In Lille. Wesener sitzt und speist zu Nacht mit seiner Frau und
ältesten Tochter. Marie tritt ganz geputzt herein.
Marie (fällt ihn um den Hals). Ach Papa! Papa!
Wesener (mit vollem Munde). Was ist's, was fehlt dir?
Marie. Ich kann's Ihm nicht verhehlen, ich bin in der Komödie
gewesen. Was das für Dings ist.
Wesener (rückt seinen Stuhl vom Tisch weg, und kehrt das Gesicht ab).
Marie. Wenn Er gesehen hätte, was ich gesehen habe, Er würde
wahrhaftig nicht böse sein, Papa. (Setzt sich ihm auf den Schoß.)
Lieber Papa, was das für Dings alles durcheinander ist, ich werde die
Nacht nicht schlafen können für lauter Vergnügen. Der gute Herr
Baron!
Wesener. Was, der Baron hat dich in die Komödie geführt?
Marie (etwas furchtsam). Ja, Papa--lieber Papa!
Wesener (stößt sie von seinem Schoß). Fort von mir, du Luder,
--willst die Mätresse vom Baron werden?
Marie (mit dem Gesicht halb abgekehrt, halb weinend). Ich war bei
der Weyhern--und da stunden wir an der Tür--(stotternd) und da red't'
er uns an.
Wesener. Ja, lüg nur, lüg nur dem Teufel ein Ohr ab--geh mir aus den
Augen, du gottlose Seele.
Charlotte. Das hätt' ich dem Papa wollen voraussagen, daß es so
gehen würde. Sie haben immer Heimlichkeiten miteinander gehabt, sie
und der Baron.
Marie (weinend). Willst du das Maul halten.
Charlotte. Denk doch, vor dir gewiß nicht; will noch kommandieren
dazu, und führt sich so auf.
Marie. Nimm dich nur selber in acht mit deinem jungen Herrn
Heidevogel. Wenn ich mich so schlecht aufführte, als du.
Wesener. Wollt ihr schweigen? (Zu Mariel.) Fort in deine Kammer,
den Augenblick, du sollst heut nicht zu Nacht essen--schlechte Seele!
(Marie geht fort.) Und schweig du auch nur, du wirst auch nicht
engelrein sein. Meinst du, kein Mensch sieht's, warum der Herr
Heidevogel so oft ins Haus kommt?
Charlotte. Das ist alles das Mariel schuld. (Weint.) Die
gottsvergeßne Alleweltshure will honette Mädels in Blame bringen,
weil sie so denkt.
Wesener (sehr laut). Halt's Maul! Marie hat ein viel zu edles Gemüt,
als daß sie von dir reden sollte, aber du schalusierst auf deine
eigene Schwester; weil du nicht so schön bist als sie, sollt'st du
zum wenigsten besser denken. Schäm dich--(Zur Magd.) Nehmt ab, ich
esse nichts mehr.
(Schiebt Teller und Serviette fort, wirft sich in einen Lehnstuhl,
und bleibt in tiefen Gedanken sitzen.)