Nun gleitete der Kahn, beschienen von heißer Mittagssonne, den Fluß
hinab, gelinde Lüfte kühlten den erwärmten äther, sanfte Ufer zu
beiden Seiten gewährten einen zwar einfachen, doch behäglichen
Anblick. Das Kornfeld näherte sich dem Strome, und ein guter Boden
trat so nah heran, daß ein rauschendes Wasser, auf irgendeine Stelle
sich hinwerfend, das lockere Erdreich gewaltig angegriffen,
fortgerissen und steile Abhänge von bedeutender Höhe sich gebildet
hatten.
Ganz oben auf dem schroffen Rande einer solchen Steile, wo sonst der
Leinpfad mochte hergegangen sein, sah der Freund einen jungen Mann
herantraben, gut gebaut, von kräftiger Gestalt. Kaum aber wollte man
ihn schärfer ins Auge fassen, als der dort überhangende Rasen
losbricht und jener Unglückliche jählings, Pferd über, Mann unter,
ins Wasser stürzt. Hier war nicht Zeit zu denken, wie und warum, die
Schiffer fuhren pfeilschnell dem Strudel zu und hatten im Augenblick
die schöne Beute gefaßt. Entseelt scheinend lag der holde Jüngling
im Schiffe, und nach kurzer überlegung fuhren die gewandten Männer
einem Kiesweidicht zu, das sich mitten im Fluß gebildet hatte.
Landen, den Körper ans Ufer heben, ausziehen und abtrocknen war eins.
Noch aber kein Zeichen des Lebens zu bemerken, die holde Blume
hingesenkt in ihren Armen!
Wilhelm griff sogleich nach der Lanzette, die Ader des Arms zu
öffnen; das Blut sprang reichlich hervor, und mit der schlängelnd
anspielenden Welle vermischt, folgte es gekreiseltem Strome nach.
Das Leben kehrte wieder; kaum hatte der liebevolle Wundarzt nur Zeit,
die Binde zu befestigen, als der Jüngling sich schon mutvoll auf
seine Füße stellte, Wilhelmen scharf ansah und rief: "Wenn ich leben
soll, so sei es mit dir!" Mit diesen Worten fiel er dem erkennenden
und erkannten Rettet um den Hals und weinte bitterlich. So standen
sie fest umschlungen, wie Kastor und Pollux, Brüder, die sich auf dem
Wechselwege vom Orkus zum Licht begegnen.
Man bat ihn, sich zu beruhigen. Die wackern Männer hatten schon ein
bequemes Lager, halb sonnig, halb schattig, unter leichten Büschen
und Zweigen bereitet; hier lag er nun auf den väterlichen Mantel
hingestreckt, der holdeste Jüngling; braune Locken, schnell
getrocknet, rollten sich schon wieder auf, er lächelte beruhigt und
schlief ein. Mit Gefallen sah unser Freund auf ihn herab, indem er
ihn zudeckte.--"Wirst du doch immer aufs neue hervorgebracht,
herrlich Ebenbild Gottes!" rief er aus, "und wirst sogleich wieder
beschädigt, verletzt von innen oder von außen."--Der Mantel fiel über
ihn her, eine gemäßigte Sonnenglut durchwärmte die Glieder sanft und
innigst, seine Wangen röteten sich gesund, er schien schon völlig
wiederhergestellt.
Die tätigen Männer, einer guten geglückten Handlung und des zu
erwartenden reichlichen Lohns zum voraus sich erfreuend, hatten auf
dem heißen Kies die Kleider des Jünglings schon so gut als getrocknet,
um ihn beim Erwachen sogleich wieder in den gesellig anständigsten
Zustand zu versetzen.