Plattdütsch Predigt

holl ’n up denn plattdütschen Volksdag, 3. Juli 1921 in Rostock in de

St. Marienkirch, von Paster _Schliemann_ in Toitenwinkel äwer Ap.-Gesch.

2,1-13.

Vör lange Johren sall mol ne Tid west sin, wo de Lüd all tosamen ein

Sprak hatt hebben. För gewiß is, dat wi vel Fründschaft bet achter nah

Asien hen hebben, de von uns’ Blaut sünd un de bloten de Sünn butwennig

brun farwt hett, un ok dat, dat uns’ Vörvadders mol einer bi den annern

wahnen deden un sick verstahn hebben. Vel, dat de Lüd sick hüt so falsch

sünd, kümmt dorvon, dat se einer denn annern nich mihr verstahn, dat de

Franzos anners redt as de Dütsche un de Engländer noch wedder anners as

de beiden. Ick weit woll, dat se up de hogen Schaulen de frömden Spraken

lihren un uns’ Ministers sitten nich as nen Dowen mank de annern, wenn de

ehr wedder en grawes Wurt tau seggen hebben. Ok nich as nen Kranken, denn

de Dokters mit gelihrte Würt denn Kopp wirrig maken, wil hei se hürt,

äwer nich versteiht. Verstahn un verstahn is wat anners. Dor hürt mihr

tau, as Vokabeln lihren. In de Sprak von ein Volk wist sick ok dat Hart

von ein Volk.

So as ick sprek, so as ick bün. Jeder ein redt dat denn un wenn mol ut,

woans em üm dat Hart is. Wenn einer vel slichte Würt in sin’n Mun’n hett,

denn weit ick, dat hier binnen n’ gläunig Füer brennt. Un wenn hei de

ganze Tierwelt so kortweg ümmer bi de Hand hett, denn weit ick, dat hei

all vel Strit hatt hett. Wenn de Franzosen ümmer ehr »revanche« schrie’n,

denn weit ick ok, dat se mindag nich vergeten können. Bismarck sed mol

von ehr: De Franzos, seggt hei, schriwwt anners, as hei sprekt, dorvon

is hei nich tru un uprichtig. Natürlich is de Sprak man blot ’n Kled,

dat ein Volk sick ümhängt, un achter dat se noch allerhand versteken

känen, äwer ut dat Kled, dat einer anhett, süht man ok sinen Gesmack. Un

nahsten warden denn de Kleder wider verpaßt, so as se in ne grote Familie

ok de Reih’ rünner gahn möten. Un all de jung’ Franzosen oder Engländer

oder Dütschen möten denn in de Schaul dat Kled verpassen lihren, dat ehr

Vörvadders ehr bestellt hebben. Is ’t smutzig, helpt nich, is ’t sauber,

mag ’t gaud wesen. För gewiß is ’t blot, dat se rinner möten un nu de

Kleder de Lüd’ so moken, as man seggt, oder mit anner Wurt, dat de Sprak

nu denn Minschen makt, so as de Minsch mol de Sprak mokt hett.

Wovon ick juch dat vertell, min leiwen Frünn? Wil uns hier ein Deil

tosamen bröcht hett; dat is uns’ Sprak, uns’ Muddersprak. Ji hebbt dat

hier vör ’n Johr hürt: »As de Unbekannten un doch bekannt.« Wi kennen uns

an uns’ Sprak. Mihr noch, wi verstahn uns in uns’ Sprak. Wi meinen, se is

en Heiligtum, tau dat wi lange Tiden den Slötel verlur’n hadden, dat wi

tauletzt, wil wi nich eins mihr nah binnen kamen wiren, meinten, dor wir

ne Rumpelkamer achter de Dör. Äwer as wi se upstörrten, hebben wi seihn,

dat dor en Schatz in versloten wir, as Gold un Sülwer. Wi möten dissen

Kieselstein von ’n meckelbörgischen Ostseestran’n man bloten richtig

infaten, denn so fangt hei an tau glitzern un tau gläunen. Wi hollen uns

Muddersprak för wirt, uns nich blot Schelmstück tau vertellen, ne se sall

uns ok Gotts Wurt vertellen. Wi weiten dat se uns an dat Hart grippt.

Dat is de Sprak, de wi verstahn. So segg ick ok von de Sprak, de wi

verstahn:

von de Muddersprak ut uns’ Heimat,

von de Hartsprak ut Leiw,

von de Gottssprak ut sin Wurt.

Ick hebb de Geschicht von Pingsten verlest, wil dor vertellt ward, dat de

Parser un Meder un Elamiter un wo se süs all heiten up einsen ehr Sprak

hüren deden. Wenn ein Minsch dor buten in Amerika oder dichter bi in ne

grote Stadt up einsen hürt, dat einer anfangt plattdütsch tau reden — so

möt de ollen Kameldribers un Handelslüd in Jerusalem tau Maud west sin,

as se dat belewten. Ünner de Dusende, de einer nich kennt un de einer

nich trut, findt hei einen, den’ hei trut. Hei is, dat weit hei denn,

womäglich ünner ein meckelbörgisches Strohdack grot worden un hett up

den’ gesegenten meckelbörgischen Acker sinen Sweit vergaten un hett in ’t

Holt ünner de groten Bäuken sungen un fläut’t un hett an’t grote blage

Water stahn un dat schient em noch hüt blag un tru ut de Ogen.

So sünd wi hier ok tausamen. Wi hebben uns in ne grote Stadt drapen.

Wenn einer sick verlaten fäuhlt, denn so sall hei weiten: hier sünd

true Lüd üm di rüm. Min leiwen Frünn, dor will ick glik wedder an minen

Anfang anknüppen un seggen: Laten wi doch nich blot de Minschen de

Sprak maken, ne ok de Sprak de Minschen maken. Lat’t uns’ plattdütschen

Vereins nich tau ne Mod’sak warden, de nu grad mal an de Tur is. Lat’t

de Lüd nich rinkamen ut luder Nilichkeit oder wil se Vergnäugung säuken,

ne beter dorüm, wil se olle nedderdütsche Tru un Ihrlichkeit säuken,

de ji in juch Vereins plegen wöllt. De Sprak röppt mit jedes Wurt: Wes

tru, wes ihrlich! De Würd sünd keine trechthaugte Plastersteins, ne,

eckige grawe Feldsteins, äwer de Mur, de dorvon bugt ward, de höllt. Ji

Plattdütschen, lat’t de Mur ok hollen, wenn ji so en Mur mit Würd upbugt.

Dat Hochdütsche is Mod’sprak worden. Dat hett all de Würd von de nigen

Moden un nigen Gedanken upnehmen mößt. Vördem is’t halw fränzösch worden,

nahsten hebben se’t lütwenig bete sauber makt. Dat höllt äwer nich vör.

Wi Plattdütschen sünd noch trug. Wi hebben noch gor kein Namens för de

nimodsche Danzeri un Kamedi. Uns’ Sprak steiht noch up denn Standpunkt

von uns’ Vadders. Dat sall uns denn ok ’n Handwiser wesen: trügg tau

uns’ Vadders! »Wi möten ümkihren« seggt Jesus Christus. Herr wi bruken

en Gelänner, dat uns en beten Hollfast giwwt. Dor gripen wi nah uns

Muddersprak. Plattdütsch’ Lüd helpt de Welt betern! Betert bi juch äwer

tauirst in’n Verein, in’n Hus, in’t Hart. Ji ward dat nu verstahn, wenn

ick segg: Betert plattdütsch.

Ick weit nich, ob ick denn Handwiser richtig lest heww, de in uns’

plattdütsche Muddersprak upricht’t is. Äwer ick glöw, dorup steiht

schreben: Trüg tau de Natur. Jed ein von ehr Würd hett noch denn

frischen Irdgeruch von buten her an sick. Dat is, as ob en Minsch von

buten her rinner kümmt in ne Stuw mit slichte Luft, de sick äwersten

denn ok ümmer wedder nah buten trügtreckt. So as uns ganz Volkskraft

un Volksgesundheit, as sei seggen, ümmertau von Lan’n her spist warden

möt! Süß hadd’ dat ganze Water sick all lang vertagen, wenn nich de Bäk

dor ehren Anfang hadd, de ümmer noch Water giwwt. De Gelihrten seggen

hüt, de grote Untofredenheit kümmt dorvon, dat kein ein sin eigen Stück

Land unner de Fäut hett. Dat giwwt keinen säkern Stand mihr in’n Leben

un Starben. Plattdütsch Lüd, seihn wi nich denn Handwiser, denn uns’

Muddersprak in all dat hochdütsche Wesen upstellt hett. »Trüg tau’n

Lann«, dat heit nich trüg tau mißmautige Knechts un untaufreden Lüd, ne

dat heit trüg tau unsern Herrgott sin gesegnete Natur. Dor sünd wi Gott

neger as mang de Hüser. Wenn einer de süht, de am Enn so hoch sünd as

mal de Turm von Babel wir, denn fängt hei ok so as de Lüd dunntaumalen

an, sick sülbsten antobeden. Äwer de Landmann, de tausamensackt, wenn

de Weder sin Kurn slagen, de na Regen utkickt, wenn de Saat gel ward, de

bed’t, wenn hei kein Narr is, tau den’ Gott, de de Wulken führen, den’

Wind weihen, de Sünn schinen heit.

De heilige Antonius wir nen groten Heiligen. Hei wir Einsiedelmann in

Ägypten. De würd’ mal fragt, wovon hei sin grote Klaukheit hadd! Dor säd

hei: Hier is ein Bauk, ut dat ick se lihrt heww. Hei nehm de Bibel von’t

Schabb. Dat anner Bauk, säd hei, is so grot, dat geiht nich in min Stuw

rinner. Un hei nehm denn annern mit nah buten. Buten säd hei, dit Bauk

hett twei Bläder. Dat ein is de blage Hewen un dat anner de gräune Ird.

Un all beid seggen mi von de Macht un Grött von unsern Herrgott.

Mihr noch as uns Muddersprak hett uns de Hartsprak ut Leiw tau seggen.

Am besten wir’t se wiren ümmer all beid tausamen. Dat wir en Ihrentügnis

för uns’ pladdütsche Muddersprak. Äwer ick heww vör mennig Hus buten oder

in mennig Hus binnen hürt, dat dor up plattdütsch ein Isen an’t anner

scharpt würd, nich slichter un nich beter as dat up hochdütsch Mod is.

Disse Sprak, von de ick nu seggen will, de bind’t noch beter as

hochdütsch un plattdütsch oder irgend ein anner Sprak ünner denn Hewen.

Ja gerad’, wo de Einigkeit bi desülbige Muddersprak in de Brüch gahn is,

kann se wedder einen tau denn annern bringen. Wi sünd hier von’n Lann

un ut de Stadt. Hüt morgen un hüt nahmiddag höllt uns dat Plattdütsche

tausamen, äwer wenn wi morgen oder äwermorgen einer mit den’ annern tau

handeln hebben, denn is disse oder jene dor, de den’ annern äwersegeln

will. Un wenn dit un dat knapp un dür ward, denn is de Einigkeit ganz un

gor vörbi. Un wenn’t an’t wählen geiht, denn will de ein den’ annern den’

Tom anleggen, dat hei em nich wedder mit de Prisen dörchgeiht. Min leiwen

Fründ’, wie möten awsolut diss’ Hartsprak ut Leiw tau uns’ nedderdütsche

Muddersprak dortaulihren, süß verstahn wi uns nich. Süß sünd all de

Festlichkeiten un wat süß angeben ward, ganz un gor för ümsüß.

Disse Sprak ward in de ganze grote Welt verstahn. Wenn de Missionars

tau de Heiden kamen ahn Geld tau ’n Inköpen, as se dat von de Koplüd

gewennt sünd, ahn Metz un Gewehr tau ’n tausteken un dotmaken, as se dat

von de Soldaten kennen, denn so gahn se irsten in en grotes Wunnern üm

ehr rümmer. Un wenn de Missionars anfangen in de swere Heidensprak tau

predigen, verstahn s’ nich ümmer glik alltovel, äwer so na un na hüren ’s

dat rut, dat disse Lüd tau ehr kamen sünd, ehr dat Evangelium tau seggen,

ahn dat se Geld un Ihren dorbi verdeinen, blot ut Leiw. Dat versteiht

denn ok nen armen swarten Heidenminschen, un so ward disse Sprak in de

ganze Welt spraken un wi möten ’s blot recht gaut alltausamen lihren,

denn so ward ’t ok beter mang uns un in de Welt.

De Gottssprak ut sin Wurt, dat is dat Letzte. Ok ne Sprak, de wi

verstahn. Einer kann noch wider weg wesen, von Vadder un Mudder as wenn

hei nah Amerika äwer ’t grote Water is. Hei wahnt ganz dicht bi ehr — am

Enn in datsülbige Hus — un doch liggt dat as nen grotes Water mang ehr.

Un dat giwwt, as Abraham tau den riken Mann säd, kein hen un kein her. Up

de ein Sid is Tru un Ihrlichkeit, up de anner Sid is Leigen un Bedreigen

un oll Lüd utlachen un taum Besten hebben. Vel jung Lüd maken de Reis

äwer dat Water. Äwer ok in dat nige Land, dat de Düwel entdeckt hett,

hüren se de Sprak, de se verstahn. Mennig ein Vadder un mennig ein Mudder

känen ehr Kind nich mihr trügraupen, so wid is ’t all von ehr aw, äwer

uns’ Herrgott kann ’t noch trügraupen, för den is ’t noch nich tau wit

weg. Wo seggt David: »Un wenn ick utfleigen ded mit Flüchten bet achter

dat grote Water, du würst mi ok dor tau hollen kriegen.« Dor brukt kein

Paster lang tau reden, hei redt allein un wenn ’t Tranen un Weihdag kost

’t. Vel sünd in son Bisternis, am Enn uns’ ganzes Volk. Raupen wi ’s

up plattdütsch, un se nehmen ’t nich ümmer irnsthaft, raupen wi ’s mit

Leiw, un se bliben mennigmal hart, laten wi ’s von Gott raupen, se möten

’t hüren. Plattdütsch is wat wirt, Leiw is mihr wirt, Gotts Wurd is am

mihrsten wirt. Hier is ein Deil för gewiß, dat is Plattdütsch, hier is

ein tweit Deil, mein ick, bi de Mihrsten, dat is Leiw, de helpen mügg,

hier is ein drütt Deil, dat is uns Herrgott, wenn wi ’t man irnsthaft

meinen. Denn sünd ok in de deipste Not drei gaude Deil tausamen.

Amen.

8.

Sünndagsklocken: Stadt- un Dörp-Predigten · 第 12 / 25 题