Die +Wärme+ endlich, die teils als strahlende, teils als zugeleitete
Wärme von außen her in den lebendigen Organismus hineingelangt, spielt
ähnlich wie das Licht eine Rolle bei den chemischen Umsetzungen in
der lebendigen Substanz, und da wir wissen, daß mit zunehmender
Temperatur die Zersetzbarkeit aller chemischen Verbindungen zunimmt,
so können wir sagen, daß auch die zugeführte Wärme vor allem bei
Spaltungsprozessen in der lebendigen Substanz beteiligt ist. Die
Rolle der Wärme als Energiequelle ist besonders deutlich zu erkennen
bei den sogenannten Kaltblütern, die man richtiger als „wechselwarme
(poikilotherme) Tiere“ bezeichnet hat, da sie im Gegensatz zu den
sogenannten Warmblütern oder „gleichwarmen (homoiothermen) Tieren“,
die eine stets konstante Körpertemperatur haben, ihre Körpertemperatur
mit der Temperatur der Umgebung fortwährend wechseln, so daß sie bei
hoher Außentemperatur mitunter eine Körpertemperatur haben können, die
der Temperatur der gleichwarmen Tiere gleichkommt. Diese wechselwarmen
oder poikilothermen Tiere, wie z. B. die Insekten, Reptilien etc., sind
bei hoher Temperatur des Mediums, in dem sie leben, äußerst lebhaft,
bewegen sich viel und zeigen überhaupt eine intensive Tätigkeit. Mit
abnehmender Temperatur nimmt dagegen auch die Lebhaftigkeit ihrer
Bewegungen ab, und bei 0° bemerkt man in vielen Fällen kaum noch
eine Lebenstätigkeit in ihnen: der Energieumsatz ist fast sistiert.
„Wohin man blickt in das Reich der lebendigen Organismen“, sagt
~Pflüger~[209], „sieht man, wie die Intensität der Lebensvorgänge, also
die Zersetzung, der Temperatur proportional wächst. Betrachte ich die
lebhafte, bewegliche, flinke Eidechse im Sommer, und wie sie, wenn man
sie einer Temperatur unter 0° aussetzt, allmählich ruhig wird und in
Torpor versunken einem Scheintoten gleicht, und frage ich mich, was die
Ursache sei, daß das Tier in der Wärme wieder so aktiv wird, so sagt
mir der Augenschein: weil ihren Organen Wärme zugeführt worden ist, die
die Atome der Molekeln in Schwingungen versetzt und ihre Dissoziation
erzeugt.“ Die zugeführte Wärme dient also auf diese Weise direkt
als eine Energiequelle für die Leistungen des Kaltblüterorganismus.
Für den Warmblüterkörper kommt die Wärme als Energiequelle kaum in
Betracht. Dagegen spielt sie für den Pflanzenkörper wieder eine ebenso
große Rolle wie für den Kaltblüter, denn Pflanzen keimen und wachsen
nur, wenn ihnen von außen eine gewisse Menge Wärme zugeführt wird.
Unterhalb einer gewissen Temperatur sinkt das Energiegetriebe im
Pflanzenkörper auf Null.
Damit sind aber die Energiequellen des Organismus erschöpft. Die
anderen Energieformen haben als Energiequellen für die Leistungen des
lebendigen Organismus kaum eine Bedeutung.