VIII.

Wie gewöhnlich, erwachte Herr Goljädkin am anderen Tage um acht Uhr.

Sofort erinnerte er sich aller Begebenheiten des vergangenen Abends –

erinnerte sich, und sein Gesicht wurde finster. „Habe ich mich aber

gestern wie ein Dummkopf benommen!“ dachte er, erhob sich ein wenig und

sah zu dem Bette seines Gastes hinüber. Doch wie groß war sein

Erstaunen, als er weder den Gast noch das Bett im Zimmer erblickte! „Was

hat denn das zu bedeuten?“ hätte Goljädkin beinahe laut aufgeschrien.

„Was soll denn das heißen? Was hat denn das wieder zu bedeuten?“

Während Herr Goljädkin, ohne etwas zu begreifen, mit offenem Munde auf

die leere Stelle starrte, öffnete sich die Tür und Petruschka trat mit

dem Teebrett ins Zimmer.

„Wo ist er, wo ist er?“ brachte unser Held mit kaum hörbarer Stimme

hervor und wies mit dem Finger auf die leere Stelle.

Zuerst antwortete ihm Petruschka gar nicht, er sah nicht einmal seinen

Herrn an, sondern wandte seine Augen nur stumm in die rechte Ecke des

Zimmers, so daß Herr Goljädkin auch gezwungen wurde, rechts in die Ecke

zu sehen. Erst nach einigem Schweigen erwiderte Petruschka mit rauher

und grober Stimme: „Der Herr ist nicht zu Haus.“

„Du Dummkopf, ich bin doch dein Herr, Petruschka!“ sagte Herr Goljädkin

ratlos und starrte seinen Diener mit großen Augen an.

Petruschka schwieg, doch blickte er Herrn Goljädkin in einer Weise an,

daß dieser bis über die Ohren errötete. In seinem Blick lag ein so

beleidigender Vorwurf, der Schimpfworten gleich war. Herr Goljädkin ließ

die Hände sinken und sagte kein Wort.

Endlich bemerkte Petruschka, der _andere_ sei vor anderthalb Stunden

bereits ausgegangen und habe nicht mehr warten wollen. Die Auskunft

klang sehr wahrscheinlich und glaubwürdig; offenbar belog ihn Petruschka

nicht, denn was seinen beleidigenden Blick und die Bezeichnung _der

andere_ anbetraf, so waren diese wohl durch einen unangenehmen Umstand

veranlaßt worden. Herr Goljädkin begriff denn auch, wenn auch nur

dunkel, daß hier etwas nicht in Ordnung war, und daß das Schicksal ihm

etwas vorzubehalten schien, das nicht angenehm war.

„Gut, wir werden sehen,“ dachte er bei sich, „wir werden sehen und

werden daran glauben müssen ... Ach, du grundgütiger Gott!“ stöhnte er

plötzlich mit ganz veränderter Stimme, „oh, warum habe ich ihn

aufgefordert, weshalb habe ich das alles getan? Ich habe selbst den Kopf

in die Schlinge gelegt, und habe mir dazu noch die Schlinge mit eigenen

Händen gedreht. Ach, du Dummkopf, du Dummkopf! Und du konntest auch

nichts anderes tun, als dich verplappern wie ein kleiner Junge, wie

irgend so ein Kanzlist, wie ein rangloser Lump, wie ein weicher Lappen,

ein verfaulter Lumpen, du Schwätzer, du! ...

Ach, ihr meine Heiligen! Gedichte hat der Schelm gemacht, von seiner

Liebe zu mir gesprochen! Wie ist das nur alles möglich gewesen ... Wie

kann ich diesem Lumpen nun auf anständige Weise die Tür weisen, wenn er

zurückkommen sollte? Versteht sich, es gibt ja verschiedene

Möglichkeiten: So und so, bei meinem geringen Gehalt ... oder, man kann

ihm auch Furcht einjagen, kann sagen, aus Rücksicht auf dieses und jenes

sei ich genötigt, ihm zu erklären ... das heißt, er solle die Hälfte für

Wohnung und Kost bezahlen und das Geld im voraus abgeben! Hm! Zum

Teufel, nein, das wäre gemein. Nicht zartfühlend genug! Oder, wäre es

nicht vielleicht besser, Petruschka auf ihn loszulassen, so daß der es

ihm einsalzte, ihn vernachlässigte und angrobte? um ihn auf diese Art

los zu werden?! Man müßte sie aufeinanderhetzen ... Nein, zum Teufel

auch, nein! Das wäre gefährlich, und dann auch, von dem Standpunkte aus

betrachtet ... nun, durchaus nicht schön! Durchaus, durchaus nicht

schön! Aber, wenn er jetzt nun gar nicht wiederkommt? Auch das wäre

nicht angenehm. Habe mich doch gestern abend so verplappert! ... Das ist

schlimm, wirklich schlimm! Ach, das ist eine schöne Geschichte, oh, ich

Dummkopf! Kannst du nicht endlich lernen, wie du dich zu benehmen hast,

kannst du dich nicht endlich beherrschen! Nun, wenn er jetzt kommt und

absagt? Gebe Gott, daß er kommt! Ich wäre ja selig, wenn er nur käme

...“

So philosophierte Herr Goljädkin, trank dabei seinen Tee und sah nach

der Wanduhr.

„Es ist bereits drei Viertel auf neun, ... es ist Zeit, zu gehen. Aber

was wird nun werden! Was wird geschehen? Ich würde gar zu gern wissen,

was wohl eigentlich dahintersteckt ... – wozu alle diese Ränke und

Intrigen dienen sollen? Es wäre gut, zu wissen, was eigentlich alle

diese Leute denken und welche Schritte sie tun wollen ...“

Herr Goljädkin konnte sich vor Ungeduld nicht mehr beherrschen, er warf

die Pfeife fort, zog sich an und begab sich in das Departement – mit dem

Wunsche, wenn möglich, die Gefahr selbst aufzusuchen und sich persönlich

zu vergewissern. Denn eine Gefahr gab es: das wußte er genau, eine

Gefahr gab es!!!

„Aber wir wollen sie sehen ... und unterkriegen,“ beschloß Herr

Goljädkin, während er im Vorraum Galoschen und Mantel ablegte. „Wir

werden diesen Dingen sofort auf den Grund kommen, sofort!“

Entschlossen, irgendwie zu handeln, nahm unser Held eine würdige Miene

an und war eben im Begriff, in das nächstliegende Zimmer einzutreten,

als er plötzlich noch an der Tür auf seinen Bekannten und Busenfreund

stieß.

Herr Goljädkin der Jüngere schien jedoch Herrn Goljädkin den Älteren gar

nicht zu bemerken, obgleich sie fast mit den Nasen aufeinander rannten.

Herr Goljädkin der Jüngere schien offenbar sehr beschäftigt zu sein, er

hatte es eilig, wurde ganz rot, nahm eine sehr geschäftige und

offizielle Miene an, so daß ihm jeder am Gesicht ablesen konnte: „scht,

ich bin kommandiert zu ganz besonderen Aufträgen ...“

„Ah, Sie sind’s, Jakoff Petrowitsch!“ sagte unser Held und griff nach

der Hand seines gestrigen Gastes.

„Nachher, nachher, entschuldigen Sie mich, nachher,“ rief Herr Goljädkin

der Jüngere, und wollte davoneilen.

„Aber, erlauben Sie, Sie wollten doch, Jakoff Petrowitsch ...“

„Was wollte ich? Erklären Sie sich schnell.“ Dabei blieb der gestrige

Gast des Herrn Goljädkin widerstrebend vor diesem stehen und neigte sein

Ohr zur Nase des anderen.

„Ich wollte Ihnen nur sagen, Jakoff Petrowitsch, daß ich sehr erstaunt

bin – über den Empfang ... einen Empfang, den ich durchaus nicht

erwartet habe.“

„Alles hat seinen Weg. Gehen Sie zum Sekretär Seiner Exzellenz, und

darauf begeben Sie sich, wie es sich gehört, zum Chef der Kanzlei. Sie

haben wohl eine Bittschrift? ...“

„Ich verstehe Sie nicht, Jakoff Petrowitsch! Sie setzen mich einfach in

Erstaunen, Jakoff Petrowitsch! Wahrscheinlich haben Sie mich nicht

wiedererkannt oder Sie belieben zu scherzen ... – bei der angeborenen

Heiterkeit Ihres Charakters.“

„Ach, das sind Sie!“ sagte Herr Goljädkin der Jüngere, als hätte er erst

jetzt Herrn Goljädkin den Älteren erkannt, – „ja so, Sie sinds? Nun, wie

haben Sie geruht?“

Herr Goljädkin der Jüngere lächelte ein wenig, ein wenig offiziell, und

zwar durchaus nicht, wie es sich gehörte (denn auf jeden Fall hätte er

Herrn Goljädkin dem Älteren seine Dankbarkeit beweisen sollen), er aber

lächelte nur sehr formell und offiziell und fügte dabei hinzu, daß er

seinerseits sehr froh darüber sei, daß Herr Goljädkin so gut geruht

habe. Dann verneigte er sich etwas, bewegte sich hin und her, sah nach

rechts, nach links, senkte die Augen zu Boden, wandte sich nach der

Seitentür, flüsterte ihm eilig zu, daß er einen „ganz besonderen

Auftrag“ habe, und schlüpfte ins nächste Zimmer. Kaum gesehen – war er

schon verschwunden.

„Da haben wir’s, das ist nicht übel! ...“ murmelte unser Held, einen

Augenblick starr vor Verwunderung, „da haben wir’s! Also so stehen die

Sachen! ...“ Herr Goljädkin fühlte, wie ihm ein Kribbeln über den Körper

lief. „Übrigens,“ fuhr er in seinem Selbstgespräch fort, „übrigens habe

ich das längst gewußt, ich habe es ja längst vorausgefühlt, daß er in

einem besonderen Auftrag ... nämlich, gestern sagte ich’s noch, daß

dieser Mensch in einem besonderen Auftrage ...“

„Haben Sie Ihre gestrigen Papiere fertiggestellt, Jakoff Petrowitsch?“

fragte ihn Anton Antonowitsch Ssjetotschkin, als Herr Goljädkin sich

neben ihn setzte, „haben Sie sie hier?“

„Hier,“ flüsterte Herr Goljädkin, der den Bureauvorsteher ganz verloren

anschaute.

„So, so! Ich fragte darum, weil Andrej Philippowitsch bereits zweimal

nach ihnen verlangte, und weil es möglich, daß Seine Exzellenz sie jeden

Augenblick einfordern werden ...“

„Sie sind fertig ...“

„Nun, gut, gut.“

„Ich, Anton Antonowitsch, habe doch immer meine Schuldigkeit getan, so

wie es sich gehört, und, erfreut über die mir anvertrauten Arbeiten, wie

ich zu sein pflege, beschäftige ich mich mit ihnen gewissenhaft.“

„Ja ... nun ... was wollen Sie denn damit sagen?“

„Ich? Nichts, Anton Antonowitsch. Ich wollte nur erklären, Anton

Antonowitsch, daß ich ... das heißt, ich wollte sagen, daß mitunter Neid

und Bosheit niemanden verschonen und sich ihre tägliche, abscheuliche

Beute suchen ...“

„Entschuldigen Sie, ich verstehe Sie nicht ganz. Das heißt, auf wen

wollen Sie anspielen?“

„Das heißt, ich wollte nur sagen, Anton Antonowitsch, daß ich meinen Weg

gerade gehe und einen krummen Weg verabscheue, daß ich kein Intrigant

bin, und daraus, wenn es erlaubt ist, sich so auszudrücken,

gerechterweise stolz sein kann ...“

„Ja–a. Das stimmt, wenigstens kann ich, so wie ich darüber denke, Ihrer

Meinung vollständig zustimmen: doch erlauben Sie mir, Jakoff

Petrowitsch, zu bemerken, daß es einem Menschen in guter Gesellschaft

nicht erlaubt ist, einem alles ins Gesicht zu sagen – wenn Sie das zu

tun wünschen, nun, so ist es Ihr freier Wille. Ich aber, mein Herr,

lasse mir keine Unverschämtheiten ins Gesicht sagen. Ich, mein Herr, bin

im kaiserlichen Dienst grau geworden und erlaube mir auf meine alten

Tage auch keine Frechheiten ... –“

„Ne–i–n, ich, Anton Antonowitsch, sehen Sie, Anton Antonowitsch, Sie

scheinen, Anton Antonowitsch, mich nicht ganz verstanden zu haben.

Erbarmen Sie sich, Anton Antonowitsch, ich kann meinerseits nur auf Ehre

versichern, daß ...“

„Ich muß, ebenfalls meinerseits, mich zu entschuldigen bitten. Ich bin

nach alter Art erzogen, und es ist für mich zu spät, nach Ihrer Art

umzulernen. Für den Dienst des Vaterlandes war mein Verständnis, wie es

scheint, bis jetzt genügend. Wie Sie selbst wissen, mein Herr, besitze

ich das Ehrenzeichen – für fünfundzwanzigjährige untadelhafte Dienstzeit

...“

„Ich verstehe, Anton Antonowitsch, ich verstehe das meinerseits

vollkommen. Aber nicht das habe ich gemeint, ich habe von der Maske

gesprochen, Anton Antonowitsch ...“

„Von der Maske?“

„Das heißt, Sie scheinen wieder ... ich fürchte, Anton Antonowitsch, daß

Sie auch hier meine Gedanken anders auffassen, den Sinn meiner Rede, wie

Sie selbst sagen, anders auffassen. Ich entwickele ja nur meine

Anschauung, habe die Idee, Anton Antonowitsch, daß es jetzt selten Leute

ohne Maske gibt, und daß es schwer ist, unter der Maske einen Menschen

zu erkennen ...“

„N–u–n, wissen Sie, das ist nicht immer so schwer. Manchmal ist es sogar

sehr leicht und man braucht nicht weit zu suchen.“

„Nein, wissen Sie, Anton Antonowitsch, ich behaupte ja nur für meine

Person, daß ich mich nie einer Maske bedienen würde, oder doch nur, wenn

es die Gelegenheit verlangte, zum Karneval oder sonst in heiterer

Gesellschaft, daß ich mich aber vor Leuten im täglichen Leben, im

übertragenen Sinne gesprochen, niemals maskieren würde. Das ist es, was

ich sagen wollte, Anton Antonowitsch.“

„Nun, lassen wir das jetzt, ich habe offen gestanden jetzt keine Zeit

dazu,“ sagte Anton Antonowitsch, der von seinem Stuhle aufstand und

einige Papiere zur Meldung bei Seiner Exzellenz zusammenlegte. „Ihre

Sache wird sich, wie ich voraussetze, ohne Verzögerung von selbst

aufklären. Sie werden selbst sehen, wen Sie anzuklagen und wen Sie zu

beschuldigen haben, mich aber bitte ich, mit weiteren privaten und den

Dienst beeinträchtigenden Unterhaltungen zu verschonen ...“

„Nein, ich ... Anton Antonowitsch,“ rief Herr Goljädkin, ein wenig

erbleichend, dem sich entfernenden Anton Antonowitsch noch nach, „ich,

Anton Antonowitsch, habe an dergleichen überhaupt nicht gedacht ...“

„Was hat denn das wieder zu bedeuten?“ sagte Herr Goljädkin zu sich

selbst, als er allein geblieben war. „Woher weht denn dieser Wind, und

was soll denn dieser neue Winkelzug wieder bringen?“

In demselben Augenblick, als unser verdutzter und halbtoter Held sich

vorbereitete, diese neue Frage zu beantworten, hörte man im Nebenzimmer

ein Geräusch und kurze Zeit darauf geschäftige Bewegung. Die Tür

wurde aufgerissen und Andrej Philippowitsch, der soeben in

Dienstangelegenheiten im Kabinett Seiner Exzellenz gewesen war, erschien

aufgeregt in der Tür und rief nach Herrn Goljädkin. Herr Goljädkin, der

wohl wußte, um was es sich handelte und der Andrej Philippowitsch nicht

warten lassen wollte, sprang von seinem Platz und bereitete sich vor, so

wie es sich gehörte, das verlangte Papier noch einmal schnell zu

überfliegen, um es dann selbst zu Andrej Philippowitsch und ins Kabinett

seiner Exzellenz zu tragen. Plötzlich aber schlüpfte, an Andrej

Philippowitsch vorüber, Herrn Goljädkin der Jüngere durch die Tür und

stürzte sich, kaum daß er im Zimmer war, mit wichtiger und sehr

geschäftiger Miene geradeaus auf Herrn Goljädkin den Älteren, der alles

eher erwartete, als einen solchen Überfall ...

„Die Papiere, Jakoff Petrowitsch, die Papiere ... Seine Exzellenz

geruht, Sie zu fragen, ob sie fertig sind?“ flüsterte eilig und kaum

hörbar der Freund Herrn Goljädkins des Älteren. „Andrej Philippowitsch

erwartet Sie ...“

„Ich weiß schon, daß er mich erwartet,“ entgegnete ihm Herr Goljädkin

der Ältere gleichfalls eilig und flüsternd.

„Nein, Jakoff Petrowitsch: ich bin nicht so, Jakoff Petrowitsch, ich bin

ganz anders, Jakoff Petrowitsch, und nehme herzlich Anteil ...“

„Womit ich Sie ergebenst bitte, mich zu verschonen. Erlauben Sie,

erlauben Sie, bitte ...“

„Sie müssen auf jeden Fall einen Umschlag herumlegen, Jakoff

Petrowitsch, und in die dritte Seite legen Sie ein Zeichen, Jakoff

Petrowitsch ...“

„Aber so erlauben Sie mir doch endlich ...“

„Hier ist doch ein Tintenfleck, Jakoff Petrowitsch! Haben Sie den

Tintenfleck bemerkt? ...“

Jetzt rief Andrej Philippowitsch schon zum zweitenmal nach Herrn

Goljädkin.

„Sofort, Andrej Philippowitsch, nur noch einen Augenblick, hier, gleich

... werter Herr, verstehen Sie kein Russisch?“

„Am besten wäre es, ihn mit dem Federmesser auszukratzen, Jakoff

Petrowitsch, überlassen Sie es lieber mir: rühren Sie selbst lieber gar

nicht daran, Jakoff Petrowitsch, verlassen Sie sich ganz auf mich, ich

werde mit dem Federmesser ...“

Andrej Philippowitsch rief zum dritten Male nach Herrn Goljädkin.

„Aber hören Sie, wo ist denn da ein Tintenfleck? Ich sehe hier überhaupt

nichts ...“

„Und sogar ein sehr großer Tintenfleck, hier, sehen Sie, hier! Erlauben

Sie, ich habe ihn soeben gesehen, hier, erlauben Sie ... Wenn Sie mir

nur erlauben wollten, Jakoff Petrowitsch, ich würde hier schon aus

Mitgefühl mit dem Federmesser, Jakoff Petrowitsch, mit dem Messer und

aus aufrichtigem Herzen ... sehen Sie, so, so muß man’s tun ...“

Plötzlich und ganz unerwartet vergewaltigte Herr Goljädkin der Jüngere

Herrn Goljädkin den Älteren in einem sekundenlangen Kampfe, der sich

zwischen ihnen entspann: und entschieden ganz gegen den Willen des

letzteren nahm er das vom Vorgesetzten verlangte Papier, und statt aus

aufrichtigem Herzen den Tintenfleck mit dem Messerchen zu entfernen, wie

er treulos Herrn Goljädkin dem Älteren versichert hatte – riß er

plötzlich die verlangten Papiere an sich, steckte sie unter den Arm, war

in zwei Sätzen neben Andrej Philippowitsch, der von alledem nichts

bemerkt hatte, und flog mit ihm ins Kabinett seines Chefs. Herr

Goljädkin der Ältere stand versteinert da an seinem Platz, in den Händen

das Federmesser, als ob er soeben etwas radieren wollte ...

Unser Held begriff diese neue Tatsache nicht sofort. Er konnte noch

nicht zu sich kommen. Er fühlte wohl den Schlag, konnte sich aber über

seine Folgen nicht klar werden. In schrecklicher und ganz

unbeschreiblicher Verzweiflung riß er sich endlich von der Stelle los

und stürzte gleichfalls geradeaus ins Kabinett seines Chefs, indem er

unterwegs den Himmel anflehte, es möge sich alles dort zum besten wenden

... Im letzten Zimmer vor dem Kabinett des Chefs stieß er mit Andrej

Philippowitsch und seinem Namensvetter fast mit der Nase zusammen. Beide

kehrten schon zurück. Herr Goljädkin trat zur Seite. Andrej

Philippowitsch sprach heiter und vergnügt. Der Namensvetter Herrn

Goljädkins des Älteren lächelte gleichfalls, lief in ehrfurchtsvoller

Entfernung neben ihm her und flüsterte mit seliger Miene Andrej

Philippowitsch etwas ins Ohr, worauf Andrej Philippowitsch wohlwollend

seinen Kopf hin und her wiegte.

Sofort begriff unser Held die Situation. Tatsache war, daß seine Arbeit,

wie er nachher erfuhr, die Erwartungen Seiner Exzellenz noch übertroffen

hatte und gerade zur rechten Zeit vorgelegt worden war. Seine Exzellenz

waren äußerst zufrieden damit, und man sagte sogar, er habe sich bei

Herrn Goljädkin dem Jüngeren dafür bedankt: man sagte, er würde bei

Gelegenheit nicht vergessen ... –

Natürlich, das erste, was Herr Goljädkin tun mußte, war – protestieren,

aus allen Kräften protestieren, bis zum äußersten protestieren. Ohne

sich zu besinnen, bleich wie der Tod, stürzte er sich auf Andrej

Philippowitsch. Doch nachdem Andrej Philippowitsch vernommen hatte, daß

die Angelegenheit eine Privatsache des Herrn Goljädkin sei, weigerte er

sich, ihm Gehör zu schenken, mit der entschiedenen Bemerkung, er habe

kaum für seine eigenen Angelegenheiten einen Augenblick Zeit übrig.

Die Trockenheit des Tones und die Entschiedenheit der Abweisung wirkten

auf Herrn Goljädkin niederschmetternd. „Besser, ich versuche es von

einer anderen Seite ... besser, ich gehe zu Anton Antonowitsch.“ Zum

Unglück für Herrn Goljädkin war jedoch auch Anton Antonowitsch nicht zu

sprechen: auch er war irgendwie beschäftigt! „Nicht ohne Absicht bat er

mich, ihn mit Erklärungen und Gesprächen zu verschonen,“ dachte unser

Held. „In dem Falle bleibt mir nichts anderes übrig, als Seine Exzellenz

selbst anzurufen.“

Immer noch ganz bleich und verwirrt, wobei ihm der Kopf rund ging, wußte

Herr Goljädkin nicht, wozu er sich entschließen sollte, und setzte sich

an seinen Tisch.

„Es wäre viel besser, wenn das alles nicht wäre,“ dachte er

ununterbrochen bei sich selbst. „In der Tat dürfte eine so verwickelte,

dunkle Geschichte gar nicht möglich sein. Erstens ist das alles Unsinn,

und zweitens ist so etwas überhaupt nicht möglich. Wahrscheinlich hat

mir alles nur so geschienen, oder es geschah in Wirklichkeit etwas ganz

anderes. Wahrscheinlich war ich es selbst, der hinging ... und habe mich

für den anderen gehalten ... kurz und gut – es ist eine ganz unmögliche

Geschichte.“

Kaum war Herr Goljädkin zu diesem Schluß gekommen, als Herr Goljädkin

der Jüngere, beladen mit Papieren, die er in beiden Händen und unter dem

Arme trug, ins Zimmer flog. Im Vorbeigehen machte er Andrej

Philippowitsch ein paar notwendige Bemerkungen, unterhielt sich mit noch

jemandem, sagte sogar einem dritten Liebenswürdigkeiten, und da Herr

Goljädkin der Jüngere offenbar keine Zeit zu verschwenden hatte, wollte

er aller Wahrscheinlichkeit nach das Zimmer sofort wieder verlassen, als

er zum Glück Herrn Goljädkins des Älteren an der Tür mit ein paar jungen

Beamten zusammenstieß und im Vorbeigehen auch mit ihnen zu sprechen

begann. Herr Goljädkin der Ältere stürzte geradewegs auf ihn zu. Als

Herr Goljädkin der Jüngere das Manöver des Herrn Goljädkin des Älteren

bemerkte, blickte er mit großer Unruhe um sich, suchte, wohin er sich am

schnellsten verkriechen könnte. Doch unser Held hatte seinen gestrigen

Freund bereits am Ärmel gepackt. Die Beamten drängten sich um die beiden

Titularräte und warteten gespannt, was nun kommen würde. Der Ältere

begriff sehr wohl, daß die Stimmung jetzt gegen ihn war, begriff, daß

sie alle gegen ihn intrigierten. Um so mehr mußte er sich selbst

beherrschen ... Der Augenblick war entscheidend.

„Nun?“ fragte Herr Goljädkin der Jüngere Herrn Goljädkin den Älteren,

ihn dreist anschauend.

Herr Goljädkin der Ältere wagte kaum zu atmen. „Ich weiß nicht, mein

Herr,“ begann er, „wie ich Ihr sonderbares Betragen zu mir erklären

soll.“

„Nun, fahren Sie fort, mein Herr.“ Herr Goljädkin der Jüngere sah dabei

im Kreise um sich und zwinkerte den anderen Beamten zu, als gäbe er

ihnen das Zeichen, daß jetzt die Komödie beginne.

„Die Unverschämtheit Ihres Benehmens, mein verehrter Herr, spricht im

vorliegenden Falle noch mehr gegen Sie ... als es meine Worte tun

könnten. Hoffen Sie nicht, Ihr Spiel zu gewinnen: es steht schlecht ...“

„Nun, Jakoff Petrowitsch, jetzt sagen Sie mir mal, wie Sie geschlafen

haben?“ antwortete Herr Goljädkin der Jüngere und sah Herrn Goljädkin

dem Älteren gerade in die Augen.

„Sie, verehrter Herr, vergessen sich vollständig,“ sagte der Ältere

vollständig fassungslos und fühlte dabei kaum mehr den Boden unter den

Füßen. „Ich hoffe, daß Sie Ihren Ton ändern werden ...“

„Mein Lieber!“ erwiderte Herr Goljädkin der Jüngere, schnitt Herrn

Goljädkin dem Älteren eine ziemlich unehrerbietige Grimasse und kniff

ihn plötzlich ganz unerwartet mit seinen beiden Fingern in seine

ziemlich dicke rechte Backe. Unser Held fuhr auf wie ein Feuerbrand.

Kaum hatte jedoch der Freund des Herrn Goljädkin bemerkt, daß sein

Gegner an allen Gliedern zitterte, dabei stumm vor Verwunderung und rot

wie ein Krebs war, und so, bis zum Äußersten gebracht, sich zu einem

Überfall auf ihn entschließen wollte – als er ihm auf die

allerunverschämteste Weise zuvorkam. Er klopfte Herrn Goljädkin noch

zweimal auf die Backe, kniff sie noch einmal, und spielte so mit ihm

sein Spiel, während der andere immer noch unbeweglich und sprachlos vor

Erstaunen dastand, zum nicht geringen Ergötzen der um sie herumstehenden

Beamtenschaft. Herr Goljädkin der Jüngere, mit seiner schamlosen Seele

ging noch weiter, er klopfte schließlich Herrn Goljädkin den Älteren auf

den vollen Magen und sagte dazu mit einem giftigen Lächeln:

„Mach’ keine dummen Streiche, mein Lieber, keine dummen Streiche, Jakoff

Petrowitsch! Wir wollten ja zusammen Intrigen spinnen, Jakoff

Petrowitsch, Intrigen.“

Noch bevor unser Held nach dieser letzten Attacke zu sich kommen konnte,

lächelte Herr Goljädkin der Jüngere den Umstehenden verständnisinnig zu,

setzte eine sehr geschäftige Miene auf, schlug die Augen zu Boden,

kugelte sich wie ein Igel zusammen, murmelte etwas über „einen

besonderen Auftrag“, trippelte mit seinen kurzen Füßen davon und

verschwand im Nebenzimmer. Unser Held traute seinen Augen nicht und

konnte vor Erstaunen noch immer nicht zu sich kommen ...

Endlich erst, als er dann zu sich kam, wurde ihm klar, daß er beleidigt

war, in gewissem Sinne verloren – daß sein Ruf beschmutzt und befleckt,

er selbst in Gegenwart von anderen lächerlich gemacht worden war,

beschimpft von demjenigen, von dem er gestern noch gehofft hatte, daß er

sein einziger, bester Freund werden würde, und er erkannte, daß er sich

vor der ganzen Welt blamiert hatte, und als ihm das so recht zum

Bewußtsein gekommen war, da besann er sich nicht lange, sondern –

stürzte seinem Feinde nach, ohne auch nur an die Zeugen seiner

Erniedrigung zu denken.

„Sie alle stecken miteinander unter einer Decke,“ dachte er bei sich,

„einer steht für den anderen und einer hetzt den anderen gegen mich

auf.“ Doch kaum hatte unser Held die ersten zehn Schritte gemacht, als

er einsah, daß jede Verfolgung umsonst war. Deshalb kehrte er um.

„Du wirst mir nicht entkommen,“ dachte er, „du kommst mir noch in die

Falle und wirst als Wolf Lämmertränen weinen!“ Mit wütender

Kaltblütigkeit und mit entschlossener Energie ging Herr Goljädkin zu

seinem Stuhl und setzte sich auf ihn nieder.

„Du wirst mir nicht entkommen,“ wiederholte er noch einmal.

Jetzt handelte es sich bei ihm nicht mehr um eine passive Verteidigung,

seine Haltung sah nach Entschlossenheit aus, und wer Herrn Goljädkin in

diesem Augenblick sah, wie er puterrot und kaum seiner Erregung mächtig

seine Feder ins Tintenfaß steckte, und mit welcher Wut er seine Zeilen

aufs Papier warf, der mußte wohl im voraus begreifen, daß diese Sache

nicht so einfach verlaufen würde. In der Tiefe seiner Seele faßte er

einen Entschluß und in der Tiefe seines Herzens schwor er sich, ihn auch

auszuführen. Dabei wußte er aber noch gar nicht so recht, wie er hier

vorgehen sollte, besser gesagt, er wußte überhaupt noch nichts

Bestimmtes – aber das Einzelne, meinte er, das war ja gleichgültig!

„Mit Anmaßung und Unverschämtheit, verehrter Herr, richten Sie in

unserer Zeit nichts aus. Anmaßung und Unverschämtheit, mein verehrter

Herr, führen nicht zum Guten, sondern zum Galgen. Nur Grischka

Otrepieff[14] allein, mein Herr, erdreistete sich, das blinde Volk durch

Anmaßung und Unverschämtheit zu betrügen, und auch das gelang ihm nur

auf sehr, sehr kurze Zeit.“

Ungeachtet des letzteren Umstandes beschloß Herr Goljädkin, zu warten,

bis die Maske von manchen Gesichtern fallen und alles aufgedeckt werden

würde. Dazu mußten aber die Kanzleistunden erst zu Ende gehen. Bis dahin

wollte unser Held nichts unternehmen. Dann aber würde er zu Maßregeln

greifen – dann würde er wissen, was er zu tun hatte. Dann würde er

wissen, welcher Plan zu entwerfen war, um den „Hochmut zu fällen“ und

die „kriechende Schlange ohnmächtig in den Staub zu treten“. Er konnte

es doch nicht erlauben, daß man ihn wie einen Lappen behandelte, mit dem

man schmutzige Stiefel reinigt! Das konnte er sich doch unmöglich

gefallen lassen, besonders in diesem Falle nicht! Wäre unserem Helden

nicht dieser letzte Schimpf angetan worden, vielleicht hätte er sich

doch noch entschließen können, sich zu überwinden und zu schweigen, oder

wenigstens nicht so erbittert zu handeln. Er hätte sich dann vielleicht

nur ein wenig herumgestritten und klar bewiesen, daß er in seinem Recht

sei, hätte schließlich, wenn auch zuerst nur ein wenig, nachgegeben, und

dann noch ein wenig nachgegeben, und sich am Ende überhaupt mit ihnen

ausgesöhnt – besonders wenn ihm seine Gegner feierlich zugestanden

hätten, daß er in seinem Recht sei. Daraufhin würde er sich ganz sicher

ausgesöhnt haben und vielleicht, wer konnte es wissen, vielleicht wäre

daraus eine neue Freundschaft entstanden, eine heiße, starke

Freundschaft, eine viel, viel größere Freundschaft, als die gestrige,

eine, durch die diese gestrige ganz verdunkelt worden wäre. So würde

denn zuletzt die Feindschaft zweier Menschen beseitigt gewesen sein, und

die beiden Titularräte konnten froh und glücklich miteinander leben –

hundert Jahre lang!

Um schließlich die Wahrheit zu sagen: Herr Goljädkin fing bereits an,

ein wenig zu bereuen, daß er für sich und sein Recht zu weit gegangen

sei und sich dafür nur Unannehmlichkeiten bereitet hatte. „Hätte er

nachgegeben,“ dachte Herr Goljädkin, „hätte er gesagt, daß alles das nur

Scherz sei“: Herr Goljädkin hätte ihm verziehen, ganz und gar verziehen,

zumal, wenn er es laut bekennen wollte! „Aber als einen Wischlappen

lasse ich mich nicht behandeln, besonders nicht von solchen Leuten. Oh,

und daß gerade ein so verworfener Mensch den Versuch mit mir macht! Ich

bin kein Lappen, nein, mein Herr, ich bin kein Lump!“ Kurz, unser Held

war zu allem entschlossen. „Sie selbst, mein Herr sind an allem schuld!“

Er beschloß also – zu protestieren, mit allen Kräften und bis zur

letzten Möglichkeit – zu protestieren.

Er war schon so ein Mensch! Er hätte es nie erlaubt, sich beleidigen und

noch viel weniger, sich „als Wischlappen“ benutzen zu lassen: „von einem

so verkommenen Menschen“! Darüber ließ sich nicht streiten, nein, nicht

streiten. Vielleicht, wenn es jemand gewollt hätte, Herrn Goljädkin „in

einen Lappen“ zu verwandeln, wäre es ihm ohne Widerspruch und ganz

ungestraft gelungen. (Herr Goljädkin fühlte das nämlich selbst

manchmal.) Doch wäre das dann gar nicht Herr Goljädkin gewesen, sondern

eben ... irgendein Lappen – wenn auch trotzdem kein so einfacher Lappen,

sondern einer voll von Ehrgeiz und voll von Gefühlen, allerdings ganz

unverantwortlichen Gefühlen, Gefühlen, die hinter den schmutzigen Falten

des Lappens steckten!

Die Stunden zogen sich unglaublich lange dahin. Endlich schlug es vier.

Bald darauf erhoben sich alle, um nach dem Vorgang des Chefs nach Hause

zu gehen. Herr Goljädkin mischte sich unter die Menge: es entging ihm

aber nichts, er verlor denjenigen, den er suchte, nicht aus den Augen.

Zuletzt sah unser Held, wie sein Freund zu den Kanzleidienern lief, die

die Mäntel ausgaben. In der Erwartung des Mantels schwänzelte er nach

seiner gemeinen Gewohnheit um sie herum. Der Augenblick war

entscheidend. Herr Goljädkin drängte sich irgendwie durch die Menge, da

er nicht zurückbleiben wollte, und bemühte sich auch um seinen Mantel.

Doch, natürlich: man gab seinem Freund zuerst den Mantel, weil es ihm

auch hier gelungen war, sich einzuschmeicheln.

Herr Goljädkin der Jüngere warf sich den Mantel um und blickte dabei

Herrn Goljädkin dem Älteren ironisch offen und frech ins Gesicht, um ihn

auf diese Weise zu ärgern. Dann sah er sich, seiner Gewohnheit gemäß,

rings um, bändelte mit allen Beamten an, wahrscheinlich, um auf sie

einen guten Eindruck zu machen, sagte dem einen ein Wort, flüsterte dem

andern etwas ins Ohr, schmeichelte einem dritten, lächelte einem vierten

zu, reichte dem fünften die Hand und schlüpfte vergnügt die Treppe

hinab. Herr Goljädkin der Ältere stürzte ihm nach, zu seiner

unbeschreiblichen Genugtuung erreichte er ihn auf der letzten Stufe und

packte ihn am Kragen seines Mantels.

Herr Goljädkin der Jüngere schien ein wenig überrascht zu sein und

blickte mit verstörtem Gesicht um sich.

„Wie soll ich das verstehen?“ flüsterte er endlich mit leiser Stimme

Herrn Goljädkin zu.

„Mein Herr, wenn Sie ein anständiger Mensch sind, so werden Sie sich

unserer freundschaftlichen Beziehungen von gestern erinnern,“ sagte

unser Held.

„Ach ja. Nun, wie steht’s? Haben Sie gut geschlafen?“

Die Wut raubte für einen Augenblick Herrn Goljädkin die Sprache.

„Ich habe – sehr gut geschlafen, mein Herr ... Doch erlauben Sie mir,

Ihnen zu sagen, daß Ihr Spiel sehr schlecht steht ...“

„Wer sagt das? Das sagen meine Feinde!“ antwortete hastig jener, der

sich auch Herr Goljädkin nannte, und befreite sich bei diesen Worten

ganz unerwartet aus den schwachen Händen des wirklichen Herrn Goljädkin.

Befreit stürzte er die Treppe hinunter, sah sich um und erblickte eine

Droschke – er lief auf sie zu, setzte sich hinein und war im Augenblick

den Augen des Herrn Goljädkin des Älteren verschwunden. Unser

verzweifelter und von allen verlassener Titularrat blickte sich zwar

auch um, fand aber keine Droschke mehr. Er wollte laufen, doch seine

Knie brachen zusammen. Mit verstörtem Gesicht und offenem Munde stützte

er sich kraftlos und gebrochen an eine Straßenlaterne und stand so

einige Augenblicke auf dem Trottoir. Herr Goljädkin schien wie

vernichtet zu sein, für ihn war wohl alles verloren ...

Sämtliche Werke 14 · 第 87 / 102 题