von Weizen, welcher mit Kupfervitriol gebeizt worden war. Sie
zeigten Verstopfung, Kolik, Fieber, sowie starrkrampfähnliche
Muskelsteifheit. Eines starb, das andere genas, blieb aber noch
einige Wochen hindurch steif (+Landvatter+, Repertorium 1882). --
Von 45 g Kupfervitriol ab zeigten Pferde Vergiftungserscheinungen
(Kolik, Verstopfung, Durchfall) und starben auch zuweilen
(+Hertwig+, Arzneimittellehre 1872). -- Ein Pferd zeigte nach 30
g Grünspan nach 2 Stunden Unruhe, Angst und Kolikerscheinungen;
auf 60 g Grünspan trat schon nach ¼ Stunde Kolik ein, der anfangs
beschleunigte Puls wurde sehr schwach und sank auf 30 Schläge p.
M. Trotz fortgesetzten guten Appetits traten am 6. Tage plötzlich
grosse Schwäche und Krämpfe mit tödlichem Ausgange ein (+Dupuy+,
Journal de Lyon 1830). -- Ein 1½jähriges Fohlen zeigte Erbrechen
nach dem Anlegen von Kluppen, welche mit Kupfervitriol bestrichen
waren (+Georges+, B. T. W. 1895 S. 592). -- Ein 1jähriges Fohlen,
welchem 5 g Kupfersulfat unter die Haut gespritzt wurden, starb schon
am 3. Tage unter hochgradiger Muskelschwäche, Schwanken, Hämaturie
und sehr erheblicher lokaler Anschwellung. Ein anderes 1jähriges
Fohlen erhielt am 1. Tage 1 g Kupfersulfat subkutan, in den nächsten
4 Tagen je ½ g subkutan, worauf es am 9. Tage nach vorausgegangenen
starken und diffusen Anschwellungen starb. Die Sektion ergab Nekrose
und Verkalkung des Nierenepithels in Form von Kalkzylindern (+v.
Kossa+, Zieglers Beitr. z. path. Anat. 1901, 29. Bd. S. 173). --
Bei erwachsenen Pferden sollen 10 g Kupfersulfat subkutan in stark
verdünnten wässerigen Lösungen injiziert, Vergiftungserscheinungen
hervorrufen und 15 g den Tod verursachen. Ein 1jähriges Fohlen zeigte
schon nach der Injektion von 1 g Vergiftungserscheinungen und starb
nach 3 g in 6 Tagen injiziert; die Sektion ergab starke entzündliche
Schwellung und Nekrose an der Injektionsstelle, sowie hämorrhagische
Nephritis und Nierenverkalkung (+Ernst+, Veterinarius 1900). -- 4
Fohlen frassen stark mit Kupfervitriol gebeizten Weizen. Sie zeigten
Durchfall, Lähmung, Krämpfe, gelbrote Schleimhäute und starben an
hämorrhagischer Gastroenteritis (+Reimers+, B. T. W. 1905 S. 789).
2. +Rinder.+ Zwei Bullen im Alter von 18 Wochen erhielten
täglich 2 Mass Leinsamenabkochung mit Milch, welche in kupfernem
Kessel aufbewahrt wurde. Sie erkrankten vorübergehend unter den
Erscheinungen der Indigestion (+Arnold+, Schweizer Archiv 1852).
-- 2 Kühe zeigten auf die zufällige Verabreichung von Kupferoxyd
Kolik, Würgen und Erbrechen (+Bloch+, B. T. W. 1890). -- Ein Rind
erkrankte unter Kolikerscheinungen, nachdem es reichliche Mengen
von Weinlaub gefressen hatte, das zur Abwehr der Reblaus mit
Kupfervitriol bespritzt war (+Padovani+, Giorn. di Vet. mil. 1893).
Einen ähnlichen Fall bei einem Ochsen hat +Plotti+ beschrieben
(Clin. vet. 1899). -- Chronische Vergiftungsfälle in Form von
Diarrhöe, chronischen Verdauungsstörungen, Abortus und Siechtum
hat +Wilhelm+ bei Kühen nach der Aufnahme kupferhaltiger Abwässer
beobachtet (Sächs. Jahresber. pro 1898 S. 132). -- Ein Ochse, dessen
Hörner mit Kupfervitriol angestrichen waren, zeigte Krämpfe und
Speichelfluss (Bull. vét. 1900). -- Nach Verfütterung von Weinlaub,
welches mit 2-6proz. Kupfervitriollösung bespritzt war, erkrankten
im Jahr 1906 zahlreiche Rinder, auch Saugkälber, an Gastroenteritis
unter Speicheln, Erbrechen, Durchfall und Kolik (+Ohler+, Woch.
f. Tierh. 1906). +Ade+ und +Markert+ führen diese Vergiftungen
durch kupferbespritzte Rebenblätter bei den Muttertieren auf eine
kombinierte Kupfer-Toxinwirkung, bei den Saugkälbern auf letztere
allein zurück; +Albrecht+ ist dieser Meinung beigetreten (ibidem).
-- Rinder erkrankten nach dem Genuss von Rüben eines Ackers, auf den
kupferhaltige Abwässer einer chemischen Fabrik abgeleitet wurden
(+Prietsch+, Sächs. Jahresber. 1909).
3. +Schweine.+ Vier Ferkel erhielten gekochte Kartoffeln und
Mohrrüben, welche in einem kupfernen Kessel aufbewahrt worden
waren. Sie zeigten anfallsweise Krämpfe, Taumeln, Zusammenstürzen,
Erbrechen, Lähmung der Zunge und des Schlundkopfes, sowie Aufblähung:
3 davon starben (+Saake+, Magazin Bd. 24). -- Mehrere Schweine
zeigten nach der Aufnahme von Molken, in welchen Kupfergeschirr
behufs Scheuerung über Nacht gelegen war, starke Tympanitis,
Taumeln, Durchfall und Dyspnoe; die Ferkel zeigten Erbrechen,
Krämpfe, Taumeln, Umfallen und plötzliches Verenden (+Eggeling+,
Berl. Arch. 1889). -- 55 Schweine erkrankten nach der Aufnahme
von Molken, welche in Kupfergeschirren gekocht waren; 35 davon
starben. Sie zeigten Kolik, Auftreibung, Durchfall, Kreuzschwäche,
Herzschwäche, schwachen Puls, Dyspnoe, Pupillenerweiterung, Nystagmus
(+Kirst+, Berl. Arch. 1892 S. 458). -- +Lucas+ (Berl. Arch. 1893
S. 312) beschreibt eine Kupfervergiftung bei 2 Schweinen, welche
Futter aus einem mit Grünspan bedeckten Kessel erhalten hatten.
Die Tiere zeigten Zittern, Kolik, Meteorismus, Pupillenerweiterung
und unaufhörliches Blinzeln. Bei der Sektion fand man umfangreiche
Erosionen der Magenschleimhaut, Hyperämie und Entzündung der Lungen
(?). +Jacobi+ (ebendaselbst) hat eine ähnliche Vergiftung bei 2
Schweinen beobachtet; bei der Sektion wurde Magendarmentzündung
konstatiert.
4. +Ziegen.+ Eine Ziege bekam Fleischbrühe, welche in einem kupfernen
Kessel aufbewahrt und sauer geworden war. Dieselbe erkrankte am
3. Tage und starb am 4. 15 Personen, welche die am Tage vor der
sichtbaren Erkrankung gemolkene Milch genossen hatten, erkrankten
an Ekel, Erbrechen, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen (+Frorieps+
Notizen 1828). -- Eine Vergiftung durch Kupfervitriol, welcher mit
Rebenblättern aufgenommen war, hat bei einer Ziege +Latschenberger+
beschrieben (Oesterr. Zeitschr. 1892 S. 210).
5. +Hunde+ sterben, +wenn sie am Erbrechen gehindert werden+, auf
0,6 Kupfervitriol, sowie 0,3-1,0 Grünspan innerhalb 8 Tagen; auf 2 g
Vitriol innerhalb 3 Tagen, nach 30 g Vitriol innerhalb 24 Stunden.
Ist das Erbrechen jedoch ermöglicht und werden die Kupferpräparate
im Futter eingehüllt verabreicht, so werden kleinere Dosen (0,1-1,0
Kupfervitriol) monatelang ertragen. Ein Hund, welcher täglich 4 g
Kupfervitriol erhielt, zeigte erst nach mehreren Wochen Abmagerung
und Diarrhöe und starb schliesslich. +Kupferoxyd+ wirkt für Hunde
tödlich subkutan zu 0,4, intravenös zu 0,025. Der Grünspan tötet
Hunde intravenös in Dosen von 0,01 unter Erbrechen (+Orfila+,
Toxikologie).
6. +Gänse+ starben nach der Verfütterung von Unkraut, das mit
Kupfervitriollösung benetzt war (Tierärztl. Zentralbl. 1897 S. 329).
=Chronische Kupfervergiftung.= Die für den Menschenarzt sehr
wichtige, vielfach in verneinendem Sinn beantwortete Frage des
Vorkommens einer chronischen Kupfervergiftung ist durch Versuche
tierärztlicher Toxikologen (+Ellenberger+ und +Hofmeister+,
+Baum+ und +Seliger+) in bejahendem Sinn gelöst worden. Nach den
Untersuchungen von +Ellenberger+ und +Hofmeister+ (Berliner Archiv
1883) ertragen Schafe längere Zeit kleinere Dosen, erkranken
und sterben dann aber an chronischer Kupfervergiftung. 3 Schafe
erhielten täglich 0,5-3,0 g Kupfervitriol; das eine in 52 Tagen 89
g, das zweite in 114 Tagen 185,5 g, das dritte in 50 Tagen 50 g.
Die wesentlichsten Krankheitserscheinungen waren: +Albuminurie+,
+Ikterus+, +Hämoglobinurie+ und +Hämaturie+. Daneben bestand grosse
Muskelschwäche und Mattigkeit, sowie Abmagerung mit zeitweise
eintretender Verstopfung und Verdauungsstörungen. Bei der Sektion
fand sich konstant eine +hämorrhagische, parenchymatöse Nephritis+,
fettige Degeneration und Ikterus der Leber, körnige Trübung der
Körpermuskulatur und des Herzfleisches, ikterische Verfärbung aller
Organe, akuter resp. chronischer Magendarmkatarrh, Milztumor,
Lungenödem.
Weitere Versuche von +Baum+ und +Seliger+ (Berliner Archiv 1898)
haben diese Befunde im allgemeinen bestätigt. Die genannten Autoren
haben zahlreiche Versuche mit verschiedenen Kupferverbindungen
(Cuprum aceticum, sulfuricum, oleinicum, haemolicum) an Schafen,
Ziegen, Hunden und Katzen angestellt. Ein kleiner Hund erhielt z.
B. 7 Monate lang insgesamt 15 g Kupfervitriol, eine Ziege in 4½
Monaten 65 g Kupfervitriol, eine andere innerhalb eines Jahres 278
g, ein grosser Jagdhund in 47 Tagen 47 g, ein Schaf in 9 Monaten 333
g, eine Katze in 7 Monaten 21 g Kupfervitriol; eine Katze starb,
nachdem sie in 29 Tagen 1 g Grünspan erhalten hatte, eine andere
nach Einverleibung von 10 g Grünspan in 142 Tagen usw. Die von ihnen
aus diesen Versuchen gezogenen Schlüsse sind folgende: „1. Man kann
in einwandsfreier Weise durch längere Zeit fortgesetzte Verabreichung
kleiner, nicht akut reizender Kupfermengen eine wirkliche
+chronische Kupfervergiftung+ im wissenschaftlichen Sinne erzeugen.
2. Die chronische (bezw. subchronische) Kupfervergiftung ist im
wesentlichen dadurch charakterisiert, dass intra vitam Abmagerung,
Schwäche und Aufhören des Appetits der Versuchstiere, vereinzelt
Haarausfall und Krämpfe und schliesslich der Tod eintreten, während
sich durch die Sektion -- und zwar durch die makroskopische und
mikroskopische, verbunden mit der chemischen Untersuchung der
Organe -- in den meisten Fällen ein chronischer, mehr oder weniger
heftiger Dünndarmkatarrh, in allen Fällen krankhafte Veränderung
der Leber und Nieren (parenchymatöse Trübung der Epithelzellen,
parenchymatöse und fettige Degeneration und schliesslich Atrophie
oder Zerfall derselben mit Ablagerung von Blutfarbstoffen, besonders
Hämosiderinmassen) und eine Ablagerung bedeutender Kupfermengen
in der Leber (und wahrscheinlich auch in den Nieren) nachweisen
lassen. Ausnahmsweise, bezw. nicht konstant wiederkehrend, gesellen
sich zu diesen Erscheinungen noch Magenkatarrh, Blutungen im Herzen
und Zwerchfell, starkes Hervortreten der Malpighischen Körperchen
der Milz, Anämie oder auch Hyperämie des Gehirns, krankhafte
Veränderungen des Pankreas. Ausnahmsweise fehlen die erwähnten,
intra vitam zu beobachtenden Erscheinungen gänzlich oder treten erst
ganz kurz vor dem Tode auf. 3. Die Intensität der geschilderten
krankhaften Erscheinungen und Organveränderungen und das zeitliche
Auftreten derselben hängen im wesentlichen von der Tierart, von der
individuell verschiedenen Widerstandskraft einzelner Tiere +einer+
Art und von der Grösse und Art der Kupferpräparate ab, so dass z.
B. Katzen im allgemeinen als die empfindlichsten Tiere und Cuprum
oleinicum als das gefährlichste Präparat anzusehen sind.“ +Baum+
und +Seliger+ haben ausserdem experimentell gezeigt, dass das per
os einverleibte Kupfer in der Regel nicht oder nur in Spuren mit
der +Milch+ ausgeschieden wird, so dass also derartige Milch nicht
gesundheitschädlich wirkt, dass das verabreichte Kupfer dagegen
in grossen Mengen auf den +Fötus+ übergeht und in dessen Organen
abgelagert wird.
Nach +v. Kóssa+ (Zieglers Beitr. z. pathol. Anat. 1901, 29. Bd., S.
172) ist die +Verkalkung der Nieren+ und +Leber+ ein spezifisches
Symptom der chronischen Kupfervergiftung (Cuprum sulfuricum) bei
Versuchskaninchen.
Zinkvergiftung.
=Chemie der Zinkverbindungen.= Das +metallische+ Zink wird
hüttenmännisch aus verschiedenen Zinkerzen dargestellt, so aus dem
+Galmei+ oder Zinkspath, ZnCO_{3}, aus der Zinkblende, ZnS, aus
dem Rohzinkerz, ZnO, und Kieselzinkerz. Es ist an und für sich
ebensowenig giftig wie Kupfer. Bleiben jedoch in Zinkgefässen
saure Speisen längere Zeit stehen, so findet eine teilweise Lösung
des Zinks z. B. zu essigsaurem Zink statt und es können dadurch
Zinkvergiftungen entstehen. Von giftigen Zinksalzen kommen in
Betracht das Zinkoxyd (Zinkweiss), ZnO, ein in Wasser unlösliches,
aber in Säuren lösliches weisses Pulver, das ätzende +Chlorzink+,
ZnCl_{2}, der +Zinkvitriol+, ZnSO_{4} + 7 H_{2}O, charakterisiert
durch seine farblosen, nadelförmigen, ekelhaft schmeckenden
Kristalle, das +essigsaure Zink+, Zn(C_{2}H_{3}O_{2})_{2}, das
+kohlensaure Zink+, ZnCO_{3}, sowie die pflanzensauren Zinksalze.
=Aetiologie der Zinkvergiftung.= Zinkvergiftungen sind bei unseren
Haustieren sehr selten. Sie sind früher häufiger vorgekommen
als jetzt, und zwar namentlich in der Umgebung von Zinkhütten
durch das ablaufende, zinkhaltige sog. +Galmeiwasser+, sowie in
+Hüttenrauchbezirken+ zusammen mit Blei- und Arsenikvergiftungen.
Alle auf zinkreichen Böden wachsenden Pflanzen nehmen Zink auf
(Altenberg bei Aachen). Auch +Verwechslungen+ zwischen dem Zinkvitriol
und dem ebenfalls nadelförmig kristallisierenden Bittersalz können
zu Zinkvergiftungen führen. Vergiftungen durch +zinkhaltige
Nahrungsmittel+ sind bisher nur in einem Fall beobachtet worden, in
welchem 4 Kühe durch den zinkhaltigen Teig vergiftet wurden, welcher
an dem Zinklaufrand von Mühlsteinen klebte (+Hahn+). Es ist ferner von
+Konservenbüchsen+ festgestellt, dass sie mitunter Zink an den Inhalt
(Erbsen) abgeben.
=Krankheitsbild der Zinkvergiftung.= Das Zink wirkt wie das Kupfer
lokal reizend und ätzend (+Gastroenteritis+), allgemein +lähmend+
auf die +quergestreifte Körpermuskulatur+ und auf das +Herz+. Die
Erscheinungen der Zinkvergiftung bestehen daher in +Erbrechen+, Kolik,
Durchfall, +Schwäche-+ und +Lähmungszuständen+, +Herzschwäche+. Bei
längerer Dauer treten ausserdem die Symptome der Anämie und Kachexie
hinzu. Bei der Sektion findet man umschriebene gastroenteritische
Herde und Geschwüre, sowie starke Schrumpfung und Anämie der
Magendarmschleimhaut.
=Behandlung.= Als Gegengifte werden empfohlen +Gerbsäure+, +Schwefel+,
+gebrannte Magnesia+, +Natrium bicarbonicum+, Zuckerwasser, Eiweiss,
Milch, Schleim; symptomatisch Opium, Morphium und Exzitantien.
=Nachweis.= Die +Trennung+ des Zinks von den organischen Substanzen
erfolgt wie beim Kupfer durch Zerstörung der letzteren mittels
+Salzsäure+ und +chlorsaurem Kali+, wodurch das Zink in Chlorzink
übergeführt wird. Das Ausfällen von +weissem Schwefelzink+ durch
Einleiten von +Schwefelwasserstoff+ muss in +essigsaurer+ Lösung
geschehen (Zusatz von essigsaurem Natron). Das schnell abfiltrierte
und mit Schwefelwasserstoff ausgewaschene Schwefelzink ist leicht
löslich in Salpetersäure und warmer Schwefelsäure; die eingedampfte
Lösung wird in Wasser aufgenommen und durch folgende Reaktionen weiter
auf Zink untersucht: a) Kalilauge, Natronlauge und Salmiakgeist fällen
+weisses+ Zinkoxydhydrat. b) Kohlensaures Kali und Natron fällen
+weisses+ basisches Zinkkarbonat. c) Ferrozyankalium fällt +weisses+
Ferrozyanzink. +Quantitativ+ wird Zink als +Schwefelzink+ bestimmt; 100
Teile ZnS enthalten 67 Teile Zink.
=Kasuistik.= 1. +Rinder.+ An den Mühlsteinen wurde der Laufrand
auf einer zolldicken Zinkmasse neu hergestellt. Die an diesem
Zinklaufrande angeklebte Teigmasse abgekratzt und 4 Rindern im
Getränke gegeben, hatte Vergiftungserscheinungen zur Folge. Die
chemische Untersuchung der Teigmasse wies in derselben Zinkoxyd
nach (+Hahn+, Preuss. Mitt. 1877). -- Weidevieh, welches aus den
Wassergruben getränkt wurde, in die Galmeiwasser floss, erkrankte
unter den Erscheinungen einer heftigen Kolik, sowie an mehrere Tage
andauernden Durchfällen. Ebendaselbst erkrankten Gänse und Enten;
sie wurden taumelig, liessen die Köpfe hängen und verendeten rasch
(+Przybilka+, Magazin Bd. 18).
2. +Schweine.+ Mehrere Schweine krepierten, nachdem sie auf einer
Wiese in der Nähe von Zinkhütten geweidet hatten. Sie zeigten 3
Wochen hindurch Abmagerung, Anämie, Mattigkeit, schwankenden Gang,
Durchfall, Appetitlosigkeit, Stöhnen und starben nach 6 Wochen.
Bei der Sektion fand man den Darmkanal zusammengeschrumpft und die
Magenschleimhaut ganz weiss gefärbt (+Weynen+, Veterinärbericht 1839).
3. +Hunde.+ Nach der Anwendung von Zinkoxyd gegen Ekzem erkrankte
ein Hund an Kolikerscheinungen, Schwellungen am Kopf und Sinken der
Innentemperatur; ausserdem zeigten eine Taube und eine Ente nach
der Aufnahme von Zinkoxyd starkes Erbrechen (+Boucher+, Journ. de
Lyon 1893). Sonst liegen nur experimentelle Untersuchungen vor.
Ein Hund zeigte auf 30 g Zinkvitriol Erbrechen und Mattigkeit,
genas aber wieder; bei unterbundenem Schlunde erfolgte jedoch
bei dieser Dosis der +Tod+ nach 3 Tagen. Subkutan töteten 4-6 g
Zinkvitriol Hunde innerhalb 5-6 Tagen nach vorausgegangener Lähmung
und Erbrechen (+Orfila+). Intravenös hatten 0,2-0,4 g Zinkvitriol
Erbrechen und Lähmung zur Folge. 9-18 g Zinkoxyd erzeugten Erbrechen
und Gastritis. Ein Hund, welcher in 4 Monaten 72 g Zinkoxyd mit
der Nahrung erhielt, zeigte Erbrechen, grosse Schwäche, Zittern,
vom 3. Monate ab Krämpfe und Stumpfsinn. Bei der Sektion zeigte
sich Gastroenteritis (+Michaelis+). -- Beim +Menschen+ beobachtet
man nach sehr langer Aufnahme kleinster Zinkmengen (zuweilen erst
nach 10 Jahren bei Zinkarbeitern) Erscheinungen einer chronischen
Rückenmarksaffektion sowohl an den Vorder- als an den Hintersträngen,
welche sich in Hauthyperästhesie und späterer Anästhesie,
gesteigerter Reflexerregbarkeit, krampfhaften Muskelzuckungen, Ataxie
und schliesslicher lähmungsartiger Schwäche äussern.
Brechweinsteinvergiftung.
=Chemie.= Der Brechweinstein ist ein +Antimonsalz+, nämlich
eine Verbindung von Antimonoxyd und Weinstein von der Formel:
C_{4}H_{4}O_{4}(OK)(O.SbO). Seine Giftwirkung ist eine
Antimonwirkung. Er bildet ein weisses, kristallinisches, etwas
verwitterndes Pulver, welches in 17 Teilen kaltem, sowie in 3 Teilen
heissem Wasser löslich ist und beim Erhitzen verkohlt. Mit Kalkwasser
gibt er einen weissen (weinsaurer Kalk), mit Schwefelwasserstoff
einen orangeroten Niederschlag von Schwefelantimon (Sb_{2}S_{5}).
Ausserdem werden seine Lösungen durch Gerbsäure gefällt.
=Aetiologie der Brechweinsteinvergiftung.= Der Brechweinstein,
welcher als Antimonverbindung zu den giftigsten Metallsalzen gehört,
kann ausser einer zu +hohen Dosierung+ auch durch die +Form+ seiner
Anwendung eine Vergiftung herbeiführen, wenn er nämlich in ungelöstem
Zustand verabreicht wird und dadurch ätzend wirkt in Dosen, die an
und für sich nicht giftig wirken. Ausserdem wird die Giftigkeit
des Brechweinsteins erheblich gesteigert durch die gleichzeitige
Verabreichung von Aloe (vergl. S. 111). +Am empfindlichsten gegen
den Brechweinstein sind Pferde.+ Sie sterben durchschnittlich nach
Einzelgaben von 15-30 g, namentlich dann, wenn der Brechweinstein in
+nüchternem+ Zustand verabreicht wird (die therapeutische Einzeldosis
beträgt für Pferde 2-10 g, die therapeutische Tagesdosis 10-15 g). Viel
weniger empfindlich sind Rinder, welche selbst Gaben von 50 g ohne jede
sichtbare Reaktion ertragen; dasselbe gilt für Schafe, welche erst auf
zirka 25 g Brechweinstein sterben. Schweine und Hunde sind ebenfalls
weniger empfindlich, weil sie sich erbrechen können. Hunde blieben z. B.
nach 4 g Brechweinstein am Leben, wenn sie sich erbrachen, während sie
bei unterbundenem Schlund schon nach ¼ oder ½ g starben.
In einzelnen Fällen hat man beobachtet, dass bei Kühen, welchen
Brechweinstein eingegeben wurde, die +Milch+ giftige Eigenschaften
zeigte. So erkrankten Ziegenlämmer und Hunde an heftigem Durchfall, als
sie die Milch einer mit grösseren Mengen Brechweinstein behandelten Kuh
gefüttert erhielten (+Harms+).
=Krankheitsbild.= Der Brechweinstein wirkt +ätzend+ auf die Schleimhaut
des Digestionsapparates und erzeugt daher zunächst das Krankheitsbild
einer +korrosiven Gastroenteritis+. Nach seiner Resorption äussert
sich die Antimonwirkung ähnlich wie die Arsenikwirkung vorwiegend in
einer +Lähmung des Herzmuskels+, sowie in gesteigerter Sekretion aller
+Körperdrüsen+ mit nachfolgender Verfettung derselben. Der Tod erfolgt
unter den Erscheinungen einer +allgemeinen Lähmung+. Demnach sind die
Einzelerscheinungen folgende. Hat der Brechweinstein in Substanz (in
ungelöstem Zustand, z. B. in Latwergen) oder in konzentrierten Lösungen
auf die Maulschleimhaut eingewirkt, so erzeugt er zunächst eine
+ulzeröse Stomatitis+ mit Geschwürsbildung und starkem Speicheln. Die
spezifische Wirkung auf den Magen besteht bei Schweinen, Hunden, Katzen
und beim Geflügel in +Erbrechen+. Letzteres wurde vereinzelt auch
bei Pferden beobachtet. Die Darmwirkung äussert sich in +Durchfall+
und +Kolikerscheinungen+. Nach der Resorption des Brechweinsteins
treten die Erscheinungen der +Herzlähmung+ in den Vordergrund des
Krankheitsbildes. Die Herztätigkeit ist anfangs beschleunigt, später
verlangsamt, der Puls sehr schwach, unregelmässig und aussetzend. Die
Atmung ist infolge der Herzschwäche und der dadurch bedingten Stauung
des Blutes in der Lunge erschwert; bei längerer Dauer der Vergiftung
kann sich selbst eine +hypostatische Lungenentzündung+ ausbilden. Dazu
kommen +Schwindelanfälle+, +Zittern+ und +Krämpfe+. Der Tod erfolgt
entweder langsam unter zunehmender +Mattigkeit+ oder plötzlich infolge
von +Herzlähmung+.
Bei der +Sektion+ findet man +hämorrhagische Entzündung+ und
+Diphtherie+ der Digestionsschleimhaut, namentlich im +Magen+ und
im +Dünndarm+, Lungenhyperämie, hämorrhagische Infarkte und selbst
Entzündung der Lunge, Verfettung des Herzmuskels und der Körperdrüsen.
=Behandlung.= Das wichtigste Gegenmittel gegen Brechweinstein ist die
+Gerbsäure+ (Bildung von unlöslichem Antimontannat). Man gibt sie
entweder in Form des reinen Tannins oder gerbstoffhaltiger Abkochungen
(Eichenrinde, Weidenrinde, Chinarinde, Kaffee, Salbeiblätter,
Tormentillwurzel). Ausserdem verabreicht man +einhüllende+ Mittel:
Eiweiss, Schleim, Oel. Von sonstigen chemischen Antidoten, welche
den Brechweinstein zersetzen, sind zu nennen: kohlensaures Natron,
verdünnte Säuren, Schwefel, Schwefelleber. Die Kolikanfälle behandelt
man +symptomatisch+ mit Opium oder Morphium, die Herzschwäche mit
Koffein, Atropin, Hyoszin, Aether, Kampfer oder Alkohol.
=Nachweis.= Die +Trennung+ des Antimons von seinen organischen
Verbindungen wird in derselben Weise durch +Zerstörung der
organischen Substanzen+ mittels Chlor ausgeführt, wie beim Arsenik.
+Schwefelwasserstoff+ fällt dann aus der (schwach) salzsauren Lösung
+orangegelbes Schwefelantimon+, welches sich in +Salzsäure+ beim
+Erwärmen leicht löst+, während es in Aetzammoniak und Lösungen von
saurem schwefligsaurem Natron fast unlöslich ist (in Schwefelalkali
und Schwefelammonium ist es wie Schwefelarsen löslich). Im Marshschen
Apparat verwandelt es sich in Antimonwasserstoff, welcher einen
+Antimonspiegel+ beim Erhitzen liefert. +Dieser Antimonspiegel löst
sich im Gegensatz zum Arsenspiegel nicht in unterchlorigsaurem
Natron+, entwickelt auch beim Verdampfen +keinen+ Knoblauchgeruch.