Mein Freund, mein lieber Makar Alexejewitsch!
Nun ist es geschehen! Mein Los hat sich entschieden. Ich weiß nicht, was
die Zukunft mir bringen wird, aber ich füge mich in den Willen des
Herrn. Morgen reisen wir.
Zum letztenmal nehme ich jetzt Abschied von Ihnen, mein einziger, mein
treuer, lieber, guter Freund! Sind Sie doch mein einziger Verwandter,
der in der Not treu zu mir gehalten hat!
Grämen Sie sich nicht um mich, leben Sie glücklich, denken Sie zuweilen
an mich und möge Gott Sie segnen. Ich werde Ihrer oft gedenken und Sie
in meinem Gebet nicht vergessen. So ist denn jetzt auch diese Zeit
vorüber! Es sind wenig frohe Erinnerungen, die ich aus der Vergangenheit
ins neue Leben mitnehme, um so wertvoller und lieber wird mir daher Ihr
Andenken, um so teurer werden Sie selbst meinem Herzen sein. Sie sind
mein einziger Freund, nur Sie allein haben mich hier geliebt. Ich bin
doch nicht blind gewesen, ich habe es doch gesehen und gewußt, wie Sie
mich liebten! Mein Lächeln genügte, um Sie glücklich zu machen, eine
Zeile von mir söhnte Sie mit allem aus. Jetzt müssen Sie sich daran
gewöhnen, ohne mich auszukommen. Wie werden Sie nur so allein hier
weiterleben? Wer wird hier bei Ihnen sein, mein guter, unschätzbarer,
einziger Freund!
Ich überlasse Ihnen das Buch, den Stickrahmen, den angefangenen Brief.
Wenn Sie diese angefangenen Zeilen sehen, so lesen Sie in Gedanken
weiter: lesen Sie in Gedanken weiter, lesen Sie alles, was Sie von mir
gern gehört oder gelesen hätten, alles, was ich Ihnen hätte schreiben
können – was aber würde ich Ihnen jetzt nicht alles schreiben! Vergessen
Sie nicht Ihre arme Warinka, die Sie aufrichtig und von ganzem Herzen
geliebt hat. Ihre Briefe sind alle bei Fedora in der Kommode geblieben,
in der obersten Schublade.
Sie schreiben, daß Sie krank seien. Ich würde Sie besuchen, aber Herr
Bükoff läßt mich heute nicht fort. Ich werde Ihnen schreiben, mein
Freund, das verspreche ich Ihnen, aber nur Gott allein weiß, was alles
geschehen kann. Deshalb lassen Sie uns jetzt für immer Abschied
voneinander nehmen, mein Freund, mein Täubchen, wie Sie mich nennen,
mein Liebster! Auf immer! ... Ach, wie ich Sie jetzt umarmen würde, Sie!
Leben Sie wohl, mein Freund, leben Sie recht, recht, recht wohl! Seien
Sie glücklich! Bleiben Sie gesund. Nie werde ich vergessen, für Sie zu
beten. O! wenn Sie wüßten, wie schwer mir zumut ist, wie qualvoll
bedrückt meine Seele ist!
Herr Bükoff ruft mich.
Ihre Sie ewig liebende
W.
P. S. Meine Seele ist so voll, so voll von Tränen ... Sie drohen, mich
zu ersticken, zu zerreißen! Leben Sie wohl, Makar Alexejewitsch! Gott!
wie ist es traurig!
Vergessen Sie mich nicht, vergessen Sie nicht Ihre arme Warinka.