Kind, Warwara Alexejewna!
Ich beeile mich, Kind, Ihnen zu antworten. Ich, Kind, ich beeile mich,
Ihnen zu erklären, daß ich – daß ich erstaunt bin. Alles das ist doch
ganz sicher irgendwie nicht so ... Gestern haben wir Gorschkoff
beerdigt. Ja, das ist so, Warinka, das ist so; Bükoff hat ehrenhaft
gehandelt; nur eines, sehen Sie, meine Liebe, Sie haben ihm also
wirklich zugesagt? Natürlich wirkt in allem Gottes Wille. Das ist so,
das muß unbedingt so sein, das heißt, hier – auch hier muß unbedingt
Gottes Wille wirken. Die Vorsehung des himmlischen Schöpfers hat
natürlich, obschon uns unerforschlich, immer nur das Wohl der Menschen
im Sinn, und das Schicksal ganz ebenso, ganz ebenso wie Gott.
Fedora nimmt auch Anteil an Ihnen. Natürlich, Sie werden jetzt glücklich
sein, Kind, Sie werden in Reichtum und Überfluß leben, mein Täubchen,
mein Sternchen, ich kann mich ja nicht sattsehen an Ihnen, mein
Engelchen, – nur eins, sehen Sie, Warinka, wie denn das, warum so
schnell? ... Ja, die Geschäfte – Herr Bükoff hat Geschäfte vor ...
natürlich – wer hat denn nicht Geschäfte, auch er kann sie haben. Ich
habe ihn gesehen, als er von Ihnen fortging. Ein imponierender Mann,
sogar ein sehr imponierender Mann, das heißt eine imposante Erscheinung,
eine sogar sehr imposante Erscheinung. Nur ist das alles ... nein, es
ist ja gar nicht das, um was es sich eigentlich handelt. Ich, sehen Sie,
ich bin schon jetzt gar nicht mehr ich selbst. Wie werden wir denn
künftig einander Briefe schreiben? Und ich, ja und ich – wie bleibe ich
denn hier so allein zurück? Ich, sehen Sie, mein Engelchen, ich erwäge,
wie Sie mir das da geschrieben haben, in meinem Herzen erwäge ich alles,
alle diese Gründe, meine ich, und so weiter. Ich hatte schon fast den
zwanzigsten Bogen abgeschrieben, da kam dann plötzlich dieses Ereignis!
Kind, Kind, wenn Sie jetzt wegreisen wollen, so müssen Sie doch noch
verschiedene Einkäufe machen, verschiedene Stiefelchen und Kleidchen,
und da, meine ich, kommt es denn sehr gelegen, daß ich gerade ein gutes
Magazin kenne, an der Gorochowaja – erinnern Sie sich noch, wie ich es
Ihnen einmal beschrieb? – Aber nein! Was rede ich, was fällt Ihnen ein,
mein Kind, was denken Sie! Sie dürfen doch nicht, es ist ganz unmöglich:
Sie können jetzt einfach nicht so ohne weiteres fortfahren! Sie müssen
doch große Einkäufe machen, Sie müssen einen Wagen mieten. Überdies ist
auch das Wetter jetzt so schlecht, sehen Sie doch nur, es regnet wie aus
Eimern, unaufhörlich regnet es, und überdies ... es wird doch noch kalt
werden, mein Engelchen, Ihr Herzchen wird es kalt haben, Sie werden
erfrieren! Und Sie fürchten doch jeden fremden Menschen: und nun wollen
Sie mit diesem da fortfahren! Wie soll ich denn hier so allein
zurückbleiben? Ja! Die Fedora sagt, daß ein großes Glück Sie erwarte ...
aber die Fedora ist doch eine harte Person und will mir mein Letztes
nehmen. Werden Sie heute zur Abendmesse in die Kirche gehen, mein Kind?
Ich würde dann auch hingehen, um Sie ein Weilchen zu sehen.
Es ist wahr, Kind, es ist richtig, daß Sie ein gebildetes, gutes,
gefühlvolles Mädchen sind, nur wissen Sie, – mag er doch lieber eine
Kaufmannstochter heiraten! Was meinen Sie, Kind? Mag er doch lieber eine
Kaufmannstochter heiraten! – Ich werde zu Ihnen kommen, Warinka, sobald
es dunkelt, werde ich auf ein Stündchen hinüberkommen. Jetzt wird es
doch schon früh dunkel, also dann komme ich. Ganz bestimmt auf ein
Stündchen! Jetzt erwarten Sie Bükoff, das weiß ich, aber wenn er
fortgegangen ist, dann ... Also warten Sie, Kindchen, ich komme
unbedingt ...
Ihr
Makar Djewuschkin.