Auch Vater Bindegerst hatte sich in sein Feiertagsgewand gehüllt, und
Katharina prangte wieder in ihrer weißen Bluse.
Die Bluse war nicht mehr ganz so blütenweiß wie damals, als sie den
ersten Angriff unternommen hatte: in der Taillengegend zeigte sie
deutliche Fingerabdrücke von Adolfs Händen.
Und nun saßen sich die beiden Männer gegenüber, während Katharina im
Nebenzimmer auf des Vaters Ruf wartete, wie die Kinder bei der
Weihnachtsbescherung auf das Klingelzeichen, und Adolf drehte verlegen
seinen Zylinder in der Hand und wußte nicht, wie beginnen.
Und dachte: »Genau so sitzt der liewe Gott uff seim Thronsessel unn dhut
die Erd' zwische seine Händ drehe, unn iwwerall, wo er se mit seine
Fingerspitze beriehrt, werd's Friehling unn die Blumme sprosse! Unn
manchmal werft er die Erd' wie e Gummiball in die Luft unn fängt se
widder uff, unn wann er se emal falle läßt, dann krieht die ganz
Erdeherrlichkeit die Kränk, unn all die Häuser borzele zusamme, unn dene
Herrn Feldmann unn Schröder ihr Geschäftshaus aach, unn der dick Herr
Schröder werd in de Trimmer erumfuhrwerke unn werd kreische: »Adolf, was
schdehn Se da unn halte Maulaffe feil? Nemme Se die Schipp unn de Besem
unn kehrn Se de Dreck eweck!«
Und endlich hatte Adolf den Zylinder genug in der Hand gedreht, er
raffte sich auf und stotterte: »Herr Bindegerst, ich waaß net, ob Se
vielleicht bemerkt hawwe....«
Und Vater Bindegerst unterbrach würdevoll: »Jawohl, Herr Borges, ich
#habb# bemerkt!«
Da wurde es ihm schon bedeutend leichter ums Herz, und er fuhr fort: »Se
hawwe neemlich e Dochter, Herr Bindegerst....«
»Jawohl, ich #habb# e Dochter!« bestätigte Herr Bindegerst.
»Unn Ihne Ihr Dochter ... se is nämlich so e gut Mädche, unn so e
Engelche....«
»Jawohl, se #is# e Engelche!« bekräftigte Herr Bindegerst. Und dachte:
Wen die Götter verderwe wolle, den strafe se mit Blindheit.
»Unn Ihne Ihr Fräulein Dochter unn ich ... indem ich'r nämlich in der
ledzte Zeit nahgetrete bin...«
»Oho!« sagte Vater Bindegerst. »Was muß ich heern? #Wie# nah sin Se err
getrete?«
Da kam die Weihe des Augenblicks über den kleinen Schwärmer Adolf und er
rief: »So nah, daß ich ihr Herz deutlich habb schlage heern, unn des
goldig Herzche hat als gebumbert: »Adolfche! Mei Adolfche!« hat's
gebumbert, unn #mei# Herz hat #mit#gebumbert: »Kättche, mei
Silwerkättche«, unn wege dere Bumberei bin ich heut da, unn sag Ihne:
Lasse Se dere Bumberei de kerchliche Sege gewwe! Ich bin kaa Milljonär,
ich kann Ihne Ihrer Dochter kaa Audomobil kaafe, awwer Trambahn fahrn
lasse kann ich se, unn satt zu esse werd se hawwe, unn gucke Se sich
emal mei Händ aa: uff dene Händ wer' ich se drage. Es sin solide,
kräftige Händ, unn Ihne Ihr Dochter werd gut druff sitze! Herr
Bindegerst, Se könne zwaa Mensche glicklich mache, -- sage Se »Ja!«
Vater Bindegerst war ganz paff über die Beredsamkeit seines
Schwiegersohnes und er dachte sich: »Des werstde Derr aach noch
abgewöhne!« laut aber sagte er: »Se wisse net, was Se verlange! Awwer,
wann's Kättche nix dagege hat, mein Sege hawwe Se! Nor aans sag ich
Ihne: Se misse aus'm Haus ziehe! Ich kann kaa jung Liewespärche um mich
braache!«
Und er rief: »Kättche, komm emal erei! Der Herr Borges is da unn muß so
needig emal heierate!«
Und wenige Sekunden später lag Katharina in seinen Armen und Adolf
glaubte, die ganze Welt erobert zu haben.
Drunten im Hof aber spielte wieder der Orgelmann:
»Katharinchen mit dem Selleriekopp,
_Allez_ hopphopphopp! _Allez_ hopphopphopp!«
In dieser Nacht gab es in dem Hause in drei verschiedenen Zimmern drei
glückliche Menschen:
In seiner Dachkammer saß Adolf und jauchzte: »Ich habb se! Ich habb se!
Unn wann der Herr Feldmann hunnertmal Recht hätt unn ich wär e Kamel, so
gescheit war ich doch, daß ich merr des scheenste Kamelweibche geholt
habb, was es iwwerhaapts uff dere Welt gibbt!«
Und in ihrem Bett lag Katharina und schmunzelte mit funkelnden Augen:
»Ich habb'n! Fest haww ich'n! No, wart nor!«
Und vor dem Krug mit dem Trompeter von Stolzenfels am Rhein saß der alte
Bindegerst und rieb sich die Hände und lachte in sich hinein: »Se hawwe
sich! Ich bin se los!«