Mein lieber Makar Alexejewitsch!
Ich bin in schrecklicher Aufregung. Hören Sie, was geschehen ist. Ich
ahne etwas Verhängnisvolles. Urteilen Sie selbst, mein bester Freund:
Herr Bükoff ist in Petersburg!
Fedora ist ihm begegnet. Er ist in einem Wagen an ihr vorübergefahren,
hat sie erkannt, hat sogleich befohlen, anzuhalten, ist dann selbst auf
sie zugegangen und hat sie gefragt, wo ich wohne. Sie hat es natürlich
nicht gesagt. Darauf hat er lachend die Bemerkung hingeworfen – na, er
wisse ja schon, wer bei ihr sei. (Offenbar hat ihm Anna Fedorowna alles
erzählt.) Da ist Fedora zornig geworden und hat ihm gleich dort auf der
Straße Vorwürfe gemacht, ihm gesagt, daß er ein sittenloser Mensch sei
und ganz allein die Schuld an meinem Unglück trage. Darauf hat er
erwidert, wenn man keinen Kopeken habe, müsse man allerdings unglücklich
sein!
Fedora sagt, sie habe ihm darauf erklärt, daß ich mich sehr wohl mit
meiner Hände Arbeit ernähren, daß ich heiraten oder schlimmstenfalls
eine Stelle hätte annehmen können, jetzt aber sei mein Glück für immer
vernichtet: ich sei außerdem krank und werde wohl bald sterben.
Darauf hat er erwidert, ich sei noch gar zu jung, in meinem Kopfe gäre
es noch, und er hat hinzugefügt, unsere Tugenden seien wohl ein bißchen
trüb geworden (das sind genau seine Worte).
Wir dachten schon, Fedora und ich, daß er nicht wisse, wo wir wohnen,
doch plötzlich, gestern – kaum war ich ausgegangen, um im Gostinnyj
Dworr einige Zutaten zu kaufen – da taucht er ganz unerwartet hier auf!
Wahrscheinlich hat er mich nicht zu Hause antreffen wollen. Zunächst hat
er Fedora lange über unser Leben ausgefragt und alles bei uns genau
betrachtet, auch meine Handarbeit. Und dann hat er plötzlich gefragt:
„Was ist denn das für ein Beamter, der mit euch bekannt ist?“
In diesem Augenblick sind Sie gerade über den Hof gegangen und da hat
Fedora auf Sie hingewiesen: er hat lebhaft zum Fenster hinausgesehen und
dann gelacht. Auf Fedoras Bitte, fortzugehen, da ich von all dem Kummer
ohnehin schon krank sei und es mir sehr unangenehm wäre, ihn hier zu
sehen, hat er nichts geantwortet und eine Weile geschwiegen: dann hat er
gesagt, daß er „nur so“ gekommen sei, er habe gerade nichts zu tun
gehabt, und schließlich hat er Fedora 25 Rubel geben wollen, die sie
natürlich nicht angenommen hat.
Was könnte das alles zu bedeuten haben? Weshalb, wozu ist er zu uns
gekommen? Ich begreife nicht, woher er alles über uns erfahren haben
kann? Ich verliere mich in allen möglichen Mutmaßungen. Fedora sagt,
Axinja, ihre Schwägerin, die bisweilen zu uns kommt, sei gut bekannt mit
der Wäscherin Nastassja, ein Vetter von dieser Nastassja aber sei
Amtsdiener in dem Bureau, in dem einer der besten Freunde des Neffen von
Anna Fedorowna angestellt ist. Sollte der Klatsch nicht auf diesem
Umwege zu ihm gedrungen sein? Wir wissen selbst nicht, was wir denken
sollen. Könnte er wirklich noch einmal zu uns kommen? Der bloße Gedanke
daran entsetzt mich! Als Fedora mir gestern das alles erzählte, erschrak
ich so, daß ich fast ohnmächtig wurde – vor Angst. Was wollen diese
Menschen von mir? Ich will nichts mehr von ihnen wissen! Was gehe ich
sie an? Ach, wenn Sie wüßten, in welcher Angst ich jetzt lebe: jeden
Augenblick fürchte ich, Bükoff werde sogleich ins Zimmer treten. Was
wird aus mir werden! Was erwartet mich? Um Christi willen, kommen Sie
sogleich zu mir, Makar Alexejewitsch! Ich flehe Sie an, kommen Sie!