II. Die Mechanik des Zelllebens.

Wenn wir den Stoffwechsel als den elementaren Lebensvorgang betrachten,

entsteht nunmehr die Aufgabe, die Lebensäußerungen, die wir als

Ausdruck des Lebensvorgangs auffassen müssen, mechanisch aus dem

Stoffwechsel abzuleiten.

Wir haben gesehen, daß alle lebendige Substanz, die jetzt die

Erdoberfläche bewohnt, die Form von Zellen besitzt, daß also die Zelle

der eigentliche Sitz des Lebensvorgangs ist. In der Zelle finden

wir zugleich die allgemeinen Lebensäußerungen in ihrer elementaren

Form. Eine mechanische Analyse der Lebensäußerungen muß daher, wenn

sie nicht auf halbem Wege stehen bleiben will, die Zelle selbst zu

ihrem Untersuchungsobjekt machen. Dabei harrt zuerst die Frage,

wie sich der Stoffwechsel der lebendigen Substanz, den wir uns

bisher nur schematisch an einem gleichförmigen Substrat vorgestellt

haben, +in der Zelle+ mit den charakteristischen Differenzierungen

ihres Inhalts gestaltet, ihrer Beantwortung, ehe wir daran denken

können, die verschiedenen Lebensäußerungen der Zelle mechanisch

aus ihrem Stoffwechsel abzuleiten. Sind wir auch bei unseren sehr

geringen Kenntnissen der einzelnen chemischen Prozesse in der Zelle

noch immer weit entfernt davon, uns ein detailliertes Bild von dem

+feineren+ Stoffwechselgetriebe in der Zelle zu machen, so haben uns

doch die Untersuchungen der letzten zehn Jahre genügend Material

geliefert, um eine Vorstellung von den +allgemeinen+ Verhältnissen

des Stoffwechsels in der Zelle zu gewinnen. Vor allen Dingen haben

uns die Untersuchungen der letzten beiden Jahrzehnte mit einer großen

Anzahl von Tatsachen bekannt gemacht, die uns über die viel erörterte

Bedeutung der beiden wesentlichen Zellbestandteile, des Kerns und

Protoplasmas, sowie über die Art ihrer Beziehung zueinander manchen

Aufschluß verschaffen.

A. Die Rolle des Kerns und Protoplasmas im Leben der Zelle.

Allgemeine Physiologie · 第 248 / 283 题