2. Sekret- und Exkretstoffe.

Da es weder möglich noch notwendig ist, hier auf die ganze Fülle

der Sekrete und Exkrete, die Tier- und Pflanzenzellen in ihrem

Stoffwechsel liefern, näher einzugehen, so wollen wir uns auf einen

Ueberblick über die wichtigsten dieser Stoffe beschränken.

a) Sekrete.

Wenn wir das Charakteristische der Sekrete darin erblicken, daß sie

dem Organismus von irgendwelchem Nutzen sind, so ist die Tatsache

verständlich, daß manche dieser Sekrete dem Organismus dauernd

erhalten bleiben und nicht an die Außenwelt abgegeben werden. Danach

können wir zwei Gruppen von Sekreten unterscheiden, je nachdem sie

nach ihrer Entstehung immer sofort nach außen abgegeben oder dauernd

im Organismus, sei es +in+ der Zelle, sei es an ihrer +Ober+fläche,

zurückgehalten werden, wobei es im Zellenstaat des zusammengesetzten

Organismus übrigens in beiden Fällen durchaus nicht immer nötig ist,

daß das Sekret gerade derjenigen Zelle Nutzen bringt, von der es

sezerniert wird.

Unter den +Sekreten, die nach ihrer Produktion den Organismus

verlassen+, haben wir in erster Linie die, welche zur extrazellulären

Verdauung in Beziehung stehen, also die +Enzyme oder gelösten

Fermente+, die im Tierreich sowohl wie im Pflanzenreich auftreten.

So produzieren die Zellen der Speicheldrüsen bei den Tieren das

+Ptyalin+, das die Stärke in Traubenzucker überführt, die Zellen der

Magendrüsen das +Pepsin+, das die Eiweißkörper peptonisiert, sowie das

vielleicht mit dem Pepsin identische +Labferment+ oder +Chymosin+,

das die Kaseingerinnung herbeiführt, die Zellen des Pankreas oder

der Bauchspeicheldrüse das +Ptyalin+ zur Verdauung der Stärke, das

+Trypsin+ zur Peptonisierung der Eiweißkörper und das +Steapsin+ oder

die +Lipase+ zur Spaltung der Fette. Bei den Pflanzen finden wir

ebenfalls Enzyme, so z. B. bei den sogenannten „fleischfressenden

Pflanzen“, die, wie unsere auf Sümpfen wachsende +Drosera+, Insekten

fangen, festhalten und durch Sekretion peptonisierender Enzyme

verdauen. Von großer Bedeutung sind schließlich die Enzyme bei den

einzelligen Organismen für die Ernährung der Zelle, wenn diese

Organismen, wie die Bakterien, auf organische Nahrung angewiesen

sind, und ihre festen Nahrungsstoffe erst verflüssigen müssen, um sie

resorbieren zu können.

Als eine höchst bedeutungsvolle, aber ihrer chemischen Natur nach

noch völlig unbekannte Gruppe von Sekreten kann die bisher nur aus

ihren Wirkungen bekannte Reihe der „+Antitoxine+“ betrachtet werden.

Es handelt sich hier um Stoffe, die bei Einführung bestimmter Gifte,

vor allem der durch pathogene Bakterien erzeugten organischen Gifte,

von den Zellen des Körpers produziert werden und die ungemein wichtige

Wirkung haben, daß sie als Gegengifte den Körper vor den betreffenden

Giftwirkungen schützen. Es ist genugsam bekannt, daß man auch künstlich

durch Einspritzung von sterilisiertem Blutserum solcher Tiere, in denen

man durch eine Infektion die Bildung der entsprechenden Antitoxinart in

großem Maßstabe hervorgerufen hat, ein anderes Tier oder den Menschen

gegen die betreffende Infektionskrankheit immunisieren resp. bei ihm

den Ablauf der schon eingetretenen Infektionskrankheit sistieren

oder wenigstens mildern kann. Es sei hier nur auf die grundlegenden

Erfahrungen hingewiesen, die wir den genialen Untersuchungen

~Ehrlich~s und seiner Schüler, sowie ~Robert Koch~s, ~Pasteur~s,

~Roux~s, ~Behring~s und vieler anderer verdanken[149].

Andere Sekrete, wie das weit verbreitete +Mucin+ und die +mucinoiden

Substanzen+, aus denen der Schleim besteht, haben mehrfache Bedeutung.

Der Schleim z. B. schützt einerseits die Zelle selbst vor äußeren

Einwirkungen, die etwa schädlich sein können, z. B. vor direkten

Berührungen, indem bei einer starken Reizung die Schleimzelle eine

dicke Schleimschicht produziert, die sie von dem berührenden Körper

trennt, wie das der Fall ist bei den Schleimzellen der Luftröhre, wenn

ein Fremdkörper in die „unrechte Kehle“ gekommen ist. Ferner dient der

Schleim dazu, die zerkauten Bissen gleitbar zu machen, so daß z. B.

die vom Schleim des Mundspeichels durchtränkten Speiseballen besser

durch die enge Speiseröhre gleiten können. Schließlich aber dient der

Schleim besonders bei den niederen Tieren und bei den einzelligen

Organismen zum Festhaften. Die Rhizopoden sondern an der Oberfläche

ihres Protoplasmakörpers einen feinen, schleimigen Ueberzug ab, mit

dem sie sich einerseits an ihrer Unterlage ankleben, was für ihre

Lokomotion unentbehrlich ist, mit dem sie aber andererseits auch

anschwimmende Nahrungsorganismen festhalten, so daß sie dieselben in

ihren Protoplasmakörper hineinziehen und verdauen können. Eine ähnliche

Bedeutung, wie der Schleim als Schutzmittel, haben die +Fette+, die,

wie der +Talg+, von den Talgdrüsen der Haut produziert werden und die

Haut einerseits vor zu starker Verdunstung schützen und anderseits

geschmeidig erhalten.

Als Schutzmittel allein dienen ferner, wie ~Stahl~[150] durch eine

Reihe von interessanten Versuchen gezeigt hat, auch in anderer Weise

viele Sekrete im Tierreich, vor allem aber im Pflanzenreich, wenn

sie übelriechende oder übelschmeckende Stoffe, und zwar +Säuren+ und

+ätherische Oele+, enthalten. Die Organismen werden dadurch geschützt

vor dem Gefressenwerden. Gerade in diesen Fällen liegen meist sehr

interessante Anpassungen an bestimmte Verhältnisse vor, die durch

natürliche Selektion entstanden sind und für den Organismus überaus

zweckmäßige Einrichtungen repräsentieren. Dasselbe gilt auch von

anderen Fällen, in denen die Pflanzen gerade durch gutriechende oder

gutschmeckende Sekrete, wie +ätherische Oele+, +Blütenhonig+ etc.,

Insekten anlocken, deren Kommen und Gehen den Pflanzen insofern

von Nutzen, ja vielfach unentbehrlich ist, als diese Tiere den

Blütenstaub an ihren Beinen mit forttragen und zu den weiblichen Blüten

verschleppen, die auf diesem Wege befruchtet werden. Derartige oft

erstaunlich zweckmäßige Anpassungen finden sich zahllose besonders im

Pflanzenreich, und die Physiologie der Sekretion berührt sich hier in

engster Weise mit dem interessanten Gebiete der Wechselbeziehungen

zwischen Pflanzen und Tieren.

Schließlich könnte man als Sekrete im weitesten Sinne auch die

in der Zelle produzierten Stoffe, wie +Stärke+, +Aleuronkörner+,

+Fetttröpfchen+ etc., auffassen, die in der Zelle als Reservestoffe

eine Zeitlang aufgespeichert, später im Stoffwechsel wieder verbraucht

werden.

Zu den +Sekreten, die nach ihrer Produktion dauernd im Organismus

bleiben+, gehören fast ausschließlich die Pigmente und die

skelettbildenden Substanzen. Während die +Pigmente+, die meist in

Form feiner Körnchen auftreten, stets im Zellkörper bleiben und

besonders beim Farbenwechsel der Tiere eine noch nicht ganz aufgeklärte

Bedeutung für das Tier besitzen, wird die überwiegende Mehrzahl der

skelettbildenden Substanzen nach außen abgeschieden, sei es, daß

sie in der Zelle selbst angelegt und später ausgestoßen werden, wie

die +Kalknadeln+ und Plättchen der Holothurien, sei es, daß sie

gleich als Membranen, Schalen, Panzer an der Oberfläche der Zellen

abgesondert werden, wie die Zellmembranen, die +Zellulose+membranen

der Pflanzenzellen, die +Chitin+panzer der Insekten, die

+Kieselsäure+schalen der Diatomeen, die überaus zierlichen

Gitterskelette der Radiolarien (Fig. 76), die +Kalk+gehäuse der

Foraminiferen etc., sei es endlich, daß sie in den Geweben zwischen den

einzelnen Zellen abgelagert werden als sogenannte „+Bindesubstanzen+“,

wie das +Chondrin+ im Knorpel, das +Kollagen+ im Knochen, der

+phosphorsaure Kalk+ im Knochen und die ganze Fülle der Stütz- und

Gerüstsubstanzen, die in die Gruppe der Albuminoide gehören und bei

den verschiedenen Tiergruppen verschiedenartige, noch wenig gekannte

Zusammensetzung haben.

[Illustration: Fig. 76. +Kieselskelette+ von Radiolarien nach

~Haeckel~. _A_ +Dorataspis+. _B_ +Theoconus+.]

b) Exkrete.

Die Exkrete sind weit weniger mannigfaltig als die Sekrete.

Die Hauptrolle unter ihnen spielen die Stoffe der regressiven

Eiweißmetamorphose, die von jeder lebendigen Substanz ausgeschieden

werden.

Unter den +gasförmigen Exkreten+ ist das wichtigste die +Kohlensäure+,

das Endprodukt der Atmung, das zum größten Teil aus dem oxydativen

Zerfall der Eiweißverbindungen, Kohlehydrate und Fette der lebendigen

Substanz hervorgeht, zum Teil aber auch aus Gärungsprozessen herrührt,

denen diese Stoffe im Stoffwechsel unterliegen. Neben der Kohlensäure

scheiden, wie wir bereits sahen, die Pflanzen noch +Sauerstoff+ aus,

der aus der Spaltung der von den grünen Pflanzenteilen aufgenommenen

Kohlensäure stammt. Man hat daher den bereits früher berührten

vermeintlichen Gegensatz im Stoffwechsel von Pflanzen und Tieren auch

darin zu finden geglaubt, daß die Pflanzen Kohlensäure aufnehmen

und Sauerstoff abgeben, während die Tiere bei der Atmung umgekehrt

Sauerstoff aufnehmen und Kohlensäure ausscheiden. Allein spätere

Untersuchungen haben gezeigt, daß auch dieser Gegensatz zwischen

beiden Organismenreihen in Wirklichkeit gar nicht besteht. Zwar ist es

wahr, daß die Tiere mit Ausnahme der Anaerobien sämtlich Sauerstoff

einatmen, zur Verbrennung der lebendigen Substanz verwerten und

als Verbrennungsprodukt dafür Kohlensäure ausatmen. Aber auch die

Pflanzen tun dasselbe. Bei ihnen ist dieser fundamentale Lebensvorgang

der Atmung nur +verdeckt+ durch den Verbrauch und die Spaltung der

Kohlensäure, die aber mit dem speziellen Vorgang der Atmung selbst

nichts zu tun hat, sondern lediglich mit dem Aufbau der ersten

organischen Substanz der Pflanze aus anorganischen Stoffen in Beziehung

steht. Untersucht man daher den Stoffwechsel der Pflanze zu einer Zeit,

wo keine Stärkebildung vor sich geht, wo keine Kohlensäurespaltung

stattfindet, wo aber das Leben der Pflanze in anderen Vorgängen zum

Ausdruck kommt, also im Dunkeln, so findet man bei gasanalytischen

Versuchen, die den früher beschriebenen analog sind, daß die Pflanze

genau in derselben Weise Sauerstoff verbraucht wie das Tier und genau

so Kohlensäure dafür ausatmet wie das Tier. Der Prozeß der Atmung

bei der Pflanze ist also nicht zu verwechseln mit dem Prozeß der

Stärkeassimilation, der eine Aufnahme und Spaltung der Kohlensäure und

Abscheidung von Sauerstoff verlangt und so den Prozeß der Atmung, der

stets daneben existiert, nur verhüllt.

Unter den +flüssigen Exkreten+ finden wir überall das +Wasser+ und

eine Anzahl im Wasser gelöster Stoffe. Da die einzelne Zelle bei ihrer

Kleinheit zu geringe Mengen von allen diesen Exkretstoffen abgibt,

so ist es bei dem jetzigen Stande der mikrochemischen Reaktionen zum

größten Teil noch nicht möglich, diese Stoffe für jede einzelne Zelle

nachzuweisen; wir müssen uns also, um sie kennen zu lernen, an den

zusammengesetzten Zellenstaat halten. Bei der Pflanze wird das Wasser

während der „Transpiration“ durch die sogenannten Spaltöffnungen der

Blätter ausgeschieden und verdunstet. Durch die Tätigkeit besonderer

Schließzellen können die Spaltöffnungen geschlossen und geöffnet und es

kann dadurch die Abgabe des Wassers von seiten der Pflanze in feinster

Weise geregelt werden. Bei den Tieren sind es besondere Drüsen, die

Lungen, die Nieren und die Schweißdrüsen, deren Zellen das Wasser aus

den Körpersäften ausscheiden und nach außen befördern.

Unter den +stickstofffreien+ Produkten des Eiweißumsatzes sind die

meisten vollständig bis zu Kohlensäure und Wasser oxydiert, so daß als

Endprodukte fast ausschließlich Kohlensäure und Wasser den Körper

verlassen. Allein es treten dabei doch auch Zwischenprodukte auf,

die, von gewissen Zellen ausgeschieden, im Körper selbst noch ein

anderes Schicksal haben. Das gilt besonders von der +Milchsäure+, die

unter anderem von den Muskelzellen in das Blut ausgeschieden wird

und sich noch im Blute findet, aber nicht als solche im Harn den

Körper verläßt. Daß die Fleischmilchsäure oder Paramilchsäure aus dem

Zerfall von Eiweißkörpern stammt und nicht etwa aus den aufgenommenen

Kohlehydraten, geht aus den bereits angeführten Versuchen von

~Gaglio~[151] hervor.

Die +stickstoffhaltigen+ Produkte des Eiweißumsatzes sind die bekannten

Stoffe, denen wir schon mehrfach begegnet sind, vor allem +Harnstoff+,

+Harnsäure+, +Hippursäure+, +Kreatin+ etc., ferner die Nukleinbasen

+Xanthin+, +Hypoxanthin+ oder +Sarkin+, +Adenin+ und +Guanin+, die

zum größten Teil von den Nieren im Harn ausgeschieden werden und die

Stoffe repräsentieren, in denen, abgesehen von einer unbedeutenden, im

Schweiße und den Faeces enthaltenen Menge, der ganze in der Nahrung

aufgenommene Stickstoff den Körper wieder verläßt.

Die letztere Tatsache, daß mit Ausnahme der verschwindenden Menge im

Schweiße und den Faeces der sämtliche Stickstoff im Harn ausgeschieden

wird, hat im Hinblick auf den Umstand, daß die Eiweißkörper und ihre

Derivate die einzigen stickstoffhaltigen Stoffe im Organismus sind,

eine sehr große Bedeutung in der Physiologie der tierischen Organismen

erlangt; aber leider hat sie auch zu einem Fehlschluß geführt, der

an sich vielleicht keinen unmittelbaren Einfluß auf die Entwicklung

unserer grundlegenden physiologischen Vorstellungen gehabt hätte,

wenn nicht auf ihn weitgehende und wichtige Folgerungen aufgebaut

worden wären. Aus der eben genannten Tatsache ergibt sich nämlich

mit Notwendigkeit zwar, +daß der sämtliche im Harn ausgeschiedene

Stickstoff aus dem Zerfall von Eiweißkörpern oder deren Verbindungen

stammen muß+, aber nicht der Schluß, den man noch weiterhin ziehen

zu müssen glaubte, daß der im Harn ausgeschiedene Stickstoff ein

+Maß+ für den Eiweißumsatz im Körper abgibt. Der letztere Schluß

wäre nur berechtigt, wenn man wüßte, daß alle stickstoffhaltigen

Spaltungsprodukte des Eiweißes ausnahmslos den Körper +verlassen+.

Dafür hat man aber durchaus keinen Anhaltspunkt; im Gegenteil,

es ist, um hier nur die Möglichkeit zu berühren, durchaus keine

Tatsache vorhanden, die dagegen spräche, daß sich stickstoffhaltige

Spaltungsprodukte der Eiweißkörper oder ihrer Verbindungen mit neuen

stickstofffreien Atomgruppen wieder zu Körpern der Eiweißgruppe

synthetisch regenerieren können. Diese letztere Möglichkeit hat man

übersehen, und infolgedessen ist man besonders in bezug auf den

Stoffumsatz im Muskel früher vielfach zu Anschauungen gekommen, die in

ihrer Einseitigkeit nicht zutreffend waren.

Den Exkretstoffen der regressiven Eiweißmetamorphose können wir noch

eine Gruppe von Stoffen anreihen, die ebenfalls aus der Umformung

von Körpern der Eiweißgruppe hervorgehen, und zwar hauptsächlich im

Stoffwechsel der Bakterien. Das sind die sogenannten +Ptomaine+ und

die wegen ihrer sehr giftigen Wirkung als +Toxine+ bezeichneten

Stoffe. Auf ihrer giftigen Wirkung beruhen zum größten Teil die

schweren Erkrankungen bei den durch Bakterieninfektion erzeugten

Infektionskrankheiten, wie Cholera, Dysenterie, Diphtherie, Typhus

etc. Die chemische Zusammensetzung dieser Stoffe ist erst in neuerer

Zeit ein wenig bekannt geworden, vor allem durch die umfangreichen

und tiefgehenden Arbeiten von ~Brieger~[152]. Einige unter ihnen, die

zuerst aufgefundenen +Ptomaine+, die bei Fäulnis von Eiweißsubstanzen,

z. B. in Leichen, durch den Stoffwechsel der Fäulnisbakterien erzeugt

werden, sind stickstoffhaltige Basen, welche den sogenannten Alkaloiden

oder Pflanzenbasen, die im Pflanzenkörper entstehen und ebenfalls

überaus giftige Exkretstoffe repräsentieren, verwandt sind.

Schließlich ist hier der Ort, um mit einigen Worten noch auf eine

sehr interessante Reihe von Stoffen einzugehen, die gleichfalls

hauptsächlich durch den Stoffwechsel der Bakterien, aber auch

vieler anderer Zellen erzeugt werden und erst in neuester Zeit die

Aufmerksamkeit der Forscher auf sich gelenkt haben. Das sind die

+Toxalbumine+, giftige Eiweißkörper, die in dem Stoffwechsel der

betreffenden Zellen durch Umformung aus anderen Körpern gebildet

werden und in der Pathologie der Infektionskrankheiten eine wichtige

Rolle spielen. Diese Toxalbumine sind hauptsächlich Körper aus den

Gruppen der Globuline und der Albumosen. So ist z. B. der wirksame

Bestandteil des seinerzeit von ~Koch~ aus den Stoffwechselprodukten

der Tuberkelbacillen gewonnenen „Tuberkulins“ eine Toxalbumose,

die schon in geringen Dosen äußerst giftig wirkt. Durch Produktion

einer anderen Toxalbumose rufen die Diphtheriebacillen ihre sehr

charakteristischen Vergiftungssymptome im Körper diphtheriekranker

Personen hervor, die oft nur sehr langsam wieder verschwinden. Die

Toxalbumose der Diphtheriebakterien war der erste Toxalbuminkörper,

der von ~Löffler~[153] als solcher erkannt und von ~Brieger~ und

~Fränkel~[154] rein dargestellt wurde. Man war nicht wenig erstaunt,

als man die ersten giftigen Eiweißkörper kennen lernte, nachdem man

so lange die Eiweißkörper stets nur als unschädliche, ja sogar als

unbedingt zum Leben notwendige Nahrungsstoffe gekannt hatte. Und nicht

geringer war die Verwunderung, als man später fand, daß die giftige

Wirkung des gefürchteten Schlangengiftes, des Blutes mancher Fische,

wie der Muränen etc., ebenfalls auf die Anwesenheit solcher Toxalbumine

zurückzuführen ist, die hier durch den Stoffwechsel der Gewebezellen

erzeugt und ausgeschieden werden.

+Feste Exkretstoffe+ schließlich finden wir fast nur bei den Zellen,

die geformte Nahrung aufnehmen. Bei ihnen werden die unverdaulichen

Reste der Nahrung als feste Exkrete in der bereits beschriebenen Weise

nach außen abgegeben. Nur in wenigen Fällen werden Exkretstoffe, die

sich gelöst im Zellinhalt befinden, in der Zelle selbst zu festen

Konkrementen geformt und dann ausgestoßen, wie es z. B. nach den

Untersuchungen von ~Rhumbler~[155] bei Wimperinfusorien vorkommt. Ob

man die Konkremente von +Guanin+ und die Kristalle von +Guaninkalk+,

die in manchen Zellen angehäuft und dauernd im Protoplasma abgelagert

werden, wie die schön irisierenden Kristallplättchen und Nadeln in

den Epidermiszellen der Amphibien und Fische, als Exkrete aufzufassen

hat oder nicht vielmehr als Stoffe, die im Leben der betreffenden

Organismen eine besondere Bedeutung haben, ist zur Zeit noch nicht zu

entscheiden.

* *

*

Blicken wir noch einmal zurück auf die Tatsachen des Stoffwechsels,

und vereinigen wir die einzelnen Erfahrungen zu einem Gesamtbilde,

so finden wir, daß der Stoffwechsel vom Eintritt der Stoffe in die

lebendige Zelle bis zum Austritt aus dieser in einer langen Reihe von

komplizierten chemischen Prozessen besteht, die wir uns unter dem Bilde

einer Kurve mit einem aufsteigenden und einem absteigenden Schenkel

vorstellen können. Der aufsteigende Schenkel enthält als Glieder alle

Prozesse, die zum Aufbau der lebendigen Substanz führen; der Höhepunkt

wird gebildet von der Synthese der höchstkomplizierten organischen

Stoffe, der Eiweißkörper und ihrer Verbindungen, der absteigende

Schenkel umfaßt die Prozesse des Zerfalls der lebendigen Substanz bis

in ihre einfachsten Spaltungsprodukte. Ausgangspunkt und Endpunkt der

Kurve, d. h. die Stoffe, die in den Organismus eintreten und aus ihm

austreten, sind am besten bekannt, am wenigsten dagegen und zum größten

Teil sogar überhaupt nicht die Glieder der Stoffwechselkurve, die um

den Höhepunkt liegen. Der gesamte Stoffwechsel aber ist ein ungeheuer

kompliziertes Getriebe einer vorläufig noch ganz unabsehbaren Zahl

von einzelnen chemischen Prozessen, die alle in ganz bestimmter Weise

ineinander greifen und voneinander in engster Abhängigkeit stehen.

Die grüne Pflanzenzelle, ja schon die einfache, einzellige, grüne

Alge, z. B. ein +Protococcus+, stellt ein chemisches Laboratorium

vor, in dem aus den einfachsten anorganischen Stoffen, Kohlensäure,

Wasser und Salzen, organische Substanz hergestellt wird, wobei

Spaltungen und Synthesen immer Hand in Hand laufen. Zuerst entstehen

Kohlehydrate. Die Kohlehydrate dienen wieder dazu, um unter Mitwirkung

der stickstoffhaltigen Salze Eiweißkörper und deren Verbindungen

aufzubauen, wobei die verschiedenartigsten Nebenprodukte entstehen.

Diesen allmählichen Aufbau der Eiweißkörper aus ihren Verbindungen

vollzieht die grüne Pflanzenzelle aber nicht allein für sich selbst,

sie tut es zugleich für sämtliche tierische Zellen mit, welche die

Fähigkeit, aus anorganischem Material organisches zu machen, im Laufe

der Entwicklung verloren haben. Die von der Pflanze produzierten

organischen Stoffe dienen den Pflanzenfressern, das Fleisch der

Pflanzenfresser den Fleischfressern als Nahrung. Fleischfresser

können aber allein von Eiweißnahrung leben. Wir sehen also, daß alle

Stoffe, die im Stoffwechsel vorkommen, teils wie in der Pflanze zum

Aufbau von komplizierten Körpern der Eiweißgruppe führen, teils wie

im Fleischfresser allein aus dem Umsatz solcher Körper entstehen

können. In der Pflanze sowohl wie im Tier aber findet schließlich

ein fortwährender Zerfall von komplizierten Eiweißverbindungen

statt, und als definitive Endpunkte des Stoffwechsels erhalten wir

wieder einfache anorganische Verbindungen, dieselben, von denen

der Aufbau der lebendigen Substanz ausgegangen ist, nämlich im

wesentlichen Kohlensäure, Wasser und stickstoffhaltige Salze. +Der

ganze Stoffwechsel ist also nur eine Reihe von chemischen Prozessen,

die sich um den Aufbau und um den Zerfall der Eiweißkörper und ihrer

Verbindungen gruppieren. Und das gilt von der Pflanze sowohl wie vom

Tier.+

Allgemeine Physiologie · 第 146 / 283 题