Stolzius' Wohnung. Er sitzt mit verbundenem Kopf an einem Tisch, auf
dem eine Lampe brennt, einen Brief in der Hand, seine Mutter neben
ihm.
Mutter (die auf einmal sich ereifert). Willst du denn nicht schlafen
gehen, du gottloser Mensch! So red doch, so sag, was dir fehlt, das
Luder ist deiner nicht wert gewesen. Was grämst du dich, was
wimmerst du um eine solche--Soldatenhure.
Stolzius (mit dem äußersten Unwillen vom Tisch sich aufrichtend).
Mutter-Mutter. Was ist sie denn anders--du--und du auch, daß du dich
an solche Menscher hängst.
Stolzius (faßt ihr beide Hände). Liebe Mutter, schimpft nicht auf
sie, sie ist unschuldig, der Officier hat ihr den Kopf verrückt.
Seht einmal, wie sie mir sonst geschrieben hat. Ich muß den Verstand
verlieren darüber. Solch ein gutes Herz!
Mutter (steht auf und stampft mit dem Fuß). Solch ein Luder--Gleich
zu Bett mit dir, ich befehl es dir. Was soll daraus werden, was soll
da herauskommen. Ich will dir weisen, junger Herr, daß ich deine
Mutter bin.
Stolzius (an seine Brust schlagend). Mariel--nein, sie ist es nicht
mehr, sie ist nicht dieselbige mehr--(Springt auf.) Laßt mich-Mutter
(weint). Wohin, du Gottsvergessener?
Stolzius. Ich will dem Teufel, der sie verkehrt hat (Fällt kraftlos
auf die Bank, beide Hände in die Höhe.) O du sollst mir's bezahlen,
du sollst mir's bezahlen. (Kalt.) Ein Tag ist wie der andere, was
nicht heut kommt, kommt morgen, und was langsam kommt, kommt gut.
Wie heißt's in dem Liede, Mutter, wenn ein Vögelein von einem Berge
alle Jahr ein Körnlein wegtrüge, endlich würde es ihm doch gelingen.
Mutter. Ich glaube, du phantasierst schon, (greift ihm an den Puls)
leg dich zu Bett, Karl, ich bitte dich um Gottes willen. Ich will
dich warm zudecken, was wird da herauskommen, du großer Gott, das ist
ein hitziges Fieber--um solch eine Metze-Stolzius.
Endlich--endlich--alle Tage ein Sandkorn, ein Jahr hat zehn zwanzig
dreißig hundert. (Die Mutter will ihn fortleiten.) Laßt mich, Mutter,
ich bin gesund.
Mutter. Komm nur, komm, (ihn mit Gewalt fortschleppend) Narre!--Ich
werd dich nicht loslassen, das glaub mir nur.
(Ab.)