Der höchst bedeutende Tag war angebrochen, heute sollten die ersten
Schritte zur allgemeinen Fortwanderung eingeleitet werden, heut
sollte sich's entscheiden, wer denn wirklich in die Welt hinaus gehen,
oder wer lieber diesseits, auf dem zusammenhängenden Boden der alten
Erde, verweilen und sein Glück versuchen wolle.
Ein munteres Lied erscholl in allen Straßen des heitern Fleckens;
Massen taten sich zusammen, die einzelnen Glieder eines jeden
Handwerks schlossen sich aneinander an, und so zogen sie, unter
einstimmigem Gesang, nach einer durch das Los entschiedenen Ordnung in
den Saal.
Die Vorgesetzten, wie wir Lenardo, Friedrichen und den Amtmann
bezeichnen wollen, waren eben im Begriff, ihnen zu folgen und den
gebührenden Platz einzunehmen, als ein Mann von einnehmendem Wesen zu
ihnen trat und sich die Erlaubnis ausbat, an der Versammlung
teilnehmen zu können. Ihm wäre nichts abzuschlagen gewesen, so
gesittet, zuvorkommend und freundlich war sein Betragen, wodurch eine
imposante Gestalt, welche sowohl nach der Armee als dem Hofe und dem
geselligen Leben hindeutete, sich höchst anmutig erwies. Er trat mit
den übrigen hinein, man überließ ihm einen Ehrenplatz; alle hatten
sich gesetzt, Lenardo blieb stehen und fing folgendermaßen zu reden
an:
"Betrachten wir, meine Freunde, des festen Landes bewohnteste
Provinzen und Reiche, so finden wir überall, wo sich nutzbarer Boden
hervortut, denselben bebaut, bepflanzt, geregelt, verschönt und in
gleichem Verhältnis gewünscht, in Besitz genommen, befestigt und
verteidigt. Da überzeugen wir uns denn von dem hohen Wert des
Grundbesitzes und sind genötigt, ihn als das Erste, das Beste
anzusehen, was dem Menschen werden könne. Finden wir nun, bei
näherer Ansicht, Eltern--und Kinderliebe, innige Verbindung der
Flur--und Stadtgenossen, somit auch das allgemeine patriotische
Gefühl unmittelbar auf den Boden gegründet, dann erscheint uns jenes
Ergreifen und Behaupten des Raums, im großen und kleinen, immer
bedeutender und ehrwürdiger. Ja, so hat es die Natur gewollt! Ein
Mensch, auf der Scholle geboren, wird ihr durch Gewohnheit angehörig,
beide verwachsen miteinander, und sogleich knüpfen sich die schönsten
Bande. Wer möchte denn wohl die Grundfeste alles Daseins widerwärtig
berühren, Wert und Würde so schöner, einziger Himmelsgabe verkennen?
Und doch darf man sagen: Wenn das, was der Mensch besitzt, von
großem Wert ist, so muß man demjenigen, was er tut und leistet, noch
einen größern zuschreiben. Wir mögen daher bei völligem überschauen
den Grundbesitz als einen kleineren Teil der uns verliehenen Güter
betrachten. Die meisten und höchsten derselben bestehen aber
eigentlich im Beweglichen und in demjenigen, was durchs bewegte Leben
gewonnen wird.
Hiernach uns umzusehen, werden wir Jüngeren besonders genötigt; denn
hätten wir auch die Lust, zu bleiben und zu verharren, von unsern
Vätern geerbt, so finden wir uns doch tausendfältig aufgefordert, die
Augen vor weiterer Aus--und Umsicht keineswegs zu verschließen.
Eilen wir deshalb schnell ans Meeresufer und überzeugen uns mit einem
Blick, welch unermeßliche Räume der Tätigkeit offenstehen, und
bekennen wir schon bei dem bloßen Gedanken uns ganz anders aufgeregt.
Doch in solche grenzenlose Weiten wollen wir uns nicht verlieren,
sondern unsere Aufmerksamkeit dem zusammenhängenden, weiten, breiten
Boden so mancher Länder und Reiche zuwenden. Dort sehen wir große
Strecken des Landes von Nomaden durchzogen, deren Städte beweglich,
deren lebendignährender Herdenbesitz überall hinzuleiten ist. Wir
sehen sie inmitten der Wüste, auf großen grünen Weideplätzen, wie in
erwünschten Häfen vor Anker liegen. Solche Bewegung, solches Wandern
wird ihnen zur Gewohnheit, zum Bedürfnis; endlich betrachten sie die
Oberfläche der Welt, als wäre sie nicht durch Berge gedämmt, nicht
von Flüssen durchzogen. Haben wir doch den Nordosten gesehen sich
gegen Südwesten bewegen, ein Volk das andere vor sich hertreiben,
Herrschaft und Grundbesitz durchaus verändert.
Von übervölkerten Gegenden her wird sich ebendasselbe in dem großen
Weltlauf noch mehrmals ereignen. Was wir von Fremden zu erwarten
haben, wäre schwer zu sagen; wundersam aber ist es, daß durch eigene
übervölkerung wir uns einander innerlich drängen und, ohne erst
abzuwarten, daß wir vertrieben werden, uns selbst vertreiben, das
Urteil der Verbannung gegen einander selbst aussprechend.
Hier ist nun Zeit und Ort, ohne Verdruß und Mißmut in unserm Busen
einer gewissen Beweglichkeit Raum zu geben, die ungeduldige Lust
nicht zu unterdrücken, die uns antreibt, Platz und Ort zu verändern.
Doch was wir auch sinnen und vorhaben, geschehe nicht aus
Leidenschaft, noch aus irgendeiner andern Nötigung, sondern aus einer
dem besten Rat entsprechenden überzeugung.
Man hat gesagt und wiederholt: "Wo mir's wohl geht, ist mein
Vaterland!"; doch wäre dieser tröstliche Spruch noch besser
ausgedrückt, wenn es hieße: "Wo ich nütze, ist mein Vaterland!" Zu
Hause kann einer unnütz sein, ohne daß es eben sogleich bemerkt wird;
außen in der Welt ist der Unnütze gar bald offenbar. Wenn ich nun
sage: "Trachte jeder, überall sich und andern zu nutzen!", so ist dies
nicht etwa Lehre noch Rat, sondern der Ausspruch des Lebens selbst.
Nun beschaue man den Erdball und lasse das Meer vorerst unbeachtet,
man lasse sich von dem Schiffsgewimmel nicht mit fortreißen und hefte
den Blick auf das feste Land und staune, wie es mit einem sich
wimmelnd durchkreuzenden Ameisengeschlecht übergossen ist. Hiezu hat
Gott der Herr selbst Anlaß gegeben, indem er, den babylonischen
Turmbau verhindernd, das Menschengeschlecht in alle Welt zerstreute.
Lasset uns ihn darum preisen, denn dieser Segen ist auf alle
Geschlechter übergegangen.
Bemerket nun mit Heiterkeit, wie sich alle Jugend sogleich in
Bewegung setzt. Da ihr der Unterricht weder im Hause noch an der
Türe geboten wird, eilt sie alsobald nach Ländern und Städten, wohin
sie der Ruf des Wissens und der Weisheit verlockt; nach empfangener
schneller, mäßiger Bildung fühlt sie sich sogleich getrieben, weiter
in der Welt umherzuschauen, ob sie da oder dort irgendeine nutzbare
Erfahrung, zu ihren Zwecken behülflich, auffinden und erhaschen könne.
Mögen sie denn ihr Glück versuchen! wir aber gedenken sogleich
vollendeter, ausgezeichneter Männer, jener edlen Naturforscher, die
jeder Beschwerlichkeit, jeder Gefahr wissentlich entgegengehen, um der
Welt die Welt zu eröffnen und durch das Unwegsamste hindurch Pfad und
Bahn zu bereiten.
Sehet aber auch auf glatten Heerstraßen Staub auf Staub in langen
Wolkenzügen emporgeregt, die Spur bezeichnend bequemer, überpackter
Wägen, worin Vornehme, Reiche und so manche andere dahinrollen, deren
verschiedene Denkweise und Absicht Yorik uns gar zierlich
auseinandersetzt.
Möge nun aber der wackere Handwerker ihnen zu Fuße getrost
nachschauen, dem das Vaterland zur Pflicht machte, fremde
Geschicklichkeit sich anzueignen und nicht eher, als bis ihm dies
gelungen, an den väterlichen Herd zurückzukehren. Häufiger aber
begegnen wir auf unsern Wegen Marktenden und Handelnden; ein kleiner
Krämer sogar darf nicht versäumen, von Zeit zu Zeit seine Bude zu
verlassen, Messen und Märkte zu besuchen, um sich dem Großhändler zu
nähern und seinen kleinen Vorteil am Beispiel, an der Teilnahme des
Grenzenlosen zu steigern. Aber noch unruhiger durchkreuzt sich
einzeln, zu Pferde, auf allen Haupt--und Nebenstraßen die Menge derer,
die auf unsern Beutel auch gegen unser Wollen Anspruch zu machen
beflissen sind. Muster aller Art und Preisverzeichnisse verfolgen uns
in Stadt--und Landhäusern, und wohin wir uns auch flüchten mögen,
geschäftig überraschen sie uns, Gelegenheit bietend, welche selbst
aufzusuchen niemand in den Sinn gekommen wäre. Was soll ich aber nun
von dem Volke sagen, das den Segen des ewigen Wanderns vor allen
andern sich zueignet und durch seine bewegliche Tätigkeit die Ruhenden
zu überlisten und die Mitwandernden zu überschreiten versteht? Wir
dürfen weder Gutes noch Böses von ihnen sprechen; nichts Gutes, weil
sich unser Bund vor ihnen hütet, nichts Böses, weil der Wanderer
jeden Begegnenden freundlich zu behandeln, wechselseitigen Vorteils
eingedenk, verpflichtet ist.
Nun aber vor allen Dingen haben wir der sämtlichen Künstler mit
Teilnahme zu gedenken, denn sie sind auch durchaus in die
Weltbewegung mit verflochten. Wandert nicht der Maler mit Staffelei
und Palette von Gesicht zu Gesicht? und werden seine Kunstgenossen
nicht bald da-, bald dorthin berufen, weil überall zu bauen und zu
bilden ist? Lebhafter jedoch schreitet der Musiker daher, denn er
ist es eigentlich, der für ein neues Ohr neue überraschung, für einen
frischen Sinn frisches Erstaunen bereitet. Die Schauspieler sodann,
wenn sie gleich Thespis' Wagen verschmähen, ziehen doch noch immer in
kleineren Chören umher, und ihre bewegliche Welt ist an jeder Stelle
behend genug auferbaut. Ebenso verändern sie einzeln, sogar ernste,
vorteilhafte Verbindungen aufgebend, gern den Ort mit dem Orte, wozu
ein gesteigertes Talent mit zugleich gesteigertem Bedürfnis Anlaß und
Vorwand gibt. Hierzu bereiten sie sich gewöhnlich dadurch vor, daß
sie kein bedeutendes Brettergerüst des Vaterlandes unbestiegen lassen.
Hiernach werden wir sogleich gemahnt, auf den Lehrstand zu sehen;
diesen findet ihr gleichfalls in fortdauernder Bewegung, ein Katheder
um das andere wird betreten und verlassen, um den Samen eiliger
Bildung ja nach allen Seiten hin reichlich auszuspenden. Emsiger aber
und weiter ausgreifend sind jene frommen Seelen, die, das Heil den
Völkern zu bringen, sich durch alle Weltteile zerstreuen. Dagegen
pilgern andere, sich das Heil abzuholen; sie ziehen zu ganzen Scharen
nach geweihter, wundertätiger Stelle, dort zu suchen und zu empfangen,
was ihrem Innern zu Hause nicht verliehen ward.
Wenn uns nun diese sämtlich nicht in Verwunderung setzen, weil ihr
Tun und Lassen ohne Wandern meist nicht denkbar wäre, so sollten wir
diejenigen, die ihren Fleiß dem Boden widmen, doch wenigstens an
denselben gefesselt halten. Keineswegs! Auch ohne Besitz läßt sich
Benutzung denken, und wir sehen den eifrigen Landwirt eine Flur
verlassen, die ihm als Zeitpächter Vorteil und Freude mehrere Jahre
gewährt hat; ungeduldig forscht er nach gleichen oder größeren
Vorteilen, es sei nah oder fern. Ja sogar der Eigentümer verläßt
seinen erst gerodeten Neubruch, sobald er ihn durch Kultur einem
weniger gewandten Besitzer erst angenehm gemacht hat; aufs neue
dringt er in die Wüste, macht sich abermals in Wäldern Platz, zur
Belohnung jenes ersten Bemühens einen doppelt und dreifach größern
Raum, auf dem er vielleicht auch nicht zu beharren gedenkt.
Lassen wir ihn dort mit Bären und anderm Getier sich herumschlagen
und kehren in die gebildete Welt zurück, wo wir es auch keineswegs
beruhigter antreffen. Irgendein großes, geregeltes Reich beschaue
man, wo der Fähigste sich als den Beweglichsten denken muß; nach dem
Winke des Fürsten, nach Anordnung des Staatsrats wird der Brauchbare
von einem Ort zum andern versetzt. Auch ihm gilt unser Zuruf.
"Suchet überall zu nützen, überall seid ihr zu Hause." Sehen wir
aber bedeutende Staatsmänner, obwohl ungern, ihren hohen Posten
verlassen, so haben wir Ursache, sie zu bedauern, da wir sie weder als
Auswanderer noch als Wanderer anerkennen dürfen; nicht als
Auswanderer, weil sie einen wünschenswerten Zustand entbehren, ohne
daß irgendeine Aussicht auf bessere Zustände sich auch nur scheinbar
eröffnete; nicht als Wanderer, weil ihnen anderer Orten auf
irgendeine Weise nützlich zu sein selten vergönnt ist.
Zu einem eigenen Wanderleben jedoch ist der Soldat berufen; selbst
im Frieden wird ihm bald dieser, bald jener Posten angewiesen; fürs
Vaterland nah oder fern zu streiten, muß er sich immer beweglich
erhalten; und nicht nur fürs unmittelbare Heil, sondern auch nach dem
Sinne der Völker und Herrscher wendet er seinen Schritt allen
Weltteilen zu, und nur wenigen ist es vergönnt, sich hie oder da
anzusiedeln. Wie nun bei dem Soldaten die Tapferkeit als erste
Eigenschaft obenan steht, so wird sie doch stets mit der Treue
verbunden gedacht, deshalb wir denn gewisse wegen ihrer
Zuverlässigkeit gerühmte Völker, aus der Heimat gerufen, weltlichen
und geistlichen Regenten als Leibwache dienen sehen.
Noch eine sehr bewegliche, dem Staat unentbehrliche Klasse erblicken
wir in jenen Geschäftsmännern, welche, von Hof zu Hofe gesandt,
Fürsten und Minister umlagern und die ganze bewohnte Welt mit
unsichtbaren Fäden überkreuzen. Auch deren ist keiner an Ort und
Stelle auch nur einen Augenblick sicher; im Frieden sendet man die
tüchtigsten von einer Weltgegend zur andern; im Kriege, dem siegenden
Heere nachziehend, dem flüchtigen die Wege bahnend, sind sie immer
eingerichtet, einen Ort um den andern zu verlassen, deshalb sie auch
jederzeit einen großen Vorrat von Abschiedskarten mit sich führen.
Haben wir uns nun bisher auf jedem Schritt zu ehren gewußt, indem
wir die vorzüglichste Masse tätiger Menschen als unsere Gesellen und
Schicksalsgenossen angesprochen, so stehet euch, teure Freunde, zum
Abschluß noch die höchste Gunst bevor, indem ihr euch mit Kaisern,
Königen und Fürsten verbrüdert findet. Denken wir zuerst segnend
jenes edlen kaiserlichen Wanderers Hadrian, welcher zu Fuß, an der
Spitze seines Heers, den bewohnten, ihm unterworfenen Erdkreis
durchschnitt und ihn so erst vollkommen in Besitz nahm. Denken wir
mit Schaudern der Eroberer, jener gewaffneten Wanderer, gegen die kein
Widerstreit helfen, Mauer und Bollwerk harmlose Völker nicht schirmen
konnte; begleiten wir endlich mit redlichem Bedauern jene
unglücklichen vertriebenen Fürsten, die, von dem Gipfel der Höhe
herabsteigend, nicht einmal in die bescheidene Gilde tätiger Wanderer
aufgenommen werden könnten.
Da wir uns nun alles dieses einander vergegenwärtigt und aufgeklärt,
so wird kein beschränkter Trübsinn, keine leidenschaftliche
Dunkelheit über uns walten. Die Zeit ist vorüber, wo man
abenteuerlich in die weite Welt rannte; durch die Bemühungen
wissenschaftlicher, weislich beschreibender, künstlerisch
nachbildender Weltumreiser sind wir überall bekannt genug, daß wir
ungefähr wissen, was zu erwarten sei.
Doch kann zu einer vollkommenen Klarheit der einzelne nicht gelangen.
Unsere Gesellschaft aber ist darauf gegründet, daß jeder in seinem
Maße, nach seinen Zwecken aufgeklärt werde. Hat irgendeiner ein Land
im Sinne, wohin er seine Wünsche richtet, so suchen wir ihm das
einzelne deutlich zu machen, was im ganzen seiner Einbildungskraft
vorschwebte; uns wechselseitig einen überblick der bewohnten und
bewohnbaren Welt zu geben, ist die angenehmste, höchst belohnende
Unterhaltung.
In solchem Sinne nun dürfen wir uns in einem Weltbunde begriffen
ansehen. Einfach-groß ist der Gedanke, leicht die Ausführung durch
Verstand und Kraft. Einheit ist allmächtig, deshalb keine Spaltung,
kein Widerstreit unter uns. Insofern wir Grundsätze haben, sind sie
uns allen gemein. Der Mensch, so sagen wir, lerne sich ohne dauernden
äußeren Bezug zu denken, er suche das Folgerechte nicht an den
Umständen, sondern in sich selbst, dort wird er's finden, mit Liebe
hegen und pflegen. Er wird sich ausbilden und einrichten, daß er
überall zu Hause sei. Wer sich dem Notwendigsten widmet, geht überall
am sichersten zum Ziel; andere hingegen, das Höhere, Zartere suchend,
haben schon in der Wahl des Weges vorsichtiger zu sein. Doch was der
Mensch auch ergreife und handhabe, der einzelne ist sich nicht
hinreichend, Gesellschaft bleibt eines wackern Mannes höchstes
Bedürfnis. Alle brauchbaren Menschen sollen in Bezug untereinander
stehen, wie sich der Bauherr nach dem Architekten und dieser nach
Maurer und Zimmermann umsieht.
Und so ist denn allen bekannt, wie und auf welche Weise unser Bund
geschlossen und gegründet sei; niemand sehen wir unter uns, der nicht
zweckmäßig seine Tätigkeit jeden Augenblick üben könnte, der nicht
versichert wäre, daß er überall, wohin Zufall, Neigung, ja
Leidenschaft ihn führen könnte, sich immer wohl empfohlen,
aufgenommen und gefördert, ja von Unglücksfällen möglichst
wiederhergestellt finden werde.
Zwei Pflichten sodann haben wir aufs strengste übernommen: jeden
Gottesdienst in Ehren zu halten, denn sie sind alle mehr oder weniger
im Credo verfaßt; ferner alle Regierungsformen gleichfalls gelten zu
lassen und, da sie sämtlich eine zweckmäßige Tätigkeit fordern und
befördern, innerhalb einer jeden uns, auf wie lange es auch sei, nach
ihrem Willen und Wunsch zu bemühen. Schließlich halten wir's für
Pflicht, die Sittlichkeit ohne Pedanterei und Strenge zu üben und zu
fördern, wie es die Ehrfurcht vor uns selbst verlangt, welche aus den
drei Ehrfurchten entsprießt, zu denen wir uns sämtlich bekennen, auch
alle in diese höhere, allgemeine Weisheit, einige sogar von Jugend auf,
eingeweiht zu sein das Glück und die Freude haben. Dieses alles
haben wir in der feierlichen Trennungsstunde nochmals bedenken,
erklären, vernehmen und anerkennen, auch mit einem traulichen
Lebewohl besiegeln wollen.
Bleibe nicht am Boden heften,
Frisch gewagt und frisch hinaus!
Kopf und Arm mit heitern Kräften,
überall sind sie zu Haus;
Wo wir uns der Sonne freuen,
Sind wir jede Sorge los.
Daß wir uns in ihr zerstreuen,
Darum ist die Welt so groß."