C. Die Wirkungen der Ueberreizung.

Als das kleine Häuflein tapferer Athener unter der Führung des

~Miltiades~ den glänzenden Sieg bei Marathon erfochten hatte, eilte,

noch warm vom Kampfe, einer der Streiter vom Schlachtfelde nach Athen,

um der erste zu sein, der seinen Landsleuten die Kunde des Sieges

überbrachte. Das dramatische Geschick dieses Läufers von Marathon

erzählt ~Plutarch~[539], der uns die Anekdote überliefert hat. Als

~Eukles~ -- so war der Name des patriotischen Mannes -- von der

Anstrengung des langen Laufes erschöpft, in Athen eintraf, hatte er

eben noch die Kraft, um seinen Landsleuten mit den Worten: „χαίρετε

χαίρομεν!“ die Siegesbotschaft zuzurufen, worauf er tot zusammenbrach.

Einer unserer modernen Bildhauer, ~Max Kruse~, hat diese Erzählung

durch seine in der Nationalgallerie zu Berlin befindliche Darstellung

des Läufers von Marathon in künstlerischer Weise versinnlicht und den

physiologischen Wirkungen totaler Ermüdung an diesem klassischen Zeugen

einen ergreifenden Ausdruck verliehen.

Was das tragische Ende des ~Eukles~ herbeiführte, war die übermäßige

Anstrengung seiner Muskeln. Es treten nämlich unter dem Einfluß langer

Dauer oder hoher Intensität der einwirkenden Reize in der lebendigen

Substanz allmählich Veränderungen ein, die, wenn sie einen gewissen

Grad erreicht haben, schließlich zum Tode führen. Auf diese, infolge

von Ueberreizung sich entwickelnden Veränderungen wollen wir im

folgenden etwas ausführlicher eingehen.

Allgemeine Physiologie · 第 226 / 283 题