C₆H₁₂O₆ = 2 C₂H₅OH + 2 CO₂.

Man stellt solchen Gärungsversuch am besten in einem Gärungsröhrchen

(Fig. 44) an, indem man dasselbe mit einer Traubenzuckerlösung füllt,

die mit frischer Bierhefe gemischt ist, so daß die Flüssigkeit den

langen, oben blind geschlossenen Schenkel des Röhrchens vollständig

ausfüllt. Bei einer Temperatur von ca. 30–40° C tritt alsdann eine

ziemlich energische Spaltung des Traubenzuckers ein, so daß fortwährend

wie in einem Glase Sekt kleine Kohlensäurebläschen aufsteigen und sich

an dem oberen Ende ansammeln. Je mehr Kohlensäure sich oben ansammelt,

um so mehr wird die Flüssigkeit aus dem langen Schenkel heraus in

den kugligen Teil des Röhrchens gedrängt. Am Geruch der Flüssigkeit

erkennt man ohne weiteres die Anwesenheit von Alkohol. Schließlich

sei noch eine Eigenschaft der Monosaccharide, die sie mit allen

löslichen Kohlehydraten teilen, erwähnt, das ist ihre Fähigkeit, die

Polarisationsebene zu drehen, und zwar, wie ihr Name bereits sagt, die

Dextrose nach rechts, die Lävulose nach links.

[Illustration: Fig. 44. +Gärungsröhrchen+; _a_ frisch gefüllt, _b_ mit

Kohlensäureentwicklung. In dem geraden Schenkel hat sich bereits ein

Quantum Kohlensäure oben angesammelt.]

[Illustration: Fig. 45. _I_ +Pflanzenzelle mit Stärkekörnern+. _II_

+Stärkekörner isoliert+. _a_ von der Kartoffel, _b_ vom Mais, _c_ von

der Erbse.]

Die +Disaccharide+ können wir uns aus den Monosacchariden entstanden

denken, indem zwei Moleküle der letzteren zusammengetreten sind und

zusammen ein Molekül Wasser verloren haben, so daß wir für sie die

Formel gewinnen: C₁₂H₂₂O₁₁. Unter den Disacchariden sind vor allem

bemerkenswert der +Rohrzucker+ (Saccharose), der im Zellsaft des

Zuckerrohres in großen Mengen enthalten ist, der +Malzzucker+ (Maltose)

aus dem Malz, und der +Milchzucker+ (Laktose), das Kohlehydrat der

Milch. Durch gewisse Mittel, wie Kochen mit verdünnten anorganischen

Säuren oder Einwirkung bestimmter Fermente kann man die Disaccharide

unter Wasseraufnahme spalten, so daß sie wieder in die entsprechenden

Monosaccharide übergehen, die in ihrem Molekül zusammengekoppelt

sind. So wird die Saccharose durch die „+Invertase+“ gespalten in

ein Traubenzucker- und ein Fruchtzuckermolekül, die Maltose durch

die „+Maltase+“ in zwei Traubenzuckermoleküle und die Laktose durch

die „+Laktase+“ in ein Galaktose- und ein Traubenzuckermolekül.

Bei Berührung mit gewissen Gärungserregern werden die Disaccharide

zwar nicht direkt zur Gärung veranlaßt, wohl aber zunächst durch

die entsprechenden Fermente in Monosaccharide übergeführt, die nun

ihrerseits der gärenden Wirkung dieser Organismen zugänglich sind.

Dabei entsteht z. B. bei der Einwirkung von +Bacterium lacticum+ auf

Milchzucker schließlich Milchsäure:

Allgemeine Physiologie · 第 92 / 283 题