[42] Es ging damals durch die Zeitungen das Gerücht, Prinz Hassan

sei gefangen genommen worden, und der Kaiser von Abessinien habe ihn

gezwungen, Christ zu werden, und ihm zur Bestätigung seines neuen

Glaubens ein Kreuz auf den rechten Arm brennen lassen. Durch ein

schweres Lösegeld (20000 Pfd. St.) befreit, habe Prinz Hassan das Kreuz

ausgemerzt und die Wunde sodann für eine in der Schlacht erhaltene

ausgegeben. Von dieser ganzen Erzählung ist nichts wahr. Prinz Hassan

fiel nicht in abessinische Hände, wie mir dies der Negus Negesti

ausdrücklich versicherte.

[43] Vgl. hierüber Russ, „Abessiniens gegenwärtige Lage“, in „Deutsche

geographische Blätter“ (Bremen 1878, Bd. II).

[44] Vgl. auch Matteucci, welcher die Begebenheit mit der ihm eigenen

Phantasie erzählt und die Unterwerfung im März 1879 stattfinden lässt.

[45] In einem an Bianchi geschriebenen Brief von Gordon, Lago Tzana

10./11. 1879 datirt und veröffentlicht im „Esploratore“ 1880, S. 59,

heisst es: „Mehr als je war ich unzufrieden, als ich nach Eröffnung des

vom König an den Chedive veröffentlichten Briefes sah, dass derselbe

nichts als leere Worte enthielt.“

[46] Anti-Slavery Reporter, Juli 1880, Vol. 22, Nr. 3. Dieser Brief ist

aus dem Englischen. Aber die englische, vom Madrigal, dem Dolmetsch

des Negus, verfasste Uebersetzung scheint mir keineswegs wörtlich dem

Amharischen zu entsprechen.

[47] Ich habe oben mitgetheilt, dass die Abessinier gar keine

Gefangenen hatten. Sämmtliche Mohammedaner wurden getödtet.

Verschiedene Individuen aber aus den ägyptischen Grenzprovinzen

Galabat, Gedaref, Bogos u.s.w., von denen der Negus behauptete, sie

seien abessinisch, schonte man, und da sie der amharischen oder

tigrischen Sprache mächtig waren, wurden sie als Artilleristen dem

abessinischen Heere einverleibt.

[48] Anti-Slavery Reporter, Juli 1880.

[49] Dieses Benehmen war höchst sonderbar.

[50] Anti-Slavery Reporter, 1880, S. 77.

[51] Das Dutzen erklärt sich wol daraus, weil der Chedive im Arabischen

wahrscheinlich auch gedutzt hat.

[52] Alten Stils.

[53] Anti-Slavery Reporter, S. 77.

[54] Um dieselbe Zeit, als Gordon seinen Brief veröffentlichte, befand

sich der Verfasser in Abessinien und zwar unfern der Residenz Debra

Tabor. Fast alle zwei Monate liefen und laufen derartige Telegramme

durch die Zeitungen, welche die Ankunft von abessinischen Gesandten

melden. Gewöhnlich sind es Pilger, welche nach Jerusalem wollen. In

Aegypten, wo eine vollkommene Unkenntniss abessiniscber Zustände

herrscht, sieht man in jedem ankommenden Abessinier einen Gesandten,

und diese lassen sich gern als solche ansehen, um umsonst befördert zu

werden, wenigstens bis Kairo.

[55] Der Abuna Athanasius war, wie oben berichtet, 1877 gestorben.

Im Juli 1881 gelang es dem Negus Negesti, einen neuen Abuna, Namens

Petros, und drei koptische Priester von Aegypten zu „kaufen“.

[56] „Mitzaki avait proposé au Negus de prendre un Abuna de l’église

grecque, mais le Negus ne le voulait pas. C’était Novembre 1879 quand

j’étais à Debra Tabor.“ (Aus einem Briefe von Gordon an mich vom 24.

Juli 1881, Isle de St.-Maurice.)

[57] Um ganz genau zu wissen, was der Dolmetscher geschrieben hatte,

bat ich Professor Dillmann in Berlin, welcher der amharischen

Sprache vollkommen mächtig ist, den amharischen Brief ins Deutsche

zurückzuübersetzen, und im ganzen hatte der Abessinier meine Gedanken

richtig amharisch zu Papier gebracht.

[58] Nach Rückübersetzung von Professor Dillmann in Berlin.

[59] Eigentlich hat den Titel Naib nur der Aelteste in der

Herrscherfamilie von Arkiko, welche in der ersten Zeit der

Türkenherrschaft dorthin verpflanzt wurde. Gewöhnlich nennt sich aber

jedes Mitglied der Familie Naib. Der Aelteste steht in officieller

Beziehung zur ägyptischen Regierung, welche ihm einen Theil der

Einkünfte, welche er von den Küstenbewohnern erhebt, belässt. Diese,

die Schoho u.s.w., erkennen den Naib als ihren unmittelbarsten

Herrscher an.

[60] Stecker mass einige Tage darauf mit Hypsometer 989 m, mit einem

Secretan’schen Aneroid 845 m, mit einem andern Hypsometer 1008 m. In

Petermann’s „Mittheilungen“ 1867 hat Taf. 14 3264 engl. Fuss, Taf.

15 3062. Und so geben alle verschiedene Höhen an. Zum Theil liegt

das an den verschiedenen Instrumenten, zum Theil am verschiedenen

Luftdruck. Es ist daher auch unserer unmassgeblichen Meinung nach ganz

überflüssig, auf solchen Reisen Quecksilberbarometer mitzunehmen, da

dieses so leicht zerbrechliche und so oft in Unordnung gerathende

Instrument täglichen Gefahren ausgesetzt ist. Denn ein absolut sicheres

Höhenresultat ist nach ein- und selbst nach mehrmaliger Messung mit dem

Quecksilberbarometer auch nicht zu haben. Der Luftdruck wechselt, je

nach den Jahreszeiten, mehr oder weniger täglich, ganz abgesehen von

den oft kolossalen, durch die Witterung hervorgebrachten Schwankungen.

So findet ein Entdeckungsreisender z.B. bei Besteigung eines Berges das

Quecksilberbarometer auf 495 mm, also die Höhe des Berges zu 3424,7

m, und zu Haus berechnet er sich mit den Tafeln und mit Zuhülfenahme

des Thermometerstandes und der Wärme des Barometers selbst die Höhe

noch um einige Meter genauer. Nun meint er ganz genau die Höhe des

Berges gefunden zu haben. Mit nichten! Bestieg er den Berg zu einer

andern Tageszeit, so fand er, dass das Quecksilberbarometer bei einem

Stande von 496 die Höhe von 3408,6 m ergab, zu einer andern Jahreszeit

bei 490 mm die Höhe des Berges zu 3505 m und hielt diese nach genauer

Nachrechnung für ebenso sicher, er hatte ja ein Quecksilberbarometer

mit sich! Da aber der nach den Jahreszeiten verschiedene Luftdruck an

Einem Tage wechselt, so gibt eine Quecksilberbeobachtung keineswegs

ein sichereres, sondern nur ein relativ besseres Ergebniss als ein mit

Aneroid und Hypsometer erhaltenes. Nur wenn man von dem Luftdruck der

betreffenden Oertlichkeit ganze Jahresmittel hat, kann man durch das

Barometer ein genaues Resultat gewinnen. Ein sicheres Ergebniss liefert

nur die +relative+ Höhenmessung mit einem Quecksilberbarometer. Gesetzt

den Fall, der Reisende geht aus von 740 mm, befindet sich also auf 212

m Höhe und findet beim Ersteigen eines Berges das Barometer 720 mm,

also 431 die Höhe, so kann er schliessen, falls bei öfterer Besteigung

immer dieselbe Millimeterdifferenz sich ergibt, dass die relative Höhe

richtig ist, also die Berghöhe 219 m. Bei anderm Barometerstande,

beim Abgang z.B. 738 mm, beim Gipfel 718 mm, entsteht dasselbe

Resultat, nämlich 219 m Höhe. Während des Aufstiegs könnten aber schon

barometrische Schwankungen vorkommen. Dieses, sowie öfteres Besteigen

und Inbetrachtziehen +aller+ Verhältnisse würden aber doch zu einer

richtigen relativen Höhe führen.

[61] „Ausland“, 1870, S. 117.

[62] Mit Munzinger.

[63] „Ausland“, 1870, S. 117.

[64] Beke in seinem „The British Captives in Abyssinia“, S. 192, sagt

in einer Fussnote: „in page 77 of a work published in 1860, entitled:

‚Notes from the Journal of F. M. Flad, one of Bishop Gobat Pilgrim

Missionaries‘, is the following note: -- ‚by Englishman an Abyssinian

understands not an English subject, but a Protestant as distinct from

a Frenchman, by which he understands a Roman Catholic.‘ On this I

must remark, that it is not so much the Abyssinians themselves, who

understand the expression ‚Englishman‘ in that sense, as it is the

Germans under English protection, who wish them so to understand it.

The character of England, as a nation, has not been raised thereby in

the estimation of the natives; for they say, that the ‚Englishmen‘,

who formerly visited their country, were independent persons, who by

travelling in Abyssinia benefited the princes and the inhabitants,

whereas they are now poor persons who come to work in their service

and get their living at their expense.“ Wir haben dem hinzuzufügen,

dass die Missionare, einerlei ob Engländer oder Deutsche, alle

gut bezahlt gewesen sind, also den Abessiniern gegenüber nicht

„poor persons“ genannt werden können. Damit soll indess keineswegs

entschuldigt werden, dass sie es mit ihrer Missionsthätigkeit als

Protestanten für nothwendig erachteten, wenn sie Deutsche waren, sich

Engländer zu nennen. Ein politisches Deutschland gab es zu der Zeit

allerdings nicht, und die meisten protestantischen Missionare standen

in englischen Diensten oder hatten sich gar zu Briten naturalisiren

lassen. Wenn aber in Abessinien heute noch die Begriffe französisch und

katholisch sich decken, so weiss man recht gut, dass nicht blos die

Engländer Protestanten sind, sondern auch die Preussen (Deutschen) und

die Schweden.

[65] So hatten z.B. vor 1866 die hanseatischen Generalconsuln und

Consuln in Aegypten (und wahrscheinlich überall) die Instruction, in

jeder Weise sich nicht vom preussischen Vertreter beim Repräsentiren

verdunkeln zu lassen. Und da zu der Zeit die preussischen Consuln und

Generalconsuln aufs ärmlichste besoldet wurden, die hanseatischen aber

stets reiche Kaufleute waren, so standen erstere thatsächlich hinter

letztern zurück. Namentlich in Aegypten, wo man zu jener Zeit die

Macht eines Landes abwog nach dem Glanze, den der bezügliche Vertreter

entfaltete, besonders wenn es sich um so nebelhafte Länder handelte,

wie Hanseatien und Preussen es waren.

[66] Aehnlich so sprach sich mir gegenüber der Negus aus.

[67] Die Niederlande sind so machtlos, dass die Mörder der Tinne,

welche in Tripolis sich zeigten, vom niederländischen Generalconsul

nicht ergriffen werden konnten. Eine Genugthuung und Bestrafung der

Schuldigen ist nie erfolgt.

[68] Wenn Bogos und Mensa jetzt auch ägyptisch sind, so betrachtet der

Negus Negesti doch diese Provinzen und die Bewohner als abessinisch.

[69] Frankreich würde z.B. ganz ausser Stande sein, einen Feldzug gegen

Abessinien zu unternehmen, das hat selbst Napoleon III. eingesehen.

Der französische Consul Lejean wurde seinerzeit vom Negus Theodor aufs

schimpflichste behandelt und sogar eingekerkert, der Brief Napoleon’s

in Fetzen zerrissen. Frankreich war absolut machtlos, irgendetwas

dagegen zu thun.

[70] Napa, deren Biss giftig ist.

[71] Irre ich nicht, so haben Blanford und Mitchell, deren Werke mir

leider nicht zur Hand sind, Analysen der Quelle gegeben.

[72] Als Dolmetsch hatte ich bei mir einen gewissen Johannes, der von

dem in der Bogos- und Agausprache so vorzüglich bewanderten Professor

Reinisch in Wien seine Ausbildung erhielt, aber des Tigrischen nicht

ganz mächtig war.

[73] Dieses Instrument mit viereckigem diagonalsitzenden Schallboden

heisst Mussunko, auf tigrisch Uota, auf amharisch Tjera oder auch

Armari. Der Schallboden ist mit Leder überzogen.

[74] Als ich Balata Gebro auf das Unmenschliche dieser Handlung

aufmerksam machte, verwies er mich auf Kap. XVIII, V. 25, 1. Buch

Samuelis, und, die Göttlichkeit dieses Buches zugegeben, liess sich

allerdings nichts erwidern.

[75] „Reise nach Abessinien“ (Jena 1868, S. 134).

[76] Da es uns sehr interessirte, erkundigten wir, Stecker und ich, uns

ganz speciell danach.

[77] Addi, Adi, Ad oder Az ist gleichbedeutend.

[78] Bale-Ambe-Ras-Ubieh.

[79] Raffray, Matteucci, Girard, Russ, Vigoni u.a.

[80] Man ersieht hieraus, wie wenig frei man in Abessinien ist.

Um den gemeinen Mann kümmert sich kein Mensch; der einigermassen

Bekannte, Vornehme oder Reiche ist dagegen in allen seinen Bewegungen

beaufsichtigt und muss zu grössern Reisen oder Unternehmungen immer

eine besondere Erlaubniss erhalten.

[81] Lidj bedeutet eine Persönlichkeit vom hohen Adel.

[82] Die abessinischen Priester tragen hohe weisse Turbane.

[83] Eine Amole ist ein Salzstück, welches in der östlichen Tiefebene

gebrochen und geschnitten wird und, mit Bast umwickelt, 750 gr wiegt.

[84] Glasflaschen mit engem Hals.

[85] Italienische Schama wurden in Adua nicht verkauft.

[86] Margef sind ähnliche grosse Tücher wie die Schama.

[87] Bei den slawischen und orientalischen Völkern heissen so die

Deutschen, weil sie so wenig redselig sind.

[88] Bruce, VI, 641 (ich besitze nur die französische Uebersetzung),

findet es merkwürdig, dass die von Cosmas Indopleustes in Abessinien

aufgefundene Inschrift enthielt: dass Ptolemäus Euergetes bei Anführung

seiner Eroberungen in Aethiopien sagt, er habe den Siris überschritten

und sei ins Königreich Semien gekommen, ein Land, welches wegen seiner

Kälte und des dort liegenden hohen Schnees unerträglich sei. Er sagt

sodann: „Keineswegs möchte ich hierbei gesagt haben, dass es niemals in

Abessinien geschneit habe.“

[89] Die christlichen Abessinier tragen um den Hals eine blauseidene,

gedrehte Schnur, die man auf den Märkten der Städte kauft.

[90] Mein Gewährsmann behauptete, dass die mohammedanischen

Mädchen einer solchen Operation nicht unterworfen seien. Bei den

christlichen Abessinierinnen wird sie aber allgemein ausgeführt, weil

sonst, so behaupten die Eingeborenen, dieser Theil zu einer ganz

aussergewöhnlichen Länge anwüchse.

[91] Kusso, bot. Brayera, ist das bekannte Anthelminticum.

[92] Brondo ist der abessinische Ausdruck für rohes Ochsenfleisch.

[93] Ich möchte bei dieser Gelegenheit noch einmal hervorheben,

dass man die Einwohnerzahl Afrikas stets viel zu hoch schätzt. Ich

selbst that das früher bezüglich Marokkos. Ich möchte aber glauben,

dass dieses Land nicht mehr Einwohner als Algerien hat, weil die

Bedingnisse für Hervorbringung einer Bevölkerung dort nicht so günstig

sind wie in Algerien. So las ich kürzlich, um ein anderes Beispiel

anzuführen, in dem „Archivio statistico“ von Brunialti: Afrika habe

500000 Juden! Ganz sicher scheint mir nur Algier zu sein mit 34000,

annähernd richtig Tunis mit 60000, und Aegypten mit 8000 Juden. In

Marokko zählt Brunialti 200000, in Wirklichkeit sind es aber wol nicht

mehr als 60000. Sogar diese Zahl, selbst die Draa- und Tafilet-Juden

mitgerechnet, dürfte schon übertrieben sein. Wie aber Herr Brunialti in

Tripolis 100000 ansetzen kann, ist ganz unbegreiflich. Ich glaube, dass

kaum 10000 Juden für Tripolitanien herauskommen. Denn wo stecken sie?

Tripolis, Mesrata, Derna, Bengasi, Sliten sind die einzigen Städte mit

Juden, und diese Städte haben, Mohammedaner und Christen einbegriffen,

zusammen noch nicht einmal 70000 Einwohner. Nach meiner Schätzung

würden also nur ca. 172000 Juden in Afrika sein.

[94] Raffray, S. 184 seines „Abyssinie“ sagt: „Socota est située à

environ 2500 m d’altitude etc.“, und etwas weiter: „La population peut

être évaluée à 4000 habitants au moins.“

[95] Das heisst Perlhühner sind nicht verboten. Das von Wildthieren

Verbotene ist ihnen ganz genau vorgeschrieben. Hasen, Wasservögel

z.B. dürfen sie nicht geniessen. Schweine werden in einigen Gegenden

gegessen, in andern nicht.

[96] Man sagt im Tigrischen Takase, im Amharischen Takasiëh. Die

Schreibweise Takazeh oder Takazzeh, für Franzosen ganz berechtigt,

lässt sich im Deutschen durch nichts motiviren; Takaseh ist

linguistisch ebenso richtig wie Takase.

[97] Stecker wollte sich auch die Mühe nehmen, die Geschwindigkeit des

Takase zu messen. Aber wozu kann das dienen, da vielleicht 5 m oberhalb

der Strom zehnmal so schnell fliesst, 10 m unterhalb aber stillzustehen

scheint? Es gibt einem Berichte allerdings einen sehr gelehrten

Anstrich, wenn es heisst: Ich fand den Takase so und so geschwind

fliessend. Oft wird dabei noch vergessen, die Stelle zu bezeichnen,

+wo+ gemessen wurde, aber das schadet nichts: das Laienpublikum

glaubt dann, dem betreffenden Fluss im allgemeinen die vom Reisenden

gefundene Geschwindigkeit vindiciren zu können. Dem Bericht aber, je

genauer die Zahl ist, gibt es einen um so wissenschaftlichern Anstrich.

Und wenn dann später andere Reisende bei ganz anderm Wasserstand

andere Resultate liefern, gibt dies wol gar Veranlassung zu gelehrten

Controversen!

[98] Im Orient heissen die Deutschen jetzt nach Wiederaufrichtung

des Deutschen Kaiserreiches nicht Nemsaui, sondern Prussiani oder

Brussiani. Der Name Nemsaui, von Nemsa, ist ein aus dem Slawischen

genommenes, von allen Orientalen adoptirtes, auf Oesterreich und die

Deutsch-Oesterreicher übergegangenes Wort. Es bedeutet die Stummen.

Und in der That, im Gegensatz zu den Franzosen und Abessiniern hat

man eigentlich vollkommen recht, die Deutschen die Stummen zu nennen,

mehr aber vielleicht noch die Engländer, denn diese übertreffen die

Deutschen noch bedeutend an Schweigsamkeit. In officiellen Schreiben

geben die Orientalen Deutschland durch Germania, Germanie, Allemagne

wieder, aber das Volk kennt nur Prussia und Prussiani.

[99] Der jüngere der beiden Brüder Naretti ist inzwischen im Sommer

1881 in Abessinien gestorben, von allen, die ihn kannten, tief

betrauert.

[100] Erlebnisse in Abessinien von Theoph. Waldmeier. (Basel 1869.)

[101] Reise nach Abessinien. (Jena 1868.)

[102] The British Captives in Abyssinia. (London 1867.)

[103] Journal of the Royal Geographical Society, Vol. XIV, p. 24.

[104] Auf der Vigoni’s Werke beigegebenen Karte ist Gafat 2800, Debra

Tabor 2900 m hoch verzeichnet.

[105] Titel der alten abessinischen Kaiser.

[106] Balata-Geta übersetzt Schimper mit Obersthofmeister oder

Oberhofmarschall. A. d’Abbadie’s Blaten-Guetà (seigneur des errements)

ou grand Sénéchal, espèce de procurator regius, grand maître de

la maison, ist wol derselbe. A. d’Abbadie, „Douze ans dans la

Haute-Éthiopie“ (Paris 1868), S. 338.

[107] Afa Negusti heisst wörtlich „Mund des Negus“, weil er die

richterlichen Entscheidungen des Kaisers den Parteien oder der Menge

mittheilt.

[108] Budjurun ist der Titel des Generalschatzmeisters oder

Finanzministers. Arnaud d’Abbadie in seinem bereits erwähnten Werke

sagt, S. 341: „Le moulla-Bet-Beudjeround ou trésorier général et maître

de la garde-robe.“

[109] Es war mir allerdings schon aufgefallen, dass die Abessinier

gar keine Abtritte bei ihren Wohnungen haben, selbst in den grössten

Städten nicht. Aber ich glaubte, dass sie es in dieser Beziehung

hielten wie so manche Völker Innerafrikas oder auch die Zeltbewohner

der Berberstaaten. Und da ich selbst zur Befriedigung der täglichen

Nothdurft ein eigenes Zelt besass, war von mir die Abwesenheit dieser

uns meisten Europäern durchaus unentbehrlich scheinenden Oertlichkeit

auch gar nicht bemerkt worden. Schimper belehrte mich nun eines andern.

Die Vornehmen und besser Gestellten in Abessinien verrichten ihre

Nothdurft in ihren Wohnungen und zwar in solche Röhren, welche sie

in den Boden graben und jeden Tag, nachdem man sich ihrer bedient,

zuschütten lassen. Da die Vornehmen in Abessinien fast immer unterwegs

sind und jeden Tag ein anderes Lager beziehen, ist die Unannehmlichkeit

so gross nicht. Bei längerm Verweilen aber in einer und derselben Hütte

entwickeln sich, abgesehen von der Gesundheitsgefährlichkeit, die

abscheulichsten Gerüche. Als ich den Kentiba (Oberbürgermeister) in

Gondar, einen sonst liebenswürdigen Mann, besuchte und Schimper auf die

mephitischen Dünste in seinem Hause aufmerksam machte, verwies er mich

auf das in Debra Tabor Erlebte.

[110] Dies Wort bedeutet unser „Majestät“, hat aber nichts mit Johannes

zu thun, wie denn manche daraus auch die mittelalterliche Benennung

Pretegianni, Prestre Jan, Priester Johannes, ableiten wollen. Vgl.

hierüber: „Perchè l’Imperatore degli Abissini si chiama communemente il

Pretegianni? In Varie Operette del Lorenzo Neagallotti“ (Venedig 1779,

S. 32).

[111] Die Abessinier glauben, dass es drei Welten gibt: Aethiopien,

Europien und Türkien, wenn es mir gestattet ist, das Reich der Türken

so zu abessinisiren. Ferner: dass Europa ungefähr so gross wie

Aethiopien sei, aber keinen Negus Negesti besitze; im Mittelalter sei

das der römische Kaiser gewesen. Sie halten Russland für das mächtigste

Land und den Kaiser von Russland mindestens so mächtig wie den König

von Tigre. England und Frankreich sind in ihren Augen ebenfalls

mächtige Königreiche, die Macht des erstern mussten sie ja fühlen, wie

denn namentlich der gegenwärtige Negus die höchste Achtung vor England

und Napier hat. Frankreich ist aber doch in ihren Augen gesunken, die

ungeahndete Einkerkerung und Beschimpfung Lejean’s, die Gefangennahme

Napoleon’s haben nicht verfehlt, den Werth des französischen Namens zu

vermindern. Frankreich wird sich aber wol wenig aus der Meinung der

Abessinier machen.

[112] Dies ist offenbar ein Irrthum vom Kaiser Johannes, denn +seine+

Vorfahren haben nie den Thron von Abessinien besessen. Aber schon

1868 schrieb der jetzige Kaiser, damals Prinz Kassai Abbo Bubbus, an

Lord Napier einen Brief, in welchem unter anderm die Stelle vorkommt:

„Durch Christi Gnade habe ich den Thron meiner Vorfahren Michaël, Walda

Selassie, Sabagadis u.s.w. wiedererlangt.“ Wie +jeder+ Abessinier auf

Gott weiss wen hinsichtlich seiner Abstammung zurückgreift, Theodor

sogar einmal öffentlich verkünden liess, er stamme von Salomo, von

„David“, von „Adam“, so auch wird Negus Johannes ebenso sicher von

seiner Salomonischen und Sabagadisischen Abstammung überzeugt sein,

wie Pio nono es war von seiner Unfehlbarkeit, und Sidi el Hadj Abd es

Ssalem von Uesan von seiner Gottbegnadetheit.

[113] Man lese mit Aufmerksamkeit das Buch von Matteucci und wird dann

staunen über die Dinge, welche er dem Negus erzählte oder schrieb.

[114] Man findet die Berichte darüber im „Esploratore“ und in der

französischen „Exploration“.

[115] Die Geschenke, selbstverständlich aus kaiserlichen Mitteln

beschafft, sollten allerdings ursprünglich dem Sultan von Uadaï

übergeben werden, sie wurden mir jedoch in Berlin schon 1878 mit dem

Bemerk überwiesen, dass ich sie als Geschenk für einen andern Fürsten

verwenden könne, falls ich Uadaï nicht erreiche.

[116] Andree in seinen „Ethnographischen Parallelen und Vergleichen“,

S. 253, sagt, dass in Konstantinopel früher die Sultane das

ausschliessliche Privilegium hatten, einen +rothen+ Schirm zu tragen.

In Abessinien wird dem Negus der Schirm getragen, wie Andree, S. 251,

aus Wilkinson’s „Persepolis“ das Schirmtragen abgebildet hat.

[117] Da alle afrikanischen Völker grosse Kinder sind, sollten die

Afrikareisenden nie versäumen, sich mit Spielsachen zu Geschenken zu

versehen. So kaufte ich unter andern noch in Massaua einen gehenden

Pfau, der Rad schlug, einen geigenden Affen u. dgl. m.

[118] Matteucci, S. 203.

[119] Wahrscheinlich eine wilde Dattelpalme mit feinen Blättern von

sehr lebhaftem Grün, auf amharisch Sselen, auf tigrisch Sieh genannt.

[120] Dieser schöne See heisst auf amharisch Tana, auf tigrisch Tsana.

[121] Dieser grosse Block besteht aus Sandstein, während sonst die

ganze Gesteinsmasse der Gegend vulkanisch ist.

[122] Heuglin sagt, Eifag läge wol über 1500 Fuss über dem Tana. Das

ist ein Irrthum, der Unterschied beträgt kaum 50 m.

[123] Nach Stecker 2980 □km.

[124] Siehe Stecker’s Bericht in den „Mittheilungen der Afrikanischen

Gesellschaft in Deutschland“, 1881. Bd. III, S. 32.

[125] Tankua nennt man jene eigentümlichen Fahrzeuge auf dem

Tana-See, welche aus Schambuko-Rohr zusammengebunden werden. Dieses

Schambuko-Rohr (arundo donax) erreicht eine Länge von 5-8 m, wird unten

4-5 cm dick und trägt wegen seiner Porosität ziemlich grosse Lasten.

Auf dem Tana-See kennt man nur dieses meist flossförmige, oft aber auch

schiffsförmige, mit einem Schnabel versehene Fahrzeug.

[126] Sie unterstützten aber ihre Bitte gleich durch vorzügliche, in

der Nähe gewachsene und schon reife Pfirsiche.

[127] Meistens Zegi geschrieben, die Priester sprachen aber Segi aus.

Diese am Südufer des Tana gelegene Halbinsel, dort wo der blaue Nil aus

demselben herauskommt, ist berühmt wegen ihrer Kaffeezucht.

[128] Neuere Maler malen auch auf Papier und kleben hinter das Papier

Leinwand, um es vor dem Zerreissen zu bewahren. So ist das in meinem

Besitze sich befindende grosse Schlachtengemälde von Gudda-Guddi auf

Papier gemalt.

[129] Das Holz schien mir Wachholder zu sein, was mir auch die Priester

bestätigten: ein Holz, das sich als besonders widerstandsfähig gegen

Fäulniss erweist.

Meine Mission nach Abessinien Auf Befehl Sr. Maj. des Deutschen Kaisers im Winter 1880/81 unternommen · 第 26 / 27 段