27. September.

Mein Freund Makar Alexejewitsch!

Herr Bükoff sagt, ich müsse mindestens drei Dutzend Hemden von

holländischer Leinewand haben. Daher müssen wir so schnell wie möglich

Weißnäherinnen für zwei Dutzend suchen, denn wir haben entsetzlich wenig

Zeit. Herr Bükoff ärgert sich, weil er nicht geahnt hat, wie er sagt,

daß diese Lappen soviel Schererei verursachen können.

Unsere Hochzeit wird in fünf Tagen stattfinden, und am Tage darauf

reisen wir ab. Herr Bükoff hat Eile und sagt, für diese Dummheiten

brauche man nicht soviel Zeit zu vergeuden. Ich bin von all den

Scherereien schon so müde, daß ich mich kaum noch auf den Füßen halten

kann. Es gibt noch ganze Berge Arbeit, und doch, weiß Gott, wäre es

besser, wenn nichts von all diesen Sachen nötig wäre. Ja, und noch

etwas: wir kommen mit den Spitzen nicht aus, wir müssen noch welche

zukaufen, denn Herr Bükoff sagt, er wünsche nicht, daß seine Frau wie

eine Küchenmagd gekleidet gehe, ich müsse „alle Gutsbesitzersfrauen in

den Schatten stellen“ – das sind seine Worte.

Also bitte, lieber Makar Alexejewitsch, gehen Sie zu Madame Chiffon

(Gorochowaja, Sie wissen schon) und bitten Sie sie, uns schnell einige

Nähterinnen zu schicken, dies erstens, und zweitens, daß sie sich selbst

herbemühen möge: sie soll eine Droschke nehmen. Ich bin heute krank.

Hier in unserer neuen Wohnung ist es so kalt und alles ist in

schrecklicher Unordnung. Herrn Bükoffs Tante kann kaum noch atmen vor

Altersschwäche. Ich fürchte, daß sie vielleicht noch vor unserer Abreise

sterben könnte, doch Herr Bükoff sagt, das habe nichts auf sich, sie

würde sich schon wieder erholen.

Im Hause bei uns steht so ziemlich alles auf dem Kopf. Da Herr Bükoff

nicht hier wohnt, laufen die Leute nach allen Seiten fort und tun, was

sie gerade wollen. Oft ist Fedora die einzige, die wir zu unserer

Bedienung haben. Herrn Bükoffs Kammerdiener, der hier nach dem Rechten

sehen soll, ist schon seit drei Tagen verschwunden. Herr Bükoff kommt

jeden Morgen angefahren und ärgert sich, gestern aber hat er den

Hausknecht geprügelt, weshalb er dann mit der Polizei Unannehmlichkeiten

bekam ... Ich habe hier im Augenblick keinen Menschen, mit dem ich Ihnen

den Brief zusenden könnte. Ich schreibe Ihnen durch die Stadtpost. Ach,

natürlich, das Wichtigste hätte ich fast vergessen! Sagen Sie Madame

Chiffon, daß sie die Spitzen umtauschen und neue, zu dem gestern

gewählten Muster passende, aussuchen, und daß sie dann selbst zu mir

kommen soll, um mir die neue Auswahl zu zeigen. Und dann sagen Sie ihr

noch, daß ich mich in bezug auf die Garnitur anders bedacht habe: sie

muß gleichfalls gestickt werden. Ja und noch etwas: Die Buchstaben in

den Taschentüchern soll sie in Tamburinstickerei nähen, verstehen Sie? –

in Tamburinstickerei und nicht blank. Also vergessen Sie es nicht:

Tamburinstickerei! So, und da hätte ich doch noch etwas vergessen! Sagen

Sie ihr, um Gottes willen, daß die Blättchen auf der Pelerine erhaben

ausgenäht werden müssen, die Ranken in Kordonstich, oben aber, an den

Kragen muß sie dann noch eine Spitze nähen, oder eine breite Falbel.

Bitte, sagen Sie ihr das, Makar Alexejewitsch.

Ihre

W. D.

P. S. Ich schäme mich so, daß ich Sie wieder mit meinen Aufträgen

belästige. Vorgestern sind Sie ja schon den ganzen Nachmittag gelaufen.

Doch was soll ich tun! Bei uns im Hause gibt es überhaupt keine Ordnung

und ich selbst bin krank. Also ärgern Sie sich nicht gar zu sehr über

mich, Makar Alexejewitsch. Es ist ja solch ein Jammer! Ach, was wird das

noch werden, mein Freund, mein lieber, mein guter Makar Alexejewitsch!

Ich fürchte mich, an die Zukunft auch nur zu denken. Es ist mir, als

hätte ich tausend schlimme Vorahnungen und mein Kopf ist wie

eingenommen.

P. S. Um Gottes willen, mein Freund, vergessen Sie nur nichts von dem,

was Sie Madame Chiffon zu sagen haben. Ich fürchte, Sie verwechseln mir

alles. Also merken Sie es sich nochmals: Tamburinstickerei und _nicht_

blank!

Sämtliche Werke 14 · 第 70 / 102 题