2. Metamorphotische Prozesse.

Die metamorphotischen Prozesse sind den einfachen histolytischen

Vorgängen gegenüber sehr deutlich dadurch charakterisiert, daß der

Stoffwechsel der Zelle nicht einfach mehr oder weniger langsam oder

plötzlich stehen bleibt, sondern daß er vorher in eine perverse

Bahn einlenkt, in der Weise, daß Stoffe, die in der normalen Zelle

entweder gar nicht gefunden werden oder nur als Zwischenstufen

auftreten, infolge einer Stoffwechselstörung in größerer Menge von

der Zelle aufgehäuft werden, bis die Zelle zugrunde gegangen ist. Die

häufigsten, bekanntesten und für die Pathologie wichtigsten Formen

der metamorphotischen Prozesse sind die „fettige Degeneration“ oder

„Fettmetamorphose“, die „schleimige Degeneration“, die „amyloide

Degeneration“ und die „Verkalkung“.

[Illustration: Fig. 160. +Nekrobiose einer kernlosen Protoplasmamasse

von Orbitolites.+ _a_ Die Protoplasmamasse hat noch normale

Pseudopodien ausgestreckt; _b_ die Pseudopodien werden varikös und

teilweise eingezogen; _c_ das Protoplasma der nicht eingezogenen

Pseudopodien ist zu Tropfen und Kugeln zerfallen.]

Wenn wir zunächst die +Tatsachen der Fettmetamorphose+ ins Auge fassen,

so müssen wir, wie bereits an anderer Stelle (p. 197) bemerkt, noch

immer die Frage offen lassen, ob es sich hier um Fett handelt, das

im Stoffwechsel der Zelle aus anderen Zellbestandteilen, speziell

aus Eiweißverbindungen gebildet ist oder, wie es in neuerer Zeit

wahrscheinlicher geworden ist, um Fett, das, sei es als solches,

sei es in Form seiner Konstituenten von außen her in die Zelle

eingewandert ist. In beiden Fällen aber würde eine Veränderung im

Stoffwechselgetriebe der Zelle vorliegen, die eben ihren Ausdruck

darin findet, daß Fett in der Zelle zur Anhäufung gelangt. In vielen

Fällen wissen wir sicher, daß es sich bei dem Auftreten von Fett

in gewissen Zellen um eine Einwanderung des Fettes oder seiner

Konstituenten von außen her handelt, also um eine „+Fettinfiltration+“.

Eine solche finden wir unter physiologischen Verhältnissen in den

Zellen des Unterhautbindegewebes. Sie kann aber auch hier schon

pathologisch auftreten, wenn sie, wie bei der Mästung oder bei der

Fettsucht, abnorme Dimensionen annimmt. Wird dem Körper durch die

Nahrung viel Fett zugeführt oder Material, aus dem Fett gebildet

werden kann, so lagert sich dieses „Mästungsfett“ mit Vorliebe an

bestimmten Orten des Körpers innerhalb der Zellen ab, so z. B. in den

Zellen des Unterhautbindegewebes, und so entsteht die Fettleibigkeit,

der „panniculus adiposus“. Die eigentlich pathologischen Fälle der

Fettmetamorphose aber bestehen darin, daß Zellen, in denen sonst

niemals Fett zur Ablagerung kommt, unter allmählich immer mehr und mehr

zunehmender Fettanhäufung im Protoplasma zugrunde gehen. Auch diese

eigentliche Form der Fettmetamorphose, die mit dem Tode und Zerfall

der Zelle endigt, kommt in einem Falle schon als normaler Vorgang im

gesunden Körper vor, nämlich in den Zellen der Milchdrüsen zur Zeit,

wenn dieselben Milch sezernieren, wenn die Frau stillt. Zu dieser Zeit

findet man, wie in den Drüsenläppchen der Brüste die älteren Zellen in

ihrem Protoplasma mikroskopische Fetttröpfchen erkennen lassen (Fig.

161), die immer mehr und mehr an Zahl zunehmen, während das Protoplasma

selbst allmählich abstirbt, bis die Zelle zu einem rundlichen

Tröpfchen geworden ist, das voller kleiner Milchkügelchen steckt.

Das abgestorbene Protoplasma zerfällt allmählich, die Fettkügelchen

werden frei, und die ganzen Massen, d. h. die Fettkügelchen in ihrer

Flüssigkeit, werden sezerniert als „Milch“, denn die Milch ist weiter

nichts als eine Emulsion von Butterfett in einer Lösung von Salzen,

Eiweißkörpern, Zucker etc. Den alten, fettig zerfallenen Drüsenzellen

rücken die jüngeren nach. Diese machen dieselben Veränderungen durch,

und so geht der Prozeß der Milchbildung ununterbrochen in größtem

Umfange weiter. Was in den Zellen der Milchdrüsen als normaler Prozeß

auftritt, kommt aber unter pathologischen Verhältnissen in viel

größerer Verbreitung in den verschiedensten Geweben vor und führt fast

immer zu unheilbaren und tödlichen Verlusten, weil durch jüngere,

nachrückende Zellen in der Regel kein Ersatz geschaffen wird. „Wenn

jemand“ -- sagt ~Virchow~[330] -- „statt in der Milchdrüse im Gehirn

Milch fabriziert, so gibt dies eine Form der Hirnerweichung. Derselbe

Prozeß, welcher an einem Orte die glücklichsten, ja die süßesten

Resultate liefert, bringt an einem anderen einen schmerzlichen und

bitteren Schaden mit sich.“ Namentlich treten solche Fettmetamorphosen

bei langandauernden chronischen Krankheiten, wie Tuberkulose,

Herzkrankheiten, Nierenkrankheiten etc., in Niere, Herz, Leber etc. auf

(Fig. 162), und ihre Bedingungen liegen immer in Ernährungsstörungen

der Zellen, vor allem in der Störung der Sauerstoffzufuhr durch das

Blut. Steht nämlich der Zelle nicht genug Sauerstoff zur Verfügung,

oder ist ihre Sauerstoffaufnahmefähigkeit herabgesetzt, so wird

das Fett, das in geringen Mengen wahrscheinlich den meisten Zellen

zugeführt wird, nicht, wie es normalerweise geschieht, verbrannt,

d. h. oxydiert, sondern es kommt zur Ablagerung und häuft sich zu

großen Mengen an. Deshalb tritt auch bei Gewohnheitstrinkern und

nach Phosphorvergiftung, wo infolge des aufgenommenen Alkohols oder

Phosphors die Sauerstoffaufnahme verringert ist, stets eine bedeutende

Fettmetamorphose der Gewebe, besonders der Leberzellen, ein, und

die Pathologie kennt eine ganze Reihe von Fällen, in denen sich die

Fettmetamorphose auf die gleichen Bedingungen zurückführen läßt.

[Illustration: Fig. 161. +Fettmetamorphose bei der Milchbildung in den

Drüsenläppchen der Brustdrüse.+ Nach ~Virchow~.]

[Illustration: Fig. 162. +Fettmetamorphose der Herzmuskelzellen.+ Die

Körnchen in den Zellen bestehen aus Fett. Nach ~Ziegler~.]

[Illustration: Fig. 163. +Schleimzellen.+ _A_ Drei isolierte

Schleimzellen. _B_ Sieben zusammenhängende Schleimzellen, von

denen die drei linken voll, die vier rechten entleert sind. Nach

~Schiefferdecker~.]

+Die Tatsachen der Schleimmetamorphose+ bilden in gewisser Weise

ein Gegenstück zu denen der Fettmetamorphose. Wie bei der letzteren

in der lebendigen Substanz der Zelle Fett aufgehäuft wird, so tritt

bei der ersteren Schleim auf. In vielen Fällen ist der entstehende

Schleim echtes Mucin, in anderen sind es Mucinoidsubstanzen, immer

aber handelt es sich dabei um Verbindungen von Eiweißkörpern. Meist

sind es Glykoproteide, die den Schleim bilden, doch kommen auch,

wie z. B. im Schleim der Rindsgalle, Nukleoproteidschleimbildungen

vor[331]. Wir sehen also, daß bei der Schleimmetamorphose der Ursprung

des Schleimes immer im Eiweiß liegt, aber hier wissen wir auch,

im Gegensatz zur Fettmetamorphose zweifellos, daß der Schleim in

der Zelle selbst erst gebildet wird. Auch die Schleimmetamorphose

kommt schon normalerweise im gesunden Körper vor, besonders in den

Zellen der Schleimhäute des Respirations- und Darmtraktus sowie des

Urogenitalsystems. Aber bei der Schleimbildung dieser Schleimzellen

geht unter normalen Verhältnissen nie die ganze Zelle zugrunde, sondern

es wird immer nur ein Teil ihres Protoplasmas in Schleim umgewandelt.

Fast immer sind die Schleimzellen zylindrische Zellen, deren Basis den

Kern beherbergt, deren oberes Ende die freie Schleimhautoberfläche

begrenzt. Immer ist es das obere freie Ende des Zellkörpers, dessen

Protoplasma sich dauernd und in verstärktem Maße bei besonderen äußeren

Einwirkungen in Schleim umwandelt, indem es zu einer durchsichtigen

Masse mit einzelnen darin liegenden Protoplasmakörnchen aufquillt,

die sich dann ohne Grenze mit den Schleimmassen der benachbarten

Schleimzellen zu einer zusammenhängenden Schleimdecke vereinigt. Der

untere, den Kern beherbergende Teil des Zellkörpers bleibt dabei

dauernd am Leben (Fig. 163) und schiebt nur immer neue Massen von

schleimbildender Substanz oder „Mucigen“ nach oben nach, die in

demselben Grade, wie sie nachrücken, wieder in Schleim verwandelt

werden. Eine vollständige Umwandlung des ganzen Zellkörpers in

Schleim unter Zugrundegehen der Zelle selbst kommt aber besonders

häufig unter pathologischen Verhältnissen am menschlichen Körper

vor. Es sind das die namentlich bei schweren Katarrhen auftretenden

Schleimmetamorphosen der Epithelzellen, Leukocyten etc., bei denen die

betreffenden Zellen zugrunde gehen unter Aufquellung und Umwandlung

ihrer lebendigen Substanz in Schleim (Fig. 164). Um einen prinzipiell

ganz anderen Vorgang scheint es sich bei den merkwürdigen Vorgängen

der Verschleimung zu handeln, die bei gewissen wirbellosen Tieren

schon seit längerer Zeit bekannt sind. Bei manchen Formen der zu den

Echinodermen gehörigen Seegurken oder Holothurien, jenen plumpen

Tierformen, deren gurkenähnlicher Körper von einer derben, braunen,

lederartigen Haut bedeckt ist, sieht man die dicke Haut, die den ganzen

Körper des Tieres sackartig umgibt, nach starken äußeren Insulten

einer vollständigen Verschleimung verfallen. Legt man z. B. die im

Mittelmeer lebende +Holothuria Poli+ an die Luft, so beginnt die dicke,

harte Lederhaut sich allmählich in einen fadenziehenden Schleim zu

verflüssigen und ist nach einigen Stunden bereits vollständig erweicht.

Wenn man ein herausgeschnittenes Stück der Lederhaut mit feinen

Nadelstichen durchbohrt, kann man, wie ~Semper~[332] berichtet, diese

schleimige Verflüssigung noch schneller herbeiführen, denn um jeden

Stich herum beginnt die Haut momentan unter Aufquellung schleimig zu

zerfallen, so daß das ganze Stück schließlich in eine dickflüssige

Masse verwandelt ist, die, wenn man sie berührt, seidenglänzende Fäden

zieht. Manche Arten der Holothuriengattung +Stichopus+ können in ganz

kurzer Zeit ihre Haut in einen zähen Schleim verwandeln. Nach den

Untersuchungen von ~Lindemann~[333] sind es nun hier nicht die +Zellen+

der Haut, die einer Schleimmetamorphose unterliegen, sondern es ist die

von den Zellen produzierte +Interzellularsubstanz+, die eine schleimige

Verflüssigung erleidet. Diese Interzellularsubstanz, die eine dem

Knorpel nahestehende chemische Beschaffenheit zu haben scheint, hängt

in ihrer Konsistenz ganz wesentlich von dem Turgeszenzgrade der in

ihr liegenden Zellen ab. Schwache Reize können den Turgor der Zellen

bedeutend erhöhen, indem sie bewirken, daß die Zellen reichlich Wasser

aus der Interzellularsubstanz aufnehmen. Durch diese Wasserentziehung

wird die Interzellularsubstanz hart wie Knorpel. Wirken auf die

knorpelhart gewordene Haut starke Reize, welche das Leben der Zellen

selbst vernichten, so tritt das Wasser aus den Zellen wieder in

die Interzellularsubstanz, die nun durch reichliche Wasseraufnahme

in kurzer Zeit bis zur schleimigen Verflüssigung aufquillt. Die

chemische Natur der Interzellularsubstanz bedarf indessen noch einiger

weiterer Aufklärung. Jedenfalls aber steht diese überaus merkwürdige

Verschleimung der Holothurienhaut im ganzen Organismenreiche vereinzelt

da.

[Illustration: Fig. 164. +Schleimig metamorphosierte Zellen.+ _I_

Leukocyten, _II_ Flimmerzellen. Nach ~Ziegler~.]

+Bei den Vorgängen der Amyloid-Metamorphose+ handelt es sich ebenfalls

um die Bildung eines Glykoproteids. Die Amyloidsubstanz, diese

wachsartig oder speckartig glänzende Substanz, die der betreffenden

Erkrankung auch den Namen der wachsartigen oder speckartigen

Degeneration eingetragen hat, wurde von ~Virchow~ zuerst als

+Amyloid+substanz bezeichnet, weil sie sich bei Jodfärbung ähnlich wie

pflanzliches Amylum und Zellulose verhält, indem sie unter gewissen

Bedingungen durch Jod blau gefärbt wird. Später hat man das Amyloid

als einen Körper der Eiweißgruppe erkannt, denn es enthält Stickstoff

und gibt gewisse Eiweißreaktionen, so daß man es zunächst in die

Sammelgruppe der albuminoiden Stoffe einreihte, bis man in neuerer

Zeit fand, daß es eine den Mucinoiden zugehörige Substanz ist, die

eine Verbindung der im Knorpel vorkommenden Chondroitinschwefelsäure

mit einem Eiweißkörper und einer Kohlehydratgruppe vorstellt. Wie

~Krawkow~[334] gezeigt hat, findet sich Amyloidsubstanz in geringen

Mengen schon in der normalen Arterienwand, das ist an der Stelle, von

der aus auch die pathologische Amyloidmetamorphose der Organe ausgeht.

Sehr charakteristisch ist das Verhalten der Amyloidsubstanz gegen

die Anilinfarbe Methylviolett, unter deren Einwirkung sie eine schön

rubinrote Färbung annimmt, während gesunde Gewebe nur blau gefärbt

werden. Durch seine chemische Zusammensetzung deutet das Amyloid

offen seinen Ursprung an. Es kann nur von den Eiweißkörpern der Zelle

abstammen, und wir werden, obwohl bisher über die Entstehung des

Amyloids nichts Näheres bekannt ist, doch nicht fehlgehen, wenn wir

es als ein Proteid betrachten, das von der Zelle selbst gebildet und

dann nach außen ausgeschieden und abgelagert wird. Das Amyloid scheint

nämlich nie in der Zelle selbst zur Ablagerung zu gelangen, vielmehr

finden wir es immer in den die Zellen verkittenden Bindesubstanzen,

besonders in den Wandungen der kleinen Blutgefäße (Fig. 165). In

demselben Maße aber, wie die Gefäßzellen der erkrankten Organe

das Amyloid absondern, gehen sie selbst zugrunde, sei es, daß sie

infolge der Stoffwechselstörung, deren Folge eben die Anhäufung des

Amyloids ist, absterben, sei es, daß sie passiv durch die sich zu

beträchtlichen Massen anhäufende Amyloidsubstanz auseinandergerissen,

erdrückt, erstickt, getötet werden. Die Amyloidmetamorphose ist ein

sekundäres Krankheitssymptom, das hauptsächlich im Anschluß an lange

bestehende chronische Krankheiten, wie Tuberkulose, langwierige

Eiterungen etc., in den Unterleibsorganen auftritt, vor allem in

Milz, Leber, Nieren, Lymphdrüsen. Das weist darauf hin, daß es sehr

allmählich sich entwickelnde und tiefgehende Ernährungsstörungen

der Gewebe sind, welche die Zellen in den Zustand versetzen, in dem

sie ihr Eiweiß allmählich in Amyloid umwandeln. In neuerer Zeit

ist es ~Davidsohn~[335] und ~Lubarsch~[336] auch gelungen, eine

Amyloidmetamorphose künstlich hervorzurufen durch Erzeugung von

wochenlangen Eiterungen mit Hilfe von Terpentinölinjektionen.

[Illustration: Fig. 165. +Amyloide Degeneration der Leberkapillaren.+

Die Zellen sind durch zwischen ihnen abgelagerte Amyloidmassen

auseinandergedrängt. Nach ~Ziegler~.]

In den +Vorgängen der Verkalkung+ endlich haben wir ebenfalls einen

metamorphotischen Prozeß, der sich den letzteren beiden an die

Seite stellt, denn, wie dort Schleim oder Amyloidsubstanz, so werden

hier Kalksalze von den Zellen gebildet und entweder nach außen

abgeschieden oder in der absterbenden Zellsubstanz selbst abgelagert.

Für die erstere Form haben wir als Analogon im normalen Körper die

Knochenbildung. Unsere großen Skelettknochen entstehen nämlich

aus einer knorpeligen Grundlage dadurch, daß die Knorpelzellen in

die Grundsubstanz hinein Kalksalze, vor allem phosphorsauren und

kohlensauren Kalk, abscheiden, der sich in Krümchen immer mehr und mehr

aneinanderdrängt, verkittet und so die feste Knochensubstanz liefert,

in der die Knochenzellen als sogenannte Knochenkörperchen weiter leben.

Dieser selbe Vorgang, der in der Entwicklung des Wirbeltierorganismus

durchaus notwendig erscheint, tritt aber auch unter pathologischen

Verhältnissen auf, besonders wenn im Greisenalter oder nach bestimmten

Erkrankungen die Knorpelscheiben der Gelenke verknöchern. Es treten

dann dieselben Vorgänge auf; nur gehen in der Regel die Zellen, von

denen die Kalksalze ausgeschieden werden, später selbst zugrunde.

Neben dieser „Verknöcherung“ kommt aber unter pathologischen Umständen

auch eine wirkliche Verkalkung der Zellen selbst vor, wobei die

Kalksalze innerhalb der absterbenden Zelle zur Ablagerung gelangen,

bis zuletzt die lebendige Substanz völlig verschwunden ist, und ihre

Stelle von einer zusammengekitteten Kalkmasse eingenommen wird. Das

geschieht z. B. mit höherem Alter, bei dem einen früher, bei dem

anderen später, in den Arterienwänden (Fig. 166 _A_), so daß dieselben

brüchig werden und zu Blutergüssen Anlaß geben. Dadurch wird die

„Arteriosklerose“ älteren Menschen äußerst gefährlich, denn wenn

umfangreiche Blutungen in besonders wichtigen Organen eintreten, können

Funktionen gelähmt werden, deren Ausfall den Tod mit sich bringt.

Arteriosklerotische Blutungen im Gehirn sind die Grundlage dessen, was

man als „Gehirnschlag“ oder „Apoplexie“ bezeichnet, Gefäßbrüche im

Herzen führen den „Herzschlag“ herbei. Ferner verkalken bei gewissen

Gehirnkrankheiten die Ganglienzellen des Gehirns, so daß man z. B. im

Gehirn von Blödsinnigen „versteinerte“ Ganglienzellen im wahren Sinne

des Wortes beobachten kann (Fig. 166 _B_).

[Illustration: Fig. 166. +Verkalkung von Zellen.+ _A_ Verkalkte Zellen

in der Wand eines Blutgefäßes. _B_ Verkalkte Ganglienzellen aus dem

Gehirn eines Blödsinnigen. Nach ~Ziegler~.]

Außer diesen hier angeführten Formen metamorphotischer Prozesse kennt

die Pathologie noch eine Reihe anderer, wie die „Pigmentatrophie“,

die „hyaline Degeneration“ etc., denen aber stets das gleiche Prinzip

zugrunde liegt, daß der Stoffwechsel der Zellen eine perverse Richtung

einschlägt, so daß sich Stoffe in der Zelle anhäufen, die normalerweise

nicht zur Aufspeicherung kommen, bis schließlich die Zelle zugrunde

geht. Allein, diese Stoffe und ihre Genese sind in den eben genannten

Fällen zum Teil noch viel weniger bekannt als in den besprochenen

metamorphotischen Prozessen, so daß es an dieser Stelle nicht nötig

ist, näher darauf einzugehen.

Ueberhaupt bedürfen die metamorphotischen Prozesse, vor allem die

Genese der dabei entstehenden Stoffe und die Störungen des normalen

Stoffwechsels, auf denen sie beruhen, noch sehr der Aufklärung, die

freilich erst in dem Maße zu erwarten ist, wie unsere Kenntnisse über

den Stoffwechsel im allgemeinen sich erweitern werden.

B. Die Bedingungen des Todes.

So mannigfaltig wie die Vorgänge, unter denen sich der Tod entwickelt,

sind auch die Faktoren, die seinen Eintritt bedingen. Einige der

+speziellen+ Todesbedingungen haben wir bereits hier und dort berührt;

aber es ist unmöglich, die speziellen Bedingungen für jeden einzelnen

Fall zu behandeln. Dagegen ist es notwendig, etwas genauer auf die

+allgemeinen+ Bedingungen des Todes einzugehen, weil sich daran die

interessante Frage knüpft, ob der Tod überhaupt für +alle+ lebendigen

Organismen jene „dira necessitas“ ist, die er für den Menschen

bildet, mit anderen Worten, ob es auch Organismen gibt, deren Körper

unsterblich ist.

Allgemeine Physiologie · 第 192 / 283 题