Makar Alexejewitsch!
Schämen Sie sich denn nicht, mein Freund und Wohltäter, sich so etwas in
den Kopf zu setzen! Haben Sie sich denn wirklich beleidigt gefühlt? Ach,
ich bin oft so unvorsichtig in meinen Äußerungen, aber diesmal hätte ich
doch nicht gedacht, daß Sie meinen harmlos scherzhaften Ton für Spott
halten könnten. Seien Sie überzeugt, daß ich es niemals wagen werde,
über Ihre Jahre oder Ihren Charakter zu scherzen. Ich habe es nur – wie
soll ich sagen –: aus Leichtsinn geschrieben, aus Gedankenlosigkeit,
oder vielleicht auch nur deshalb, weil es gerade furchtbar langweilig
war ... was aber tut man mitunter nicht alles aus Langeweile? Außerdem
glaubte ich, daß Sie sich selbst in Ihrem Brief ein wenig lustig hätten
machen wollen. Nun macht es mich sehr traurig, daß Sie unzufrieden mit
mir sind. Nein, mein treuer Freund und Beschützer, Sie täuschen sich,
wenn Sie mich der Gefühllosigkeit und Undankbarkeit verdächtigen. In
meinem Herzen weiß ich alles, was Sie für mich taten, als sie mich gegen
den Haß und die Verfolgungen schändlicher Menschen verteidigten, nach
seinem wahren Wert zu schätzen. Ewig werde ich für Sie beten, und wenn
mein Gebet bis hin zu Gott dringt und er mich erhört, dann werden Sie
glücklich sein.
Ich fühle mich heute ganz krank. Schüttelfrost und Fieber wechseln
ununterbrochen. Fedora beunruhigt sich sehr. Es ist übrigens ganz
grundlos, was Sie da schreiben – und weswegen Sie sich fürchten, uns zu
besuchen. Was geht das die Leute an? Sie sind mit uns bekannt und damit
Basta!
Leben Sie wohl, Makar Alexejewitsch. Zu schreiben weiß ich nichts mehr,
und ich kann auch nicht: fühle mich wirklich ganz krank. Ich bitte Sie
nochmals, mir nicht zu zürnen und von meiner steten Verehrung und
Anhänglichkeit überzeugt zu sein, womit ich die Ehre habe zu verbleiben
Ihre dankbare und ergebene
Warwara Dobrosseloff.