V. +Albuminoide.+

Skeletine.

Enzyme?

* *

*

Als ständige Begleiter der Eiweißkörper im Organismus treten gewisse

Abkömmlinge des Eiweißes auf, die wir in zwei Gruppen, nämlich in

+stickstoffhaltige+ und +stickstofffreie Spaltungsprodukte+, trennen

und an dieser Stelle verzeichnen können. Werfen wir zuerst einen

Blick auf die +stickstoffhaltigen Spaltungsprodukte+, so treten wir

mit ihnen bereits in die Reihe derjenigen Stoffe ein, deren chemische

Konstitution schon seit längerer Zeit genau bekannt ist. Es sind

das die sogenannten „Stoffe der regressiven Eiweißmetamorphose“.

Dahin gehören z. B. die bei der Eiweißverdauung unter dem Einfluß

des Pankreastrypsins auftretenden Spaltungsprodukte, unter denen die

Aminosäuren, deren wichtigste oben genannt wurden, die Hauptrolle

spielen. Dahin gehören aber vor allem auch die bei höheren Tieren

durch den Harn in größerer Menge ausgeschiedenen Stoffe. Unter

diesen steht in erster Reihe der +Harnstoff+ (NH₂)₂CO, der von

allen stickstoffhaltigen Endprodukten der Eiweißzersetzung das

stickstoffreichste ist, und dessen künstliche Synthese bereits ~Wöhler~

im Jahre 1828 gelang. Nächst dem Harnstoff ist der wichtigste Stoff

die +Harnsäure+ C₅H₄N₄O₃; ihr reiht sich die +Hippursäure+ an und

das aus der Eiweißzersetzung in den Muskeln stammende +Kreatin+ und

+Kreatinin+. Ferner sind die bereits erwähnten Nukleinbasen, wie

+Xanthin+, +Hypoxanthin+ oder +Sarkin+, +Adenin+ und +Guanin+, als

Endprodukte der Zersetzung von Nukleinen im lebendigen Organismus

angetroffen worden, von denen namentlich das letztere, an Kalk

gebunden, sehr häufig in den Hautzellen von Amphibien und Fischen

vorkommt, in denen seine Kristalle den bekannten Silberglanz erzeugen.

Schließlich ist noch eine Gruppe stickstoffhaltiger Körper, die

+Lecithine+, die den Fetten nahe stehen, aber phosphorsäurehaltig

sind und nach ~Hoppe+-+Seyler~ wahrscheinlich in keiner lebendigen

Zelle fehlen, als Spaltungsprodukte der Eiweißkörper und speziell wohl

der phosphorhaltigen Proteide zu betrachten, mit denen sie zusammen

vorkommen.

Unter den +stickstofffreien Endprodukten+ der Eiweißzersetzung steht

allen voran die von jeder Zelle produzierte +Kohlensäure+. Ferner sind

wichtig die +Milchsäure+, die +Oxalsäure+ und die +Schwefelsäure+.

Auch haben wir jedenfalls als Derivate von Eiweißverbindungen die

+Cholestearine+ anzusehen, die in aller lebendigen Substanz vorzukommen

scheinen, aber nur unter bestimmten Verhältnissen in Form von

perlmutterglänzenden Schüppchen zu größerer Anhäufung gelangen, wie

z. B. an der Oberfläche der Haut und am Schnabel der Vögel, sowie

in pathologischen Zuständen als Gallensteine in der Galle. Ihrer

chemischen Natur nach sind die Cholestearine einwertige Alkohole, die

mit Fettsäuren fettähnliche Verbindungen eingehen können.

b) Die Kohlehydrate.

Im Gegensatz zu den Eiweißkörpern sind die Kohlehydrate stickstofffrei.

Ihr Molekül enthält nur die drei Elemente: Kohlenstoff, Wasserstoff

und Sauerstoff, und zwar bei den natürlichen Kohlehydraten immer in

der typischen Weise, daß die Anzahl der Kohlenstoffatome entweder

fünf oder sechs oder ein Mehrfaches davon beträgt, weswegen diese

Gruppen den Namen „+Pentosen+“ und „+Hexosen+“ erhalten haben, während

die Anzahl der Wasserstoffatome stets das Doppelte von der Anzahl

der Sauerstoffatome gibt, so daß also Wasserstoff und Sauerstoff in

demselben gegenseitigen Verhältnis wie im Wasser vorhanden sind, ein

Umstand, der eben zu der Bezeichnung „Kohle+hydrate+“ geführt hat.

Die Kohlehydrate sind zwar ebenfalls weit verbreitet und besitzen

namentlich für den Aufbau der lebendigen Substanz in den Pflanzenzellen

eine sehr große Bedeutung, aber es gibt doch Formen der lebendigen

Substanz, in denen freie Kohlehydrate nicht nachgewiesen werden

konnten; sie sind also nicht allgemeine Bestandteile der lebendigen

Substanz. Die Gruppe der Kohlehydrate bietet ferner chemisch bei

weitem einfachere Verhältnisse als die der Eiweißkörper, und ist

ebenfalls durch die klassischen Arbeiten von ~Emil Fischer~[73] schon

vor längerer Zeit mehr und mehr aufgeklärt worden. In einem kurzen

Ueberblick mögen die wesentlichsten Momente hier zusammengefaßt werden.

Von den beiden Gruppen der natürlich vorkommenden Kohlehydrate haben

die +Pentosen+ bisher noch kein besonderes physiologisches Interesse

gewonnen. Dagegen spielen eine ungemein wichtige Rolle in der ganzen

organischen Welt die +Hexosen+. Wie alle Kohlehydrate haben die Hexosen

entweder Aldehyd- oder Keton-Natur, d. h. sie besitzen in ihrer

Kohlenstoffkette entweder die endständige Aldehydgruppe

H

/

-C

\\

O

oder die zwischen zwei Kohlenstoffatome der Kette eingefügte Ketongruppe

|

C=O.

|

Man spricht daher von +Aldohexosen+ und von +Ketohexosen+. Als

Beispiele mögen dienen:

+Aldohexosen+: +Ketohexose+:

|

+----------+---------+

| |

CHO CHO CH₂OH

| | |

H-C-OH HO-C-H C=O

| | |

HO-C-H H-C-OH HO-C-H

| | |

H-C-OH H-C-OH H-C-OH

| | |

H-C-OH HO-C-H H-C-OH

| | |

CH₂OH CH₂OH CH₂OH

d-Glukose l-Galaktose d-Fruktose

Man pflegt die Hexosen einzuteilen in Monosaccharide, Disaccharide

und Polysaccharide, von denen die beiden letzten Gruppen polymere

Anhydridformen der ersten Gruppe sind.

Die +Monosaccharide+ haben sämtlich die Formel C₆H₁₂O₆. Zu den

Monosacchariden gehören hauptsächlich der +Traubenzucker+ (Dextrose

oder Glukose) und der +Fruchtzucker+ (Lävulose oder Fruktose),

beide in Pflanzensäften, ersterer auch im tierischen Organismus

weit verbreitet, sowie ferner ein aus dem Milchzucker (Laktose)

gewonnenes Monosaccharid, die +Galaktose+. Eine der bemerkenswertesten

Eigenschaften der Monosaccharide besteht darin, daß sie leicht

Sauerstoff aus ihrer Umgebung aufnehmen und infolgedessen

sauerstoffreiche Körper reduzieren, eine Eigentümlichkeit, auf der die

wichtigsten Proben zu ihrer Erkennung beruhen, wie die ~Trommer~sche

Probe (Reduktion von Kupferoxyd zu Kupferoxydul), die ~Böttger~sche

oder ~Nylander~sche Probe (Reduktion von Wismutoxyd zu metallischem

Wismut), und die Silberprobe (Reduktion von Silberoxyd zu metallischem

Silber)[74].

Eine sehr charakteristische Eigentümlichkeit des Traubenzuckers

ist seine Gärungsfähigkeit. Er wird nämlich durch Hefezellen[75]

(+Saccharomyces+) gespalten in Alkohol und Kohlensäure:

Allgemeine Physiologie · 第 91 / 283 题