Von diesen Gedanken Katharinas ahnte der harmlose Verliebte nichts. Wohl
war er in seiner Liebe ein Prinz, ja sogar ein König, -- aber nur ein
König auf dem Schachbrett, und Katharina war die Königin, die ihn matt
setzen sollte. Die Küsse, mit denen sie die seinen erwiderte, waren
zäher Leim, und an diesem Leim blieb das harmlose Vögelchen Borges
hängen.
Vater Bindegerst sah die Entwicklung der Dinge mit stillem Vergnügen.
Adolf war ihm lieb und wert, aber noch lieber war ihm der Gedanke, seine
zänkische, bösartige Tochter auf gute Art los zu werden. Er, der seit
dem Tode seiner Frau unter #Katharinas# derbem Pantoffel stand, träumte
in Gedanken von einer neuen Junggesellenzeit, in der er viel Versäumtes
nachzuholen gedachte.
Er redete Adolf nicht zu, aber er warnte ihn auch nicht, zumal ihm die
Erfahrung hinreichend bewiesen hatte, daß man leichter einem Nilpferd
das Ballettanzen beibringt, als einem Verliebten die Wahrheit über seine
Angebetete.
Es bestand zwischen Vater und Tochter ein stillschweigendes
Übereinkommen, dieser Angelegenheit ungehemmten Lauf zu lassen. Drohte,
wie so oft, ein lärmender Streit zwischen Vater und Tochter
auszubrechen, und fing Katharina nach ihrer Gewohnheit in den höchsten
Fisteltönen zu keifen und zu schreien an, dann hob Papa Bindegerst nur
mahnend seinen Finger und deutete nach oben und flüsterte: »Pst! #Er#
könnt's hörn!« und sofort ging Katharina zum zartesten Pianissimo über.
Wobei ihr Talent anerkannt werden muß, auch im leisesten Tonfall die
haarsträubendsten Bosheiten und Beschimpfungen von sich zu geben.
Und so kam denn der große Tag, an dem Adolf in aller Form um seiner
Erwählten Hand anhielt.
Er warf sich zu diesem Zweck in den schwarzen Sonntagsanzug, ergriff den
Zylinder, und es ging ihm einen Augenblick durch den Kopf: »Es is doch
merkwerdig, daß der Mensch zor Brautschau genau deselwe Aazug aazieht,
wie wann er zor'rer Beerdigung geht!«