Prädigt

an’n Buß- un Beddag vör dei Ornt 1920 in’n Dom tau Swerin holln von

Paster _Meltzer_.

Gnad wäs mit juch un Fräden von Gott unsen Vadder un unsen Herrn Jesus

Christus!

So spreckt dei Herr Jes. 43,1: Fürcht di nich! denn ick heww di erlöst;

ick heww di bi din’n Nam raupen, du büst min!

Min leiwen Frünn! Dei heilig Schrift vertellt uns männigmal, woans dei

Herrgott Engel as Baden tau sin Minschenkinner schicken deiht; un wenn

sonn’ Herrgottsbaden an ’nen Minschen rannerkümmt, denn heit dat: hei

fürcht sick. Ick mein, wi kaent woll begripen, worüm dat so is; ja, ick

glöw, uns würd’t ebenso gahn, wenn mit einmal dor von’n Altor her ’nen

Engel in’n witten Kleed mit Flüchten, so as dei Biwel ehr uns afmalen

deiht, up uns täuswäwen würd. Un worüm dat? Tau’n Deil mag dat woll von

dat Ungewennte kamen, äwer ick glöw, dei eigentlich Grund is dat nich,

dei liggt deiper, dat kümmt dorvon, wiel wi Minschen vör unsen Herrgott

all ’nen leg Gewissen hewwt, bald mihr, bald weiniger, un wiel bie’t

Seihn von sonn’ Engel dei Gedanken upstiggt: »Du, dei will di gewiß vör

dat Gericht von din’n Herrgott föddern — wo ward di dat denn gahn!«

Von uns hett woll noch kein einer ’nen Engel seihn, uns’ Herrgott schickt

ehr nich mihr tau uns as sin Baden. Worüm hei dat nich deiht, dat weit

ick ok nich, dat is sin Sak. Aewer sin Baden hett hei likerst noch, un

ick seg: ’is kein einer ünner uns, tau denn’ sonn’ Gottsbaden nich all

kamen sünd. Ob wi dat all markt un denn’ Gottsbaden ok kennt hewwt, dat

is ne anner Frag.

Sonn’ Herrgottsbad süht männigmal snurrig ut: denn eins is’t ’nen Blinnen

un denn ’nen Lahmen; denn ’ne arme Wittfru un denn lütt Waisenkind; denn

’nen Kriegsinvaliden un denn ’nen Snurrer. Dörch ehr kloppt dei leiw Gott

an bi uns un will mal utprauwen, woans sin Minschen getacht sünd, ob sei

’nen hartes Hart hebben, oder ob sei weikmäudig sünd. Viellicht hett hei

bi di so ok all öfters ankloppt — ob du sin Baden kennt hest? Bi mi is en

poor Mal ein Herrgottsbad kamen, ganz lütting un nüdlich: ’t wier ’nen

niegeburnes Kind, min Kind. Dei kloppt so ganz liesing bi mi an, un ick

hewwt woll hürt, wat hei seggen wull: »Dei leiw Gott lett di grüßen, un

hei harr di leiw, un dorüm schick hei mi tau di, un hei lett di seggen,

du süst mi man ok recht von Harten leiw hebben.« O, wie hewwk mi freut

tau sonn’ Herrgottsbaden, un mi is dat ganz säker: dei Vadders un Mudders

ünner uns is’t liksterwelt ebenso gahn, dot wier kein Spierken von Angst

un Bewern. Männigein von uns mag woll sonn’ _leiwlich_ Gottsbaden noch

von anner Ort kennen liehrt hewwen.

Aewer denn wedder — dor klopft dei Herrgottsbad _mit vull Fust_

an dei Dör von ’t Minschenhart, dat dat tausamenfohrt un dörch un

dörchschüddert. Vör söß Johr dor kem sonn’ recht grimmigen Baden vonn’

Herrgott tau uns leiw dütsch Volk. Woans seg dei ut! ’nen Stahlhelm up ’n

Kopp, ’ne Handgranat in dei ein Fust un ’nen Gewehr in dei anner. Achter

em dor rasterten dei Kanonen un Maschinengewehren. Üm em, dor knallt un

ballert dat, dor blukden Fürbränn up. Hüser flogen in’ne Luft. Minschen,

väle junge, starke Minschen sackten in ’t Gras vor sinen gift’gen Aten.

Wi kenn’ denn’ grimmigen Gottsbaden: ’t wir _dei Krieg_. Wat schuddert

uns dor all tauhopen dat Hart, un wi markten: »Dei Herrgott will mit uns

reden, heil iernst, wo ward uns dat gahn! wi hewwt ja all wat bi em up’n

Karwholt.« Wie käm dei Angst ierst recht, wenn dei Bad in uns’ _eigen

Hus_ ankloppen würd, as sin Kugel un Granaten uns’ Jungens, uns’ Vadders

un uns’ Bräuders drapen deren. Weißt woll noch, woans dat Hart di bewern

würd!

Un na denn’ Krieg, dor kem noch ’nen annern Baden. Dei harr ’ne grote

Klock bi sick, dei bugt hei up un treckt denn’ Strang mit ’nen Arm, dor

wier nich ’nen Fitzen Fleisch up, blot Knaken, dat wier dei _Hunger_, un

hei lürrt un lürrt, is ja noch ümmer bi si Lürren, dorvon verliert dei

Minschen dei Farw ut dei Backen, dei Knei ward ehr swack, un dei Kräft

kamt ehr afhann’, Kinner un oll Lüd starvt as dei Fleigen — o wo grippt

einen dat Klockenlürren an dei binnelst Seel, un dei Angst wakt up, un

dat schriegt: »Herr, Herr, is’t noch nich bald naug, wi vergaht süs all

tauhopen!« Wenn sei’t man irst all markt harrn in Dütschland, da dei

_Herrgott_ sin Baden tau ehr schickt hett, mit ehr iernst tau reden!

Hüt kümmt nu wedder ’nen Gottesbaden tau uns, leiwe Frünn, dat is dei

_Buß- un Beddag_ vör dei Ornt. Dei kloppt ok nich lis un sacht bi uns

an, dei kloppt as mit ’nen Steinhamer, dat dei Minsch sick heil un deil

verfiert un dat Hart sick em ümdreigen mücht vör Angst. Oder geiht di

dat anners? Meinst, dat _di_ dei Bußdag nix tau seggen harr? Meinst, hei

süll man wiedergahn na dei Tochthüser un Gefängnissen, up dei Straten un

bi dei Eckenstahers un Krakeelers un Halsawsnieders ankloppen? Dor hürt

hei hen, aewer nich bi di, nich hier in’n Dom bi ihrbor Lüd? ’t giwwt

väle, dei so meint — aewer, ob sei _recht_ hewwt? Ick weit von ’nen lütt

Kind, dat harr sin Vadding weihdahn, hart lagen un Vadding wier em bös

worden: hei schickt dat Kind tau Bedd, ahn em gaun Nacht tau seggen.

Wohrt nich lang, donn hürn dei Ollen vör dei Dör wat snuggern un süfzen

— wat mag dat wäsen? Sei horchen, donn wart dor wat rohren. Sei makt dei

Dör apen — dor steiht ehr Kind in sin Nachthemd un rohrt so bitterlich

un löppt up sinen Vadder tau un fött em üm un seggt: »Ick kann nich

inslapen, Vadding, wäs wedder gaud!« Is di dat nich ok all männigmal so

gahn, dat du nich inslapen künnst von wegen dat, wat du dahn harrst gegen

din Leiwen? gegen dinen Herrgott? Woans aewer, wenn du nu irst _ganz_

hen slapen gahn sast — un wi möt all hen slapen, wer weit, wo bald — ob

du denn nich ok anfangen mößt tau snuggern un tau süfzen un tau rohren:

»_Ick kann nich inslapen_, kann nich starben? Dor in ein Eck, dor sitt

min Mudder, ick heww ehr up’t Hart perrt. Ut dei anner Eck dor kickt mi

’n Mäten an so trurig, ick heww ehr dei Trug braken, un ut dei drürr Eck

’nen Fründ, ick bünn tau ’nen Judas an em worrn. Un dor un dor — wat weit

ick, wat dor noch all sitten un mi verklagen warr.« _Müggst_ du dat — ick

frag jedeneinen von uns: _müggst du dat_?

Ick mein, dei Bußdag hett uns alltausamen wat tau seggen un tworst

sihr wat Iernstes. »Du, du,« seggt hei, »woans hest du dinen Herrgott

weihdahn! Din Lewen verklagt di, hier hest du’t fehlen laten un dor

verseihn. Un dei Herrgott lett nich mit sick spaßen oder gor sick tau’n

Narrn holln, hei is ’nen starken iwrigen Gott — woans sall di dat gahn!«

Dor fangt dat Hart an tau bewern un tau schuddern. Ja, so _möt_ dat sin,

wenn ’nen armen Sünner as du un ick vör ’nen Baden von denn’ heiligen

Herrgott steiht.

Nich wohr, dei Bußdag hett uns doch wat tau segg’n. Dei Beddag nich

ok? Hei fröggt: »Woans steiht dat mit din Gebedd! Bedst du? Ick mein,

ob du allens, wat du belewen deihst, mit dinen Herrgott besprekst

tauvertruglich, so as dat Kind mit sin Mudder snackt? Dei Frag mag

männigeinen dat Blaut in dei Backen driben, un hei mag anfängen tau

stamern: »Ach, du Hergottsbad, ick heww min Gebedd verluren — wat ick so

»beden« nennt heww, is gor kein richtig Beden west.«

Aewer nu hürt tau, all tauhopen, ji all, dei dat Hart bewern deiht vör

denn’ Herrgottsbaden: so spreckt dei Herr: »_Fürcht di nich! Ick heww

di erlöst — ick heww di bi din’n Nam raupen, du büst min!_« O, wur dat

klingt! as Engelsmusik. Binah tau schön, as dat wi’t glöwen kaent. Ick

sall mi nich fürchten, seggt dei Herrgott, vör nix in ’ne Welt, nich vör

Minschen, nich vör dei Ornt un ehr Sorgen, nich vör Krankheit, nich vör

Hunger, nich vör Streiks un Uprauhr, nich vör min Schuld, nich vör’t

Starwen — is’t würklich mäglich? Dat is mäglich — dor steiht jo: »So

spreckt dei Herr usw.« Und dat dat ganz säker is, dorüm nimmt hei di bi

dei Hand un geiht mit di hen nah Jerusalem. Dor is ’nen Barg, is man

’nen ganz oll lütten un doch höger as all Bargens in dei Welt, so hoch,

dat all Minschen em seihn kaenen, dei heit Golgatha. Up denn’ Barg dor

steiht dat Krüz un an dat Krüz dor hängt bleik un bläudig min Heiland

Jesus Christus. Du weist, worüm hei dor hängt. Von em hebbn ja all uns

Feldgrisen dat lihrt, wat sei dahn hebbn för uns, för ehr Frug un Kinner,

ehr oll Vadder un Mudder, för ehr Dörp, ehr Stadt un ehr armes leiwes

Vadderland. Dei Mann an’t Krüz het ehr dat vörmakt — dat is ja dei

Predigt von’t Krüz: »För juch! för juch! Ick bün juch Heiland, för jug

Sünn un Schuld heww ick mi opfert, för juch heww ick gewn min Lewn bet

in ’nen Dod.« Dorüm weg mit all din Angst, fürcht di nich, du hest ’nen

Heiland, dei hett di erlöst. Ja _di_! Dat di dat ganz säker warden sall,

dorüm nimmt di din Herrgott wedder bi dei Hand un geiht mit di trüg in

dei grötste Stunn in din’n Lewen, in din Döpstunn’. »_Ick heww di bi

din’n Nam raupen_,« so seggt hei. Ja, so deip hett dei grot Gott sick

tau di dallatn, dat hei di _sin Kind_ nennt hett. Wie weit’ dat tworst

nich mihr, äwer wohr is’t dorum doch. As wi gröter würd’n, hett hei nich

uphürt uns tau raupen. Hei rep bald lising bald lut, bald iernst, bald

fründlich, ümmer so, as wi’t grad brukten. Hei rep uns dörch all dat

Gottswurt, dat wi hürt hewwt von uns’ Mudding un in ’ne Schaul, as wi

tau’n Beden güngen un in ’ne Kirch.

Hei seg di in Gefohr, up’n legen Weg tau kamen, donn schickt hei di

woll ’nen gauden Fründ in’n Weg, din ollen Schaulmeister oder Preister,

dei kek di so fründlich an, un red’dt so fründlich mit di — süh, dor

wier dei Herrgott bi un rep di. Hei seg di vertwifelt, du harrst wat

Legs dahn, vör di wier allens so düster, du künnst denn’ rechten Weg

nich wedder finn’n, hei rep di: dor schöt di woll dörch denn’ Kopp ’nen

Gottswurt, dat du lihrt hest, viellicht: »Kamt her tau mi, ji Mäuhselign

un Beladenen, ick will jug erquicken« oder wat Ähnliches — dei Herrgott

rep di. As ick mal up’n Lann’ wier un mit sonn’ halwwussen Jung aewer

Feld führt, ’t wier Winter un dei Weg wier slicht, durt nich lang, dor

smeten wi üm. Aewer ahn Schaden rappelten wi uns wedder rut. »Dor is Gott

bi wäst,« säd dei jung Minsch; hei harr’t markt: Dei Herrgott röppt uns

bi Nam. Wo oft hett hei uns raupen, denn’ einen in’t Granatfüer, denn’

annern up’n Krankenbedd; denn’ einen ünnern Dannenbom, denn’ annern an’n

Trualtor un weck noch wo anners — ob wi ümmer _hürt_ hewwt, wenn hei uns

rep? Ob wi ümmer _verstahn_ hewwt, wat hei uns seggen wull?«

Na, ’t mag sin as ’t will — hüt röppt hei uns wedder all tausam un

jedenein för sick. Un wat hei uns hüt tau seggen hett, dat is för uns

all ein un dat sülwige: »Fürcht di nich, _du büst min_.« O, wur dat

klingt! Denk trüg an dei Tid, as du noch lütt wirst, dor kem woll mal

wat Swers, ’nen Hund oder ’nen groten Jung, dei wull di wat dauhn, di

würd bang, du füngst an tau schriegen — denn kem woll Vadder oder Mudder,

sei faten di üm un strakten di, un sei säden in’n Ton, as blot Vadder un

Mudder snacken kaent: »Wäs man still, min Jung, min Diern, ick bün ja bi

di, fürcht di nich, du büst ja min.« Un denn wier all Angst vörbi, du

fäuhltst di borgen in trugste Leiw.

Wat äwer will ok dei trugste Leiw von Vadder un Mudder bedüden gegen de

Leiw von denn’ Vadder in’n Himmel. Uns’ Vadder Luther seggt: »Wust du

Gott malen, mößt du en Füer malen von luder Leiw.« Un dese leiw Gott,

dei nix is as luder heilige Leiw, dei seggt tau di un tau mi: »_Du büst

min._« Will wi em dat Wurt nich avnehmen? Sall dat Wurt mi nich vergneugt

un tauversichtlich maken? Ick heww mal ’nen jungen Mätn up ehr letzt

Lager dit Wurt tauraupen un ehr doruphen dat heilig Abendmahl gewen.

Vördem wier sei so mißmaudig un bedräuwt, un naher? einmal aewer dat

anner kem dat aewer ehr Lippen: »Ick bün sin, ick bün sin.« Un dorbi flög

aewer ehr Gesicht son’n äwerirdischen Glanz un so is sei ohn Angst sanft

un selig inslapen.

Sall’t bi uns nich ok so wäsen? Ick bün sin, bün min’n Herrgott sin Kind,

hei hett ’t seggt, doran will ’ck mi holln un will tauversichtlich sin,

mag kamen wat will. Wovör süll ick mi woll fürchten, wenn ick sin bün?

Vör min Sünn un Schuld? Ach, sei is grot un swor, aewer hei vergiwwt sei

mi ut luder Leiw. Vör dei Taukunft mit ehr Sorgen? Ach, sei is düster un

isig kolt, äwer, bün ick man sin, denn nehm ick all min Sorgen in min

folt’ten Hänn un dräg sei em hen in dei Gewißheit: »Hei sorgt vör mi«, un

’t kann mi nix gescheihn »as wat hei hett verseihn un wat mi selig is.«

Wovör sall ick mi fürchten? Vör Minschen un wat sei mi andauhn willt?

Bünn ick man sin, denn weit ick: »Hei un ick hewwn ümmer de Babenhand.«

Wovör denn? vör ’t Letzt, vör ’t Starben? Ach, Starben is swor, dat ritt

so väl Bänner utnein, dei uns mit dei Welt un uns Leiwen tausamenbind —

aewer, bün ick man sin, denn weit ick: Ick heww noch ’ne Heimat, ’nen

Vadderhus haben bi em — ick kam eins in’ ne Wohrheit, rut ut all mi

Twiefel, ut all min Sorgen.«

Dorüm: »_Ick will mi nich fürchten_« — so sall’t heiten, bün ja sin, bün

min’n Herrgott sin Kind.

Aewer dat will wi em ok verspräken: »_Ick will ok din sin_, bäter, as

ick dat bet dorhen wäst bün: din an’n Sündag un Alldag, din, wenn dei

Sünn schient un dei Storm brust. Din, wenn ’ck allein bün un tauhop mit

annern. Din, wenn ’ck arbeit un wenn ’ck mi verhal. Din in’t Lewen, din

in’t Starben.

Amen.

10.

De olle un de nige Heimat.

Predigt in’n plattdütschen Gottesdeinst an’n 10. Oktober 1920 in de

Bugenhagenkirch tau Stralsund hollen von E. _Müller_.

Gnad wes mit jug von den’n, dei dor is un dei dor was un dei kümmt. Amen.

Wi läsen in’t irste Bauk Mose Kapitel twölf, Vers 1 bet 2.

Un de Herr sprök tau Abram: Gah ut din Vadderland und von din

Fründschaft un ut din Vadder sin Hus in ein Land, dat ick di

wiesen will. Un ick will di tau’n grot’ Volk maken un will di

segen un di einen groten Namen maken un du sast ’nen Segen sin.

Herr segen din Wurt an uns’ Harten. Amen.

* * * * *

Wi hebben dat wagt. Wi hebb’n ’nen plattdütschen Gottesdeinst ansett’.

Un dat is uns nich leed. Ick freug mi, dat dei Stun’n nu dor is, wo wi

Gotts Wurt up plattdütsch hür’n kön’n, wo wi sing’n un beden dör’n in dei

Sprak, dei uns eis uns’ Mudder hett lihrt. Ick freug mi, dat’t noch so

veel Minschen giwwt, dei in de grote Stadt de lütte Stadt un dat lütte

Dörp nich vergäten kön’n, wo sei burn un tagen sünd. Nee, wi kön’n uns’

oll Heimat nich vergäten, und wenn wi hunnert Johr olt würd’n. Bet an’n

Dod beholln wi dei Städ leiw, wo uns de Sünn von’n Häwen tauirst lücht

hett, wo de Storm un de Blitz uns tauirst den allmächtigen Herrgott

verklort hebben, wo dat irste Minschenog sick oewer uns’ Weig nedder

neigt hett, wo de Mudder uns tauirst mit Freuden up’n Schot nahmen un

de Vadder uns de Lihren von de Weisheit un dat Christentum in dat Hart

grawen hett. Twors is de Gegend nich beräumt, de wi uns’ Heimat nenn’n.

Kein Water is dor, kein Holt un kein Barg, oewer t’is uns’ Heimat un

dorüm is sei so schön, so schön. Wat hebb’n wi spält up de Strat un

in de Gatz up’n Markt un dor achter an de Mu’er. Wat hebb’n wi uns

Bläumungs plückt an’n Weg, dei dörch de gräunen Feller güng, wat hebb’n

wi Slietschauh lopen, wenn de Paul taufror’n was. Uns’ Schaul was man

’ne lütt Stuw mit olle Disch un leg’ Bänk, oewer t’was uns’ Schaul,

un dorüm was sei so grot. Uns’ Lihrer was ’n ollen frommen Mann, de’t

oewerall gaud meinen ded. Wat hett hei sick för Mäuh gebb’n, uns dat tau

lihr’n wat wi nödig hedd’n för’t Lewen. Un uns’ Schaulkameraden wiren

idel prächtige Kinner! Uns’ Frün’n — wat wirn dat för dägte Jungns, un

din Fründin’n, wat wirn dat för ranke Dierns! Un uns’ Unkel bian was ok

’nen gauden Mann, un uns’ Tanten, dei sin Fru was un uns’ Pät, hadd ümmer

för uns en apene Hand. Oewer dat beste was doch uns’ Vadderhus. ’N lütt

Hus, mit Stroh deckt, oewer uns’ Vadderhus, uns’ Welt! Uns’ Vadder was de

beste Mann in’t ganze Dörp — wat hett hei för uns schafft! Uns’ Mudder

was de beste Fru in de ganze Welt — wat hett sei för uns sorgt! So männig

mal hett sei uns n’ Borring schmeert un sei sülmen et drög Brod. Wenn’t

schummrig worden was in de lütt Stuw — denn sett’t sei sick an den warmen

Kachelaben un wi Kinner sett’ten uns üm sei rüm un uns’ lütt Schwesting

kröp ehr up’n Schot — hürst du noch, woans de Bratäppel in de Abenrühr

schmurten? — Un denn vertellte uns de Mudder de ollen Geschichten, dei

se von ehr Größing lihrt hadd, von Rottkäppen un von den Jung’n, dei

utgüng, dat Gruseln tau lihren. Un von Jesu vertellte sei uns, von den

groten Kinnerfründ, dei de Lütten segn’t un de Groten nich verflucht —

un denn süng sei mit uns de ollen frommen Leeder von’n hilligen Christ.

Un wenn denn Wihnachten wir, dann stek sei uns den Wihnachtsbom an

un leggt uns de Gawen up’n Disch, dei sei süllwst makt hadd mit ehre

flitigen Hän’n. Un uns’ Vadder müßt uns de Julklapp rinschmieten. Un’t

abend’s, wenn wi tau Bett gahn wirn, kem de Mudder noch eis tau uns ran:

Kinding, wat bedst du hüt Abend? Ick bed den Vers, den wi hüt in de

Schaul lihrt hebben. Recht so, min Kinding, den bed man. Oewer sei sülwen

hett den Vers nich bedt, den sei in de Schaul lihrt hett, — sei red’ mit

ehren Gott, as ehr üm dat Hart was, sei red plattdütsch mit ehren Gott.

Un Gott hett sei hürt un hett sei segn’t un dörch sei ok uns un uns’

Kinner. Un mit einmal hürten wi dat Wurt: Gah ut din Vadderland un von

din Fründschaft un ut din Vadder sin Hus in ein Land dat ick di wiesen

will. Un wi güngen un keken uns ümmer wedder üm, ümmer wedder, bet wi

den Kirchtorm nich mihr seihn kün’n. Un uns’ Herrgott wiest uns ein Land

ball dit un ball dat. Wi segen frömde Länner un hürten frömde Spraken —

oewer uns’ Hart liehrte de Sähnsucht. Dat Heimweh kem oewer uns, brennte

in uns as Füer. Uns was tau Maud as Annemariek Schulten up’n Sassenbarg

tau Maud was in klore Stun’n, ok wie hebben schrägen: ick möt furt, ick

möt furt. Un wi güngen furt un kemen nah Hus. De Minschen kennten uns kum

noch, doch uns’ Mudder kennte uns gliek. Sei nehm uns bi de Hand un güng

mit uns nah’n Kirchhof an unsen Vadder sin frisch Graw. Un up de Krüze

oewerall stun’n Namens, dei wi oft hürt un oft näumt hadden. Liesing süng

de Wind oewer dat Dodenfeld un liesing süng dat dörch uns’ Seel: Ut de

Jugendtid, ut de Jugendtid klingt ein Lied mi ümmer dor, ach wur liggt so

wit, wat eis min wier. Un as wi nahsten uns’ Mudder in dat Graw leggt

hedden — schlöt sich sachting achter uns de Dör tau’n Paradies. Sörre dei

Tid hebben wi de olle Heimat nich mihr. Gott hedd sin Wurt wahr makt. Hei

hett uns ’n anner Land wies’t, hett uns ’ne anner Heimat gewen. Hei hedd

uns tau’m groten Volk makt. Hett di Fru un Kinner gew’n, un di ’nen Mann.

Jungs un Dierns speelen üm di rüm, Fleesch von din Fleesch, un Blaut von

din Blaut. Wi hebben truge Nahwers un gode Frün’n. Gott hedd uns seg’nt.

Hedd uns Arbeit gewen, dei wi lasten kön’n. Hei giwwt uns Lohn för uns’

Arbeit. Wi hebb’n uns’ däglich Brot sülwst in schwere Tid, un männig ein

hedd noch mihr. De Herrgott giwwt ok in de Wüst tau dat Brod den Fisch un

makt dat Water, dat bitter schmeckt, uns säut. Gott hedd uns enen groten

Namen gewen: De Lüd reden mit Achtung von uns. Weck nen’n uns Fründ un

Bräuding, un de gröt’st Nam kem uns von säute Kinnerlippen: Vadding,

Mudding. Männig einen hebben wi helpen künnt mit Rat un Dat. T’is wohr:

Du sast ’nen Segen sin. Oewer, oewer wi sünd nich glücklich, wi sünd nich

taufreeden. Dörch uns’ Seel geiht ein deipes Sähnen. Uemmer wedder stött

uns dat up: Dat disse arme Ird nich uns’ Heimat is. Wi säuken ein beteres

Vadderland, ’ne niege Heimat. Wi luren dorup, dat Gott tau uns seggt:

Gah in dat Land, dat ick di wiesen will. Tweidusend Johr sünd dat nu all

her. In Nazareth lewte ein Timmermann. Jesus was sin Nam. Eis hürt’ hei

de Gottesstimm: Gah ut din Vadderland un ut din Fründschaft un ut din

Vadder sin Hus in dat Land, dat ick di wiesen will. Un dat Land, dat Gott

em wiesen ded, dat wir sin nieges Amt, hei süll de Messias sin, ’nen

heimlichen König, dei dat Gottesriek up Irden upprichten süll. Minschen

süll hei sammeln, veel Minschen, dei Gott as ehren König ansehn un em,

Jesum, as den Königssöhn, dei Gott sinen Willen an sich gescheihen laten

un dei Gott sinen Willen dauhn. Dat künn hei nich in Nazareth, dat künn

hei nich as Timmermann. Hei güng in de Frömd. Hei verleet Nazareth, sin

Mudder, sine Bräuder, sine Schwestern, sin Gewarw, sin Vadder sin Graw.

Allens verleet hei. Ohn Rast un ohn Rauh güng hei dörch dat Land un

lihrte un hülp de Armen un makte de Kranken gesund. Hei hadd kein Hüsung.

Gode Lüd nehmen em bi sich up un hebben em tau eten geben. Allens verleet

hei. Sine Mudder verstunn em nich; sei meinte, dat hei sinen Schick nich

hedd. Sine Bräuder un sine Schwestern wullen nicks mihr von em weiten

un sine Jünger kunn’n dat nich begriepen, wat hei tau sei sed von Gott

un von Gott sin Riek. De Juden würd’n em arg. De Pharisäer würd’n em

falsch. De Soldaten müßten em an dat Krüz schlag’n. Dor müßt hei leiden

un starwen, verlaten von alle Minschen. Angst steg in em up, dat Gott em

uk verlaten künn. Oewer Gott hedd em nich verlaten. Dei bleew bi em. Dei

bleew in em. Gott sin Hart was sine Heimat in’n Lewen un in’t Starwen. Un

dat is dat Land, dat Gott uns wiesen will dörch sinen Söhn Jesum Christ:

Sin Hart, sin Vadderhart. In Gott sall uns Heimat sin. Abram müßt ut

sin Vadderland, von sine Fründschaft un ut sin Vadder sin Hus gahn, wil

dat hei den Glowen an den einen lebendigen Gott behollen sull. Will’n

wi dissen Glowen behollen, den uns’ Vadder uns lihrt hedd, will’n wi

dissen Glowen wedder finn’n, den uns’ Mudder uns in dat Hart bed’t hedd

— denn möten wi allens verlaten, wat uns leiwer sin künn as uns’ Gott un

uns ganz un gor in de Hänn un an dat Hart von uns’n Gott leggen, so as

Abram, so as Jesus dat dahn hedd. Jesus hett Recht: Nümms kümmt tau’n

Vadder as dörch mi. Hei is de Dör, dörch dei wi ingahn in uns’n Gott sin

Vadderhus. Un disse Purt is eng, disse Purt ist sihr eng: allens möten

wi affleggen, wat uns hinnern künn dörch dei Purt tau gahn, all uns’

Sorgen, all uns’ Sün’n, all uns’ falsche Leiw. Ja, wenn’t Minschen giwt,

dei uns upholl’n tau Gott tau kamen, Minschen, dei wi leiw hebben, dei

wie sihr leiw hebben, — wi möten up sei verzichten. Jesus hett Recht:

wer Vadder oder Mudder oder Brauder oder Schwester mihr leiw hedd as mi,

dei is min nich wirt. Un de Jünger seggen: Wi hebben allens verlaten üm

dinetwillen, un sünd di nahfolgt. Dat möten wi dauhn: wi möten allens

verlaten üm Jesu willen, em nahfolgen, sine Jünger ward’n. Un sine Jünger

sünd wi, wenn wi uns unnereinanner leiwen, as Jesus sine Jünger leiwt

hedd. Un wi weiten, woans hei sine Jünger leiwt hedd: sin junges, starkes

Lewen hett hei vör sei dorhengewen, nich blot, as hei an’t Krüz starwen

ded, de Unschüllige för de Schülligen, de Reine för de Unreinen. ’T giwt

veel Minschen, dei nah Leiw verlangen in eine Welt vull Haß. O, dat wi

uns unnereinanner mihr leiwen deden! Wi würden Jesu Jünger sin, wi würden

sine Deiner sin, un wo hei is, dor sälen ok sine Deiner sin: Bi Gott,

in Gott. Wenn wi leiwen, is Gott in uns, sünd wi in em, hedd uns’ Seel

de Heimat, de Rauh in em funnen, de Heimat, dei dor bliwt. _Un_ dat is

de grote Nam, den’n Gott uns makt: Wi heiten Gott sine Kinner. Un noch

einmol hürn wi dat Wurt: Gah ut din Vadderland un von dine Fründschaft

un ut din Vadder sin Hus in ein Land, dat ick di wiesen will. Un Gott

wiest uns ein Land. Dit Land liggt nich up disse Ird, dit Land liggt up

de anner Welt. Un tüschen hier un dor liggt ’n grotes, grotes Water. Dor

weiht ’n harten Storm, dor gahn de Bülgen hoch. Angst kriegt männig ein,

wenn hei denkt an sinen Dod. Un Angst kriegt jederein, den de schwarte

Vagel mit sine Flüchten berührt. Äwer wes’ nich bang! De Herr wiest di

dat Land, un hei is mächtiger noch as de Dod. Jesus stürt dat Schipp, dat

oewer dat grote Water führt. Sine starken Hänn drägen uns an dat Land,

dat uns’ niege Heimat is. Dor makt uns Gott tau’m groten Volk: hei giwt

uns dei wedder, dei vör uns storwen sünd, un hei giwt uns dei wedder, dei

nah uns starw’n ward’n. Hei segn’t uns: hei wischt af all dei Tranen, dei

wi hier un’n weint hebben, ok dei, dei wi nachtens weint hebben, wenn wi

nich slapen künn’n vör Sorg un vör Hartweihdag. Hei giwt uns dat Lewen,

dat nie nich uphürt. Hei makt uns einen groten Namen. Wi heiten Hillige

un wi heiten Selige. Un hebben wi Glowen hollen bet an’t Enn, Kinner un

Kinneskinner, dei uns hebben starwen seihn, lihren den rechten Glowen un

ward’n selig. So wat’t wohr, wat de Herr seggt: du sast ein Segen sin. Un

nu hür nipping tau: Hüt seggt de Herr tau di: Gah ut din Vadderland un ut

din Fründschaft un ut din Vadder sin Hus, in ein Land, dat ick di wiesen

will. Nu weitst du, wat dit Wurt för di bedüd’t. Nu gah in dat Land, dat

de Herrgott di wiest, as Abram, as Jesus in Gehursam un Tauvertrugen. Gah

in Glowen den Weg, den din Herrgott, din Vadder di wiest, den Weg ut de

olle in de nige Heimat.

Amen!

11.

Sünndagsklocken: Stadt- un Dörp-Predigten · 第 14 / 25 题