Am Abend darauf war Wenk in der Nähe von Schramms zu einem musikalischen
Abend geladen. Eine junge Klavierspielerin spielte moderne Geräusche.
Wenk langweilte sich, ward unruhig und die Beute von immer abirrenden
Vorstellungen. Es war ihm, als verabsäume er irgend anderswo etwas. Das
wurde so quälerisch in ihm, daß er sich heimlich aus dem Haus entfernte
und nur der Dame des Hauses eine Entschuldigungskarte hinterließ.
Er kam bei Schramms vorbei und wollte hastig vorübergehen. Da fiel ihm
ein, auf dem ersten Stockwerk der Villa, in der dies neue Speise- und
Spielhaus war, nach den Fenstern des Sälchens zu schauen, in dem er
gestern abend gespielt hatte. Die Fassade hatte unten im Hochparterre
große Fenster, hinter denen malvenfarbene Vorhänge ein sachtes Licht
spendeten. Auf dem ersten Stockwerk waren nur vier Fenster. Doch alle
sah er leblos und dunkel. Da sagte er hinauf: »Und hinter euch
lichtlosen Fenstern leuchtet doch ihr Licht ... ihr Licht.« Da ging er
hinein, voll von Hoffnung, die Frau wiederzusehen.
Der Oberkellner kam sofort auf ihn zu, nahm Hut und Mantel, indem er
flüsterte: »Marmortisch?« und den Gast gespannt anschaute. Das war, wie
es schien, das Losungswort für die Wendeltreppe. Wenk nickte: Ja. Der
Oberkellner ging rasch vor ihm her nach hinten. Wenk folgte gemessen.
Dann wurde er die Wendeltreppe hinaufgeleitet.
Der erste Mensch, den er am Spieltisch sah, war der Blondbärtige. Er saß
in seiner Nische, mit breiten Schultern vorgebückt, die Augen fast
erstarrt über den Tisch scheinbar auf einen Spieler geheftet. Er saß da,
aufgeballt, wie ein Raubtier, das seiner Beute schon einen Tatzenhieb
versetzt hat und wartet, was das Opfer noch tun könne. Er schien nur
Muskel zu sein. Diese Empfindung hatte Wenk. Sie flog ihn so stark an,
daß er erschrak.
Ein Platz war leer. Er setzte sich und zog seine Geldtasche. Er war
durchkreuzt von Vorstellungen, als ob etwas am Tisch geschehen sei. Er
sah die Spieler, niedergebeugt über die Gier ihres Erwartens, rundum
hocken. Sie waren allein einer deutlichen, wenn auch nicht absichtlichen
Bewegung eines von ihnen zugewandt.
Der Blondbärtige hielt die Bank.
Da erst sah dieser auf. Wenk bemerkte, wie er erst unwillig durch die
Störung die Augen zu ihm hob. Dann geschah es, ganz gewiß zu erkennen,
daß der Fremde leis mit dem Gesicht zurückzuckte. Aber mit derselben
Bewegung schon bissen sich seine Kinnladen aufeinander, daß der Bart
rundum sich hochhob. Alles andere war nur Eindruck gewesen. Dies aber
war für Wenk ganz sicher. Ein Schauer überlief ihn wie vor einer
plötzlichen gefährlichen Begegnung.
In demselben Augenblick drehte der Bankhalter die Karten um.