3. Die Zufuhr von Licht.

Wenn wir sagen: Die Hauptmasse aller in den Organismus eingeführten

Energie gelangt als chemische Energie in den Körper, so ist dieser

Satz für die tierischen Organismen ohne Einschränkung gültig, für

die pflanzlichen bedarf er indessen einer Korrektur. Zwar ist auch

in der Pflanze die potentielle Energie, auf deren Kosten ihre

Leistungen gehen, überwiegend chemische Energie, aber der größte Teil

derselben wird nicht sogleich als frei verfügbare Energie, wie sie

etwa der Sauerstoff besitzt, in den Körper eingeführt, sondern es ist

erst die Zufuhr einer anderen Energieform notwendig, um verfügbare

chemische Energie zu schaffen. Wir wissen, daß zur Synthese des ersten

Assimilationsprodukts Kohlensäure und Wasser erforderlich sind[207].

Kohlensäure und Wasser sind aber Moleküle, die als solche gar keinen

chemischen Energiewert besitzen, weil ihre Atome in dieser Verbindung

durch sehr starke Affinitäten aneinander gekoppelt sind. Um sie daher

frei und für neue Leistungen verfügbar zu machen, müssen diese Moleküle

erst gespalten werden, und dazu ist Energiezufuhr nötig. Die Energie,

welche diese Spaltung vollzieht, ist im Verein mit der chemischen

Energie der lebendigen Pflanzensubstanz selbst +das Licht+. Ohne Licht

ist daher kein Leben der Pflanze möglich, und da ohne Pflanzenleben

kein Tierleben existieren kann, so kann man sagen, daß ohne Licht

überhaupt kein Leben bestehen würde. Wenn also auch das Licht direkt

nur in der Pflanze als Energiequelle eine wesentliche Rolle spielt, so

ist es doch eine Energieform, die für die Erhaltung des Lebens auf der

Erdoberfläche ebenso unentbehrlich ist wie die chemische Energie der

Nahrung.

Der Ort, wo in der Pflanze das Licht die Spaltung der Kohlensäure

bewirkt, liegt in den grünen Teilen des Pflanzenkörpers, also vor allem

in den Blättern. Man überzeugt sich davon am besten durch den auf p.

190 beschriebenen Assimilationsversuch. Dabei zeigt sich, daß für

die Beteiligung der Lichtstrahlen an der Kohlensäurespaltung in den

grünen Pflanzenzellen zwei Momente ausschlaggebend sind, einerseits

die Intensität und andererseits die Wellenlänge der Strahlen. Die

Wirksamkeit des Lichtes nimmt mit der Intensität desselben zu, so

daß in hellerem Licht mehr Kohlensäure gespalten wird als in weniger

hellem. Ferner sind bei gleicher Intensität die Strahlen des roten

Lichtes (nicht wie die Botaniker früher annahmen, die des gelben) am

wirksamsten. ~Engelmann~[208] hat durch eine mikroskopische Methode,

die auf der Wirkung des bei der Kohlensäurespaltung frei werdenden

Sauerstoffs auf Bakterien beruht, in einer ganzen Reihe von Arbeiten

diese Tatsache über allen Zweifel erhoben. Bei den Untersuchungen

~Engelmann~s hat sich gleichzeitig die Ansicht bestätigt, daß

die Kohlensäurespaltung in der grünen Pflanzenzelle nur in den

Chlorophyllkörpern derselben stattfindet, und schließlich hat sich

herausgestellt, daß die Kohlensäurespaltung sofort mit Einwirkung

des Lichts beginnt, um bei Verdunklung auch augenblicklich wieder

aufzuhören. Die Abhängigkeit der kohlensäurespaltenden Tätigkeit der

Chlorophyllkörper vom Licht ist also eine außerordentlich enge.

Allgemeine Physiologie · 第 165 / 283 题