ich mich an meinen Dragoman mit der Frage wandte, wo sich der Sclavenmarkt
befinde. Er ward verlegen und versicherte mich, es existire keiner mehr in
Smyrna. Da ich das Gegentheil gehört hatte, begnügte ich mich natürlich mit
dieser Antwort nicht und wendete mich an die Beamten unseres Consulates,
welche mir zu verstehen gaben, daß die Türken vor den Christen so
thäten, als gäbe es keinen mehr, indem doch die Gebildeteren eine Art von
Schamgefühl über diesen barbarischen Menschenverkauf hätten. Ich dachte mir
aber, daß man, aus Rücksicht für die Muselmänner, einen so interessanten
Punkt zu sehen nicht unterlassen dürfe, und bestand beharrlich auf meinem
Wunsche. Bald gab uns auch einer der Consulat-Beamten das Zeichen in ein
Thor einzutreten. Wir verstanden ihn, und folgten seinen Schritten. Im
Schutze eines Thorbogens, der unter einem Hause durchging, befanden sich in
reicher türkischer Kleidung die Menschenhändler. Sie rauchten, an die
Wand gelehnt, mit einem kalten, fast stupiden Ausdruck ihre Pfeifen
und Nargilés. An ihrer Seite standen einige männliche Sclaven in weiße
Linnentücher und braune Lodenstoffe gehüllt. -- Diese schwarzen Männer
unterzogen sich unseren neugierigen Blicken mit stumpfer Ruhe. Ihre
Gesichtszüge sind abstoßend, ihre Gestalt ist mager und schmächtig, ihre
Haltung, wie die aller Südländer, frei und fast edel. Aus dem Thorgange
traten wir nun in den inneren großen Hof. Hier bot sich uns ein Bild
des entsetzlichsten Jammers und Elendes dar. Auf dem grauen, theilweise
kothigen, theilweise staubigen Boden, lagen Gruppen von halb nackten,
graufarbigen Negerweibern. Zu fünf bis sechs waren sie an mehreren Stellen,
in den verschiedenartigsten Haltungen, auf Rohrmatten hingestreckt. Ihre
spärliche Bekleidung bestand aus blaugrauen Kotzen, in welche sie nach
Möglichkeit den mageren Leib hüllten. Manche hatten um die wolligen Haare
Tücher gebunden, alles war auf diesem entsetzlichen Platze grau und wieder
grau; die Hautfarbe der Menschen, die Kleidung derselben, der Boden, die
spärlichen Pflanzen, die den Platz begränzenden verfallenen Hütten, alles
ein Ton des Entsetzens.
Einige dieser Weiber lachten mit grinsendem, dummem Ausdruck und machten
mit ihren langen, dürren Händen possierliche Bewegungen. Es scheint, daß
unser Aeußeres auf sie einen komischen Eindruck ausübte. Einige jedoch
starrten mit nichtssagenden Blicken unbeweglich in die Welt hinaus. Sie
schienen Körper ohne Seele.
Andere standen an den verfallenen Thüren ihrer Wohnungen, die in Europa für
einen Stall zu schlecht wären. Eines der Weiber hatte an seinem Fuße,
durch das lange Gehen in der furchtbaren Hitze, die Elephantiasis; hülflos
schmachtete dieses arme Wesen dahin; der Anblick machte mich fast krank vor
Mitleid und Ekel. In der Mitte des Platzes stand ein dürrer Baum, an
dessen Aesten ein grauer Käfig mit drei grauen Papageien hing, welche ein
Türkenknabe feilbot, zu 23 frs. das Stück. So wird Mensch und Thier auf
einem Raume dem Nebenmenschen verkauft; -- ein erniedrigender Gedanke. --
Und mancher philantropisch winselnde Christ, der alle Tage den Grundsatz
der Liebe zum Nebenmenschen loben hört und mitlobt, kauft um ein maßloses
Geld eine solche gefiederte Bestie, während sein Nebenmensch um wenig
Geld verschachert wird. Falsch wäre es jedoch, wenn man glaubte, daß diese
Menschen durch das Freikaufen glücklich gemacht würden; dazu müßte mehr
geschehen, als es gewöhnlich der Fall ist. In ihrem Vaterlande leben diese
Menschen in einem thierisch wüsten Zustande, und nur durch die tiefe Stufe,
auf welcher sie stehen, ist die Möglichkeit gegeben, sie einzufangen, um
sie dann zu verkaufen.
Man müßte also durch Missionen und Civilisirung des Inneren von Afrika
Hülfe zu bringen suchen; aber der Mensch will so selten auf den Grund gehen
und begnügt sich gewöhnlich nur mit momentaner scheinbarer Abhülfe! --
Wirklich elend sind diese Menschen schon von dem Augenblicke, in dem sie
von den Muselmännern gekauft werden. Nackt werden sie aus ihrem Vaterlande
bis zu den Thoren Smyrna's gleich einer Heerde getrieben; erst auf dem
Markte bekommen sie dieses blau-graue Tuch. Die Nahrung, welche ihnen die
Sclavenhändler geben, ist ein grauer Brei. -- Diese »=bêtes feroces=«, wie
sie der christliche Dragoman nannte, kosten als Kinder, wenn sie lenksam
sind, 100-150 frs., sind sie aber stutziger Natur, nur 40-50 frs. -- Einer
der Mohrenknaben, welcher schon besser gehalten schien und im türkischen
Kostüme war, spuckte auf uns, als wir ihn näher betrachten wollten, mit dem
Ausdruck des bittersten Unmuthes. Weiße Sclaven kommen sehr selten auf
den Markt. Wir sahen unter allen diesen gräulichen Erscheinungen nur
ein hellfarbiges, sehr schönes Weib, welches in reichem, eigenthümlichem
Kostüme Speisen herumtrug. Einige behaupteten, es sei eine jüdische
Aufseherin, andere sagten es sei eine zum Kauf dargebotene Circassierin.
Ihre Züge waren edel: schön gewölbte feine Brauen, lange scharf
geschnittene Augen, mit einem melancholisch tiefen Ausdruck, eine echt
orientalische Nase und ein zarter länglicher Mund; ihr Teint war blaß und
etwas broncirt; die Gestalt schön und wohlgebaut; ihr braunes Haar umfing
ein goldener Reif, der einen feinen Schleier hielt, welcher sie feenartig
umhüllte. Mieder und Kleid waren von bunten orientalischen Stoffen, und so
war sie die einzige lichte Erscheinung in diesem Meere von grauen Farben.
Ich ließ mir erzählen, daß die Sclaven nach dem Ankaufe eine ziemlich
gute Existenz hätten. Sie werden wie Diener behandelt und das orientalisch
patriarchalische Verhältniß erstreckt sich auch auf sie. Dies gab mir
einigen Trost und einige Beruhigung bei dem Scheiden von diesem Platze
des Entsetzens. Auch gewahrte ich wirklich später auf dem Bazar einige
Mohrenweiber, in Begleitung ihrer verschleierten Herrinnen, mit recht
wohlgerundeten fröhlichen Gesichtern.
Das furchtbare Elend ist schon im Urzustande dieser Menschen vorhanden und
dem könnte man nur durch Civilisation abhelfen.
Der Bazar von Smyrna.
Wer hat nicht »tausend und eine Nacht« gelesen? Wer hat nicht geträumt
von türkischem Luxus, orientalischer Fülle und Pracht? und der mageren
Traumgestalt des Schätze tragenden Kamels? Wer hat nicht vom nutzbringenden
Hausfreunde des Orientalen, dem fleißigen Langohr gehört? Alles dieses
findet der Leser vereinigt in einigen mit Holz und Tüchern bedeckten
Straßen von Smyrna, welche die Moslemin Bazar nennen. Als ich mich das
erste Mal in diesen langen, hohen, vor der Sonnenhitze geschützten Straßen
befand, glaubte ich zu träumen. Alles wogt in bunten Farben und mit dem
verwirrendsten Geschrei durcheinander. Auge, Ohr und Nase werden auf einmal
in Anspruch genommen, und es braucht lange Zeit, bis man anfängt sich
zurecht zu finden; und noch dann verwischt ein Bild das Andere, so daß
es mir außerordentlich schwer wird, den Eindruck, den das Ganze auf mich
machte, wieder zu geben. -- Der Bazar befindet sich zwischen der Türken-
und der Frankenstadt. Er nimmt einen großen Raum ein und seine Gassen
kreuzen sich nach allen Richtungen. Inmitten derselben befinden sich auf
kleinen Plätzen Moscheen, Baumgruppen mit marmornen Brunnen und öffentliche
Badeorte, wodurch bei der unendlichen Anzahl von Buden eine angenehme und
malerische Abwechslung hervorgebracht wird. Daß sich diese öffentlichen
Gebäude im Mittelpunkt der Kaufwelt befinden, hat darin seinen Grund, daß
der Bazar das Leben der Stadt, ja der ganzen Provinz vereinigt. So leer die
Gassen der eigentlichen Türkenstadt sind, so überfüllt sind diese Räume.
Alle Geschäfte werden hier abgeschlossen, alle Wünsche hier befriedigt. Die
Sendboten der entfernten Gegenden sind die genügsamen Kamele, welche unter
immerwährendem Läuten der Glocken an ihrem Halse, gewöhnlich zu fünfen
hinter einander angebunden, schwer bepackt die Straßen durchziehen; den
nöthigen Raum um die Menge zu durchschreiten, verschafft ihnen das Geschrei
des mohammedanischen Treibers, welcher, im buntesten Kostüme seinen
Tschibuk rauchend, auf einem kleinen Esel die Spitze der Caravane bildet.
Oft ist man genöthigt, sich vor einem solchen Zuge in die Buden zu
flüchten. Die meisten der Letzteren befinden sich in hölzernen Räumen,
welche sich an einander reihen und auf deren oberem Theile sich das Dach
stufenweise von einer Seite zur andern aufbaut. Das Gebälke ist überall
sichtbar und hat die Naturfarbe. Gegen die Gasse zu befinden sich große
breite Oeffnungen, wie bei unsern Jahrmarkt-Buden, nur in einem viel
größeren Maßstabe. Der eine Theil derselben erstreckt sich bis auf den
Boden und bildet hierdurch die Thüre, welche eine Stufe von der Erde
trennt. Vor dem andern Theile befindet sich ein langer kistenartiger
Auslagetisch, auf welchem zwischen den aufgeschichteten Waaren gewöhnlich
der Mohammedaner mit untergeschlagenen Beinen sitzt, pathetisch seine
Nargilé raucht und seinen Kaffee aus kleinem Schälchen schlürft. Den
regelmäßig edel gebauten Kopf desselben umgiebt ein aus langen Tüchern
graziös gewundener Turban; von dem Kinn wallt der mächtige Bart auf den
geöffneten pelzverbrämten Kaftan; die Beine bekleiden bis zu den Knien
weite faltenreiche Hosen; der untere Theil ist bei den ärmeren Leuten
gewöhnlich entblößt, bei den reicheren mit weißen Strümpfen bedeckt. An
den Füßen tragen sie schwarze Schuhe, oder in gebogene Spitzen auslaufende
gelbe Pantoffeln. Der Eindruck, den ein Mohammedaner im alten Kostüme,
vom Aermsten bis zum Reichsten macht, ist würdevoll und malerisch. -- Die
Oeffnung der Kaufläden umgeben hölzerne Stangen, an welchen die Waaren im
buntesten Gewirre hängen; die schönsten sind die, in welchen man türkische
Stoffe, Teppiche und Kleidungsstücke verkauft. Wir traten in mehrere
derselben ein und ergötzten uns an der Ruhe und Unbeweglichkeit, welche die
Türken während dem Verkaufe beibehalten. Sie haben ein edles Vertrauen in
die Ehrlichkeit des Käufers, während die griechischen Kaufleute von einer
außerordentlichen Beweglichkeit und Geschwätzigkeit sind, und schlau jede
Bewegung des Käufers mit ihren dunkeln, verschmitzten Augen verfolgen. Die
Teppiche, deren wir mehrere kauften, sind meist aus Persien und zeichnen
sich durch Frische der Farben und schöne Zeichnung aus; die Weichheit und
Wärme derselben ist bekannt.
Kleiderstoffe und Echarpen werden gewöhnlich in einer Fabrik in Brussa
verfertigt; sie sind sehr fein und schmiegsam. Der Preis derselben ist
außerordentlich niedrig; nur anfangs erschraken wir über die großen Summen
von Piastern, welche die Türken für jeden Gegenstand fordern; bald waren
wir jedoch hierüber aufgeklärt, indem wir erfuhren, daß zehn dieser Piaster
nur 1 Gulden in Conventionsmünze ausmachen.
Eine besonders schöne Auswahl und geschmackvolle Farbenpracht findet man
in gestickten Stoffen, welche für Pantoffeln, Kappen, Kissen und Beutel
verwendet werden. Eine feine gelbe Seide, mit goldenen Fäden untermischt,
giebt ihnen einen lebhaften Schimmer, welcher gegen den schwarzen, rothen
oder blauen Grund sehr gut contrastirt. Erst von den Kaufläden aus hatten
wir etwas mehr Muße, das Getreibe um uns in den Straßen zu betrachten.
Türken, Griechen, Armenier und Juden umwogten uns. -- Die Letzteren stachen
gewaltig durch ihren geistreichen, schlauen Ausdruck hervor, welcher zu
den gutmüthigen Türken in lebhaftem Gegensatze steht, besonders da beide
Nationen fast ein und dasselbe Kostüme tragen. Zwischen dem männlichen
Volke erschienen die Frauen der Türken, Stirn, Aug' und Nase mit schwarzem
Flor umhüllt, der, wie man mir sagte, mit dem Alter immer undurchsichtiger
wird. Von dem Kopfe um das Kinn und den Leib schlingt sich ein weißes Tuch;
unter demselben erscheinen beim Knöchel blaue weite Beinkleider, welche
in gelben oder violetten Pantoffeln enden. Den Frauen folgen gewöhnlich
schwarze Sclavinnen, welche sich nur in ein weißes Tuch hüllen und ihre
dicken aufgeschwollenen Gesichtszüge den Blicken der Männer Preis geben.
Zu den merkwürdigsten Erscheinungen der Bazarwelt gehören die berühmten
türkischen Lastträger. Diese Leute haben ein matratzenartiges Kissen über
Rücken und Schultern, auf welchem sie in vorgebeugter Stellung Lasten von
fünf Zentnern tragen. Man sagte uns, daß einer auf diese Art ein ganzes
Clavier trage. Professor G. begegnete einem, welcher eine complete
Hauseinrichtung fortschleppte. Auch zu vieren tragen sie an schweren
Stangen kreuzweise außerordentliche Lasten. Oefters trafen wir auf
Mohammedaner mit grünem Turban, was besonders gut aussieht; es sind dies
Abkömmlinge des Propheten, die jetzt Melonen und Feigen in den Straßen
Smyrna's verkaufen; so steigen und sinken die irdischen Größen. --
Wir unternahmen eine vollkommene Entdeckungsreise in die verschiedenen
Theile des Bazars. Das erste, was uns auffiel, waren die Vegetabilien,
welche hier verkauft werden. Ganze Berge von Melonen häufen sich auf den
Straßen, tausende von Schachteln mit Feigen gefüllt, welche die
Muselmänner mit dem Daumen kneten, sind für die europäischen Leckermäuler
aufgeschichtet. Lager von herrlichen Sultanatrauben, breite Kuchen von
Honig und Mehl, alles dies lockt das Auge des Hungrigen an, und bringt gar
manchen Piaster zu Tage. Eigenthümlich sind eine Art Restaurateurs, welche
in ihren Boutiquen zwei aufrecht stehende Spieße immerwährend drehen. An
dem einen derselben befinden sich aneinander gepreßte glühende Kohlen in
Säulenform, an dem andern sind hunderte von Fleischstückchen aufgespießt;
durch diese zwei beweglichen Colonnen wird das Hammelfleisch für die
Moslemin gebraten.
Einige der Bazarstraßen sind mit Juwelieren gefüllt, bei welchen man die
schönsten gravirten Steine findet. Ich kaufte mir einige derselben,
unter andern einen Talisman, in dem ich mir aber meinen eigenen Namen
in türkischen Lettern von einem Mohammedaner in der Nähe einer Moschee
einstechen ließ.
Diese kunstreichen Arbeiten werden mitten unter dem Volke in freier Luft
gemacht. In den Straßen der Juweliere erfreuten wir uns an einem Zuge
türkischer Ehrlichkeit. Fürst J. sah in einem gläsernen Kasten einen
silbernen Ring mit grünem Talisman; ihn lockte die Form des Geschmeides,
und er gedachte es zu kaufen. Der Besitzer des Ringes war jedoch nicht
gegenwärtig. Da kamen die Nachbarn, erbrachen den Kasten und gaben einen
Preis an. Der Fürst fand ihn zu hoch, man kam ins Handeln, worauf der
Kauf ohne Beisein des Herrn abgeschlossen wurde. Auf dem Wiener
Kohlmarkte könnte man sich auf diese Art nicht helfen; gleich würde die
Sicherheitswache herbeieilen und über Diebe und Räuber schreien; nur in
barbarischen und uncivilisirten Ländern ist so etwas möglich.
Wir mußten sehr lachen, inmitten dieses Geschreies Lärmens und lebhaften
Treibens auch eine Schule anzutreffen, welche sich ebenfalls in
einem Kaufladen befindet, indem die Schullehrer einen Handel mit der
Gelehrsamkeit treiben; doch muß die mohammedanische Jugend viel fleißiger
sein, als die unsere, da sie in dem Mittelpunkt des Weltgebrauses
koranfest wird. Das Geschrei, welches dem Munde der Jugend entfuhr, war
außerordentlich; vielleicht, daß sie auf diese Art die Zerstreuungen der
Welt zu übertönen suchen.
Besonders reizend in dem Bazar ist es, wenn der Blick durch die langen,
gedeckten, bunt ausstaffirten Räume schweift und am Ende auf einem, von
Bäumen beschatteten Plätzchen ausruht, welches der Centralpunkt von vier
bis fünf Straßen ist. Einzelne Strahlen der Sonne und blaue Himmelsblicke
dringen in diese Lichtungen ein und erhöhen den orientalischen
Farbencontrast; doch neugierig späht wieder das Auge unter die
Bretterdächer und blickt in das Halbdunkel der sich öffnenden Straßen;
überhaupt finden sich die schönsten Farbeneffekte und Wechsel von Licht
und Schatten in diesen südlichen Regionen; vom Kleide des Menschen bis zur
Wolke am Himmel zeichnet sich alles kräftig und lebendig, und darum findet
hier der Maler ein dankbares und doch schweres Feld für seine Kunst; denn
nur wenige Bilder habe ich in Europa gesehen, welche den Ausdruck des
orientalischen Lebens wahr wieder geben; die wenigen aber, in denen dies
gelungen ist werden leicht als übertrieben gescholten.
Aus dem Bazar geriethen wir durch ein Seitengäßchen auf einen Lagerplatz
der Kamele. Ein höchst merkwürdiger Anblick, 40 bis 50 dieser Thiere in den
verschiedensten Gruppen beisammen zu sehen. Ihre gelbe Erdfarbe vermischte
sich geisterhaft mit dem unebenen Boden, auf welchem sie lagerten. Der Raum
war von verfallenen schmutzigen Häusern umstellt. Viele ganz junge Thiere
schritten pathetisch unter den erwachsenen umher, und komisch war es,
wie diese höchstens vier Schuh hohen Kleinen auf ihren langen, mageren
Stelzfüßen, sich an ihre großen, unförmlichen Mütter anschmiegten. Einige
unserer Begleiter holten eines dieser Jungen aus dem Thierknäuel heraus,
so daß wir es ganz in der Nähe besehen konnten. Es hatte einen höchst
gutmüthigen Ausdruck und ließ ruhig Alles über sich ergehen; dagegen schoß
uns die Mutter wüthende, unheimliche Blicke zu. Die Kamele, deren gegen
10,000 sich in Smyrna und seiner Umgebung befinden sollen, werden aus der
Krimm gebracht, wo sich bedeutende Gestüte befinden. Die Höhe dieser Thiere
ist sieben Fuß, die Länge vom Kopf bis zum Schweif mag gegen acht Fuß
betragen. Der Leib ist erdfarb, zeigt das ganze Knochensystem und ist mit
einer dicken räudigen Haut mit sehr wenigen Haaren bedeckt. Zum Reiten
werden im Oriente nur die Dromedare benützt, deren es in Smyrna keine
giebt. Die Kamele werden nur zum Lasttragen gebraucht. Ihr hoher Höcker
wird mit einer Decke umhüllt, an welcher rechts und links große mit
Riemen befestigte Körbe herabhängen. Hier werden diese Thiere mit einem
getrockneten Brei von schlechtem Mehl und Wasser genährt. Als wir unser
Gefallen an der possierlichen Kameljugend dem Dragoman des Pascha's
ausdrückten, versicherte er uns, Seine Hoheit Halil Pascha würde uns eins
derselben verehren. Einige der Reisegefährten fanden dieses Anerbieten
sehr hübsch und den Transport des Thieres auf dem Dampfschiffe sehr leicht
ausführbar, die Mehrzahl sträubte sich jedoch dagegen. -- Nach dieser
Episode kehrten wir wieder auf den Bazar zurück, um unsere mannigfachen
Einkäufe der türkischen Landesprodukte fortzusetzen; ein immer neues
Interesse fanden wir an den wechselnden Bildern, welche sich auf einem
türkischen Bazar dem Blicke des Beschauers darbieten.
Ein türkisches Bad.
Aus den Moscheen und dem bunten Gewimmel des Bazars begaben wir uns zu dem
für uns in Bereitschaft gesetzten Badehause. Dasselbe liegt im Bazar und
ist in Kuppelform gebaut, mit einfachen türkischen Verzierungen. Vor dem
Eingange befindet sich eine Terrasse, wie bei den Moscheen. Sie war von
einer großen Menschenmenge im buntesten Kostüme umringt, welche vermuthlich
durch eine Compagnie tückischer Militärs angezogen wurde, die uns zu Ehren
vor dem Badehause Wache hielt.