Wenn wir den Stoffwechsel als den elementaren Lebensvorgang betrachten,
entsteht nunmehr die Aufgabe, die Lebensäußerungen, die wir als
Ausdruck des Lebensvorgangs auffassen müssen, mechanisch aus dem
Stoffwechsel abzuleiten.
Wir haben gesehen, daß alle lebendige Substanz, die jetzt die
Erdoberfläche bewohnt, die Form von Zellen besitzt, daß also die Zelle
der eigentliche Sitz des Lebensvorgangs ist. In der Zelle finden
wir zugleich die allgemeinen Lebensäußerungen in ihrer elementaren
Form. Eine mechanische Analyse der Lebensäußerungen muß daher, wenn
sie nicht auf halbem Wege stehen bleiben will, die Zelle selbst zu
ihrem Untersuchungsobjekt machen. Dabei harrt zuerst die Frage,
wie sich der Stoffwechsel der lebendigen Substanz, den wir uns
bisher nur schematisch an einem gleichförmigen Substrat vorgestellt
haben, +in der Zelle+ mit den charakteristischen Differenzierungen
ihres Inhalts gestaltet, ihrer Beantwortung, ehe wir daran denken
können, die verschiedenen Lebensäußerungen der Zelle mechanisch
aus ihrem Stoffwechsel abzuleiten. Sind wir auch bei unseren sehr
geringen Kenntnissen der einzelnen chemischen Prozesse in der Zelle
noch immer weit entfernt davon, uns ein detailliertes Bild von dem
+feineren+ Stoffwechselgetriebe in der Zelle zu machen, so haben uns
doch die Untersuchungen der letzten zehn Jahre genügend Material
geliefert, um eine Vorstellung von den +allgemeinen+ Verhältnissen
des Stoffwechsels in der Zelle zu gewinnen. Vor allen Dingen haben
uns die Untersuchungen der letzten beiden Jahrzehnte mit einer großen
Anzahl von Tatsachen bekannt gemacht, die uns über die viel erörterte
Bedeutung der beiden wesentlichen Zellbestandteile, des Kerns und
Protoplasmas, sowie über die Art ihrer Beziehung zueinander manchen
Aufschluß verschaffen.
A. Die Rolle des Kerns und Protoplasmas im Leben der Zelle.