine enthalten 40-50 Proz. Alkohol (neben
Fuselöl und Aldehyd), der Wein 8-10, das Bier 3-5 Proz. Reine
Alkoholvergiftungen kommen bei den Haustieren nur ausnahmsweise z.
B. nach zu hoher Dosierung des Weingeistes vor. Gewöhnlich wird
den Haustieren Gelegenheit zur freiwilligen Aufnahme des Alkohols
in Brennereien und Brauereien durch alkoholhaltige Schlempe und
Treber, Branntweinmaische, Biermaische, starkes Branntweinspülicht,
Spülwasser von Spiritusfässern, Weintrester, Apfelweintrester,
gärenden Most, Lagerbier etc. gegeben. Da hierbei zuweilen neben dem
Alkohol auch noch die gärenden Futtermassen im Darm ihre Wirkung
äussern, treten als Komplikation der Alkoholvergiftung mitunter auch
gastrische Zufälle (Tympanitis, Kolik) auf.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Erscheinungen der +akuten
Alkoholvergiftung+ (akuter Alkoholismus) äussern sich anfangs in
Erregungs-, später in Lähmungszuständen des Gehirns. Zunächst zeigen
die Tiere Unruhe und +Aufregung+, selbst +Tobsucht+, +Zerstörungssucht+
und +wutähnliche Anfälle+ (namentlich Rinder). Gleichzeitig sind die
sichtbaren Schleimhäute hochgerötet, der Herzschlag ist pochend,
der Puls beschleunigt; zuweilen beobachtet man auch aufgeregten
Geschlechtstrieb und vereinzelt selbst Abortus. Später beobachtet
man +Schwanken+, +Taumeln+, +rauschartigen+ Zustand, Betäubung,
Zusammenstürzen, Bewusstlosigkeit, sowie +allgemeine Lähmung+. Der
tödliche Ausgang erfolgt unter den Erscheinungen des +Kollapses+ unter
starker Temperaturerniedrigung und Pulsverlangsamung, sowie zuweilen
unter vorausgegangenen Krämpfen. Das Zentralnervensystem wird durch
den Alkohol in nachstehender Reihenfolge gelähmt: Hirnrinde und
Grosshirn, Kleinhirn, Rückenmark, zuletzt das verlängerte Mark mit dem
Atmungszentrum.
Bei der +Sektion+ findet man das Gehirn mit seinen Häuten und
Blutleitern sehr blutreich; die Gehirnsubstanz ist zuweilen
von hämorrhagischen Herden durchsetzt, auch findet man in den
Gehirnventrikeln oft grössere Mengen blutigen Serums. Die
Darmschleimhaut zeigt bisweilen die Erscheinungen einer hämorrhagischen
Entzündung, wobei der Darminhalt blutig ist. Auch an anderen
Stellen, namentlich im Herzen und in der Subkutis, sind Hämorrhagien
gefunden worden. Das Blut ist dünnflüssig, von schwarzroter Farbe.
Der Magen- und Darminhalt fällt durch seinen Alkoholgeruch auf.
Die +mikroskopische+ Untersuchung des Gehirns ergibt auffallende
Veränderungen der Ganglienzellen des Grosshirns; sie sind in rundliche,
blasse Gebilde verwandelt, der Kern, die Nisslkörper und die Dendriten
verschwinden.
+Chronische Alkoholvergiftungen+ sind klinisch nur vereinzelt, so
angeblich bei dem Hunde eines Destillateurs (+Spinola+) beobachtet
worden. Speziell über die beim Menschen so häufige +Leberzirrhose+
als Erscheinung des chronischen Alkoholismus ist in der Tierheilkunde
nichts bekannt. Es ist sogar trotz der von mehreren Seiten
angestellten experimentellen Untersuchungen noch eine offene Frage,
+ob sich überhaupt durch die fortgesetzte Verabreichung von Alkohol
bei Tieren künstlich Leberzirrhose erzeugen lässt+. Die Resultate
der bisher ausgeführten Experimente sind sehr widersprechend.
Ueber positive Resultate berichten +Strauss+, +Rechter+ u. a. Auch
das im Gegensatz zum Landschwein angeblich häufige Vorkommen von
Leberzirrhose bei Schweinen; welche mit Bierresten aus städtischen
Restaurationen gefüttert werden (+Tschauner+), soll für das Vorkommen
der Leberzirrhose wenigstens beim Schwein sprechen. Dagegen konnten
+Afanassijew+, +Strassmann+, +von Kahlden+, +Lafitte+, +Pohl+,
+Fieweger+ u. a. bei ihren Versuchen mit Hunden und anderen kleinen
Haustieren experimentell keine ausgesprochene Leberzirrhose erzeugen;
sie fanden lediglich Verfettung der Leberzellen, Hyperämie der
Leber, sowie kleinzellige Infiltration (vergl. S. 170). +Mairet+
und +Combemale+ wollen beobachtet haben, dass die Nachkommenschaft
experimentell mit Weingeist gefütterter Hunde geschwächt erschien und
frühzeitig starb; die gefütterten Hunde selbst sollen schliesslich
Hodenatrophie gezeigt haben.
=Behandlung.= Die Behandlung der Alkoholvergiftung ist eine
symptomatische. Sie besteht in der Anwendung von +Exzitantien+. Neben
kalten Sturzbädern auf den Kopf und der Applikation hautreizender
Mittel gibt man innerlich oder subkutan +Kaffee+, +Koffein+, Aether,
Kampfer, Salmiakgeist, kohlensaures Ammonium, Atropin, Hyoszin und
Veratrin. Ausserdem sind die Tiere vor Abkühlung zu schützen (warme
Decken).
=Nachweis.= Der chemische Nachweis des Alkohols erfolgt mittels
Destillation. Man destilliert ihn nach vorheriger Ansäuerung der zu
untersuchenden Masse über und weist ihn im Destillat durch seinen
charakteristischen Geruch, seine Brennbarkeit und die Möglichkeit der
Oxydation zu Aldehyd und Essigsäure nach. Der Alkohol färbt ferner
ein Gemisch von +chromsaurem Kali+ und Schwefelsäure intensiv +grün+
(Reduktion des Chromsalzes), entwickelt, unter einer Glasglocke
mit +Platinmoor+ zusammengebracht, den Geruch des Aldehyds und der
Essigsäure (Oxydation), wobei die Essigsäure weiter durch Erwärmen
mit Kali und einigen Körnchen Arsenik im Glasrohr in das sehr
übelriechende +Kakodyl+ = As_{2}(C_{2}H_{5})_{4}O übergeführt werden
kann. Endlich gibt eine alkoholhaltige Flüssigkeit mit einigen Tropfen
einer heissgesättigten Lösung von +Molybdänsäure+ in konzentrierter,
reiner Schwefelsäure eine tiefblaue Färbung. Schliesslich lässt
sich der Alkohol sehr sicher auch durch die äusserst empfindliche
Jodoformprobe nachweisen. Dieselbe besteht darin, dass man den im
Destillate enthaltenen Alkohol durch Zusatz von Kalilauge und Jod
(bis zur gelbbraunen Färbung) in kristallinisches Jodoform umwandelt,
welches +mikroskopisch+ in Form +gelber+, hexagonaler Tafeln erkannt
werden kann. Oder man verwandelt den Alkohol durch Schwefelkohlenstoff
(2-3 Tropfen) und Kali in Xanthogensäure und erwärmt das Gemenge
mit +molybdänsaurem Ammonium+ (1 Tropfen einer Lösung 1 : 10) und
verdünnter Schwefelsäure (1 : 8), worauf +Rotfärbung+ eintritt.