4. Das Wärmemaß der Energie.

Um ein einheitliches Maß für die Messung irgendwelcher Energiemenge

zu gewinnen, hat die Physik im Anschluß an +Joule+s Untersuchungen

über das Verhältnis von Wärme zu mechanischer Energie eine gewisse

Wärmemenge als „Wärmeeinheit“ oder „Kalorie“ gewählt. Eine Kalorie

ist diejenige Wärmemenge, welche notwendig ist, um ein Kilogramm

Wasser von 0° auf 1° C zu erwärmen. Es ist indessen zweckmäßig,

wenn man von Kalorien spricht, besonders hinzuzusetzen, ob es sich

um solche „großen“ d. h. „+Kilogrammkalorien+“ handelt, oder um

sogenannte „kleine“, d. h. „+Grammkalorien+“, die diejenige Wärmemenge

repräsentieren, die nötig ist, um 1 +Gramm+ Wasser von 0° auf 1° C

zu erwärmen. Man wählte mit gutem Grunde die Wärme als diejenige

Energieform, welche die Maßeinheit für alle anderen abgibt, denn die

Wärme nimmt den anderen Energieformen gegenüber eine eigentümliche

Stellung ein, insofern alle anderen Energieformen vollkommen in

Wärme umgewandelt werden können, während es nicht gelingt, sämtliche

Energieformen in jede beliebige andere Energieform vollkommen

überzuführen. Die z. B. bei der Ueberführung von Wärme in mechanische

Energie umwandelbare Energiemenge, die sogenannte „+freie Energie+“,

ist immer nur ein Bruchteil der Gesamtenergie, und das gleiche gilt von

der Ueberführung anderer Energieformen ineinander, wenn sie nicht in

Wärme allein umgesetzt werden. Wenn wir daher irgendeine Menge einer

beliebigen Energieform, etwa mechanischer oder chemischer Energie,

zahlenmäßig ausdrücken wollen, so drücken wir sie im „+Wärmemaß+“ aus

und geben die Anzahl der ihr äquivalenten Kalorien an. So entspricht

z. B. eine Kilogrammkalorie in die Energieform mechanischer Arbeit

umgerechnet einer Energiemenge, welche nötig ist, um ein Gewicht

von 424 kg einen Meter hoch zu heben; man sagt: das „+mechanische

Aequivalent+“ einer großen Kalorie ist 424 „+Kilogrammmeter+“,

und umgekehrt: eine große Kalorie ist das „+Wärmeäquivalent+“ von

424 Kilogrammetern. Auf dieselbe Weise kann man auch alle übrigen

Energieformen ihrer Menge nach in Wärmeäquivalenten ausdrücken. Die

Kalorie ist die Maßeinheit für alle Energie.

B. Die Einfuhr von Energie in den Organismus.

Das Leben ist oft mit dem Feuer verglichen worden, eine Vorstellung,

die schon in den ältesten mythologischen Naturauffassungen der Völker

eine Rolle spielt und in der Philosophie des ~Heraklit~ bekanntlich

zum ersten Male eine festere Form angenommen hat. Der Vergleich ist in

vielen Punkten zutreffend. Wenn wir ihn weiter ausspinnen, dann ist

unser Organismus die brennende Kohle, die sich fortwährend verzehrt,

unser Atem das Verbrennungsgas, unsere Nahrung frisch aufgelegtes

Brennmaterial, welches das alte immer wieder ersetzt. Wie der

brennende Kohlenhaufen ein System vorstellt, in dem ein fortwährender

Energieumsatz stattfindet dadurch, daß mit dem Brennmaterial

potentielle Energie eingeführt und in die nach außen hin aktuellen

Energieformen der Wärme, und bei geeigneter Verwendung, wie z. B.

in der Dampfmaschine, der mechanischen Arbeit, umgesetzt wird, so

ist auch der Organismus ein materielles System, in dem ein gleicher

Energieumsatz fortdauernd stattfindet. Wie durch Aufschütten neuer

Kohlen auf den Kohlenhaufen die Energie in potentieller Form zugeführt

wird, so ist auch wenigstens im tierischen Organismus der weitaus

größte Teil aller zugeführten Energie potentielle chemische Energie.

Daher kommt es, daß die +Einfuhr+ von Energie eine bedeutend weniger

in die Augen fallende Lebensäußerung ist, als die in ausgiebigen

Bewegungen und anderen augenfälligen Leistungen sich äußernde

+Produktion+ von aktueller Energie, die aus dem Umsatz der eingeführten

potentiellen Energie hervorgeht.

Allgemeine Physiologie · 第 162 / 283 题