Neuntes Kapitel

Der höchst bedeutende Tag war angebrochen, heute sollten die ersten

Schritte zur allgemeinen Fortwanderung eingeleitet werden, heut

sollte sich's entscheiden, wer denn wirklich in die Welt hinaus gehen,

oder wer lieber diesseits, auf dem zusammenhängenden Boden der alten

Erde, verweilen und sein Glück versuchen wolle.

Ein munteres Lied erscholl in allen Straßen des heitern Fleckens;

Massen taten sich zusammen, die einzelnen Glieder eines jeden

Handwerks schlossen sich aneinander an, und so zogen sie, unter

einstimmigem Gesang, nach einer durch das Los entschiedenen Ordnung in

den Saal.

Die Vorgesetzten, wie wir Lenardo, Friedrichen und den Amtmann

bezeichnen wollen, waren eben im Begriff, ihnen zu folgen und den

gebührenden Platz einzunehmen, als ein Mann von einnehmendem Wesen zu

ihnen trat und sich die Erlaubnis ausbat, an der Versammlung

teilnehmen zu können. Ihm wäre nichts abzuschlagen gewesen, so

gesittet, zuvorkommend und freundlich war sein Betragen, wodurch eine

imposante Gestalt, welche sowohl nach der Armee als dem Hofe und dem

geselligen Leben hindeutete, sich höchst anmutig erwies. Er trat mit

den übrigen hinein, man überließ ihm einen Ehrenplatz; alle hatten

sich gesetzt, Lenardo blieb stehen und fing folgendermaßen zu reden

an:

"Betrachten wir, meine Freunde, des festen Landes bewohnteste

Provinzen und Reiche, so finden wir überall, wo sich nutzbarer Boden

hervortut, denselben bebaut, bepflanzt, geregelt, verschönt und in

gleichem Verhältnis gewünscht, in Besitz genommen, befestigt und

verteidigt. Da überzeugen wir uns denn von dem hohen Wert des

Grundbesitzes und sind genötigt, ihn als das Erste, das Beste

anzusehen, was dem Menschen werden könne. Finden wir nun, bei

näherer Ansicht, Eltern--und Kinderliebe, innige Verbindung der

Flur--und Stadtgenossen, somit auch das allgemeine patriotische

Gefühl unmittelbar auf den Boden gegründet, dann erscheint uns jenes

Ergreifen und Behaupten des Raums, im großen und kleinen, immer

bedeutender und ehrwürdiger. Ja, so hat es die Natur gewollt! Ein

Mensch, auf der Scholle geboren, wird ihr durch Gewohnheit angehörig,

beide verwachsen miteinander, und sogleich knüpfen sich die schönsten

Bande. Wer möchte denn wohl die Grundfeste alles Daseins widerwärtig

berühren, Wert und Würde so schöner, einziger Himmelsgabe verkennen?

Und doch darf man sagen: Wenn das, was der Mensch besitzt, von

großem Wert ist, so muß man demjenigen, was er tut und leistet, noch

einen größern zuschreiben. Wir mögen daher bei völligem überschauen

den Grundbesitz als einen kleineren Teil der uns verliehenen Güter

betrachten. Die meisten und höchsten derselben bestehen aber

eigentlich im Beweglichen und in demjenigen, was durchs bewegte Leben

gewonnen wird.

Hiernach uns umzusehen, werden wir Jüngeren besonders genötigt; denn

hätten wir auch die Lust, zu bleiben und zu verharren, von unsern

Vätern geerbt, so finden wir uns doch tausendfältig aufgefordert, die

Augen vor weiterer Aus--und Umsicht keineswegs zu verschließen.

Eilen wir deshalb schnell ans Meeresufer und überzeugen uns mit einem

Blick, welch unermeßliche Räume der Tätigkeit offenstehen, und

bekennen wir schon bei dem bloßen Gedanken uns ganz anders aufgeregt.

Doch in solche grenzenlose Weiten wollen wir uns nicht verlieren,

sondern unsere Aufmerksamkeit dem zusammenhängenden, weiten, breiten

Boden so mancher Länder und Reiche zuwenden. Dort sehen wir große

Strecken des Landes von Nomaden durchzogen, deren Städte beweglich,

deren lebendignährender Herdenbesitz überall hinzuleiten ist. Wir

sehen sie inmitten der Wüste, auf großen grünen Weideplätzen, wie in

erwünschten Häfen vor Anker liegen. Solche Bewegung, solches Wandern

wird ihnen zur Gewohnheit, zum Bedürfnis; endlich betrachten sie die

Oberfläche der Welt, als wäre sie nicht durch Berge gedämmt, nicht

von Flüssen durchzogen. Haben wir doch den Nordosten gesehen sich

gegen Südwesten bewegen, ein Volk das andere vor sich hertreiben,

Herrschaft und Grundbesitz durchaus verändert.

Von übervölkerten Gegenden her wird sich ebendasselbe in dem großen

Weltlauf noch mehrmals ereignen. Was wir von Fremden zu erwarten

haben, wäre schwer zu sagen; wundersam aber ist es, daß durch eigene

übervölkerung wir uns einander innerlich drängen und, ohne erst

abzuwarten, daß wir vertrieben werden, uns selbst vertreiben, das

Urteil der Verbannung gegen einander selbst aussprechend.

Hier ist nun Zeit und Ort, ohne Verdruß und Mißmut in unserm Busen

einer gewissen Beweglichkeit Raum zu geben, die ungeduldige Lust

nicht zu unterdrücken, die uns antreibt, Platz und Ort zu verändern.

Doch was wir auch sinnen und vorhaben, geschehe nicht aus

Leidenschaft, noch aus irgendeiner andern Nötigung, sondern aus einer

dem besten Rat entsprechenden überzeugung.

Man hat gesagt und wiederholt: "Wo mir's wohl geht, ist mein

Vaterland!"; doch wäre dieser tröstliche Spruch noch besser

ausgedrückt, wenn es hieße: "Wo ich nütze, ist mein Vaterland!" Zu

Hause kann einer unnütz sein, ohne daß es eben sogleich bemerkt wird;

außen in der Welt ist der Unnütze gar bald offenbar. Wenn ich nun

sage: "Trachte jeder, überall sich und andern zu nutzen!", so ist dies

nicht etwa Lehre noch Rat, sondern der Ausspruch des Lebens selbst.

Nun beschaue man den Erdball und lasse das Meer vorerst unbeachtet,

man lasse sich von dem Schiffsgewimmel nicht mit fortreißen und hefte

den Blick auf das feste Land und staune, wie es mit einem sich

wimmelnd durchkreuzenden Ameisengeschlecht übergossen ist. Hiezu hat

Gott der Herr selbst Anlaß gegeben, indem er, den babylonischen

Turmbau verhindernd, das Menschengeschlecht in alle Welt zerstreute.

Lasset uns ihn darum preisen, denn dieser Segen ist auf alle

Geschlechter übergegangen.

Bemerket nun mit Heiterkeit, wie sich alle Jugend sogleich in

Bewegung setzt. Da ihr der Unterricht weder im Hause noch an der

Türe geboten wird, eilt sie alsobald nach Ländern und Städten, wohin

sie der Ruf des Wissens und der Weisheit verlockt; nach empfangener

schneller, mäßiger Bildung fühlt sie sich sogleich getrieben, weiter

in der Welt umherzuschauen, ob sie da oder dort irgendeine nutzbare

Erfahrung, zu ihren Zwecken behülflich, auffinden und erhaschen könne.

Mögen sie denn ihr Glück versuchen! wir aber gedenken sogleich

vollendeter, ausgezeichneter Männer, jener edlen Naturforscher, die

jeder Beschwerlichkeit, jeder Gefahr wissentlich entgegengehen, um der

Welt die Welt zu eröffnen und durch das Unwegsamste hindurch Pfad und

Bahn zu bereiten.

Sehet aber auch auf glatten Heerstraßen Staub auf Staub in langen

Wolkenzügen emporgeregt, die Spur bezeichnend bequemer, überpackter

Wägen, worin Vornehme, Reiche und so manche andere dahinrollen, deren

verschiedene Denkweise und Absicht Yorik uns gar zierlich

auseinandersetzt.

Möge nun aber der wackere Handwerker ihnen zu Fuße getrost

nachschauen, dem das Vaterland zur Pflicht machte, fremde

Geschicklichkeit sich anzueignen und nicht eher, als bis ihm dies

gelungen, an den väterlichen Herd zurückzukehren. Häufiger aber

begegnen wir auf unsern Wegen Marktenden und Handelnden; ein kleiner

Krämer sogar darf nicht versäumen, von Zeit zu Zeit seine Bude zu

verlassen, Messen und Märkte zu besuchen, um sich dem Großhändler zu

nähern und seinen kleinen Vorteil am Beispiel, an der Teilnahme des

Grenzenlosen zu steigern. Aber noch unruhiger durchkreuzt sich

einzeln, zu Pferde, auf allen Haupt--und Nebenstraßen die Menge derer,

die auf unsern Beutel auch gegen unser Wollen Anspruch zu machen

beflissen sind. Muster aller Art und Preisverzeichnisse verfolgen uns

in Stadt--und Landhäusern, und wohin wir uns auch flüchten mögen,

geschäftig überraschen sie uns, Gelegenheit bietend, welche selbst

aufzusuchen niemand in den Sinn gekommen wäre. Was soll ich aber nun

von dem Volke sagen, das den Segen des ewigen Wanderns vor allen

andern sich zueignet und durch seine bewegliche Tätigkeit die Ruhenden

zu überlisten und die Mitwandernden zu überschreiten versteht? Wir

dürfen weder Gutes noch Böses von ihnen sprechen; nichts Gutes, weil

sich unser Bund vor ihnen hütet, nichts Böses, weil der Wanderer

jeden Begegnenden freundlich zu behandeln, wechselseitigen Vorteils

eingedenk, verpflichtet ist.

Nun aber vor allen Dingen haben wir der sämtlichen Künstler mit

Teilnahme zu gedenken, denn sie sind auch durchaus in die

Weltbewegung mit verflochten. Wandert nicht der Maler mit Staffelei

und Palette von Gesicht zu Gesicht? und werden seine Kunstgenossen

nicht bald da-, bald dorthin berufen, weil überall zu bauen und zu

bilden ist? Lebhafter jedoch schreitet der Musiker daher, denn er

ist es eigentlich, der für ein neues Ohr neue überraschung, für einen

frischen Sinn frisches Erstaunen bereitet. Die Schauspieler sodann,

wenn sie gleich Thespis' Wagen verschmähen, ziehen doch noch immer in

kleineren Chören umher, und ihre bewegliche Welt ist an jeder Stelle

behend genug auferbaut. Ebenso verändern sie einzeln, sogar ernste,

vorteilhafte Verbindungen aufgebend, gern den Ort mit dem Orte, wozu

ein gesteigertes Talent mit zugleich gesteigertem Bedürfnis Anlaß und

Vorwand gibt. Hierzu bereiten sie sich gewöhnlich dadurch vor, daß

sie kein bedeutendes Brettergerüst des Vaterlandes unbestiegen lassen.

Hiernach werden wir sogleich gemahnt, auf den Lehrstand zu sehen;

diesen findet ihr gleichfalls in fortdauernder Bewegung, ein Katheder

um das andere wird betreten und verlassen, um den Samen eiliger

Bildung ja nach allen Seiten hin reichlich auszuspenden. Emsiger aber

und weiter ausgreifend sind jene frommen Seelen, die, das Heil den

Völkern zu bringen, sich durch alle Weltteile zerstreuen. Dagegen

pilgern andere, sich das Heil abzuholen; sie ziehen zu ganzen Scharen

nach geweihter, wundertätiger Stelle, dort zu suchen und zu empfangen,

was ihrem Innern zu Hause nicht verliehen ward.

Wenn uns nun diese sämtlich nicht in Verwunderung setzen, weil ihr

Tun und Lassen ohne Wandern meist nicht denkbar wäre, so sollten wir

diejenigen, die ihren Fleiß dem Boden widmen, doch wenigstens an

denselben gefesselt halten. Keineswegs! Auch ohne Besitz läßt sich

Benutzung denken, und wir sehen den eifrigen Landwirt eine Flur

verlassen, die ihm als Zeitpächter Vorteil und Freude mehrere Jahre

gewährt hat; ungeduldig forscht er nach gleichen oder größeren

Vorteilen, es sei nah oder fern. Ja sogar der Eigentümer verläßt

seinen erst gerodeten Neubruch, sobald er ihn durch Kultur einem

weniger gewandten Besitzer erst angenehm gemacht hat; aufs neue

dringt er in die Wüste, macht sich abermals in Wäldern Platz, zur

Belohnung jenes ersten Bemühens einen doppelt und dreifach größern

Raum, auf dem er vielleicht auch nicht zu beharren gedenkt.

Lassen wir ihn dort mit Bären und anderm Getier sich herumschlagen

und kehren in die gebildete Welt zurück, wo wir es auch keineswegs

beruhigter antreffen. Irgendein großes, geregeltes Reich beschaue

man, wo der Fähigste sich als den Beweglichsten denken muß; nach dem

Winke des Fürsten, nach Anordnung des Staatsrats wird der Brauchbare

von einem Ort zum andern versetzt. Auch ihm gilt unser Zuruf.

"Suchet überall zu nützen, überall seid ihr zu Hause." Sehen wir

aber bedeutende Staatsmänner, obwohl ungern, ihren hohen Posten

verlassen, so haben wir Ursache, sie zu bedauern, da wir sie weder als

Auswanderer noch als Wanderer anerkennen dürfen; nicht als

Auswanderer, weil sie einen wünschenswerten Zustand entbehren, ohne

daß irgendeine Aussicht auf bessere Zustände sich auch nur scheinbar

eröffnete; nicht als Wanderer, weil ihnen anderer Orten auf

irgendeine Weise nützlich zu sein selten vergönnt ist.

Zu einem eigenen Wanderleben jedoch ist der Soldat berufen; selbst

im Frieden wird ihm bald dieser, bald jener Posten angewiesen; fürs

Vaterland nah oder fern zu streiten, muß er sich immer beweglich

erhalten; und nicht nur fürs unmittelbare Heil, sondern auch nach dem

Sinne der Völker und Herrscher wendet er seinen Schritt allen

Weltteilen zu, und nur wenigen ist es vergönnt, sich hie oder da

anzusiedeln. Wie nun bei dem Soldaten die Tapferkeit als erste

Eigenschaft obenan steht, so wird sie doch stets mit der Treue

verbunden gedacht, deshalb wir denn gewisse wegen ihrer

Zuverlässigkeit gerühmte Völker, aus der Heimat gerufen, weltlichen

und geistlichen Regenten als Leibwache dienen sehen.

Noch eine sehr bewegliche, dem Staat unentbehrliche Klasse erblicken

wir in jenen Geschäftsmännern, welche, von Hof zu Hofe gesandt,

Fürsten und Minister umlagern und die ganze bewohnte Welt mit

unsichtbaren Fäden überkreuzen. Auch deren ist keiner an Ort und

Stelle auch nur einen Augenblick sicher; im Frieden sendet man die

tüchtigsten von einer Weltgegend zur andern; im Kriege, dem siegenden

Heere nachziehend, dem flüchtigen die Wege bahnend, sind sie immer

eingerichtet, einen Ort um den andern zu verlassen, deshalb sie auch

jederzeit einen großen Vorrat von Abschiedskarten mit sich führen.

Haben wir uns nun bisher auf jedem Schritt zu ehren gewußt, indem

wir die vorzüglichste Masse tätiger Menschen als unsere Gesellen und

Schicksalsgenossen angesprochen, so stehet euch, teure Freunde, zum

Abschluß noch die höchste Gunst bevor, indem ihr euch mit Kaisern,

Königen und Fürsten verbrüdert findet. Denken wir zuerst segnend

jenes edlen kaiserlichen Wanderers Hadrian, welcher zu Fuß, an der

Spitze seines Heers, den bewohnten, ihm unterworfenen Erdkreis

durchschnitt und ihn so erst vollkommen in Besitz nahm. Denken wir

mit Schaudern der Eroberer, jener gewaffneten Wanderer, gegen die kein

Widerstreit helfen, Mauer und Bollwerk harmlose Völker nicht schirmen

konnte; begleiten wir endlich mit redlichem Bedauern jene

unglücklichen vertriebenen Fürsten, die, von dem Gipfel der Höhe

herabsteigend, nicht einmal in die bescheidene Gilde tätiger Wanderer

aufgenommen werden könnten.

Da wir uns nun alles dieses einander vergegenwärtigt und aufgeklärt,

so wird kein beschränkter Trübsinn, keine leidenschaftliche

Dunkelheit über uns walten. Die Zeit ist vorüber, wo man

abenteuerlich in die weite Welt rannte; durch die Bemühungen

wissenschaftlicher, weislich beschreibender, künstlerisch

nachbildender Weltumreiser sind wir überall bekannt genug, daß wir

ungefähr wissen, was zu erwarten sei.

Doch kann zu einer vollkommenen Klarheit der einzelne nicht gelangen.

Unsere Gesellschaft aber ist darauf gegründet, daß jeder in seinem

Maße, nach seinen Zwecken aufgeklärt werde. Hat irgendeiner ein Land

im Sinne, wohin er seine Wünsche richtet, so suchen wir ihm das

einzelne deutlich zu machen, was im ganzen seiner Einbildungskraft

vorschwebte; uns wechselseitig einen überblick der bewohnten und

bewohnbaren Welt zu geben, ist die angenehmste, höchst belohnende

Unterhaltung.

In solchem Sinne nun dürfen wir uns in einem Weltbunde begriffen

ansehen. Einfach-groß ist der Gedanke, leicht die Ausführung durch

Verstand und Kraft. Einheit ist allmächtig, deshalb keine Spaltung,

kein Widerstreit unter uns. Insofern wir Grundsätze haben, sind sie

uns allen gemein. Der Mensch, so sagen wir, lerne sich ohne dauernden

äußeren Bezug zu denken, er suche das Folgerechte nicht an den

Umständen, sondern in sich selbst, dort wird er's finden, mit Liebe

hegen und pflegen. Er wird sich ausbilden und einrichten, daß er

überall zu Hause sei. Wer sich dem Notwendigsten widmet, geht überall

am sichersten zum Ziel; andere hingegen, das Höhere, Zartere suchend,

haben schon in der Wahl des Weges vorsichtiger zu sein. Doch was der

Mensch auch ergreife und handhabe, der einzelne ist sich nicht

hinreichend, Gesellschaft bleibt eines wackern Mannes höchstes

Bedürfnis. Alle brauchbaren Menschen sollen in Bezug untereinander

stehen, wie sich der Bauherr nach dem Architekten und dieser nach

Maurer und Zimmermann umsieht.

Und so ist denn allen bekannt, wie und auf welche Weise unser Bund

geschlossen und gegründet sei; niemand sehen wir unter uns, der nicht

zweckmäßig seine Tätigkeit jeden Augenblick üben könnte, der nicht

versichert wäre, daß er überall, wohin Zufall, Neigung, ja

Leidenschaft ihn führen könnte, sich immer wohl empfohlen,

aufgenommen und gefördert, ja von Unglücksfällen möglichst

wiederhergestellt finden werde.

Zwei Pflichten sodann haben wir aufs strengste übernommen: jeden

Gottesdienst in Ehren zu halten, denn sie sind alle mehr oder weniger

im Credo verfaßt; ferner alle Regierungsformen gleichfalls gelten zu

lassen und, da sie sämtlich eine zweckmäßige Tätigkeit fordern und

befördern, innerhalb einer jeden uns, auf wie lange es auch sei, nach

ihrem Willen und Wunsch zu bemühen. Schließlich halten wir's für

Pflicht, die Sittlichkeit ohne Pedanterei und Strenge zu üben und zu

fördern, wie es die Ehrfurcht vor uns selbst verlangt, welche aus den

drei Ehrfurchten entsprießt, zu denen wir uns sämtlich bekennen, auch

alle in diese höhere, allgemeine Weisheit, einige sogar von Jugend auf,

eingeweiht zu sein das Glück und die Freude haben. Dieses alles

haben wir in der feierlichen Trennungsstunde nochmals bedenken,

erklären, vernehmen und anerkennen, auch mit einem traulichen

Lebewohl besiegeln wollen.

Bleibe nicht am Boden heften,

Frisch gewagt und frisch hinaus!

Kopf und Arm mit heitern Kräften,

überall sind sie zu Haus;

Wo wir uns der Sonne freuen,

Sind wir jede Sorge los.

Daß wir uns in ihr zerstreuen,

Darum ist die Welt so groß."

Wilhelm Meisters Wanderjahre — Band 3 · 第 13 / 24 题