Die durch die Nierengifte in den Nieren hervorgerufenen Veränderungen

lassen sich in verschiedener Weise feststellen. Man findet insbesondere

makroskopisch oder mikroskopisch sichtbare anatomische Veränderungen

an den Nieren (entzündliche oder degenerative Affektion namentlich des

Nierenepithels durch Kolchikum, Kanthariden, Phosphor etc.; Verkalkung

durch Quecksilber, Blei usw.); Vergrösserung der Niere infolge

Gefässerweiterung durch Koffein, Verkleinerung der Niere infolge

Gefässverengerung durch Digitalis und Strophanthus. Die Steigerung

des Sekretionsdruckes der Niere wird manometrisch durch Einführung

eines Apparates in die Ureteren bestimmt (Diuretika). Eine spezifische

Erregung der Nierenepithelien (Koffein) wird dann angenommen, wenn

das Gift auch nach Ausreissung der Nierennerven und bei vermindertem

Blutdruck diuretisch wirkt. Synthetische Prozesse untersucht man

chemisch an der ausgeschnittenen und zerkleinerten Niere. An der

+Blase+ lassen sich ebenfalls anatomische Veränderungen, sowie Krämpfe

und Lähmungen bei gewissen Giften feststellen.

=Magen- und Darmgifte.= Neben verschiedenartigen anatomischen

Veränderungen der Schleimhaut des +Magens+, unter welchen die

Perforation durch Arsenik und die Degeneration der Magendrüsen durch

Phosphor besonders hervortreten, beeinflussen die Gifte die Sekretion

und die Bewegungen des Magens. Die letzteren werden vom Nervus Vagus

innerviert, dessen Reizung die Magenbewegung beschleunigt. Wichtig

ist die Beziehung des im Grosshirn gelegenen Brechzentrums zu der

Muskulatur des Magens. Wirkt ein Brechmittel nach der Durchschneidung

der Vagi, welche das Brechzentrum mit dem Magen verbinden, nicht

mehr, so ist es als zentrales Brechmittel zu bezeichnen. Nach

neueren Untersuchungen hat man 3 Abteilungen des Brechzentrums zu

unterscheiden, nämlich je ein in den Vierhügeln gelegenes Zentrum für

die Kontraktionen der Kardia und der Magenwandungen (Zerstörung der

Vierhügel macht das Erbrechen unmöglich), sowie ein im Linsenkern

gelegenes Hemmungszentrum für die Kardia, dessen Reizung den

Sphincter Cardiae an der Kontraktion, somit also am Verschlusse des

Magens hindert.

Im +Darm+ können die Gifte entweder auf die Schleimhaut, oder

auf die Darmdrüsen oder auf die Darmmuskulatur oder endlich auf

die Darmnerven einwirken. So entsteht eine Darmentzündung durch

lokale Reizung scharfer Gifte (Krotonöl), durch Ausscheidung

reizender Gifte mittels der Darmdrüsen (Merkurialismus), durch

Veranlassung von Gerinnung in den Darmgefässen (Saponin), sowie

nach starker Erweiterung der Gefässe der Darmschleimhaut infolge

von Splanchnikuslähmung (Arsenik). Reizung der Darmdrüsen wird

durch Pilokarpin und Arekolin, der Darmmuskulatur mit konsekutivem

Darmtetanus durch Eserin, Blei und Chlorbaryum erzeugt. Erregung der

in die Darmwandungen eingelagerten, die rhythmische peristaltische

Tätigkeit des Darmes regulierenden peripheren Nervenapparate

(Auerbachsche und Meissnersche Plexus) bedingt gesteigerte

Darmbewegungen (Muskarin), desgleichen Reizung der peripheren

motorischen Vagusendigungen (Nikotin). Dagegen hat die Reizung

des Splanchnikus, des Hemmungsnerven des Darmes, verminderte

Peristaltik zur Folge (Morphium), während umgekehrt die Lähmung des

Splanchnikus gesteigerte Darmperistaltik bedingt (Atropin). Ueber die

Beeinflussung der im Gehirn gelegenen Zentren der Darmbewegung und

Darmhemmung durch Gifte ist bisher wenig bekannt: Zetrarin soll z. B.

ein zentrales Peristaltikum sein.

=Uterusgifte.= Der nicht trächtige Uterus wird durch Gifte viel

weniger leicht beeinflusst, als der trächtige. Kontraktionen des

Uterus entstehen entweder durch Reizung des im Lendenmark gelegenen

Uteruszentrums (Kornutin, Nikotin, Strychnin); in diesem Fall lassen

sich am ausgeschnittenen Uterus keine Kontraktionen durch das

Gift auslösen, auch wirkt das Gift nicht mehr nach Zerstörung des

Rückenmarkes. Oder sie entstehen im Uterus selbst und zwar infolge

Reizung der glatten Muskulatur, wenn auch am ganglienfreien Horn des

ausgeschnittenen Uterus Kontraktionen eintreten, während es sich

beim Ausbleiben der letzteren um eine Reizung der Uterusganglien

handelt. Ebenso kann eine Lähmung der Uteruskontraktionen durch Gifte

ihren Ausgangspunkt vom Rückenmark, von der Muskulatur oder von den

Ganglienzellen des Uterus nehmen.

=Lebergifte.= Die anatomischen Veränderungen in der Leber bestehen

in Verfettung der Leberzellen (Phosphor, Arsenik), akuter

Atrophie (Lupinose), Leberzirrhose (Alkohol beim Menschen). Das

physiologisch-mikroskopische Bild des sezernierenden Leberparenchyms

erzeugen die Cholagoga (Aloe, Rheum, Salizylsäure). Auf chemische

Synthesen wird die Leber ausserhalb des Körpers untersucht. Die

Gallensekretion wird durch Anlegung von Gallenfisteln geprüft.

Die Frage der hepatogenen oder hämatogenen Entstehung des

Gallenfarbstoffes wird durch Ausschalten der Leber (Unterbindung der

Gefässe, Exstirpation) beantwortet.

=Speicheldrüsengifte.= Die Untersuchung erfolgt durch Einführen

von Speichelkanülen (Unterschied zwischen Hund und Katze!). Eine

Vermehrung der Speichelsekretion kann verursacht sein durch

Reizung der peripheren Geschmacksnerven (Durchschneidung sistiert

die Sekretion), durch zentrale Reizung des Speichelzentrums

(Durchschneidung der sekretorischen Drüsennerven sistiert sie),

durch Reizung der peripheren Enden der Speichelnerven (+Pilokarpin+,

+Arekolin+, +Eserin+) oder durch Reizung der Drüsenzellen selbst

(Wirkung vom Blute aus bei durchschnittenen Speichelnerven). Eine

Aufhebung der Speichelsekretion wird durch periphere Lähmung der

Speichelnerven (+Atropin+ im Gegensatz zu Pilokarpin und Arekolin)

bedingt. Es wird daher auch eine periphere Reizung dann angenommen,

wenn Atropin die Vermehrung der Speichelsekretion sistiert. -- Die

Wirkung der Gifte auf die +Schweisssekretion+ ist analog.

=Stoffwechselgifte.= Als solche sind zu nennen: Der +Phosphor+,

+Arsenik+ und die +Schilddrüsenpräparate+ (Vermehrung der

N-Ausscheidung im Harn), die +Blausäure+ (Verminderung des

O-Verbrauchs), das +Chinin+, die +Salizylsäure+ u. a. Anatomisch

lassen sich Störungen des Stoffwechsels durch verschiedene

Veränderungen an den inneren Körperorganen nachweisen (körnige

Trübung, fettige Degeneration). Chemisch wird der Stoffwechsel

kontrolliert durch die Untersuchung des Harns, des Kots, der

ausgeatmeten Luft bezw. Kohlensäure (Respirationsapparat) sowie

der Körpertemperatur (Thermometer, Kalorimeter). Bezüglich

der Wirkung der Gifte auf die +Temperatur+ kommen entweder

Temperaturverminderungen (Antipyretika) oder Temperaturerhöhungen vor

(Kokain, Koffein, β-Naphthylamin, Mallein, Tuberkulin). Die Wirkung

ist eine zentrale (Wärmezentren) oder periphere. Reizung des im

Corpus striatum gelegenen Wärmezentrums erzeugt Fieber, Lähmung oder

Exstirpation, Temperaturherabsetzung.

=Pupillengifte.= +Verengerung+ (Myose) kann bedingt sein durch eine

periphere Reizung des Okulomotorius (Pilokarpin, Arekolin) oder

des Musculus Sphincter Iridis (Eserin) oder durch eine Lähmung

des Erweiterungszentrums im Gehirn (Morphium beim Hund). Letztere

wird angenommen, wenn am herausgeschnittenen Auge keine Myose

hervorgebracht werden kann, oder wenn bei lokaler Einträuflung in den

Lidsack keine Verengerung eintritt, sondern nur nach intravenöser

oder subkutaner Applikation. Eine periphere Reizung der Okulomotorius

als Ursache der Myose wird angenommen, wenn die Myose durch Atropin

aufgehoben wird und am exstirpierten Bulbus fortdauert.

+Erweiterung+ (Mydriase) wird entweder verursacht durch periphere

Lähmung des Verengerungsnerven der Pupille, des Okulomotorius

(Atropin), oder durch periphere Reizung des Erweiterungsnerven,

des Sympathikus (Hydronaphthylamin), oder durch Reizung des

Erweiterungszentrums im Gehirn (Akonitin, Morphium bei Katzen).

Die zentrale Mydriase lässt sich sofort beseitigen, wenn man die

Verbindung des Zentrums und der Pupille, nämlich den Halssympathikus,

durchschneidet. Lähmung der peripheren Okulomotoriusäste (Atropin)

muss angenommen werden, wenn am ausgeschnittenen Froschauge Mydriase

erzeugt wird. Bei Vögeln entsteht durch Kurare periphere Mydriase

infolge Lähmung der willkürlichen Muskeln der Pupille (Sphinkter).

[2] Ausführliches findet man bei +Kobert+, Lehrbuch der

Intoxikationen, +Hermann+, Lehrbuch der experimentellen

Toxikologie, +Böhm+, Allgemeine Toxikologie.

Die allgemeine Prognose der Vergiftungen.

Die toxikologische Statistik lehrt, dass die Prognose bei vielen

Vergiftungen unserer Haustiere +nicht so ungünstig+ ist, wie

man dies eigentlich nach der Intensität der Krankheitserscheinungen

erwarten sollte. Aus diesem Grunde darf man bei schlachtbaren Tieren

im allgemeinen nicht zu frühzeitig die Notschlachtung anraten.

Insbesondere lasse man sich durch das Auftreten von Zuckungen und

Krämpfen sowie von starken psychischen Erregungserscheinungen nicht

verleiten, diesen Symptomen unter allen Umständen eine schlimme

prognostische Bedeutung beizulegen. +Aufregung und Muskelkrämpfe sind

im allgemeinen weniger schlimm als Lähmungserscheinungen.+ Auch die

Behandlung der Exzitationszustände ist viel erfolgreicher als die der

toxischen Lähmungen.

Die Prognose einer Vergiftung hängt in erster Linie von der Art des

Giftes ab. Als sehr gefährliche Vergiftungen mit +ungünstiger+ Prognose

müssen namentlich bezeichnet werden die Vergiftungen mit +Blausäure+,

+Phosphor+, +Arsenik+, +Chlorbaryum+, +Strychnin+, +Nikotin+,

+Veratrin+, +Digitalis+, +Oleander+, +Buxus+, +Taxus+, +Blei+,

+Quecksilber+, +Karbolsäure+, +Krotonöl+, +Kanthariden+, +Kolchikum+,

+ätzenden Säuren+ und +Alkalien+. Im übrigen kommt es bei allen diesen

starken Giften wesentlich mit darauf an, in welcher Dosis und Form, bei

welchem Füllungszustand des Magens usw. sie aufgenommen worden sind.

Bei den Fleischfressern, welche sich erbrechen können, nehmen manche

Vergiftungen einen günstigeren Verlauf, als bei Pflanzenfressern.

Als Vergiftungen mit im allgemeinen günstiger Prognose sind namentlich

bei den Pflanzenfressern die +Alkaloidvergiftungen+ zu bezeichnen,

Strychnin und Nikotin ausgenommen. Dies gilt besonders für die

+Atropin+-, +Hyoszin+- und +Morphium+vergiftung. Aber auch Eserin,

Pilokarpin und Arekolin sind deshalb nicht so sehr gefährlich, weil

gute Gegengifte für sie zur Verfügung stehen. Ausserdem ist bei vielen

+Pflanzenvergiftungen+ die Mortalitätsziffer trotz scheinbar schwerer

Vergiftungserscheinungen erfahrungsgemäss relativ gering. Dies gilt

namentlich für die Vergiftung mit +Klatschrosen+, +Bucheckern+, für

viele +Pilzvergiftungen+, für die +Merkurialis-+, +Lolium-+, +Rade-+,

+Equisetum-Vergiftung+. Aehnlich verhält sich die +Kochsalz-+ und

+Salpetervergiftung+ (vergl. unten).

=Prognose bei einzelnen Vergiftungen.= Die +Klatschrosen+, von

welchen angenommen wird, dass sie Morphium oder ein morphiumähnliches

Alkaloid als wirksames Gift enthalten, erzeugen beim Rind ein sehr

typisches Bild einer Vergiftung, welches sich durch Anfälle von

Raserei und Tobsucht, wutähnliche Anfälle, epileptiforme Krämpfe,

Taumeln, Schlummersucht, Bewusstlosigkeit etc. charakterisiert.

Trotz der Hochgradigkeit der nervösen Symptome sind Todesfälle

ziemlich selten, so dass die Prognose der Vergiftung eine ziemlich

günstige ist. Die +Bucheckern+ enthalten einen alkaloidartigen

Giftstoff, das Fagin, das ebenfalls heftige Vergiftungserscheinungen

bedingt. Ein Pferd zeigte infolge der Aufnahme von 2 Pfund

Bucheckernölkuchen Kolik, Schwanken, hochgradige Schreckhaftigkeit,

sowie Lähmungserscheinungen im Hinterteil. Das Tier war so aufgeregt,

dass es bei der geringsten Berührung in äusserste Raserei geriet.

Die Verabreichung von Gegengiften beseitigte die Krankheit im

Verlaufe von 12 Stunden (Warner). +Atropin+ und +Hyoszin+ haben

bei Hunden und Katzen, welche enorme Dosen (0,5-1,0 pro die)

ertragen, vorübergehend die schwersten Vergiftungserscheinungen:

starke Unruhe, hochgradige Aufregung, Krampfanfälle zur Folge.

Nach kurzer Zeit pflegen sich die Tiere indessen wieder zu erholen

(Kobert; eigene Untersuchungen). Pferde zeigen nach der Verfütterung

von Bilsenkrautsamen rasende Zufälle, sowie Beschleunigung des

Pulses und der Atmung, erholen sich indessen ebenfalls wieder

leicht (Viborg). Die +Pilzvergiftungen+, namentlich die durch

+Schimmelpilze+ und +Mutterkorn+, nehmen gleichfalls nicht selten

trotz äusserst gefahrdrohender Zufälle einen gutartigen Verlauf.

Zwei Pferde zeigten nach der Aufnahme von verschimmeltem Brot

anhaltende und heftige Kolik, Schwanken mit dem Hinterteil,

Schwindel und Niederfallen, wobei sie etwa ½ Stunde ohne Gefühl,

wie tot am Boden lagen. Dann erhoben sie sich plötzlich, drängten

gegen die Wand, gerieten in Schweissausbruch und zeigten wieder

denselben Anfall wie vorher. Trotzdem genasen sie (Perrin). Auch die

Mortalitätsziffer der Mutterkornvergiftung ist trotz der schweren

Krankheitserscheinungen eine geringe. Die +Merkurialisvergiftung+,

welche sich bei Pflanzenfressern und Schweinen in Kolikerscheinungen,

Harndrang, blutrotem Harn, Empfindlichkeit und Steifheit in der

Nierengegend, Atmungsbeschleunigung, Zittern und Schwäche äussert,

lässt ebenfalls in den meisten Fällen eine günstige Prognose zu.

Aehnlich ist das Verhalten der Haustiere gegenüber dem +Solanin+.

Bei der +Loliumvergiftung+ hat man dasselbe beobachtet, wie ein von

Wiegel veröffentlichter Fall zeigt. Eine Kuh stürzte plötzlich,

wie vom Blitze getroffen, zusammen; dieser apoplektiforme Anfall

wiederholte sich dreimal hintereinander, worauf allgemeine

Empfindungslosigkeit, Schlafsucht und Verlangsamung der Respiration

eintrat. 1½ Stunden darauf erhob sich die Kuh wieder und zeigte

sofort einen ganz erstaunlichen Appetit. Die +Radevergiftung+ nimmt

zuweilen einen ähnlich günstigen Verlauf. Röll beobachtete bei

einem Pferde nach der Aufnahme von Rademehl Schlingbeschwerden,

sowie einen Zustand der Betäubung nach Art des Dummkollers; am

Tage darauf hatte sich das Pferd wieder vollständig erholt. Auch

die +Kochsalz-+ und +Salpetervergiftung+, von welchen namentlich

die letztere sehr gefürchtet ist, zeigt nicht selten eine günstige

Prognose, wie zahlreiche in der Literatur vermerkte Fälle beweisen.

Ja selbst bei der +Kolchikumvergiftung+, welche von jeher als eine

der gefährlichsten Vergiftungen bei unseren Haustieren aufgefasst

worden ist, beträgt die durchschnittliche Mortalitätsziffer nicht

mehr als 25-30 Proz. Noch wesentlich geringer ist diese Ziffer bei

den Vergiftungen mit +Santonin+, +Alkohol+, +Rizinus+, sowie durch

+Schlangenbisse+.

Die Behandlung der Vergiftungen.

Die Behandlung der Vergiftungen erfolgt mittelst der sog.

Gegenmittel oder Gegengifte (+Antidote+). Diese Gegenmittel können

sehr verschiedener Natur sein und auf sehr verschiedene Weise ihre

giftwidrige Wirkung ausüben. Man unterscheidet vier Gruppen: 1. Die

+mechanischen+ oder +physikalischen+ Gegenmittel; 2. die +chemischen+

Antidote; 3. die +physiologischen+ (dynamischen, organischen,

konstitutionellen, empirischen) Gegengifte oder +Antagonisten+; 4. die

+symptomatische+ Behandlungsmethode der Vergiftungen.

1. Die =physikalischen= oder =mechanischen= Gegenmittel

wirken dadurch giftwidrig, dass sie die eingedrungenen Gifte

entweder auf rein mechanischem Wege aus dem Körper entfernen:

+Brechmittel+, +Abführmittel+, +harntreibende+, +schweisstreibende+,

+speicheltreibende Mittel+, +Magenausspülung+, +Aderlass+, +künstliche

Atmung+, oder dieselben einhüllen und die Aufsaugung resp. den Kontakt

mit der Schleimhaut dadurch verhindern: +einhüllende Gegenmittel+

(+Eiweiss+, +Milch+, +Oel+, +schleimige Mittel+).

Die +Brechmittel+ sind bei den dazu geeigneten Tieren (Hunden,

Schweinen, Katzen) in allen frischen Vergiftungsfällen in erster

Linie anzuwenden. Die wichtigsten Brechmittel sind das +Apomorphin+

(Hunden zu 2-10 mg, Katzen zu 20-50 mg subkutan injiziert), das

+Veratrin+ (Schweinen 0,02-0,03 subkutan), das +Rhizoma Veratri albi+

(Schweinen 1,0-2,0, Hunden 0,1 bis 0,2 per os oder als Klysma), +Radix

Ipecacuanhae+ (Schweinen und Hunden 1-3,0, Katzen 0,25-0,75), der

+Brechweinstein+ (Schweinen 1-2,0, Hunden 0,1-0,3, Katzen 0,05-0,2),

der +Kupfervitriol+ als spezifisches Brechmittel bei Phosphorvergiftung

(Schweinen 0,5-1,0, Hunden 0,1-0,5, Katzen 0,05-0,2), der +Zinkvitriol+

(Schweinen 0,5-1,0, Hunden 0,1-0,3), endlich als Hausmittel das

+Kochsalz+ (Hunden 1-2 Teelöffel), das +Senfmehl+ (Hunden 1-2 Teelöffel

in einem Glas warmem Wasser), +Schnupftabak+ (Hunden eine Prise in

einem Esslöffel Wasser) usw.

Von +Abführmitteln+ empfehlen sich besonders wegen ihrer raschen

Wirkung das +Arekolin+ und +Eserin+ (Pferden 0,05-0,1 subkutan).

Ausserdem kann die +Aloe+ (Pferden 25-50,0, Rindern 50-75,0), das

+Rizinusöl+ (Pferden 500-750,0, Rindern 500 bis 1000,0, Schafen und

Ziegen 50-250,0, Schweinen 50-100,0, Hunden 15-60,0, Katzen und

Geflügel 10-20,0) und das +Kalomel+ (Pferden 2-8,0, Schweinen 1-4,0,

Hunden 0,2-0,4, Katzen und Geflügel 0,1-0,2) angewandt werden. Auch

das +Glaubersalz+ ist als Abführmittel angezeigt, namentlich bei der

Bleivergiftung der Rinder (500-1000,0). Die harntreibenden, schweiss-

und speicheltreibenden Mittel haben eine wesentlich schwächere

evakuierende Wirkung, sie werden daher nur bei chronischen Vergiftungen

angewandt.

Die +einhüllenden Gegenmittel+ werden hauptsächlich bei Vergiftungen

durch Aetzmittel angewandt, um die Magendarmschleimhaut vor

Anätzung zu schützen und gleichzeitig die Resorption zu hindern. Am

gebräuchlichsten ist die Verabreichung von +Milch+, +Eiweiss+ (Eiweiss

der Eier für sich oder mit Wasser geschüttelt; sog. Eiweisswasser),

+Schleim+ (Leinsamenschleim, Gerstenschleim, Haferschleim,

Quittenschleim, Gummi arabicum, Abkochungen von Eibischwurzel,

Malvenblättern, Salepschleim, Tragantschleim), +Fetten+ und +Oelen+

(Schweinefett, Butter, Olivenöl, Repsöl, Mohnöl, Mandelöl, Rizinusöl,

Emulsionen). Die fetten Oele und die Milch sind jedoch kontraindiziert

bei Phosphor- und Kantharidenvergiftung, weil sie die Resorption der

genannten Gifte befördern. -- Bei vergifteten Wunden (Schlangenbisse)

wird das Gift durch Ausschneiden, Ausbrennen oder Ausätzen entfernt.

2. Die =chemischen= Gegengifte wirken dadurch giftwidrig, dass sie

die in den Körper eingedrungenen Gifte zersetzen oder in Verbindungen

umwandeln, welche ungiftig oder weniger giftig sind. Das einfachste

Beispiel chemischer Antidote bilden die ätzenden +Alkalien+ und

+Säuren+, welche sich gegenseitig unter Aufhebung ihrer Alkali-

und Säurenatur zu nicht ätzenden Salzen neutralisieren (Kalilauge,

Natronlauge, Aetzkalk, Ammoniak, kohlensaures und doppeltkohlensaures

Natron und Kali, Seife einerseits; Schwefelsäure, Salzsäure,

Salpetersäure, Essigsäure, Oxalsäure andererseits). Weiter gehören

hierher das +Kochsalz+ als spezifisches Antidot des Höllensteins,

welcher dadurch zu Chlorsilber zerlegt wird (bei Sublimatvergiftungen

wirkt die Verabreichung von Kochsalz im Gegenteil schädlich, weil

dasselbe die Resorption des Sublimats infolge Bildung der leicht

löslichen Kochsalz-Sublimatverbindung befördert), das +Eisen+ als

Gegengift gegen Arsenik (Bildung von schwer löslichem arseniksaurem

Eisen), Blausäure, Quecksilber- und Kupfersalze, das +Ferrozyankalium+

als Antidot gegen Kupfervergiftungen (ungiftiges Ferrozyankupfer) und

ätzende Eisensalze, z. B. Eisenchlorid (Bildung von Berliner Blau),

die +Kupfersalze+ als wichtigste Gegengifte gegen Phosphorvergiftung

(Bildung von ungiftigem Phosphorkupfer), die +gebrannte+ und

+kohlensaure Magnesia+ als Gegengift gegen Säuren (Bildung von

Magnesiasalzen), Arsenik, Metallsalze (Zerlegung), das +Jod+ und

die +Jodsalze+ als Gegengifte gegen die Alkaloide im allgemeinen

(Niederschlag), sowie gegen chronische Metallvergiftungen (Bildung

löslicher und daher aus dem Körper eliminierbarer Metalljodide),

das +Bromkalium+ und +Natrium subsulfurosum+ als Bindemittel für

Jod und Jodoform (Bildung von Jodalkalien), der +Schwefel+ und

+Schwefelwasserstoff+ als Antidot gegen Quecksilber-, Blei-, Kupfer-,

Brechweinstein-, Arsenikvergiftung (Bildung unlöslicher Metallsulfide),

die +Schwefelsäure+ und +schwefelsauren Salze+ als spezifische

Mittel gegen Bleivergiftung (Bildung von unlöslichem Bleisulfat),

Karbolsäurevergiftung (ungiftiges phenolsulfonsaures Kali),

Kalkvergiftung (Bildung von Gips) und Baryumvergiftung (schwefelsaurer

Baryt), die +Kalksalze+ (Kalkwasser, kohlensaurer Kalk, Kreide,

Schneckenschalen, Austerschalen, Eierschalen, Marmor, Sepiasteine,

Zuckerkalk) als spezifisches Gegengift gegen Oxalsäurevergiftung (der

oxalsaure Kalk ist als unlösliche Verbindung ungiftig), das +Tannin+

und die +gerbsäurehaltigen Pflanzen+ (Eichenrinde, Weidenrinde,

Salbeiblätter, Kaffee, Tee, Eicheln, Galläpfel, Tinte, Chinarinde,

Catechu, Ratanhiawurzel, Tormentillwurzel, Nussbaumblätter etc.)

als wichtigste Antidote gegen die Vergiftung mit Alkaloiden und

Glykosiden (Bildung schwer löslicher oder unlöslicher gerbsaurer

Salze), mit Metallsalzen, namentlich mit Brechweinstein, Bleizucker,

Höllenstein und Eisenvitriol (Bildung von Metalltannaten), +Ammoniak+,

+Chlor+, +übermangansaures Kali+, +Eisenchlorid+, +Chromsäure+

als lokale Gegengifte bei Schlangenbissen und Insektenstichen,

+altes Terpentinöl+, +Kalium permanganicum+, Kobaltnitrat,

Wasserstoffsuperoxyd und Ozonwasser als Antidot des Phosphors

(Oxydation zu Phosphorsäure), +Eiweiss+ als chemisches Gegengift gegen

Metallsalze (Bildung von Metallalbuminaten), ätzende Säuren (Bildung

von Säurealbuminaten), gegen Chlor-, Brom- und Jodvergiftung, +Leim+

und +Kleber+ gegen Metallvergiftungen (z. B. Sublimatvergiftung),

Alaun- und Gerbsäurevergiftung (Bildung von Niederschlägen), +fette

Oele+ gegen Vergiftung durch Alkalien und Säuren (Verseifung),

+Stärkemehl+ als Antidot gegen Jod (Bindung unter Blaufärbung), die

+Tierkohle+ als Gegengift gegen Alkaloide und Metalle.

Lehrbuch der Toxikologie für Tierärzte · 第 5 / 50 段