KClO_{3}, bildet glänzende, blätterige, farblose Kristalle von
salpeterähnlichem, kühlendem Geschmack und wird als spezifisches
Antiseptikum bei Stomatitis ulcerosa, als Diuretikum und Spezifikum
gegen Blasenkatarrhe angewandt. Vergiftungen bei den Haustieren
nach der klinischen Anwendung des Salzes sind noch nicht beobachtet
worden. Dagegen sind Vergiftungen beim Menschen, namentlich
bei Kindern (Diphtherie), sowie bei Personen mit verminderter
Blutalkaleszenz (Fieber, Dyspnoe, Aufnahme von Säuren) in grösserer
Anzahl nach dem unvorsichtigen Gebrauche des chlorsauren Kalis
konstatiert. Aus der zahlreichen Literatur dieser Vergiftungen sind
namentlich die Arbeiten von +Marchand+ (Virchows Archiv Bd. 77) und
+v. Mering+ (Das chlorsaure Kali 1885) zu erwähnen.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Dass die +Haustiere+ in gesundem
Zustande sehr grosse Dosen von Kali chloricum ohne besonderen
Nachteil ertragen, haben mir einige Versuche beim Rind, Pferd, Schaf
und Hund gezeigt. Eine kleine, junge, 4 Zentner schwere Versuchskuh
erhielt 50 g und 2 Tage darauf 100 g chlorsaures Kali, ohne
irgendwelche Vergiftungserscheinungen zu zeigen. Dasselbe Resultat
ergaben Versuche mit 30 und 40 g beim Pferde. Ein 70 Pfund schwerer
Hammel zeigte auf 25 g Kali chloricum keinerlei Reaktion; 50 g des
Salzes hatten zwar allgemeine Mattigkeit, unterdrückte Fresslust
und Wiederkauen zur Folge, nach 3 Tagen hatte sich jedoch das Tier
wieder vollständig erholt. Ein 9½ kg schwerer kleiner Versuchshund
äusserte nach der Verabreichung von 10 g chlorsaurem Kali keinerlei
Krankheitserscheinungen; nach 20 g des Salzes (nüchtern verabreicht)
war ausser Brechreiz und vermehrtem Durst ebenfalls nichts Krankhaftes
an dem Tiere nachzuweisen. Die +tödliche+ Dosis des chlorsauren
Kalis beträgt nach +Zimmermann+ (Veterinarius 1900) für Pferde
250 g, für Rinder 500 g, für Schafe 100 g, für Hunde 60 g. Die
Vergiftungserscheinungen sind die gleichen wie beim Menschen (vgl.
unten).
Beim +Menschen+ hat sich das Kali chloricum schon in kleinen Dosen als
ein sehr gefährliches +Blutgift+ (+Methämoglobinämie+) erwiesen, wenn
es nüchtern oder bei Krankheiten angewandt wurde, welche mit sehr hohem
Fieber, Atmungsbeschwerden oder mit Nierenentzündungen verlaufen. Die
Krankheitserscheinungen sind als Folgezustände der Methämoglobinämie
und der Anhäufung der Zerfallsprodukte des Blutes in der Niere, Leber,
Milz und im Knochenmark anzusehen. Die wichtigsten derselben sind:
Ikterus, grauviolette Flecken auf der Haut, Herzschwäche, hochgradige
Atemnot, Durchfall, Erbrechen, Leberschwellung, Milzschwellung,
+Hämoglobinurie+ (braune Hämoglobinzylinder, gelbbraune, amorphe
Schollen), +Nephritis+, Oligurie, Anurie, sowie +urämische Zufälle+
(Delirien, Benommenheit, Koma, urämisches Erbrechen, Krämpfe, Eklampsia
uraemica). Bei der Sektion findet man das Blut +schokoladebraun
verfärbt+, spektroskopisch nur +einen+ Absorptionsstreifen zwischen
C und D im Roten zeigend, die roten Blutkörperchen entweder zerfallen
oder entfärbt (Schatten) oder in der Gestalt verändert (Poikilozytose),
Milz, Leber und Nieren vergrössert, das Knochenmark braun verfärbt,
die Harnkanälchen der Nieren durch braune, zylinderförmige oder
unregelmässig gestaltete Methämoglobinmassen verstopft.
Vergiftung durch Aetzalkalien.
=Allgemeines.= Von den Aetzalkalien haben am meisten Bedeutung
für die tierärztliche Toxikologie der +Aetzkalk+, CaO, der
+Salmiakgeist+, NH_{3}, und die +Kalilauge+, KOH. Seltener sind
Vergiftungen durch kohlensaures Ammonium, kohlensaures Natrium
(Soda, Verwechslung mit Glaubersalz) und Kalium (Pottasche).
Die Vergiftung durch Schwefelleber, K_{2}S_{3}, ist teils eine
Aetzkalivergiftung, teils eine Schwefelwasserstoffvergiftung (vgl.
S. 162). Aetzkalkvergiftungen können sich bei Gelegenheit der
Desinfektion der Stallungen ereignen. Ammoniakvergiftungen werden
entweder durch zu hohe Dosierung (volkstümliches Mittel gegen
akutes Aufblähen des Rindes) oder zu starke Konzentration des
Salmiakgeistes bei innerlicher Anwendung desselben als Aetzmittel
(z. B. beim Bestreichen der sog. Steinzunge des Rindes, beim Legen
von Fontanellen) oder durch zufälliges Einatmen des Gases veranlasst.
Vergiftungen durch Kalilauge kommen bei Hunden nach dem zufälligen
Trinken derselben vor.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die lokalen Veränderungen nach
Einwirkung der oben genannten Aetzalkalien bestehen zunächst in
Entzündung und +Anätzung+ der +Lippen+, der +Maulschleimhaut+, der
+Zunge+, der +Schlundkopf-+ und +Schlundschleimhaut+, welche sich durch
Schwellung und Verschorfung der betroffenen Teile, starkes Speicheln,
Schlingbeschwerden und Erbrechen kennzeichnen. Der Aetzschorf ist
im Gegensatz zu dem trockenen Säureschorf meist weich, schmierig,
gelatinös gequollen (+Kolliquation+). Nach dem Einatmen von Ammoniak
entsteht ferner starker +Hustenreiz+, +beschwertes Atmen+, +Pneumonie+,
sowie +Aushusten kruppöser Entzündungsprodukte+. +Meyer+ (Oesterreich.
Vierteljahrsschr. 1883) berichtet über einen Fall, in welchem 54
Pferde einer Brauerei durch das Einatmen von Ammoniak aus einem
Kühlapparat vergiftet wurden. Die Krankheitserscheinungen bestanden in
schmerzhaftem Husten, blutigschaumigem Nasenausfluss, sowie Anätzung
der Nasen-, Rachen- und Augenschleimhaut. Die Hälfte der Pferde starb
nach kurzer Krankheitsdauer unter den Erscheinungen einer schweren
Bronchitis und des +Lungenemphysems+. Bei 2 Pferden blieb hochgradiges
Lungenemphysem zurück; die übrigen Pferde erholten sich allmählich
im Verlauf von 14 Tagen. +Binder+ sah nach dem Einschütten von 50
g Ammoniak bei Rindern und Pferden Verätzung der Maulschleimhaut,
Schlingbeschwerden, Husten, Kolik, profuse Diarrhöe und in einem Fall
sogar +Perforation+ der +Brustportion+ des +Schlundes+. Aehnliche
Vergiftungserscheinungen bei Rindern nach dem Einschütten von
Salmiakgeist haben +Schauber+ und +Sepp+ beobachtet (Woch. f. Tierh.
1902 und 1908); eine Kuh zeigte nach 100 g unverdünnten Salmiakgeistes
heftige Atemnot, Husten und korrosive Stomatitis und Pharyngitis, genas
aber. +Penning+ (T. Bl. f. Niederl. Indien 1895) sah bei Pferden nach
der Aufnahme von ungelöschtem Kalk +Lungenödem+ und Darmentzündung.
Die Einwirkung auf die Magendarmschleimhaut äussert sich in Form einer
+schweren korrosiven Gastroenteritis+. So starb beispielsweise ein
+Versuchshund+ nach dem Eingeben von 2 g reinen Ammoniaks in 23 Stunden
an Magendarmentzündung (+Orfila+). Ein +Pferd+ starb nach 30 g an
Darmentzündung innerhalb 16 Stunden, ein anderes nach 90 g innerhalb
50 Minuten unter heftigen Krämpfen (+Hertwig+). 11 Kühe, welche statt
Glaubersalz Soda erhalten hatten, starben unter den Erscheinungen der
Darmentzündung (+Eggeling+, Berl. Arch. 1895). Der Tod erfolgt bei
Vergiftung mit Aetzkalk und Kalilauge unter allgemeinen komatösen
Erscheinungen, bei der Ammoniakvergiftung dagegen unter tetanischen
Krämpfen (Ammoniak-Tetanus).
Bei der +Sektion+ findet man +kruppöse+ oder +diphtherische
Stomatitis+, +Pharyngitis+ und +Oesophagitis+, bei
Salmiakgeistvergiftung auch +kruppöse Laryngitis+, Tracheitis,
Bronchitis und +Pneumonie+, hochgradige Entzündung, braun- bis
schwarzrote Verfärbung, sulzige Schwellung und +Korrosion+ der
+Magenschleimhaut+. Der Blutfarbstoff wird in alkalisches Hämatin
umgewandelt, so dass das Blut eine braune, dicke, gelatinöse Masse
bildet. Von den Weichteilen werden am schnellsten die Muskeln
nekrotisch, während das Bindegewebe und die Gefässe wenig oder gar
nicht angegriffen werden (+Carbone+).
=Behandlung.= Im ersten Stadium der Vergiftung besteht die Therapie
in der Verabreichung verdünnter +Säuren+, namentlich des überall
vorrätigen Essigs. Sodann gibt man zur Einhüllung der korrodierten
Schleimhäute +ölige+ und +schleimige+ Mittel in Verbindung mit Opium.
Die Kollapserscheinungen werden symptomatisch durch Exzitantien
(Aether, Kampfer) behandelt. Brechmittel und Abführmittel sind
wegen der Gefahr einer Magen- resp. Darmruptur zu vermeiden. Bei
laryngealer Stenosenbildnng im Verlaufe der Ammoniakvergiftung kann die
Tracheotomie notwendig werden.
=Nachweis.= Vergiftungen durch Aetzalkalien sind vor allem an der stark
alkalischen Reaktion des Mageninhaltes zu erkennen. Zum genaueren
Nachweis der Natur der Vergiftung müssen die entsprechenden Kali-,
Kalk- und Ammoniakreaktionen vorgenommen werden. 1. +Aetzkali+ färbt
die Flamme violett und gibt mit Weinsäure einen kristallinischen
Niederschlag von Weinstein, welcher nach dem Glühen das stark
alkalisch reagierende, mit Säuren aufbrausende kohlensaure Kali
hinterlässt, welches die Flamme ebenfalls blau färbt. Ausserdem
gibt die mit Salzsäure neutralisierte Lösung der Kalisalze mit
Platinchlorid und Alkohol einen gelben kristallinischen Niederschlag
von Kalium-Platinchlorid, welcher auch zur quantitativen Bestimmung
benützt werden kann; 100 Teile desselben entsprechen 19,27 Teilen
Kalium. 2. Der Nachweis des +Aetzkalks+ wird durch Einäscherung des
Untersuchungsmaterials, Auflösen der Asche in Salzsäure (Chlorkalzium),
Ausfällen der Phosphorsäure durch Eisenchlorid und Chlorammonium,
Versetzen der Chlorkaliumlösung mit Ammoniak und Ausfällen des Kalks
durch Oxalsäure als oxalsaurer Kalk geliefert. Das Chlorkalzium
kann ferner an der +orangeroten+ Färbung der Flamme durch seine
Lösung erkannt werden (Kalkreaktion); ausserdem gibt Schwefelsäure
einen weissen Niederschlag von schwefelsaurem Kalk (Gips), der zum
Unterschiede von schwefelsaurem Baryt in unterschwefligsaurem Natron
löslich ist. 3. Das +Ammoniak+ wird durch seinen Geruch, sowie durch
die Bildung weisser Nebel bei Annäherung eines in Salzsäure getauchten
Glasstabes nachgewiesen (Bildung von Chlorammonium).
=Salmiak.= Mit dem Ammoniak nicht zu verwechseln ist der Salmiak,
Ammonium chloratum, ClNH_{4}. Derselbe wirkt in grossen Dosen
ebenfalls giftig. +Pferde+ zeigen nach 90-180 g grössere Röte der
Schleimhäute, schnelleres Atmen, sehr vermehrtes Urinieren, häufige
Entleerung von weichem Kote (+Hertwig+). Ein Pferd starb, nachdem
es innerhalb 5 Tagen 750 g Salmiak erhalten hatte, am 5. Tage
(+Delafond+); andere Pferde, welche täglich 3-4mal Dosen von 30 g
erhielten, starben nach 26-38 Tagen (+Hertwig+). +Hunde+ sterben nach
6-8 g Salmiak bei unterbundenem Schlunde nach einer Stunde, nachdem
Brechneigung, Kolik, Schwäche, starke psychische Erregung (wütendes
Umherlaufen, klagendes Geheul), sowie tetanusartige Konvulsionen
vorhergegangen sind (+Orfila+). Mittlere Dosen, längere Zeit hindurch
angewandt, erzeugen Verdauungsstörungen, Abmagerung, Mattigkeit
und Schwäche; so sterben Hunde, nachdem sie täglich 3-4mal Dosen
von 2 g erhalten, nach 12-16 Tagen. +Kaninchen+ sterben auf 2 g
Salmiak innerhalb 10 Minuten unter Krämpfen. Die Sektion ergibt
heftige Magendarmentzündung. Auch nach der subkutanen Injektion von
+Ammoniumsulfat+ zeigen Kaninchen strychninartige Krämpfe (+Vaerst+,
B. T. W. 1904).
=Schmierseife.= +Schultz+ (Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894) will bei
einem Rind eine tödliche Darmentzündung nach dem Eingeben von 250 g
Schmierseife beobachtet haben (?). (Das an Indigestion leidende Tier
hatte vorher 3½ Pfd. Glaubersalz erhalten!) Meine eigenen Versuche
ergaben, dass 250,0 Schmierseife für Rinder und 100,0 für Schafe
ohne jede schädliche Wirkung sind. +Bissauge+ (Journ. de Lyon 1901)
sah bei einer Ziege, die 300 g Seife verzehrt hatte, stinkenden und
blutigen Durchfall sowie Lähmungserscheinungen; nach 8 Tagen trat
Heilung ein, die Milchsekretion blieb jedoch sistiert.
=Kalium carbonicum.= Die tödliche Dosis für den Hund beträgt 10-15 g
(Herzlähmung, Kollaps).
=Natrium bicarbonicum.= Fast ungiftig. Hunde, wochenlang mit 15 g pro
Tag gefüttert, zeigen Erbrechen, Durchfall und Abmagerung.
Vergiftung durch ätzende Säuren.
=Allgemeines.= Im Gegensatz zu äusseren Verätzungen, welche bei
Pferden und Hunden zuweilen vorkommen, sind innerliche Vergiftungen
mit ätzenden Säuren bei den Haustieren sehr selten. Bisher sind nur
Vergiftungen mit +Schwefelsäure+ konstatiert worden. Dieselben haben
sich bei Pferden (+Gerlach+, Gerichtliche Tierheilkunde 1872) und
Kühen (+Bubendorf+, Zündels Jahresbericht 1883) nach der Aufnahme
von Stroh ereignet, welches zum Verpacken von Schwefelsäureflaschen
gedient hatte und von der Säure durchtränkt war. In einem Fall soll
die Vergiftung auch dadurch entstanden sein, dass Schwefelsäure zur
Maische hinzugesetzt wurde (+Johne+, Sächs. Jahresbericht 1880).
Häufiger sind, namentlich in Berlin, äussere Verätzungen von Pferden
und Hunden durch zersprungene Schwefelsäureballons oder durch
die vielfach im Haushalt benützte Schwefelsäure (sog. Oleum oder
Vitriolöl). Vergiftungen durch +Salpetersäure+ oder +Salzsäure+ sind
bis jetzt klinisch nicht zur Beobachtung gelangt, auch nicht durch
+Phosphorsäure+, der schwächsten anorganischen Säure.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Vergiftungserscheinungen
sind zunächst lokaler Natur. Sie bestehen in +Verätzung+ der +Haut+,
sowie der +Lippen-+ und +Maulschleimhaut+ mit nachfolgender reaktiver
Entzündung, Speicheln und Schlingbeschwerden. Gleichzeitig entstehen
infolge der Verätzung der Magenschleimhaut Würgen, +Erbrechen+ und
schwere +Kolikanfälle+ mit Lähmung der Magen- und Darmperistaltik. Der
tödliche Ausgang tritt meistens sehr rasch unter den Erscheinungen
der Herzschwäche und tiefen Kollapses ein. Bei der Sektion findet man
ulzeröse, korrosive Stomatitis, Pharyngitis, Oesophagitis, Gastritis
und Enteritis, unter Umständen auch Magenperforation und Peritonitis.
Seltener entwickeln sich bei den Tieren Strikturen des Schlundes und
Magens. Die Aetzschorfe auf der Haut sind bei den Mineralsäuren meist
fest.
=Behandlung.= Dieselbe besteht in der möglichst raschen Verabreichung
verdünnter +Alkalien+, namentlich von Seifenwasser, Kalkwasser,
Sodalösung, Pottaschelösung, verdünnter Natronlauge und Kalilauge,
Magnesia usta und carbonica, ferner von Opium in Verbindung mit
einhüllenden, +schleimigen+ und öligen Mitteln, endlich in der
Anwendung von Exzitantien (Aether oder Kampfer subkutan).
=Nachweis.= Die Vergiftungen mit Schwefelsäure, Salpetersäure,
Salzsäure lassen sich zunächst durch die charakteristische +Farbe+
des Aetzschorfs und die stark saure Reaktion des Schorfes und
Mageninhaltes nachweisen. Sodann werden die Säuren durch Wasser
ausgezogen und mittelst ihrer charakteristischen Reaktionen untersucht.
1. Die +Schwefelsäure+ gibt mit Chlorbaryum oder salpetersaurem Baryt
weisse Niederschläge, welche in verdünnter Salz- oder Salpetersäure
unlöslich sind; ferner mit Bleizucker einen weissen Niederschlag von
Bleisulfat, der nur in kochender Salz- und Salpetersäure löslich
ist. 2. Die +Salpetersäure+ bildet, mit metallischem +Kupfer+ und
+Schwefelsäure+ versetzt, rote Dämpfe von Untersalpetersäure; sie
färbt sich ferner mit wenig Eisenvitriollösung und Schwefelsäure
an der Berührungsstelle +tiefbraun+; mit einer wässerigen Lösung
von Diphenylamin und Schwefelsäure färbt sie sich blau. 3. Die
+Salzsäure+ ist an ihrem charakteristischen Geruch (Dämpfe) und an
dem weissen, käsigen, voluminösen Niederschlag mit Höllensteinlösung
(Chlorsilber) zu erkennen, der sich in Salmiakgeist, Zyankaliumlösung
und unterschwefligsaurem Natron leicht löst. Sie wird auch quantitativ
als Chlorsilber nachgewiesen; 100 Teile Chlorsilber entsprechen 25,44
Teilen Salzsäure.
=Allgemeine Giftwirkung der Säuren.= Werden Tieren experimentell
+innerlich+ auf einmal tödliche Dosen +verdünnter+ Säuren
beigebracht, so sterben sie an +allgemeiner Säurevergiftung+ infolge
+Verlust der Blutalkaleszenz+. Dabei tritt der Tod schon ein, noch
ehe das Blut ausgesprochen sauer reagiert; die vollständige und
anhaltende Neutralisation der Alkalien des Blutes genügt, um den Tod
herbeizuführen. Die Widerstandsfähigkeit des Körpers gegen Säuren
ist je nach der Tiergattung verschieden. Hundeblut neutralisiert z.
B. viel grössere Mengen Säuren durch verfügbares Ammoniak als dies
bei Kaninchen der Fall ist. Auch im Hungerzustand können dem Blute
durch die auftretenden Säuren (Schwefelsäure aus dem Schwefel des
Eiweisses, Phosphorsäure aus dem Lezithin der Blutkörperchen) soviel
Alkalien entzogen werden, dass eine Art von Säurevergiftung des
Blutes eintritt. Bei länger fortgesetzter Säureverabreichung können
auch chronische Vergiftungen auftreten; bei Lämmern entsteht nach
mehreren Monaten Verarmung des Skeletts und Fleisches an Kalksalzen
(+Weiske+). -- Nicht zu verwechseln mit Säurevergiftung ist die bei
jeder Leiche normal auftretende saure Reaktion des Blutes und der
Muskulatur infolge der Bildung von Milchsäure, Bernsteinsäure und
flüchtigen Fettsäuren.
Vergiftung durch Essigsäure.
=Allgemeines.= Essigsäure bildet sich aus Alkohol durch die Tätigkeit
des Essigsäure-Gärungspilzes, Mykoderma aceti. Vergiftungen
durch Essigsäure kommen bei unseren Haustieren namentlich in
Branntweinbrennereien vor, wenn der Alkohol sich teilweise zu
Essigsäure verwandelt hat und die Schlempe dadurch grössere Mengen
von Essigsäure enthält, oder wenn die Schlempe vor dem Verfüttern in
saure Gärung übergegangen ist. Auf diese Weise können viele Tiere zu
gleicher Zeit vergiftet werden. So beobachtete +Mummenthey+ (Preuss.
Mitt. 1883) eine Essigsäurevergiftung bei 80 Kühen eines Stalles.
Vereinzelte Fälle sind ferner beschrieben von +Stockfleth+ (Tidskrift
for vetrinairer Bd. 7), +Eckhardt+ (Ad. Wochenschrift 1881) und
+Ward+ (The vet. journ. Bd. 23).
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Die Essigsäurevergiftung äussert
sich durch +gastroenteritische+ und +Lähmungserscheinungen+. Sie
beginnt gewöhnlich mit gastrischen Störungen (Appetitlosigkeit,
unterdrücktes Wiederkauen), +Kolik+ und +Durchfall+, woran sich
+Schwanken+, +Betäubung+, Puls- und Atmungsbeschleunigung, sowie
+Kollaps+ anschliessen.
Um die Wirkung der Essigsäure bei den Wiederkäuern genauer kennen
zu lernen, habe ich einer 20 kg schweren Ziege 150 g einer 5proz.
Essigsäurelösung (der gewöhnliche Hausessig enthält 6 Proz. Essigsäure)
eingegeben, worauf der Tod nach 24 Stunden erfolgte (tödliche Dosis
der Essigsäure für Wiederkäuer = 0,4 pro kg Körpergewicht). Die
Vergiftungserscheinungen waren folgende: Schon eine Stunde nach der
Verabreichung zeigte die Ziege starke Atemnot, sowie die Symptome eines
beginnenden +Lungenödems+. Ausserdem war der Hinterleib, namentlich
die Nierengegend, bei der Palpation sehr schmerzhaft und es wurde
+blutiger Harn+ abgesetzt; gleichzeitig bestand starkes Schäumen und
Speicheln. Nach 6 Stunden trat hochgradige +Mattigkeit+ und +Schwäche+
und zuletzt ein +lähmungsartiger+ Zustand ein. Bei der +Sektion+ fanden
sich die Erscheinungen eines ausgesprochenen +Lungenödems+ mit starker
Lungenhyperämie, sowie die Symptome einer +entzündlichen Reizung der
Magendarmschleimhaut+ (Rötung der Labmagenschleimhaut, starke Rötung
und Schwellung der Dünndarm- und Dickdarmschleimhaut mit erbsengrossen
Hämorrhagien, Schwellung der Peyerschen Plaques); ausserdem bestand
+parenchymatöse Nephritis+ und +Hepatitis+.
=Behandlung.= Dieselbe ist im wesentlichen die gleiche, wie bei
der vorigen Vergiftung. Man gibt verdünnte Alkalien, namentlich
Seifenwasser und Sodalösung als chemisches Gegengift, verabreicht
einhüllende, schleimige Mittel und bekämpft die Lähmungserscheinungen
symptomatisch durch Exzitantien.
=Nachweis.= Die Essigsäure lässt sich zunächst durch den
charakteristischen Essiggeruch und die saure Reaktion nachweisen.
In freiem Zustande (sie geht sehr bald in Salze über) wird sie
entweder durch Destillation oder Extraktion mit Alkohol von den
Untersuchungsmassen getrennt und ist als Essigsäure daran zu erkennen,
dass ihre wässerige Lösung mit etwas +Eisenchlorid+ sich +blutrot+
oder tief +weinrot+ färbt, eine Farbe, die durch Zusatz einiger
Tropfen Salmiakgeist noch intensiver wird. Sie gibt ferner, mit
Natron gesättigt und getrocknet, sowie mit einem Körnchen Arsenik
trocken erhitzt, den charakteristischen Kakodylgeruch, mit Alkohol und
Schwefelsäure erhitzt, einen Essigäthergeruch.
=Vergiftung durch Ameisensäure.= Die Ameisensäure kommt in Tieren
(Ameisen, Bienen, Wespen, Hornisse, Prozessionsraupen) und Pflanzen
(Brennessel) vor, welche dadurch giftig auf den tierischen Organismus
einwirken können; vgl. das Kapitel über Bienenstiche. Diese
Vergiftungen sind jedoch nur zu einem geringen Teil auf die Wirkung
der Ameisensäure, in der Hauptsache vielmehr auf ein gleichzeitig
im Giftsekret der Bienen etc. enthaltenes Enzym bezw. Toxin
zurückzuführen. Reine Ameisensäure wirkt wie die übrigen ätzenden
Säuren.
=Vergiftung durch Milchsäure.= Neben lokaler Aetzung entsteht bei
Versuchstieren Endokarditis (+Rauch+). Nach +Kobert+ kommen ferner
akute oder subakute Autointoxikationen durch Milchsäure vor, so bei
starker Darmgärung, im Fieber, bei allen Zuständen von Verminderung
der Blutalkaleszenz, bei sauerstoffarmer Luft, bei Blausäure-,
Phosphor- und Kohlenoxydvergiftung. -- In ähnlicher Weise bildet sich
bei der Zuckerharnruhr im Blute die Oxybuttersäure, Azetessigsäure
und das Azeton als Selbstgift (Coma diabeticum).
=Vergiftung durch Weinsäure.= Bei Versuchstieren fällt die rosarote
Verfärbung der Magenschleimhaut und des Blutes auf.
Vergiftung durch Oxalsäure.
=Allgemeines.= Die +Oxalsäure+ (Kleesäure, Zuckersäure) wird
fabrikmässig durch Oxydation von Traubenzucker mit Salpetersäure
oder durch Erhitzung von Zellulose mit Aetzalkalien dargestellt.
Sie hat die Formel C_{2}H_{2}O_{4} = 2(COOH) und kristallisiert
in wasserhellen, geruchlosen, stark sauer schmeckenden Prismen;
ihre Lösung gibt mit Kalkwasser einen unlöslichen Niederschlag von
oxalsaurem Kalk (Kristalle von Briefkuvertform). Vergiftungen durch
freie Oxalsäure, welche beim Menschen sehr häufig sind (Gebrauch zum
Putzen von Messing- und Kupfergerät, Entfernen von Tintenflecken),
wurden in der Tierheilkunde bisher nur vereinzelt (+Mire+, Revue
vétér. 1881; 2 eigene Beobachtungen) beim Hund festgestellt.
Während die Oxalsäure in freiem Zustand in der Natur nicht vorkommt,
findet sie sich in Form oxalsaurer Salze in mehreren Pflanzen. Von
besonderer Wichtigkeit ist das saure +oxalsaure Kalium+, welches
unter dem Namen +Kleesalz+, +Sauerkleesalz+, +Bitterkleesalz+
(Sal Acetosellae) bekannt ist und in grösseren Mengen namentlich
in verschiedenen +Rumexarten+ vorkommt und bei unseren Haustieren
zuweilen Veranlassung zu Vergiftungen gibt (vgl. die Vergiftung durch
Rumexarten). Vergiftungen durch Verwechslung von Bitterkleesalz
mit Bittersalz sind bei den Haustieren, soviel bekannt, noch nicht
vorgekommen. -- Experimentell hat das in seiner Allgemeinwirkung der
Oxalsäure und den Oxalaten sehr ähnliche +Oxamid+ von der Formel
2(CONH_{2}) eine gewisse Bedeutung erlangt (vgl. S. 140).