In Armentieres. Ein Spaziergang auf dem eingegangenen Stadtgraben.
Eisenhardt und Pirzel spazieren.
Eisenhardt. Herr von Mary will das Semester in Lille zubringen, was
mag das zu bedeuten haben? Er hat doch dort keine Verwandte, soviel
ich weiß.
Pirzel. Er ist auch keiner von denen, die es weghaben. Flüchtig,
flüchtig--Aber der Obristlieutenant, das ist ein Mann.
Eisenhardt (beiseite). Weh mir, wie bring ich den Menschen aus
seiner Metaphysik zurück--(Laut.) Um den Menschen zu kennen, müßte
man meines Erachtens bei dem Frauenzimmer anfangen.
Pirzel (schüttelt mit dem Kopf).
Eisenhardt (beiseite). Was die andern zuviel sind, ist der zu wenig.
O Soldatenstand, furchtbare Ehlosigkeit, was für Karikaturen machst
du aus den Menschen!
Pirzel. Sie meinen, beim Frauenzimmer--das wär' grad, als ob man bei
den Schafen anfinge. Nein, was der Mensch ist--(Den Finger an die
Nase.)
Eisenhardt (beiseite). Der philosophiert mich zu Tode. (Laut.) Ich
habe die Anmerkung gemacht, daß man in diesem Monat keinen Schritt
vors Tor tun kann, wo man nicht einen Soldaten mit einem Mädchen
karessieren sieht.
Pirzel. Das macht, weil die Leute nicht denken.
Eisenhardt. Aber hindert Sie das Denken nicht zuweilen im Exerzieren?
Pirzel. Ganz und gar nicht, das geht so mechanisch. Haben doch die
andern auch nicht die Gedanken beisammen, sondern schweben ihnen
alleweile die schönen Mädgens vor den Augen.
Eisenhardt. Das muß seltsame Bataillen geben. Ein ganzes Regiment
mit verrückten Köpfen muß Wundertaten tun.
Pirzel. Das geht alles mechanisch.
Eisenhardt. Ja, aber Sie laufen auch mechanisch. Die preußischen
Kugeln müssen Sie bisweilen sehr unsanft aus Ihren süßen Träumen
geweckt haben.
(Gehen weiter.)