Eine weitere Ursache der Arsenikvergiftungen ist endlich in

+fehlerhafter Dosierung+ seitens des behandelnden Tierarztes zu suchen.

Eine solche kann entweder bei der innerlichen Anwendung des Arseniks

als Wurmmittel und Plastikum, oder bei der chirurgischen Applikation

desselben als Aetzmittel vorkommen. Auffallenderweise differieren

die Angaben der einzelnen Beobachter über die Höhe der tödlichen

Arsenikdosis sehr bedeutend. So wird von +Gohier+ berichtet, dass

Pferde selbst nach einer Gabe von 30 Gramm Arsenik gesund blieben,

während andere (+Walch+) schon nach 3 Gramm Arsenik Pferde sterben

sahen. In ähnlicher Weise sollen Rinder und Schafe das eine Mal Gaben

von 30 Gramm Arsenik und darüber gut ertragen haben, während sie ein

anderes Mal nach 5 Gramm starben. Die Erklärung dieser abweichenden

Angaben ist in verschiedenen Umständen zu suchen. Zunächst wirkt der

Arsenik von der Haut, das heisst von Wunden aus, etwa 10mal stärker

als vom Magen aus. Es sind ferner alle Arseniklösungen, namentlich

die Lösungen in Säuren und Alkalien (Arsenikessig, Liquor Kalii

arsenicosi), wegen der leichten Resorptionsfähigkeit giftiger als

der Arsenik in Substanz. Ebenso ist gepulverter Arsenik leichter

resorbierbar und daher wirksamer als Arsenik in Stücken; während

letztere mehr eine lokale, ätzende Wirkung besitzen, bedingen der

gepulverte und gelöste Arsenik sehr rasch eine Allgemeinvergiftung.

Weiter kommt in Betracht, dass die im Handel befindlichen

Arsenikpräparate eine sehr verschiedene Löslichkeit besitzen und

ausserdem nicht selten mit ungiftigen Stoffen (Gips) verunreinigt

sind. Schliesslich ist, wie bei allen Giften, der Füllungszustand des

Magens und Darmes in Betracht zu ziehen; damit hängt auch die Tatsache

zusammen, dass die Wiederkäuer im allgemeinen wegen der Verteilung

des Arseniks in den grossen Futtermassen des Pansens gegen denselben

widerstandsfähiger sind, als Fleischfresser und Pferde. Im Durchschnitt

beträgt die +tödliche Arsenikdosis+

bei +innerlicher+ Verabreichung von +Wunden+ aus

für Rinder 15-30,0 2,0

„ Pferde 10-15,0 2,0

„ Schafe und Ziegen 10-15,0 0,2

„ Schweine 0,5- 1,0 0,2

„ Hunde 0,1- 0,2 0,02

„ Hühner 0,1- 0,15 0,01

„ Tauben 0,05- 0,1 0,005

=Krankheitsbild der Arsenikvergiftung.= Die einzelnen Fälle von

Arsenikvergiftung zeigen nach Symptomen und Verlauf grosse

Verschiedenheiten. Während bei Aufnahme des Arseniks per os zuerst

gastrische und dann allgemeine Erscheinungen auftreten, fehlen erstere

zuweilen, aber nicht immer, bei epidermatischer Anwendung des Giftes.

Es ist ferner ein wesentlicher Unterschied zwischen dem Krankheitsbild

der akuten und dem der chronischen Arsenikvergiftung. Im übrigen haben

die Symptome der Arsenikvergiftung grosse Aehnlichkeit mit denjenigen

der Phosphorvergiftung; auch der Arsenik wirkt örtlich reizend und

ätzend und ruft nach seiner Resorption Nekrobiose und Verfettung der

wichtigsten Körperdrüsen, des Herzmuskels und der Skelettmuskeln hervor.

1. +Symptome der akuten Arsenikvergiftung.+ Die ersten

Krankheitserscheinungen nach der Aufnahme des Arseniks bestehen in

+Erbrechen+, Speicheln, Würgen, +Kolik+, Verstopfung; später kommt ein

hochgradiger, übelriechender, häufig blutiger +Durchfall+, zuweilen

auch Blutharnen hinzu. Dabei sind die Tiere oft aufgeregt und in

Angst, die Schleimhäute sind hochrot und zuweilen gelbbraun gefärbt.

Bei subakutem Verlauf beobachtet man ferner bei manchen Rindern

und Schafen eine phlegmonöse, schmerzhafte Anschwellung hinter dem

Schaufelknorpel des Brustbeins mit Abszedierung und Bildung einer

+Labmagenfistel+ oder +Vorfall+ des +Labmagens+ (seltener der Haube),

wenn nämlich ein Stückchen Arsenik die Labmagenwandung durchgeätzt und

eine Perforation herbeigeführt hat. Die Allgemeinerscheinungen äussern

sich in einer +lähmungsartigen Schwäche+ der gesamten Körpermuskulatur,

in Schwanken, Taumeln, psychischer Depression, Pupillenerweiterung,

sowie in +Herzschwäche+ (sehr frequenter, schwacher und selbst

unfühlbarer Puls, Kälte der extremitalen Teile, abgeschwächter oder

unfühlbarer Herzschlag). Meist ist auch die Atmung sehr beschleunigt

und angestrengt. Der Tod erfolgt in den sehr seltenen perakuten Fällen

schon innerhalb weniger Stunden (Asphyxia arsenicalis), bei langsamerem

Verlauf in einigen Tagen unter den Erscheinungen eines +allgemeinen

Komas+. -- Bei äusserlicher Anwendung des Arseniks findet man lokal

die Erscheinungen der Entzündung und Verschorfung; innerlich treten

bald nur die Erscheinungen der Lähmung, bald jedoch auch heftige

gastroenteritische Symptome auf.

2. +Symptome der chronischen Arsenikvergiftung.+ Dieselbe kommt als

sog. „+Hüttenrauchkrankheit+“ im Bereich der Freiberger Hüttenwerke

vor und verläuft unter dem Bild einer +chronischen Kachexie+. Die

Rinder gehen in der Ernährung zurück, werden auffallend mager, zeigen

das Bild der +Harthäutigkeit+ und des +chronischen Ekzems+ (starke

Hautabschuppung), +chronischen Husten+ und +anhaltende Durchfälle+,

leiden an Störungen im +Sexualsystem+ (Abortus, Sterilität,

Nichtabgang der Nachgeburt, Uteruskrankheiten, Milchmangel) und gehen

schliesslich infolge einer allmählich zunehmenden +lähmungsartigen

Schwäche+ (Arseniklähmung, Tabes arsenicalis), zuweilen auch unter den

Erscheinungen der +allgemeinen Wassersucht+, zugrunde. Die Dauer dieser

Krankheitserscheinungen kann einige Jahre betragen.

=Arseniklähmung (Paralysis arsenicalis).= Sie kommt vereinzelt bei

akuter, meist jedoch bei +chronischer+ Arsenikvergiftung vor. Beim

Menschen geht gewöhnlich eine Anästhesia dolorosa arsenicalis voraus.

Die Arseniklähmung kann motorisch oder sensibel auftreten, und auch

als Hemiplegie, Hemianästhesie, Amaurosis, Lähmung der Stimmbänder,

Anaphrodisie etc. verlaufen. Meist führt sie zu Muskelatrophie und

Kontrakturen. Zuweilen entwickelt sich die Arseniklähmung aus einer

multiplen Neuritis. Auch bei Tieren lässt sich experimentell eine der

Arsenikparalyse des Menschen ähnliche Lähmung erzeugen, welche mit

gleichzeitiger Atrophie der Hinterbeine verläuft; bei der Sektion

findet man die Muskeln und peripheren Nerven atrophisch, erstere

unter dem Bilde der Koagulationsnekrose (+Alexander+). Auch in der

grauen Substanz des Rückenmarks hat man degenerative Veränderungen

nachgewiesen.

=Sektionsbefund.= Die anatomischen Veränderungen bei der +akuten

Arsenikvergiftung+ bestehen in Rötung, Schwellung, Ekchymosierung

und +Anätzung+ der +Magenschleimhaut+. Bei Rindern beobachtet man

zuweilen Verätzungen der Labmagenschleimhaut mit Geschwürsbildung

und Perforation des Pansens, des Labmagens und der Bauchwand.

Charakteristische Allgemeinveränderungen sind die +fettige

Degeneration+ der +Magendrüsen+ (Gastritis glandularis), die

+Verfettung+ der +Leber+, +Nieren+, des +Herzmuskels+ und anderer

Organe. Mitunter beobachtet man bei Arsenikkadavern Mumifikation. Bei

der +chronischen Arsenikvergiftung+ findet man ältere +Geschwüre+

und +Narbenbildung+ im Labmagen und Dünndarm, Geschwüre auf der

Trachealschleimhaut, starke Abmagerung, allgemeine Hydrämie und endlich

als sekundäre Erscheinung +Lungentuberkulose+ (tuberkulöse käsige

Pneumonie).

=Behandlung.= Das älteste Gegengift des Arseniks ist das sog.

+Antidotum Arsenici+. Es besteht aus einer Auflösung von

+Eisenoxydhydrat+ in Wasser (Ferrum hydricum in aqua) und soll

dadurch wirken, dass es mit dem Arsenik einen schwerlöslichen und

daher ungiftigen Niederschlag von basisch arsenigsaurem Eisenoxyd

bildet(?). Es wird frisch dargestellt aus einer wässerigen Lösung

von Liquor Ferri sulfurici oxydati (100 : 250) mit einer Mischung

von Magnesia usta in Wasser (15 : 250). Die Dosis beträgt für Hunde

viertelstündlich einen Esslöffel, für Pferde und Rinder ¼-1 l. Auch

gewöhnliches +Eisenpulver+, Eisenfeile, Hammerschlag, das Löschwasser

der Schmiede und andere Eisenpräparate, wie z. B. +Ferrum oxydatum

saccharatum+, sind als Gegenmittel zu gebrauchen. Ein wirksameres

chemisches Antidot ist die +gebrannte+ und die +kohlensaure Magnesia+

(Bildung unlöslicher arsenigsaurer Magnesia). Man gibt von Magnesia

usta Hunden viertelstündlich ½-1 g, Pferden und Rindern 10-20 g,

mit der 20fachen Menge Wasser zusammen (sog. Magnesiahydrat). Auch

+Schwefel+, +Schwefelleber+ und +Schwefeleisen+ kann als Gegenmittel

gegeben werden (Bildung von Schwefelarsen). Als einhüllende Mittel

verabreicht man Eiweiss und Schleim. Gegen die Lähmungszustände werden

Exzitantien (Aether, Alkohol, Wein, Atropin, kohlensaures Ammonium,

Koffein) angewandt. Alkalien sind wegen der Beförderung der Resorption

zu vermeiden (Bildung leicht löslicher arsenigsaurer Alkalien).

=Arsenwasserstoff.= Der Arsenwasserstoff, AsH_{3}, besitzt eine

vom Arsenik ganz wesentlich verschiedene Giftwirkung. Er ist eines

der stärksten +Blutgifte+, welches die roten Blutkörperchen sehr

rasch auflöst und Hämoglobinämie erzeugt. Schon wenige Milligramm

töten den Menschen (Darstellung von Wasserstoff aus arsenhaltigem

Zink); über 30 Vergiftungsfälle beim Menschen sind nach +Kobert+

bekannt geworden. Bei der Sektion findet man Ikterus, Schwellung der

Milz und Leber sowie Hämoglobin-Infarkte der Niere; der Harn ist

dunkelrot (+Hämoglobinurie+), häufig besteht Strangurie und Anurie.

Der Gallefarbstoffgehalt der Galle ist um das 10-20fache vermehrt

(+Pleiochromie+); die Galle ist teerartig, zähflüssig. Besonders

empfindlich gegen AsH_{3} zeigten sich bei den Versuchen Katzen. Das

einzige Gegenmittel bildet die Kochsalzinfusion. Aehnlich wie AsH_{3}

scheint SbH_{3}, der Antimonwasserstoff, zu wirken; dagegen zeigt der

Phosphorwasserstoff, PH_{3}, eine reine Phosphorwirkung (vgl. S. 56).

=Nachweis.= Werden bei der Sektion kleinere Stücke von Arsenik im Magen

oder Darm vorgefunden, so genügen zum Nachweis des Arseniks einige

+allgemeine Arsenikreaktionen+. Soll dagegen der Arsenik in den Organen

(Leber, Nieren, Blut, Muskeln) nachgewiesen werden, so ist hierzu

zunächst die Zerstörung der organischen Substanz erforderlich, worauf

die spezielle Untersuchung im +Marshschen Apparat+ folgt.

1. +Allgemeine Arsenikreaktionen.+ Die wichtigsten derselben sind

folgende: a) Auf +glühenden Kohlen+ entwickeln Arsenikstücke

Arsendämpfe, welche nach +Knoblauch+ riechen. b) Mit +essigsaurem Kali+

in einem Röhrchen erhitzt entwickelt der Arsenik den charakteristischen

Geruch nach +Kakodyl+. c) +Salpetersaures Silberoxyd+ gibt in der

Lösung der arsenigsauren Alkalien einen +gelben+ Niederschlag von

arsenigsaurem Silberoxyd (statt Höllenstein kann auch Sublimat

genommen werden). d) +Schwefelsaures Kupferoxyd+ gibt in der genau

mit Ammoniak neutralisierten wässerigen Lösung des Arseniks einen

+hellgrünen+ Niederschlag von arsenigsaurem Kupfer (Scheeles Grün),

welcher sich in überschüssigem Ammoniak mit dunkelblauer Farbe löst.

e) +Schwefelwasserstoff+ gibt mit freier arseniger Säure und ihren

mit Salzsäure angesäuerten Alkalisalzen einen +gelben Niederschlag+

von dreifach Schwefelarsen (As_{2}S_{3}), welcher in Schwefelammonium

und Alkalien löslich ist. f) Eine Lösung von +Zinnchlorür+ (S =

1,45) zerlegt den Arsenik zu +schwarzbraunem+, metallischem Arsen

(schwarzbraune Flocken). g) Ein +blankes Kupferblech+ überzieht sich

in der mit Salzsäure versetzten Lösung der arsenigen Säure mit einem

+grauweissen+ Beschlag (Arsen-Kupferlegierung). Dieser Beschlag tritt

auch bei Quecksilber und Antimon auf, weshalb diese Reaktion für sich

+allein+ zum Nachweis des Arsens nicht genügt.

2. +Der Nachweis des Arseniks im Marshschen Apparate.+ Demselben geht

die Trennung des Arsenmetalls von den organischen Beimengungen voraus.

Diese Trennung geschieht durch Zerstören der letzteren mit +Salzsäure+

und +Kali chloricum+ (Chlor) oder durch Verpuffen mit +Salpeter+.

Die letztere Zerstörungsmethode ist anzuwenden, wenn die organischen

Massen durch Chlor schwer zu zerstören sind (grosse Körpermassen,

Knorpel, Knochen, Sehnen); aus dem Verpuffungsrückstande müssen vor

der Fällung mit Schwefelwasserstoff die Nitrate und Nitrite durch

Erhitzen mit überschüssiger Schwefelsäure entfernt werden. Hierauf

wird der Rückstand mit dem 10fachen Volum destillierten Wassers gelöst

und in der beschriebenen Weise mit Schwefelwasserstoff behandelt,

wonach ein +gelber+ (blassgelber bis zitronengelber) Niederschlag von

+Schwefelarsen+ (As_{2}S_{3} + As_{2}S_{5}) entsteht. +Der Niederschlag

von Schwefelarsen muss zur weiteren Untersuchung im Marshschen Apparate

vorher wieder löslich gemacht werden+ (Umwandlung des Schwefelarsens

in Arsenik oder Arsensäure). Dies geschieht +entweder+ dadurch,

dass man ihn in Aetzammoniak löst, mit gleichen Teilen kohlensaurem

Natron und dem doppelten Gewichte Natronsalpeter mischt, trocknet,

im Porzellantiegel verpufft; +oder+ durch wiederholtes Abdampfen

mit stärkster Salpetersäure bis zum Zurückbleiben eines hellgelben

Niederschlages, welcher mit Aetznatron neutralisiert, mit kohlensaurem

Natron und Natronsalpeter gemengt und dann verpufft wird; +oder+ durch

Auflösen in Aetzammoniak, Neutralisieren mit Schwefelsäure, Uebersäuern

und Erhitzen unter Zusatz von einigen Zentigramm gepulverten

Natronsalpeters; +oder+ durch Auflösen mit Brom und nachheriges

Entfernen des überschüssigen Broms durch leichtes Erwärmen.

Sodann erfolgt die eigentliche Untersuchung des in Lösung (As_{2}O_{3},

As_{2}O_{5}) übergeführten Arsenniederschlags im +Marsh+schen

+Apparate+. Derselbe +reduziert+ zunächst die Oxyde des Arsens durch

+Wasserstoff+ unter Bildung von +Arsenwasserstoff+ und zerlegt

dann den Arsenwasserstoff durch +Glühen in metallisches Arsen+,

welches als sog. „+Arsenspiegel+“ sich am Glasrohr niederschlägt.

+Metallisches Arsen oder Schwefelarsen werden im Marshschen Apparate

nicht zu Arsenwasserstoff umgewandelt, können also in demselben nicht

untersucht werden.+ Der Arsenwasserstoff kann auch +angezündet+ werden,

wobei er zu Arsen und Wasser verbrennt; das +Arsenmetall+ schlägt

sich dann an einer in die Flamme gehaltenen +Porzellanplatte+ als

+Beschlag+ nieder. Das Verfahren ist im einzelnen folgendes: In eine

geräumige, nur bis zu einem Drittel zu füllende, mit einem doppelt

durchbohrten Korke oder mit mehreren Oeffnungen versehene Flasche

wird der gelöste Arsenniederschlag mit chemisch reinem Zink und

verdünnter +Schwefelsäure+ (1 : 8) versetzt. Durch die eine Oeffnung

des Korks wird ein bis zum Boden der Flasche gehendes +Trichterrohr+

zum Nachfüllen der Säure eingebracht; die andere Oeffnung enthält ein

kreisförmig gebogenes Rohr, durch welches der Arsenwasserstoff in ein

mit +Chlorkalzium+ (Entwässerung des Arsenwasserstoffs) gefülltes

Glasrohr geleitet wird. Von hier tritt der Arsenwasserstoff dann in

das zum +Erhitzen+ bestimmte ½-¾ m lange, arsen- und bleifreie, 5-7 mm

weite und 1½ mm dicke, an seinem Ende in eine feine Spitze ausgezogene,

schwer schmelzbare Glasrohr, welches mittelst des +Bunsenschen

Brenners+ an einer Stelle bis zur Rotglühhitze geglüht wird, worauf

sehr bald hinter dieser Stelle der +Arsenspiegel+ als metallischer

Anflug auftritt. +Erhält man nach stundenlangem Durchleiten keinen

Anflug, so ist bestimmt kein Arsen vorhanden.+

Um sicher festzustellen, dass der Metallanflug in der Glasröhre aus

+Arsen+ besteht, ist eine genaue Prüfung des „Arsenspiegels“ notwendig.

Derselbe soll eine +graue+ oder braune, metallglänzende Masse +hinter+

der erhitzten Stelle bilden, welche unter der Lupe nicht aus Kügelchen

(Quecksilber) bestehen und an den Rändern nicht geschmolzen sein soll

(Antimon). +Beim Betupfen mit unterchlorigsaurem Natron soll der

Arsenspiegel fast momentan verschwinden+ (im Gegensatz zu Antimon).

Ausserdem soll nach Betupfen mit wenig +Schwefelammoniumlösung+ und

+vorsichtigem+ Erhitzen ein +gelber+ Rückstand von Schwefelarsen

bleiben (Schwefelantimon ist orangegelb). Endlich gibt der Arsenspiegel

beim Verdampfen (Erhitzen der Glasröhre) einen charakteristischen

+Knoblauchgeruch+.

3. +Die quantitative Arsenikbestimmung.+ Quantitativ wird das Arsen

entweder annähernd nach der +Grösse+ des Arsenspiegels oder genauer als

+arsensaure Ammoniakmagnesia+ (die mit Salzsäure und chlorsaurem Kali

behandelte Masse wird mit Ammoniak und Magnesiamischung gefällt, der

Niederschlag wiederum mit Salzsäure und chlorsaurem Kali behandelt und

gefällt, darauf gereinigt, filtriert, mit Ammoniakwasser ausgewaschen

und gewogen; er enthält 60,53 Prozent Arsensäure = 39,477 Arsen),

oder als +Arsensulfür+ bestimmt (Einleiten von Schwefelwasserstoff

in die salzsaure Lösung, Filtrieren, Reinigen, Auswaschen, Wägen des

Niederschlages; 100 Teile Arsensulfür (As_{2}S_{3}) = 61 Teile Arsen).

4. +Der biologische Nachweis des Arsens.+ Verschiedene Schimmelpilze,

namentlich das Penicillium brevicaula, entwickeln bei ihrem Wachstum

in arsenhaltigen Nährstoffen gasförmige, nach +Knoblauch+ riechende

Arsenverbindungen (sog. Arsenpilze). Diese Wirkung der Schimmelpilze

ist schon früher als ätiologisches Moment bei der Entstehung von

Arsenvergiftungen in Zimmern mit arsenhaltigen Tapeten bekannt

gewesen. Neuerdings wird dieselbe zum Nachweis von Arsenik im Harn

etc. empfohlen (+Gosio+, +Ebel+, +Buttenberg+, +Hausmann+ u. a.).

Die zu untersuchenden Massen werden mit sterilisiertem Brotbrei und

einer Aufschwemmung einer sporenhaltigen Schimmelkultur zusammen in

einem Kolben bei 37° im Brutschrank gehalten, worauf nach 1-3 Tagen

der charakteristische widerliche Knoblauchgeruch auftritt (noch bei

1/100000 g Arsenik). Die gasförmigen Arsenikverbindungen lassen sich

dann ausserdem auch chemisch im +Marsh+schen Apparat nachweisen.

=Kasuistik.= Die tierärztliche Literatur enthält eine grosse Anzahl

sowohl klinischer als experimenteller Beobachtungen über akute und

chronische Arsenikvergiftungen. Ein Teil derselben soll hier im

Auszuge wiedergegeben werden.

1. +Pferde.+ 15 Pferde erhielten aus Versehen je etwa 80 g Arsenik;

12 davon starben innerhalb 4 Tagen (nach 20, 36, 48, 72, 96 Stunden).

Die Erscheinungen bestanden in starker Rötung der Konjunktiva,

Kolik, Zittern, Schweissausbruch, unfühlbarem Puls. Die Fäzes wurden

unter heftigen Anstrengungen abgesetzt und hatten einen deutlichen

Knoblauchgeruch. Bei denjenigen Pferden, welche über 36 Stunden am

Leben blieben, trat infolge von Verätzung der Magenwand eine Lähmung

des Magens ein (+Nodet+, Recueil 1884). -- Ein Pferd hatte wiederholt

von seinem Besitzer täglich 6 g Arsenik erhalten. Dasselbe war in

einem Zustande starker Aufregung, speichelte sehr stark, frass nicht,

die Haare waren gesträubt, die Extremitäten kühl, der Puls schwach,

die Konjunktiven geschwollen und gelblichbraun gefärbt, die Pupillen

erweitert, die Peristaltik vermehrt, der Kot dünnflüssig, schleimig

und sehr übelriechend, der Gang taumelnd, die Gliedmassen steif, die

Atmung stark beschleunigt und erschwert, der Körper mit Schweiss

bedeckt; das Tier zeigte bald Kolikerscheinungen, bald lag es mit

gestreckten Gliedmassen, ohne dass es zum Aufstehen veranlasst werden

konnte. Das Pferd wurde geheilt (+Michaud+, Schweizer Archiv 1883).

-- Ein Pferd, welches von seinem Wärter Kobalt (schwarzen Schwefel)

erhalten hatte, starb nach wenigen Stunden an heftiger Kolik; die

Sektion ergab Entzündung und Ulzeration im Magen und Blinddarm

(+Tombs+, The Veterinary Record 1849). -- 3 Pferde erhielten täglich

eine Messerspitze voll Operment auf das Futter (in 5 Tagen zusammen

etwa 250 g). 3 Tage darauf erkrankte das erste, am 4. Tage die beiden

anderen. Die Krankheitserscheinungen bestanden in Schäumen, Kolik

(am 5. Tage), Drängen auf den Kot, vermehrtem Urinieren, kalten

Extremitäten, Pupillenerweiterung. Die Sektion ergab Gastroenteritis

(+Hertwig+, Magazin Bd. 14 und 22). -- 2 Pferde, welche je mit 10

g Arsenik gegen Räude gewaschen wurden, starben (+Mire+, Revue

vét. 1876). -- Ein Pferd starb von 4 g grobgepulvertem Arsenik,

welcher in 3 frische Wunden gebracht wurde, nach 2 Tagen; ein

anderes nach 60 Stunden, als 2 g feingepulverter Arsenik in eine

Wunde gebracht wurden. Lokal entstand eine 2 Zoll hohe Geschwulst

mit 1 Fuss Durchmesser. Die Erscheinungen bestanden in Speicheln,

Atemnot, Herzklopfen, unfühlbarem Puls und Kolik. Bei der Sektion

fand man eine starke Entzündung des ganzen Magendarmkanals

(+Gerlach+, Gerichtl. Tierheilkunde 1872). -- Nach +Regenbogen+

starben zwei räudige Pferde infolge der von einem polnischen Juden

angeratenen Waschung mit einer Abkochung von ½ Pfd. Arsenik in ¾ l

Wasser (Berl. Arch. 1898 S. 792). -- +Flum+ beobachtete bei einem

dämpfigen Pferde nach 3maliger Verabreichung von 1 g Arsenik pro

Tag Kolikerscheinungen (D. Th. W. 1895). Einen ähnlichen Fall hat

+Römer+ beschrieben (ibid. 1899). -- +Hauptmann+ sah bei einem Pferde

starke Aufblähung, schwankenden Gang, hochgradige Benommenheit des

Sensoriums sowie örtliche Entzündungserscheinungen in der Maulhöhle

und im Pharynx (Tierärztl. Zentralbl. 1900 S. 193). -- Weitere

Fälle von Arsenikvergiftungen bei Pferden haben +Wittlinger+ und

+Bucher+ beschrieben (Berl. Arch. 1900 S. 363). -- Dass Pferde

längere Zeit hindurch kleinere Dosen von Arsenik gut ertragen,

indem sie sich an das Gift gewöhnen, beweisen die nachstehenden

experimentellen Beobachtungen. 8 Pferde, welchen +Hertwig+ 30 bis

40 Tage hindurch täglich einmalige Arsenikdosen von 1,25-4,0 in

Mehlpillen verabreichte, zeigten während dieser Zeit und noch 3

Monate nachher keinerlei üble Zufälle. Dagegen wurde bei sämtlichen

8 Pferden das Haar glätter und 5 davon wurden auch sichtbar mehr

beleibt (Arzneimittellehre 1872). Aehnliche Beobachtungen hat

+Kopitz+ (Preuss. Annalen der Landwirtschaft 1872 S. 601) gemacht. --

Ich selbst habe einem kräftigen Versuchspferd in der Zeit vom 1. Juni

bis 30. September 1889 im ganzen 115 g frisch gepulverten Arsenik in

Einzeldosen von 1 g gefüttert. In der ersten Hälfte der Versuchszeit

besserte sich darauf der Nahrungszustand und das Allgemeinbefinden

des Pferdes ganz erheblich, indem es innerhalb 2 Monaten um 22 kg

Körpergewicht zunahm; in der zweiten Hälfte trat jedoch ein Rückgang

der Ernährung ein, so dass das Pferd am Ende des Versuchs wieder

schlechter genährt aussah und sein ursprüngliches Gewicht (420 kg)

wieder zeigte.

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 8 / 50 段