30. September.

Mein Freund, mein lieber Makar Alexejewitsch!

Nun ist es geschehen! Mein Los hat sich entschieden. Ich weiß nicht, was

die Zukunft mir bringen wird, aber ich füge mich in den Willen des

Herrn. Morgen reisen wir.

Zum letztenmal nehme ich jetzt Abschied von Ihnen, mein einziger, mein

treuer, lieber, guter Freund! Sind Sie doch mein einziger Verwandter,

der in der Not treu zu mir gehalten hat!

Grämen Sie sich nicht um mich, leben Sie glücklich, denken Sie zuweilen

an mich und möge Gott Sie segnen. Ich werde Ihrer oft gedenken und Sie

in meinem Gebet nicht vergessen. So ist denn jetzt auch diese Zeit

vorüber! Es sind wenig frohe Erinnerungen, die ich aus der Vergangenheit

ins neue Leben mitnehme, um so wertvoller und lieber wird mir daher Ihr

Andenken, um so teurer werden Sie selbst meinem Herzen sein. Sie sind

mein einziger Freund, nur Sie allein haben mich hier geliebt. Ich bin

doch nicht blind gewesen, ich habe es doch gesehen und gewußt, wie Sie

mich liebten! Mein Lächeln genügte, um Sie glücklich zu machen, eine

Zeile von mir söhnte Sie mit allem aus. Jetzt müssen Sie sich daran

gewöhnen, ohne mich auszukommen. Wie werden Sie nur so allein hier

weiterleben? Wer wird hier bei Ihnen sein, mein guter, unschätzbarer,

einziger Freund!

Ich überlasse Ihnen das Buch, den Stickrahmen, den angefangenen Brief.

Wenn Sie diese angefangenen Zeilen sehen, so lesen Sie in Gedanken

weiter: lesen Sie in Gedanken weiter, lesen Sie alles, was Sie von mir

gern gehört oder gelesen hätten, alles, was ich Ihnen hätte schreiben

können – was aber würde ich Ihnen jetzt nicht alles schreiben! Vergessen

Sie nicht Ihre arme Warinka, die Sie aufrichtig und von ganzem Herzen

geliebt hat. Ihre Briefe sind alle bei Fedora in der Kommode geblieben,

in der obersten Schublade.

Sie schreiben, daß Sie krank seien. Ich würde Sie besuchen, aber Herr

Bükoff läßt mich heute nicht fort. Ich werde Ihnen schreiben, mein

Freund, das verspreche ich Ihnen, aber nur Gott allein weiß, was alles

geschehen kann. Deshalb lassen Sie uns jetzt für immer Abschied

voneinander nehmen, mein Freund, mein Täubchen, wie Sie mich nennen,

mein Liebster! Auf immer! ... Ach, wie ich Sie jetzt umarmen würde, Sie!

Leben Sie wohl, mein Freund, leben Sie recht, recht, recht wohl! Seien

Sie glücklich! Bleiben Sie gesund. Nie werde ich vergessen, für Sie zu

beten. O! wenn Sie wüßten, wie schwer mir zumut ist, wie qualvoll

bedrückt meine Seele ist!

Herr Bükoff ruft mich.

Ihre Sie ewig liebende

W.

P. S. Meine Seele ist so voll, so voll von Tränen ... Sie drohen, mich

zu ersticken, zu zerreißen! Leben Sie wohl, Makar Alexejewitsch! Gott!

wie ist es traurig!

Vergessen Sie mich nicht, vergessen Sie nicht Ihre arme Warinka.

Sämtliche Werke 14 · 第 77 / 102 题