Mein Freund Makar Alexejewitsch!
Herr Bükoff sagt, ich müsse mindestens drei Dutzend Hemden von
holländischer Leinewand haben. Daher müssen wir so schnell wie möglich
Weißnäherinnen für zwei Dutzend suchen, denn wir haben entsetzlich wenig
Zeit. Herr Bükoff ärgert sich, weil er nicht geahnt hat, wie er sagt,
daß diese Lappen soviel Schererei verursachen können.
Unsere Hochzeit wird in fünf Tagen stattfinden, und am Tage darauf
reisen wir ab. Herr Bükoff hat Eile und sagt, für diese Dummheiten
brauche man nicht soviel Zeit zu vergeuden. Ich bin von all den
Scherereien schon so müde, daß ich mich kaum noch auf den Füßen halten
kann. Es gibt noch ganze Berge Arbeit, und doch, weiß Gott, wäre es
besser, wenn nichts von all diesen Sachen nötig wäre. Ja, und noch
etwas: wir kommen mit den Spitzen nicht aus, wir müssen noch welche
zukaufen, denn Herr Bükoff sagt, er wünsche nicht, daß seine Frau wie
eine Küchenmagd gekleidet gehe, ich müsse „alle Gutsbesitzersfrauen in
den Schatten stellen“ – das sind seine Worte.
Also bitte, lieber Makar Alexejewitsch, gehen Sie zu Madame Chiffon
(Gorochowaja, Sie wissen schon) und bitten Sie sie, uns schnell einige
Nähterinnen zu schicken, dies erstens, und zweitens, daß sie sich selbst
herbemühen möge: sie soll eine Droschke nehmen. Ich bin heute krank.
Hier in unserer neuen Wohnung ist es so kalt und alles ist in
schrecklicher Unordnung. Herrn Bükoffs Tante kann kaum noch atmen vor
Altersschwäche. Ich fürchte, daß sie vielleicht noch vor unserer Abreise
sterben könnte, doch Herr Bükoff sagt, das habe nichts auf sich, sie
würde sich schon wieder erholen.
Im Hause bei uns steht so ziemlich alles auf dem Kopf. Da Herr Bükoff
nicht hier wohnt, laufen die Leute nach allen Seiten fort und tun, was
sie gerade wollen. Oft ist Fedora die einzige, die wir zu unserer
Bedienung haben. Herrn Bükoffs Kammerdiener, der hier nach dem Rechten
sehen soll, ist schon seit drei Tagen verschwunden. Herr Bükoff kommt
jeden Morgen angefahren und ärgert sich, gestern aber hat er den
Hausknecht geprügelt, weshalb er dann mit der Polizei Unannehmlichkeiten
bekam ... Ich habe hier im Augenblick keinen Menschen, mit dem ich Ihnen
den Brief zusenden könnte. Ich schreibe Ihnen durch die Stadtpost. Ach,
natürlich, das Wichtigste hätte ich fast vergessen! Sagen Sie Madame
Chiffon, daß sie die Spitzen umtauschen und neue, zu dem gestern
gewählten Muster passende, aussuchen, und daß sie dann selbst zu mir
kommen soll, um mir die neue Auswahl zu zeigen. Und dann sagen Sie ihr
noch, daß ich mich in bezug auf die Garnitur anders bedacht habe: sie
muß gleichfalls gestickt werden. Ja und noch etwas: Die Buchstaben in
den Taschentüchern soll sie in Tamburinstickerei nähen, verstehen Sie? –
in Tamburinstickerei und nicht blank. Also vergessen Sie es nicht:
Tamburinstickerei! So, und da hätte ich doch noch etwas vergessen! Sagen
Sie ihr, um Gottes willen, daß die Blättchen auf der Pelerine erhaben
ausgenäht werden müssen, die Ranken in Kordonstich, oben aber, an den
Kragen muß sie dann noch eine Spitze nähen, oder eine breite Falbel.
Bitte, sagen Sie ihr das, Makar Alexejewitsch.
Ihre
W. D.
P. S. Ich schäme mich so, daß ich Sie wieder mit meinen Aufträgen
belästige. Vorgestern sind Sie ja schon den ganzen Nachmittag gelaufen.
Doch was soll ich tun! Bei uns im Hause gibt es überhaupt keine Ordnung
und ich selbst bin krank. Also ärgern Sie sich nicht gar zu sehr über
mich, Makar Alexejewitsch. Es ist ja solch ein Jammer! Ach, was wird das
noch werden, mein Freund, mein lieber, mein guter Makar Alexejewitsch!
Ich fürchte mich, an die Zukunft auch nur zu denken. Es ist mir, als
hätte ich tausend schlimme Vorahnungen und mein Kopf ist wie
eingenommen.
P. S. Um Gottes willen, mein Freund, vergessen Sie nur nichts von dem,
was Sie Madame Chiffon zu sagen haben. Ich fürchte, Sie verwechseln mir
alles. Also merken Sie es sich nochmals: Tamburinstickerei und _nicht_
blank!