Die ganze Welt war mir außer Narzissen tot, nichts hatte außer ihm
einen Reiz für mich. Selbst meine Liebe zum Putz hatte nur den Zweck,
ihm zu gefallen; wußte ich, daß er mich nicht sah, so konnte ich keine
Sorgfalt darauf wenden. Ich tanzte gern; wenn er aber nicht dabei war,
so schien mir, als wenn ich die Bewegung nicht vertragen könnte. Auf
ein brillantes Fest, bei dem er nicht zugegen war, konnte ich mir
weder etwas Neues anschaffen noch das Alte der Mode gemäß aufstutzen.
Einer war mir so lieb als der andere, doch möchte ich lieber sagen:
einer so lästig als der andere. Ich glaubte meinen Abend recht gut
zugebracht zu haben, wenn ich mir mit ältern Personen ein Spiel
ausmachen konnte, wozu ich sonst nicht die mindeste Lust hatte, und
wenn ein alter, guter Freund mich etwa scherzhaft darüber aufzog,
lächelte ich vielleicht das erstemal den ganzen Abend. So ging es mit
Promenaden und allen gesellschaftlichen Vergnügungen, die sich nur
denken lassen:
Ich hatt ihn einzig mir erkoren; Ich schien mir nur für ihn geboren,
Begehrte nichts als seine Gunst.
So war ich oft in der Gesellschaft einsam, und die völlige Einsamkeit
war mir meistens lieber. Allein mein geschäftiger Geist konnte weder
schlafen noch träumen; ich fühlte und dachte und erlangte nach und
nach eine Fertigkeit, von meinen Empfindungen und Gedanken mit Gott zu
reden. Da entwickelten sich Empfindungen anderer Art in meiner Seele,
die jenen nicht widersprachen. Denn meine Liebe zu Narziß war dem
ganzen Schöpfungsplane gemäß und stieß nirgend gegen meine Pflichten
an. Sie widersprachen sich nicht und waren doch unendlich verschieden.
Narziß war das einzige Bild, das mir vorschwebte, auf das sich meine
ganze Liebe bezog; aber das andere Gefühl bezog sich auf kein Bild und
war unaussprechlich angenehm. Ich habe es nicht mehr und kann es mir
nicht mehr geben.
Mein Geliebter, der sonst alle meine Geheimnisse wußte, erfuhr nichts
hiervon. Ich merkte bald, daß er anders dachte; er gab mir öfters
Schriften, die alles, was man Zusammenhang mit dem Unsichtbaren heißen
kann, mit leichten und schweren Waffen bestritten. Ich las die Bücher,
weil sie von ihm kamen, und wußte am Ende kein Wort von allem dem,
was darin gestanden hatte.
über Wissenschaften und Kenntnisse ging es auch nicht ohne Widerspruch
ab; er machte es wie alle Männer, spottete über gelehrte Frauen und
bildete unaufhörlich an mir. über alle Gegenstände, die
Rechtsgelehrsamkeit ausgenommen, pflegte er mit mir zu sprechen, und
indem er mir Schriften von allerlei Art beständig zubrachte,
wiederholte er oft die bedenkliche Lehre: daß ein Frauenzimmer sein
Wissen heimlicher halten müsse als der Kalvinist seinen Glauben im
katholischen Lande; und indem ich wirklich auf eine ganz natürliche
Weise vor der Welt mich nicht klüger und unterrichteter als sonst zu
zeigen pflegte, war er der erste, der gelegentlich der Eitelkeit nicht
widerstehen konnte, von meinen Vorzügen zu sprechen.
Ein berühmter und damals wegen seines Einflusses, seiner Talente und
seines Geistes sehr geschätzter Weltmann fand an unserm Hofe großen
Beifall. Er zeichnete Narzissen besonders aus und hatte ihn beständig
um sich. Sie stritten auch über die Tugend der Frauen. Narziß
vertraute mir weitläufig ihre Unterredung; ich blieb mit meinen
Anmerkungen nicht dahinten, und mein Freund verlangte von mir einen
schriftlichen Aufsatz. Ich schrieb ziemlich geläufig Französisch: ich
hatte bei meinem Alten einen guten Grund gelegt. Die Korrespondenz
mit meinem Freunde war in dieser Sprache geführt, und eine feinere
Bildung konnte man überhaupt damals nur aus französischen Büchern
nehmen. Mein Aufsatz hatte dem Grafen gefallen; ich mußte einige
kleine Lieder hergeben, die ich vor kurzem gedichtet hatte. Genug,
Narziß schien sich auf seine Geliebte ohne Rückhalt etwas zugute zu
tun, und die Geschichte endigte zu seiner großen Zufriedenheit mit
einer geistreichen Epistel in französischen Versen, die ihm der Graf
bei seiner Abreise zusandte, worin ihres freundschaftlichen Streites
gedacht war und mein Freund am Ende glücklich gepriesen wurde, daß er,
nach so manchen Zweifeln und Irrtümern, in den Armen einer reizenden
und tugendhaften Gattin, was Tugend sei, am sichersten erfahren würde.
Dieses Gedicht ward mir vor allen und dann aber auch fast jedermann
gezeigt, und jeder dachte dabei, was er wollte. So ging es in
mehreren Fällen, und so mußten alle Fremden, die er schätzte, in
unserm Hause bekannt werden.
Eine gräfliche Familie hielt sich wegen unsres geschickten Arztes eine
Zeitlang hier auf. Auch in diesem Hause war Narziß wie ein Sohn
gehalten; er führte mich daselbst ein, man fand bei diesen würdigen
Personen eine angenehme Unterhaltung für Geist und Herz, und selbst
die gewöhnlichen Zeitvertreibe der Gesellschaft schienen in diesem
Hause nicht so leer wie anderwärts. Jedermann wußte, wie wir zusammen
standen; man behandelte uns, wie es die Umstände mit sich brachten,
und ließ das Hauptverhältnis unberührt. Ich erwähne dieser einen
Bekanntschaft, weil sie in der Folge meines Lebens manchen Einfluß auf
mich hatte.
Nun war fast ein Jahr unserer Verbindung verstrichen, und mit ihm war
auch unser Frühling dahin. Der Sommer kam, und alles wurde
ernsthafter und heißer.
Durch einige unerwartete Todesfälle waren ämter erledigt, auf die
Narziß Anspruch machen konnte. Der Augenblick war nahe, in dem sich
mein ganzes Schicksal entscheiden sollte, und indes Narziß und alle
Freunde sich bei Hofe die möglichste Mühe gaben, gewisse Eindrücke,
die ihm ungünstig waren, zu vertilgen und ihm den erwünschten Platz zu
verschaffen, wendete ich mich mit meinem Anliegen zu dem unsichtbaren
Freunde. Ich ward so freundlich aufgenommen, daß ich gern wiederkam.
Ganz frei gestand ich meinen Wunsch, Narziß möchte zu der Stelle
gelangen; allein meine Bitte war nicht ungestüm, und ich forderte
nicht, daß es um meines Gebets willen geschehen sollte.
Die Stelle ward durch einen viel geringern Konkurrenten besetzt. Ich
erschrak heftig über die Zeitung und eilte in mein Zimmer, das ich
fest hinter mir zumachte. Der erste Schmerz löste sich in Tränen auf;
der nächste Gedanke war: Es ist aber doch nicht von ungefähr geschehen,
und sogleich folgte die Entschließung, es mir recht wohl gefallen zu
lassen, weil auch dieses anscheinende übel zu meinem wahren Besten
gereichen würde. Nun drangen die sanftesten Empfindungen, die alle
Wolken des Kummers zerteilten, herbei; ich fühlte, daß sich mit dieser
Hülfe alles ausstehen ließ. Ich ging heiter zu Tische, zum Erstaunen
meiner Hausgenossen.
Narziß hatte weniger Kraft als ich, und ich mußte ihn trösten. Auch
in seiner Familie begegneten ihm Widerwärtigkeiten, die ihn sehr
drückten, und bei dem wahren Vertrauen, das unter uns statthatte,
vertraute er mir alles. Seine Negoziationen, in fremde Dienste zu
gehen, waren auch nicht glücklicher; alles fühlte ich tief um seinet-
und meinetwillen, und alles trug ich zuletzt an den Ort, wo mein
Anliegen so wohl aufgenommen wurde.
Je sanfter diese Erfahrungen waren, desto öfter suchte ich sie zu
erneuern und den Trost immer da, wo ich ihn so oft gefunden hatte;
allein ich fand ihn nicht immer: es war mir wie einem, der sich an der
Sonne wärmen will und dem etwas im Wege steht, das Schatten macht.
"Was ist das?" fragte ich mich selbst. Ich spürte der Sache eifrig
nach und bemerkte deutlich, daß alles von der Beschaffenheit meiner
Seele abhing; wenn die nicht ganz in der geradesten Richtung zu Gott
gekehrt war, so blieb ich kalt; ich fühlte seine Rückwirkung nicht und
konnte seine Antwort nicht vernehmen. Nun war die zweite Frage: Was
verhindert diese Richtung? Hier war ich in einem weiten Feld und
verwickelte mich in eine Untersuchung, die beinahe das ganze zweite
Jahr meiner Liebesgeschichte fortdauerte. Ich hätte sie früher
endigen können, denn ich kam bald auf die Spur; aber ich wollte es
nicht gestehen und suchte tausend Ausflüchte.
Ich fand sehr bald, daß die gerade Richtung meiner Seele durch
törichte Zerstreuung und Beschäftigung mit unwürdigen Sachen gestört
werde; das Wie und Wo war mir bald klar genug. Nun aber wie
herauskommen in einer Welt, wo alles gleichgültig oder toll ist? Gern
hätte ich die Sache an ihren Ort gestellt sein lassen und hätte auf
Geratewohl hingelebt wie andere Leute auch, die ich ganz wohlauf sah;
allein ich durfte nicht: mein Inneres widersprach mir zu oft. Wollte
ich mich der Gesellschaft entziehen und meine Verhältnisse verändern,
so konnte ich nicht. Ich war nun einmal in einen Kreis hineingesperrt;
gewisse Verbindungen konnte ich nicht loswerden, und in der mir so
angelegenen Sache drängten und häuften sich die Fatalitäten. Ich
legte mich oft mit Tränen zu Bette und stand nach einer schlaflosen
Nacht auch wieder so auf; ich bedurfte einer kräftigen Unterstützung,
und die verlieh mir Gott nicht, wenn ich mit der Schellenkappe
herumlief.
Nun ging es an ein Abwiegen aller und jeder Handlungen; Tanzen und
Spielen wurden am ersten in Untersuchung genommen. Nie ist etwas für
oder gegen diese Dinge geredet, gedacht oder geschrieben worden, das
ich nicht aufsuchte, besprach, las, erwog, vermehrte, verwarf und mich
unerhört herumplagte. Unterließ ich diese Dinge, so war ich gewiß,
Narzissen zu beleidigen; denn er fürchtete sich äußerst vor dem
Lächerlichen, das uns der Anschein ängstlicher Gewissenhaftigkeit vor
der Welt gibt. Weil ich nun das, was ich für Torheit, für schädliche
Torheit hielt, nicht einmal aus Geschmack, sondern bloß um
seinetwillen tat, so wurde mir alles entsetzlich schwer.
Ohne unangenehme Weitläufigkeiten und Wiederholungen würde ich die
Bemühungen nicht darstellen können, welche ich anwendete, um jene
Handlungen, die mich nun einmal zerstreuten und meinen innern Frieden
störten, so zu verrichten, daß dabei mein Herz für die Einwirkungen
des unsichtbaren Wesens offenblieben und wie schmerzlich ich empfinden
mußte, daß der Streit auf diese Weise nicht beigelegt werden könne.
Denn sobald ich mich in das Gewand der Torheit kleidete, blieb es
nicht bloß bei der Maske, sondern die Narrheit durchdrang mich
sogleich durch und durch.
Darf ich hier das Gesetz einer bloß historischen Darstellung
überschreiten und einige Betrachtungen über dasjenige machen, was in
mir vorging? Was konnte das sein, das meinen Geschmack und meine
Sinnesart so änderte, daß ich im zweiundzwanzigsten Jahre, ja früher,
kein Vergnügen an Dingen fand, die Leute von diesem Alter unschuldig
belustigen können? Warum waren sie mir nicht unschuldig? Ich darf
wohl antworten: eben weil sie mir nicht unschuldig waren, weil ich
nicht wie andre meinesgleichen unbekannt mit meiner Seele war. Nein,
ich wußte aus Erfahrungen, die ich ungesucht erlangt hatte, daß es
höhere Empfindungen gebe, die uns ein Vergnügen wahrhaftig gewährten,
das man vergebens bei Lustbarkeiten sucht, und daß in diesen höhern
Freuden zugleich ein geheimer Schatz zur Stärkung im Unglück
aufbewahrt sei.
Aber die geselligen Vergnügungen und Zerstreuungen der Jugend mußten
doch notwendig einen starken Reiz für mich haben, weil es mir nicht
möglich war, sie zu tun, als täte ich sie nicht. Wie manches könnte
ich jetzt mit großer Kälte tun, wenn ich nur wollte, was mich damals
irremachte, ja Meister über mich zu werden drohte. Hier konnte kein
Mittelweg gehalten werden: ich mußte entweder die reizenden
Vergnügungen oder die erquickenden innerlichen Empfindungen entbehren.
Aber schon war der Streit in meiner Seele ohne mein eigentliches
Bewußtsein entschieden. Wenn auch etwas in mir war, das sich nach den
sinnlichen Freuden hinsehnte, so konnte ich sie doch nicht mehr
genießen. Wer den Wein noch so sehr liebt, dem wird alle Lust zum
Trinken vergehen, wenn er sich bei vollen Fässern in einem Keller
befände, in welchem die verdorbene Luft ihn zu ersticken drohte.
Reine Luft ist mehr als Wein, das fühlte ich nur zu lebhaft, und es
hätte gleich von Anfang an wenig überlegung bei mir gekostet, das Gute
dem Reizenden vorzuziehen, wenn mich die Furcht, Narzissens Gunst zu
verlieren, nicht abgehalten hätte. Aber da ich endlich nach
tausendfältigem Streit, nach immer wiederholter Betrachtung auch
scharfe Blicke auf das Band warf, das mich an ihm festhielt, entdeckte
ich, daß es nur schwach war, daß es sich zerreißen lasse. Ich
erkannte auf einmal, daß es nur eine Glasglocke sei, die mich in den
luftleeren Raum sperrte; nur noch so viel Kraft, sie entzweizuschlagen,
und du bist gerettet!
Gedacht, gewagt. Ich zog die Maske ab und handelte jedesmal, wie
mir's ums Herz war. Narzissen hatte ich immer zärtlich lieb; aber das
Thermometer, das vorher im heißen Wasser gestanden, hing nun an der
natürlichen Luft; es konnte nicht höher steigen, als die Atmosphäre
warm war.
Unglücklicherweise erkältete sie sich sehr. Narziß fing an, sich
zurückzuziehen und fremd zu tun; das stand ihm frei; aber mein
Thermometer fiel, so wie er sich zurückzog. Meine Familie bemerkte es,
man befragte mich, man wollte sich verwundern. Ich erklärte mit
männlichem Trotz, daß ich mich bisher genug aufgeopfert habe, daß ich
bereit sei, noch ferner und bis ans Ende meines Lebens alle
Widerwärtigkeiten mit ihm zu teilen; daß ich aber für meine Handlungen
völlige Freiheit verlange, daß mein Tun und Lassen von meiner
überzeugung abhängen müsse; daß ich zwar niemals eigensinnig auf
meiner Meinung beharren, vielmehr jede Gründe gerne anhören wolle,
aber da es mein eignes Glück betreffe, müsse die Entscheidung von mir
abhängen, und keine Art von Zwang würde ich dulden. Sowenig das
Räsonnement des größten Arztes mich bewegen würde, eine sonst
vielleicht ganz gesunde und von vielen sehr geliebte Speise zu mir zu
nehmen, sobald mir meine Erfahrung bewiesen daß sie mir jederzeit
schädlich sei, wie ich den Gebrauch des Kaffees zum Beispiel anführen
könnte, sowenig und noch viel weniger würde ich mir irgend eine
Handlung, die mich verwirrte, als für mich moralisch zuträglich
aufdemonstrieren lassen.
Da ich mich so lange im stillen vorbereitet hatte, so waren mir die
Debatten hierüber eher angenehm als verdrießlich. Ich machte meinem
Herzen Luft und fühlte den ganzen Wert meines Entschlusses. Ich wich
nicht ein Haar breit, und wem ich nicht kindlichen Respekt schuldig
war, der wurde derb abgefertigt. In meinem Hause siegte ich bald.
Meine Mutter hatte von Jugend auf ähnliche Gesinnungen, nur waren sie
bei ihr nicht zur Reife gediehen; keine Not hatte sie gedrängt und den
Mut, ihre überzeugung durchzusetzen, erhöht. Sie freute sich, durch
mich ihre stillen Wünsche erfüllt zu sehen. Die jüngere Schwester
schien sich an mich anzuschließen; die zweite war aufmerksam und still.
Die Tante hatte am meisten einzuwenden. Die Gründe, die sie
vorbrachte, schienen ihr unwiderleglich und waren es auch, weil sie
ganz gemein waren. Ich war endlich genötigt, ihr zu zeigen, daß sie
in keinem Sinne eine Stimme in dieser Sache habe, und sie ließ nur
selten merken, daß sie auf ihrem Sinne verharre. Auch war sie die
einzige, die diese Begebenheit von nahem ansah und ganz ohne
Empfindung blieb. Ich tue ihr nicht zuviel, wenn ich sage, daß sie
kein Gemüt und die eingeschränktesten Begriffe hatte.
Der Vater benahm sich ganz seiner Denkart gemäß. Er sprach weniges,
aber öfter mit mir über die Sache, und seine Gründe waren verständig
und als seine Gründe unwiderleglich; nur das tiefe Gefühl meines
Rechts gab mir Stärke, gegen ihn zu disputieren. Aber bald
veränderten sich die Szenen; ich mußte an sein Herz Anspruch machen.
Gedrängt von seinem Verstande, brach ich in die affektvollsten
Vorstellungen aus. Ich ließ meiner Zunge und meinen Tränen freien
Lauf. Ich zeigte ihm, wie sehr ich Narzissen liebte und welchen Zwang
ich mir seit zwei Jahren angetan hatte, wie gewiß ich sei, daß ich
recht handle, daß ich bereit sei, diese Gewißheit mit dem Verlust des
geliebten Bräutigams und anscheinenden Glücks, ja wenn es nötig wäre,
mit Hab und Gut zu versiegeln; daß ich lieber mein Vaterland, Eltern
und Freunde verlassen und mein Brot in der Fremde verdienen als gegen
meine Einsichten handeln wolle. Er verbarg seine Rührung, schwieg
einige Zeit stille und erklärte sich endlich öffentlich für mich.
Narziß vermied seit jener Zeit unser Haus, und nun gab mein Vater die
wöchentliche Gesellschaft auf, in der sich dieser befand. Die Sache
machte Aufsehn bei Hofe und in der Stadt. Man sprach darüber wie
gewöhnlich in solchen Fällen, an denen das Publikum heftigen Teil zu
nehmen pflegt, weil es verwöhnt ist, auf die Entschließungen schwacher
Gemüter einigen Einfluß zu haben. Ich kannte die Welt genug und wußte,
daß man oft von ebenden Personen über das getadelt wird, wozu man
sich durch sie hat bereden lassen, und auch ohne das würden mir bei
meiner innern Verfassung alle solche vorübergehende Meinungen weniger
als nichts gewesen sein.