Mengen oder in konzentrierten Lösungen (Salzlake) zunächst reizend und
+entzündungserregend+ auf die Schleimhaut des Digestionsapparates.
Nach seiner Resorption ins Blut wirkt es in diesen grossen Dosen als
+lähmendes Nervengift+ (Natriumwirkung). Wegen dieser Doppelwirkung
kann es auch als ein Akre-Narkotikum bezeichnet werden. Die ersten
Krankheitserscheinungen bestehen in starkem Durst, unterdrückter
Futteraufnahme, Würgen und +Erbrechen+, höherer Rötung und Trockenheit
der Maulschleimhaut, +Kolikerscheinungen+, +Durchfall+, Polyurie.
Die nervösen Symptome äussern sich in allgemeiner +Körperschwäche+,
Taumeln, rauschartigem Zustand, Zusammenstürzen, Unfähigkeit sich zu
erheben, +Lähmung+ des +Hinterteils+, +Amaurosis+, Schlinglähmung,
Sopor, +allgemeiner Lähmung+, zunehmender Herzschwäche und damit
zusammenhängend Dyspnoe. Meist tritt der Tod sehr rasch innerhalb
eines Tages ein; die durchschnittliche Krankheitsdauer beträgt 6-48
Stunden. In vereinzelten Fällen führt die Kochsalzvergiftung zu einer
mehr chronischen Erkrankung, welche sich in Darmerscheinungen (Abgang
kruppöser Membranen beim Rind), sowie in Anämie und Abmagerung äussert.
Bei der +Sektion+ findet man zuweilen keinerlei auffallende
Veränderungen im Körper. Meist beobachtet man indessen die
Erscheinungen einer akuten Entzündung der Magen- und Darmschleimhaut.
Bei den Wiederkäuern zeigt der Labmagen die schwersten Veränderungen.
Die Entzündung äussert sich in Schwellung, Rötung und Ekchymosierung;
bei längerem Verlauf kommt es beim Rind zur Ausbildung einer kruppösen
Enteritis. Vereinzelt findet man auch die Blasenschleimhaut höher
gerötet. Das Blut ist zuweilen auffallend hellrot und dünnflüssig.
=Behandlung.= Die gastroenteritischen Erscheinungen werden durch
Verabreichung deckender, einhüllender Mittel bekämpft. Bei
den Wiederkäuern verabreicht man zu diesem Zweck gewöhnlich
+Leinsamenabkochungen+ in Verbindung mit Opium. Auch +ölige Mittel+
(Leinöl, Mohnöl, Olivenöl, Repsöl) können gegeben werden. Ausserdem
empfiehlt sich die Verabreichung von +viel Wasser+. Gegen die Lähmung
des Nervensystems und des Herzens gibt man +Exzitantien+, namentlich
den +Aether+ in wiederholten subkutanen Dosen, den +Kampfer+ (als
Kampferspiritus oder Kampferöl subkutan), den +Liquor Ammonii anisatus+
(bei kleineren Tieren), das +Ammonium carbonicum+ (bei grösseren), das
+Atropin+, +Hyoszin+, +Koffein+, +Veratrin+ und +Strychnin+.
=Nachweis.= Man zieht den Magen- und Darminhalt samt der Schleimhaut
mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert und dampft das Filtrat
ein. Dasselbe zeichnet sich dann durch einen intensiven salzigen
Geschmack, sowie durch das Auskristallisieren von kubischen
Kochsalzkristallen aus. Als Chlornatrium werden diese Kristalle ferner
nachgewiesen durch die Gelbfärbung der Flamme (Natriumreaktion) und
durch den weissen Niederschlag, welchen sie mit salpetersaurem Silber
geben (Chlorreaktion). Man kann auch versuchen, das Kochsalz durch
Dialyse rein zu erhalten.
=Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Zwei lecksüchtige Ochsen erhielten 4
Pfd. Kochsalz. Sie verschmähten das Futter, taumelten, stiessen
wie blind an Gegenstände, stürzten zusammen, konnten sich nicht
wieder erheben, zeigten erweiterte Pupillen, unfühlbaren Puls und
Herzschlag, sowie starke Benommenheit des Sensoriums. Der eine Ochse
wurde rasch geschlachtet; der andere blieb 14 Tage krank und zeigte
später die Erscheinungen eines schweren Darmleidens (Verstopfung,
Durchfall, Abgang von blutigem Schleim und Kruppmembranen mit dem
Kote), weshalb er ebenfalls getötet wurde (+Stohrer+, Schweizer
Archiv 1842). -- Zwei lecksüchtige Kühe erhielten abends 10 Pfd.
Salz; am andern Morgen waren beide tot. Eine andere Kuh erhielt etwa
4-5 Pfd. Salz; drei Stunden später war sie unfähig, sich zu erheben,
zeigte Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, Kolikerscheinungen,
starken Schweissausbruch und Krämpfe (+Landel+, Repertor. 1859).
-- Eine lecksüchtige Kuh erhielt 3 Pfd, Kochsalz. Sie zeigte
starken Durchfall, häufiges Harnen und die Erscheinungen einer
schweren Erkrankung, kam jedoch mit dem Leben davon (+Lehmann+,
Schweiz. Archiv 1850). -- In einem Viehbestand wurde den Kühen, um
die Milchergiebigkeit zu steigern, mehrere Wochen hindurch grosse
Mengen gepulvertes Steinsalz gegeben. 15 Kühe zeigten schwere
Abmagerung, Kreuzschwäche, Versiegen der Milchsekretion, hochgradigen
Durchfall, sowie jauchige Zellgewebsentzündung an den Kronen und
starben teils, teils mussten sie getötet werden (+Uhlig+, Sächs.
Jahresber. 1893). -- Eine Massenvergiftung bei 25 Rindern durch einen
Viehsalzleckstein, welcher sich im Wasser des Tränkbarrens gelöst
hatte, hat +Horn+ beobachtet (Woch. f. T. 1895 S. 185); drei Kühe
lagen gelähmt am Boden und mussten notgeschlachtet werden, sechs
Kühe zeigten einen rauschartigen Zustand, Bewusstlosigkeit, kaum
fühlbaren, verlangsamten Herzschlag und Drang nach dem After. Vier
dieser Kühe erholten sich nach sechs Stunden langsam unter öfterem
Wiederkehren schwindelähnlicher, schlafsüchtiger Zustände; bei
der fünften hielt der rauschartige Zustand 24 Stunden an, während
die sechste wegen anhaltender Lähmungserscheinungen schliesslich
geschlachtet werden musste. -- Einen ähnlichen Fall hat +Boudry+
beobachtet (Oesterr. Mon. 1898); danach erhielten 11 Kühe gegen
Lecksucht je 600-1200 g Kochsalz, von denen drei wegen allgemeiner
Lähmung geschlachtet werden mussten und eine starb.
2. +Pferde.+ Ein Pferd erhielt gegen Würmer 3 Flaschen
Sauerkrautlake. Es zeigte heftige Kolikerscheinungen und starb unter
nervösen Zufällen nach 3 Stunden (+Kammerer+, Bad. Mitt. 1888). -- 12
Pferde hatten 6 Tage hintereinander 1 Metze Viehsalz im Trinkwasser
erhalten. Sie erkrankten an schwankendem Gang, Durchfall, Polyurie
und zum Teil an Kreuzlähmung, genasen aber alle (+Vogel+, Preuss.
Mitt. Bd. 7).
3. +Schafe.+ Eine Herde von 300 Schafen erhielten 2-3 Metzen rotes
Viehsalz. 10 Stück erkrankten, 8 zeigten Lähmungserscheinungen, 2
starben. Die Sektion ergab Entzündung im Labmagen und rote Flecken im
Darmkanal (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872).
4. +Schweine.+ Ein 4 Monate altes Schwein erhielt 6 Tage lang je 30 g
Kochsalz in Milch. Am 6. Tage zeigte sich das Tier krank, am 7. lag
es gelähmt auf der Seite, zitterte, machte automatische Bewegungen
mit den Beinen und atmete angestrengt. Tod am 12. Tage. Sektion: eine
talergrosse Stelle der Magenschleimhaut zeigte hochgradige Entzündung
mit Zerstörung des Epithels und plastischem Exsudate; ausserdem
war die Schleimhaut des ganzen Darmkanals entzündet, Gehirn und
verlängertes Mark waren hyperämisch und ödematös (+Gerlach+). -- 15
Schweine, deren Futter durch ein Versehen 5 l Viehsalz beigemischt
worden waren, zeigten Appetitlosigkeit, Durst, Kolik, Dyspnoe,
Eingenommenheit des Kopfes, Zittern und Lähmung des Hinterteils.
Bei der Sektion fand man Hyperämie der Gehirnhäute und Gehirnödem
(+Scharsig+, Berl. Arch. 1893 S. 311). -- 4 Ferkel erhielten Wasser,
in welchem Schinken gekocht worden war, mit Kartoffeln zusammen. Sie
zeigten auffallende Schwäche, Drehbewegungen, sowie epileptische
Anfälle. 3 Stück starben nach 2, bezw. 7, bezw. 10 Tagen. Die Sektion
ergab starke Hyperämie des Magens und Darms, sowie der Hirnhäute
und der grauen Hirnsubstanz (+Ujhelyi+, Veterinarius 1892). -- 44
Schweine erhielten pro Tag 340 g Meersalz (denaturiertes Kochsalz);
sie zeigten Schwäche, Schwanken, Schreien, grossen Durst und
Erbrechen; 7 davon starben (J. de Lyon 1896). -- 97 Läuferschweine
erhielten zur Anregung des Appetits vom Fütterer 4 kg Viehsalz
im Getränk verabreicht, worauf 37 Stück erkrankten; das Fleisch
derselben, ohne Salzzusatz gekocht, schmeckte wie gesalzenes
Fleisch (+Fickert+, Berl. Arch. 1901). -- 5 Schweine starben unter
Lähmungserscheinungen, nachdem sie von einem geplatzten Salzsack Salz
aufgenommen hatten. 6 andere starben nach dem Trinken von Pökellake;
sie waren hochgradig aufgeregt, wie „verhext“, sprangen an den Wänden
in die Höhe, erbrachen sich und taumelten (+Müssemeier+, +Harde+,
Preuss. Vet. Ber. 1904). Aehnliche Fälle sind in den Jahren 1906 und
1907 beobachtet worden (ibid.).
5. +Hunde.+ Ein Hund hatte grössere Mengen von Kesselbrühe
aufgenommen; eine Stunde darnach zeigte er heftige Krämpfe und starb
nach Ablauf einer Stunde (+Adam+, Wochenschrift 1884). -- Eine
Ulmer Dogge hatte sich während der Nacht über den Inhalt eines am
Abend vorher entleerten Fasses von Pökelschweinsknochen gemacht.
Gegen Morgen fand man das Tier schwerkrank neben dem Fasse liegen,
es zeigte so grosse Schmerzen, dass es laut winselte und sich
fortwährend in die Vorderfüsse biss, so dass die Knochen und Sehnen
blosslagen; dabei bestand viel Speichelfluss, blutiger Durchfall,
Erbrechen, Auftreibung und Schmerzhaftigkeit des Hinterleibes.
Harn dick, teerartig und blutig. Das Tier konnte nicht stehen und
zeigte Lähmungserscheinungen im Hinterteil. Nach 2tägigem Leiden
trat der Tod ein. Bei der Sektion fand man Entzündung der Maul- und
Rachenschleimhaut, des Magens und Darmes, ausgedehnte Blutungen in
der Schleimhaut des letzteren, im Magen leichte Anätzungen, die
Schleimhaut am Pylorus um das Doppelte geschwollen. Hochgradige
parenchymatöse Nierenentzündung, Nieren fast noch einmal so gross
als normal. In den übrigen Organen Blutüberfüllung, Blut dunkel,
teerartig (+Röbert+, Sächs. Jahresbericht 1895).
6. +Geflügel.+ Durch die Verfütterung gedämpfter Kartoffeln, die
mit Salz eingestampft worden waren, starben auf einem Rittergute
innerhalb 14 Tagen 25 Gänse (+Möbius+, Sächs. Jahresber. pro 1895).
-- Zur Beseitigung unbequemer Nachbarhühner in Gärten dient in
manchen Gegenden eine Mischung von Kochsalz und Roggenschrot, nach
deren Aufnahme die Hühner sich nicht mehr stehend erhalten können
und unter Lähmungserscheinungen sterben (+Düker+, Preuss. Vet.
Ber. pro 1907). -- Hühner und Gänse erkrankten nach Aufnahme von
Anchovissalzlake (Bull. vét. 1903). -- 5 Störche starben plötzlich
nach der Verfütterung gesalzener Fische; die Sektion ergab ein
negatives Resultat (+Uhlich+, Sächs. Jahresber. pro 1893).
Salpetervergiftung.
=Allgemeines.= Der Salpeter kommt in 2 Formen im Handel vor. 1. Der
+Kalisalpeter+ (Mauersalpeter, prismatischer Salpeter), KNO_{3},
ist namentlich früher sehr vielfach als Fiebermittel sowie gegen
Entzündungskrankheiten therapeutisch angewandt worden. Verwechslungen
des Salpeters mit Glaubersalz, Bittersalz und Kochsalz haben hiebei
in zahlreichen Fällen Veranlassung zu Vergiftungen gegeben. Während
z. B. die therapeutische Dosis des Salpeters für Rinder und Pferde
nur 10-20 g beträgt, beläuft sich die des Glaubersalzes auf 250-1000
g. Dabei erzeugen schon 50 g Kalisalpeter bei Pferden zuweilen
schwere Vergiftung. Seltener hat das Ablecken salpeterhaltiger
Mauerwandungen (z. B. bei Lämmern) eine Vergiftung mit Kalisalpeter
bedingt. 2. Der +Chilisalpeter+ (Natronsalpeter, Würfelsalpeter),
NaNO_{3}, wird seit etwa 50 Jahren in ausgedehntem Masse als
Düngermittel benützt. Durch zufällige Aufnahme oder absichtliche
Verabreichung sind seit Einführung desselben Vergiftungen bei den
Haustieren, insbesondere beim Rind, in grosser Zahl beobachtet
worden. Gefährlich hat sich hiebei namentlich das Auswaschen der
Salpetersäcke und das Trinken des salpeterhaltigen Waschwassers
erwiesen. Bei diesen Vergiftungen mit Chilisalpeter werden immer
sehr grosse Mengen des Salpeters (¼-2½ kg) aufgenommen. Die
+tödliche Dosis+ des Salpeters ist je nach dem Füllungszustand
des Magens verschieden. Der Kalisalpeter ist ferner giftiger als
der Natronsalpeter. Pferde und Rinder sterben durchschnittlich
nach 100-250 g, Schafe und Schweine nach 30 g, Hunde nach 5 g
Kalisalpeter. Bei letzteren können sich Vergiftungen auch durch
Verabreichung grösserer Mengen von Schiesspulver ereignen.
Von +Barth+ (Toxikologische Untersuchungen über den Chilisalpeter,
Bonn 1879) ist die Ansicht ausgesprochen worden, dass der
Chilisalpeter durch eine Verunreinigung mit +Nitrit+ (NaNO_{2}) und
durch Umwandlung des Nitrats im Körper zu Nitrit giftig wirke. Die
teilweise Umwandlung zu Nitrit im Körper ist von +Binz+ bestätigt
worden (1902). Meine eigenen diesbezüglichen Untersuchungen
(Repertorium 1880) haben ergeben, dass der chemisch reine,
nitritfreie Natronsalpeter ebenso stark oder noch stärker wirkt, als
der unreine, zuweilen nitrithaltige Düngersalpeter. Es schliesst
ferner der perakute Verlauf der Salpetervergiftung eine vorhergehende
Umwandlung des Nitrats in Nitrit innerhalb des Körpers aus.
Endlich lässt sich bei der Durchsicht der einschlägigen Literatur
nachweisen, dass immer grosse Mengen von Chilisalpeter (250-2500 g)
aufgenommen wurden, so dass die betreffenden Vergiftungen auf eine
reine Salpeterwirkung zurückgeführt werden müssen. Ueber giftige
Nitroverbindungen vgl. S. 125.
=Krankheitsbild und Sektionsbefund.= Beide Arten von Salpeter erzeugen
zunächst infolge Reizung der Digestionsschleimhaut eine +schwere
Gastroenteritis+, an welche sich +apoplektiforme Lähmungserscheinungen+
anschliessen. Die Vergiftung beginnt gewöhnlich mit
Unruheerscheinungen, heftiger +Kolik+, Würgen, +Erbrechen+, Speicheln,
Schäumen, Aufblähen, Polyurie. Früher oder später folgt dann eine rasch
zunehmende +Schwäche+ und +Hinfälligkeit+, Schwanken, Taumeln, Zittern,
Zusammenstürzen, Sinken der Körpertemperatur, Herzklopfen, Koma, und
häufig endet das Vergiftungsbild +apoplektiform+ unter plötzlichem
Eintritt des Todes mit oder ohne Krämpfe. +Die gesamte Krankheitsdauer
beträgt meist nur wenige Stunden.+ In einzelnen Fällen hat man bereits
5 Minuten nach der Aufnahme des Salpeters einen tödlichen Ausgang der
Vergiftung konstatiert, wenn die Verabreichung desselben in nüchternem
Zustand erfolgte (+Crönlein+).
Bei der +Sektion+ findet man die Schleimhaut des Magens (Labmagens) und
Dünndarms braunrot, purpurrot oder kirschrot verfärbt und geschwürig
verändert (hämorrhagische Gastroenteritis), den Darminhalt blutig oder
braungefärbt, die Baucheingeweide stark hyperämisch, die Nieren und die
Blasenschleimhaut entzündet und von Blutungen durchsetzt, das Blut von
auffallend hellroter oder schmutzig braunroter Farbe. Bei perakutem
Verlauf fehlen charakteristische Veränderungen.
=Behandlung.= Wie bei der Kochsalzvergiftung müssen auch hier zunächst
einhüllende, schleimige und ölige Mittel mit viel Wasser verabreicht
werden. Die Lähmungserscheinungen werden mit exzitierenden und
belebenden Mitteln, insbesondere mit Aether, Kampfer, Veratrin und
Atropin behandelt.
=Nachweis.= Man zieht den Magen- und Darminhalt nebst der Schleimhaut
mit viel destilliertem Wasser aus, filtriert, dampft das Filtrat ein
und lässt den Salpeter auskristallisieren. Gelbfärbung der Flamme
besagt die Anwesenheit von Natron-, Violettfärbung von Kalisalpeter.
Spezielle Salpeterreaktionen sind: das Verpuffen auf glühender Kohle
und die Braunfärbung mit Schwefelsäure und Eisenvitriol. Man kann auch
versuchen, den Salpeter durch Dialyse rein zu erhalten.
=Kasuistik.= 1. +Rinder.+ Chilisalpetersäcke wurden in Wasser
aufgeweicht. 3 Kühe, welche von dem Wasser abends tranken, wurden
am Morgen tot gefunden. Die Sektion ergab Schwellung, Rötung und
Ekchymosierung der Schleimhaut des Magens, Darmes und der Blase,
dünnflüssiges Blut, dunkelrote Farbe und Erweichung der Nieren
(+Rabe+, Preuss. Mitt. 1874). -- 2 Kühe erhielten je 250 g Salpeter
statt Glaubersalz. Sie starben beide innerhalb 6 Stunden. Bei der
Sektion fand man Petechien auf der Labmagenschleimhaut. Das Fleisch
und die Eingeweide waren blassgelb (+Möbius+, Sächs. Jahresber.
1888). -- Eine Kuh erhielt durch das Versehen eines Krämers morgens
nüchtern statt Glaubersalz 360 g Salpeter eingeschüttet. Das
Tier zeigte sofort Zittern und Krämpfe, stürzte zusammen, liess
die Zunge aus dem Maule hängen und starb nach 5 Minuten. Sektion:
negativ (+Crönlein+, Magazin Bd. 18). -- 2 Kühe hatten zusammen 1
Pfd. Salpeter statt Glaubersalz bekommen; nach ½ Stunde stürzten
sie unter Zittern und Krämpfen tot zusammen. Die Sektion ergab
ausser missfarbigem, schmutzig rotbraunem Blute nichts Besonderes
(+Weinmann+, Ad. Wochenschr. 1859). -- Eine Rinderherde von 48
Stück erhielt in 2 Tagen 20 Pfd. Viehsalz, welches zur Hälfte aus
Chilisalpeter bestand. Am 2. Tage starb eine Kuh fast plötzlich, 3
andere krepierten innerhalb 5 Minuten, eine weitere bald darauf.
2 Kühe zeigten Schwäche im Kreuz; beim Aderlasse war kein Blut
zu bekommen. Alle übrigen Kühe bekamen Durchfall, waren aber am
nächsten Tage wieder gesund (+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde
1872). -- +Kettritz+ (Berl. Archiv 1893) beschreibt eine Vergiftung
bei 4 Kühen, welche Waschwasser von Salpetersäcken getrunken
hatten. Der Tod trat unter heftigen Zuckungen im Verlaufe von 2
Stunden ein. Bei der Sektion fand man hochgradige Entzündung des
Labmagens, Zwölffinger- und Leerdarms. -- Mehrere Kühe frassen
Klee von einem Felde, das mit Chilisalpeter bestreut war, und
erkrankten. Die Sektion einer derselben ergab starke Entzündung
der Mägen und des Dünndarms, Hyperämie und Entzündung der Nieren,
sowie fleckige Rötung der Blasenschleimhaut (+Rost+, Sächs.
Jahresber. 1891). -- Von 26 Kühen, welche auf der Weide ein Gemenge
von Chilisalpeter und Sand aufgenommen hatten, starben plötzlich
19 Stück, nachdem Drängen, Stöhnen, grosse Unruhe, Schwanken
und Lähmung vorausgegangen waren. Die 7 genesenden Kühe lagen
stundenlang auf einer und derselben Stelle. Bei der Sektion fand
man hochrote diffuse Verfärbung der Schleimhaut des Labmagens
und Dünndarmanfangs, welche mit zahlreichen runden, dunkel- bis
bläulichroten Flecken durchsetzt war und auf der Höhe der Falten
der Labmagenschleimhaut und am Uebergang zum Pylorus am stärksten
hervortrat (+Klebba+, Berl. Arch. 1892, S. 460). -- 2 Kühe, welche
Waschwasser von Chilisalpetersäcken getrunken hatten, starben nach 16
bezw. 56 Stunden (+Bénard+, Journal de Lyon 1892). -- +Wankmüller+
(Wochenschr. f. Tierhlkde. 1894 S. 258) beobachtete bei 19 Rindern
einer Kunstdüngerfabrik eine Vergiftung durch Chilisalpeter; das
Fleisch der notgeschlachteten Tiere war in allen Fällen geniessbar.
-- Ein Ochse trank das Waschwasser von Chilisalpetersäcken. Eine
Stunde darauf zeigte er schwankenden Gang, schmerzhaften Harnabsatz,
allgemeine Muskellähmung und Unempfindlichkeit. Der Puls war hart
und klein, aber von normaler Frequenz. Nach 2 Tagen trat auf die
Verabreichung von Kaffee, sowie schleimigen Dekokten Heilung ein
(+Legrand+, Arm. belg. 1887). -- 2 Kälber, welche Wasser aus
Bottichen getrunken hatten, in denen Chilisalpetersäcke zum Reinigen
lagen, starben nach 15-20 Minuten; die Sektion ergab lediglich
kirschrotes, flüssiges Blut (+Güttlich+, Berl. Arch. 1894). -- Eine
Kuh, welche irrtümlicherweise 250 g Salpeter (statt Glaubersalz)
erhalten hatte, musste notgeschlachtet werden. Die Sektion ergab
hochgradige Labmagenentzündung (+Möbius+, Sächs. Jahresber. 1898).
-- Ob die von Buhl (Wochenschr. f. Tierheilk. 1898 S. 329) auf
das Ablecken von Mauersalpeter in den Stallungen zurückgeführten
Krankheitsfälle echte Salpetervergiftungen waren, ist sehr fraglich.
-- 3 Rinder hatten auf einer mit Chilisalpeter gedüngten Weide
gierig denselben aufgeleckt und erkrankten an heftigem Durchfall,
Schlafsucht, hochgradiger Schwäche, Lähmung und Herzklopfen. Die
Sektion ergab Enteritis und auffallend hellrotes, nicht gerinnendes
Blut (+Winkler+, Woch. f. T. 1901). -- Ein Landwirt behandelte
die Maul- und Klauenseuche mit Salpeter. Infolgedessen starben 2
hochtragende Kühe und 1 Mastochse innerhalb 24 Stunden unter profusem
Durchfall. Die Sektion ergab Entzündung des Magens und Darms mit
braunroter Verfärbung der Schleimhaut (+Markert+, ibid. 1902). --
3 Rinder verendeten apoplektisch nach der Aufnahme von reichlich
vorhandenem, durch Regen ausgelaugten Mauersalpeter; die Sektion
ergab hochgradige Magendarmentzündung, Nephritis, Hämatolysis sowie
blasse Muskulatur (+Gutbrod+, Monatsh. f. prakt. Tierh. 1901). -- 3
Kühe hatten den Inhalt eines Chilisalpetersackes ausgeschleckt und
zeigten Taumeln, Speicheln und pochenden Herzschlag; 1 Kuh verendete
innerhalb 5 Minuten unter Krämpfen. Die Sektion ergab starke Rötung
der Schleimhaut der Mägen (+Schank+, Woch. f. Tierh. 1902). -- 5
Kühe tranken das Waschwasser von Chilisalpetersäcken. Sie zeigten
profusen Durchfall, Schweissausbruch und Zittern; 4 starben ½ Stunde
nach Beginn der Krankheit. Die Sektion ergab braunroten Darminhalt,
Gastroenteritis, Nephritis und Zystitis (+Schmidtke+, Preuss. Vet.
Ber. 1904). -- Eine Kuh erhielt ½ kg Kalisalpeter (statt Glaubersalz)
eingeschüttet, blieb jedoch am Leben, da beim Einschütten ein
grosser Teil gleich wieder erbrochen wurde (+Vogel+, B. T. W. 1904
S. 790). -- Nach der Verfütterung von Rübenblättern, welche mit
Chilisalpeter gedüngt waren (sog. Kopfdüngung), erkrankten vielfach
Rinder unter plötzlicher Hinfälligkeit, Herzklopfen, Schwanken und
Zusammenstürzen; der Tod trat zuweilen unter Krämpfen schon nach
¼-½ Stunde ein (+Lüdecke+, Z. f. Vet. 1909). -- Zahlreiche Fälle
finden sich ferner beschrieben in den Jahresberichten der preuss.
Kreistierärzte 1902-1907.
2. +Pferde.+ Ein kolikkrankes Pferd erhielt aus Versehen 250 g
Kalisalpeter statt Glaubersalz; es wurde, ohne Schaden zu erleiden,
nach 36 Stunden wieder hergestellt (+Haarstick+, Preuss. Mitt. 1874).
-- Bei mehreren Versuchspferden traten nach 250-500 g Kalisalpeter
zwar Vergiftungserscheinungen (Kolik, Muskelschwäche), aber ohne
tödlichen Ausgang auf (+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872); dagegen
starben nach Versuchen an der Lyoner Tierarzneischule 2 Pferde auf
240 g Salpeter innerhalb 24 Stunden. -- Ein Pferd zeigte nach der
Verabreichung von 50 g Kalisalpeter eine deutliche Vergiftung, welche
sich in Kolik, Pupillenerweiterung, Herzklopfen, kaum fühlbarem Puls,
sowie Dyspnoe äusserte (+Piot+, Recueil 1892 S. 405). -- Ein Pferd
nahm Wasser aus einer Tonne auf, in der Chilisalpetersäcke gewaschen
wurden, und starb unter den Erscheinungen einer Darmentzündung und
einer Lähmung der Nachhand nach 24 Stunden (+Schöneck+, Berl. Arch.
1896 S. 345).
3. +Schafe.+ 200 Mutterschafe erhielten statt Kochsalz Salpeter
als Lecke. Nach einer Stunde traten zahlreiche Erkrankungen auf.
Die Tiere wälzten sich, schäumten, stöhnten und blökten und lagen
gelähmt am Boden. 20 Stück krepierten innerhalb einer Stunde. Die
Sektion ergab eine heftige Entzündung des Labmagens und Darmes, sowie
hellrotes dünnflüssiges Blut (+Melzbach+, Preuss. Mitt. 2. Jahrgang).
4. +Ziegen.+ Infolge Streuen von Kunstdünger erkrankten 2 Ziegen
unter Maul- und Klauenseuche ähnlichen Erscheinungen: starkem
Speicheln, unterdrückter Futteraufnahme, Aufblähung, Schwäche und
Hinfälligkeit (+Zink+, W. f. T. 1901).
5. +Schweine.+ 30 g Salpeter, einem Versuchsschwein mehrere Tage
hindurch mit Milch verabreicht, erzeugten Erbrechen, grosse
Hinfälligkeit und steifen Gang; nach 14 Tagen hatte sich das Tier
wieder erholt (+Gerlach+). -- 6 Läuferschweine, denen ein Arbeiter
aus Rache Salpeter auf das Futter streute, starben an heftiger
Entzündung der Magen- und Dünndarmschleimhaut (+Prietsch+, Sächs.
Jahresber. 1901).
6. +Hühner.+ In einem Hühnerhof waren binnen 14 Tagen 28 Hühner
und 1 Hahn gestorben. Die Krankheit dauerte bei einigen nur wenige
Stunden, bei anderen bis zwei Tage. Bei der Sektion eines Huhnes
wurde festgestellt: entzündliche Rötung und teilweise Verätzung
der Schleimhaut des Kropfes. Als Ursache ergab sich Vergiftung
mit Chilisalpeter. Die Hühner hatten nämlich Wasser, in dem
Chilisalpetersäcke ausgewaschen waren, aufgenommen (+Ammerschläger+,
Woch. f. Tierh. 1906).