DER NACHTWÄCHTER

ALS der Herr schlief, machten sich die Holzpantoffel auf die Wanderschaft.

Zuerst kamen sie in ein Dorf, wo die Hunde bellten. Dann kamen sie in ein

Dorf, wo keine Hunde bellten. Dann kamen sie in ein Dorf, wo wiederum Hunde

bellten. Und endlich kamen sie in ein Dorf, wo nicht _ein_ Hund bellte.

Da gefiel es ihnen, und sie trippeltrappelten kreuz und quer durch alle

Straßen und Gassen.

Da kam der Nachtwächter und erfüllte seine Pflicht, indem daß er tutete.

Die Pantoffel, zu jedem Schabernack aufgelegt, klapperten im Kreise um ihn

herum.

Als der Nachtwächter die tanzenden Pantoffel sah und das Geklapper hörte,

wunderte er sich nicht schlecht und glaubte, er habe einen sitzen.

Aber er hatte keinen sitzen, sondern es war wirklich wahr: die Pantinen

hupften und sprangen und trampelten um ihn herum.

Da zog er seine Doppelkümmelflasche aus dem Busen und tat einen tiefen Zug,

um sich zu stärken.

Als er die Holzdinger immer noch hupfen und springen sah, tat er auf den

Schreck und als gründlicher Beamter einen zweiten Zug.

Als aber die Tüffel gar nicht aufhören wollten, ihn zu umklappern,

pietschte er die ganze Buddel aus.

Was war die Folge?

Er taumelte stockbetrunken durch das Dorf und kam sich von hunderttausend

Holzpantoffeln umhopst vor.

Er torkelte heimwärts und fiel seiner Frau Gemahlin angstschlotternd um den

Hals.

Die Pantoffel hatten nun genug und trippeltrappelten mopsfidel zurück zu

ihrem Herrn.

Der Nachtwächter jedoch -- ein sogenannter Pantoffelheld -- nahm die

Schläge hin, die seine Frau Gemahlin ihm zugedachte.

* * * * *

Moral: Bedudle dich! Aber bedudle dich heimlich und nicht ohne den

triftigsten Grund.

Kobolz: Grotesken · 第 5 / 57 题