Obwohl wir bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse von den Vorgängen
in der Zelle nicht wissen, mit welchen speziellen Leistungen sich
die einzelnen Bestandteile der Zelle am Gesamtstoffwechsel derselben
beteiligen, mit welchen chemischen Prozessen Kern und Protoplasma
samt ihren speziellen Inhaltsmassen in die Geschichte des Biogens
verwebt sind, so genügen doch unsere bisherigen Erfahrungen über die
allgemeinen Stoffwechselverhältnisse in der Zelle, um zu erkennen,
daß sich auch die Formbildungsvorgänge, d. h. die Tatsachen des
Wachstums und der Fortpflanzung, der Entwicklung und der Vererbung, als
mechanische Konsequenz aus diesen Stoffwechselverhältnissen herleiten
lassen.
a) Das Wachstum als Grundvorgang der Formbildung.
Das +Wachstum+ bildet den Grundprozeß der organischen Formbildung,
denn das Wachstum der Zelle ist nicht nur der einfachste Fall der
Formbildung überhaupt, sondern es enthält zugleich die inneren
Bedingungen für die komplizierten Vorgänge der Fortpflanzung und
Entwicklung der Zelle, wie die folgende Betrachtung alsbald ergeben
wird. Den Wachstumsmodus der lebendigen Substanz haben wir bereits
an einer andern Stelle[686] berührt. Wir wissen, daß wir in der
lebendigen Substanz Moleküle haben, die eine außerordentliche Neigung
zur Polymerisierung besitzen, d. h. Moleküle, die unter gegebenen
Bedingungen durch weiter und weiter fortschreitende Anlagerung
gleichartiger Atomgruppen sich vergrößern und Ketten von gleichen
Gliedern bilden. In den nativen Eiweißkörpern haben wir solche
polymeren Moleküle der lebendigen Substanz kennen gelernt, und so
ist es schon von vornherein wahrscheinlich, daß die Biogene diese
Eigenschaft ebenfalls besitzen werden. Wäre aber nicht schon aus diesem
Grunde die Polymerie des Biogenmoleküls mehr als wahrscheinlich, so
würden wir notwendig zu ihrer Annahme gezwungen durch die Tatsache
des Wachstums. Das Wachstum der lebendigen Substanz selbst, d. h. die
Vermehrung der lebendigen Substanz im Verein mit dem Umstande, daß neue
lebendige Substanz nur dort entsteht, wo bereits lebendige Substanz
vorhanden ist, verlangt als Substrat unbedingt ein Molekül, das durch
Polymerisierung sich vergrößert. Wir können uns das Wachstum der
lebendigen Substanz nur vorstellen, indem wir uns ein Biogenmolekül
denken, das aus den Stoffen der Umgebung (Nahrungsstoffen) nach und
nach gleichartige Atomgruppen an sich anlagert, die ihrerseits in
derselben Weise fortfahren, aus der Umgebung bestimmte Atome und
Gruppen an sich zu ziehen und wieder in der gleichen Lagerung zu binden
etc. Dabei brauchen die einzelnen Glieder dieser polymeren Ketten
nicht dauernd aneinander hängen zu bleiben und so, wie ~Pflüger~
annimmt, zur Bildung von „Riesenmolekülen“ zu führen. Es scheint
vielmehr im Hinblick auf mancherlei Tatsachen richtiger anzunehmen,
daß diese Ketten hier und dort immer wieder in einzelne Grundmoleküle
auseinanderbrechen oder auseinanderreißen, indem sich die getrennten
Affinitäten in anderer Weise schließen[687]. Daß endlich dieser
Neubildungsprozeß von Biogenmolekülen dem Massenwirkungsgesetz
unterworfen sein muß, daß also zwischen der Menge der zur Verfügung
stehenden Bausteine, wie sie durch die Nahrungszufuhr geliefert
und durch die präparatorischen Prozesse des Assimilationsvorgangs
in die geeignete Form übergeführt werden, einerseits und der Menge
der neugebildeten Biogenmoleküle andererseits ein chemischer
Gleichgewichtszustand bestehen muß, welcher der Selbststeuerung
unterliegt, haben wir uns oben bereits an dem paradigmatischen Beispiel
der Esterbildung[688] klar gemacht. Der Vorgang, den wir uns dort
an einem einfachen Substrat veranschaulichten, verläuft freilich in
der Zelle, deren lebendige Substanz und deren Stoffwechsel bereits
sehr weit differenziert ist, bedeutend komplizierter. In der Zelle
sind mehr oder weniger eng an der Bildung und dem Wachstum der
Biogenmoleküle sowohl die Substanzen des Kerns als des Protoplasmas
mit allen ihren speziellen Differenzierungen beteiligt. Allein
es ist bei diesem engen Ineinandergreifen und bei dieser engen
Abhängigkeit der einzelnen Bestandteile der Zelle voneinander sehr
verständlich, daß, wenn z. B. die Biogenmoleküle des Protoplasmas
durch Polymerisierung wachsen, dieses nur möglich ist, wenn zugleich
auch andere Bestandteile des Protoplasmas oder des Kerns in einem
bestimmten Maße zunehmen, mit anderen Worten, es wird nicht bloß eine
einzelne Substanz des Protoplasmas oder Kerns allein wachsen, sondern
ihr Wachstum wird begleitet sein von dem Wachstum anderer Substanzen,
und es wird bestimmt sein durch die Menge des Materials, das zum Aufbau
erforderlich ist.
Es ist von Wichtigkeit, auf die Verhältnisse, die sich bei dieser engen
Korrelation der einzelnen Zellteile durch das Wachstum entwickeln,
etwas näher einzugehen. Denken wir uns zum Beispiel eine freilebende
runde Zelle, die alle zu ihrem Leben notwendigen Stoffe in dem
umgebenden Medium in genügendem Maße zur Verfügung hat, und nehmen wir
an, daß diese Zelle wächst, so wird sich mit zunehmender Größe der
Zelle das Verhältnis der Oberfläche zur Masse mehr und mehr verändern,
und zwar wird nach bekannten mathematischen Gesetzen die Oberfläche
gegenüber der Masse wachsen im Verhältnis des Quadrates zum Kubus.
Mit anderen Worten: +je kleiner die Zelle ist, um so größer ist die
Oberfläche im Verhältnis zur Masse, und je mehr die Zelle wächst, um
so weniger wächst die Oberfläche im Verhältnis zur Masse+.
Diese einfache Tatsache ist aber von fundamentaler Bedeutung. Das
wird sofort klar, wenn wir daran denken, daß die einzelnen Teile
des Zellkörpers in innigen Stoffwechselbeziehungen untereinander
und mit der Außenwelt stehen. Gegenüber den von außen aufgenommenen
Nahrungsstoffen, sowie dem Sauerstoff wird sich, je mehr die Zelle
wächst, um so mehr ein Mißverhältnis zwischen den äußeren und den
inneren Schichten des Zellkörpers herausbilden, denn da die Oberfläche,
durch die ja die Nahrung aufgenommen wird, sich in geringerem Maße
vergrößert, als die Masse des Zellkörpers, so wird ein Zeitpunkt
eintreten, an dem die aufgenommene Nahrung nicht mehr für den ganzen
Zellkörper ausreicht, und die Folge davon muß sich in einer zu geringen
Ernährung der inneren Zellschichten gegenüber den äußeren bemerkbar
machen. Während in den äußeren Zellschichten die Ernährung schnell und
reichlich erfolgt, geschieht sie in den tieferen Schichten langsamer
und spärlicher. Das wird nicht bloß das Protoplasma treffen, sondern
auch den Zellkern. Der Zellkern wird viel weniger Stoffe von außen
empfangen, wenn die ihn umgebende Protoplasmaschicht dicker und dicker
wird, als wenn sie nur dünn ist. Umgekehrt aber werden auch die äußeren
Schichten der Zelle viel weniger reichlich mit Kernstoffen versorgt
werden als die inneren. +Kurz, der Stoffwechsel muß bei dem engen
Ineinandergreifen der einzelnen Zellteile tiefgehende Veränderungen
erfahren, die sich immer mehr steigern, je mehr die Zelle wächst. Der
Stoffwechsel der Zelle ist daher, solange die Zelle stetig wächst, in
keinem Zeitdifferential genau derselbe wie im vorhergehenden und wie im
folgenden.+
+Diese zwingende Konsequenz aus der Tatsache des Wachstums enthält aber
das Prinzip aller Entwicklung in sich, d. h. die Tatsache des Wachstums
reicht bei den engen Stoffwechselbeziehungen, die zwischen den
einzelnen Inhaltsbestandteilen der Zellen und des Mediums existieren,
allein schon vollkommen aus, um notwendig zu Veränderungen zu führen,
wie wir sie als „Entwicklung“ bezeichnen.+
Zunächst ergibt sich aus diesen Verhältnissen, daß die Zelle eine
bestimmte Größe nicht überschreiten kann, denn wenn die Störungen des
Stoffwechsels, die durch das steigende Mißverhältnis zwischen den
oberflächlicheren und den tieferen Schichten der Zelle entstehen,
einen bestimmten Grad erreicht haben, kann die Zelle nicht mehr
in dieser Form am Leben bleiben. So erklärt sich sehr einfach die
ganz auffallende Tatsache, daß wir keine formbeständigen, massigen
Zellen kennen, die größer wären als einige Millimeter; so lernen wir
verstehen, wie es kommt, daß die Entwicklung großer Organismen nur
möglich ist durch Anordnung der lebendigen Substanz zu einem Kongregat
von einzelnen kleinen Zellen und unmöglich durch Anordnung der
lebendigen Substanz zu einer einzigen Zelle, etwa von der Größe eines
Menschen. Gleichzeitig ist aber auch verständlich, daß unter Umständen
Zellen, deren Oberfläche bedeutend vergrößert ist im Verhältnis zur
Masse, wie bei den flächenhaften Blättern der +Caulerpa+, oder Zellen,
deren Protoplasma in fortwährender Zirkulation zwischen Oberfläche
und Innerem begriffen ist, wie bei den Plasmodien der Myxomyceten,
eine bedeutendere Größe erreichen können, namentlich wenn auch die
Kernsubstanz durch Vervielfältigung eine beträchtliche Vergrößerung
aufweist. In diesen Fällen kann sich eine Differenz zwischen den
äußeren und den inneren Schichten des Zellkörpers nicht in dem Grade
entwickeln, wie bei kompakten Zellen. Wo aber der Zellkörper eine
kompakte Masse vorstellt, wo ferner eine lebhafte Strömung des Inhalts
nach der Oberfläche fehlt, und wo schließlich nur +ein+ Kern im
Protoplasma vorhanden ist, da kann die Zelle eine bestimmte Größe nicht
überschreiten. Es muß daher bei einer solchen Zelle an einem bestimmten
Zeitpunkt des Wachstums eine Korrektur dieses Mißverhältnisses zwischen
Masse und Oberfläche und der dadurch bedingten Stoffwechselstörungen
eintreten, und eine solche haben wir in der Tat in der Fortpflanzung
der Zelle durch Zellteilung.
Die +Fortpflanzung+ der Zelle durch Teilung ist demnach lediglich
als eine Folge des Wachstums zu betrachten, und mit Recht haben
die Morphologen schon seit langer Zeit die Fortpflanzung als eine
Fortsetzung des Wachstums, als ein „Wachstum über das individuelle
Maß hinaus“ bezeichnet. Leider gehen die Ansichten über die spezielle
Mechanik des Zellteilungsvorganges bisher noch sehr auseinander. Schon
über Bedeutung und Herkunft der bei der Zellteilung auftretenden
Strahlungen ist eine Einigung der Auffassungen noch nicht erzielt.
Die Mehrzahl der Forscher hält allerdings in Anlehnung an die
Untersuchungen von ~van Beneden~[689] und ~Boveri~[690] die
Strahlensysteme für einen Mechanismus der Zelle der durch Kontraktion
der Fäden die Chromatinschleifen auseinander zieht; aber auch
eine gerade entgegengesetzte Anschauung hat Vertreter gefunden,
~Drüner~[691], ~Braus~[692] und ~Meves~[693] glauben nämlich in
den Strahlen Stemmfasern erblicken zu dürfen, die nicht durch
Kontraktion, sondern durch Expansion in Wirkung treten; ~Houssay~[694],
~Giardina~[695] und ~Leduc~ (cf. weiter unten) halten die Strahlen für
Diffusionsströme; ~H. E. Ziegler~[696] schließlich ist der Ansicht, daß
eine im Durchschnürungsäquator bei vielen Zellteilungen auftretende
in Kontraktionsspannung befindliche plasmatische Zusammenhäufung die
Durchteilung der Zelle bewirkt, und daß die Strahlenbildung bloß
einen Begleitvorgang darstellt, der irgendwie mit der Entstehung
des äquatorialen Kontraktionsringes in noch nicht analysierbarem
Zusammenhang steht. Eine Kritik dieser und anderer Anschauungen findet
man in den Arbeiten ~Rhumbler~s, dessen Untersuchungen am tiefsten in
den Gegenstand eingedrungen sind.
[Illustration: Fig. 289. +Photographische Aufnahme von
Strahlungsfiguren.+ _I_ Kernstrahlungsfigur aus einem
Cephalopodenembryo. _II_ Strahlungsfigur um zwei Luftblasen in einem
Gelatineschaum, der durch Chromsäure zum Gerinnen gebracht wurde. Nach
Photographien von ~Bütschli~.]
Schon vor längerer Zeit hat ~Bütschli~[697] die Vorstellung
ausgesprochen, daß die Strahlungsfigur, die sich bei der Kernteilung
um das Zentrosom im Protoplasma bildet, ein Ausdruck von
Diffusionsvorgängen sei, die zwischen dem Zentrosom und dem Protoplasma
entstehen, und später hat ~Bütschli~[698] gezeigt, daß beim Erkalten
und Gerinnen warm auf eine Glasplatte gegossener wässeriger (wie
die mikroskopische Untersuchung lehrt, schaumig strukturierter)
Gelatinelösungen um Luftblasen herum durch die Zugwirkung der sich
zusammenziehenden Luft Strahlungsfiguren entstehen, die denen der
karyokinetischen Figur vollständig gleichen (Fig. 289). An diese
Beobachtungen ~Bütschli~s lassen sich ~Rhumbler~s[699] theoretische
Ableitungen am besten anschließen. Die Strahlungserzeugung ist
innerhalb des Wabenwerks der Zelle im Gegensatz zum Kleinerwerden
der Luftblasen bei den künstlichen Gelatinespindeln mit einer recht
augenfälligen Vergrößerung der die Zugwirkung hervorrufenden
Zentrosomen verbunden. Zu dieser Zentrosomenvergrößerung ist
unbedingt Substanzzufuhr, Substanzaufnahme aus dem Zellleib her,
notwendig. ~Rhumbler~ nimmt mit ~Bütschli~ an, daß die aufgenommene
Substanz Wasser oder eine wässerige Lösung ist, die dem umgebenden
plasmatischen Schaumsystem infolge eines starken Imbibitionsstrebens
der Zentrosomen entzogen wird; es ist hierdurch zugleich erklärt,
warum das den Sphären zunächst anliegende Protoplasma während der
Zellteilung stärker lichtbrechend, dichter wird; es wird einfach
durch den Wasserverlust kondensierter, vielleicht sogar in den
festflüssigen Zustand der Gelbildung übergeführt[700]. Die Entziehung
der wässerigen Flüssigkeit verändert aber die Oberflächenspannung in
den plasmatischen Schaumwänden: die Oberflächenspannung der Wandflächen
wird um so kleiner, je kondensierter die Schaumwandsubstanz durch ihre
Flüssigkeitsabgabe an die Zentrosomen wird, denn aus ~Quincke~s[701]
Untersuchungen läßt sich entnehmen, daß die Oberflächenspannung eines
Kolloids im allgemeinen mit seinem Konzentrationsgrade abnimmt. Die
dem Zentrosom direkt anliegenden Schaumwände werden, da sie der
Imbibitionskraft der Zentrosomen naturgemäß am meisten ausgesetzt sind,
die geringste Oberflächenspannung besitzen, und die Oberflächenspannung
in den Schaumwänden wird um so mehr steigen, je weiter ein Wandteil
von dem Zentrosom entfernt liegt. Da nun das gesamte Wandsystem des
Cytoplasmaschaumes eine kontinuierliche kohärente Masse darstellt, in
welcher die Inhalte der Schaumkämmerchen die Rolle diskontinuierlicher
Einlagerungen spielen, so muß die gradweise verschiedene Verteilung
der Oberflächenspannung auf den Schaumwandflächen eine Bewegung der
zähflüssigen Wandmasse zur Folge haben; die Wandmasse wird aus den
weiter abliegenden Wänden, durch den hier stärkeren Oberflächendruck
der Wände nach den dem Zentrosom näherliegenden Wandteilen hingedrückt,
oder, was dasselbe heißt, die verdichtete, dem Zentrosom anliegende
Schaumwandsubstanz, die sogenannte Sphäre, zieht die weniger dichte
Wandsubstanz aus den Schaumwänden der peripherischen Zellgegenden
an sich heran. Sobald sich aber auf diese Weise das Hyaloplasma der
Wabenwände um die Sphären herum zusammenzieht[702], muß (wegen der
Inkompressibilität der Flüssigkeiten) notwendigerweise Alveoleninhalt
in entgegengesetzter Richtung entweichen; man kann demnach sagen: die
Sphäre attrahiert Schaumwandsubstanz und repulsiert den Alveoleninhalt.
[Illustration: Fig 290. +Schema, Druck und Zugverteilung innerhalb
eines Zellasters darstellend.+ In den Quadranten _III_ u. _IV_ sind
spätere Zustände der Asterbildung dargestellt als in den Quadranten
_I_ u. _II_. _S_ = Sphäre; zwischen _A_ und _R_ die Radialwaben der
Strahlen; _E_ = Dottereinlagerungen, für die dasselbe gilt wie für die
Enchylemavakuolen. Im Quadranten _IV_ ist für einen beliebigen Punkt
_P_ des interradialen Gebietes die Druckverteilung eingetragen. Nach
~Rhumbler~.]
[Illustration: Fig. 291. +Magnetische Kraftlinienspindel zwischen zwei
ungleichnamigen+ (N. und S.) +Polen.+ Photographie nach ~Rhumbler~.]
[Illustration: Fig. 292. +Lebendes Seeigelei (Toxopneustes variegatus)
während der ersten Furchungsteilung 47 Minuten nach der Befruchtung.+
Nach ~E. B. Wilson~.]
Es läßt sich leicht einsehen, daß unter solchen einander
entgegengesetzten Kräften zunächst die Zickzackanordnung der
Schaumwände, die ruhenden gewöhnlichen Schäumen eigentümlich ist, in
eine geradlinige, auf die Zentrosomen zentrierte übergehen muß, auch
läßt sich begreifen, daß nicht alle Waben, die in gleicher Entfernung
von den Zentrosomen liegen, die geschilderten Vorgänge in gleichem
Grade zeigen. Die stärkste Verdichtung, die stärkste Attraktion und
infolge hiervon die ausgiebigste Repulsion von Enchylema werden die
direkt den Sphären anliegenden Waben (Fig. 290 _A_) erfahren, und von
ihnen aus wird sich ein Maximum der Leistung auf diejenigen von den
Sphären weiter abliegenden Waben fortpflanzen, die mit ihnen radiär
in einer Flucht liegen und die wir, da sie sich strahlenförmig um die
Sphären gruppieren, als Radialwaben (Fig. 290 _A_ _R_) bezeichnen
und in Gegensatz zu den zwischenliegenden Interradialwaben setzen
wollen. Die Interradialwaben sind in Sachen „Wandattraktion und
Enchylemarepulsion“ von vornherein den Radialwaben gegenüber im
Nachteil, weil ihre der Sphäre zunächstliegende Wabe nicht direkt an
die Sphäre, sondern nur an eine der Sphäre konzentrische Wand der
_A_-Waben anstößt, die von Haus aus wegen weiterer Entfernung von der
Sphäre weniger von ihr verdichtet und darum auch weniger attrahiert
wird; die repulsierenden Kräfte werden sich demnach in der Weise dem
Wabeninhalt gegenüber äußern, daß die diosmierbaren und die etwa
vorhandenen filtrationsfähigen Substanzen nach Maßgabe des in den
Wabenradien überwiegenden Attraktionsdruckes aus den Wabenradien heraus
nach den interradialen Waben hin diosmieren. Da auf diese Weise die
Radialwaben (_A_ _R_) Enchylemainhalt an die Interradialwaben abgeben,
so müssen sie sich durch den hierdurch bedingten Volumenverlust zu
verkürzen streben, während die interradialen Waben in gleichem Maße
sich durch die ihnen zugepreßten Substanzen auszudehnen suchen.
Hieraus folgt, daß die Strahlen als in Longitudinalspannung befindlich
angesehen werden müssen, während die interradialen Gebiete durch ihr
Ausdehnungsstreben sich zwischen die Radien einpressen und die Radien
mit senkrecht gegen sie gerichteten Komponenten auseinanderdrängen
(vgl. Fig. 290 _P_ im Quadranten IV). Diese Zug- und Druckverteilung im
Strahlensystem stellt ein genaues Analogon zu derjenigen dar, wie man
sie in magnetischen Kraftliniensystemen findet, die man in bekannter
Weise durch Einwirkung von Magneten auf Eisenfeilicht bildlich sichtbar
machen kann; auch hier sind die aus dem Eisenfeilicht gebildeten
Strahlen als in Längsspannung bezw. Verkürzungsspannung anzusehen,
während zwischen den Strahlen senkrecht gegen die Strahlen anpressende
Kräfte (nämlich diejenigen einer gleichnamigen, also sich abstoßenden
Induktion) vorhanden sind[703]; so erklärt sich in einfacher Weise die
schon ~Fol~[704] und vielen anderen aufgefallene Aehnlichkeit zwischen
den Zellteilungsfiguren und den magnetischen Kraftlinienbildern (Fig.
291 u. 292), auf die schon von ~H. E. Ziegler~[705] und besonders
eingehend von ~Gallardo~[706] als vielleicht mechanisch-theoretisch
verwertbar aufmerksam gemacht worden war; eine Aehnlichkeit, deren
theoretische Auswertung um so verlockender erschien, als in neuerer
Zeit noch ~Reincke~[707] zu zeigen vermochte, daß die mechanische
Analogie zwischen Zellteilungs- und magnetischen Induktionsbildern auch
für solche Magnete bezw. Sphären gilt, die mit ungleich großen Kräften
arbeiten, und ~Ralph S. Lillie~ überdies sogar gewisse Kernzustände der
Zellteilung mit Hilfe von Magnetreihen zu kopieren vermochte[708].
[Illustration: Fig. 293. +Gumminetz, an zwei Stellen durch Oeffnungen
der Unterlage hindurch zusammengezogen.+ Es ist zwischen den beiden
Zugenden eine Spindel entstanden; zu beiden Seiten der Spindel nimmt
man eine starke Vergrößerung der im ruhenden Modell überall gleich
großen Gummiringmaschen wahr. Photographie, ¹⁄₁ Originalgröße. Nach
~Rhumbler~.]
Der bei der tatsächlichen Höhe der Uebereinstimmung naheliegende
Gedanke, daß der Zellteilungsvorgang elektrischer oder magnetischer
Natur sein möge, ist aus zwei Gründen abzuweisen: erstens läßt sich,
wie zuerst ~Roux~[709] nachgewiesen hat, die Einstellungsrichtung
der Teilungsspindel in Furchung begriffener Amphibieneier weder
durch Umleitung noch durch Durchströmung von irgendeiner bekannten
elektrischen Stromart irgendwie gesetzmäßig beeinflussen, was bei
elektrisch-magnetischer Natur der Zellteilungsvorgänge auf Grund der
Anziehungs- und Abstoßungsverhältnisse benachbarter Ströme erwartet
werden müßte. Zweitens kommen gelegentlich unter besonderen Umständen
bei pluripolaren Zellteilungen, die sich durch mehrere Teilungszentren
auszeichnen, dreipolige Zellteilungsfiguren vor, deren drei Pole durch
drei Spindeln miteinander verknüpft sind. Ein derartiges Vorkommnis
ist aber bei magnetisch-elektrischen Kraftlinienfiguren prinzipiell
unmöglich, da nur zwischen „ungleichnamigen“ Magnetpolen, die sich
gegenseitig anziehen, Spindeln erzeugt werden, und da es nur zwei Arten
von Polen, nämlich _N_- und _S_-Pole gibt, so daß unter drei Polen
immer mindestens zwei Pole gleichnamig sein müssen. Drei Spindeln
zwischen drei Polen, wie sie bei Zelltriastern vorliegen, sind für
elektrische Kraftliniendiagramme unmöglich, weil in dem magnetischen
Attraktionsfeld zwischen den beiden notwendig „gleichnamigen Polen“ die
Zugwirkung innerhalb der sogenannten Indifferenzzone von abstoßenden
Kräften durchbrochen wird, die eine Spindelbildung verhindern[710].
Die gegebene Erklärung des Zustandekommens der Zellstrahlung und
Kernspindel ist an ähnliche Bedingungen einer bestimmten Paarung der
Pole nicht geknüpft; das Zellsystem arbeitet sozusagen mit neutralen
Zugpolpaaren (nicht mit differenten _N_- und _S_-Polen wie der
Magnetismus), die immer ziehen, wie sie auch immer und in welcher
Zahl sie auch immer zusammenliegen. Um die mechanische Möglichkeit
solcher Zugsysteme zu beweisen, verwendet ~Rhumbler~ ein großes, aus
sechseckigen Maschen zusammengesetztes elastisches Gumminetz, das
auf einen kreisrunden, die Zellmembran veranschaulichenden Reifen
aufgespannt, das Wabenwerk der Zelle vorstellen soll. Man legt das
Modell auf eine feste Unterlage, durch welche an den Stellen, wo
die Attraktionspole liegen sollen, Löcher gebohrt sind. Man braucht
jetzt nur den jeweils über den Löchern gelegenen Teil des Netzes
durch die Löcher hindurch zu fassen und durch die Löcher hindurch
nach hinten zu ziehen, um eine strahlige Gruppierung der Netzmaschen
um das betreffende Loch herum zu erhalten. Die Strahlung wird um so
stärker, je stärker man zieht; zwischen zwei Zuglöchern entsteht
jedesmal eine Spindel (Fig. 293), und was nun für uns wichtig ist,
zwischen drei Zuglöchern bilden sich drei Spindeln. Das Modell beweist,
daß zwischen neutralen (nicht polardifferenten) Zugzentren in einem
elastischen System, dessen sechseckige Maschenanordnung der gleichen
des Zellwabensystems entspricht, drei Spindeln zwischen drei Zugzentren
entstehen. In dem Netzmodell ergibt sich die Longitudinalspannung
der strahlig aneinandergereihten geradegezogenen Gummistrecken von
selbst aus der Zugwirkung, die ihnen mitgeteilt worden ist; die
senkrecht pressenden Kräfte des Zwischengebietes, die in der Zelle
und in dem magnetischen ungleichpoligen Felde vorhanden waren, sollen
vorläufig außer Betracht bleiben, da zunächst festgestellt werden
soll, welchen Einfluß die Longitudinalspannung der Strahlen auf den in
seinen Einzelteilen verschiebbaren Inhalt des Zellleibes haben wird.
Um hierbei auf leichter vorstellbaren Boden zu gelangen, kann das
~Martin Heidenhain~sche Zellteilungsmodell dienen. Die Zellmembran
wird in diesem Modell durch einen Stahlreifen dargestellt, der an
zwei gegenüberliegenden Stellen je ein durch Schrauben festklemmbares
Scharnier trägt; auf den zwischen den Scharnieren gelegenen Halbreifen
sind in gleichen Abständen die Enden von einer für beide Halbreifen
gleichen Zahl, etwa 15–17, Gummischnüren (man benutzt dazu zweckmäßig
langgezogene Gummiringe) angeheftet, die anderen Enden dieser
Gummischnüre sind jeweils in einem die Sphäre vertretenden Springring
vereinigt, so daß im ganzen zwei Sphärenringe vorhanden sind, von
denen als Zentrum aus je eine gleiche Zahl von in Longitudinalspannung
befindlichen Gummischnüren radiär nach dem Zellmembranreifen hin
ausstrahlen, an dem sie festgebunden sind. Stellt man nun zunächst
die Scharniere fest und bindet die beiden Sphärenringe zusammen, um
das ursprünglich einheitliche Mutterzentrosom zur Darstellung zu
bringen, und schiebt man ferner, um den Kern und seine Wirkung in dem
gespannten Radiensystem zu veranschaulichen, eine entsprechend große
Scheibe, einen kreisrunden Schachteldeckel etwa, zwischen diejenigen
Gummischnüre, welche den Scharnieren zunächst liegen, so erhält man
ohne weiteres eine von dem Modell selbsttätig herbeigeführte Lagerung
der zusammengebundenen Sphärenringe und der Kernscheibe, die ganz
derjenigen von Muttersphäre und Kern im Anfangsstadium der Zellteilung
entspricht; die zusammengebundenen Sphärenringe liegen, wie die
Muttersphäre in der Zelle dem Kern, der Kernscheibe dicht an und
sind etwas aus dem Zentrum des Zellmembranreifen heraus nach einer
Seite hin verschoben, während nach der entgegengesetzten Seite die
Kernscheibe von dem Zentrum abgerückt erscheint. Das ganze System hat
einen bilateral-symmetrischen Aufbau angenommen, dessen Symmetrieachse
man erhält, wenn man sich durch die zusammengekoppelten Sphärenringe
und den Mittelpunkt der Kernscheibe eine Gerade, die für die Zelle von
~Martin Heidenhain~ als Zellachse bezeichnet wird, gezogen denkt (Fig.
294 _A_).
[Illustration: Fig. 294. +Das ~Heidenhain~sche Zellteilungsmodell.+
_A_ im Ausgangsstadium mit eingeschobener Kernscheibe, die
zusammengekoppelten Sphärenringe sind exzentrisch nach links, die
Kernscheibe ist in entgegengesetzter Richtung nach rechts geschoben.
_B_ Die Sphärenringe sind unter Längsstreckung des Modells in der
Kernpolstellung angekommen, die Kernscheibe ist weggelassen. _C_ Nach
Lüften der Scharnierenschrauben ist die Durchschnürung des Modells
erfolgt. Nach ~M. Heidenhain~.]
Schneidet man jetzt die aneinandergebundenen Sphärenringe auseinander,
um diesen Ringen die Möglichkeit zu geben, wie die aus der Teilung
der Muttersphäre hervorgegangenen Tochtersphären der Zelle
auseinanderzutreten, so bewegen sich nunmehr die Sphärenringe von ihrem
früheren Platze aus um je einen Quadranten, um die Peripherie der
Kernscheibe herum, und stellen sich an zwei entgegengesetzten Polen der
Kernscheibe, die sie selbst zwischen sich in die Mitte nehmen und jetzt
auch in die Mitte des ganzen Membranreifen hineinschieben, in Ruhe auf;
sie sind in der sogenannten „Kernpolstellung“ angekommen. Das Modell
kopiert jetzt das Stadium der Zellteilung, in welchem sich die aus der
Teilung der Muttersphären hervorgegangenen Tochtersphären, durch eine
dem Modellversuch entsprechende Wanderung an zwei gegenüberliegende
Pole des Kerns begeben haben, um hier die Rolle der Spindelpole für
die Kernspindel zu übernehmen. Ein zwischen die Sphärenringe an Stelle
der Kernscheibe eingebundenes Gumminetz würde in entsprechender
Weise bei den geschilderten Modellvorgängen, bei welchen die
Sphärenringe sich weiter voneinander entfernen, zu einer Spindelbildung
auseinandergezogen werden. Schon in der jetzt vorliegenden Form
hat sich das ganze Modell, entsprechend der Längsstreckung des
Zellleibes, welche der Zellteilung voraufzugehen pflegt, in der
Richtung der Spindelachse in die Länge gereckt. (Die Spindelachse steht
senkrecht zur früheren Zellachse [Fig. 294 _B_]) Gibt man hiernach
die sich gegenüberliegenden und schon während der Längsstreckung
des Modells einander nähergerückten Scharniere durch Lüften der
Scharnierschrauben frei, so werden, unter weiterem Auseinandertreten
der Sphärenringe und Eintreten jedes derselben in das Zentrum der
an ihm befestigten Gummifäden, die seither sich gegenüberliegenden
Scharniere bis zur direkten Berührung aneinandergepreßt, so daß das
Modell jetzt in zwei Hälften geteilt erscheint, von denen jede einen
Sphärenring mit abstrahlenden Gummifäden besitzt (Fig. 294 _C_); auch
das Stadium der Zelltrennung ist demnach von dem ~Heidenhain~schen
Modell nach dem Freigeben der Scharniere selbsttätig in allem
wesentlichen bewegungs-bildlich kopiert worden; denn auch die an den
Sphären aufgehängten Bestandteile der Tochterkerne würden durch die
auseinandertretenden Sphären auseinandergezogen werden müssen.
~R. Fick~[711] hat dem ~Heidenhain~schen Modell den Vorwurf gemacht,
daß es durch seine Scharniere der Zweiteilung des Modells an den
äquatoriellen Stellen schon im voraus Vorschub leiste, und es ist die
Frage zu beantworten, wie man, wenn die Analogie zwischen Modell und
Zelle gelten soll, die doppelte Gebrauchsart der Scharniere, erst
Festklemmen, dann Freigeben derselben, motivieren kann.
Zur Demonstration der Teilung der Muttersphären und der Wanderung der
Tochtersphären in die Kernpolstellung mußten die Scharnierschrauben
angezogen, zur Demonstration der Kerndurchschnürung mußten die
Schrauben gelüftet werden, d. h. der Widerstand des Zellmembranreifens
mußte an der Einschnürungsstelle während der Durchteilung bedeutend
herabgemindert werden. „Vermindert aber auch die Zellmembran während
ihrer Einschnürung ihre Widerstandskraft an der Einschnürungsstelle?“,
so müssen wir fragen, wenn die ganzen Vergleiche mit den Modellen eine
stichhaltige Bedeutung haben sollen. „Oder existieren etwa in der Zelle
sonstige, durch das Modell nicht wiederzugebende Verhältnisse, welche
die Membran zur Zeit der Sphärenteilung an der Einschnürung verhindern,
dieselbe Einschnürung aber zur Zeit der Tochterzellentrennung
gestatten?“
Beides ist der Fall, wie sich am leichtesten für kugelige Zellen
nachweisen läßt, aber auch für andere Zellen ohne Zweifel gilt. Die
Kugel ist für jede gegebene Masse diejenige Form, welche die denkbar
geringste Oberfläche besitzt; jeder Uebertritt der Kugelform in eine
andere beliebige Gestalt erfordert Oberflächenzusatz, also verlangt
auch die während der Zellteilung auftretende Längsstreckung der
Zelle und die Hervorbildung der Teilungsfurche Oberflächenzusatz;
d. h. für den Fall, daß die Zelle von einer Zellmembran umgeben ist,
kann, ehe ein erhöhtes Zellmembranwachstum eingeleitet ist, die
Einschnürung trotz der Longitudinalspannung der dizentrisch gruppierten
Zellleibstrahlen nicht erfolgen. Das zur Erzeugung der Teilungsfurche
erforderliche „+gesteigerte Oberflächenwachstum+“ ist aber nach
~Rhumbler~ erst zur Zeit der Spindelbildung ermöglicht. Zu diesem
Zellmembranwachstum sind nämliche Stoffe, die der Kern zu liefern
hat, notwendig, was sich daraus abnehmen läßt, daß kernlose Fragmente
ihre Defekte nicht zu regenerieren vermögen (cf. p. 626 u. ff.), daß
sich nach ~Boveri~s[712] Untersuchungen bei experimentell erzeugten
polyzentrischen Furchungsmitosen, die eine überschüssige Zahl von
Sphären besitzen, nur zwischen solchen Sphären eine echte Furche, also
Zellscheidewand, bildet, die einen Kern zwischen sich haben, und daß
der Kern auch sonst sehr häufig nach der Stelle hin verlagert ist,
wo ein deutlich bevorzugtes Membranwachstum statthat (cf. p. 630).
-- Die zum Membranwachstum ersichtlich notwendigen Kernstoffe werden
aber erst zur Zeit der Spindelbildung aus der in die Länge gereckten
Kernspindel in einer zu dem gesteigerten Membranwachstum genügenden
Menge herausgepreßt und verbreiten sich hier im Zellleibäquator
zwischen den beiden Sphären, weil, wie das Netzmodell (Fig. 293)
zeigt, die der Kernspindel zugehörigen Waben durch den dizentrischen
Sphärenzug zusammengepreßt werden, während sich die um den Spindelbauch
herumgelegenen Waben des äquatoriellen Gebietes aufblähen[713], so daß
durch die Wabenwände passierbare Substanzen, -- die ja schon angesichts
des Zellmembranwachstums der ruhenden Zelle notwendig existieren
müssen, -- aus den Spindelwaben austreten und in die äquatorialen
Zellleibwaben übertreten müssen.
In der Aequatorialebene werden die von dem Kern gelieferten Substanzen
dann auf die Zelloberfläche treffen und hier das notwendige Wachstum
einleiten, wie sich denn in zahlreichen Fällen hier zuerst eine stärker
färbbare Substanz ringartig um den Zelläquator herumzieht, welche die
erst später dichter werdende und dann nicht mehr besonders färbbare
Teilungsmembran darstellt, und deren mechanische Wirkung man direkt
mit der Scharnierwirkung im ~Heidenhain~schen Modell vergleichen
kann, da die jugendliche Zellmembransubstanz wohl ohne Bedenken
als weniger widerstandsfähig (gegen die zentripetalen Zugkräfte)
angesehen werden darf als die älteren Membranteile. Das Scharnier am
~Heidenhain~schen Modell und seine verschiedene Anwendung ist also
dadurch gerechtfertigt, daß vor der Ankunft der Tochtersphären in
der Kernpolstellung die Zelloberfläche wegen noch zu geringer Größe
dem dizentrischen Zuge nicht folgen kann, das Scharnier demnach in
dieser Periode im Modell festgestellt werden muß, während nach der
Spindeleinstellung die Zellmembran vermöge ihres jetzt ermöglichten
gesteigerten Membranwachstums dem dizentrischen Zug zu folgen
vermag, so daß alsdann die Scharniere im ~Heidenhain~schen Modell
freizugeben sind. Das Zellteilungsmodell zeigt also in der Tat, daß
die Longitudinalspannung, die wir für die Zellleibstrahlen nach der
~Rhumbler~schen Theorie in Anspruch genommen haben, den Ablauf der
Cytokinese und die mit ihr verbundene Zelldurchschnürung mechanisch
verständlich macht.
Es fragt sich jetzt noch, ob es nicht einfacher wäre, mit
~Heidenhain~[714] anzunehmen, daß die Zellleibstrahlen elastisch
gespannte Fäden (von gleicher Ausgangsspannung bei gleicher
Ausgangslänge) wären, als der ~Rhumbler~schen auf den Wabenbau
begründeten komplizierteren Theorie Gehör zu geben.
Ganz abgesehen von allen anderen Unwahrscheinlichkeiten, die von
anderen Seiten gegen die ~Heidenhain~sche Annahme der Wirksamkeit
elastischer Fäden in flüssiger Umgebung erhoben worden sind, könnten
solche elastische Fäden innerhalb eines einheitlichen flüssigen
interfilaren Mediums weder die Kernspindel hervorbilden, noch den
gebogenen Verlauf der in dem Polgebiet der Zelle vorhandenen Strahlen
annehmen, der sehr häufig beobachtet wird (cf. ~R. Hertwig~)[715], und
auf dessen Aehnlichkeit mit den entsprechenden Strahlen magnetischer
Kraftlinienspindeln (cf. Fig. 291 mit Fig. 292) neuerlich ~E. B.
Wilson~[716] besonders aufmerksam gemacht hat. Das ~Heidenhain~sche
Modell versagt die Wiedergabe dieser Biegungen und die Spindelbildung,
weil ihm die senkrecht gegen die Strahlen anpressenden Kräfte fehlen.
In einer einheitlichen Flüssigkeit, die von allen Seiten gleichmäßig
auf ihre Einlagerungen drückt, müssen elastisch gespannte Fäden immer
zu geraden Linien werden. Haben wir dagegen, wie ~Rhumbler~ behauptet,
in den radialen Gebieten longitudinal gespannte, nach Verkürzung
strebende Alveolenpartien, in den interradialen Zellleibpartien dagegen
ein aufquellendes Alveolenwerk vor uns, dessen Alveolenwände mit
denjenigen der radialen Gebiete in direkter Kontinuität stehen, so
muß der Aufquellungsdruck des interradialen Alveolenwerks senkrecht
gegen die nach Verkürzung strebenden Radialwaben anpressen, und man
weiß sofort aus der Analogie mit den magnetischen Kraftlinienfiguren,
wo ja auch die eine Längsspannung vertretenden Kraftlinien senkrecht
gegen sie anpressende Widerstandskräfte zwischen sich haben, daß unter
solchen Umständen die Bildung der Kernspindel ebensowohl als die
Polbiegung der Zellradien in einfacher Weise erklärt werden.
In Betreff weiterer Einzelheiten muß auf ~Rhumbler~s Originalarbeiten
verwiesen werden, wo man neben den genannten und dort eingehender
entwickelten mechanischen Hauptfaktoren, neben der durch die Sphären
bewirkten Strahlenkontraktion und neben dem Zelloberflächenwachstum
also, noch besondere Hilfsfaktoren abgeleitet finden wird, die dem
Zellteilungsvorgang eine größere Sicherung und durch besondere
Ausbildung und mechanisch erklärbare Kombination einzelner Faktoren
auch eine große, die verschiedenen Formen verschiedenartiger
Zellteilungen erklärende Variationsfähigkeit verleihen.
Wenn hiernach die Mechanik der während der Zellteilung auftretenden
Gruppierungen, Transporte und Umlagerungen der verschiedenen
Konstituenten des Zellleibes einer Erklärung zugänglich ist, so
existiert doch leider bis jetzt noch keine ähnlich durchgebildete
Theorie für die Mechanik der komplizierten Umlagerungsvorgänge der
Kernbestandteile. So sehr auch die ~Rhumbler~sche Theorie bereits
auf fortgesetzte Stoffaustausche zwischen Kern und Zellleib während
der Zellteilung hinweist; wie die karyokinetischen Figuren zustande
kommen, ist bis jetzt noch unbekannt; doch bleibe nicht unerwähnt, daß
sich auch hier vielleicht ein für die weitere Ergründung der Vorgänge
gesicherterer Boden durch Heranziehung lebloser Vergleichsobjekte
gewinnen lassen wird. Ein solches Vergleichsobjekt scheint sich
in den Vorgängen zu bieten, die ~Leduc~[717] bei dem Einträufeln
von verdünnter Tuschelösung oder verdünnter Tinte oder Blut in
Salzlösungen, z. B. von Kochsalz oder Salpeter, beobachtet hat und die
er lediglich als Diffusionsvorgänge deutet, bei denen wahrscheinlich
aber auch elektrische Prozesse mitspielen, da ~Rhumbler~[718] mit
Hilfe eines Magneten die betreffenden Konfigurationen beeinflussen
konnte und die Verwendung von Salzlösungen, also von Elektrolyten, von
vornherein elektrische Ladungen wahrscheinlich macht.
Nach dem Aufträufeln entstehen nach einiger Zeit aus den Tropfen
Strahlungen von oft wunderbarer Schönheit; das Merkwürdigste aber
ist, daß ~Leduc~ den ganzen Ablauf der chromatischen Umlagerungen
(cf. p. 230 u. ff.) während der Zellteilung sich in richtiger Folge
portraitgetreu abspielen sah, wenn er folgendermaßen verfuhr: Er
brachte in eine Salzlösung einen mit etwas dünnerer Salzlösung
vermischten Tusche-, Tinten- oder Blutstropfen und bettete diesen
Tropfen zwischen zwei andere der gleichen Substanz, die aber mit
stärker konzentrierter Salzlösung versetzt waren. Die äußeren,
hypertonischen Tropfen bildeten sich dabei zu den von Strahlen
umgebenen Spindelpolen aus, während der mittlere, hypotonische Tropfen
die Kernnachahmung übernahm. Die gefärbten Substanzen gruppierten sich
nämlich in dem mittleren Tropfen zunächst zu einem Knäuel, dieses
zerfiel dann in den Chromosomen vergleichbare Stücke; die Stücke traten
in die Aequatorialebene ein und wurden -- nach den Angaben ~Leduc~s --
längsgespalten. Auf diese Längsspaltung hin erfolgte ein Transport der
Spalthälften, die =V=-Form dabei annahmen, nach beiden Polseiten hin,
ganz wie bei der Karyokinese.
Daß auf diese Weise sehr beachtenswerte Aehnlichkeiten mit
karyokinetischen Figuren[719] zuwege kamen, zeigt Fig. 295, welche
die Photographien zweier von ~Leduc~ künstlich erzeugter Spindeln mit
Polstrahlen wiedergibt.
[Illustration: Fig. 295. _A_ +Künstlich erzeugte karyokinetische Figur+
von ~Leduc~, _B_ aus ~Gallardo~.]
Wenn sich die Angaben ~Leduc~s, die leider sehr wenig ausführlich
sind, in vollem Umfange bestätigen sollten, so dürfte hier ein relativ
unschwer zu analysierendes mechanisches Analogiemodell für die
Kernteilung vorliegen, das auch eine entsprechend einfache Erklärung
für die dem Aussehen nach sehr komplizierten Kernteilungsvorgänge
verheißt. Möglicherweise werden dann auch hier anziehende und
abstoßende Wirkungen, die bei den ~Leduc~schen Figuren wohl durch
elektrische Ladungen zu erklären sind[720], durch andere Faktoren --
vielleicht durch die Oberflächenspannung der agierenden Substanzen --
in Gang gebracht, in ähnlicher Weise, wie das auf den voranstehenden
Seiten für die Vorgänge im Zellleib gezeigt worden ist, hier jedoch für
den Zellkern nicht näher ausgeführt werden kann.
Unabhängig aber von einer derartigen etwa möglichen Erklärung
ist die Tatsache, daß der Kern durch das Auseinanderweichen der
beiden Spindelpole in die Länge gezogen und einfach durchgeschnürt
wird, in ihrem Gesamtbild nichts als ein einfacher Modus der
Oberflächenvergrößerung des Kerns bei gleichbleibender Masse, und die
darauffolgende Durchschnürung des Protoplasmas bedeutet das gleiche für
den ganzen Zellkörper. Es ist die einfachste Form einer Korrektur des
zwischen Oberfläche und Masse bei fortgesetztem Wachstum entstandenen
Mißverhältnisses, und gerade diese einfachste Form der Fortpflanzung
dürfte einst der mechanischen Erklärung verhältnismäßig die geringsten
Schwierigkeiten in den Weg stellen.
Mit der Teilung der Zelle in zwei selbständige Zellen wird in den
beiden Teilprodukten das Verhältnis von Oberfläche zu Masse wieder
ein ganz anderes, als es in der großen Zelle vor der Teilung war. Die
Folge davon ist, daß sich auch die Stoffwechselverhältnisse wieder
verändern werden, und daß die Zelle wieder denselben Zustand annimmt,
den die Mutterzelle hatte, als sie durch Teilung entstanden war und als
selbständiges Individuum zu wachsen begann. Es wiederholt sich also
von einer Zellteilung zur anderen derselbe Zyklus von Veränderungen,
der durch das Wachstum des Zellkörpers und die dadurch veranlaßten
Störungen im Stoffwechsel bedingt ist. Sind diese Veränderungen gering,
so werden sie sich äußerlich in der Formbildung der Zelle, abgesehen
von der Größenzunahme, nicht besonders bemerkbar machen. Die Mehrzahl
aller Zellen zeigt dieses Verhältnis, indem sie einfach wächst und,
wenn sie eine bestimmte Größe erreicht hat, sich teilt, und so fort.
Wo dagegen die durch das Wachstum bedingten Stoffwechselstörungen
bedeutender sind, da werden dieselben auch in einer Veränderung der
äußeren Form des Zellkörpers zum Ausdruck kommen, und wir bekommen
eine typische +Entwicklung+ der Zelle. Eine große Anzahl der
freilebenden einzelligen Organismen weist diesen Vorgang auf, und
zwar besonders diejenigen, deren Zellkörper bei der Teilung nicht in
zwei Hälften, sondern in eine größere Anzahl von Teilen oder „Sporen“
zerfällt. Die Größendifferenz der Spore und des ausgewachsenen
Infusors ist allerdings ganz bedeutend. Daher müssen auch die
Stoffwechselunterschiede ganz bedeutend sein, und es bedarf einer
längeren Entwicklung, bis die Spore sich wieder zu einem ausgewachsenen
Infusor ausgebildet hat.
So läßt sich die +Entwicklung+ der Zelle, die periodische Wiederkehr
eines und desselben Zyklus von Formveränderungen von einer Zellteilung
bis zur anderen, von einer Sporenbildung bis zur anderen als ein
Ausdruck der Veränderungen betrachten, welche durch das Wachstum im
Stoffwechsel der Zelle hervorgerufen werden. Freilich müssen sich
während des Wachstums bei der engen Korrelation aller Zellteile
unter sich und mit den Faktoren des Mediums noch unzählige andere,
sowohl chemische als physikalische Momente herausbilden, die sämtlich
wieder mit eingreifen, um die Veränderungen der Zellenform zu
unterstützen und zu befördern. Aber als fundamentale Bedingung aller
dieser Veränderungen brauchen wir keinen anderen Faktor anzunehmen
als das Wachstum. Das Wachstum allein genügt, um die zyklische
Folge von Formveränderungen mechanisch verständlich zu machen, die
wir Entwicklung nennen. +Das Wachstum ist das Grundphänomen des
Formwechsels.+
b) Entwicklungsmechanik.
Eine Frage, welche die Entwicklung des vielzelligen Organismus
durch fortgesetzte Teilung aus der Eizelle betrifft, ist in neuerer
Zeit Mittelpunkt lebhafter Erörterungen geworden. Das ist die
Frage: Wie kommt die Teilung einer Zelle in zwei ungleiche Hälften
zustande, ein Vorgang, der die Grundbedingungen für die Entwicklung
jedes differenzierten Zellenstaates bildet? Diese Frage, die von
fundamentaler Bedeutung für das Verständnis der Entwicklung aller
höheren Organismen ist, wird auf zwei sehr verschiedene Weisen
beantwortet. Die Ansicht einer Reihe von Forschern schließt sich im
großen ganzen der Theorie von ~His~[721] über die „organbildenden
Keimbezirke“ an. ~Roux~[722], ~Weismann~[723] und viele andere
folgen, wenn auch mit einigen Modifikationen, dieser Ansicht, welche
besagt, daß bereits in der Eizelle verschiedene Bezirke vorhanden
sind, die bei der fortgesetzten Teilung auf verschiedene Teilzellen
übertragen werden, und deren jeder das Material für die Entwicklung
ganz bestimmter Gewebe und Organe liefert. Mit anderen Worten: Die
Anlagen für die verschiedenen Körperteile des fertigen Organismus
sind bereits in verschiedenen Teilen des Eies getrennt nebeneinander.
Die Hauptstütze dieser Ansicht bilden die Experimente, die ~Roux~
am Froschei angestellt hat, bei denen er beobachtete, daß sich nach
künstlicher Zerstörung einer der beiden ersten Furchungszellen aus
der anderen zunächst nur Hemiembryonen entwickelten, d. h. Embryonen,
denen die eine Körperhälfte ganz fehlte, daß freilich die fehlende
Hälfte später durch „Postgeneration“, wie ~Roux~ sich ausdrückt,
nachgebildet werden kann. Dem steht die Ansicht einer anderen Reihe
von Experimentatoren, vor allem von ~Pflüger~[724], ~O. Hertwig~[725]
und ~Driesch~[726] gegenüber, welche die Existenz „organbildender
Keimbezirke“ in der Eizelle leugnen und sich vorstellen, daß die
Differenzierung der gleichartigen Eizelle in verschiedenartige
Teilzellen lediglich durch die Einwirkung äußerer Faktoren auf die
verschiedenen im Ei enthaltenen Stoffe herbeigeführt wird. So wirkt
z. B. bei Eiern, die, wie das Froschei, verschieden schwere Substanzen
-- im Froschei findet sich eine weiße, dotterreichere und eine
pigmentierte, protoplasmareichere -- enthalten, die Schwerkraft in
der Weise, daß sie sich polar differenzieren, so daß die schwerere
Substanz unten, die leichtere oben zu liegen kommt und bei Drehung
des Eies immer wieder in diese Lage zurückkehrt. Bei der ersten
Teilung des Eies wird diese polar differenzierte Zelle durch eine
senkrechte Furche in zwei gleiche Hälften geteilt, von denen jede
gleich viel weiße und schwarze Substanz enthält. Brachte ~Pflüger~
aber Froscheier in eine abnorme Lage und fixierte er sie darin, so
wurden die Eier bei der Furchung häufig in zwei ganz ungleiche Teile
gefurcht, von denen der eine vorwiegend die helle, der andere die
dunkle Masse enthielt, und trotzdem entwickelten sich normale Larven
daraus. Aus diesen Tatsachen schloß man, daß der Inhalt des Eies
also nicht schon so differenziert sein kann, daß sich aus jedem Teil
nur gewisse Organe entwickeln können, sondern daß vielmehr im Ei die
verschiedenen Bezirke noch durchaus gleichwertig sein müssen für die
spätere Entwicklung. Dafür schien übrigens auch die von ~O. Hertwig~
beobachtete Tatsache zu sprechen, daß sogar einzelne kleine Stücke
der Eizelle, wenn sie nur lebensfähig sind und befruchtet werden,
sich zu ganzen Individuen entwickeln. Gegenüber den Beobachtungen
von ~Roux~ stellte ferner ~Driesch~ an Seeigeleiern fest, daß aus
jeder der zwei, vier oder acht ersten Furchungszellen, wenn er sie
durch Schütteln voneinander isoliert hatte, sich stets vollkommene
Individuen entwickelten, die sich nur durch ihre geringere Größe von
den normalen unterschieden, eine Tatsache, die übrigens seitdem von
zahlreichen Beobachtern an verschiedenen Tierarten, unter anderen
auch von ~O. Hertwig~ an ~Roux~’s eigenem Versuchsmaterial, dem
Froschei, bestätigt worden ist. Daß sich ferner aus den einzelnen
durch die Teilung der Eizelle entstehenden Furchungszellen durchaus
nicht ganz bestimmte Teile oder Organe des Embryo entwickeln,
suchten ~Driesch~ und ~Hertwig~ im Verfolg des bereits von ~Pflüger~
angestellten Versuches noch auf andere Weise zu zeigen, indem sie,
wie ~Pflüger~, Froscheier zwischen zwei Glasplatten so einklemmten,
daß sich die aus der Teilung hervorgehenden Zellen nur in eine Ebene
lagern konnten, statt zu einem kugeligen Haufen, daß also eine ganz
abnorme Verlagerung der Furchungszellen gegeneinander eintrat. Trotzdem
entwickelten sich daraus vollständig normale Embryonen. Aus dieser
Tatsache glaubte man notwendig den Schluß ziehen zu müssen, daß die
einzelnen bei der Furchung entstehenden Teilzellen keine bestimmten
Organanlagen repräsentieren, und daß auch in der Eizelle mithin keine
„organbildenden Keimbezirke“ vorhanden sein können.
Fassen wir die Gegensätze, die sich in beiden gegenüberstehenden
Theorien aussprechen, kurz zusammen, so ist die Vorstellung
organbildender Keimbezirke im wesentlichen nichts anderes als ein
Rest der alten, hier mehr, dort weniger klaren Präformationslehre,
wie sie zur Zeit ~Haller~s blühte, nur in etwas modernerem Gewande,
während die Ansicht von der Gleichwertigkeit der verschiedenen
Teile der Eizellsubstanz im allgemeinen den Standpunkt der
Epigenesislehre ~Caspar Friedrich Wolff~s repräsentiert, wie ihn in
der neueren Entwicklungsgeschichte vor allem ~Haeckel~ stets mit
großer Entschiedenheit vertreten hat. In dieser extremen Fassung
sind beide Lehren unvereinbar miteinander. Allein, es kann keinem
Zweifel unterworfen sein, daß die Entwicklung eine wirkliche
Epigenese ist, und daß die Annahme einer minutiösen Präformation
der verschiedenen Organanlagen in der Eizelle in der Form, wie sie
namentlich ~Weismann~ und ~de Vries~[727] gemacht haben und wie sie
der alten Präformationslehre zugrunde lag, ganz entschieden nicht
den Tatsachen entspricht. Die Tatsache, daß auch kleine Stücke einer
Eizelle, ferner die isolierten Furchungshälften und -viertel noch
einen normalen vollständigen Organismus von entsprechend geringerer
Größe liefern, wenn sie nur alle wesentlichen zur Erhaltung des Lebens
nötigen Zellbestandteile enthalten, sowie die Tatsache, daß bei der
Verlagerung der Furchungskugeln Tiere mit völlig normaler Lagerung der
Organe entstehen, läßt die Unhaltbarkeit einer solchen Annahme ohne
weiteres erkennen. Auf der anderen Seite muß aber zugegeben werden, daß
ebenso wie in zahllosen anderen Zellen auch in vielen Eizellen sich
spezielle Differenzierungen verschiedener Protoplasmapartien schon
mikroskopisch unterscheiden lassen. Werden diese Differenzierungen bei
der Teilung in ungleicher Weise auf die Teilhälften übertragen, so ist
es ganz selbstverständlich, daß daraus auch Verschiedenheiten in den
von den verschiedenen Teilhälften abstammenden Entwicklungsprodukten
resultieren müssen. Aber damit ist noch keine Mosaikstruktur im Sinne
der Präformationslehre gegeben. Vielmehr existieren sicherlich zahllose
Eier, bei denen die Differenzierung so gering ist, daß jeder Bruchteil,
wenn er nur die zur Erhaltung des Lebens nötigen Zellbestandteile
mitbekommt, auch imstande sein wird, den ganzen Organismus zu
reproduzieren. Auf jeden Fall ist in jeder Eizelle die Differenzierung
verschiedener Bezirke eine ganz verschwindend geringe im Vergleich zu
der ungeheuren Differenzierung der Teile, die der fertig entwickelte
Organismus zeigt. Es kann also von einer wirklichen Präformation der
Organe und Teile des fertigen Organismus in der Eizelle im Sinne der
alten Einschachtelungstheorie, auch wenn es sich nur um die +Anlage+
eines jeden Teiles oder Organes handeln sollte, auf keinen Fall die
Rede sein. Die ganze große Fülle von Differenzierungen, die sich im
Laufe der Entwicklung eines Wirbeltierkörpers herausbilden, beruht auf
+Epigenese+.
Aber noch ein anderer Gegensatz ist in den beiden oben skizzierten
Anschauungen zum Ausdruck gekommen. Während die Theorie von
~Weismann~ und ~Roux~ die wesentlichen Bedingungen für die Entstehung
differenzierter Tochterzellen bei der Teilung des Eies in der
Eizelle selbst sucht, findet sie die Vorstellung von ~Pflüger~ und
~Hertwig~ vorwiegend in den von außen her auf die Zelle einwirkenden
Faktoren. Während nach der einen Ansicht die Zellen sich aus +inneren+
Bedingungen heraus in ungleiche Teilprodukte teilen, sind es nach der
anderen Meinung wesentlich +äußere+ Faktoren, welche die Ungleichheit
der Zellen bei fortgesetzter Teilung erzeugen. Hier ist nun zweifellos
ein Punkt, an dem eine Vereinbarung zwischen beiden gegenüberstehenden
Ansichten auf dem Boden unserer konditionalen Auffassung der
Lebensvorgänge möglich ist.
Nach unserer oben entwickelten Vorstellung vom Mechanismus der
Entwicklung und Fortpflanzung der einzelnen Zelle auf Grund der durch
das Wachstum entstehenden Stoffwechselveränderungen liegt es auf der
Hand, daß innere und äußere Bedingungen der Formveränderung sich
überhaupt nicht voneinander trennen lassen. Die gesamte Formbildung
und Formveränderung ist danach ein Kompromiß, eine Wechselwirkung
zwischen den innerhalb und den außerhalb der Zelle gelegenen Faktoren,
so wie der ganze Lebensvorgang nur durch die +Summe+ der inneren und
äußeren Lebensbedingungen eindeutig bestimmt ist. Dadurch, daß die
Zelle infolge der charakteristischen Beschaffenheit ihrer lebendigen
Substanz die Eigentümlichkeit besitzt, von +außen+ Stoffe in sich
aufzunehmen und Stoffe von +innen+ nach +außen+ abzugeben, ist schon in
dem elementaren Lebensvorgang, dem Stoffwechsel selbst, ein Kompromiß
zwischen inneren und äußeren Momenten gegeben, ohne den das Leben der
Zelle nicht möglich ist. Indem die Zelle aber wächst, werden durch
diese Veränderung der inneren Bedingungen wieder die Beziehungen mit
den äußeren Faktoren verändert, so daß dieselben jetzt in anderer
Weise einwirken als vorher. So wird in jedem Zeitmoment ein anderer
Kompromiß zwischen Zelle und Medium, zwischen inneren und äußeren
Faktoren geschlossen, dessen Ausdruck die Veränderung, die Entwicklung
und schließlich die Fortpflanzung der Zelle ist. Hiernach ist es
klar, daß wir weder sagen können: die Veränderung der Zelle und die
Differenzierung ihrer Teilungsprodukte sei allein die Folge ihrer
inneren Beschaffenheit, noch auch: sie sei allein die Wirkung äußerer
Faktoren. +Wir können nur sagen: die Entwicklung und Fortpflanzung der
Eizelle und die Differenzierung der aus ihrer Teilung hervorgehenden
Zellgenerationen ist ein Ausdruck der durch das Wachstum bedingten
fortschreitenden Veränderungen in den Wechselbeziehungen zwischen
lebendiger Substanz und Medium.+
Das fundamentale Unterscheidungsmoment zwischen der einzelnen
freilebenden Zelle und der sich zum Zellenstaat entwickelnden Eizelle
liegt ganz allein darin, daß bei der Entwicklung der Eizelle die
aus dem Teilungsprozeß hervorgehenden Tochterzellen miteinander
im Zusammenhang bleiben, während sich die bei der Teilung des
einzelligen Organismus entstehenden Tochterzellen sofort nach der
Teilung voneinander trennen. Beim einzelligen Organismus machen daher
die Wechselbeziehungen zwischen Zelle und Medium immer nur wieder
denselben kurzen Zyklus von Veränderungen durch; bei der Teilung der
Eizelle dagegen ändern sich die Wechselbeziehungen zwischen Zelle und
äußeren Faktoren mit jeder der schier unzähligen Teilungen wieder in
ganz neuer Weise. Daher kommt es, daß die Eizelle bis zur Entwicklung
des vielzelligen Organismus eine so ungeheuer lange Reihe von
Formveränderungen durchlaufen muß, während der einzellige Organismus
entweder eine kaum merkbare Entwicklung oder doch nur einen kurzen
Kreis von Veränderungen durchzumachen braucht. Läßt das Wachstum im
vielzelligen Organismus allmählich nach, so erfahren die Zellen auch
immer weniger Formveränderungen, und manche Gewebezellen, wie z. B. die
Ganglienzellen, die im fertigen Organismus nur noch ein beschränktes
Wachstum zeigen, teilen sich nicht mehr und differenzieren sich nicht
weiter. In Wirklichkeit hört indessen, wie wir a. a. O.[728] sahen,
die Entwicklung überhaupt nie ganz auf bis zum Tode; nur treten später
die Veränderungen so überaus langsam auf und sind verhältnismäßig so
gering, daß wir sie selbst innerhalb langer Zeiträume kaum bemerken. In
diesem scheinbar stationären Zustande sind die Gewebezellen wieder mehr
jenen einzelligen Organismen ähnlich, die noch keine kompliziertere
Entwicklung haben: bei beiden ändern sich die Wechselbeziehungen
zwischen inneren und äußeren Faktoren nur in unmerklicher Weise, indem
sie bei den Gewebezellen zu langsam verlaufen, bei den Einzelligen zu
gering sind und immer wieder zu ihrem Anfangspunkt zurückkehren. Bei
beiden nehmen wir daher keine wesentlichen Formveränderungen wahr.
Aus dieser Ueberlegung geht hervor, wie verkehrt es ist, wenn man aus
der Tatsache, daß sich die kleine Eizelle zu einem so erstaunlich
komplizierten Zellenbau differenziert, die Vorstellung herleiten will,
daß die lebendige Substanz der Eizelle gegenüber der jeder anderen
Zelle, sowohl jedes einzelligen Organismus wie jeder Gewebezelle,
sich durch eine ganz undenkbar feine und komplizierte „Struktur“
auszeichnen müsse. Diese Vorstellung, auf die man ziemlich häufig
stößt, ist aber ebenfalls weiter nichts als noch ein heimlicher
Rest der Präformationslehre und, wie wir sahen, ebenso überflüssig
wie unberechtigt; denn die Entwicklung und Differenzierung des
Zellenstaates aus der Eizelle beruht lediglich auf den mit dem
kontinuierlichen Zellwachstum, mit jeder Zellteilung sich fortwährend
weiter verändernden Wechselbeziehungen zwischen der lebendigen
Substanz der Zellen und den äußeren Faktoren. Das Wachstum ist der
Fundamentalvorgang aller Entwicklung überhaupt, sowohl der einzelnen
Zelle als des ganzen Zellenstaates, und wir können diese wichtige
Tatsache kaum besser ausdrücken als mit den Worten des Altmeisters
der Entwicklungsgeschichte selbst, mit den Worten, in denen einst
~Karl Ernst v. Baer~[729] das allgemeinste Ergebnis seiner Studien
über die Entwicklungsgeschichte der Tiere zusammenfaßte: „+Die
Entwicklungsgeschichte des Individuums ist die Geschichte der
wachsenden Individualität in jeglicher Beziehung.+“
Fassen wir unsere Erörterungen über die Mechanik der Entwicklung in
einem übersichtlichen Bilde zusammen, so kommen wir zu folgender
Vorstellung. Die sich entwickelnde Zelle repräsentiert, wie jede
Zelle, ein System von lebendiger Substanz, das durch einen ganz
bestimmten Stoffwechsel charakterisiert ist. Dieser Stoffwechsel
ist der Ausdruck der Wechselbeziehungen, die zwischen dem Medium
mit seinen einzelnen Faktoren einerseits und der Zelle mit ihren
mannigfachen Inhaltsdifferenzierungen anderseits bestehen. Indem die
Zelle wächst, ändern sich notwendigerweise die Wechselbeziehungen
zwischen dem Medium und der Zelle, weil sich das Verhältnis von
Oberfläche und Masse der lebendigen Substanz mehr und mehr verschiebt.
Infolgedessen finden wir auch eine Veränderung des Stoffwechsels,
denn der Stoffwechsel ist stets eindeutig bestimmt durch die
jeweilige Summe der inneren und äußeren Lebensbedingungen. Aendern
sich einzelne dieser Bedingungen, so ändert sich auch entsprechend
der Stoffwechsel. Was wir mit einem kurzen Worte Stoffwechsel oder
Lebensvorgang nennen, ist ja nur ein Ausdruck für die Summe sämtlicher
inneren und äußeren Lebensbedingungen. Wir haben also in der
wachsenden Zelle eine kontinuierliche +Aufeinanderfolge+ verschiedener
Stoffwechselzustände in ganz allmählichem Uebergang, in der Weise,
daß jeder folgende Zustand mit Notwendigkeit aus dem vorhergehenden
resultiert. Da die Form, wie überall in der Körperwelt, unter anderem
eine Funktion des Baumaterials ist, so ist es erklärlich, daß sich
mit der Veränderung des Stoffwechsels auch die Form der Zelle unter
gewissen Bedingungen verändern wird, und so haben wir Hand in Hand
gehend mit der Aufeinanderfolge verschiedener Stoffwechselzustände
auch eine kontinuierliche Aufeinanderfolge verschiedener Formzustände,
mit anderen Worten: wir haben eine Entwicklung. Es ergibt sich daraus,
daß die Entwicklung der Zelle eine wirkliche „+Epigenese+“ ist, im
Sinne ~Caspar Friedrich Wolff~s, d. h. eine +Aufeinanderfolge+ immer
+neuer+ Formzustände, nicht ein deutlicheres Hervortreten schon vorher
präformierter, aber noch nicht wahrnehmbarer Strukturdifferenzierungen
der lebendigen Substanz, wenn auch immerhin bereits in manchen Eizellen
einzelne funktionell verschiedene Bezirke bestehen. Je nach dem Grade
der Veränderungen in den Wechselbeziehungen zwischen Medium und Zelle
wird aber die Formveränderung in einem Falle weniger, im anderen Falle
mehr zum Ausdruck kommen, am meisten in den Fällen, in denen sich die
Beziehungen zwischen Zelle und Medium rapide und andauernd ändern,
indem die infolge des Wachstums sich teilenden Zellen im Zusammenhang
miteinander bleiben und gegenseitig aufeinanderwirken, wie bei der
Entwicklung des Zellenstaates der Pflanzen und Tiere aus der Eizelle.
c) Struktur und Flüssigkeit.
Wir haben an einer anderen Stelle besonderen Wert darauf gelegt,
daß die lebendige Substanz im wesentlichen die Eigenschaften einer
Flüssigkeit besitzt. Bei der Formbildung spielt aber noch ein anderes
Moment eine bedeutende Rolle, das ist ihre Struktur. Da es auf den
ersten Blick scheinen könnte, als ob Struktur und Flüssigkeit zwei
Dinge sind, die sich gegenseitig ausschließen, so wird es zweckmäßig
sein, erst auf diese Frage einzugehen[730].
Wenn wir unter Struktur eine bestimmte gegenseitige Anordnung der
kleinsten Teilchen verstehen, aus denen eine Substanz zusammengesetzt
ist, so liegt das Grunderfordernis für die Existenz einer Struktur
in der gegenseitigen Gruppierung bestimmter Teilchen. Nur wo sich
gewisse Teilchen gegenseitig gruppieren, kann von einer Struktur
die Rede sein. Diese Forderung ist aber nicht bloß im festen Körper
erfüllt, sondern auch in der Flüssigkeit: denn auch in der Flüssigkeit
ordnen sich die einzelnen Teile untereinander in bestimmter Weise.
Der Unterschied in der Struktur der Flüssigkeiten und festen Körper
liegt lediglich darin, daß die Teilchen in einem festen Körper sich
infolge der Molekularattraktion (Kohäsion) nur innerhalb beschränkter
Grenzen um einen Schwingungsmittelpunkt herum bewegen, während sie
sich in einer Flüssigkeit fortwährend aus ihrer Lage losreißen und
fortbewegen. Dazwischen liegen alle möglichen Zwischenstufen. Die
interessanten Untersuchungen von ~O. Lehmann~[731] über flüssige
Kristalle haben in dieser Beziehung sehr viel Material geliefert, das
auch in biologischer Beziehung Interesse verdient. In Wirklichkeit
besteht schon in jeder einfachen Lösung eine gewisse Molekularstruktur.
Legen wir z. B. in ein Gefäß mit destilliertem Wasser einen reinen
Salzkristall, so löst sich derselbe nach einiger Zeit auf, und die
Salzmoleküle verteilen sich durch Diffusion gleichmäßig in der
Flüssigkeit, so daß in jedem kleinsten Volumen der Flüssigkeit der
gleiche Prozentsatz an Salzmolekülen enthalten ist. Es tritt also
eine bestimmte Anordnung unter den Molekülen des Salzes und denen der
Flüssigkeit ein, und jedes Salzmolekül gruppiert um sich eine bestimmte
Anzahl von Wassermolekülen. Der Unterschied in dieser Gruppierung
oder Struktur zwischen der beweglichen Flüssigkeit und dem festen
Körper ist nur der, daß bei der freien Bewegung der Moleküle in der
Flüssigkeit fortwährend Moleküle aus dieser Gruppierung herausgerissen
und durch andere verdrängt werden, so daß die Struktur fortwährend
zerstört und wieder neu gebildet wird, während sie im festen Körper,
wo die Bewegung der Moleküle eine beschränkte ist, dauernd ungestört
bestehen kann. +Diese fortwährende Neubildung der Struktur in der
Flüssigkeit ist aber von fundamentaler Bedeutung für die lebendige
Substanz; denn nur wo die Möglichkeit des fortwährenden Aus- und
Eintritts von Molekülen gegeben ist, kann ein Stoffwechsel bestehen,
ohne den ja keine lebendige Substanz denkbar ist.+ Dieser fortwährende
Wechsel der Moleküle verhindert indessen nicht, daß auf Grund der
betreffenden Molekül- und Atomgruppierungen in der lebendigen Substanz
an gewissen Stellen dauernde Formdifferenzierungen zustandekommen.
Ebenso wie ein Wasserstrahl oder eine Gasflamme dauernd eine ganz
bestimmte Form haben kann, obwohl es in keinem Augenblick dieselben
Moleküle sind, welche die Form bilden, wie im Augenblick vorher, ebenso
kann auch die lebendige Substanz trotz ihrer flüssigen Natur gewisse
dauernde Formdifferenzierungen zeigen, die so lange bestehen, wie die
Bedingungen für die bestimmte Gruppierung der Moleküle und Atome die
gleichen bleiben.
+Diese Ueberlegung ist von großer Wichtigkeit, denn sie eröffnet
uns das Verständnis für die allgemeinen Prinzipien der Formbildung
der lebendigen Substanz.+ Die anscheinend paradoxe Tatsache, daß
die lebendige Substanz, obwohl sie in fortwährendem Wechsel ihrer
Stoffe begriffen ist, dennoch in vielen Fällen eine dauernde und oft
außerordentlich komplizierte Form besitzen kann, erklärt sich hiernach
ohne weiteres. Denken wir uns z. B. eine Zelle mit verschiedenartigen
Differenzierungen, etwa eine Zelle, die, wie das Geißelinfusorium
+Poteriodendron+, außer ihrem Kern noch eine Geißel und einen
kontraktilen Myoidfaden besitzt (Fig. 296), so sind hier in jeder
der einzelnen Differenzierungen die Teilchen in besonderer Weise
angeordnet, im Kern anders als an der Oberfläche des Protoplasmas, in
der Geißel anders als im Myoidfaden etc. Aber dennoch treten einerseits
aus allen diesen einzelnen Differenzierungen fortwährend Atome und
Atomgruppen in bestimmter Richtung aus, und anderseits treten in die
Differenzierungen fortwährend neue Atome und Moleküle hinein, so daß
die Struktur ununterbrochen zerstört und wieder gebildet wird. Es ist
also ein fortwährender Stoffstrom da, der äußerst kompliziert, in den
verschiedenen Differenzierungen verzweigt und in seinen Teilen ganz
verschieden zusammengesetzt ist. Dieser Stoffstrom ist der Ausdruck
der komplizierten Stoffwechselbeziehungen zwischen den einzelnen
Teilen des Zellkörpers, und er ist es, der gerade diese eine, ganz
bestimmte, eigentümliche Form einer gegebenen Zelle bedingt. Nur wenn
bestimmte Atome immer wieder zur rechten Zeit an der nötigen Stelle
sind, kann sich die Struktur immer wieder herstellen und dauernd
erhalten. Hört der Stoffstrom auf, so zerfallen die Moleküle, und die
bestimmte Gruppierung löst sich auf. Solange dagegen der Stoffstrom
ununterbrochen dauert, so lange fügen die einzelnen Moleküle und Atome
durch Anziehung immer wieder die nötigen Teilchen ein, und die Struktur
bleibt bestehen; ändert sich aber der Stoffstrom in Richtung und
Zusammensetzung seiner Teilchen, so muß sich auch die Form der Zelle
und ihrer Differenzierungen ändern, und wir haben eine Entwicklung.
[Illustration: Fig. 296. +Poteriodendron.+ Ein einzelnes Individuum
eines Stockes. Der Zellkörper sitzt, auf einem Myoidfaden befestigt, in
einem glockenförmigen Kelch und schlägt mit seiner Geißel.]
Den Vergleich der Lebensäußerungen mit einer Flamme haben wir
schon in mehrfacher Hinsicht als sehr treffend erprobt. Auch hier
ist er geeignet, uns das Verhältnis zwischen Formbildung und
Stoffwechsel in besonders anschaulicher Weise klar zu machen. Die
Schmetterlingsfigur einer Gasflamme hat eine sehr charakteristische
Formdifferenzierung. Im unteren Teil der Flamme herrscht völlige
Dunkelheit, darüber erhebt sich schmetterlingsflügelartig ausgebreitet
die helle leuchtende Fläche. Diese eigentümliche Form der Flamme
mit ihrer charakteristischen Differenzierung, die dauernd bestehen
bleibt, solange wir die Stellung des Gashahns und die Verhältnisse
der Umgebung nicht verändern, rührt lediglich davon her, daß an den
einzelnen Stellen der Flamme die Gruppierung der Leuchtgas- und
Sauerstoffmoleküle eine ganz bestimmte ist, obwohl die Moleküle selbst
in jedem Zeitdifferential wechseln. Der Stoffwechsel der Flamme
zwischen dem zuströmenden Gase und der umgebenden Luft ist aber so
geregelt, daß an derselben Stelle immer wieder dieselben Moleküle in
derselben Zahl zusammentreffen. Infolgedessen behalten wir auch dauernd
dieselbe Flammenform mit ihrer Differenzierung. Aendern wir aber den
Stoffstrom ab, indem wir weniger Leuchtgas ausströmen lassen, so
ändert sich auch die Form der Flamme, weil jetzt mit dem Gasdruck die
gegenseitige Lagerung der Leuchtgas- und Sauerstoffmoleküle verändert
wird. So liefert uns die Betrachtung der Leuchtgasflammenform bis in
die Einzelheiten genau dieselben Verhältnisse, wie wir sie für die
Formbildung der Zelle als maßgebend gefunden haben.
[Illustration: Fig. 297. +Stentor Roeselii.+ _A_ Quer zerschnitten. _B_
und _C_ Die beiden Teilstücke haben sich zu vollständigen Stentoren
regeneriert. Die helle, langgestreckte Masse im Innern bezeichnet den
Kern.]
Eine andere interessante Gruppe von Formbildungsvorgängen wird
unter diesen Gesichtspunkten ebenfalls klar, das sind die Tatsachen
der +Regeneration+. Schneiden wir eine Zelle, am besten eine mit
recht charakteristischen Oberflächendifferenzierungen versehene
Infusorienzelle, wie sie z. B. der zierliche +Stentor Roeselii+
vorstellt, in zwei Stücke, aber so, daß jedes Stück einen Teil des
Kerns mitbekommt und somit noch den Wert einer Zelle besitzt, so
regeneriert, wie wir bereits a. a. O.[732] gesehen haben, in kurzer
Zeit jedes der beiden Stücke die ihm fehlenden Teile. Die Wundstelle
der Teilstücke schließt sich, und der untere Teil der +Stentoren+zelle
ordnet seine Substanz alsbald wieder so um, daß ein neues Peristom
mit der charakteristischen Wimperspirale und einer Mundöffnung
entsteht, während sich der obere Teil in die Länge zieht, so daß
sich ein neues Fußstück entwickelt, mit dem sich der neue +Stentor+
wieder anheftet. So entsteht durch Anlagerung von Teilchen aus dem
Innern des Körpers an die Wundstelle aus jedem Teilstück in kurzer
Zeit wieder ein vollständiger Stentor (Fig. 297). Diese Tatsache der
Regeneration ist jetzt sehr leicht verständlich. Da in den mit Struktur
versehenen Formendifferenzierungen der Zelle jedes Teilchen nur ganz
bestimmte andere Teilchen anzieht und festhält und bei Absprengung
derselben im Stoffwechsel sofort wieder die entsprechenden Teilchen
von neuem anzieht und fesselt, so müssen diejenigen Teilchen an der
Wundstelle, die durch den Schnitt von ihren Nachbarn getrennt sind,
sofort wieder entsprechende Teilchen, wenn sie ihnen zur Verfügung
stehen, an sich ziehen und anlagern. Da aber der Stoffwechsel keine
tödliche Störung erfahren hat durch die Teilung, werden ihnen nach wie
vor durch den Stoffstrom die nötigen Teilchen zugeführt, und so kann
sich ein Teilchen nach dem anderen anlagern, wie es die eigentümliche
Beschaffenheit eines jeden erfordert. Ist der Stoffwechsel dagegen
unheilbar geschädigt worden bei der Teilung, so ist die Regeneration
nicht mehr möglich, weil dann die zum Aufbau nötigen Moleküle und
Atome nicht mehr produziert und an die nötige Stelle gebracht
werden. +Deshalb finden wir ganz allgemein ohne jegliche Ausnahme
überall die fundamentale Tatsache, daß kernlose Teilstücke einer
Zelle, d. h. Teilstücke, bei denen eine tödliche Störung des
Stoffwechsels eingetreten ist, obwohl sie unter Umständen noch tagelang
Lebensäußerungen zeigen können, dennoch die verlorenen Teile nicht mehr
regenerieren.+
[Illustration: Fig. 298. +Kieselnadeln von Schwämmen.+ _I_ Schema der
Entstehung eines Vierstrahlers zwischen vier blasenförmigen Hohlräumen.
Nach ~F. E. Schulze~. _II_ Verschiedene Formen von Kieselnadeln.]
Ein Vorgang ferner, der bis in die letzten Jahrzehnte noch ganz
rätselhaft erschien, wird durch die Tatsache der Strukturen im
Zellprotoplasma dem Verständnis gleichfalls sehr nahe gerückt. Das ist
die Bildung der überaus regelmäßig geformten Kiesel- und Kalkskelette,
wie sie vor allem bei den zierlichen Radiolarien, Foraminiferen und
Spongien vorkommen. Schon ~F. E. Schulze~[733] hatte darauf aufmerksam
gemacht, daß eine Bildung von Dreistrahlern, Vierstrahlern (Fig. 298
_II_) etc., wie sie in den Kiesel- und Kalkskeletten der Spongien
eine so große Rolle spielt, zustande kommen müsse, wenn sich mehrere
kugelige Körper aneinander legen und in die feinen Spalträume zwischen
sich eine skelettbildende Substanz, also etwa kohlensauren Kalk oder
Kieselsäure, ausscheiden (Fig. 298 _I_). Freilich dürften in dem
speziellen Fall, auf den ~Schulze~ diese Betrachtung anwendet, nämlich
bei der Entstehung der Skelettnadeln der Schwämme, wohl nicht die
Faktoren als bestimmende Momente fungieren, die ~Schulze~ annimmt.
Dagegen hat später ~Dreyer~[734] für andere Fälle gezeigt, wie
verschiedene und zum Teil außerordentlich komplizierte Skelettteile,
besonders der Radiolarien, sich leicht auf die Ausscheidung der
skelettbildenden Substanz in den protoplasmatischen Wänden eines
Vakuolenlagers zurückführen lassen (Fig. 299). Je nach der Form der
Vakuolen und der Dicke der Wandschicht, je nach der Ablagerungsstelle
und der Menge der sezernierten Skelettsubstanz muß dabei eine
ganze Fülle von verschiedenartigen Skelettformen resultieren, wie
wir sie tatsächlich in dem Formenreichtum der Radiolarienskelette
realisiert finden. So wird die früher so wunderbare Tatsache, daß
die einfachen, fortwährend in Strömung und Pseudopodienbildung
begriffenen Protoplasmamassen der Rhizopodenzellen so staunenswert
regelmäßige, komplizierte und zierliche Skelette zu bilden vermögen,
ohne weiteres aus dem Umstande verständlich, daß das Protoplasma der
Radiolarienzelle in einer gewissen Körperzone eine vakuolige oder
wabige Struktur besitzt. Je nach der Form, der Lage, dem Umfang dieser
Vakuolenschicht und ihrer Vakuolen müssen auch die durch Ausscheidung
von Skelettsubstanz zwischen den Vakuolen entstehenden Abgüsse, die
das Skelett bilden, außerordentlich verschieden sein (Fig. 299). Und
eine ähnliche Rolle wie die Vakuolenstruktur des Protoplasmas bei
der Bildung mancher Radiolarienskelette wird zweifellos auch die
Struktur des Protoplasmas sowie die Form und der gegenseitige Druck der
einzelnen Zellen bei der Skelettbildung in anderen Organismen spielen.
[Illustration: Fig. 299. +Schema der Entstehung verschiedener
Skelettformen durch Ausscheidung von Skelettsubstanz in den Wänden
eines Vakuolensystems.+ Nach ~Dreyer~.]
[Illustration: Fig. 300. +Kieselskelette von Radiolarien.+ Nach
~Haeckel~. _A_ +Dorataspis+, _B_ +Theoconus+.]
d) Vererbungsmechanik.
Es bleibt uns schließlich noch übrig, auch kurz auf den Mechanismus
der +Vererbung+ einzugehen. Die Verhältnisse der Vererbung liegen
am einfachsten bei den niedrigsten einzelligen Organismen, etwa bei
den +Amöben+, bei denen, abgesehen von einer Größenzunahme des
Körpers, noch keine eigentliche Entwicklung bemerkbar ist. Hier, wo die
Fortpflanzung des Organismus einfach durch Teilung der Zelle in zwei
Hälften erfolgt, ist der Vorgang der Vererbung sämtlicher Eigenschaften
der Mutterzelle auf beide Tochterzellen ohne weiteres verständlich.
Die lebendige Substanz der Mutterzelle mit ihrem charakteristischen
Stoffwechsel und ihren eigentümlichen Lebensäußerungen lebt in
beiden Tochterzellen selbständig weiter, kein Wunder also, daß die
Teilstücke, wenn sie unter denselben äußeren Bedingungen leben,
genau dieselben Eigenschaften besitzen, wie sie die ungeteilte Zelle
besaß. Allein dieser einfachste Fall der Vererbung zeigt uns die
wesentlichsten Momente dieses Vorganges gerade am allerdeutlichsten,
wie ja überhaupt alle Lebensäußerungen am klarsten zu übersehen und
zu verstehen sind da, wo sie in ihrer einfachsten Form auftreten,
d. h. an den einfachsten Zellen. Wir sehen hier, daß die Uebertragung
der Eigenschaften von den Vorfahren auf die Nachkommen geschieht
durch Uebertragung von lebendiger Substanz, welche die Eigenschaften
der Vorfahren besitzt. Daß diese Substanz aber alle Eigenschaften
der Vorfahren besitzen kann, ist nur möglich dadurch, daß sie eine
vollständige Zelle ist mit allen wesentlichen Bestandteilen derselben.
Die charakteristischen Eigentümlichkeiten der Mutterzelle sind der
Ausdruck ihres Stoffwechsels. Wenn daher die Eigentümlichkeiten der
Mutterzelle auf die Tochterzellen vererbt werden, so ist das nur
denkbar, wenn ihr ganzer spezifischer Stoffwechsel vererbt wird,
d. h. wenn eine gewisse Menge von allen wesentlichen Bestandteilen,
d. h. von Protoplasma und Kern der Mutterzelle auf die Tochterzelle
übergeht, denn sonst würde der Stoffwechsel der Tochterzelle nicht
dauernd bestehen können, und die Tochterzelle müßte zugrunde gehen. In
der Tat sehen wir ja auch nicht bloß bei den einzelligen Organismen,
sondern überall in der organischen Natur, wohin wir auch blicken,
daß die Vererbung von den Vorfahren auf die Nachkommen ausnahmslos
durch Uebertragung einer vollständigen Zelle mit Kern und Protoplasma
geschieht.
+Wenn wir unter Vererbung die Uebertragung der Eigentümlichkeiten
von den Vorfahren auf die Nachkommen verstehen, und wenn die
Eigentümlichkeiten eines Organismus lediglich der Ausdruck seiner
stofflichen Beziehungen zur Außenwelt sind, so ist der Schluß
schlechterdings unabweisbar, daß bei der Vererbung die lebendige
Substanz mit ihren eigentümlichen Stoffwechselbeziehungen übertragen
werden muß. Das ist aber nur möglich, wenn alle wesentlichen Teile
der Stoffwechselkette übertragen werden, sowohl Protoplasma als auch
Kernsubstanz, mit anderen Worten: eine ganze Zelle.+
So logisch und einleuchtend diese einfache Schlußfolgerung ist, und
so vollkommen sie auch durch die tatsächlichen Verhältnisse bestätigt
wird, so ist sie doch von seiten der Morphologie, die sich mit dem
Problem der Vererbung bisher leider fast allein beschäftigt hat, bis
vor kurzem eigentlich nirgends mit Klarheit gezogen worden, und erst
in der jüngsten Zeit fängt man auf morphologischer Seite mehr und mehr
an, die hier entwickelte Auffassung anzuerkennen, wie die neueren
Arbeiten von ~Godlewski~[735] und namentlich ~Rabl~[736] erkennen
lassen. Im übrigen dagegen hat sich, wie wir gesehen haben, unter den
Morphologen, besonders im Anschluß an die Ansichten ~O. Hertwig~s,
~Strasburger~s, ~Weismann~s, ~Boveri~s und anderer, die Vorstellung
sehr weit verbreitet, daß die Vererbung der elterlichen Eigenschaften
auf die Kinder allein in der Uebertragung von Kernsubstanz durch
Ei- und Samenzelle geschehe, und man hat speziell das Nuklein des
Zellkerns als die „Vererbungssubstanz“ bezeichnet. Nur wenige unter
den Morphologen, wie ~Rauber~, ~Bergh~ und ~Haacke~, haben sich
schon früher gegen diese Auffassung ausgesprochen. Wie uns aber
bereits unsere frühere Auseinandersetzung[737] gezeigt hat, sind die
Gründe, auf die sich diese Auffassung stützt, nicht geeignet, einer
strengeren Kritik standzuhalten. Für den Physiologen ferner ist diese
Vorstellung viel zu einseitig morphologisch gedacht, denn sie trägt dem
wesentlichsten Moment des Lebens, dem Stoffwechsel, keine Rechnung.
Mit dem Gedanken einer bloßen „Vererbungs+substanz+“, die irgendwo in
der Zelle lokalisiert sein und bei der Fortpflanzung übertragen werden
soll, wird sich die physiologische Denkweise niemals befreunden können.
Eine Substanz, welche die Eigenschaften einer Zelle auf ihre Nachkommen
übertragen soll, muß vor allen Dingen +lebensfähig+ sein, d. h. muß
die Fähigkeit eines Stoffwechsels haben, und dieser ist nicht möglich
ohne ihren Zusammenhang mit den anderen, zum Stoffwechsel einer Zelle
nötigen Substanzen, d. h. ohne die Integrität +aller+ wesentlichen
Zellbestandteile. Dann fehlt aber jede Berechtigung, einen +einzigen+
Zellbestandteil als besonders differenzierten Vererbungsträger zu
bezeichnen, dann ist das Protoplasma der Zelle genau von dem gleichen
Wert für die Vererbung wie der Kern, d. h. beide sind notwendige
Bedingungen, und wir müssen immer wieder darauf verweisen, daß in der
Tat auch in der ganzen lebendigen Natur kein Fall bekannt ist, in dem
nicht stets eine vollständige Zelle mit Kern +und+ Protoplasma die
Vererbung vermittelte.
+Was den Charakter einer jeden Zelle bestimmt, ist ihr eigentümlicher
Stoffwechsel. Sollen also die Eigentümlichkeiten einer Zelle vererbt
werden, so muß ihr charakteristischer Stoffwechsel vererbt werden,
und das ist nur denkbar, wenn Kernsubstanz und Protoplasma mit ihren
Stoffbeziehungen auf die Tochterzellen übertragen werden. Das gilt von
der geschlechtlichen Fortpflanzung der höheren Tiere ebenso wie von der
ungeschlechtlichen Fortpflanzung der einzelligen Organismen; nur wird
bei der geschlechtlichen Fortpflanzung der Stoffwechsel zweier Zellen,
der Ei- und Samenzelle, durch den Befruchtungsvorgang komponiert zu
einer einzigen Resultante, dem Stoffwechsel der Nachkommen, die aus der
befruchteten Eizelle hervorgehen und daher Charaktere von beiden Eltern
besitzen.+
Der Mechanismus der +speziellen+ Vorgänge aber, die sich abspielen vom
Beginn der Entwicklung der Eizelle bis zur vollendeten Reproduktion
eines Organismus von der gleichen Art, wie der, von dem die Eizelle
abstammt, entzieht sich in seinen +einzelnen+ Momenten bisher noch
völlig unserer Kenntnis und wird auch nur in dem Maße genauer erkannt
werden, wie sich unser Einblick in den eigentlichen Lebensprozeß, d. h.
in das chemische Getriebe des Stoffwechselmechanismus, vertieft.