Plattdütsch Predigt

an’n 16. Sünndag nah Trinitatis (11. 9. 1921.) hollen von Propst

_Dahlmann_ in Golbarg.

Phil. 1., 21 ff. »Christus is min Lewen, Starwen is för mi

Gewinn. Wenn ick äwer bedenken dauh, dat ick hier in dei Welt

noch veel dauhn künn, denn weit ick nich, wat ick mi wünschen

sall. Denn weit ick nich, wat dat Best vör mi is. Ich hadd woll

Lust aftauscheiden, un nah den ’n Herrn Christus tau gahn, dat

wir för mi wol dat Allerbest. Äwer, wenn ick an juch denk, denn

wir’t wol beter, dat ich noch ’n beten hier blew. Dat ward ok

wol so kamen, dat ick noch bi juch bliwen sall, dat ick juch in

’n Glowen un in dei Freud an jugen Glowen wiederhelp«.

Hüt is de Kirch jo mäglich vull, un dat noch tau an’n gewöhnlichen

Sünndag. Dat is’n jo gor nich mihr gewennt. Ja, in dei Kriegstid, as

dei Lüd all Angst üm ehr Manns un Sähns harren, dunn wir dei Kirch an’n

gewöhnlichen Sünndag ok wol oft so vull as hüt. Äwer nu nah ’n Krieg dor

hebben veel sick dacht: »O, nu kann uns dat nicks mihr dauhn, nu bruk

wi ok nich mihr so oft nah dei Kirch tau gahn.« So hewwen sick veel,

gortau veel, dat Kirchengahn wedder awwennt, un meist is jo veel Platz

up dei Bänken. Na, worüm dei meisten hüt herkamen sünd, dat is jo kein

Geheimnis. Üm dat Gottswurt un dei Andacht is dat hüt veele villicht

weniger to dauhn, ne dei Niglichkeit het sei herdrewen. Sei sünd niglig,

wo sick dat wol anhürt, wenn Gottswurt plattdütsch predigt ward, un wo

dei Preister sick dor wol anstellt. Nu mücht ick wol wünschen, dat dat

mennig einen von de Nigligen hüt so gahn deiht, as dat dei Fisch oft

geiht. Dei Fisch will’n von’n Fischer süß nich veel weiten, un gahn em

ut’n Weg, wenn hei mit sin Nett un sin Angel rankümmt. Wenn dei Fischer

nu äwer up sinen Angelhaken son schöne, recht apptitliche Lockspies

stäken hett, dann ward mennig Fisch doch niglich un denkt bi sick: sallst

doch ok mal eins präuwen, wo dei schöne Lockspies smeckt, un geiht ran

an dei Angel, un mit eins sitt hei an den’n Angelhaken fast un kann nich

wedder loskamen.

Uns Herr Christus hett jo eins tau Petrussen seggt, hei süll nu man

dat Fischfangen up den’ See Genezareth sin laten, hei süll nu ’n

Minschenfischer warden, dei Minschen för den ’n Herr Jesus infangen süll.

Dit Wurt von den ’n Herrn Jesus gellt för uns Preisters alltauhop. Wi

sälen ok all Minschenfischers sin, dei dei Minschen för den ’n Herrn

Christus infangen. Denn dörpen wi dat ok woll so as dei Fischers maken,

un dat is woll ganz in ’n Sinn von den ’n Herrn Jesus, dat wi dei

Minschen, dei süß nich nah’re Kirch kamen, mal eins dörch ne Lockspies

anlocken, üm ehr denn för den ’n Herrn Christus un sin Wurt tau fangen.

Un as nu weck von dei Gemein in dei Zeitung setten leten, dat sei wol

girn mal dat Gottswurt in uns leiwe plattdütsch Muddersprak hüren

müchten, dor hewwen wi in ’n Kirchgemeinrat uns seggt: Worüm nich, dat ’s

ne schöne Gelegenheit, Gottswurt an dei Minschen ran tau bringen, dei dei

Kirch süß ut ’n Weg gahn. Wi willen ehr mal ne plattdütsch Predigt as ne

Lockspies henholln. Villicht geiht denn den Einen ore Annern dat ok so as

dei Fisch, mit eins hackt sick Gottswurt up des Ort in ehr Hart fast, dat

’s gornich wedder von loskamen känen. So hebben wi uns dat dacht, wenn

wi hüt de Gemein tau ne plattdütsch Predigt inladt hewwen. Un uns Herr

Gott mag sinen Segen tau dit Vörnehmen geben, dat sin Wurt, ok wenn ’t

plattdütsch predigt ward, nich leddig werre trüg kümmt.

Wi wenn’ uns nu nah desse lüt Vörred tau dat Gottswurt, dat ick, so gaud

as ick künn, int Plattdütsch äwerdragen un vörlest heww. Soveel ward ji

woll noch behollen hebben, dat dat Wurt von ’t Starwen redt. Ja Paulus

redt von sin eigen Dod. Aewer wat Paulus hier von sin eigen Dod seggt,

dat möt uns doch wunnern. Hei seggt, dat vör em dat Starwen dat allerbest

wir, ja, dat Starwen för em gradtau ’n groten Gewinn wir. Dat krigt ’n

nich oft tau hüren. Segg mal sülwst, wo würd di wol tau Maud sin, wenn

dei Dod nu mit eins an di ranne kem, di mit sin knaekern Hand anfaten

würd un sed: »Brauder, Swester, kumm mit, nu is din Tid üm«. Würdst du

di denn ok as Paulus freun, würdst du denn ok so ähnlich as hei seggen:

Leiwe Fründ, nah di heww ’k mi all lang sehnt, wo freu ick mi, dat du nu

endlich kümmst un mi halst? Ick heww grote Lust, mit di tau gahn. Dat

is för mi jo grad so, as wenn ick ’n groten Gewinnst makt hadd. Ob wol

einer von uns so seggen würd? Würd ’n wi wol nich tausamenschuddern vör

den unheimlichen Gast un uns strüwen, mit em tau gahn? Von Lust würd

wol wenig tau spören sin, desto mihr äwer von Roren und Schrigen. Ne,

von Natur hett kein Minsch Lust tau ’n Starwen. All Minschen trachten

nah ’t Lewen un willen lewen. Maennigmal seggen wol Minschen, dei swer

krank sünd un veel Weihdag hebben, ja oft nich mal mihr sitten ore

liggen känen, dei seggen wol mitunner: Wenn ick man dod wir, ick bün mi

sülwst un min Angehürigen blot noch tau Last. Aewer dei seggen meist man

so: Wenn dei Dod, den ’n sei sick so lang wünscht hebben, denn kümmt,

un seggt: »Kumm mit!« denn is ’t mit eins all nich wohr, wat sei seggt

un sick wünscht hebben. Denn heit ’t up eins: Ach, wenn ick doch noch

’n beten lewen künn, wo girn blew ick noch ’n beten hier. Wi Minschen,

wi hängen so fast an ’t Lewen, un wenn uns Lewen ok man blot noch ’n

Quällewen ist. ’n Quällewen dücht uns doch ümmer noch beter as dod sin.

Un nu gor, wenn Minschen noch arbeiten un wirken kaenen un hier up dei

Welt noch veel tau dauhn hebben, un de Arbeit ehr ok noch Freud makt, so

as dat bi Paulussen dei Fall wir, dei ok wüßt, dat hei hier noch veel,

gortauveel besonners bi dei Philippers tau dauhn hadd un so girn dauhn

mücht, dor finnen wi dat wol nich so licht, dat ein as Paulus seggt:

»Ick har wol Lust awtauscheiden, Starwen is vör mi ’n Gewinn.« Minschen,

dei süß noch gesund sünd un doch nich mihr lewen mägen, dei sick sülwst

uphängen, ore dodscheiten, ore versöpen, dei sünd meist swer krank in ’n

Kopp un weiten nich, wat sei daun.

Dat is jo ok gor kein Wunner, wenn dei Minschen Angst vör ’n Dod

hebben. Hei is jo doch ’n unheimlichen, fürchterlichen Gast, so dat wi

tausamenschuddern bet in dei Knaken, wenn hei bi uns an dei Dör kloppt,

rinne kümmt, an ’t Krankenbedd rantred un tau einen von uns Leiwen ore

tau uns sülwen seggt: »Kumm mit mi!« Hei hett jo ok son ’n Macht, dor

kann keiner gegen an, dor möt sick jere geben, ob hei will ore nich,

dor helpt kein Bidden un Strüwen. Wenn hei seggt: »Kumm!« denn möt wi

kamen, ob wi willen ore nich. Ein von uns plattdütschen Dichters, John

Brinkmann, hett uns in ein von sin Rimels beschrewen, woans dei Lüd in ’n

Hus tau Maud is, in dat dei Dod intreden is. »Dei vörnehm Gast« heit dei

Aewerschrift. Dei Dichter denkt sick dat so, dat in ein Hus dei Mudder

storben is. Grad an den Dodsdag kümmt dei Saehn ut dei Frömd trüg un weit

noch gornich, dat sin Mudding dod is. Vull Freud un Lust kümmt hei nah

dei Stuw rinne, wo dei Vadder trurig sitt. Dun seggt dei Vadder:

Min Saehn, perr nich so hart,

Perr up nich vull so fast!

Dei Däl un Sahl, dei knackt un knarrt,

Un hier is ’n vörnäm Gast.

Dei is hüt aw hier stegen,

Dreggt up sin ’n Kopp ’n Kron,

Üm din leiw Mudding wegen

Möt wi em Ihr andon.

Mak apen du man sacht,

Ganz sacht dei Kamerdör,

Dor kannst em seihn in all sin Pracht

Hei steit an ’t Bedd bi ehr.

Sin linke Knakenhand hett

Hei up dei Stirn ehr leggt,

Hei swiggt — man nah den Kirchhoff wiest,

Min Saehn, hei mit sin recht.

Ja so is dei Dod, as ’n König so stark un mit so ’n Macht, dat keiner

gegen em upkamen kann. Up em möten ’s all hüren, dei Hogen un dei

Niedrigen, dei Riken un dei Armen, dei Königs un dei Prachers. In weck

von dei schönen groten Kirchen find’t ’n oft Dodendänz malt. Dor süht ’n

up dei langen Wänn ’n groten Uptog von allerhand Minschen malt. Vöran

danzt dei Knakenman, dei Dod, un spält uppe Vigelin ore Fläut, un achter

em her danzen allerhand Minschen, dei Kaiser mit sin Kron, un dei Papst

mit sin dreiduwwelt Kron, un dei Soldat, dei Studierten un dei man

wenig lihrt hewwen, Jung un Olt, Manns un Frugens, ja sülwst dat lüt

Kind, dat noch gornich gahn kann, all mötens mit, wenn dei Dod ehr tau

’n Danz upföddert. Un wenn hei nu kümmt un föddert wen up tau ’n Danz,

denn bringt dat kein Freud un Lust un Lachen, denn heit dat Awschied

nehmen von dat Leiwste, wat ein hett, un dat geiht ahn bläudige Tranen un

Hartweihdag nich af.

Denk mal eins dor an, wo Fritz Reuter dat beschrewen het in dat 1.

Kapitel von sine Stromtied, wo Havemann tau Maud wir, as hei an dat Sark

von sin jung’ Fru dei Likenwacht höl. Dor sitt hei an dat Sark, ganz

alleen mit sin lütt Döchting. Dat Finster is apen, dei schöne Sommernacht

lett ehren säuten Geruch nah dei Stuw rinne trecken. »Oft hett Havemann

sick doran freut, nu kann hei sick nich mihr doran freun.« ’ne grote

Freud was em mit sin Fru unnergahn un hadd all dei lütten mit sick

reten. Hei makte dat Finster tau, un as hei sick ümdreihte, stünn sin

lütt Döchting an’t Sark un langte vergews nah dat still Gesicht, as wull

sei’t straken. Hei böhrte dat Kind höger, dat dat ankamen künn, un dat

lütt Dirning strakte un eite mit dei warmen Hänn un dei warmen Leiwswürd

an ehr stilles Mudding un an den kollen Dod herümmer, un kek dunn den

Vadder mit ehr groten Ogen an, as wull sei nah wat Unbegripliches fragen,

un pohlte: »Mudding, — huh!« Ja, säd Havemann, Mudding frirt, un dei

Tranen störten em ut dei Ogen, un hei sett’te sick up dei Kist un nehm

sin Döchting up ’n Schoot un weinte bitterlich. Un dei Lütt fung ok an

tau weinen, un weinte sick sacht in den Slap; hei led sei weik an sick

un slog den Rock warm üm ehr, un so satt hei dei Nacht dor un höll truge

Likenwacht bi sin Fru un sin Glück.« Sonn Led, sonn Hartweidag bringt

dei Dod. So verännert hei ’n Minschen, dat sülwst ’n Kind vör sin eigen

Mudding grugen ward. Dat hebben sick nich blot dei Dichters so inbildt un

utdacht, ne, dat is dei harte Würklichkeit, dat weiten wi all, dat hebben

wi alltauhop sülwst erfohren, un ähnliche Stunn het männigein von uns all

sülwst dörchmaken müßt. Un wat wir ’t doch för ’n sweren Gang, wenn wi

ein ’n von uns Leiwen nah ’n Kirchhof begleiten müßten. Dei Dichter, John

Brinkmann, von den ick irst all ’n Vers vörlest hew, hett’t en annermal

beschrewen, wo ’n Vadder to Maud is, dei sinen Sähn begraben möt. Dat

Gedicht hett dei Äwerschrift: »Hei stürw.« Ick will ok dat noch mal

vörlesen:

Nu Meister, schruw hei tau den Sark!

Nu Mudder, Mudder, mak di stark

Un drög di aw din Tran!

Den Wagen führ nu vör, Jehann,

Un Schritt vör Schritt lett’st du din Spann

Hen nah den Kirchhof gahn.

Wi Kinner, wi gahn mit tau Faut.

Dei Weg tau Gott is ümmer gaud,

Un is ’t son ’n sworen Gang,

So swor, as ick em gahn nu möt,

Mi drägen doch sacht hen min Föt,

Wir hei noch eins so lang.

Wat freugt ick mi, as Gott em gew —

Son ’n einzigst Kind hett ein so leew,

Wat helpt dat alltausam!

Hei stürw, ick bring em nah sin Graw,

Gott’s Husdör is’t, dor sett ’k em aw —

Führ tau in »Jesu Nam! —«

Ja, ’t is’n unheimlichen, harten Gast, dei Dod, dei vel Leed un Weihdag

mit sick bringt, un so stark is, dat keiner gegen em upkamen kann.

Un des’ unheimliche Gast kümmt jedwereinen von uns neger und neger, kann

hüt kamen, kann morgen kamen un bi di ankloppen. ’t kann jo ok noch ne

Tid wohren, bet hei kümmt, äwer kamen deiht hei nah mi un di, so gewiß as

dat Amen in’t Vadderuns’. Ut’n Weg gahn kann em keiner. Dat weit wi all,

un dat, wat uns so bevörsteiht, hett uns wol all männig bös Stunn makt.

Wo männig Minschen giwwt dat wol, dei ehr Lewen lang unner den Druck von

dei Dodsfurcht stahn un mit Grugen denken an dei Stunn, wo sei an de Reig

kamen.

Un Paulus süht sin Dodsstunn, as wi irst hürt hebben, ganz ruhig

entgegen. Sinentwegen kann dei Dod jeden Ogenblick kamen, hei hett gor

kein Bang för em. Denn möt hei wol ganz gewiß weiten, dat dei Dod em

gornicks daun kann, em ok nicks nehmen kann; ne, hei kann em tau wat

verhelpen, up dat hei sick all lang freut hett. Ach, wenn dat mit uns

doch so warden künn, wenn wi doch ok von alle Dodsfurcht ahnig warden

künnen! Wo schön wir dat wol. Wo würd uns ganz Lewen ’n ganz anner

Utseihn kriegen. Wo hett Paulus dat blot farig bröcht? Hei verswigt

uns dat nich, hei seggt dat hier: »Christus, seggt hei, is min Lewen.«

Dorüm is Starwen för em Gewinn. Sall hei eins afscheiden, denn bedüd’t

dat Starwen för em nicks anners as na ’n Herrn Christus gahn. Dat’s

noch nicks legs vör em, ne, wat schöneres beters kann’t jo gornich

för em gewen. Dat is jo för em dat Allerbest, wat’t gewen kann, nah’n

Herrn Christus tau kamen. Wenn hei an sin Dodsstunn denkt, denn is em

so tau Maud as de Kinner, dei up Wihnachten lurn. Beten grugen deiht

ehr wol noch in dei düster Stuw, in dei sei täuwen möten. Äwer dörch

dei Dörenritz un dat Slötellock föllt wol af un an all’n Schäumer von

den Dannenbom, dei all anstickt ward, un sei weiten ganz gewiß, dor in

dei anner Stuw ward wat Schöns för sei prat stellt. So’n beten weiten

sei all, wat de Wihnachtsmann bringen ward, äwer wat genaues weiten sei

doch nich. Sei weiten äwer all von dei annern Wihnachten her, dat dat

ümmer ne grote Äwerraschung gewen deit. Un nu geiht endlich dei Dör up,

un dei Dannenbom steiht dor in sin Pracht un sin’n Glanz un all dei

schönen Gawen, dei dei Leiw ehr taudacht hett, sünd dorunner upbugt. So

as’n Kind sick freut up Wihnachten, so freut sick Paulus up den Dag, wo

dei Dod kümmt. An den’n Dag geiht vör em dei Dör up, achter dei all dei

Herrlichkeit upbugt is, dei dei Herr Jesus vör em prat stellt hett. Un

wenn Paulus sick ok veel vermauden is, hei weit, dat ward denn doch noch

ne grote Äwerraschung vör em gewen. Dat ward denn doch noch mal dusend

mal schöner sin, as hei sick dat dacht hett. So is em tau Maud, wenn hei

an sinen Dodsdag denkt, wil dat Christus sin Lewen is.

Christus is sin Lewen. Wat meint hei dormit? Paulus sin Lewen hett 2

Deil. Dei irst Deil wir dei, wo hei von den Herrn Jesus nicks nich weiten

wull, wo hei em gradtau verfolgen ded, wo hei nicks, ok gornicks mit em

tau daun hebben wull. In dit lütt Stück von sinen Lewen dacht Paulus

ok wol männigmal mit grote Angst an sinen Dod. Äwer dat würd mit eins

ganz anners von den Tag un dei Stunn an, as dei Herr Christus em vör dei

Stadt Damaskus dalsmiten ded, as hei dor seihn un erlewen müßt, dat dei

Herr Christus doch dor is un lewt, un as hei sick entsluten ded, in den

Deinst von den Herrn Christus tau treden un blot dat tau daun, wat dei

em seggen ded. Donn würd sin Lewen ganz anners. Von dei Stunn an künn

hei seggen: »Ick lew, doch eigentlich lew ick gornich mihr, ne Christus

lewt in mi.« Von dei Stunn an künn hei seggen: »Christus is min Lewen,«

von dei Stunn an künn hei äwer ok seggen: »Starwen is mi nu Gewinn.« Nu

dat Christus in em lewen ded, wecke wull em nu noch sin Lewen nehmen? Dor

künn jo dei Dod mit all sin Macht kamen, gegen den Herrn Christus, dei

in em lewen ded, künn hei jo doch nich upkamen. Dat Lewen, dat hei nu

in sick har, dat künn jo gornich all warden. Wull dei Dod em sin Lewen

nehmen, denn hadd hei em jo mit den ’n Herrn Christus uteinannerriten

müßt. Dat güng nich, hei wir jo mit den ’n Herrn Christus nah un nah so

tausamenwussen, dat ehr kein Macht von dei Welt un ok dei Dod mit all sin

Macht nich uteinannerriten künn. So as ’ne Kliw sick mit dusende von lütt

Hakens int Kled von einen inhakt, dei an ehr vörbi geiht, un sick mit

anner Hakens fasthakt, wenn weck losreten wardn, so hadd hei sick an den

Herrn Christus anhakt. Em künn keiner werre losriten. Bi em wir dat in

Wohrheit so, as wi irst sungen hebben: »Meinen Jesum laß ich nicht, weil

er sich für mich gegeben. So erfordert meine Pflicht, klettenweis an ihm

zu kleben. Er ist meines Lebens Licht. Meinen Jesum laß ich nicht.« Ja,

so möt ’t makt warden, wenn ’n vör ’n Dod kein Angst hebben sall. Wenn

’n so mit den Herrn Christus tausamenwussen is, denn kann ’n dat Graw as

Gotts Husdör anseihn, denn is dei Weg nah ’n Kirchhof, so swer hei ok is,

doch ’n Weg tau Gott, dei ümmer gaud is. Denn weit wi, dat de Dod uns vör

Gotts Husdör afsetten möt, dei nu vör uns upgahn sall, un uns Heiland

kümmt uns in sin Vadderhus sülwst entgegen un seggt tau uns: »Kamt rinn!«

Nu segg mal, wo steihst du di mit ’n Herrn Christus? Kannst du ok so

seggen as Paulus: »Christus is min Lewen!«? Hest du ok son ’n Stunn in

dinen Lewen hatt as Paulus, in dei du di entslaten hest, din eigen Lewen

tau begraben un so in di Platz tau maken, dat dei Herr Christ in di

lewen kann? Hest du di em ok tauwennt un tau em seggt: »Nu segg du mi,

wat ick dauhn sall. Di, di ganz allein sall min Lewen gehüren.«? Hest

du ok Irnst makt mit sonn Versprecken? Büst du nu ok na un na mit em

tausammenwussen un hackst mit em tausam as ’ne Kliw an ’t Kled? Wenn du

sonn Stunn erlewt hest un Christus nu din Lewen worden is, denn warst du

ok markt hebben, wo dei Angst vörn Dod bi di ümmer mihr nahlaten hett,

je mihr du mit den Herrn Jesus tausamenwussen büst. Wenn du ok noch nich

ganz so wid büst, as dei Apostel Paulus kamen is, dat du ok all seggen

kannst: »Ick hew Lust aftauscheiden un nah ’n Herrn Christus tau gahn,

dat wir vör mi dat Allerbest«, lat man nich nah, hol em man wiß, lat di

nich von em losriten. Wenn du ok nich ganz so wid kümmst as dei Apostel

Paulus, du kümmst doch am End so wid as oll Vadder Simeon, dei säd, as

hei den Herrn Christ seihn hadd: »Min Herrgott, nu lettst du dinen Deiner

in Fredn fohrn, denn min Ogen hemm dinen Heiland seihn.« Aewer, wenn du

noch nich seggen kannst un magst: Christus is min Lewen, wenn du ungefähr

so lewen deist as dei Apostel Paulus in dat irste Stück von sin Lewen,

je, denn süht ’t slimm üm di ut. Wo up wist du di denn verlaten, wenn

dei Dod eins kümmt? Wat is denn din Lewen? Dei Mann seggt: min Fru is min

Lewen, un dei Fru: min Mann is min Lewen, un dei Öllern: uns Kinner sünd

uns Lewen, un wek seggen: uns Geld, uns Hus un Hof, uns Wirtschaft, uns

Geschäft is uns Lewen, ein anner seggt viellicht: gaud Eten un Drinken is

min Lewen, un ein anner: dei Lust, dat Vergnäugen is min Lewen, orer dei

Putz, orer dat Danzen is min Lewen. All dat ward di wenig nütten, wenn

dei Dod eins kümmt, dat kann em nich uphollen un afwehren, dor kihrt hei

sick nich an. Wo ganz anners is dat äwer, wenn Christus din Lewen word’n

is. Wo ward dei Dod sick denn verfirn, wenn hei dei Hand na di utreckt

un gewohr ward, dat hei dat nich mit di, ne mit den Herrn Christus tau

daun hett. Denn heit dat: Hand weg! Du kennst mi doch wol noch? Wi beid

hebben all eins mit ’nanner wrungen un ick hew di ünner kregen un di den

Giftstachel utbraken. Du hest mi nich hollen künnt, as ick dor einst in

Joseph sinen Goren in ’t Graw leg. Nu lew ick un hei sall nu ok lewen, un

du sallst em dortau verhelpen, dat hei in dat ewig Lewen ingahn kann. Du

kannst em mitnehmen, äwer du bringst em nich in din Rik, ne, du dreggst

em sacht vör min Vadder sin Husdör un settst em dor af, denn ward ick

kamen un em dei Dör apen maken un em rinhalen in dat ewige Lewen. Ach,

wenn ’t so doch eins mit uns kamen ded! Müggst du dat wol? Ach gewiß

doch, wecke süll sick dat wol nich wünschen. Na, denn säuk di Jesum un

sin Licht, all anner helpt di nich.

Amen.

6.

Sünndagsklocken: Stadt- un Dörp-Predigten · 第 8 / 25 题