(Fängt an zu weinen, und wirft sich in den Lehnstuhl. Charlotte
sieht sie an und lacht.)
Charlotte. Na, was soll ich ihm denn schreiben?
Marie (schluchzend). Schreib was du willst.
Charlotte (schreibt und liest). Daß mein Herz nicht so wankelmütig
ist, als Sie es sich vorstellen--ist's so recht?
Marie (springt auf, und sieht ihr über die Schulter). Ja, so ist's
recht, so ist's recht. (Sie umhalsend.) Mein altes Scharlottel, du
Charlotte. Na, so laß Sie mich doch ausschreiben.
(Marie spaziert ein paarmal auf und ab, dann springt sie plötzlich
zu ihr, reißt ihr das Papier unter dem Arm weg, und zerreißt's in
tausend Stücken.)
Charlotte (in Wut). Na, seht doch--ist das nicht ein Luder--eben da
ich den besten Gedanken hatte--aber so eine Canaille ist sie.
Marie. Canaille vous même.
Charlotte (droht ihr mit dem Dintenfaß). Du-Marie. Sie sucht einen
noch mehr zu kränken, wenn man schon im Unglück ist.
Charlotte. Luder! warum zerreißt du denn, da ich eben im besten
Schreiben bin.
Marie (ganz hitzig). Schimpf nicht!
Charlotte (auch halb weinend). Warum zerreißt du denn?
Marie. Soll ich ihm denn vorlügen? (Fängt äußerst heftig an zu
weinen, und wirft sich mit dem Gesicht auf einen Stuhl.) (Wesener
tritt herein. Marie sieht auf und fliegt ihm an den Hals.)
Marie (zitternd). Papa, lieber Papa, wie steht's--um Gottes willen,
red Er doch.
Wesener. So sei doch nicht so närrisch, er ist ja nicht aus der Welt,
Sie tut ja wie abgeschmackt-Marie. Wenn er aber fort ist-Wesener.
Wenn er fort ist, so muß er wiederkommen, ich glaube, Sie hat den
Verstand verloren, und will mich auch wunderlich machen. Ich kenne
das Haus seit länger als gestern, sie werden doch das nicht wollen
auf sich sitzen lassen. Kurz und gut, schick herauf zu unserm
Notarius droben, ob er zu Hause ist, ich will den Wechsel, den ich
für ihn unterschrieben habe, vidimieren lassen, zugleich die Kopei
von dem Promesse de Mariage und alles den Eltern schicken.
Marie. Ach, Papa, lieber Papa! ich will gleich selber laufen, und
ihn holen. (Läuft über Hals und Kopf ab.)
Wesener. Das Mädel kann, Gott verzeih' mir, einem Louis quatorze
selber das Herz machen in die Hosen fallen. Aber schlecht ist das
auch von Monsieur le Baron, ich will es bei seinem Herrn Vater schon
für ihn kochen, wart du nur.--Wo bleibt sie denn?
(Geht Marien nach.)