=Kasuistik.= 1. +Pferde.+ Nach einer einmaligen Dosis von 15 g

Brechweinstein zeigte ein Pferd Zittern, schwachen, beschleunigten

Puls (60-70 schwache Pulsschläge), angestrengtes Atmen, Schwanken,

Appetitlosigkeit, Husten. Am 4. Tage stellten sich wassersüchtige

Anschwellungen am Bauch und Schlauch ein, worauf das Pferd verendete

(+Weber+, Berl. tierärztl. Wochenschr. 1890). -- +Korff+ (Zeitschr.

f. Vetkde. 1892 S. 500) beobachtete bei einem Pferde nach einer

Dosis von 15,0 Brechweinstein deutliche Vergiftungserscheinungen,

welche im wesentlichen in Erbrechen und Durchfall bestanden. Nach

der Verabreichung von 15 g Tannin als Gegengift genas das Tier.

-- +Röbert+ (Sächs. Jahresber. 1893) berichtet über einen Fall

von tödlicher Vergiftung beim Pferd nach der Verabreichung von

40 g Brechweinstein. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln,

Anätzungen im Maule, heftigem Durchfall, Herzklopfen, schwachem,

drahtförmigem Pulse. Der Tod trat nach 3 Tagen ein. Die Sektion

ergab Anätzungen im Maule und Schlundkopfe, Rötung und Schwellung

der Magenschleimhaut, sehr viele Geschwüre im Dünn- und Dickdarm,

sowie akute septische Perforativ-Peritonitis. -- +Kramer+ (D. T. W.

1895) behandelte eine Vergiftung bei einem Pferde, das innerhalb 2

Tagen 24 g Brechweinstein erhalten hatte und hochgradige Schwäche

zeigte; die Heilung erfolgte erst nach 5wöchentlicher Behandlung.

-- Ein Pferd erhielt irrtümlich 30 g Brechweinstein auf einmal

eingeschüttet. Es wurde sehr aufgeregt, speichelte, schnaubte

heftig unter Auswurf von Schleimflocken; nach einigen Stunden starb

es unter Schweissausbruch und starkem Durchfall (+Maury+, Journal

du Midi 1862). -- Nach den Versuchen von +Hertwig+ zeigen gesunde

Pferde nach 4-8 g nur etwas vermehrtes Urinieren; nach wiederholten

Dosen entsteht Verminderung der Pulszahl, pochender Herzschlag,

Mattigkeit, Diarrhöe, Polyurie; bei fortgesetzter Anwendung sehr

grosse Schwäche. 15 g in Pillenform haben vermehrte Absonderung

der Schleimhäute, gesteigerte Pulsfrequenz, vermehrte Peristaltik,

reichliche Kotentleerung, sowie leichte Kolik zur Folge. Dieselbe

Dosis (15 g) in Wasser gelöst und auf einmal gegeben erzeugt

Kolik, Zittern, Pulsbeschleunigung, Nachlass dieser Erscheinungen

nach einigen Stunden, stärkeres Wiederauftreten derselben an den

folgenden Tagen und meist Tod am 6.-8. Tage. 30 g in einer Pille oder

Latwerge bedingt eine sehr heftige, aber nicht tödliche Wirkung;

30 g in flüssiger Form bewirkt heftige Kolik mit Krämpfen und

Schweissausbruch, sowie nach 8 Stunden den Tod. Auf 60 g in flüssiger

Form tritt der Tod nach 2½ Stunden, auf 90 g in Latwergenform nach

4 Tagen ein (Kolik, Stomatitis ulcerosa, Lähmung der Nachhand).

+Intravenös+ entsteht auf 0,6-4,0 als schwächste Wirkung vermehrte

Peristaltik, Kotentleerung, gesteigerte Diurese, erhöhte Atmungs- und

Pulsfrequenz, jedoch keine Appetitstörung. Bei höhergradiger Wirkung

beobachtet man fast unfühlbaren Puls, Steigen der Pulsfrequenz

über 120 pro Minute, röchelndes, krampfhaftes Atmen, dünnflüssigen

Kot, Schweissausbruch, Tränenfluss, Speicheln, Lecken, Recken,

Rülpsen, Kolik, Zittern, sowie Muskelkrämpfe an der Schulter, am

Halse, an den Schenkeln. 8 g intravenös haben sehr heftige Krämpfe,

Schwindel, Lähmung, sowie Tod nach 1½-3 Stunden zur Folge; eine

Wirkung auf den Darm fehlt hierbei. -- +Dieckerhoff+ und +Wagner+

(B. T. W. 1893 Nr. 39) fanden bei ihren Versuchen über die Dosierung

und Wirkung des Brechweinsteins bei Pferden, dass derselbe in der

herkömmlichen Dosis und Form unschädlich ist, dass es sich aber

empfiehlt, die Dosis von 15 g nicht zu überschreiten und an demselben

Tag auch nicht zu wiederholen. Für kleine Ponys sind 15 g schon

tödlich; ein leichtes Arbeitspferd starb nach 20 g Brechweinstein

an hämorrhagischer Gastroenteritis. -- Nach +Günther+ (D. T. W.

1906 S. 543) zeigten 4 schwere Pferde, welche nüchtern je 12 g

Brechweinstein erhalten hatten, 3 Stunden nachher Unruhe, starkes

Aufblähen, Atemnot, Schweissausbruch, Zittern und Schwanken; nach 6

Tagen erfolgte Heilung. -- Zwei 1 Jahr alte Ardennerfohlen erhielten

gegen Spulwürmer je 8 g Brechweinstein in Wasser gelöst verschrieben.

Der Besitzer verteilte das Mittel jedoch ungleich, so dass eines der

Fohlen 12 g erhielt. 24 Stunden darauf erkrankte dieses Füllen unter

Schweissausbruch, Zittern, Herzschwäche, Dyspnoe, Schwanken, Krämpfen

und Absinken der Innentemperatur auf 35,8°; noch an demselben Tage

starb es. Die Sektion ergab zahlreiche kleine, oberflächliche

Geschwüre auf der Zunge, im Dünndarm und Grimmdarm (+Lüer+, D. T.

W. 1908 S. 377). -- Die von +Möller+-Alpirsbach (ibid. S. 417)

nach einer Tagesdosis von 8-12 g Brechweinstein bei 12 Pferden

beobachteten eigenartigen Erscheinungen von Hufrehe und Herzschwäche

sind wohl auf den Umstand zurückzuführen, dass überflüssigerweise 1-2

Stunden nachher noch eine Aloepille verabreicht wurde. Dass durch

einen Zusatz von Aloe die Giftwirkung von Abführmitteln erheblich

gesteigert wird, hat die Erfahrung beim Kalomel gelehrt, das bei

Zugabe einer Aloepille Pferde schon in einer Dosis von 3 g zu töten

vermag (vergl. das Kapitel der Aloevergiftung). Dass andererseits

der Brechweinstein für sich allein in den genannten Dosen ungiftig

ist, beweisen die zahlreichen und übereinstimmenden Beobachtungen

anderer. +Reissinger+ (Woch. f. Tierheilk. 1908) hat in den

letzten 10 Jahren den Brechweinstein ungefähr 600mal in täglichen

Dosen von 15-20 g gegeben, jedoch in keinem einzigen Falle danach

Vergiftungserscheinungen beobachtet; eine Aloepille nach 1-2 Stunden

nachzuschicken, hält er gleichfalls für überflüssig. +Simon+ (ibid.)

hat seit 8 Jahren alljährlich 70-80mal den Brechweinstein in Dosen

von 15-20 g ohne jeden Nachteil gegeben, desgleichen Prof. +Albrecht+

(ibid.), der den Brechweinstein seit vielen Jahren schweren Pferden

in Dosen von 20 g, mittleren zu 15 g, Jährlingen zu 10-12 g und

halbjährigen Fohlen zu 6-8 g verabreicht. Auch +Dorn+ (ibid.)

verwendet seit Jahren den Brechweinstein in Dosen von 20 g für

erwachsene Pferde und hat in Hunderten von Fällen nie eine Vergiftung

beobachtet. +Merkt+ (T. Rundschau 1908) gibt den Brechweinstein seit

20 Jahren in einer Tagesdosis von 25 g auf 3mal und hat noch niemals

die geringsten Vergiftungserscheinungen danach beobachtet. +Storch+

(Berl. tierärztl. Woch. 1909) hat beim Pferd mindestens 100mal

Brechweinstein in Dosen von 8-12 g ohne Spuren von Giftwirkung oder

Rehe verabreicht; nur ein einziges Pferd zeigte danach vorübergehende

Kolikerscheinungen.

2. +Rinder.+ Eine Kuh erhielt aus Versehen 51 g Brechweinstein auf

einmal mit einer Flasche Wasser eingeschüttet, ohne dass irgendwelche

Vergiftungserscheinungen auftraten. Einer anderen Kuh wurden

46 g ebenfalls ohne Nachteil verabreicht. Dagegen erkrankten 3

Ziegenlämmer und 2 kleine Hunde, welche die Milch der letzteren Kuh

gefüttert erhalten hatten, an heftiger Diarrhöe (+Harms+, 4. Hannov.

Jahresber.). -- Versuchskühe zeigten auf 8-30 g Brechweinstein nichts

besonderes, nur vermehrtes Urinieren (+Hertwig+, +Viborg+). Selbst

128 g innerhalb 4 Tagen verabreicht blieben bei einer Kuh ohne

deutliche Wirkung. 40 g einer Kuh auf einmal in Auflösung gegeben,

hatten nach +Gilbert+ keine sichtbare Wirkung. Nach diesen Angaben

ist es fraglich, ob die Beobachtung von +Rüffert+ (Preuss. Mitt. III)

richtig ist, welcher bei einem Stiere nach 30 g Brechweinstein, in

Leinsamenschleim gegeben, Kolik und plötzlichen Tod gesehen haben

will. Zum Zwecke der Nachprüfung habe ich einer alten, schwächlichen,

kleinen Versuchskuh 30 g Brechweinstein in Leinsamenschleim

verabreicht; diese Dosis ist bei derselben ohne jede sichtbare

Wirkung geblieben und hatte nicht einmal eine Verdauungsstörung zur

Folge.

3. +Schafe+ zeigten nach 12 g in gelöster Form und nach 16 g in

einer Mehlpille verabreicht keinerlei Wirkung (+Viborg+, +Gilbert+).

Dagegen töteten 24 g ein Schaf. Intravenös hatten 0,3-0,36 g grosse

Mattigkeit, kleinen frequenten Puls, angestrengtes Atmen und

wiederholten Mistabsatz zur Folge. -- +Baum+ (Monatsh. f. prakt.

Tierhlkde. 1892) stellte experimentell fest, dass bei Schafen nach

5 g, bei Ziegen nach 4 g Brechweinstein Vergiftungserscheinungen

auftreten. Die Milch der betr. Tiere erwies sich indessen auch bei

sehr hohen Dosen als unschädlich.

4. +Schweine+ erbrechen sich erst von 0,6 g ab; zuweilen tritt

aber Erbrechen selbst nach grösseren Dosen (1,2-2,0) nicht ein. 4

g hatten bei einem ¾jährigen Eber nach 15 Minuten Erbrechen zur

Folge, das über eine Stunde dauerte, ausserdem Kolikerscheinungen,

Appetitlosigkeit und Mattigkeit; am 3. Tage war das Tier wieder

gesund. 8 g Brechweinstein in einem halben Liter Wasser gelöst,

bewirkten bei einem 9 Monate alten Eber nach 1½ Stunden 5maliges

Erbrechen, Appetitlosigkeit, Betäubung, starken Durst, nach Aufnahme

des Wassers wiederholtes Erbrechen, sowie am folgenden Tage nach

anscheinender Besserung Krämpfe und den Tod. -- Ein Mutterschwein,

das gegen Ferkelfressen einen Kaffeelöffel Brechweinstein erhalten

hatte, zeigte Erbrechen, Durchfall, Speichelfluss und Krämpfe; Tannin

beseitigte sofort die Vergiftungserscheinungen (+Gebhard+, Woch. f.

Tierhlkde. 1905).

5. +Hunde+ ertragen bis zu 4 g Brechweinstein, wenn sie sich

erbrechen können. Bei unterbundenem Schlunde sterben sie jedoch

(ebenso wie Katzen) nach 0,25-0,5 g innerhalb 2-3 Stunden. Von

+Wunden+ aus tötet der Brechweinstein Hunde und Katzen zu 0,1-0,3

in wenigen Stunden. +Intravenös+ haben 0,06-0,12 nach ½ Stunde

Erbrechen, 0,24 wiederholtes Erbrechen, Mattigkeit, beschwerliches

Atmen, unregelmässigen, schnellen Puls, Zittern, Krämpfe und nach

16-24 Stunden den Tod zur Folge.

6. +Hühner+ und andere Vögel erbrechen sich leicht nach 0,06-0,2 g.

Sonstige Metallvergiftungen.

=Alaunvergiftung.= Dieselbe ist in einigen Fällen bei Rindern

beobachtet worden, welche +aus Versehen statt Glaubersalz+ Alaun

erhielten. Ein Rind erhielt 125 g rohen Alaun, worauf es +Verstopfung+

und +Kolikerscheinungen+ zeigte; nach 4 Tagen war Genesung eingetreten.

Eine Kuh erhielt vom Besitzer statt des verordneten Glaubersalz ½ Kilo

Alaun; sie erkrankte sofort schwer und musste notgeschlachtet werden

(+Siebert+, Berl. Arch. 1900). Dagegen erkrankte ein anderes Rind,

das ebenfalls aus Versehen statt Glaubersalz innerhalb 6 Stunden 750

g Alaun zusammen mit Leinöl und Leinsamenschleim erhielt, nur leicht

unter Verdauungsstörungen und Speicheln und genas (+Noack+, Preuss.

Vet.-Ber. 1904). Hunde starben, wenn sie am Erbrechen gehindert wurden,

nach 35-50 g, Katzen nach 5-10 g Alaun (+Orfila+). Die Wirkung des

Alauns ist eine lokal ätzende (Bildung von Aluminiumalbuminat). Die

Allgemeinwirkung des Aluminiums äussert sich in Lähmung und Somnolenz.

+Das Aluminiummetall ist ungiftig.+

=Eisenvergiftung.= Von den Eisenpräparaten wirken in grösseren Dosen

giftig der +Eisenvitriol+ und der +Liquor Ferri sesquichlorati+.

Dieselben sind reizende und ätzende Gifte für die Magendarmschleimhaut

(+korrosive Gastroenteritis+) und Uterusschleimhaut (+diphtheritische

Endometritis+), sowie für die Leber und Nieren (+Hepatitis+ und

+Nephritis+). Es sind hierüber teils klinische, teils experimentelle

Beobachtungen vorhanden. Danach sterben +Pferde+ nach der innerlichen

Verabreichung von ca. 250 g Eisenvitriol. So beobachtete +Gohier+

bei einem Pferd nach 285 g, bei einem Esel nach 180 g und bei einem

¼jährigen Fohlen nach 90 g Eisenvitriol heftige Darmentzündung mit

tödlichem Ausgange innerhalb 24 Stunden. +Viborg+ sah bei einem älteren

Pferd auf 180 g Erbrechen, Kolik, grosse Schwäche, Verstopfung,

häufiges Urinieren, nach 6 Tagen hatte sich das Tier wieder erholt.

Eine Stute zeigte nach dem Ausspülen des Uterus mit Eisenchloridlösung

heftige Kolik, Krämpfe, Dyspnoe, hohes Fieber, starkes Drängen und

starb nach 48 Stunden; die Sektion ergab diphtherische Endometritis,

sowie hämorrhagische Pleuritis (+Binder+, Tierärztl. Zentralbl.

1894). Drei unter milzbrandverdächtigen Erscheinungen (blutige

Darmentzündung) gestorbene Schafe hatten mit dem Futter zufällig

Eisenvitriol aufgenommen (+Keller+, Preuss. Vet.-Ber. pro 1907).

Bei +Hunden+ entsteht schon von 2 g Eisenvitriol ab Erbrechen und

Magendarmentzündung, nach 8 g der Tod. Beim +Geflügel+ hat man

gelegentlich der Desinfektion der Stallungen mit Eisenvitriol

Erkrankungen infolge Aufnahme desselben beobachtet. Ausserdem

sind Gänse nach der Aufnahme des Abwassers einer mit Eisenvitriol

arbeitenden Imprägnieranstalt für Telegraphenstangen gestorben

(korrosive Entzündung der Schleimhaut des Vormagens).

Bei +subkutaner+ Applikation starben 3 Hunde auf 7,5 g Eisenvitriol

nach 12, 15 und 27 Stunden. Die Sektion ergab Magendarmentzündung und

ausgebreitete Hämorrhagien. +Intravenös+ entsteht beim Pferd nach 5 g

Unruhe, unterdrückte Fresslust und Verstopfung; beim Hunde nach ½ g

Erbrechen und Kolik.

=Silbervergiftung.= Dieselbe bezieht sich meistens auf den

+Höllenstein+ und ist ausschliesslich experimenteller Natur,

soweit sie die Haustiere betrifft. Man unterscheidet eine akute

und chronische Silbervergiftung. 1. Die +akute+ Silbervergiftung

(Höllensteinvergiftung) verläuft unter dem Bild einer

+Gastroenteritis+. Die tödliche Dosis ist sehr variabel je nach

dem Füllungszustand des Magens und der Form, in welcher der

Höllenstein gegeben wird (Stücke, Pulver, Lösung). Einige +Hunde+

starben schon nach 0,75 bis 1,25 g Höllenstein, während andere

vier Tage hintereinander je 4,0 g ertrugen. +Menschen+ starben

nach 10-30 g, +Kaninchen+ auf 4,0 g, +Schafe+ ertragen 4 g. -- Das

Verschlucken silberner Münzen erzeugt, wie klinische Erfahrungen

lehren, keine Silbervergiftung. 2. Die +chronische+ Silbervergiftung

(+Argyriasis+) wird nach fortgesetzter Fütterung von Versuchstieren

mit Silberpräparaten beobachtet. Dieselbe äussert sich in Abnahme

des Körpergewichts, Atrophie des Fettgewebes, chlorotischer

Blutbeschaffenheit, degenerativen Prozessen in den Muskeln und

Körperdrüsen (Leber, Nieren), Albuminurie, Katarrhen des Digestions-

und Respirationsapparates mit profuser Sekretion der Schleimhäute

und sog. Silbersaum des Zahnfleisches (Ag_{2}S), endlich in einer

+Rückenmarksaffektion+ mit Muskel- und Gefühlslähmung, welche

im Hinterteil beginnt und anatomisch in Vakuolenbildung der

Ganglienzellen, Exsudation und Atrophie besteht. Beim Menschen

beobachtet man auch Gehirndepressionserscheinungen nach längerer

Höllensteinanwendung.

Die beim Menschen nach der längeren medikamentellen innerlichen

Verabreichung von Silberpräparaten eintretende +Graufärbung+ der Haut

(Argyrosis) ist keine Vergiftungserscheinung. Sie entsteht infolge

Ablagerung feinster Körnchen von reduziertem metallischem Silber

in die oberste Schichte des Koriums, ins Bindegewebe und in die

Schweissdrüsenknäuel. Diese Schwarzfärbung der Haut findet man nur

beim Menschen nach Verabreichung von ca. 30 g Höllenstein, nicht bei

Versuchstieren (Hunden, Ratten). Dagegen beobachtet man bei Menschen

und Tieren eine +Silberablagerung in inneren Organen+, namentlich in

den Mesenterialdrüsen, in den Adergeflechten, in den Gelenkzotten, auf

den serösen Häuten, in der Glissonschen Scheide der Leber und in den

Glomeruli der Niere; Gehirn und Rückenmark dagegen bleiben ganz frei.

=Chromvergiftung.= Besonders giftige Chromverbindungen sind die

+Chromsäure+ CrO_{3}, das +Kaliumchromat+ K_{2}CrO_{4} und das

+Kaliumdichromat+ oder doppeltchromsaure Kali K_{2}Cr_{2}O_{7}

(starke Oxydationsmittel). Die akute Chromvergiftung äussert sich

in korrosiver Gastroenteritis, parenchymatöser und hämorrhagischer

Nephritis, Albuminurie, Hämaturie, Gelbfärbung der Sklera, Schwindel,

Dyspnoe, Konvulsionen und Koma. Pferde sterben nach der Aufnahme von

15-30 g Kaliumdichromat. Infolge Verwechslung mit Natrium bicarbonicum

starb z. B. ein Pferd nach 30 g Kali dichromicum an hämorrhagischer

Gastroenteritis (+Desoubry+ und +Simmonet+, Rec. 1906). Subkutan können

bei jungen Hunden schon 0,1-0,2 tödlich werden. Nach +Kossa+ erzeugen

die Chromate ausserdem bei allen Warmblütern, namentlich beim Hund,

Glykosurie. Weniger giftig wirken Chromalaun, Chromgrün und Chromgelb

(Bleichromat). Bei der +chronischen+ Chromvergiftung (Menschen in

Chromfabriken) beobachtet man interstitielle Nephritis, sowie Haut- und

Schleimhautgeschwüre (Rhinonekrosis chromica).

=Wismutvergiftung.= Das therapeutisch als Magenmittel und in

der Chirurgie angewandte +Bismutum subnitricum+ kann in grossen

Dosen ein der Quecksilbervergiftung ähnliches Krankheitsbild

erzeugen (Bismutosis). Nach älteren Versuchen zeigten Hunde und

Katzen nach 3-5 g Bismutum subnitricum schwere Vergiftung und

starben nach 15 g sehr rasch (+Orfila+). Diese Wirkungen sind nach

neueren Beobachtungen nicht auf das Wismut, sondern auf die früher

regelmässigen Verunreinigungen des Wismutsalzes mit Arsen, Antimon,

Tellur (sog. Wismutatem) und Blei zu beziehen. Absolut reines

Bismutum subnitricum soll vom Menschen in täglichen Dosen bis zu 20 g

ertragen werden (+Trousseau+). Dagegen wirken +lösliche Wismutsalze+

stark giftig, nach subkutaner Anwendung derselben erfolgt bei

Säugetieren der Tod schon nach 1-2 Tagen unter Krämpfen. Bei der

Sektion findet man den Dickdarm und sein Gekröse intensiv schwarz

gefärbt (Schwefel-Wismut); +auf der Dickdarmschleimhaut sieht man

nekrotische Herde+. Es wird angenommen, dass der Schwefelwasserstoff

des Dickdarms das in den Darmkapillaren gelöst zirkulierende

Wismutsalz als unlösliches Schwefelwismut ausfällt und so eine

Verstopfung der Kapillaren mit konsekutiver Nekrose der Schleimhaut

bedingt, ähnlich wie beim Merkurialismus (+H. Meyer+). Auch sonst

sind die Erscheinungen der Bismutosis denen des Merkurialismus

ziemlich ähnlich. Man beobachtet nämlich ebenfalls +Stomatitis

ulcerosa+, +Schwarzfärbung des Zahnfleisches+, +Darmkatarrh+

und +Nephritis+. Bei Versuchstieren wurden ausserdem +Krämpfe+

beobachtet. Beim Einbringen in die Brust- und Bauchhöhle entstand

Pleuritis bezw. Peritonitis.

=Borvergiftung.= Sowohl die +Borsäure+, als der +Borax+ und andere

Borpräparate sind für Tiere und Menschen giftig. Ein Hund starb nach

30 g Borax an Darmentzündung; Kaninchen sterben nach 2-4 g Borsäure

unter Erscheinungen der Gastroenteritis, Muskel- und Nervenlähmung.

Nach Versuchen von +Annett+ (Lancet 1900) starben 5 junge Ziegen

nach 4wöchentlicher Verabreichung von Milch, welche pro Liter 2 g

Borsäure enthielt, unter den Erscheinungen von Durchfall, Abmagerung

und Mattigkeit. Nach +Puppe+ (Aerztl. Sachverst.-Zeitg. 1907)

zeigten 4 Hunde, welche mit borsäurehaltigem Fleisch (1½ Proz.)

gefüttert wurden, starke Abmagerung und Darmblutungen und gingen

zugrunde (Stoffwechselgift). Auch beim Menschen wirkt die Borsäure

schon in geringen Mengen giftig (+Kobert+, +Schlenker+, +Forster+,

+Rost+, +Kister+, +Mattern+, +Rubner+, +Rosenthal+, +Binswanger+ u.

a.). Versuche im amerikanischen Ackerbauministerium an 12 jungen

Männern (1905) ergaben, dass schon die tägliche Verabreichung von

0,5 Borsäure bei längerer Verabreichung Verdauungsstörungen erzeugt

und das Allgemeinbefinden ungünstig beeinflusst. +Die Schädlichkeit

der Borpräparate als Konservierungsmittel ist im Gegensatz zu

der Behauptung von Liebreich schon in kleinen Dosen als erwiesen

zu erachten.+ Es kommt hinzu, dass die im Handel gebräuchlichen

Fleischkonservierungsflüssigkeiten nicht etwa schwache, sondern

ziemlich konzentrierte, +3-4prozentige Borsäurelösungen+ bilden

(Fasslebern), welche für den Menschen zweifellos gesundheitsschädlich

sind; ein Kilogramm derartig konservierter Fasslebern enthält

30-40 g Borsäure(!). Besonders gefährlich ist die Borsäure sodann

für jugendliche Organismen (Borsäurezusatz zur Kindermilch). In

Deutschland sind daher die Borpräparate als Zusatz zu Nahrungsmitteln

verboten (Bundesratsbeschluss vom 18. 2. 02). Auch die Preuss.

Med.-Deputation hat sich in diesem Sinne geäussert (1907).

=Zinnvergiftung.= Ob Zinnvergiftungen durch zinnhaltige

Nahrungsmittel, Konserven etc. zustande kommen können, wird teils

bejaht (+Kobert+), teils verneint (+Lehmann+). Experimentell ist

jedoch festgestellt, dass +Zinnchlorür+ Hunde in Dosen von 5 g unter

den Erscheinungen der korrosiven Gastroenteritis tötet, und dass

sich durch fortgesetzte Darreichung von Zinnpräparaten bei Hunden

und Katzen eine typische chronische Zinnvergiftung erzeugen lässt,

deren Haupterscheinungen in Ataxie und Motilitätsstörungen bestehen

(+Ungar+ und +Bodländer+).

=Manganvergiftung.= Die löslichen Mangansalze, namentlich das

übermangansaure Kali und das schwefelsaure (früher offizinelle)

Manganoxydul wirken in grösseren Gaben giftig, indem sie Erbrechen,

Lähmung der Motilität und Sensibilität, Ikterus, Leber- und

Nierenentzündung zur Folge haben (ähnlich wie bei Chromvergiftung).

+Carozzo+ (Clin. vet. 1900) sah bei 2 Pferden nach der innerlichen

Verabreichung von 10 g Kalium permanganicum in 1 l Wasser

Muskelzittern, starken Schweissausbruch, Speichelfluss, anämische

Schleimhäute, häufigen Kotabsatz, sowie hohe Puls- und Atemfrequenz;

ein Pferd zeigte ausserdem Manegebewegungen und Blutharnen und starb

nach 5 Tagen unter tiefem Koma.

=Uranvergiftung.= Das Uran ist eines der giftigsten Metalle. Die

Uransalze wirken zunächst stark ätzend (Uranalbuminat); 1 mg Uranoxyd

ist ferner bei subkutaner Applikation pro Kilogramm Körpergewicht

tödlich für Hunde und Katzen. Die Allgemeinerscheinungen

bestehen in Glykosurie, parenchymatöser Degeneration der

wichtigsten Körperorgane, Nephritis, Abmagerung und Inanition.

Die Stoffwechselstörung ist eine Folge der Aufhebung der inneren

Gewebsatmung wie bei Blausäure (+Woroschilsky+).

=Osmiumsäurevergiftung.= Die Osmiumsäure und ihre Salze wirken stark

reizend und ätzend auf Haut und Schleimhäute; selbst durch die Dämpfe

der Osmiumsäure können Schleimhautentzündungen entstehen. Nach der

Resorption erzeugen die Osmiumverbindungen Nephritis, Gastroenteritis

und Pneumonie (Vorsicht beim Mikroskopieren).

Vergiftungserscheinungen bedingen endlich die löslichen Salze des

+Nickels+, +Kobalts+, +Platins+, +Golds+, +Kadmiums+, +Berylliums+,

+Wolframs+, +Molybdäns+, +Zeriums+, +Thalliums+, +Vanadiums+ und

+Siliziums+. Näheres über diese Metallvergiftungen vergl. bei

+Kobert+, Lehrbuch der Intoxikationen.

Kochsalzvergiftung.

=Allgemeines.= Das +Kochsalz+, ClNa, welches aus dem +Steinsalz+ (99%

Chlornatrium) gewonnen und mit rotem Ton, Kohle, Russ, Wermut etc.

vermischt als sog. +Viehsalz+ (denaturiertes Kochsalz) verfüttert

wird, kann als ein Gift im eigentlichen Sinne des Wortes nicht

aufgefasst werden, weil es immer nur in grossen Gewichtsmengen

Krankheitserscheinungen verursacht. Die freiwillige Aufnahme

grösserer, gesundheitsschädlicher Mengen von Kochsalz beobachtet

man namentlich bei Pflanzenfressern, und zwar insbesondere bei den

Wiederkäuern, welche wegen der Salzarmut des Futters eine grosse

Begierde nach Kochsalz haben. Auch Schweine und Hunde erkranken

häufig nach dem Genusse salzhaltiger Küchenabfälle, von Kesselbrühe

(Wurstmacher), Schinkenbrühe, sowie von Salz- und Pökellake. Nicht

selten ereignen sich ferner Vergiftungen durch das unvorsichtige

Verabreichen grösserer Kochsalzgaben als Heilmittel oder Diätetikum.

Allerdings müssen hierbei sehr grosse Mengen gegeben werden, ehe

Krankheitszustände auftreten. Die +tödliche Kochsalzdosis+ beträgt

nämlich für Rinder 1½-3 kg, für Pferde 1-1½ kg. für Schafe und

Schweine 125-250 g, für Hunde 30-60 g (3,7 g pro Kilo Körpergewicht).

Ueber die Vergiftung mit +Heringslake+ vergl. das Kapitel

Fleischvergiftung.

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 14 / 50 段