=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Oxalsäure wirkt je nach der

Konzentration +reizend+ oder +ätzend+ auf die Magendarmschleimhaut.

Die Erscheinungen bestehen daher zunächst in Uebelkeit, Würgen,

+Erbrechen+, Schlingbeschwerden und mehr oder weniger heftigen

+Kolikanfällen+. Nach ihrer Resorption ins Blut kann sie entweder sehr

rasch unter den Erscheinungen von Bewusstlosigkeit, Zusammenstürzen,

Krämpfen, starkem Sinken der Innentemperatur und Herzlähmung zum Tod

führen, oder sie bedingt im weiteren Verlauf charakteristische Symptome

von seiten des +Nervensystems+ und der +Nieren+. Die ersteren bestehen

in Zuckungen sowie tetanischen Krampfparoxysmen, welche später in

Lähmung übergehen. Die Nieren erkranken hauptsächlich dadurch, dass

die im Blute gebildeten +Kalziumoxalatkristalle+ eine +mechanische

Verstopfung+ der +Harnkanälchen+, sowie eine Verlegung des gesamten

sezernierenden Nierenparenchyms bedingen (+Kobert+ und +Küssner+), was

+Anurie+ und +Urämie+ mit tödlichem Ausgang zur Folge hat. Ausserdem

besteht Albuminurie, Hämaturie und Glykosurie. Bei der +Sektion+ findet

man die Erscheinungen einer +korrosiven+, häufig auch +hämorrhagischen

Gastroenteritis+. In den +Nieren+ beobachtet man konstant +zwischen

Rinde und Mark eine weisse, aus Kalziumoxalat bestehende Zone+.

Aehnliches wird nach der innerlichen Verabreichung von +Oxamid+

beobachtet, wobei sogar förmliche Konkremente von Kalziumoxalat die

Ausführungsgänge der Nierenpapillen, die Harnleiter und die Harnröhre

verstopfen können (künstliche Harnsteine). Das Blut zeigt zuweilen eine

hellkirschrote Farbe.

Die +Behandlung+ besteht in der Verabreichung von Kalkwasser,

Zuckerkalk, kohlensaurem Kalk und kohlensaurer Magnesia, sowie von

harntreibenden Mitteln. Der +Nachweis+ wird durch die Anwesenheit

der briefkuvertähnlichen Kalziumoxalatkristalle in der Niere,

Darmschleimhaut, Leber etc. geliefert; dieselben haben wohl auch die

Form von Nadeln, Wetzsteinen und Garbenbündeln.

=Toxikologische Versuche.= Um die Wirkung der Oxalsäure auf

Pflanzenfresser und Fleischfresser kennen zu lernen, habe ich

Versuche mit derselben beim Schaf und Hund gemacht.

1. Ein 10 kg schwerer +Hund+ erhielt 10 g Oxalsäure in Wasser gelöst.

Sehr bald nach dem Eingeben (3 Minuten) stellte sich +Erbrechen+,

starke Unruhe, sowie heftiges +Stöhnen+ ein. 1 Stunde nachher zeigte

sich sehr angestrengtes Atmen, Mattigkeit bei der Bewegung, sowie

hochgradige Schmerzhaftigkeit bei der Palpation des Hinterleibs, nach

weiteren 3 Stunden +blutiger Durchfall+ mit Zunahme der Mattigkeit

und starker psychischer Depression. Am Tage nach der Verabreichung

hatte sich das Allgemeinbefinden gebessert; Erbrechen und Durchfall

bestanden jedoch fort, ausserdem war die Innentemperatur von 39,3°

C auf 37,4° C gefallen. Am 2. Tage sank die Temperatur auf 36,9°

C, die Mattigkeit des Tieres nahm zu, dasselbe lag schliesslich

gelähmt am Boden und starb in der darauffolgenden Nacht. Bei der

+Sektion+ fand man +hämorrhagische Gastritis+ und +Proktitis+,

+katarrhalische Enteritis+, +parenchymatöse+ und +hämorrhagische

Nephritis+, +Oxalatinfarkt der Niere+, sowie +Leberverfettung+. Der

genaue Sektionsbefund war folgender: Die Schleimhaut des +Magens+

ist geschwollen, diffus gerötet und ebenso wie die geschwollene

Schleimhaut des +Dünndarmes+ mit grauweissem, zähem, glasigem

Schleime bedeckt. Im +Mastdarm+ ist die Schleimhaut in Falten,

Längsfalten gelegt und auf der Höhe der Falten punktförmig gerötet.

Die +Nieren+ fühlen sich derb an; die Züge der geraden Harnkanälchen

sind grauweiss, trübe und verbreitert, die Grenzschicht stark

gerötet. Im ganzen Parenchym der Niere, besonders aber in der

Rindenschicht finden sich sehr zahlreiche +Drusen+ von +oxalsaurem

Kalk+; die geraden Harnkanälchen sind mit ihnen teilweise angefüllt

und erscheinen bei der makroskopischen Betrachtung als feine weisse

Striche. Die Rindenschicht erscheint sehr breit und setzt sich von

der Grenzschicht scharf ab. +An den Grenzen zwischen beiden macht

sich ein hellerer Saum bemerkbar.+ Das Nierenepithel ist stark

desquamiert, die Zellen vergrössert und in starker Verfettung

begriffen. Durch fettigen Detritus sind die Zellen vielfältig schon

gänzlich verfallen und ihre Konturen nicht mehr zu erkennen. Diese

Massen füllen die Harnkanälchen zusammen mit roten Blutkörperchen

und den Oxalsäurekristallen aus. Zwischen den +Leberzellen+ finden

sich ebenfalls vereinzelt Kristalle von +oxalsaurem Kalke+ vor.

Die Leberzellen selbst sind ausserordentlich stark in Verfettung

begriffen. In den vergrösserten Zellen besteht in vielen der

Zellinhalt aus grösseren und kleineren Fetttröpfchen. In der Blase

finden sich zirka 5 g einer milchigen Flüssigkeit, die aus Blasen-,

Nierenepithel und vielen Samenfädchen besteht. Ferner finden sich

Kristalle von +oxalsaurem Kalk+ darin.

2. Ein 70 Pfd. schwerer +Hammel+ erhielt 25 g Oxalsäure in Wasser

gelöst; 4 Stunden nach dem Einschütten der Arznei starb das

Versuchstier. Es zeigte starke Eingenommenheit der Psyche, starke

Schmerzhaftigkeit bei Druck auf den Hinterleib und die Nierengegend,

Brechbewegungen, sehr schwachen Puls, Unruheerscheinungen, Speicheln,

blutigen Durchfall, sowie gegen das tödliche Ende hochgradige

Dyspnoe. Die Sektion ergab folgenden Befund: Die Schleimhaut des

+vierten Magens+ erscheint geschwollen, in Falten gelegt, trüb,

glasig und gerötet. Die Rötung ist besonders ausgeprägt auf der

Höhe der Falten. Die Schleimhaut des +Dünndarms+ erscheint in den

Anfangsabschnitten gleichfalls geschwollen und schwach gerötet,

die des +Mastdarms+ ist geschwollen und graurot gefärbt. Die Milz

ist vergrössert, blaugrau gefärbt und von einer ziemlich steifen

Konsistenz. Auf der Schnittfläche tritt die braunrote Pulpa etwas

zurück, Lymphfollikel und trabekuläres Gewebe sind deutlich

kenntlich. Die +Leber+ ist geschwollen, die Ränder sind abgerundet,

die Kapsel gespannt und durchsichtig. Die Farbe der Leber ist eine

graubraune, die Konsistenz eine mürbe. Die Schnittfläche erscheint

sehr blutreich und ist ziemlich gleichmässig braunrot gefärbt. Die

Grenzen der Leberläppchen sind kaum kenntlich. Die Nierenkapseln

lassen sich leicht abziehen, die Farbe der +Nieren+ ist eine

hellgraubraune, ihre Konsistenz ziemlich derb. Auf der Schnittfläche

erscheint die Rindensubstanz rötlich grau, trüb, undurchsichtig. Die

Glomeruli erscheinen als kleine rote Pünktchen. Die Züge der geraden

Harnkanälchen sind erweitert und lassen sich auch in der Grenzschicht

noch gut erkennen. Aus den Sammelröhren fliesst bei Druck eine

schleimige, grauweisse, zähe Masse ab. -- Lungen- und Brustfell sind

glatt und glänzend. Die Lungen sind hellrot und in allen Teilen

lufthaltig. Die Schnittfläche erscheint rosafarben, feucht, glänzend.

Bei Druck wird eine feinblasige, schaumige Flüssigkeit entleert.

Die +mikroskopische+ Untersuchung des +Harns+ ergibt eine sehr

reichliche Menge von +oxalsauren Kalksalzen+, welche in drusenartiger

Anordnung liegen. Die meisten haben eine länglich-viereckige Gestalt,

einzelne lassen einen quadratischen Mittelpunkt erkennen, von dem

4 gleichgestaltete, leicht quergestreifte Strahlen abgehen. Neben

diesen sternförmigen Kristallen werden auch vereinzelt nadelförmige,

mit feiner Spitze und ziemlich breiter Basis gefunden. Weiter ist

Blasenepithel und Nierenepithel nachzuweisen. Die Reaktion ist

neutral, Gallenfarbstoffe sind in geringer Menge und Eiweiss zu 1

Proz. vorhanden. In der +Rindenschicht+ der +Niere+, aber auch in

der Mark- und Grenzschicht finden sich zerstreut im +Parenchym+

zahlreiche +Drusen+ von +oxalsaurem Kalk+. Die Kristalle werden

auch in den Harnkanälchen nachgewiesen. Das Epithel derselben ist

teilweise deformiert, die Zellen sind getrübt. Ferner finden sich in

den Harnkanälchen zahlreiche rote Blutkörperchen. Die +Leberzellen+

sind mit Fettkörnchen reichlich angefüllt und scheinen etwas

vergrössert. Zwischen ihnen finden sich vereinzelt +Kristalle+ von

+oxalsaurem Kalk+. Der Sektionsbefund ist mithin ein ähnlicher wie

beim ersten Versuche.

=Oxalurie.= Mit diesem Namen wird eine beim Menschen, namentlich

in England, beobachtete chronische Krankheit bezeichnet, welche

sich durch sehr reichliche Ausscheidung von oxalsaurem Kalk im Harn

charakterisieren, mit schweren psychischen Depressionszuständen

verlaufen und eine Prädisposition für Diabetes mellitus bilden soll.

Man bringt die Bildung des Kalziumoxalats mit anhaltender Körperruhe

und unvollständiger Verbrennung des Eiweisses in Verbindung.

Vereinzelt soll die Krankheit auch durch den Genuss oxalhaltiger

Pflanzen und Limonaden beim Menschen entstehen. Sie wird daher wohl

auch als „chronische Oxalvergiftung“ aufgefasst (+Kobert+). Bei den

Haustieren ist nichts Derartiges bekannt.

Jodoformvergiftung.

=Allgemeines.= Vergiftungen mit Jodoform kamen früher besonders bei

+Hunden+ vor, wenn dieselben sich das auf die Wunde aufgestreute

Jodoform ableckten. Ich habe selbst mehrere solche Fälle bei

Hunden beobachtet. Auch +Albrecht+ hat einen Fall veröffentlicht

(Wochenschr. f. T. 1887). Die +tödliche Dosis+ des Jodoforms soll

für Warmblüter nach den Untersuchungen von +Poljäkow+ (Russischer

Veterinärbote 1884) bei Einführung in die serösen Säcke 0,5 g

pro Kilo Körpergewicht, 1,0 g bei stomatikaler und 1,5-2,0 g bei

subkutaner Anwendung betragen. Von Wunden aus wirkt Jodoform

jedenfalls schon in kleineren Dosen tödlich. Auch verhalten sich

nicht alle Tiere gleich. So starb z. B. eine ältere Kuh, welcher ich

versuchsweise 50 g Jodoform innerlich verabreichte, nach 36 Stunden

unter Temperaturabfall, Krämpfen und Narkose; die Sektion ergab

Gastroenteritis, Drüsenveränderungen und Lungenhypostase. Dagegen

ertrug ein 10 Tage altes Kalb 5 g Jodoform innerlich ohne jede

Reaktion.

=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Das Jodoform wirkt dadurch, dass

es im Körper freies Jod abgibt. Die Jodoformvergiftung ist also im

wesentlichen eine Jodvergiftung. Man hat dabei zwischen einer akuten

und chronischen Vergiftung zu unterscheiden.

1. Die +akute Jodoformvergiftung+ (akuter Jodismus) äussert sich

zunächst in +leichten gastrischen Störungen+ (Appetitverlust,

Erbrechen, Verstopfung), sodann in +Schläfrigkeit+, +Betäubung+ und

+Koma+, welche von +Krampfanfällen+ unterbrochen werden. Hunde zeigen

zuweilen schon anfangs +starke Aufregung+ und selbst wutähnliche

Zufälle. Weiter findet +starkes Sinken der Innentemperatur+ statt und

es entwickeln sich die Zeichen der +Herzschwäche+ (sehr frequenter,

kleiner Puls, pochender Herzschlag, Dyspnöe, Oligurie, Albuminurie).

Bei der +Sektion+ findet man als Hauptveränderungen +Verfettung+ der

grossen +Körperdrüsen+ (Leber, Niere), des +Herzmuskels+ und der

+Skelettmuskeln+, sowie zuweilen +Glomerulonephritis+ und +Verkalkung+

der +Niere+.

2. Die +chronische Jodoformvergiftung+ (chronischer Jodismus) verläuft

unter den Erscheinungen der chronischen Jodvergiftung. Dieselben

bestehen in +Abmagerung+, +Schwund der Drüsen+, namentlich der

Milchdrüse, +Jodexanthem+ und +Katarrh der Schleimhäute+, insbesondere

der Nasenschleimhaut (Jodschnupfen), der Lidbindehaut, der Kehlkopf-

und Bronchialschleimhaut. Die beim Menschen ausserdem vorkommenden

zerebralen Störungen (Melancholie, Halluzinationen, Wahnvorstellungen,

Gedächtnisschwäche) sind bei den Haustieren bisher nicht beobachtet

worden.

=Behandlung.= Man hat zunächst das Jodoform durch +Brechmittel+ aus dem

Magen zu entfernen. Eigentliche Antidote gegen +Jod+ gibt es wenige.

Man kann versuchen, durch grosse Dosen von +Stärkemehl+ (Jodstärke)

oder +Eiweiss+ (Jodalbuminat) das Jod unwirksam zu machen. Auch die

Verabreichung von +Natrium+ und +Kalium bicarbonicum+, sowie von

+Bromkalium+ zur Bindung des Jods ist empfohlen worden. Ausserdem

wird +Natrium subsulfurosum+ (Natriumthiosulfat) von der Formel

Na_{2}S_{2}O_{3} als spezifisches Antidot gegen Jodvergiftung empfohlen

(J_{2} + 2 Na_{2}S_{2}O_{3} = 2 NaJ + Na_{2}S_{4}O_{6}). Daneben wird

+symptomatisch+ mit +Exzitantien+ behandelt (Aether, Kampfer, Koffein

etc.).

=Nachweis.= Das im Magen und Darm enthaltene Jodoform wird aus

dem schwach alkalisch gemachten wässerigen Destillat mit +Aether+

ausgeschüttelt. Es kristallisiert dann nach dem Verdunsten des Aethers

meist in charakteristischen +gelben hexagonalen Tafeln+ aus; seltener

bildet es undeutliche Kristalle oder ist amorph. Erhitzt man ferner die

Lösung des Jodoforms in wenig Alkohol mit sehr wenig +Phenolnatrium+,

so zeigt sich sehr bald am Boden eine rötliche Abscheidung von

+Rosolsäure+, welche sich in verdünntem Weingeist mit schöner

karminroter Farbe löst.

In den inneren Körperorganen kann das Jodoform als solches nicht

mehr nachgewiesen werden, weil es sich unter Abspaltung von Jod

zersetzt hat. Zum Nachweise dieses im Körper an Kalisalze gebundenen

Jods müssen die zu untersuchenden Massen zunächst durch +Glühen+

mit +Natronsalpeter+ von organischen Beimengungen befreit werden,

worauf der Rückstand mit Kohle gemengt und geglüht, nach dem Erkalten

mit Alkohol ausgezogen, der Auszug verdunstet, der Rückstand

(Jodnatrium) in wenig Wasser gelöst und vorsichtig mit verdünnter

+Schwefelsäure+ übersättigt wird. Die schwefelsaure Flüssigkeit

wird sodann unter Zusatz von etwas Braunstein oder chromsaurem Kali

überdestilliert und das Jod dadurch in Form violetter Dämpfe frei

gemacht. Das übergegangene Destillat gibt ferner auf Zusatz von

kaltem +Stärkekleister+ +Blaufärbung+ und mit +Chloroform+ oder

+Schwefelkohlenstoff+ eine +violette+ Farbe.

=Jod.= Vergiftungen durch freies Jod sind bei den Haustieren bisher

nicht beobachtet worden. Dagegen haben experimentelle Versuche mit

Jod bei unseren Haustieren folgendes ergeben. +Hunde+ starben nach

der innerlichen Verabreichung von 8-12 g Jod (+Hertwig+). Ferner

genas ein Hund auf 4,7 g Jod nach vorausgegangenem heftigem Erbrechen

und Schluchzen (+Orfila+), ein anderer nach 6 g Jod. Nach 14tägiger

Verabreichung von täglich 2mal 0,6-0,9 g Jod zeigten Versuchshunde

starke Abmagerung, Erbrechen und Diarrhöe. Nach +Böhm+ starben Hunde

nach intravenöser Applikation von 0,04 freiem Jod pro kg; 0,02

und 0,03 g werden dagegen noch gut ertragen. Pferde zeigen nach

14tägiger innerlicher Verabreichung von täglich 2mal 2-4,0 g Jod

starke Abmagerung und Durchfall; 4-8,0 g Jod intravenös eingespritzt

erzeugten Taumeln, Betäubung, Zusammenstürzen, Atmungsbeschleunigung,

konstant schmerzhaften Husten, Pupillenerweiterung und Mattigkeit

(+Hertwig+). Auf die roten Blutkörperchen wirkt Jod auflösend

(+Methämoglobinämie+); ähnlich wirken die jodsauren Salze. Einen

Fall von Jod-Idiosynkrasie bei einem Hund nach Verabreichung von

Lebertran hat +Frick+ beschrieben (D. t. W. 1898). Kaninchen zeigen

bei Jodvergiftung (0,1) Hämaturie und Nierenverkalkung (+v. Kossa+).

=Jodkalium.= Die innerliche Anwendung des Jodkaliums gegen

Aktinomykose des Rindes und Botryomykose des Pferdes hat

neuerdings vielfach +akuten+ und +chronischen Jodismus+ (vergl.

S. 143) zur Folge gehabt. +Gerö+ (Veterinarius 1901) verabreichte

einem 1½jährigen Stier gegen Sarkom innerlich in 4 Tagen 70 g

Jodkali, worauf derselbe schwer erkrankte und Schwellung der

Augenlider, Tränenfluss, Zähneknirschen und Speicheln, rote

Flecken auf der Nasenschleimhaut, Strangurie, Albuminurie, sowie

Lähmungserscheinungen zeigte, sich jedoch wieder erholte. +Bouchet+

(Progr. vét. 1902) sah bei einem Pferd, das gegen Aktinomykose ein

ganzes Jahr lang insgesamt 1½ kg Jodkalium erhielt, Haarausfall

über den ganzen Körper, sowie nässende Ekzeme an allen fein

behaarten Körperstellen. +Schuster+ (Woch. f. T. 1906) beobachtete

bei einem Zuchtstier mit Zungenaktinomykose, der in 6 Tagen 60 g

Jodkalium erhalten hatte, Ekzem über den ganzen Körper, Nasen- und

Augenausfluss, sowie Appetitlosigkeit. In dem von +Wester+ (Holl.

tierärztl. Zeitschrift 1898) beschriebenen Fall zeigte ein Pferd nach

5 Dosen von je 10 g Jodkalium am 5. Tage Appetitlosigkeit, Husten,

Jodexanthem, besonders am Kopf, starke Abmagerung und Schwanken. Ich

habe ähnliche Fälle bei Pferden mit Samenstrangfisteln beobachtet,

welche in der Praxis mit Jodkalium vorbehandelt waren. Neuerdings

(Monatsh. f. pr. T. 1907) beobachtete ich ein ausgedehntes squamöses

und krustöses Exanthem mit starker Hautverdickung bei einem Pferd,

das 20 Tage lang täglich 5 g Jodkalium innerlich und ausserdem

subkutan 50 g Jodipin erhalten hatte.

=Jodzyan.= Das Jodzyan von der Formel CNJ wird als

Konservierungsmittel für zoologische Sammlungen benützt und ist

sehr stark giftig (Jodwirkung = Methämoglobinämie, ausserdem

Blausäurewirkung).

=Brom.= Vergiftungen durch freies Brom oder durch Bromsalze

sind bei den Haustieren ebenfalls noch nicht zur klinischen

Beobachtung gelangt. Nur in einem Fall konnte ich bei einem an

Starrkrampf erkrankten Pferde, welches innerhalb 4 Tagen 500 g

Bromkalium erhalten hatte, ein über den ganzen Körper verbreitetes

+Bromexanthem+ mit starker Schwellung und teilweiser +Nekrose+ der

Haut beobachten. Dagegen ist experimentell festgestellt, dass Hunde

nach einmaligen Dosen von 20-50 g, Pferde nach solchen von 250-300

g Bromkalium sterben. Es lässt sich ferner auch bei Tieren ein

+chronischer Bromismus+ experimentell hervorrufen. Derselbe äussert

sich in psychischer Depression, +Abmagerung+, +lähmungsartiger

Schwäche+, Impotenz, Zittern, Konjunktivitis, +Laryngitis+,

Bronchialkatarrh, +Magendarmkatarrh+, sowie +Ekzembildung+ auf

der Haut (Urtikaria, Furunkulosis, Akne, Geschwüre etc. infolge

Ausscheidens freien reizenden Broms in die Talgdrüsen und

Schweissdrüsen der Haut; +Bromexanthem+). Die +Sektion+ ergibt

ausgebreitete +parenchymatöse Myelitis+, sowie stellenweise

Sklerosierung des Rückenmarks, +parenchymatöse+ Veränderungen der

+zerebralen Ganglienzellen+ (Volumsvergrösserung) neben +fettiger

Muskelentartung+. Das Einatmen von +Brom+ erzeugt ähnliche

Entzündungszustände der Respirationsschleimhaut wie das Chlor.

=Chlorvergiftungen= sind bei den Haustieren sehr selten. In

einem von +Rost+ beobachteten Falle standen Pferde in einer

chemischen Fabrik in der Nähe der geöffneten Chlorkammern; sie

zeigten hochgradige Atemnot, sehr schmerzhaften Husten und die

Erscheinungen des Lungenödems. Einen ähnlichen Fall hat +Lungwitz+

(Sächs. Jahresber. 1900) bei Rindern nach der Desinfektion eines

Stalles mit Chlorkalk beobachtet. Bezüglich des +Chlorkalks+ ist

durch Versuche von +Hertwig+ festgestellt, dass von den Tieren

innerlich ziemlich grosse Dosen ertragen werden. Nach 1000,0 g bei

Pferden und Kühen, 30,0 g bei Schafen und Ziegen, 15,0 g beim Hund

war nur etwas Puls- und Atmungsbeschleunigung, Tränen, vermehrter

Harn- und Kotabsatz, sowie ein Chlorgeruch des Harns zu bemerken.

Chlorwasser ertrugen Pferde und Rinder noch in Dosen von 1500 g,

dagegen starben Hunde auf 150 g. Intravenös hatte Chlorkalk beim

Pferde (mit 120 g Wasser gemischt) Schwindel, Mydriasis, Blässe der

sichtbaren Schleimhäute, Zusammenstürzen und nach 30-50 Minuten den

Tod zur Folge. 60 g Chlorwasser intravenös gegeben, erzeugten bei

einem Pferde Mattigkeit und Zittern. +Beier+ (Zeitschr. f. Vetkde.

1902, S. 170) hat einen tödlichen Fall von Chlorkalkvergiftung

bei einem Militärpferde beobachtet, das etwa 300 g Chlorkalk in

10 l Wasser (Hufbad) aufgenommen hatte. Das Pferd zeigte hierauf

+kolikartige+ Erscheinungen, schmutzig ziegelrote Farbe und

Schwellung der Augenschleimhäute, drahtförmigen Puls (60 Schläge

bei 38,5° C.), pochenden Herzschlag und verendete plötzlich. Die

Sektion ergab brandige Entzündung des gesamten Verdauungskanals

(schwarze Verfärbung des Zungengrundes, starke Schlundkopfentzündung,

gelbsulzige Massen in der Umgebung des sonst intakten Schlundes,

namentlich der Brustportion desselben (ähnliche Massen am Dünn- und

Dickdarmgekröse), blutige Entzündung der Darmschleimhaut (besonders

der Mastdarmschleimhaut). Alle Teile des Magen- und Darminhalts

zeigten starken Chlorgehalt.

=Fluorwasserstoffsäure.= Die Fluorwasserstoffsäure von der Formel

FH wirkt durch ihre Dämpfe ähnlich reizend wie die Salzsäure. Das

Fluornatrium, FNa, soll nach +Tappeiner+ ein Protoplasmagift sein,

welches subkutan lokale Eiterung und Nekrose, auf der Hornhaut

Geschwüre und intravenös Krämpfe erzeugt; als spezifische Erscheinung

soll ausserdem Salivation auftreten. Bei der Sektion findet man

ulzeröse Gastroenteritis und Nephritis. Im übrigen widersprechen sich

die Angaben über die Giftigkeit bezw. Nichtgiftigkeit der Flusssäure

und des Fluornatriums sehr. Die nach Verfütterung von +phosphorsaurem

Futterkalk+ bei Schweinen beobachteten Krankheitserscheinungen

(mangelnde Fresslust, Abmagerung, Somnolenz, Schwäche und Lähmung;

Schwellung, Hämorrhagien und Aetzung der Magendarmschleimhaut bei der

Sektion) werden von +Dammann+ und +Manegold+ (Deutsch. tierärztl.

Woch. 1904) auf den Fluornatriumgehalt des verfütterten Kalkes

zurückgeführt. Da vergleichende Versuche mit löslichen Fluorsalzen

bei Schweinen nicht gemacht wurden und die Angaben über die

Giftigkeit der Fluorverbindungen sehr differieren, bleibt die Frage

unentschieden, wodurch die Schädlichkeit des Futterkalks bedingt war.

Karbolsäurevergiftung.

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 18 / 50 段