Warwara Alexejewna, mein Herzchen!
Heute habe ich Fedora gesehen und gesprochen, mein Täubchen. Sie sagt,
Sie werden schon morgen getraut und übermorgen reisen Sie ab! Herr
Bükoff habe schon die Pferde bestellt.
Über Seine Exzellenz habe ich Ihnen bereits geschrieben, mein Kind. Ja
und dann: die Rechnungen der Madame Chiffon habe ich durchgesehen: es
stimmt alles, nur daß es sehr teuer ist. Aber warum ärgert sich denn
Herr Bükoff über Sie? Nun, so seien Sie glücklich, Kind! Ich freue mich.
Ja, ich werde mich immer freuen, wenn Sie glücklich sind, Kind! Ich
würde morgen in die Kirche kommen, Kind, aber ich kann nicht, mein Kreuz
schmerzt.
Doch wie wird es denn nun mit den Briefen – ich komme wieder darauf
zurück –, wie werden wir uns denn jetzt schreiben, wer wird sie uns
zustellen, Kind?
Ja, was ich noch sagen wollte: Sie haben Fedora so sehr beschenkt, meine
Gute! Damit haben Sie ein gutes Werk getan, das war schön von Ihnen. Für
jede gute Tat wird der Herr Sie segnen. Nichts bleibt unbelohnt und der
Tugend ist immer Gottes Lohn gewiß.
Kind, mein Kind! Ich würde Ihnen vieles schreiben, ich würde Ihnen jede
Stunde, jede Minute schreiben, immer nur schreiben! Ich habe hier noch
ein Büchlein von Ihnen, „Bjelkins Erzählungen“, das ist noch bei mir
geblieben. Aber wissen Sie, Kind, lassen Sie das bei mir, nehmen Sie mir
das nicht fort, schenken Sie es mir ganz, mein Täubchen! Nicht deshalb,
weil ich diese Geschichten etwa gar so gern nochmals lesen möchte. Aber
Sie wissen doch selbst, Kind, der Winter kommt, die Abende werden lang:
da wird man denn traurig – und da ist es dann gut, wenn man etwas zum
Lesen hat. Ich, mein Kind, ich werde aus meiner Wohnung in Ihre alte
Wohnung ziehen und werde als Mieter bei Fedora leben. Von dieser
ehrenwerten alten Frau werde ich mich jetzt für keinen Preis mehr
trennen. Zudem ist sie auch so arbeitsam. Gestern habe ich mir in Ihrer
verlassenen Wohnung alles genau angesehen. Dort ist noch Ihr kleiner
Stickrahmen mit der angefangenen Arbeit: es ist ja alles geblieben,
unangerührt, wie es war. Ich habe auch Ihre Stickerei betrachtet. Dann
sind da noch verschiedene kleine Flickchen geblieben. Auf ein Stückchen
von einem meiner Briefe haben Sie angefangen, Garn aufzuwickeln. In
Ihrem Tischchen fand ich noch einen Bogen Postpapier, auf dem Sie
geschrieben haben: „Mein lieber Makar Alexejewitsch! Ich beeile mich“ –
und nichts weiter. Offenbar hat Sie da jemand gleich zu Anfang
unterbrochen. In der Ecke hinter dem Schirm steht Ihr schmales Bettchen
... Mein Täubchen Sie!!!
Nun, schon gut, schon gut, leben Sie wohl. Antworten Sie mir nur um
Gottes willen etwas auf meinen Brief, und recht bald!
Makar Djewuschkin.