Unter den physikalischen Eigenschaften der lebendigen Substanz
besitzt ferner für das Verständnis gewisser Lebensäußerungen ihr
spezifisches Gewicht eine bemerkenswerte Bedeutung. Wenn man Zellen der
verschiedensten Art oder möglichst reine Gewebestücke in destilliertes
Wasser fallen läßt, so beobachtet man fast ganz allgemein, daß sie im
Wasser zu Boden sinken. Es stellt sich also heraus, daß +der Zellinhalt
als Ganzes im allgemeinen spezifisch schwerer ist als Wasser+, d. h.
ein größeres spezifisches Gewicht besitzt als 1. ~Jensen~[88] hat vor
einiger Zeit eine etwas genauere Bestimmung des spezifischen Gewichts
der einzelligen Wimperinfusorienform +Paramaecium aurelia+ ausgeführt,
und zwar in folgender Weise. Bekanntlich kann man durch Zusatz von
löslichen Salzen das spezifische Gewicht einer Flüssigkeit erhöhen und
durch Steigerung der Konzentration sehr fein abstufen. ~Jensen~ setzte
also die +Paramäcien+ in eine schwache Lösung von Kaliumkarbonat,
deren Konzentration er so lange erhöhte, bis die +Paramäcien+ darin
eben nicht mehr zu Boden sanken, sondern mitten in der Lösung schweben
blieben, ein Zeichen, daß jetzt die Lösung dasselbe spezifische Gewicht
besaß, wie die +Paramäcienkörper+. Dann wurde mittelst eines Aräometers
das spezifische Gewicht der Lösung bestimmt, und so fand sich, daß
der Zellkörper der +Paramäcien+ ein spezifisches Gewicht von ungefähr
1,25 besitzt. Im allgemeinen dürfte wohl das spezifische Gewicht der
lebendigen Substanz überhaupt nicht viel höhere Werte aufweisen. Soweit
bis jetzt Erfahrungen vorliegen, handelt es sich immer nur um Werte,
die wenig größer sind als 1.
Allein, es gibt gewisse Fälle, in denen das +Gesamtgewicht+ der Zelle
Abweichungen von diesem allgemeinen Verhalten zeigt, in denen +die
Zelle als Ganzes spezifisch leichter ist als 1+. Diese Fälle sind
ohne weiteres verständlich, wenn wir uns wieder erinnern, daß das
Protoplasma keine homogene Substanz ist. Vergegenwärtigen wir uns z. B.
Zellen, bei denen Fetttröpfchen in der Grundsubstanz des Protoplasmas
eingelagert sind, so ist es möglich, daß, obwohl die Grundsubstanz
spezifisch schwerer ist als Wasser, doch die Zelle als Ganzes ein
geringeres spezifisches Gewicht besitzt, wofern nur die Ansammlung des
Fettes, das spezifisch bedeutend leichter ist als Wasser, eine solche
Größe erreicht, daß sie die Schwere des übrigen Protoplasmakörpers
überwiegt. Solche Fälle sind realisiert in den Fettzellen des
Unterhautbindegewebes beim Menschen und vielen Tieren, die, wenn man
sie ins Wasser wirft, an der Oberfläche schweben bleiben. Fettleibige
Menschen haben aus diesem Grunde beim Schwimmen geringere Anstrengungen
zu machen, um sich über Wasser zu erhalten, als magere. Dieselbe Rolle
wie das Fett können im Zellkörper noch andere Stoffe spielen, vor allem
Gasblasen, die das spezifische Gewicht des Gesamtkörpers der Zelle
unter Umständen enorm herabsetzen können, ein Verhältnis, das z. B.
bei manchen schalentragenden Rhizopoden des Süßwassers (+Arcella+,
+Difflugia+) vorkommt.
Es ergibt sich aus dieser Tatsache, daß die Zelle durch Anhäufung
leichterer oder schwererer Stoffe ihr spezifisches Gewicht unter
Umständen aktiv verringern oder erhöhen und dadurch ohne Benutzung
irgendwelcher Lokomotionsorgane aktiv im Wasser aufsteigen oder
niedersinken kann, eine Fähigkeit, die für das Leben der betreffenden
Organismen unter manchen Verhältnissen, z. B. wenn an der Stelle,
an der sie leben, die Lebensbedingungen ungünstig werden, von
großer Bedeutung ist. +In allen Fällen aber, wo man Zellen findet,
die spezifisch leichter sind als Wasser, sind immer nur bestimmte
Bestandteile, niemals das ganze Protoplasma, spezifisch leichter.+ Die
Grundmasse des Protoplasmas scheint stets um ein Geringes schwerer zu
sein als Wasser.