9. April.

Makar Alexejewitsch!

Schämen Sie sich denn nicht, mein Freund und Wohltäter, sich so etwas in

den Kopf zu setzen! Haben Sie sich denn wirklich beleidigt gefühlt? Ach,

ich bin oft so unvorsichtig in meinen Äußerungen, aber diesmal hätte ich

doch nicht gedacht, daß Sie meinen harmlos scherzhaften Ton für Spott

halten könnten. Seien Sie überzeugt, daß ich es niemals wagen werde,

über Ihre Jahre oder Ihren Charakter zu scherzen. Ich habe es nur – wie

soll ich sagen –: aus Leichtsinn geschrieben, aus Gedankenlosigkeit,

oder vielleicht auch nur deshalb, weil es gerade furchtbar langweilig

war ... was aber tut man mitunter nicht alles aus Langeweile? Außerdem

glaubte ich, daß Sie sich selbst in Ihrem Brief ein wenig lustig hätten

machen wollen. Nun macht es mich sehr traurig, daß Sie unzufrieden mit

mir sind. Nein, mein treuer Freund und Beschützer, Sie täuschen sich,

wenn Sie mich der Gefühllosigkeit und Undankbarkeit verdächtigen. In

meinem Herzen weiß ich alles, was Sie für mich taten, als sie mich gegen

den Haß und die Verfolgungen schändlicher Menschen verteidigten, nach

seinem wahren Wert zu schätzen. Ewig werde ich für Sie beten, und wenn

mein Gebet bis hin zu Gott dringt und er mich erhört, dann werden Sie

glücklich sein.

Ich fühle mich heute ganz krank. Schüttelfrost und Fieber wechseln

ununterbrochen. Fedora beunruhigt sich sehr. Es ist übrigens ganz

grundlos, was Sie da schreiben – und weswegen Sie sich fürchten, uns zu

besuchen. Was geht das die Leute an? Sie sind mit uns bekannt und damit

Basta!

Leben Sie wohl, Makar Alexejewitsch. Zu schreiben weiß ich nichts mehr,

und ich kann auch nicht: fühle mich wirklich ganz krank. Ich bitte Sie

nochmals, mir nicht zu zürnen und von meiner steten Verehrung und

Anhänglichkeit überzeugt zu sein, womit ich die Ehre habe zu verbleiben

Ihre dankbare und ergebene

Warwara Dobrosseloff.

Sämtliche Werke 14 · 第 14 / 102 题