Sonst aber, -- noch kein Anlaß, sein Leben zu ändern! --

Es gab für George eine neue, vorteilhafte und vielversprechende

Verbindung mit der Vossischen Buchhandlung in Berlin. Es gab neben der

Ausarbeitung seiner jüngsten Reiseerinnerungen, die dem Publikum

allmählich in drei Bändchen unter dem Titel »Ansichten vom Niederrhein«

dargeboten werden sollten, endlose Rezensionen, endlose

Übersetzungen, endlose, endlose Lohn- und Frohnschreibereien. Es gab

literarisch-politische Erregungen, etwa über Hohlköpfe und

Perückenstöcke, die die Revolution angriffen, wie Herr Girtanner in

Göttingen oder über einen englischen ^fat^, der sein Licht gegen ihre

Schattenseiten leuchten ließ und gegen sie andeklamierte, wie Burke in

London, es gab zuweilen einmal Grund, sich selbst als den Mäßigen,

Klugen, Gerechten zu empfinden, wenn ein Mann wie Schlosser -- oder ein

anderer, -- die Franzosen verdammte, -- gab Gelegenheit, sich als den

Sparsamen, Haushälterischen, Zurückhaltenden zu loben, wenn man

wahrnahm, wie ein Liebling des Publikums, der so vergötterte Goethe in

Weimar, ein Ding auf den Markt zu bringen wagte, wie den »Groß-Kophta«,

ein fades Machwerk ohne einen einzigen Gedanken darin! Nun wenigstens

war George Forster so ausgelaugt noch nicht, wenn schon noch kein

Liebling der Lesewelt. Dies würde bald kommen. Möchten nur die Herren,

die für ihre Mädchen, Läufer, Lakaien und Musikanten oder Poeten (siehe

den Herzog von Sachsen-Weimar!) täglich Hunderte ausgaben, möchten sie

doch nur erst endlich einsehen, daß sie mehr Ruhm davon hätten, wenn sie

einen Gelehrten, dessen Werk ihren Namen durch die Jahrhunderte tragen

würde, dermaßen unterstützten, daß er vom Joch der Tagesschriftstellerei

befreit schreiben könnte, zum ersten: das ^Descriptio plantarum^ der

Südsee, und zum zweiten: die Geschichte der Südseeinseln. Weiteres würde

sich einstellen. Auf der Suche nach solcher Fürstengunst schrieb man

dann an Müller, an Dohm, an Voß, unter ausführlicher Darlegung aller

Schwierigkeiten, mit denen man zu kämpfen hatte, erntete verlegene

Gegenbriefe, Ratschläge und verhüllte Ablehnungen und hatte Anlaß, sich

gegenüber einer ausgearteten Hierarchie und Aristokratie als Glied einer

edleren und besseren Mittelklasse zu fühlen, -- keinen Anlaß, sein Leben

zu ändern.

Wollte der alte Heyne wieder erziehen? Stellte er warnende Beispiele von

verschwenderischen Herren aus Göttinger Universitätskreisen auf, mit

denen es dann schief gegangen war? Von lauter Herren mit Vorliebe für

englische Façons und englisches Mahagoni!? Rang er von ferne die Hände

über Georges politische Ansichten, die doch weiß Gott, sich milde genug

äußerten, und warnte er, warnte er?! Sprach er von »dem Zentrum des

Studierstübchens, von dem aus er ohne zu staunen durch ein klein Fenster

oder einen Ritz das Narrenspiel der Welt mit ansähe«? Oh, wußte denn

dieser alte Mann, was seine Frau Tochter bei ihrem Lilienleben auf dem

Felde verbrauchte und wer im Hause es eigentlich war, der den Ofen des

politischen Enragements nicht ausgehen ließ? Ei, da hatte er Anlaß, vom

Geist hannöverischer Teegesellschaften zu reden und von dem Geist

Englisch-Hannovers im allgemeinen, -- von wo aus sich unschwer der

Übergang bot, auf den Geist Alt-Englands überhaupt zu kommen und auf

alte Geschichten, -- Anlaß somit, sich gründlich auszusprechen, keinen

Anlaß indessen, sein Leben zu ändern.

Gäste kamen und gingen durchs Haus, durchreisende und die alten in Mainz

ansässigen Freunde. Zu dem Kreise um den abendlichen Teetisch gesellte

sich zuweilen August Lux, ein junger Rousseau-Schwärmer, der draußen in

Kostheim sein kleines Landgut bestellte, ein Kind nach dem andern zeugte

und es in seliger Freiheit mit seinen Kälbern und Ferkeln aufwachsen

ließ, -- zuweilen der Ingenieur Eikmeyer, der Ausbauer der

Festungswerke, -- es gab unendliches spekulatives Raisonnement, wozu die

Nachrichten und Gerüchte des Tages mehr Stoff als genügend boten.

Und da war seit dem Frühjahr 1792 Karoline Böhmer, die verwitwete

Karoline, die mit ihrer kleinen Tochter einen Zufluchtsort gesucht hatte

und von Therese mit einer gewissen Leidenschaftlichkeit nach Mainz

eingeladen worden war. Oh, Therese hatte ein so starkes

Menschenbedürfnis und besaß in Mainz noch immer keine Freundin, denn

Frau Forkel kam nicht in Betracht. Was war also Wunderbares an dem

Wunsch, Karoline in der Nähe zu haben, Karoline, die nun täglich ins

Haus kam und mit der milden Heiterkeit ihres Geistes an allem teilnahm,

was die Freunde betraf?

Jedoch es kam auf alles dieses garnicht an. Auf dem Hintergrund der Tage

voll Arbeit, Krankheit, Mühsal, voller verschlungener Jahreszeiten mit

Blumensprießen, Ernte und Blätterfall, auf dem Hintergrund, in den die

Gestalten der Freunde hineingewebt waren wie wandelnde Gobelinfiguren

und auf den das europäische Geschehen Widerschein und Schatten warf, auf

diesem Hintergrund spielte sich das Folgende ab. --

Es waren zwei zeitlich fast durch ein Jahr voneinander getrennte

häusliche Ereignisse, aber für George schmolzen sie seltsam in eins

zusammen und er vermochte sie später in der Erinnerung nicht voneinander

zu trennen. Sie begannen damit, daß seine Arbeitsruhe gestört war durch

eine Beobachtung, die er sich zunächst nicht eingestehen, die er nicht

wahr haben wollte und vor der er sich in die Bibliothek zurückzog, um

sich dort wochenlang zu vergraben. Immerhin nutzte es nichts, dann bei

den Mahlzeiten und abends bis zum Einschlafen den Gesprächigen zu

spielen, ja den reißend Geschwätzigen, der sich Mitteilungen des anderen

in den kurzen Stunden des Beisammenseins weislich vom Leibe zu halten

wußte, nutzte nichts, wenn man sich leidender gab, als man wirklich war,

und in Haltung und Gebärde die verzweifelte Bitte ausdrückte, einen mit

folgenschweren Mitteilungen zu verschonen. Dies alles ließ sich

höchstens sechs bis acht Wochen durchführen und dann, -- dann kam eben

doch der Abend, an dem es Hohn gewesen wäre, sich dem Augenschein länger

zu verschließen, an dem er übrigens plötzlich von Gewissensangst,

Pflichten versäumt zu haben, tief beunruhigt fragen mußte: »Ist es an

dem, Therese, -- ist es denn wirklich an dem?«

Das Besondere war, daß Therese, die ihn in der Erwartung des Röschens

und der kleinen Claire immer von ihren Hoffnungen unterrichtet hatte,

fast noch ehe sie sich bestimmter Anzeichen erfreuen konnte, ihn bei

diesen beiden Kindern ganz seinen eigenen Ahnungen und Wahrnehmungen

überließ, daß sie die körperliche Anfälligkeit der ersten Monate in

keiner Weise zur Schau trug und ihr Möglichstes tat, durch eine passende

Kleidung den wachsenden Umfang ihres Leibes zu verbergen, so daß er von

beiden Kindern erst erfuhr, als die Mutter ihr Leben schon fühlte und

auch dann erst auf jene Frage hin, die er nicht mehr unterdrücken zu

können glaubte. Dies, so stellte er über seine Arbeit gebückt aber

stundenlang ohne fortzuarbeiten grübelnd fest, dies war Rücksichtnahme

von Therese, ohne Zweifel. Er bewegte den Kopf leise hin und her und

stöhnte, begegnete seitlich blickend, als wollte er vor irgend etwas

ausweichen oder suchte etwas, seinem in der zurückgeschlagenen Scheibe

des offnen Fensters gespiegelten Bilde und starrte erschrocken hin. War

er denn das, der den Kopf so zwischen die Schultern zog, der so scharfe

Falten von der Nase zum Munde hatte, zu diesem in Qual verzerrten und

lautlos geöffneten Munde? Hatte er diese Augen mit der zerknitterten

Stirn, den gewulsteten Brauen darüber, diese Augen voll Abwehr, Argwohn

und Angst? Oh, abgewandt von diesem trüben Spiegelbild richtete er sich

hastig auf, ordnete seine Züge durch ein Lächeln von innen heraus, wie

er meinte, und sagte sich von neuem: Rücksicht war es und Rücksicht

allein, der Wunsch, ihm Zukunftssorgen so lange wie möglich zu ersparen,

Liebe also, für die er zu danken hatte, auf Knien zu danken! Rücksicht

jedoch, hatte er seit seiner Heimkehr aus England gelernt, konnte

fürchterlich, konnte erstickend, konnte zum Fluch werden. Er begriff es

nicht, warum jetzt fortwährend Rücksichten auf ihn genommen wurden, auf

seine Appetite, seine Launen, seine Zeiteinteilung, seine Wünsche über

Kindererziehung, auf sein Befinden, seinen Geschmack in allen und jeden

Dingen, -- daß er fortwährend gefragt wurde, ob er zufrieden sei, ob

er's auch anders haben wollte? Daß das Röschen angehalten wurde, auf den

Fußspitzen zu gehen und nicht zu plaudern, wenn er Kopfschmerzen hatte,

daß das kleine törichte Clairchen dann wenn es schrie in das entlegenste

Zimmer verbannt wurde; daß niemand mehr hinging und auf seinem

Schreibtisch Ordnung machte, was er sich früher zu hundert Malen umsonst

verbeten hatte; daß bei Tisch Gespräche fallen gelassen wurden, wenn er

merken ließ, daß sie ihn verstimmten; daß er so viel angelächelt wurde;

daß die Umschläge, Einreibungen und Medikamente für ihn immer vorhanden

waren. Alles, alles dieses, das er früher entbehrt hatte, bis er die

Entbehrung gewöhnt gewesen war, er besaß es jetzt im Überfluß, er ging

wie auf Watte, seine Wände waren gepolstert, Therese pflegte ihn und

Huber schonte ihn und beide waren so einig darin, daß er geliebt werden

müsse. Sie blickten sich an, und dann kam ein Vorschlag, der ihm Freude

machen sollte, etwa, ob er nicht einmal wieder auf den Abend die Kupfer

zur Südseereise ausbreiten und ihnen erklären wolle, oder die

australischen Muscheln zeigen oder aus den »Ansichten« vorlesen, -- sie

blickten sich an und dann zog sich Huber zurück, und er blieb mit

Therese allein, -- sie blickten sich an, und dann überredeten sie ihn

gemeinsam zu dem oder jenem, wozu er vorher keine Lust gehabt hatte. Und

mit der Zeit blickten sie sich auch garnicht mehr erst an, sondern was

der eine meinte, das sprach der andere aus, sie waren aufeinander

eingespielt, waren in einem Einverständnis der Liebe zu ihm, wußten ihn

zu nehmen, -- oh, und er, anstatt dankbar zu sein, anstatt auf den Knien

zu lobpreisen für das Himmelsgeschenk, das ihm da wurde, er knirschte,

er ballte heimlich die Fäuste, er hätte gerne um sich geschlagen und

Luft gemacht -- und wußte doch, das wäre wie ein Schlag ins Wasser

gewesen oder ein Versinken in Federkissen! Denn sie waren so

unangreifbar freundlich, die beiden, ihre Gelassenheit so unzerstörbar,

so ruhig der Glanz der Heiterkeit auf ihren Stirnen. Und da hatten sie

es nun für gut befunden, ihm vorzuenthalten, daß er wieder Vater werden

sollte, -- oder nein doch, Therese hatte es für gut befunden, es ihm und

aller Welt und somit auch Huber so lange zu verbergen, als es immer nur

anging. Er erklärte es sich ja, er verstand, -- es waren diese beiden

jungen Männer am Tisch, Huber und Mr. Brand mit seiner englischen

Prüderie, da durfte selbst er es nicht wissen, ehe es nicht mehr zu

umgehen war, nur damit er durch Fürsorge und Aufmerksamkeiten die Blicke

nicht auf sie zöge. So war es, redete er sich ein, natürlich, so war es!

Was sollte es auch sonst ...

Oh, Huber war der beste, treueste Freund, er nahm wie ein Bruder an

allem teil, was seine Forsters anging! Er war es, der in den Nächten,

wenn die Entbindungen herannahten, kaum schlief, sich höchstens

angekleidet niederlegte oder stundenlang auf- und niederging, -- man

konnte seine leisen ruhelosen Schritte in der ehelichen Schlafkammer

vernehmen. Er war es, der dann zur Hebamme lief, den weiten Weg durch

die ganze Stadt zum Cöstrich, den des Nachts keine Magd allein machen

wollte, während George am Bette der Leidenden saß, bereit, die erste

Hilfe zu leisten, halber Mediziner, der er einmal war.

Dann waren diese Stunden des Wartens, erfüllt vom herben Duft des

schnell entfachten Holzfeuers im Ofen, das sausend brannte, vom Geruch

nach Fenchel und Baldrian, und unruhig gemacht von der aufgeregten

Geschäftigkeit der Mägde. Da war das Stimmchen eines der Kinder, das, im

Schlaf gestört, klagend weinte und mählich wieder verstummte. Da war

Theresens Flüstern: »daß nur Brand nicht geweckt wird, -- sie sollten

doch leiser gehen ...« und wenn er dann auf den Fußspitzen auf den Flur

gegangen und zur Vorsicht gemahnt hatte, ihr dankbarer Blick und dann

wieder ihre Augen geradeaus gerichtet ohne Ziel oder mit einem Ziel im

Unsichtbaren, bis von neuem die ratlose Angst hindurchflackerte, um

gleich einem Ausbruch unbedingter Entschlossenheit zu weichen, bei dem

die kleinen Hände sich ballten, der Kopf zurückgeworfen ward, der ganze

Körper sich straffte und so dem Krampf der Wehe begegnete. Sie griff

nicht nach seinen Händen, o nein, -- aber warum wagte er es denn auch

nicht, die ihren zu fassen, warum redete er ihr nicht zu, sich

festzuhalten, warum stützte er sie nicht, wie er doch so gern getan

hätte, -- warum saß er hier und starrte aus einer entsetzlichen Ferne

des Herzens hinüber in ihren Kampf? Warum konnte er nicht zu ihr, warum

lag diese undurchdringliche Einsamkeit des Stolzes und der Tapferkeit um

sie her?

»Therese ...« murmelte er erschüttert, wenn es vorbei war, ja, und sie

lächelte ihn an mit einem vergehenden Lächeln von Güte, als sei er es,

der gelitten habe. Er legte die Hand über die Augen.

»Wie lange ist er schon fort?« flüsterte sie.

George sah auf seine Uhr: »Eine Viertelstunde, -- noch ein wenig Geduld

...«

Draußen schleuderte der Wind Regenschauer gegen die Fensterscheiben, --

immer waren dies Frühlingsnächte. Immer murmelte Therese dann etwas wie:

»Daß er nun so hinausgelaufen ist mitten in der Nacht« und »Ist er nicht

gut?« Immer meinte George darauf antworten zu müssen wie auf einen

unausgesprochenen Vorwurf, daß er ja doch auch gegangen sein würde, aber

wer wäre dann bei ihr gewesen? Immer war dann dies unbegreifliche

Lächeln der Güte wieder, die Hand, die seine streichelte und schnell

wieder fortging. Dann hastige kleine Worte über häusliche

Angelegenheiten, -- daß man nicht vergessen möge, den Dachdecker kommen

zu lassen, es regnete oben an einer Stelle ins Haus, die Lise würde

schon wissen. Daß sein, Georges, englischer Castorhut zum Kürschner

müsse, er möge daran denken und keine Visiten mehr damit machen. Daß in

der Bodenkammer im Bettkasten obenauf baumwollenes Zeug zu warmen

Unterröckchen für die Kinder liege und auch Strickgarn für neue

Winterstrümpfchen, -- ach, die Lise wisse ja Bescheid, an die Lise könne

er sich in allen Fällen halten. Während sie von einer neuen Wehe gepackt

verstummte, dachte er, er wisse wohl sehr gut, was sie damit meinte mit

diesem »in allen Fällen«, befand es aber für gut, sich nichts merken zu

lassen. Sie, erschöpft vom Schmerz, flüsterte noch: »Huber bat mich

gestern abend noch, an seinem roten Frack einen Knopf anzunähen,

erinnere doch Lise ...« drehte den Kopf auf die Seite und gab sich

aufatmend einem leichten Schlummer hin, während er nun, die Wange in die

Hand gelegt, reglos in die flackernde Kerze sah. Die sonderbare

Abgelöstheit dieser Stunde aus dem Alltag gab ihm eine Art von

Trunkenheit, ein Gefühl, überwach zu sein, gab ihm die Täuschung, vor

Entscheidungen gestellt zu sein, oh, endlich nackt vor Gott zu stehen,

vor Gott allein. In solchen Stunden schien das ganze Leben

gerechtfertigt und leicht und süß, von heller weiser Lieblichkeit, wie

die Quälereien einer grausamen Geliebten in der Stunde, da sie sich

ergibt. In solchen Stunden war die Erinnerung an den König Minos

zärtlich und ganz ohne Bitterkeit, obgleich dieser König Minos eben in

diesen Jahren wieder begonnen hatte, sich alter Gewohnheiten zu

entsinnen und dem Sohn in jedem Briefe seine Einnahmen nachrechnete, um

sie mit den eigenen zu vergleichen. In solchen Stunden schaukelte George

auf dem Gartenpförtchen zu Nassenhuben und spürte den alten Abendwind

der Kindheit vor der dunklen Nacht und alles, was an dem Wege von jenem

Garten bis zu dieser dunklen Frühlingsnacht gewesen war, lag in dem

verzaubernden Schein der Ahnung mehr noch als im verklärenden der

Erinnerung. Er träumte sich da einen fabelhaften Strom, Schiffe, von

heldenhaften Männern geführt, Meerwunder, unerhörte Vögel, Pisanghaine,

Türme, Paläste, Tore, Säulen, Dome, Minaretts aus edelsteinblauem, von

Feuer durchglühtem Eis. Er war ein sonderbarer kleiner Knabe unter

anderen sonderbaren kleinen Knaben in Deutschland, sie würden alle ihren

Weg machen und im Zauberwald des Lebens große Taten tun und ihre kleinen

knospenhaften Namen würden blühen. Sein Name unter den großen des

Zeitalters, -- er lächelte. Über das in seinen Krämpfen schwer atmende

Weib hinüber dachte er an den Mann, der sich jetzt aus ihrer

Erdverbundenheit zum Lichte rang, -- dachte an einen Sohn aus seinem

Blut und Geist. -- Er schrak auf. Therese, längst erwacht, mit bangen

wandernden Augen und in Bedrängung ächzend, hatte geflüstert: »Da kommt

er, Gottlob!« Hatte er die Haustür überhören können? Schritte kamen die

Treppe hinauf, da waren Stimmen ... »Ja, sie ist es!« sagte er erlöst

und indem er der Wittib Schippel seinen Platz am Bett einräumte, gab er

sich selbst in Hubers Freundeshände. Und Huber war der beste sorgende

Freund, er ließ Kaffee bereiten, er machte für den Todmüden ein Lager

auf dem grünen Kanapee zurecht. George, nun wirklich in Halbschlaf

versinkend, erblickte in den Pausen seiner Betäubung immer wieder den

langen gebeugten Schatten des andern, der lautlos durch das Zimmer

wanderte, stehen blieb, wenn das Jammern der Leidenden anschwellend

herüberklang, -- diesen Schatten im Zwielicht der abgeblendeten Kerze,

der Seufzer ausstieß, die Hand über die Augen legte, stöhnte. »Mein

Huber hat ein weiches Herz«, dachte George, flüsterte es sich innerlich

eifrig und schnell zu, und beobachtete den andern durch halbgeschlossene

Lider unablässig, die Knöchel der ganz verkrampften Hand gegen die Zähne

gepreßt. »Mein Huber hat ein weiches Herz, das fremde Leiden rührt ihn

allzusehr, -- mein Huber hat ein gar zu weiches Herz ...«

»Huber! Es ist eine Tochter!« sprach er, gegen Morgen aus der

Wochenstube tretend, -- aber süßer klang es ihm selbst im April 1792,

als er mit den Worten, -- nun, Worten, die er im Überschwang des

Augenblicks nicht abgewogen hatte! -- an die Brust des Freundes sank:

»Mein Huber! Wir haben einen Sohn!«

Und Huber, -- oh ja, er hatte wohl ein weiches Herz, er hatte

mitgelitten, aber nun schluchzte er vor Freude und dann lachte er wie

geschüttelt, die Arme um Georges Schultern gelegt, den Kopf abgewandt,

-- lachte und wurde mit einem Schlage wieder tiefernst. Er folgte George

an Theresens Bett, sie hatte den Wunsch ausgesprochen, ihm zu danken,

der so treu mitgewacht hatte, er stand von ferne, mit hängenden Armen

und gesenktem Kopf auf sie hinblickend, die, den Neugeborenen im Arm, zu

ihm auflächelte. Und da war kein Wort im Zimmer, aber etwas wie Frage

und Antwort, ausgedrückt in einer unhörbaren süßen Musik, die auch

George mit einem verborgenen Organ der Seele vernehmen, die er aber

nicht deuten konnte, an der er herumrätselte, -- und da war es auch

schon vorbei, und Huber schlich auf den Zehenspitzen hinaus und er

folgte ihm, und da war ein neuer grauer Tag und da lag wartend die

Arbeit von gestern, -- nein, diese Nacht hatte nicht vermocht, das Leben

zu erneuern. -- --

* * * * *

An Christian Friedrich Voß, den Verleger, der zum Freunde geworden war,

schrieb George, -- und er tat dies, als die kleine Tochter Louise schon

seit sechs Monaten den guten Platz am Herzen liebender Eltern und

Geschwister wieder verlassen und ihn mit einem Bettchen unter dem Rasen

des St. Christoph-Friedhofes vertauscht hatte, -- George also schrieb am

Morgen des 24. April 1792 an den guten Voß in Berlin:

»Ich bin am Sonnabend von meiner Frau mit einem jungen Sohn beschenkt

worden. Sie, mein gütiger Freund, werden Anteil an unseren Empfindungen

bei dieser Gelegenheit nehmen. Sie sind Empfindungen von gemischter Art;

Freude, daß der kritische Zeitpunkt glücklich überstanden ist, daß alles

gut geht, Mutter und Kind gesund sind; Freude, daß der Mann, der einmal

den häuslichen Kreis einem glänzenden Glück vorgezogen hat, nun auch die

Bestimmung näher vor sich sieht, gewisse Ideen- und Gedankenreihen, die

in einen weiblichen Kopf nie recht passen, dennoch einem seiner Kinder

übertragen zu können und zu sollen; aber dies gemischt mit den

Besorgnissen aller Schwierigkeiten, welche sich zwischen jenen Zeitpunkt

der vollendetsten Erziehung und diese Aussicht aus der Ferne noch häufen

und sie vereiteln können, mit dem Gefühl vervielfältigter Pflichten und

vermehrter Beschwerde auf dem Pfad des Lebens, -- vor allem mit dem

Gedanken, daß das künftige Glück und die Zufriedenheit noch eines

Menschen nun wieder von unserm Handeln abhängen muß. -- Ich wollte

wirklich so ernsthaft nicht werden, lieber Freund, allein was sich jetzt

in Kopf und Herzen regt, drängt sich auch wider Willen hervor. Sie

halten mir diese Mitteilung meiner selbst zu gute. -- Und nun zu unseren

Geschäften ...«

* * * * *

Der Mann, der »einmal den häuslichen Kreis einem glänzenden Glück

vorgezogen hatte« -- gleichviel, ob man jenes glänzende Glück zu keiner

Zeit seines Lebens enger hätte umschreiben können, denn mit dem Begriff

einer Fata Morgana, dieser Mann fragte sich in den folgenden Monaten

zuweilen, ob es denn nun eingetreten sei, daß Sorge und Mühsal ihn vor

der Zeit hätten altern lassen, so daß er Jugend und Frohsinn nicht mehr

verstünde. Denn er saß in seinem häuslichen Kreis wie ein Fremder, wie

ein tagfremder Uhu, den Singvögel umlärmten, in diesem häuslichen

Kreise, den ein unbegreiflicher Taumel beherrschte. Ein Glas Wein nach

Tagesschluß, gewiß, er verschmähte es nicht, es erwärmte sein langsames

Blut, es belebte für eine Stunde seinen ermüdeten Geist, -- mußte jedoch

Abend für Abend Wein getrunken werden? Kam er nicht aus seinem eigenen

Keller, so hatten Huber oder Brand ein paar Bouteillen mitgebracht. Die

Fenster standen alle weit geöffnet, milde, duftschwere Mailuft wogte

herein, blühende Obstbaumzweige oder Fliedersträuße schmückten das

Zimmer und auf dem grünen Kanapee thronten Therese und Karoline und

hielten Hof. Wie einst fühlte er jene unerklärliche Wärme von Karoline

auf sich ausstrahlen, sah sie heiter, gelassen und anmutig, wo Therese

sprunghaft, ungeduldig und von einer sonderbaren Bitterkeit des

Ausdrucks war, versuchte zu vergleichen, -- und wußte, daß er Theresen

angehörte, Theresen allein und für immer, mochte sie sanft und süß sein,

wie sie es in jenem ersten Winter in dieser Wohnung gewesen, oder von

der geistig aufgeregten Heftigkeit, die sie jetzt ununterbrochen

schöngeistern und politisieren ließ und in Betrachtung der neusten

Ereignisse in Paris leidenschaftlich Partei ergreifen, -- für Frankreich

natürlich, für Frankreich und die Freiheit und gegen alle Despoten

Europas, den unglücklichen Ludwig eingeschlossen. Karoline ließ dann

nicht von ihrem spielenden Lächeln, das jeden streifte und es nicht zu

begreifen schien, wieso man sich dermaßen echauffieren könne, da denn

doch alles aufs Menschlichste zu erklären sei, -- Karoline sprach dann

zuweilen ein Wort, das erstaunlich klug und einfach den Gegenstand des

Gespräches auf einmal abtat, -- Karoline wandte sich manchmal ganz ihm

zu, wenn er still und müde dasaß, sie lockte ihn aus sich heraus, sie

war geduldig lauschend, war freundlich, -- dennoch, in ihrer Gegenwart

spürte er stärker als seit Jahren, daß er Theresens bedurfte und

Theresens allein. Es war nicht recht von Therese, daß sie die

Eifersüchtige spielte, freilich, nur _spielte_, nur mit kleinen

Neckereien, mit verstelltem Schmollen, mit Redewendungen, wie: nun, sie

wolle das ^tête à tête^ nicht stören, wenn er einmal in ein Gespräch mit

der Freundin versenkt war. Es war nicht recht von ihr und entzückte ihn

doch und er mußte dann nachher zu ihr kommen und sich mit vielen Worten

rechtfertigen, ungeschickten kleinen Worten, die sie ungern anhörte:

»Aber ich bitte dich, lieber Freund, -- es war doch nur Scherz!« und

»ich gönne es dir doch wahrhaftig ...« Oh, was mißverstand sie nur? oder

wollte sie mißverstehen? Sie ließ ihn mit Karoline allein, tauschte

Blicke mit Huber, wenn er im allgemeinen Gespräch sich einmal ereiferte

und dann ohne es zu wollen, in diese aufmerksamsten und stillsten Augen

am Tisch hineinsprach, deren Ausdruck ganz allmählich in Lächeln

überging. Er sprach von der »Sakontala«, er träumte redend den Traum von

Indien, feurig phantasierend, unerachtet Mr. Brands skeptischen Lächelns

über den Rand des Glases hinüber, -- ein Deutscher konnte den

Wundersamen freilich besser zum Keimen bringen als ein verknöcherter

Engländer mit den Voraussetzungen des Warren-Hastings-Prozesses und den

gewinnsüchtigen Spekulationen der jungen ^East Indian Company^, die sich

gierig wie ein Geier auf jene unerhörte Beute gestürzt hatte.

_Deutschland_ war bestimmt, das tausendjährige Herz des erstgeborenen

Bruders wieder zu erlösen! Über seinem Schwärmen wußte er doch immer

jede Bewegung Theresens und daß sie sich vom Tisch erhoben hatte und mit

ihren Schritten Huber nach sich ans Spinett zog, -- wußte, daß Huber

sich jetzt dort vor den Tasten niederließ und zu ihr aufblickte, die

über den Deckel gelehnt, das Kinn in die Hand gestützt, auf ihn

einsprach, und versuchte verzweifelt den Gegenstand jenes halb flüsternd

geführten Gespräches zu erraten. Sprachen sie denn wieder von dem

kleinen Jungen, von seinem kleinen Jungen, mit dem so viel vor sich

ging, das er nicht erfuhr, oder nur, wenn man sich allein, ohne ihn aus

der Bibliothek, aus seinem Kabinett herbeizurufen, über einen neuen

Krampfanfall gesorgt, mit Wedekind, dem Arzt, und mit Huber zur Seite,

-- aber ohne ihn, den Vater? Der Vater bedurfte der Schonung, der

Rücksicht, der Arbeitsruhe. Es gab Stunden, die kämpfte ein wackeres

Weib allein mit ihrem Gott durch. Nun ja, -- möchte sie doch nur allein

mit ihrem Gott und allenfalls mit Wedekind gewesen sein! Wenn der kleine

Junge so elend war und wachsbleich, -- warum mußte dann abends hier Wein

getrunken, gesungen und getanzt werden? Übrigens fühlte er sich gar

nicht imstande, seinem dunkeln Widerstreben Ausdruck zu leihen. Wenn

sich die Unterhaltung um ihn her in Histörchen und Anekdoten auflöste,

wenn Huber anfing, sich zu seinen Arien auf der Laute zu akkompagnieren,

wenn die Forkel sich erbitten ließ, den einzigen Tanz zu spielen, den

sie beherrschte, dieses ewige Menuett von Gossec, zu dem Karoline dann

mit einem unsichtbaren Partner ihre Pas und Komplimente machte, -- was

hatte er also zu schaffen mit dieser tanzenden lächelnden Dame? --

fragte er sich, -- wenn dann um Mitternacht Wedekind auftrat, um den

Lustbarkeiten ein Ende zu machen, die Forkelin nachhause zu bringen und

den einmal angebrochenen Bouteillen auf den Grund zu sehen, wie er

sagte, -- oh, so saß George in einer Ecke des Kanapees bei der Kerze,

scheinbar ins ^Journal des Débats^ oder den ^Moniteur^ vertieft, im

Herzen bitter entrüstet und ratlos, weil sie alle spielen durften und

mochten und immer nur spielen, -- nur er nicht. Merkte es wohl ein

Mensch, nahm etwa Therese es wahr, wenn er aufstand, den einen Leuchter

ergriff und in die Kammer ging? Dort stand er an der Wiege, das Licht

mit der Hand schützend, und starrte auf das winzige Gesicht, dessen

bläuliche Lider sich beim Schlafen nie ganz schlossen, so daß die Iris

reglos und erschreckend durch den Spalt schimmerte. Ein Zucken lief

mitunter über die blassen Bäckchen hin und durch diese mageren Händchen,

die da auf dem Deckbett lagen, ausgestreckt und ergeben, wie die Hände

eines leidenden Erwachsenen. Was suchte er denn in den alten faltigen

Zügen des Würmchens, warum ging er nicht wieder, da er doch sah, hier

war alles in Ordnung? Der kleine George, dachte er langsam mit Erwägung

jedes einzelnen Wortes, sieht unter seinen Geschwistern nur der kleinen

Louise ähnlich, der kleinen Louise, wie sie dalag und tot war. Warum

wurde drüben gesungen, getrunken, gelacht, wenn der kleine George dalag

und aussah wie tot? Er tastete sich trotz seines Leuchters durch den

Saal zurück, als ginge er durch Dunkel. Plötzlich blieb er stehen,

reckte den Arm mit dem Licht hoch und starrte böse und grübelnd hinauf

zu seinem eigenen Bilde, zu diesem arglos liebenswürdigen Antlitz da

oben, das über ihn wegsah, als hätte es nie etwas mit ihm gemein gehabt.

--

Woher dies Feuer der Beredsamkeit? dachte jetzt George zuweilen am

Familientisch, -- nun, saß Therese neuerdings auf kassandrischem

Dreifuß? Sie hatte einen Menschen mit der ^cocarde tricolore^ durch die

Gassen gehen sehen, hatte armes Volk untereinander auf die Reichen und

die Pfaffen schimpfen hören, hatte sich auf dem Markt über die steigende

Teuerung aufgeregt und sich die Schandtaten irgendwelcher Emigranten

erzählen lassen, die sich doch wahrhaftig immer mehr gebärdeten, wie die

Herren im Lande. Therese also, durch eine Belanglosigkeit angeregt,

Therese dozierte etwa so: Der Krieg, der sich da vorbereitete, der schon

im Gange war, er war eine interne Angelegenheit der Franzosen, -- kein

Zweifel bestand für den Einsichtigen! Bruder gegen Bruder kämpfte

Frankreich verzweifelt um sein zerrissenes, blutendes, um sein heiliges

Herz.

Dies sei sehr richtig bemerkt, mochte Huber hier einfügen. Preußen und

Österreich schmeichelten sich zwar in dem Wahn für die Ruhe Europas und

somit für das eigene Interesse zu rüsten, indessen ...

Indessen, dies lag auf der Hand, -- Therese reckte lebhaft ihre kleine

feste Hand mit gespreizten Fingern aus und zog sie hastig wieder zurück,

als hätte sie ein Geheimnis enthüllt, -- auf der Hand lag es, daß

^l'ancien régime^, daß _Frankreich_ in Gestalt seines vertriebenen Adels

ein deutsches Heer aufgeboten hatte, um _Frankreich_, um jenes rabiate

Paris zu bewältigen! ^L'ancien régime^, verachtens- und

verabscheuenswürdig, -- oh, was hatte Huber dagegen einzuwenden? Die

kleine Faust fiel leicht und kräftig auf die Tischplatte nieder, denn

Huber hatte die breiten schön umrissenen Lippen ein wenig verzogen und

bewegte schmerzlich den Kopf, wie von einem krassen Forte peinlich

berührt. Hatte der sächsische ^chargé d'affaires^ noch so viel

aristokratische Sympathien, daß er kein wahres Wort hören konnte? Huber

hob nur abwehrend die Rechte: »Ah, ^l'ancien régime^! Es war nicht ohne

^charme^!« Therese, sein verzücktes Gesicht aufmerksam, fast neugierig

betrachtend, streckte ihm plötzlich die Hand hin, zärtlich ausrufend:

»Huber! Ich verstehe auch diesen ^point de vue^! Im Grunde aber sind Sie

_unserer_ Meinung!« und fuhr dann fort, im Tone der Seherin

darzustellen, wie ^l'ancien régime^ nun in der Pose unwiderstehlicher

Bravour dastehe, bereit, mit Strömen fremden Blutes jene ridikulen

Menschenrechte hinwegzuschwemmen, -- während das andere Frankreich in

Gestalt eines Heeres schlecht ausgerüsteter und mangelhaft bekleideter

Soldaten, deren zuverlässigste Waffe ihr Herz war ...

Eines Heeres begeisterter Kreuzfahrer, wie Huber nun von dem _anderen_

^point de vue^ aus schwärmend einschob, die die heiligen Grabstätten

einer großen Vergangenheit zu neuem Leben befreien wollten ...

Während dies _andere_ Frankreich im roten Westen unbeirrt seine Kolonnen

formierte. Fühlte denn nur sie allein den Boden schon zittern unter dem

Marschrhythmus der von Osten und Westen einander entgegenziehenden

Armeen, war nur sie allein so prickelnd erregt von der Spannung dieser

von Erwartung des Kommenden geladenen Luft, die jetzt über dem Rheinland

lag? --

O nein, auch George fühlte diese Spannung. Er fühlte sie, als mündeten

alle Strahlen des drohenden Sommerhimmels in der Kuppel seines unseligen

Schädels, und hineingerissen in das unwiderstehliche Vibrieren des

Lebens, das von Paris ausging, -- mochte der Geist dort auch schon den

Mord heilig gesprochen haben, -- in dieser Stimmung schrieb George an

den Schwiegervater, gelassen, als sei er an der Urheberschaft dieser

Entwicklungen beteiligt: »^Jacta est alea!^ Wir wollen nun aufhören, von

Prinzipien zu sprechen. Die Appellation an das Recht des Stärkeren ist

geschehen. Wir wollen sehen, wer der seyn wird.« --

Der Würfel war gefallen!

Dies war der Grund jener Erregung, die einstweilen zwecklos verlodern

mußte. Der Würfel war gefallen, -- deshalb, -- nun erkannte er es! --

galt es, die Nächte aufzusitzen, zu trinken, zu lachen, zynisch und

bizarr zu reden. Wenn die Staaten ins Wanken gerieten, so war nichts zu

tun, als die Hände sinken zu lassen. Die Sache der Zukunft war es, der

man angehörte, einer noch völlig verschleierten, dunklen, ungewissen

Sache. Wieder einmal, wenn man sich prüfte, sah man sich selber als den

nackten Menschen, dem Schicksal ausgeliefert, und es würde sich darum

handeln, der Bestie gegenüber das Ideal zu verteidigen. Indessen lag die

Bestie noch untätig da, den Kopf auf den Pranken, tückisch blinzelnd. In

einer solchen entsetzlichen Spannung hatte der kleine George vor dreißig

Jahren keinen anderen Ausweg gefunden, als den, seine Natur zu

vergewaltigen, mit dem Janusch umherzuwildern, Äpfel zu stehlen,

Heuschober anzustecken, Hunde und Katzen zu quälen. Oh, er erinnerte

sich seltsam deutlich!

Gäste also ins Haus! und ein Oxhoft Nierensteiner im Pfandhaus

ersteigert! --

Das Labyrinth: Ein Lebenslauf aus dem 18. Jahrhundert · 第 14 / 24 题