2. Die Produktion von Licht.

In den Bewegungen der lebendigen Substanz, vor allem in den

Kontraktionsbewegungen, tritt am deutlichsten der Umsatz der in den

Körper als Nahrung eingeführten potentiellen Energie in lebendige

Energie hervor. Viel weniger in die Augen springend zeigt sich dieselbe

Tatsache in der Produktion anderer Formen lebendiger Energie, in

der Produktion von Licht, Wärme und Elektrizität, zu deren Nachweis

es sogar teilweise sehr komplizierter Methoden und empfindlicher

Instrumente bedarf.

+Die Produktion von Licht+ ist nächst der Produktion mechanischer

Bewegungsenergie noch am sinnfälligsten und hat von jeher einen

geheimnisvollen Zauber auf den Beobachter ausgeübt. Es hat in der Tat

einen märchenhaften Reiz, wenn man an einem warmen Abend auf ruhigem

Meere bei jedem Ruderschlag das Wasser aufleuchten sieht in hellem,

gelblichem Glanze, oder wenn man in einer lauen Frühlingsnacht die

Landschaft des Südens erfüllt sieht von tausendfachen Funken, die

lautlos aufblitzen und verschwinden und magische Kreise durch die milde

Nachtluft ziehen.

Das Leuchten der lebendigen Substanz ist im ganzen Organismenreiche

weit verbreitet. Vor allem ist es eine bedeutsame Tatsache, daß gerade

die wunderbaren pelagischen Tiere, deren zarte, glashell durchsichtige

Körper die oberen Schichten der Meere erfüllen und als „Plankton“

umhertreiben, fast sämtlich die Fähigkeit des Leuchtens besitzen. Es

legt diese Tatsache die Vermutung nahe, daß die Leuchtfähigkeit der

lebendigen Substanz möglicherweise viel weiter verbreitet ist, als wir

es wissen, daß wir das Licht nur nicht sehen, weil die Organismen nicht

durchsichtig sind, oder weil die Lichtproduktion zu schwach ist, als

daß sie durch dickere Körperschichten hindurch gesehen werden könnte;

ja, es ist nicht unmöglich, daß in unserem eigenen Körper gewisse

Zellen Licht produzieren. In den meisten Fällen freilich, wie bei den

leuchtenden Insekten, dürfte das Leuchtvermögen eine durch Selektion

besonders ausgebildete Eigentümlichkeit sein, die ihre eigene Bedeutung

für das Leben der betreffenden Tiere hat. Auch bei den pelagischen

Seetieren ist eine solche Bedeutung jedenfalls vorhanden, besonders da

sie meistens nur auf Reizung plötzlich aufleuchten, so daß man vermuten

kann, daß das Leuchten als Schreckmittel gegen Feinde dienen mag.

Spontanes Leuchten finden wir viel weniger verbreitet. Es tritt uns

besonders entgegen bei gewissen Fäulnisbakterien, die auf faulenden

Seefischen und Fleisch leben (+Bacterium phosphorescens+), sowie bei

Pilzen (+Agaricus+) und bei einzelnen Insekten (+Elater+, +Lampyris+

etc.).

[Illustration: Fig. 126. +Noctiluca miliaris+, eine pelagisch lebende

Geißelzelle, welche auf Reizung leuchtet.]

Die wichtigste physikalische Eigentümlichkeit des Organismenlichtes

ist, daß es ein +kaltes Licht+ ist. Die Lichtproduktion der Organismen

gehört also in die Gruppe der +Lumineszenz+vorgänge, und zwar speziell

der +Chemolumineszenz+, wie sie bei gewissen chemischen Prozessen

auftritt. Bezüglich der Spektralfarben des Lichtes liegen zahlreiche

Untersuchungen vor, so z. B. von ~Panceri~ und ~Secchi~ an Salpen

(+Pyrosoma+), von ~Mosely~ an Tiefsee-Cölenteraten (+Alcyonarien+),

und in neuerer Zeit besonders von ~Langley~ und ~Very~[241] an

dem Leuchtkäfer +Pyrophorus noctilucus+ und von ~Molisch~[242] an

Bakterien. Um einen Vergleich des Insektenlichts mit dem Sonnenlicht

zu gewinnen, entwarfen ~Langley~ und ~Very~ ein Spektrum des Lichts

von +Pyrophorus+ und ein Sonnenspektrum übereinander (Fig. 127). Dabei

stellte sich heraus, daß bei gleicher Helligkeit beider Lichtarten das

Sonnenspektrum sowohl weiter nach der violetten wie nach der roten

Seite hinüberreicht als das Licht des +Pyrophorus+, daß dagegen das

Licht des Käfers im Grün intensiver ist als das Sonnenlicht. Gelb, Grün

und Blau sind die vorwiegenden Farben des Lichts aller Leuchtorganismen.

[Illustration: Fig. 127. _I_ +Spektrum vom Sonnenlicht+, _II_ +Spektrum

von Pyrophorus noctilucus+. Nach ~Langley~ und ~Very~.]

Daß die Entstehung einer so eigentümlichen Lebensäußerung

die Aufmerksamkeit der Forscher besonders gefesselt hat, ist

leicht begreiflich, und es ist nicht zu verwundern, wenn eine

unabsehbare Literatur über die Vorgänge des Leuchtens entstanden

ist. ~Pflüger~[243] hat bereits vor längerer Zeit eine Reihe der

physiologisch interessanteren Angaben darüber zusammengestellt und

~Pütter~[244] hat kürzlich in einem Uebersichtsreferat die neueren

Erfahrungen über die Lichtproduktion der Organismen zusammenfassend

dargestellt. Diese Zusammenstellungen zeigen, daß die verschiedensten

Ansichten über die Entstehung des Leuchtens der Organismen aufgetaucht

sind. Vor allem hat der dem Laien sehr naheliegende Gedanke, daß

das Leuchten auf der Anwesenheit von Phosphor beruhe, mit dessen

mildem Licht das organische Leuchten eine gewisse äußere Aehnlichkeit

besitzt, früher großen Anklang gefunden. Allein, genaue Untersuchungen

haben doch gezeigt, daß das Leuchten der Organismen mit Phosphor

schlechterdings in keiner Beziehung steht. In der Tat hat man denn

auch nirgends an leuchtenden Tieren eine Spur von freiem Phosphor oder

leuchtenden Phosphorverbindungen gefunden. Indessen können wir mit

Sicherheit sagen, daß das Leuchten der lebendigen Substanz wie beim

Phosphor an den Ablauf langsamer Oxydationsprozesse gebunden ist. Das

geht vor allem daraus hervor, daß das Leuchten nur bei Anwesenheit

von Sauerstoff fortdauert, dagegen erlischt bei Sauerstoffentziehung,

um erst wieder zum Vorschein zu kommen bei erneuter Sauerstoffzufuhr.

Ferner hat ~Fabre~[245] gefunden, daß der leuchtende Pilz +Agaricus+

während des Leuchtens viel mehr Kohlensäure produziert, als wenn er

nicht leuchtet. Sodann gehört hierher, was ~Max Schultze~[246] an den

Zellen der Leuchtorgane von Leuchtkäfern beobachtete, nämlich, daß

diese Leuchtzellen immer mit den als Atemröhren dienenden „Tracheen“

in engster Berührung stehen, und wenn man sie unter dem Mikroskop mit

Ueberosmiumsäure zusammenbringt, der letzteren Sauerstoff entziehen,

eine Tatsache, die an der Entstehung eines schwarzen Niederschlages

zu erkennen ist. Die leuchtenden Zellen verbrauchen also energisch

Sauerstoff. Am stärksten schließlich zeigen die Abhängigkeit des

Leuchtens von der Sauerstoffzufuhr die Leuchtbakterien, die besonders

auf faulem Fleisch und faulen Seefischen in großer Formenzahl gedeihen.

Legt man eine Bouillonkultur von Leuchtbakterien an, was nach den

Methoden, die ~Molisch~ (l. c.) beschreibt, sehr leicht ist, und füllt

man mit der leuchtenden Bouillon ein Reagenzglas, das man umgekehrt

über Quecksilber aufstellt, so hört nach einiger Zeit das Leuchten

allmählich auf. Läßt man dann aber von unten her ein paar Luftblasen

in das Reagenzglas hineinsteigen, so beginnt sofort das Leuchten von

neuem und zwar ist es, wie man leicht feststellen kann, allein der

Sauerstoff, der das Leuchten von neuem anregt. Das geht z. B. auch

recht schön aus den Versuchen von ~Beijerinck~[247] hervor, der in eine

Bouillonkultur von Leuchtbakterien chlorophyllhaltige Pflanzenzellen

brachte. War das Leuchten im Dunklen allmählich in der Kultur

erloschen, so genügte das Anstecken eines Streichholzes, um durch die

Lichtwirkung auf das Chlorophyll wieder so viel Sauerstoff frei zu

machen, daß das Leuchten der Bakterienkultur sofort wieder für einige

Zeit zurückkehrte.

Alles das und manches andere weist darauf hin, daß es sich bei den

organischen Lumineszenzvorgängen um Oxydationsprozesse handelt.

Es lag daher sehr nahe, die Lumineszenz mit der Atmung in nähere

Beziehung zu setzen und sie direkt als ein Nebenprodukt dieses Vorgangs

zu betrachten. Das hat ~Pflüger~ auch getan. Er hat sich dabei

vorgestellt, daß, wie die Atmung so auch das Leuchten der Organismen

untrennbar mit ihrem Lebensprozeß verbunden sei und daher nur an der

lebendigen Zelle stattfinden könne. ~Pflüger~ sagt: „Hier in dem

wunderbaren Schauspiel der tierischen Phosphoreszenz hat die Natur uns

ein Beispiel gegeben, welches zeigt, wo die Fackel brennt, die wir

Leben nennen.“ „Es ist gewiß kein seltener Ausnahmefall, sondern nur

die speziellere Aeußerung des allgemeinen Gesetzes, daß +alle Zellen

fortwährend im Brande+ stehen, wenn wir das Licht auch nicht mit

unserem leiblichen Auge sehen.“

Indessen diese Vorstellung ist doch auf Grund neuerer Erfahrungen

stark angezweifelt worden. Wenn auch die Lumineszenzvorgänge wohl

allgemein Oxydationsprozesse sind, so fragt es sich doch, ob wir sie

ohne weiteres mit den Atmungsvorgängen identifizieren dürfen, denn es

ist in vielen Fällen von Lumineszenz der Nachweis geführt worden, daß

sie sich extrazellulär an Sekreten der Leuchtorgane abspielen. Ist

es auch nicht zu bestreiten, daß in zahlreichen Fällen das Leuchten

intrazellulär erfolgt, so ist es ebenso sicher, daß in zahlreichen

anderen Fällen die Leuchtorgane Drüsen sind, deren Zellen Stoffe

absondern, die erst außerhalb der Zelle mit Sauerstoff sich verbinden

und Licht produzieren, so daß man sie isoliert vom Organismus noch

längere Zeit leuchtend erhalten kann. Dabei handelt es sich nicht etwa

um ein Leuchten des Sekretes, das durch Leuchtbakterien vorgetäuscht

sein könnte, denn man hat für einzelne Fälle mit Sicherheit die

Anwesenheit von Leuchtbakterien ausschließen können. Es handelt sich

vielmehr um die Lumineszenz von echten Sekreten. ~Molisch~ (l. c.), der

sich in neuerer Zeit am eingehendsten mit den Vorgängen der organischen

Lumineszenz beschäftigt hat, ist infolgedessen im Gegensatz zu den

Vorstellungen, die in der Lumineszenz einen spezifisch „vitalen“ Prozeß

erblicken, zu der Auffassung gekommen, daß von der lebendigen Substanz

in ihrem Stoffwechsel bestimmte chemische Verbindungen, die er als

„+Photogene+“ bezeichnet, gebildet werden, die nun, sei es innerhalb,

sei es außerhalb der Zelle, sich mit Sauerstoff verbinden und dabei

Licht produzieren.

Für eine kritische Betrachtung ist jedoch der Gegensatz zwischen

diesen beiden Anschauungen nicht so groß, wie er auf den ersten Blick

scheint. Mit dem Leben der Zelle ist der Chemismus der Lumineszenz auf

alle Fälle in dem Sinne verbunden, als die Zelle in ihrem Stoffwechsel

erst die Verbindungen produzieren muß, die nachher durch Oxydation

lumineszieren. Ob diese Verbindungen von der Zelle sezerniert werden

und außerhalb der Zelle bei Oxydation leuchten, oder ob der Vorgang

innerhalb der Zelle abläuft, hat keinerlei prinzipielle Bedeutung. Ein

Teilvorgang des Stoffwechsels, der sich aus dem Gesamtstoffwechsel

isolieren und im Reagenzglase darstellen läßt, ist darum nicht weniger

eine Lebensäußerung. Hoffen wir ja doch im Laufe der Zeit so weit zu

kommen, daß wir alle Teilprozesse des ganzen Lebensvorganges erkennen

und im Reagenzglase darstellen können. Würden wir von jedem dieser

Teilprozesse, sobald er außerhalb der lebendigen Zelle dargestellt

werden könnte, sagen: er ist kein Lebensprozeß, so würde schließlich

unsere Erforschung des Lebens nach vollständiger Analyse aller

Teilprozesse des Stoffwechsels mit der absurden Erkenntnis endigen,

daß es überhaupt gar kein Leben in Wirklichkeit gäbe. Es ist also ein

müßiger Streit, ob man die Lumineszenzvorgänge als „vitale“ oder nicht

als „vitale“ Prozesse auffassen soll. Lebensäußerungen sind sie auf

jeden Fall.

Anders liegt die Frage, ob man sie mit den Atmungsvorgängen ohne

weiteres identifizieren darf, und in dieser Beziehung erweckt die

Tatsache, daß die „Photogene“ bei vielen Organismen erst außerhalb der

Zelle oxydiert werden, sicherlich Bedenken. Auf keinen Fall können wir

mit Rücksicht auf diese Tatsache annehmen, daß der Lumineszenzvorgang

mit dem +normalen+ Atmungsvorgang identisch ist. Das schließt aber

nicht aus, daß er genetisch und seiner Art nach mit der Atmung in

engerer Beziehung steht. Wer sagt uns, daß der Atmungsvorgang immer

nur in der Oxydation einer einzigen Verbindung besteht? Es wäre ja

auch denkbar, daß im Stoffwechsel mancher Zellformen verschiedenartige

Verbindungen gebildet werden, die der Atmung unterliegen und daß die

Oxydation einer derselben mit Lumineszenz verknüpft ist. In diesem

Falle wäre es ganz nebensächlich, ob dieser etwa durch Selektion

gezüchtete Partialprozeß der Atmung sich innerhalb oder außerhalb der

Zelle abspielte. Jedenfalls liegen durchaus keine Tatsachen vor, die

der Möglichkeit, den Lumineszenzvorgang als einen besonders gezüchteten

Teilvorgang der Atmung aufzufassen, im Wege ständen. Aber das alles

sind Spekulationen, die uns in der Analyse der Lumineszenz nicht

weiterführen.

Wenn wir in diesen Vorgang tiefer eindringen wollen, so treten uns

vor allem zwei Fragen entgegen: erstens was sind diese „Photogene“

für Verbindungen? und zweitens: wie erfolgt ihre Oxydation? Zwar sind

wir noch nicht imstande, diese beiden Fragen vollkommen sicher zu

beantworten, aber eine Reihe von Tatsachen zeigt uns doch den Weg, auf

dem wir ihre Beantwortung suchen müssen.

Ueber die Frage, welche Stoffe etwa als „Photogene“ bei der organischen

Lumineszenz in Betracht kommen könnten, haben am meisten die schönen

Untersuchungen von ~Radziszewski~[248] Licht verbreitet. ~Radziszewski~

hat eingehend die Bedingungen studiert, unter denen chemische Stoffe

Lumineszenz zeigen und hat gefunden, +daß eine ganze Reihe von

organischen Körpern leuchtet, wenn sie sich in alkalischer Lösung mit

aktivem Sauerstoff langsam verbinden+. Solche Körper sind vor allem

viele Fette, ätherische Oele, Kohlenwasserstoffe und Alkohole. Bei

vielen tritt das Leuchten schon unter gewöhnlicher Temperatur, bei

anderen erst beim Erwärmen ein. Setzt man z. B. in einem Reagenzglase

Oelsäure zu einer alkoholischen Lösung von Kalihydrat, so bemerkt man

im Dunkeln ein kurzdauerndes Leuchten beim Auflösen. Läßt man, nachdem

das Leuchten aufgehört hat, einen Tropfen Wasserstoffsuperoxydlösung

in die Flüssigkeit fallen, so sieht man mit dem zu Boden sinkenden

Tropfen einen hellen Lichtstreifen durch das Reagenzglas ziehen,

weil das Wasserstoffsuperoxyd aktiven Sauerstoff an die Oelsäure

abgibt. Noch deutlicher zeigt sich dasselbe Phänomen des Leuchtens,

wenn man die Oelsäure in reinem Toluol auflöst, das ebenfalls ein

phosphoreszenzfähiger Körper ist, und dann damit ein Stück Kali-

oder Natronhydrat übergießt. Die Intensität des Leuchtens kann stets

durch Umschütteln gesteigert werden, weil durch das Schütteln die

freien Sauerstoffatome mit den Molekülen des phosphoreszenzfähigen

Körpers noch mehr in Berührung gebracht werden. Tut man z. B. in einen

Glaskolben eine aus gleichen Teilen bestehende Mischung von reinem

Toluol und Lebertran, welch letzterer außer Oelsäure auch stets freie

Sauerstoffatome einschließt, wirft man in die Mischung einige Stücke

Kali- oder Natronhydrat, und erwärmt man das Ganze gelinde, so sieht

man zunächst im Dunkeln kein Leuchten. Schüttelt man aber den Inhalt

des Kolbens nur leicht um, so erblickt man „sofort ein schönes, wie ein

Blitzstrahl die ganze Masse durchlaufendes Licht“. Es ist im höchsten

Grade wahrscheinlich, daß es sich beim Leuchten der lebendigen Substanz

um analoge Prozesse handelt. Fette und Oele etc. haben wir ja weit

verbreitet in der lebendigen Substanz, und ~Panceri~ gibt von gewissen

leuchtenden Seefischen direkt an, daß das flüchtige Fett der leuchtende

Körper sei. Stoffe, die eine alkalische Reaktion geben, sind ebenfalls

überall in der lebendigen Substanz zu finden, und da wir schließlich

wissen, daß das Leuchten der Organismen an Oxydationsprozesse geknüpft

ist, so würde nur noch die Frage übrig bleiben, wie die Oxydation

dieser Stoffe bei der organischen Lumineszenz erfolgt. Hier scheint

zunächst eine Schwierigkeit vorzuliegen. In den Experimenten von

~Radziszewski~ war es aktiver Sauerstoff, der die langsame Oxydation

besorgt. Aktiver Sauerstoff ist aber in der lebendigen Substanz nicht

vorhanden und ebensowenig in den Sekreten, die extrazellulär leuchten.

Indessen wir wissen seit mehreren Jahren bereits, daß die lebendige

Substanz Enzyme besitzt, die Sauerstoff übertragen und die chemische

Verbindungen zu oxydieren vermögen, welche an sich niemals mit dem

Sauerstoff der Luft sich oxydieren würden. Diese Sauerstoffüberträger

sind die sogenannten +Oxydasen+ (vgl. p. 186), von denen wir im

Laufe der letzten Jahre eine große Zahl kennen gelernt haben, die

weite Verbreitung im Tier- wie im Pflanzenreiche besitzen. Auch den

Atmungsprozeß selbst wird man sich möglicherweise nach dem Prinzip

der Wirkungen solcher Oxydationsenzyme erfolgend denken müssen. Damit

aber wären für die organische Lumineszenz prinzipiell die gleichen

Bedingungen gegeben wie in den Experimenten von ~Radziszewski~ und wir

dürfen mit großer Wahrscheinlichkeit heute annehmen, daß es sich beim

Leuchten der Tiere und Pflanzen prinzipiell um die gleichen Vorgänge

handelt wie dort.

Allgemeine Physiologie · 第 169 / 283 题