unterliegen, dass das deutsche Werk als das Original anzusehen sei, aus
dem der tschechische Verfasser schöpfte. Hiemit will ich aber keineswegs
behaupten, dass das tschechische Werk eine blosse Uebertragung des
deutschen sei: vielmehr sind die zahlreichen Excurse theils gelehrten
Inhaltes, mitunter aber auch ganz gehaltlos, durchaus das Eigenthum des
Nachbilders, die Form jedoch, sowie das Grundgerippe des tschechischen
Werkes sind dem deutschen Originale entnommen. Zur nähern Beleuchtung
dieser Thatsache will ich einen Theil des C. X (I. 65)[106] aus dem
tschechischen Werke in wörtlicher Uebersetzung folgen lassen. Das
Unglück spricht: ›Nach dem Geruche das Gewürze, nach der Wolle das Tuch,
nach der Farbe den Unterschied, nach der Rede den Menschen können weise
Leute unterscheiden. Das müssen auch wir dir, Tkadleček, sagen. Wir
erkennen dies schon, hören und merken nach deiner Rede, dass du aus
diesem Brunnen mit deinem gelehrten Sinne nicht getrunken hast, wie jene
sieben Göttinnen im Heidenthume gethan haben, von denen der Meister
Horaz, dieser Heide, erzählt, noch hast du vielleicht jemals von dem
natürlichen Laufe irdischer Dinge gelesen, wovon ganz verständig Seneka
erzählt und auch Aristoteles in seinen betreffenden Büchern, denn sonst
könntest du wahrlich unsere Rede erwägen, da wir früher, wie jetzt schon
so viel gesagt haben, und hättest dir sie tief in deinen Sinn und dein
Herz geschrieben, und immerhin solch leichtfertige Reden, die zu nichts
taugen, nie aus deinem Kopfe noch deinem Munde in so unverschämter Weise
gelassen. Es sagte der Weise Pythagoras: Wer nicht schweigen kann, der
weiss auch nicht, wann und wie er zu reden habe, und der Weise Sokrates
sagt: So oft ein Mensch den andern schmäht und tadelt, denn vielleicht
kann er von ihm nichts Gutes reden, so redet er nicht allein von dem
Einen, sondern von Keinem etwas Gutes, denn er ist eben von dem
Charakter, dass er nie von Jemandem etwas Gutes spricht. So thust du
uns. Du verfluchst uns mit ungehörtem Fluche aus Zorn, rufst gegen uns
Rache herab aus Hass, verlangst gegen uns Missgeschick aus Neid,
wahrlich das thust du umsonst und ohne Noth. Und wenn es zum Aeussersten
kommt, rede was du willst, rufe wie du willst, klage auf uns, so viel du
können wirst, wir werden uns nichts darum kümmern, wir werden uns darum
keine Sorgen machen. Wir sind schon an solche Rede, an solches Fluchen
gewöhnt. Wahrlich uns ist dein Rufen, dein Geschrei wie das Geschrei des
Gänserichs und das Geschnatter der Gans; dein Weinen gilt uns wahrlich
so viel wie das Knarren und Knirschen eines nicht geschmierten Rades;
drohen kannst du uns nicht, denn du bist zu schwach nicht mit deinen
Kräften, sondern mit deinem Verstande. Wenn du hören willst wie, so
höre, was Plato sagt: Unter allen Leuten sind die am stärksten, die
ihren Zorn in ihrem Sinne überwältigen können. Da zeigt es sich schon,
wie ohnmächtig und kraftlos du bist, weil du deinen Eifer und diesen
Zorn gegen uns nicht überwältigen kannst; denn du zeigst an dir eine
kindische Rede und eine solche Sprache, dass du den Verstand eines
Kalbes an dir zu erkennen gibst und kindisches Gezänke zeigst du offen.
Doch das wundert uns an dir, dass du dich nicht schämst. Doch es sagt
der Weise Epikurus: Wer sich nicht zugestehen will, dass er schlecht
handelt, der lässt sich auch nicht zurechtweisen, noch will er eine
Zurechtweisung annehmen. Tkadleček, du ziehst ohne Noth den Hund am
Schweife, ohne dass du ihn kennst; hüte dich, dass er dich nicht beisse;
du streichelst ihn, während er schläft; wenn er dich fühlt, so wird er
dich beissen; hüte dich, dass er dadurch nicht in Zorn geräth. Weisst du
nicht, was der Weise Plato sagt? Aber wisse, also sprach er, dass unter
allen Unvollkommenheiten, die ein Mensch an sich hat, der grösste Jammer
mit dem ist, der gerne viel spricht und schändliche Reden führt. Es
steht geschrieben: Willst du Frieden haben, so unterhalte kein Gezänk;
willst du, dass man dich nicht schmähe, so reize ohne Noth keinen gegen
dich. Willst du ohne Unannehmlichkeit leben, so kümmere dich nicht um
das, was dich nichts angeht. Wir haben es dir schon früher eröffnet, was
wir sagen, und das höre gut, und hast du vielleicht Ohren wie ein Kalb
oder ein Esel, die sehr gross sind, mache sie gut auf und nimm immer
unsre Rede sorgfältig zu Herzen. Weder Adel, noch Reichthum, noch
Heldenmuth, noch Weisheit, noch Verrücktheit, noch irgend etwas, was auf
Erden ist und in der Welt lebt und noch leben soll, hilft etwas: alles
muss unsern Widerwärtigkeiten unterworfen sein und in unsere Macht
fallen und durch unseren Stand gezüchtigt werden; nicht alt, nicht jung,
nicht schön, nicht hässlich, nicht lieblich, nicht garstig, nicht
Kaiser nicht König, nicht Kaiserin nicht Königin, nicht deren
Herrschaften, nicht deren Kämmerer, nicht deren Hofmeister, nicht
Marschälle, nicht Schenken, nicht Vorschneider, nicht Küchenmeister,
nicht deren Städter, nicht deren Bauern: diese alle und andre
gewöhnliche und vornehme Leute, die müssen insgesammt mit der Zeit vor
uns weichen und uns freien Weg nach unsern Willen machen. Hast du je von
einem König, Kaiser, Königin oder einem solchen Menschen aus hohen oder
niedern Stande in Erfahrung gebracht, dass er ohne unsere Angriffe sei,
und wenn du dies genau erfahren hast, so lass es uns sorgfältig wissen,
und du wirst erfahren, dass wir (nicht?) getäuscht haben und nicht, dass
diese genannten mächtigen und bekannten Leute ohne unsere Anfechtung
waren. Und gewiss auch diese deine vollkommen freie, früher nicht freie,
die ist uns noch nicht entgangen. Und wie willst du denn sagen, wie du
es thust, dass all dein Gutes an ihr gelegen sei, da sie doch selbst
nicht frei ist, noch frei sein wird; denn sie kann uns, das Unglück
ebenso schnell bei sich haben, wie irgend ein Glück und gewiss noch
früher, oder als irgend ein gutes Ereignis. Lies deshalb, guter
Tkadleček, das Werk jenes Weisen Sokrates, der in seinen Büchern von
der Natur des Menschen schreibt: Ein jeder Mensch eröffnet und
verkündigt gleich bei seiner Geburt durch Weinen den Anfang seiner
Leiden, die er auf der Welt haben soll, und da er noch nichts von den
kommenden Dingen weiss, was er zu dulden hat oder was ihm begegnen wird,
so fühlt die unwissende Seele blos die Widerwärtigkeiten, die auf der
Welt sind, und diesem Menschen ist auf der Welt vielleicht Jammer und
Weinen bestimmt. Weder ein Mensch aus vornehmem noch einer aus niederem
Stande, weder Kaiser noch Bauer ist bei seiner Geburt ohne Weinen. Hör’
und sieh, was du lobst, wem du Lob zollst, sieh und merk’, wie viel
Gutes an dieser deiner Heizerin, an deiner Auserwählten ist. Weil ein
jeder Mensch, der geboren wird, gleich Anfangs bei seiner Geburt weint
und jammert und vor seinem Elende erschrickt, so irrst du dich, wenn du
etwa glaubst, dass diese deine Geliebte frei davon oder ohne Leiden war
oder ohne Noth sein wird; und wenn es ihr so gehen soll wie jedem
gewöhnlichen Menschen, was du nicht glaubst, wie soll denn dein Wohl an
ihr liegen, die selbst jammerte und weinte, vor Noth, Arbeit und
verschiedenen andern Unannehmlichkeiten auf der Welt Schrecken und
Furcht empfand, bis sie in dieselben verfiel? Und du, Tkadleček,
redest noch so viel von ihr, und schwatzest noch so viel über sie! Genug
wäre dessen, wenn sie von Gott auserwählt oder vor der Zeit zu etwas
ganz besonders Gutem bezeichnet worden wäre. Oder hältst du das für ein
Geschenk, dass sie adelig war? Höre, Tkadleček, das ist sie nicht
durch sich selbst, sondern durch die Verwandten, von denen sie abstammt.
Denn läge es an ihr, so wäre sie lieber eine Fürstin als Vladikin, und
wäre sie Fürstin, so wollte sie lieber Königin sein. Weil dies aber
nicht an ihr liegt, was ist dir denn eingefallen, dass du von ihr nicht
aufhören willst? Du sagst, sie sei reich an Ehren. Wundre dich nicht
darüber, das bewirkt die angeborne Scham, die in dem jungen Blute liegt;
warte nur, wenn du kannst, bis dieses jugendliche Blut verschwindet,
dann schwindet auch die Scham, und schwindet die Scham, so wird sie
vielleicht auch arm an Ehren. Wiederum sagst du, sie sei schön,
lieblich; und was wunderst du dich denn darüber, als ob du früher nie
derartiges gesehen oder gehört hättest. Wenn du ihr Alter abwartest,
erwartest du auch, dass auch diese Schönheit mit dem Alter vergeht, dass
all ihre Ueppigkeit verschwindet und zuletzt nichts von ihr sein wird,
ausser was in ihrem Sinne ist; das wird sie zieren, das wird in Wahrheit
Ehre und Zierde sein und wird ihr auch bleiben, zwar nicht immer, aber
solange, als ihr Sinn sein wird. Tkadleček, scheint sie auch so schön
zu sein und ist sie auch so schön, wie du sagst? Es kann sein, dass sie
wirklich so schön war, oder dass sie nur so schön zu sein schien. Höre,
was dazu Aristoteles der Weise sagt: Wenn die Leute Augen hätten wie ein
Luchs, der so scharf sieht, dass er eine Wand durchblickt, dann möchten
sie wohl inwendig diese Schönheit und Anmuth, die aussen ist oder als
Zierde aufgetragen zu sein scheint, erblicken. Aber dass die Leute
mitunter etwas für schön oder zierlich ansehen, das kommt nur daher,
dass sie es nicht auch inwendig so deutlich sehen können, wie es sein
sollte, und weil sie dies auch nicht sehen können, so irren sie sich,
und das, was so erscheint, halten sie wirklich für so. Passend sagt dazu
Aristoteles: Es ist unmöglich, das zu sein, was man nicht ist, und
anderswo sagt er: Nicht Alles ist so, wie es zu sein scheint. Schweig,
Tkadleček, rede nicht albern in deiner Rede; sehr kränkt es uns, dass
du dich unsrer Rede nicht fügen willst. Höre doch, was dazu Aristoteles
in seinen ersten Büchern Ethicorum sagt: Jeder beurtheilt das, was er
kennt, gut. Wie willst denn du gut sprechen und es gut beurtheilen, dass
sie schön, lieblich und anmuthig war, da du sie wahrlich nicht in ihrer
Schönheit erkannt hast, woher sie dieselbe hat, oder was ihre Schönheit
sei, oder woher sie gekommen und was für einen Zweck sie hat. Es betrübt
uns sehr und schwer fällt es uns, zu hören, was du von ihr sagst, was du
von ihr erzählst, anders, als du von uns hörst. Wir wollen dir etwas
sagen und du höre dies! Im alten Testamente wurden vier Personen vor
ihrer Geburt durch den Engel verkündet und deren Namen von den Engeln
angegeben, von denen uns nicht so betrübendes widerfuhr, wie wir von dir
genug misslicher Reden erfahren. Der eine, der durch den Engel verkündet
wurde, war Ismaël, der Sohn Abrahams, von dem geschrieben steht in dem
Buche Genesis im siebenzehnten Theile, der andre war Isak, von dem
geschrieben steht in dem Buche Genesis im achtzehnten Theile, der dritte
war Josias, von dem das Buch der Könige erzählt im dreiundzwanzigsten
Theile, der vierte war Samson, von dem das Buch der Richter im
vierzehnten Theile erzählt. Im neuen Testamente wurden zwei durch den
Engel vorherverkündigt: Johann, der Täufer Gottes und Jesus, von denen
im Buche des hl. Lukas im ersten Theile geschrieben ist. Und gleichwol
haben wir nicht so viele Reden von diesen Guten gehört, wie wir von dir
hören um diese deine Geliebte, die wenig und sehr wenig gilt im
Vergleiche zu jenen Guten, die auch nicht ohne irdische Anfechtung
blieben. Und weil diese nicht ohne Anfechtungen blieben, die in so
glücklicher Weise vor ihrer Ankunft auf die Welt durch einen Engel
vorher verkündet waren, wie willst denn du das erreichen und darum dich
viel und heftig bemühen, damit deine Geliebte ohne Anfechtung oder du
selbst ohne dieselben seiest, und du in ausserordentlichem Grade Gott
theilhaftig seiest. Ei, Tkadleček, du kommst uns sehr lächerlich vor
und ebenso lächerlich dein Jammer, weil du auch so kindisch mit uns
redest und gerade, als ob du im Traume oder aus Leid etwas sinnest. Aber
Leid und Wehmuth empfinden wir über dich, wohin es mit deinem
natürlichen Verstande, mit deinem gelehrten Sinne, mit deinem Witze,
deinen Beweisen und deinen Reden gekommen ist, womit du den thörichten
Sinn andrer Leute überführt hast, und du willst schon selbst dies nicht
mehr verstehen, dass du gegen dich selbst redest, dass deine Trösterin
all deine Freude, dein Trost und deine ganze Fröhlichkeit sei. Und wenn
dies auch der Fall gewesen wäre, hast du da nicht erfahren, was
Aristoteles sagt: Unter allen Dingen, die auf der Welt sind, altert
nichts früher dem Menschen als die Freude, das heisst: Unter allen
Dingen schwindet bei dem Menschen nichts früher als die Freude und
weltliche Lust. Ei sieh, was für eine Lust du gehabt hast, erwäge, was
sie gewesen ist, was ihr mit Recht widerfahren ist, das verstehe und
vergiss nicht, was daraus hätte entstehen können, was ihre Liebe
Schlimmes und Unangenehmes hätte bringen können. Sieh an die Liebe und
Milde Gottes, wie lange er Nachsicht gehabt, und erkenne selbst, worin
du gefehlt und wie du dich schon selbst vergessen hast und soweit an dir
selbst, dass du einen so thörichten, albernen und kindischen Sinn hast,
zu glauben und zu meinen, wie wir dies aus deiner Rede hören und du
sprichst und denkst, all dein Gut, deine Ehre, dein Glück, deine Lust
liege nur allein an ihr, wofür du uns so grob zuredest wie wir gehört
haben, und uns keine Ruhe geben willst. Und wenn du dies so wirklich in
deinem ganzen Sinne und Herzen glaubst, wie du es im Munde führst und
überall laut erzählst, so ist es uns wunderbar, sehr wunderbar: denn wir
können uns nicht genug darüber wundern, wohin du deinen guten und
vielseitigen Verstand gegeben oder wo du ihn gelassen. Der du so gern
und viel gelesen hast, du hast das noch nicht gelesen, da du dessen
vergessen hast. Höre, lieber Tkadleček, sage uns, warum du unter
deinen andern Reden sagst, dass diese deine Geliebte ehrenreich und
glücklich, und dass sie dazu ehrbar sei und dass sie deshalb ewig leben
sollte. Wir wundern uns wahrlich darüber, woher du das erfahren oder
gehört hast, oder was du damit meinst, dass du so viel von einer solchen
sprichst, die nichts Anderes kannte noch etwas Anderes gelernt hatte,
noch bei etwas Anderem gewesen ist, als dort wo ein Backofen, Ofen,
Kalkofen oder Herd auszubrennen oder zu heizen war.‹
Dies ist etwa der vierte Theil des C. X.
Verbesserungen und Zusätze.
S. 1 in den Lesearten Zeile 3 v. u. ist die Ziffer 13. vor _wandrent_ zu
setzen.
» » » » » » 1 » » » » » 15. zu streichen.
» 2 » » » » 2 v. o. » » » 2. vor _erden_ zu
setzen.
» » » » » » 3 » » » » » 3. vor _gewilde_ zu
setzen.
» » » » » » 10 » » » » » 7. in die vorhergehende
Zeile vor _ieglicher sch._ zu setzen.
» » » » » » 11 v. o. ist die Ziffer 8. in die vorhergehende
Zeile vor _blibent_ zu setzen.
» 3 » » » » 3 » » ist die Ziffer 3. vor _lutbar_ zu
setzen.
» 5 » » » » 7 v. u. » » » 13. in die nächste
Zeile vor _Behemer_ zu setzen.
» 6 » » » » 9 v. o. » » Ziffer 9. vor _gewerre_ zu
setzen.
» 7 » » » » 6 » » » » » 6. vor _muge_ zu
setzen.
» » » » » » 9 » » » nach _geschryen_ der Punkt zu
streichen.
» 8 » » » » 8 v. u. ist die Ziffer 14. vor _künnen_ zu
setzen.
» 11 » » » » 8 » » » nach _zergon_ ein C. zu setzen.
» » » » » » 7 » » » » _weinet_ » D. » »
» » » » » » 2 » » » statt 17. die Ziffer 18. zu
setzen.
» » » » » » 4 » » » statt _vernunftbait_ _vernunftlait_
zu setzen.
» 16 » » » » 4 v. o. » die Ziffer 3. vor _w belebent_ zu
setzen.
» » » » » » 1 v. u. » » » 21. zu streichen.
» 19 » » » » 9 v. o. » » » 9. in die vorhergehende
Zeile vor _Es ist_ ff. zu setzen.
» 30 » » » » 2 v. o. ist nach _mensch fehlt_ ein _D_ zu
setzen.
» 32 » » » » 4 v. u. soll es für _eschöpffe_ _geschöpffe_
heissen.
» 36 » » » » 6 v. o. ist nach _nacket_ ein _D_ zu setzen.
ANMERKUNGEN.
[Footnote 1: 2, 5. (vgl. 7, 13) _=iemerig=_. Zu dieser Adjectivbildung
von einem Adverbium der Zeit vgl. _nûic_ in einer Brünner Urkunde von
1328 (Rössler Rechtsdenkmäler 2, S. 404) _von gnaden ... unsers nuycgen
kunig Johans_ und ebd. _mit den nuicgen und mit den alten gesworn
schephen_. Martin.]
[Footnote 2: 2, 9. _=graw=_ (_grûwe_) sw, m. ›Grausen‹: s. Virginal
hrsg. v. Zupitza im V. Bd. des Brl. Hb. 274, 10 und Anm. ›_mich bestuont
der grœste griuwe_.‹]
[Footnote 3: 3, 1. _=ankreutung=_ zu dem st. n. _krot_ und sw. v.
_kröten_, _kroten_ (auch _kruden_) gehörig, ein md. Wort: ›Anfechtung,
Belästigung.‹]
[Footnote 4: 4, 6. _=von vogelwait ist mein pflug=_. _=pflug=_ hatte im
mhd. auch die Bedeutung ›Geschäft, Erwerb, Beruf‹, wofür die
Wörterbücher hinreichend Belege bieten. _=vogelwaide=_ war nicht blos
der Ort, wo Vögel gefangen, sondern auch der, wo sie gepflegt wurden.
Nach einer Vermuthung Prof. Martins wäre sonach die ganze Stelle in
symbolischer Bedeutung aufzufassen: ›Mein Erwerb (d. h. das, was mir den
Lebensunterhalt verschafft,) kommt von der Vogelweide‹, d. h. von der
Feder. Dafür spricht auch die entsprechende Stelle im tschechischen
Gegenstücke Cap. III: ›Ich bin ein Weber aus gelehrtem Stande, kann ohne
Holz, ohne Rahmen und ohne Eisen weben. Mein Schiffchen, mit dem ich
anzettele, ist aus =Vogelwolle=, mein Garn ist gemacht aus der Kleidung
verschiedener Thiere; der Thau, der meinen Acker befeuchtet, ist nicht
gewöhnliches Wasser, noch ungemischt, und beim Gebrauche sprenge ich ihn
herauf, herab, hin und her‹. Wenn diese Vermuthung angenommen werden
darf, so ist es um so wahrscheinlicher, dass einer der unten
nachgewiesenen =Schulrectoren= und =Notare= von Saaz der Verfasser des
Werkes sei.]
[Footnote 5: 4, 13. _=turkeltaube=_, auch _türkel-_ und _durkeltûbe_
findet sich: s. Lexer II, 1588. Dialektisch im westlichen Böhmen jetzt
fast ausschliesslich im Gebrauche.]
[Footnote 6: 5, 4 ff. Vgl. Wolframs Parzival 57, 10 ff.:
_›ir freude vant den dürren zwîc,
als noch diu turteltûbe tuot.
diu het ie den selben muot:
swenne ir an trûtscheft gebrast,
ir triwe kôs den dürren ast.‹_
]
[Footnote 7: 7, 2. _=flutend=_ vielleicht zusammenhängend mit _vlœje_,
_vlât_; also ›sauber, schön, glänzend‹?]
[Footnote 8: 8, 11 f. Evang. Matth. V, 45.]
[Footnote 9: 8, 15. _=bilbis=_ s. J. Grimm Mythologie^2 S. 441 ff.
_=zauberin=_ ebend. 990 ff.]
[Footnote 10: 9, 10. _Papenfels_ vielleicht ebenso gebraucht wie unser
Tripstrill, d. h. von einem unbekannten Orte gemeint. Man vergleiche
dazu ›_Gouchesberc_‹ Freidank 82, 9, Boner 65, 55 und ›_Affenberc_‹
Docen Misc. II, 187. Die gleich folgenden Worte sind offenbar
sprichwörtlich. Aehnliche Redensarten bei Wander (deutsches
Sprüchwörter-Lexicon Leipzig 1876) Bd. IV S. 644: Nr. 4 ›Doar fall’t kên
Spöön, se ward denn hau’t‹ (Süderdithmarschen); Nr. 7 ›Es fallen kein
spän, man haw sie denn‹. Desselben Inhaltes sind Nr. 8, 9. Vgl. auch
Zingerle die deutschen Sprichwörter im Mittelalter S. 64 unter ›Haupt‹.]
[Footnote 11: 10, 2, _=mein erenreicher valke, mein tugenthaftige
fraw=_: diese Vergleichung scheint schon MSF. 10, 17 angedeutet. Weit
häufiger ist der Falk das Bild für den geliebten Mann: s. Vollmöller,
Kürenberg 17 ffg. Martin.]
[Footnote 12: 11, 14. Matth. VIII, 22.]
[Footnote 13: 12, 5. _=engelt=_ ›Ersatz‹. Grimm Wb. III, 541 übersetzt
es mit ›_pretium_‹.]
[Footnote 14: 12, 10. _=nestlinge=_ in übertragener Bedeutung von den
Kindern: s. Sanders Wb. d. d. Sp. II^1, 429, und zu 43, 4.]
[Footnote 15: 13, 17. _=entrisch=_ s. Schmeller b. W. I, 88. Hier ist es
zusammengebracht mit ags. _ent_ Riese. Beóv. 1680, 2718, 2775 (3. Ausg.
v. M. Heyne). Schmeller I, 77 erklärt _enderische_ (_entarisch_,
_entrisch_) mit ›befremdlich, ungewöhnlich, nicht recht, nicht geheuer‹;
es liege darinn immer der Begriff des Fremden, Andern.]
[Footnote 16: 15, 13. _zuchtiger_ ›Henker, Scharfrichter.‹ Schmeller IV,
247.]
[Footnote 17: 15, 14. _=wigen=_ ein mir unbekanntes Wort, vielleicht ein
Marterwerkzeug. Dies wäre möglich, wenn es sich mit _weigan_ ›_vexare_‹
(s. Lachmann kl. Sch. 203 und Wb. III, 555^b f.) zusammenbringen
liesse.]
[Footnote 18: 17, 6. Ein bekanntes Sprichwort, das auch im Mittelalter
oft gebraucht wurde; so Hartm. Büchlein I, 496, Boner Edelstein 63, 53.
Redensartlich: ›_schaden und schande gewinnen_‹ Erec^2 6741, Iw.^3 2029.
s. Martin zur Kudrun 132, 4.]
[Footnote 19: 23, 5 ff. Zu vergleichen W. Wackernagel kl. Schr. I, 338
Anm. 130. Sollte wol eine Abbildung des Saturnus zu Grunde liegen? Man
vergleiche, was Fulgentius (in Auctores Mythographi Latini. Cajus Julius
Hyginus, Fab. Planciad. Fulgentius, Lactantius Placidus, Albricus
Philosophus. Curante Augustino van Staveren. Lugd. Bat. et Amstelaed.
1742. S. 626) sagt: ›_Saturnus Pollucis filius dicitur, Opis maritus
senior, velato capite falcem gerens..._‹ und Albricus (ebd. S. 869):
›_Saturnus pingebatur, ut homo senex, canus, prolixa barba, curvus,
tristis, et pallidus, tecto capite, colore glauco; qui una manu, sed
dextra, falcem tenebat..._‹
Noch besser würde zu der in unserem Werke gegebenen Schilderung die
Darstellung des Jupiter Dolichenus passen, wie Prof. Dr. O. Benndorf mir
freundlichst mitteilte. In Felix Hettners: De Jove Dolicheno S. 2 heisst
es: ›_Deus sic fere solet sculpi: stat in tauro dextrorsum verso
barbatus, caput vestitus pileo, lorica indutus, paludamento amictus,
ocreatus, soccatus; in sinistra tenet fulmen, in dextra elevata
bipennem; praeterea in plerisque monumentis fictae sunt aquila et
Victoria deum coronatura._‹ Ein heidnisches _bilde_, welches den _tôt_
darstellt, wird zertrümmert Wolfdietrich D (B. Hb. IV) VI, 114 ffg.]
[Footnote 20: 24, 1. Genes. II, 17.]
[Footnote 21: 24, 9. Dieses Sprichwort ist auch heute noch gang und gäbe
s. Wander III, 362 Nr. 24: ›Alter Mann, neue Mär; gelehrter Mann,
unbekannte Mär.‹]
[Footnote 22: 26, 15. _=einen lewen an dem bein namest=_: wol Anspielung
auf deutsche Sagen; s. König Rother (in Rückerts Ausgabe) 1146 ff.
Martin.]
[Footnote 23: 26, 18. _=wetlauf, den du tettest mit dem hasen=_. s.
Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm 3. Aufl. 3. Bd. S. 255 Nr. 187
›Der Hase und der Igel‹. Martin.]
[Footnote 24: 27, 7. Bekannt ist der Ausspruch Caesars, auf den hier wol
angespielt ist: ›Ἴθι ἔφη, γενναῖε, τόλμα καὶ δέδιθι μηδέν· Καίσαρα
φέρεις καὶ τὴν Καίσαρος τύχην συμπλέουσαν‹ s. Plutarchs vitae. C. Julius
Caesar Cap. XXXVIII.]
[Footnote 25: 27, 12. _=esel wefels weis getragen=_: so verbessert von
Martin, _wefelsweis_ ›in der Weise eines Webers‹.]
[Footnote 26: 27, 14. _=gluckesrad=_. s. Wackernagel: ›Das Glücksrad und
die Kugel des Glückes‹ in Haupts Ztsch. VI, 134-149. S. 138 heisst es:
›Es blieb jedoch das glücksrad nicht so innerhalb der poetischen sprache
als blosser redeschmuck und tropus stehen: es trat auch, und zwar eben
dieses von menschen erklommene und die menschen wieder abwerfende in die
lebendigc sage über: vgl. ... die erzälung von den 12 Johansen, die auf
einer glückscheibe durch die lande fahren und alles erkunden, was in der
ganzen weit geschieht‹. Dazu die Anmerkung: ›Die sage bezeichnet sie als
deutsche schüler, die jedoch im dienst eines fränkischen, d. h. wol
eines königs von Frankreich stehen, vgl. ackermann v. Böheim Cap. 18‹.]
[Footnote 27: 27, 16. Ueber die Beratung der Tugenden als Töchter Gottes
über die Erlösung vgl. Heinzel Ztsch. f. d. A. XVII, 43 ff. Martin.]
[Footnote 28: 28, 18. _=zu kurtz geschach mir=_ ›ich wurde verkürzt,
benachteiligt‹. activ: _einen ze kurz tuon_ ›einen benachteiligen,
verkürzen‹.]
[Footnote 29: 29, 8. _=es must der hamer den amposz treffen und hert
wider hert wesen.=_ Vgl. Freidank 130, 22
_der hamer und der ambôz
hânt vil herten widerstôz._
Vgl. ausserdem Kudrun 1444, 2.]
[Footnote 30: 29, 16. Offenbar _L. Annaeus Seneca_, der Philosoph, der
sich 66 n. Ch., da er wegen Teilnahme an einer Verschwörung des Piso zum
Tode verurteilt wurde, die Adern öffnete. s. Tac. Ann. XV 60 ff. Von
seinen Werken mag wol eine der zwei Trostschriften gemeint sein: _de
consolatione ad Polybium_ oder _de consolatione ad Marciam_; welche, ist
bei der Allgemeinheit der Stelle nicht zu entscheiden.]
[Footnote 31: 29, 20. Aehnlich Wander I, 80 Nr. 21: ›Anfang und Ende
reichen einander die Hände‹.]
[Footnote 32: 30, 9. s. Wander IV, 832 Nr. 46: ›Sobald ein Mensch
geboren, ist er alt genug zu sterben‹. (Aus Petri ›der teutschen
Weissheit‹ Hamburg. 1605. Bd. II.)]
[Footnote 33: 30, 13 f. Aehnliche Sprichwörter bei Wander I, 382 Nr. 33
›Reife Birnen fallen gern in den Koth‹ (geschöpft aus dem Florilegium
Politicum von Christophorus Lehmann 1630.) Lehm. II, 535, 30. Eiselein
(Sprichwörter und Sinnreden des deutschen Volkes 1840) 78. Nr. 36: ›Wenn
de Bire ruip es, fällt se meir up’n Dreck, osse up’t Regne‹. (Regne =
Reine); (Lippe). Firmenich (Germaniens Völkerstimmen. Berlin 1843 ff.)
I, 267. Nr. 37: ›Wenn dei Beer riep is, föllt sei ihre in’n Dreck, as
up’n Rosenbladt‹. (Mecklenburg). Nr. 48: ›Zeitige birn fallen zuletz in
koth‹. Henisch (Teutsche Sprach und Weissheit 1616) 392.]
[Footnote 34: 30, 14. _=reisend=_: ›von selbst abfallend‹ (in Folge
ihrer Reife.)]
[Footnote 35: 30, 19. _=Hermes=_ offenbar _H._ genannt _Trismegistos_:
s. Paulys Realencyclopädie der klass. Alterthumswissenschaft III, 1209
ff. und Preller griech. Mythol.^3 S. 340 und Anm. 3.]
[Footnote 36: 32, 8. Der Sinn ist: ›Wie die Gans gedankenlos schnattert,
so hast auch du keine Richtschnur (_fadenricht_) für deine Gedanken,
sprichst Thörichtes‹.]
[Footnote 37: 34, 5. Vielleicht mit _Cab pickel_ ›Spitzhacke‹? Martin.]
[Footnote 38: 36, 6. Psalm L, 7 B.]
[Footnote 39: 36, 15. _=leschkruk=_: wol mit Bezug auf das viele
Trinken.]
[Footnote 40: 37, 2. _=swelckend=_. Mundartlich im westlichen Böhmen
noch heute für ›verwelkend‹.]
[Footnote 41: 37, 18. _=sussen=_ ›mit seinen Freundlichkeiten‹: man
erwartete den Dat. Sing.]
[Footnote 42: 38, 10. _=schretlein=_: s. Schmeller III, 519. In Haupts
Zeitsch. VI, 174 Vers 187 wird es beschrieben:
_›daz was kûm drîer spannen lanc
gein dem fiur ez vaste spranc,
ez was gar eislich getân
und het ein rôtez keppel an‹._
]
[Footnote 43: 38, 11. _=clagmuter=_: s. Schmeller II, 355.
›_Klagmuetter_, das klagweiblein, die Stimme des Käuzleins, welche von
Abergläubischen als Verkünderinn eines Todfalles gefürchtet wird.‹ =vgl.
Mythol.^1= S. 660.]
[Footnote 44: 38, 14. Genes. I, 26.]
[Footnote 45: 39, 1. _=durchnechtigclichen=_: s. Schmeller I, 393.
›vollkommen, gänzlich‹.]
[Footnote 46: 40, 8. In unserem Werke werden ein und zwanzig freie
Künste angeführt: _Gramatica_, _Rhetorica_, _Loica_, _Geometria_,
_Arismetrica_, _Astronomia_, _Musica_, _Philosophia_, _Physica_,
_Geomancia_, _Pyromancia_, _Ydromancia_, _Astrologia_, _Geromancia_,
_Nigromancia_, _Notenkunst_, die des _Augur_, des _Aruspex_,
_Pedomancia_, _Ornamancia_ und die des _Juristen_. Die freien Künste hat
Heinrich von Mügeln (s. Schröer, die Dichtungen Heinrichs von Mügeln in
den Wiener Sitzungsberichten Bd. LV. S. 474 f.) mehr als einmal
behandelt. In einem kleinen Gedichte von sieben Strophen behandelt er
sieben Künste: 1. _gramatica_, 2. _logica_, 3. _rhetorica_, 4.
_arithmetika_, 5. _geometria_, 6. _musica_, 7. _astronomia_. In der
Maide Kranz kommen ausser der _philosophia_ noch vier dazu: 9.
_physica_, 10. _alchimia_, 11. _metaphisica_, 12. _theologia_. In einem
spätern Gedichte von fünfzehn Strophen wächst die Zahl auf fünfzehn,
wobei sich auch theilweise die Aufeinanderfolge ändert. Als achte tritt
zu den erstgenannten sieben: _alchamia_, 9. _philosophia_, 10. _die
Lehre der perspectiven_, 11. _phisica_, 12. _theologia_, 13.
_nigromancia_, 14. _pyromancia_, 15. _geomancia_. Im tschechischen
Gegenstücke zum Ackermann werden zwei und zwanzig Künste aufgezählt:
_Grammatica_, _Rhetorica_, _Logika_, _Geometria_, _Arithmetika_,
_Astronomia_, _Musika_, _Philosophia_, _Phisica_, _Geomancia_,
_Pyromancia_, _Baromancia_, _Astrologia_, _Chiromancia_, _Nigromancia_,
_Alchimia_, _Neroka_, _Auguria_, _Auspicium_, _Gedomancia_, _Ornomancia_
und _Jura_. Die Form _Arismetrica_ begegnet öfters, u. a. bei Heinrich
v. Mügeln in der Hs. M.]
[Footnote 47: 41, 18. _=vogelgederme=_ ist nur ein Ersatz für die
unverständlichen Worte der Hss. Man würde, nach dem tschechischen Werke
zu schliessen, ein Wort erwarten, das Hahn oder Geier bezeichnet. Hier
heisst es nämlich I 93: ›Ornamancia, die angestellt wurde an den
Eingeweiden des Auerhahnes und Hühnergeiers‹.]
[Footnote 48: 42, 6. _=geuknecht=_: s. Schmeller II S. 2. _gäu_ ›Land‹,
bes. ›das flache Land‹. Angeführt wird: _gäubauern_ ›Bauern der Ebene‹,
_gäumann_ ›landmann‹, _gäuleute_ ›Landleute‹.]
[Footnote 49: 43, 4. _=nest=_ ›das Lager, Bett, Ehebett‹, s. zu 12, 10.]
[Footnote 50: 43, 12. Ein im Mittelalter oft gebrauchtes Sprichwort; so
in Freidank 101, 7 ›_ez enist kein huote alsô guot sô da’s ein wîp ir
selber tuot_‹. Vgl. Zingerle a. a. O. S. 36 f.]
[Footnote 51: 44, 18. _=widerpurren=_ sw. v. (simplex: _bürn_, _burn_
oder _burren_) ›sich wider Jemanden erheben, sich entgegensetzen‹.]
[Footnote 52: 45, 2. _=werewort=_ ›Vertheidigungsworte‹.]
[Footnote 53: 45, 14. _=muffeln=_ wol hier gleich muffen ›murren,
brummen‹, s. Schmeller III, 554; vgl. Wb. 2, 274^a.]
[Footnote 54: 47, 15. _=hauptman von berge=_: s. W. Wackernagel kl.
Schr. I, 307 Anm. 6 und Grimm Mythol. S. 807; beide geben auch nur
Vermuthungen über den Sinn des Ausdrucks.]
[Footnote 55: 48, 3. Epist. B. Joannis Apostoli I, 2, 16.]
[Footnote 56: 48, 14. Vgl. Hagen MS. III, 452^a: _die snüere müezen
brechen wol, swâ der esel klenket gîgendœne_; vgl. auch Strauch, der
Marner S. 160 Anm. zu Z. 4 f. und ferner Carm. Bur. S. 40 _Brunelli
chordas incitant_. Afrz. Flore ed. Bekker v. 812 _et les asnes faisoit
harper_. Bildlich dargestellt auf dem bekannten Portal zu Verona, wovon
andere Stücke in der Z. f. d. A. XII, 331 beschrieben sind.
Missverstanden aus dem griechischen: ὄνος πρὸς λύραν von einem
gegen jede Musenkunst unempfindlichen Menschen. Martin.]
[Footnote 57: 49, 1. _=Der starke Boppe.=_ Wackernagels Vermutung
(Zeitsch. VIII, 349), dass der öfters vorkommende Beiname =der starke=
von dem Baseler Dichter Boppe, dessen Sprüche in die siebziger und
achtziger Jahre des dreizehnten Jahrhunderts fallen, herrühre, steht in
Widerspruch gegen eine von Haupt (ebd. III, 239) angeführte Stelle in
den lat. Predigten Bruder Bertholds, der bekanntlich 1272 starb und von
Boppe in Ausdrücken spricht, die annehmen lassen, dass dieser früher
gelebt habe. Sie stützt sich auf die Colmaer Annalen, die um 1270 einen
Baseler des Namens, ohne ihn indessen als Dichter zu bezeichnen, seiner
Stärke wegen rühmen, in Ausdrücken, die dem Epos entnommen sind: s.
meine Anm. zur Kudrun 106, 1. So möchte doch wol auch der erste Träger
des Beinamens vielmehr einer Zeit angehören, die auch sonst historische
Persönlichkeiten sagenhaft verherrlicht hat. Mon. Germ. St. 6, 203 sagt
Eckehard von Ursperg: _ex parte quoque regis Heinrici Poppo_ (_de
Henneberg_ fügt die Anm. des Herausgebers hinzu) _=vir mire fortis=
occubuit_: in dem Treffen zwischen Heinrich und dem Gegenkönige Rudolf
bei Strowi am 7. Aug. 1078. Wie dieser Poppo VIII. hatte auch Poppo XIII.
den Beinamen _fortis_: v. d. Hagen MS. 4, 62. Es wird sich mit dem Namen
der Beiname ebenso eng verbunden und zusammen vererbt haben, wie
_Dietrich der mære helt_: s. Uhland in Pfeiffers Germ. 1, 306. Martin.]
[Footnote 58: 50, 4. _=krochen=_, vielleicht _kroten_? oder sollte es
reimen mit dem folgenden _gerochen_? _krachen_ mit _B_ gegen _Aab_
einzusetzen, zumal auch _C_ ein _o_ hat, schien voreilig.]
[Footnote 59: 50, 14. Aus Platos Phaedon Cap. XVI: s. die Abhandlung.]
[Footnote 60: 52, 12. Ecclesiastes IX, 12.]
[Footnote 61: 54, 1. ff. ist wol als Interpolation anzusehen, trotzdem
sich diese Stelle in drei Hss. (_ABD_) findet. Die ganze Stelle zeigt
nämlich eine auffallende Aehnlichkeit mit der Bibelstelle Ecclesiastes
II, 4 ff. Der Schreiber der gemeinsamen Vorlage mochte diese am Rande
als Erläuterung des Vorangehenden eingetragen haben, und von hier mag
sie in den Text gekommen sein.]
[Footnote 62: 54, 20. gewaltiger herschaft ›durch Vollmacht erlangter,
precärer‹? M.]