Mabuse trug die ohnmächtige Frau mit hastigen Schritten vom Ufer des
Rheinkanals fort in das nächste Haus. Es wohnte ein Rietbauer drin.
»Wir sind verunglückt!« sagte Mabuse. Dann stellte er sich ans Fenster
und überwachte den Weg draußen, der vom Kanal kam.
Als eine Stunde so vergangen war und die Frau die Augen wieder öffnete,
sah Mabuse, wie sie aufzuckte, als sie ihn erkannte, und sich, von einem
Schrecken gefaßt, fortwandte. Er ging rasch zu ihr und flüsterte, über
sie gebeugt, ihr zu: »Wir sind gerettet! Wir sind aneinander
geschmiedet!«
Seine Worte legten sich eindringlich und im Flüsterton mit einer heißen
Heimlichkeit auf ihr Gemüt. Sie widerstand dem Mann nicht mehr und
begann sich zu erheben. Die Bäuerin versprach ihr beizustehen.
Mabuse schaute auf einer Karte das nächste Dorf nach. Dann ging er,
sicher, nun nicht mehr unmittelbar verfolgt zu sein. Georg war als Opfer
geblieben und hatte ihn gerettet. Schuld daran war die kleine Dummheit
der Polizistenuniform.
Das Dorf war nicht ferner als zwanzig Minuten. Es hatte einen
Fernsprecher in einem Gasthaus. Mabuse bestellte Kaffee und rief Zürich
an. Es kam nach einer halben Stunde. »Wer spricht?« fragte er.
»Rechtsanwalt Ebenhügel, Zürich!« wurde geantwortet.
»Ist Spoerri angekommen?«
»Spoerri ist gerade angekommen. Er ist noch hier.«
Spoerri stürzte ans Telephon.
»Spoerri, ich bin verunglückt. Georg ist liegengeblieben. Wir beide
gerettet. Kommen Sie gleich mit dem Auto. Bringen Sie ein Reisekleid und
einen Reisemantel für meine Frau mit. Ich erwarte Sie um zwei Uhr am
Bahnhof von Au im Rheintal.«
»In Ordnung!« rief Spoerri zurück.
Meine Frau, sagte ich, wohl mit Berechnung und aus Vorsicht ...
meditierte Mabuse dann. Aber er lehnte sich gegen die Bezeichnung auf.
Sie klang wie eine Fessel. Dann schüttelte er aber diese Vorstellung ab:
Sie ist meine Frau, ein Besitz von mir ... Mein! So ist es wahr!
* * * * *
Spoerri kam pünktlich ... »Ich fahre Sie durchs Engadin gleich an die
italienische Grenze,« sagte er, nachdem Mabuse erzählt hatte, was
vorgefallen war.